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Luid aerMZeitung

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mit Itnterhaktnngs -Aeikage „Zssufirirte Sonntags-Zeitung"

Druck und Vrrkfl dor Fuldaer Lctteudruckeret pcterszaüc Nr. e (Larmonie).

M 161.

Jutöa, Dienstag, den 17. Juli 1900.

27. Jahrgang.

Deutsche« Keich.

Berlin, den 16. Juli.

* Wie die ,Franks. Ztg/ einem Privatbriefe entnimmt, kam der Zkeichskanzker Iürst Kotzentohe am Samstag von Ragaz nach Flims, wo er dem dort mit Frau und Töchtern zur Er­holung weilenden Eentrumsführer Dr. Lieber einen Besuch abstattere. Das genannte Blatt glaubt annehmen zu dürfen, daß in der Unterhaltung der beiden Politiker auch die Ereignisse in China und die Einberufung des Reichstags eine Rolle gespielt haben.

h. Nach den zuletzt eingegangenen Meldungen aus Kamern« bestätigt es sich, wie die.Nord­deutsche Allgemeine Zeitung' meldet, daß Haupt­mann von Besser am 7. Juni ein glückliches Gefecht gegen die Ekoi bestanden hat. Herr von Besser ist am rechten Arm und an der linken Band verwundet worden. Doch scheinen seine erletzungen nicht ernster Natur zu sein, da er die Expedition nicht niedergelegt hat.

X Man spricht von der zukünftigen Bildung eines dentsche« KokorriatHeeres und von einer Gesetzesvorlage darüber, die dem Reichs­tage vermuthlich während seiner nächsten Tagung zugehen werde. Aber eigentlich haben wir ja das Kolonialherr schon. Die Ereigniffe zeigen, wie man bei uns ein Kolonialheer auch ohne besonderes Gesetz darüber ganz vollkommen und auch ziemlich schnell bilden kann; und nur noch ganz kurze Zeit wird es dauern, bis die aus freiwilligen Mannschaften gebildete gemischte Brigade den beiden Seebataillonen nach China folgen wird. Der China-Brigade werden Mann­schaften aller Truppengattungen angehören; sie bekommt eine eigene Uniform, Reiterei, Train, Sanitätsmannschaften, Feldbäcker und Leute vom Prooiantwesen, wird also ganz und gar die Ge- stakt eines besonderen kleinen Heeres erhalten — für solche Zwecke und nach unseren bisherigen Begriffen sogar eines recht großen Truppen­körpers. Auch im übrigen werden umfangreiche Vorkehrungen für den China-Feldzug in aller Eile getroffen: Das Reichsmarineamt will für später noch 30 bis 40 Dampfer mietheu, um einen regelmäßigen Dienst für den Transport von Proviant nach China einzurichten, da es mit der Verpflegung der Truppen ohne solche Sen­dungen aus der Heimath wahrscheinlich sehr mangelhaft bestellt sein würde. Bei uns in Deutschland wird eine solche Truppe zum ersten Male ins Ausland gesandt. Es geht also etwas Ungewohntes vor, und un­gewohnte Dinge pflegen sonst immer große Schwierigkeiten und Ausregung zu ver« anlaffen. Nun erfordert natürlich die Entsendung der China-Truppe auch besondere Vorbereitungen, und namentlich sehr schnelle Vorbereitungen; aber die verschiedenen Schilderungen, als ob ganz Spandau mit allen seinen Militärfabriken wegen diesen Vorbereitungen auf den Kopf gestellt wäre, treffen nicht zu. Nur das Spandauer Artillerie­depot wird in diesen Tagen in ganz besonderer Weise in Anspruch genommen; im übrigen geht alles ruhig und glatt vor sich, und der Verlauf der ganzen Vorbereitungen für den China-Feld­zug macht der Kriegsbereitschaft unseres deutschen Heeres alle Ehre. Es zweifelt wohl auch Nie-

Bit Tochter des Khrmmr.

Roman von O. Elster.

9 ------- (Nachdruck verboten.)

„Wenn sie die Beiden fangen," brummte Berendt Prigge, „dann ist ihnen die französische Galeere gewiß — und uns auch, fügte er hinzu.

„Das wär der Demvel!" knurrte Hans Heinrich. „Da hast Du uns in eine hübsche Geschichte ge­bracht, Berendt Prigge."

„Ich bring Euch wieder heraus."

„Ja, wieso?"

„Ihr müßt mit nach Helgoland . . ."

„Bin neugierig, wie wir dahinkommen sollten?"

„Wenn ich Euch erst auf meinem Boot habe, dann ist'S eine Kleinigkeit."

„Aber wie kommen wir in Dein Boot?"

„Laßt mich nur machen — da kommt unser Dragoner zurück."

Michel Bernhorst nahm einen Schemel, grinste Hans Heinrich und Berendt Prigge vergnügt an, stellte den Stuhl in die Thür und setzte sich ge- müthlich darauf.

„Ihr habt gehört, was der Korporal gesagt hat," sprach er in seiner breiten Weise, „also laust nicht fort oder ich müßt schießen, was mir um Euretwillen leid thun sollt'."

„Habt keine Angst, wir laufen nicht weg, Michel Bernhorst."

Dieser nickte grinsend mit dem dicken Kopfe, stopfte sich eine Pfeife, zündete sie an und paffte lustig drauf los, «ährend seine wafferblauen Augen

mand daran, daß die deutsche Truppe in China sich gut bewähren wird; und doch ist sie zu­sammengesetzt aus freiwilligen Mannschaften aller Armeekorps und aller Bundesstaaten. Daß man bei uns an eine solche Zusammensetzung eines Truppenkörpers denken kann, ist eben ein vor­treffliches Zeugniß für das deutsche Heerwesen. Eine solche Zusammensetzung kann nur dort ge­wagt werden, wo eine ganz hervorragende lieber« einstimmung und Zuverlässigkeit in der Ausbil­dung der Mannschaften vorhanden ist. Es wird schwerlich ein anderes Land geben, wo man Gleiches mit der gleichen Aussicht auf Erfolg wagen könnte!

* Die chinesische Irage wird ohne Zweifel im nächsten Winter auch den Reichstag be­schäftigen, namentlich wenn die große Kosten­rechnung aufgemacht wird. Die Theilmobili- sirung unseres Heeres und unserer Marine ver­ursacht natürlich große Kosten, und die Natur des Kriegsschauplatzes bringt es mit sich, daß ein Rückströmen der hierfür aufgewendeten Gelder auf lange Jahre hinaus unmöglich sein wird. Dabei trifft die Sache zusammen mit einem ans Krisenhafte grenzenden Zustand der deutschen Börsen und mit einer Diskonthöhe, wie sie im Hochsommer noch nicht erlebt wurde. Es ist denn auch bereits in der Presse die Frage ange­regt worden, ob nicht der im „Juliusthurm" in Spandau in baarem, gemünztem Golde liegende Reichskriegsschatz in Anspruch genommen werden könnte. Derselbe sei ja für die Zwecke der Mobilmachung bestimmt, und die partielle Kriegsbereitschaft der Marine sei ja ebenfalls eine Mobilmachung im Sinne des Gesetzes. Der Reichskriegsschatz besteht bekanntlich aus 120 Millionen Mark, welche s. Z. der französischen Kriegsentschädigung entnommen worden und in schönen 20-Markstücken für Zwecke der Mobil­machung niedergelegt sind. Er soll die unver- zügliche Durchführung der letzteren sichern. Er darf deßhalb weder zinsbar belegt noch ander- weit benutzt werden, muß auch bei stattgehabter Verwendung stets wieder entsprechend ergänzt werden. Schon seit einem Menschenalter liegen die 120 Millionen Mark im „Juliusthurm" zu Spandau rentlos da. Bei Schaffung des Reichs- kriegSschatzeS dürste sich kaum Jemand haben träumen laffen, daß derselbe jemals zur Mobll- machung gegen — China in Anspruch genommen werden sollte. Ein „Bischen chinesisch" war allerdings der Plan, eine so hohe Summe auf ganz unbestimmte Zeü rentlos in einen Thurm zu vergraben.

* Hefter die diesjährigen Kaifermanöver ist bis jetzt, nach der.Post', nur folgendes Nähere bekannt: DaS Gardekorps hat am 1. Sept. (Sonnabend) seine Kaiserparade auf dem Tempel- Hofer Felde bei Berlin. Von Montag, den 3. bis 8. begibt es sich in Feldmärschen nach dem Ma- növerschauplatz in Pommern. Das 2. Armee­korps hat am Sonnabend, den 9. September, feine Kaiserparade bei Stettin. Am 3. (Sonntag) ist allgemeiner Ruhetag. Vom 10. oft, voraus­sichtlich bis 13. September, sind die eigentlichen Kaisermanöver. Die Theilnahme der Flotte wird in Anbetracht der Expedition nach Ehina einge­schränkt sein. Alle weiteren näheren Bestimmungen stehen noch aus.

mit dem Ausdruck der Bewunderung auf der schlanken Gestalt Gesinens ruhten.

„Na, Hans Heinrich", sagte Berendt Prigge lachend, „mit dem Schlafen ist es nichts — also gib noch einen tüchtigen Schluck Rum her."

„Da steht die Flasche."

Berendt Prigge schenkte ein. „Wie ist's", wandte er sich an den Dragoner, „trinkt Ihr 'nen Schluck mit?"

. „Weshalb denn nich? Hab' den ganzen Tag auf dem Sattel gehangen. Da wird man durstig." Berendt Prigge reichte ihm ein großes Glas. »Auf dar Wohl des Königs I" sagte er mit breitem Lachen.

Michel Bernhorst starrte ihn an. „Welchen König meint Ihr?"

„Na — meinen und Euren König!"

Tiefsinnig blickte Michel Bernhorst in das Glas, dann leerte er es auf einen Zug und seufzte tief auf.

„Euer Rum ist gut."

„Wollt Ihr noch ein Glas?"

„Immerzu . . ."

Das zweste Glas übte bereits feine Wirkung auf den braven Burschen. Seine Augen nahmen einen lebhafteren Glanz an, seine Wangen und Stirn rötheten sich.

„Was meintet Ihr vorhin mit dem König?" ragte er plötzlich.

Berendt Prigge lachte. „Ihr seid doch West- fälinger?"

„3a, jetzt — aber vor ein paar Jahren noch war ich Preuße und hatt' ’nen anderen König!"

+ Da» IkabfaHre« auf de« Straße« kann unter Umständen lästig werden für den Fußgänger. Aber genau dasselbe trifft auf den Wagenverkehr zu, und doch wird noch niemand daran gedacht haben, daS Wagenfähren einem Menschen zu verbieten, der sich einmal unbe­holfen gezeigt hat in der Führung eines Gefährtes. Es fällt fein Meister vom Himmel, und so auch kein Roffelenker und kein gewandter Radfahrer. Die Hebung muß erst dir Gewandtheit bringen, und erst im öffentlichen Verkehr kann allgemach aus einem Radfahranfänger ein Radfahrmeister werden. Außerdem hat doch wohl kein zurechnungs­fähiger Mensch mehr die rückständige Anschauung, daß das Radfahren Spielerei und nur „Sport" sei. Das Radfahren istein hervorragend wichtiges Verkehrsmittel geworden, und wer sich dessen nur „zum Vergnügen" bedient, thur nichts anderes als derjenige, der Pferd und Wagen nur zum Spazierenfahren benützt. Und dennoch scheint eine deutsche Regierung noch immer auf dem merk­würdigen Standpunkte zu stehen, das Radfahren von diesen rückständigen Gesichtspunkten aus zu betrachten. Eine Ministerial-Verordnung für Hessen-Darmstadt verfügt, daß „Personen, die wegen Uebettretung der polizeilichen Vorschriften für den Verkehr der Radfahrer . . . mit Hast oder mehr als einmal mit Geldstrafe bestraft worden sind, oder die sich als des Radfahrens unkundig oder unfähig erweisen . . . die R ad- fahr k a r t e auf immer oder nur für eine bestimmte Zeit entzogen werden kann ... Die Mimsterialoerordnung beruht aber nicht nur auf sehr rückständigen Grundsätzen, sondern wider­spricht auch dem Reichsstrafgesetzbuch. Wer auch nicht radfahren kann und sich dennoch in den öffentlichen Verkehr der Straße wagt, mag getrost von der Polizei auf die Lehrbahn ver­wiesen werden; im übrigen pflegt er dabei für sich selbst mehr zu wagen, als andere Leute da­mit in Gefahr zu bringen. Aber es darf ihm nun und nimmermehr das Radfahren auf Lebens­zeit verboten werdm. Nr. 10 in § 366 des ReichS-Straf-Gesetz-BuchS sieht als Strafe für Zuwiderhandlungen gegen „Sicherheit, Bequem­lichkeit, Reinlichkeit und Ruhe auf den öffent­lichen Wegen, Straßen und Plätzen nur Geld- strafe vor bis zu 60 Mk. oder Haft bis zu 14 Tagen. Etwas anderes kann auch gegen Rad­fahrer nicht zur Anwendung gelangen. Oder hat schon jemand daran gedacht, einem Menschen das Reiten und Fahren auf Lebenszeit zu ver­bieten? Das hessische Ministerium wird hoffent­lich bald selbst das Unmögliche seines vorsünd- fluthlichen Standpunktes einsehen!

G. u. R. Dem Bürgerl. Gesetzbuch ist eine ge fetzttche Uttterßaktspfficht vo« Geschwister« untereinander nicht bekannt, im Gegensätze zum preußischen Allgemeinen Landrechte, aber in Uebereinstimmung mit dem rheinischen, dem gemeinen und dem sächsischen Rechte. Das hat zur Folge, daß selbst wenn ein vor dem 1. Januar 1900 ergangenes Uriheik das Bestehen einer solchen Unterhaltspflicht rechtskräftig fest- gestellt haben sollte, die Wirkungen dieses Hrtheils vom 1. Januar 1900 ab zwischen den Betheiligten vollständig erloschen sind. (Ent­scheidung des Reichsgerichts vom 24, April 1900.)

„Ja, man wechselt heut' die Landesfürsten wie die alten Röcke."

„Der Deuwel soll es holen!"

„Ha — so dient Ihr dem König Jerome nicht gern ?"

„Gern? — Na, gebt mir noch ’n Glas Rum. — Der Jerome ist doch nicht eigentlich mein König!" —

„Seht Ihr — das ist auch meine Meinung — und — hier habt Ihr den Rum und laßt uns anstoßen — und wenn ich Euch wäre, so wäre ich schon längst bei meinem wirklichen König."

„Ja — wie soll ich denn zu ihm kommen?" „Ich führe Euch zu ihm!"

»Ihr — ah bah, macht keine Witze."

„Ich will Euch mal was sagen, Michel Bern­horst — aber Ihr müßt erst einmal trinken und mir versprechen, nichts zu verrathen ..."

„Ich verrath nix . . ."

„Seht, da unten in der Weser liegt mein Kutter — ein flinkes Boot, wenn der Wind sein Segel faßt — und der Wind ist heut Nacht gut — in zwei Stunden können wir in der Nordsee sein . . ."

„Hollah, Ihr wollt echappiren!"

Der Dragoner wollte aufspringen, aber in dem­selben Augenblicke hatte die starke Faust Berendt Prigges ihm einen furchtbaren Schlag vor die Stirn versetzt, daß der Bursche, der ohnedies durch den Rum nicht mehr fest auf den Beinen stand, zurücktaumelte und stöhnend zu Boden stürzte, wo er besinnungslos liegen blieb.

„Berendt Prigge, wa8 habt Ihr gethan!" rief Gesine erschreckt.

ArrsLarrd.

• Aulwerpe«, 16. Juli. Dem Schiffsarzt der Red Star Linie in Antwerpen soll es den Blättern zufolge gelungen sein, ein Heilserum gegen die Tuberkulose zu erfinden und dieser damit bereits mehrere LungenschwindsÜch- tige geheilt haben. Der Erfinder Dr. Freyffe wird seine Versuche im Pasteurschen Institut in Paris fortsetzen.

* Hfaris, 16. Juli. Nach der Parade, die aus Anlaß des Nattonalfestes am Samstag in Longchamps abgehalten wurde, hat Präsident Loubet in einem Schreiben an den Kriegs­minister seine Befriedigung über die Leistungen ausgesprochen. Die Besichtigung habe ihm ge­zeigt, daß die Ausbildung und die Manneszucht der Truppen nichts zu wünschen übrig laffen. Die für nothwendig erachteten Aendernngen in der Ausrüstung seien jetzt dank der Mitwirkung des Parlaments und des Patriotismus der Führer und ihrer Untergebenen verwirklicht und böten eine Sicherheit für die Gewalt dieser Armee, welche die beste Bürgschaft für die Aus­dauer des Friedens bilde. Die beifälligen Kundgebungen, welche den Zöglingen der Mitttär- schulen und den Truppen bereitet wurden, seien ein Beweis dafür, daß Frankreich Vertrauen zu seiner nationalen Armee habe.

* Madrid, 16. Juli. Der .Heraldo' ver­öffentlicht ein Schreiben aus Manila, welches meldet, daß ein höherer amerikanischer Offizier und 50 Soldaten in einen Hinterhalt fiele». Dieselben wurden von den Aufständischen gefangen genommen.

* At-e«, 16. Juli. Der König von Griechen­land ist geftem nach Aix les Bains abgereist und wird nach Beendigung der Kur die Pariser Welt­ausstellung besuchen.

Der Krieg m Südafrika.

Zum ersten Male feit Beginn deS Krieges liegt heute nicht eine einzige Meldung aus Südafrika vor. Die englischen Blätter, die übrigens vielsach den Krieg als beendet und die beiden Republiken bereits als englische Ko­lonien betrachtet sehen mögen, füllen ihre Spalten mit Nachrichten aus China, die allerdings ja auch viel viel wichtiger sind, als der Burenkrieg.

Die Wirren in China.

Zu den Nachrichten öfter die Ermordung sämmtlicher Fremden in Peking schreibt die oberoffiziöse.Norddeutsche Allgemeine Zeitung': „Die Katastrophe in Peking ist nach den letzten Depeschen leider in das Bereich der hohen Wahrscheinlichkeit gerückt und die Hoffnung auf ein Minimum herabgestimmt. Immerhin darf man aber fefihalten, daß eine authentische Nach­richt noch immer nicht vorliegt. Würde sich die Nachricht bestätigen, so würden viele deutsche Familien in tiefe Trauer versetzt und »Deutsch- lands Empörung würde allgemein sein über eine in der Geschichte unerhörte Frevelthat."

In Wirklichkeit zweifelt kein Mensch daran, daß die schreckliche Nachricht auf Wahrheit be­ruht. Die Zahl der in Peking hingemordeten Fremden dürfte sich auf etwa 1000 belaufen.

„Der Bursche wird von dem Schlag nicht sterben! Aber nun geschwind in das Boot . .“

„Aber wir können doch unser Haus nicht so ohne weiteres im Sttch lassen?"

„Wollt Ihr auf die französische Galeere? — Packt Euren Plunder, den Ihr nöthig habt, rasch zusammen und kommt nach. Ich bringe derweil die Segel in Ordnung!"

Rasch eilte er davon und verschwand in der Dunkelheit.

„Vater — sollen wir wirklich ihm folgen?"

„Sicherlich — Gesine! 's bleibt uns jetzt nichts anderes übrig. Komm — da ist der Beutel mit meinen Ersparnissen — hundert Speziesthaler — das andere haben wir nicht nöthig. Komm — komm! Der Bursche rührt sich schon wieder!"

„Vater —!"

In der Ferne krachte ein Schuß, bann noch einer und wieder einer. Darauf tiefe Stille.

„O mein Gott, die Dragoner haben sie ein­geholt!"

„Um so schlimmer für uns — komm!" Und der alte Fährmann zog seine Tochter hastig mit sich fort.

„Kommt Ihr endlich!" rief ihnen Berendt Prigge entgegen. „Habt Ihr das Schießen ge­hört? Es ist die höchste Zett."

Der kleine Kutter schaukelte sich bereits frei von dem Tau, mit dem er an einer alten Weide befestigt gewesen war, auf dem Wasser. Ein etwa sechzehnjähriger Bursche hielt daS Segel, um es auf den ersten Befehl Prigge'S gegen den