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M 160.

Iuröa, Atontag, den 16. Juli 1900.

27. Jahrgang.

*k> Der Handel zwischen Deutschland «nd den Bereinigten Staaten vor Amerika.

Aach sehr langen und sehr umständlichen Ver- handlungen über die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist es nunmehr endlich zu einer Verständigung gekommen, die zwar vom ldeutschen Jntereffenstandpunkte aus manches '$u wünschen übrig läßt, im allgemeinen aber doch eine Besserung gegenüber den bisher sehr -Anficheren und mißdeutigen Verhältnissen au dem Gebiete der gegenseitigen Handelsbeziehungen bedeutet.

Diese Handelsbeziehungen beruhen auf der rechtlichen Grundlage eines Vertrages, der i. I. 1828 zwischen Preußen und den amerikanischen Unionsstaaten abgeschloffen worden war. Daß ein so alter Vertrag unter den vollkommen ver­änderten Verhältnissen der Neuzeit nicht mehr genügen konnte, vielmehr allerhand Mißdeutungen Thür und Thor öffnete, liegt auf der Hand. Aber Deutschland hatte sich in der neuern Zeit auch über mancherlei Ungerechtigkeiten und Härten in der amerikanischen Zollpolitik zu be- klagen, die durchaus nicht aus der Natur jener alten Abmachungen hervorgingen; und mit vollem Rechte sprach darum Staatssekretär Graf Bülow am 11. Februar 1899 im Reichstage von „Miß- werhältniffen der wechselseitig zur Erhebung ge­langenden Zölle" und von „lästigen Bestimmungen 'des amerikanischen VerzollungsoerfahrenS". Schon damals sagte der Staatssekretär des Auswärtigen, won Berlin aus seien diese unerfreulichen Ver- hältniffe „wiederholt zum Gegenstände dringlicher Vorstellungen bei der Regierung der Bereinigten Staaten gemacht worden". Aber dennoch hat es «och immer fiebenzehn Monate gedauert, bis jene wiederholten Vorstellungen Erfolge zu Tage ge­fördert haben.

Nah einer Mittheilung, die augenscheinlich aus amtlicher Quelle stammt, erhält Deutschland nach dem neuen Abkommen dieselben Zoll­ermäßigungen, die auch anderen Ländern von den Vereinigten Staaten zugestanden werden. 'Dabei handelt es sich besonders um Brannt­wein, nicht schäumende Weine, Kunstgegenstände u. a. m. Im allgemeinen hat also auch das neue Abkommen nur geringe praktische Bedeutung. Namentlich die harte Be­handlung des deutschen Zuckers durch die Ver­einigten Staaten erfährt dadurch gar keine Ab­milderung. Von Amerika aus wird behauptet, das habe mit den gegenseitigen Handelsbe­ziehungen nichts zu thun, sondern beruhe auf amerikanischen Grundsätzen, die immer zur An­wendung kämen gegen Einfuhrartikel, die in ihrem Ursprungslande AuSfuhrveigütungen haben. DaS find aber nur Ausflüchte. Erstens macht man in Amerika auch in der Ausübung dieser Grundsätze ganz erhebliche Unterschiede, und triefe Unterschiede schlagen für das Deutsche Meich nicht zum Nutzen, sondern zum Schaden aus; und zwestens brauchten die Amerikaner doch eben nur von diesen zollpolitischen Grund­sätzen abzugehen, wenn ihnen wirklich darum zu

Hit Tochter der Khrumss.

Roman von O. Elster.

® ------ (Nachdruck verboten.)

„Sie kommen hierher . . . Herr Kapitän, Sie müffen fich verbergen!"

„Und wenn sie das Haus durchsuchen und mich finden? Nein, da gehe ich lieber in die -Haide hinaus. Dort findet sich schon ein Versteck."

„Ich werde Sie führen, Herr Kapitän!" sprach Karl. „Ich kenne die Haide wie meine Tasche."

„Gut . . . aber wo hinaus?"

„Hier durch meine Kammer — das Fenster führt in den Garten — dann hinaus in die Haide. . sagte Gesine rasch.

„Braves Mädchen!"

„Geht, geht... die Dragoner find schon nah!"

„Gesine — lebe wohl . .

„Lebe wohl, Karl — auf Wiedersehen . . ." Sie reichte ihm die Hand, ihre Blicke trafen sich, da warf sie sich an seine Brust . . . „Lebe wohl, Karl, ich vergesse Dich nicht — lebe wohl . .

„Halloh! Halloh!" rief eine rauhe Stimme «aufjen und man hörte Pferdestampfen und WaffengeNirr.

„Fort — er ist die höchste Zeit!"

Gefine drängte den Offizier und Karl hinaus. Dann schloß fie die Thür wieder und blieb auf» «thmend, die Hand aufs Herz gepreßt, stehen.

„Halloh!" rief es draußen. «Ist denn Nie-

thun wäre, dem Deutschen Reiche freundlich auf dem Gebiete der Handels- und Zollpolitck ent­gegenzukommen.

Also die wirthschastliche Bedeutung des Abkommens ist nichts weniger als großartig. Und dennoch ist dasselbe erfreulich. Das ist es des­wegen, weil durch dasselbe die deutsche Auslegung und Deutung de« Rechtes der Meistbegünstigunc anerkannt werden. Und von großem Werthe i! außerdem in dem Abkommen die Bestimmung, da; eine Kündigungsfrist von drei Monaten ver­einbart. Dadurch kann sich Deutschland in Zu­kunft schützen vor Benachtheiligungen; denn da­durch würden ja die Vereinigten Staaten von Amerika ausgeschlossen werden von den Vortheilen der deutschen Vertragszölle, und das ist für Amerika sehr wichtig. Denn die Vereinigten Staaten brauchen Deutschland in höherem Grade, als Deutschland die Vereinigten Staaten braucht. Die Einfuhr der Vereinigten Staaten aus Deutschland beläuft sich nach der letzten Jahreszusammenstellung auf 378 Millionen jährlich, die Ausfuhr nach Deutschland aber auf 907 Millionen. Der Absatz von Erzeugnissen der Vereinigten Staaten im deutschen Reiche hat sich seit 1893 verdoppelt; ihre Ausfuhr nach anderen Ländern ist während derselben Zeit nicht annähernd in demselben Maße gestiegen.

Bisher stellte fich die Regierung zu Washington auf den Standpunkt, sie könnte bestimmten Ländern neue Zollvergünstigungen gewähren, ohne dieselben Vergünstigungen anderen Länder zuzugestehen, die mit den Vereinigten Staaten im gegenseitigen Verhältnisse der Meistbegünstigung stehen, ohne Rücksicht auf alte Vertragsverhältnisse, und sie könnte ferner für ihr eigene» Land dennoch nach wie vor den vollen Genuß der Meistbegünstigung ver­langen. Das war freilich ganz schlau gedacht. Aber Deutschland dachte natürlich von seinem Standpunkte aus anders, und nunmehr sind die Vereinigten Staaten den Anschauungen beigetreten, indem sie Deutschland grundsätzlich dieselben Zoll­vergünstigungen gewähren, die andere Länder ge­nießen. Das ist die Hauptsache bei dem neuen Abkommen.

Deutsches Keich.

Berlin, den 14. Juli.

ft Die außerordentliche« Ansgaöe- äyofltat im Reichshaushalle haben während der letzten Jahre eine außerordentliche Steigerung er­fahren. Das Extraordinarium des ordentlichen Ausgaben-Etats betrug im Jahre 1897 noch 91 Millionen, ist dann aber sehr rasch gestiegen. Es betrug 165 Millionen im letzten und beträgt sogar 198 Millionen im laufenden Etatsjahre. Für den Stand der Finanzen ist das insofern ein gutes Zeichen, als nur in guten Jahren so hohe ein­malige Ausgaben ohne Weiteres ertragen werden. Nichtsdestoweniger ist natürlich durchaus nicht zu wünschen, daß das so weiter gehe mit den außer­ordentlichen Ausgaben, und es ist ein wunderliches Beginnen, wenn Offiziöse sich jetzt so anstellen, als müßte man die gekennzeichneten Verhältnisse ledig- ich nur als erfreuliche Anzeichen betrachten. Mit olchen Verschleierungen unliebsamer Thatsachen wird man wenig ausrichten.

mand wach in dem verdammten Hause? Ausge­macht!"

„Thut, als ob Ihr aus dem Schlafe erwacht wäret, Vater ..."

„Will's schon machen," sagte der Alte mit chlauem Lächeln, und humpelte zur Thür.

5. Kapitel.

„Was ist denn das für ein Mordslärm da >raußen?" rief Hans Heinrich Allerkamp mit ärger- icher Stimme und bemühte sich scheinbar vergeb­lich, die Thür seines Häuschens zu öffnen.

„Wenn Ihr die Thür nicht sofort, öffnet, dann chlagen wir fie in Stücke und Euch hängen wir an dem Querbalken auf!" schallte es rauh und rrohend zurück und Kolbenschläge donnerten gegen die Thür.

„Geduld — ich komme schon — der verteufelte Riegel sitzt so fest . . . Da bin ich — was steht zu Diensten? — Ah, die Herrn Dragoner von heute Mittag!"

, In der That war es derselbe Trupp west- älischer Dragoner, welcher sich am Nachmittage >atte über die Weser setzen lassen und der nun auf erschöpften Pferden vor dem kleinen Fährhause sielt. Der Korporal war vom Pferde gestiegen und stand, die Pistole in der Hand, unmittelbar vor der Thür.

„Jawohl," fuhr er den Fährmann an, „die Dragoner von heute Mittag! Und jetzt wollen wir einmal Eure Spelunke durchsuchen! Wo habt ihr den englischen Werbeoffizier versteckt?"

„Einen Werbeoffizier? — Herr Korporal, ich wußte nicht, daß der Fischer Berendt Prigge aus Bremerhafen ein englischer Offizier ist "

X Die deutsche Kergrverksi«d«strie hat sich, wie sattsam bekannt, während der letzten Jahre in überraschender Weise entwickelt. Wie stark die Entwickelung ist, dürste dennoch nicht allgemein bekannt fein: der Werth der Erzeugnisse der deutschen Bergwerksindustrie hat sich während des letzten Jahrzehnts verdoppelt. Dieser Werth betrug im abgelaufenen Jahre 1050 Mill. Mk. gegen 940 Millionen im Jahre 1898 und 555 Millionen im Jahre 1888. Von den 1050 Millionen des Jahres 1899 entfallen auf Stein­kohlen allein rund 790 Millionen Mark, au Braunkohlen 78, Eisenerze 70, Zinkerze 35, Kupfererze 21 Millionen und so fort. Der Wert! des aus den Erzen gewonnenen Roheisens betrüg nicht weniger als 456 Millionen Mark für das Jahr 1899. Namentlich die Gewinnung von Steinkohlen ist sehr bedeutend gestiegen; deren Werth betrug im Jahre 1889 nur 385 Millionen; und dabei hört man von allen Seiten Klagen über Kohlenmangel. Gerade die Kohlenförderung hat am allerstärksten zugenommen, verhältniß- mäßig noch stärker als die Förderung an anderen Bergwerkserzeugniffen. Also auch dieser Umstand läßt mit größter Wahrscheinlichkeit den Schluß zu, daß die Vertheilung dieser Kohlen an die Verbraucher nicht nach den richtigen Grundsätzen erfolgt.

X Ki«e« ruchlose« Agrarier glaubte das freisinnige ,Berl. Tagebl.' entdeckt zu haben, nämlich auf dem Rittergute Lanke bei Berlin. Ein Augenzeuge berichtete dem genannten Blatte über ganz scheußliche sogenannte „Wohnungen", die besagtes Rittergut für polnifche Arbeiter eingerichtet hat: dumpfe unterirdische Räume mit Schlafstätten für Leute beiderlei Geschlechtes und von ganz offenbarer Gesundheitsschädlichkeit. Der häßlichen Schilderung ist nirgends widersprochen worden; sie muß wohl also wahr sein. Nun hat sich die .Deutsche Tageszeitung' danach er­kundigt, wer das genannte Gut bewirthschastet und hat herausbekommen, daß daffelbe von Herrn Fritz Friedländer, in Firma Emanuel Friedländer u. Komp., von dem Grafen von Rebern gepachtet ist. Die Firma Friedländer ist eine sehr reiche Kohlenhandelsfirma in Ober- schlefien, die durch den auch von der preußischen Regierung geförderten Kohlenzwischenhandel un­geheure Summen verdient. Im ,Berl. Tagebl/ ist, abgesehen von dem Abdruck jener ersten Zuschrift, von jenem durchaus verdammens- werthen Falle nie mehr die Rede gewesen. „Das läßt tief blicken!"

* Zur SosicheKfrage wird in der ,Rordd. Allg. Ztg/ mit Bezug auf die neulich durch die Presse gegangene Nachricht mitgetheilt, daß über die Frage der Einführung des Postcheckverfahrens überhaupt noch keine endgiltige Entschei­dung getroffen ist.

+ Die Waarentzänser suchen die Last der neuen preußischen Waarenhaussteuer von sich ab- tzuwälzen. An die Oeffentlichkeit gelangt ein Rund­schreiben, das die Waarenhaus- Firma Tietz in Köln und demnächst auch in Berlin an ihre Liefe­ranten gerichtet hat. In diesem Rundschreiben macht die genannte Firma für alle Lieferungen vom 1. Oktober ab zur Bedingung 2 v. H. Waaren-Skonto und 2 o. H. Kassa-Skonto. Wenn

„Schwatz nicht so dumm. Euer Berendt Prigge mag sich zum Henker scheeren! Wir suchen einen englischen Offizier, der sich hier herumtreibt, um rie Burschen zum Eintritt in die deutsch-englische Legion zu verlocken. Also — wo habt Ihr ihn?"

„Ein solcher Herr wohnt nicht bei mir," ent­gegnete Hans Heinrich ruhig und pflanzte sich breit vor die schmale Thür.

„Ihr seid ein frecher, halsstarriger Hallunke! Wir werden es Euch fchon zeigen, wer Herr im Lande ist. Platz da, oder ich schieße Euch über den Haufen."

In diesem Augenblick trat Gesine an die Sette ihres Vaters und legte die Hand auf feinen Arm.

„Laßt doch die Herren eintreten, Vater?" ägte sie sanft. „Sie mögen sich selbst über­zeugen, daß nur der alte Prigge bei uns übernachtet."

„Da ist ja die Jungfer Naseweis auch wieder" achte der Korporal. „Nun, Jungfer, hütet Euch nur, daß Ihr nicht wieder einen meiner Seute so chlecht behandelt, wie heute Nachmtttag. Es könnte mir sonst die Geduld reißen. Aber jetzt Platz da . . ."

Hans Heinrich Allerkamp gab den Weg frei und der Korporal stürmte mit zwei oder drei Dra­gonern in da» Hau».

„Sind Sie fort?" flüsterte Allerkamp seiner Tochter zu, die ihm mit den Augen bejahend zu­winkte und fich bann still in einen Winkel setzte.

Die drei ober vier Räume be» kleinen Hause» waren halb durchsucht; auch der Ziegenstall und 5er kleine Schuppen konnten mit einem Blick über» ehen werden. Mit einem ärgerlichen „Tausend Teufel!" trat der Korporal wieder in die Stube, tn der Berendt Prigge schläfrig mit den kleinen

das nicht bewilligt werbe, stellt sie Abbruch der Beziehungen in Aussicht. Man hat anzunehmen, daß die Waarenhäuser mehrfach und auf Verab­redung so handeln und folgert vielfach daraus, daß alle Besteuerung der Waarenhäuser unnütz sei. Mtt Verlaub, das ist keine richtige Schluß, folgerung. Warum nämlich lassen sich denn daS die liefernden Firmen gefallen? Warum schließen fie sich nicht gegen die Waarenbazare zusammen, ebenso wie diese fich zusammenthun, um andere Geschäfte in den Preisen zu drücken? Die deut­schen Buchhändler find darin mit gutem Beispiele vorangegangen. Aber Anderen ist nur zu empfeh­len, das Gleiche zu thun.

• Der Ierusprechverkehr zwischen Deutschland ««d IranKreich wird demnächst eröffnet werden. Es haben bereits die Sprech- versuche zwischen den deutschen und den franzö­sischen Vermittelungsanstalten begonnen. In Berlin sind bereits alle Vorbereitungen für diesen Fern­sprechverkehr beendigt. Ein Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten wird je nach der Ent­fernung der Orte von einander 5 bis 6,50 Mark kosten.

* Ueber die MeichstagsersatzwaHk in Aofgeismar Aittlekn sind die Konservativen und die Antisemiten in Streit gerathen. Die,Kreuzzeitung' hatte gemeldet, daß die Kon­servativen jedenfalls einen eigenen Kandidaten aufstellen würden; es werde sich also wohl in der Hauptsache um einen Wahlkampf zwischen Konservativen, Antisemiten und Sozialdemokraten handeln. Utber die Konkurrenz waren die Anti­semiten, deren Kandidat Dr. Vogel ist, natür­lich wenig erbaut, und um den Konservativen zuvorzukommen, haben sie den Bund der Lanbwirthe für ihren Kandidaten sich zu sichern gesucht. Die Bundesdirektion erwidert bereitwilligst, sie könne „nicht annehmen, daß die demnächst stattfindende Vertrauensmännerversamm- lang im Wahlkreise Hofgeismar-Rinteln sich einem Kandidaten der deutsch-sozialen Reformpartei gegenüber feindlich stellen wird, soweit nicht etwa die gewählte Person hierzu Beranlaffung gibt, da die deutsch-soziale Reformpartei fich den agrarischen Interessen gegenüber stets als eine der zuverlässigsten Parteien erwiesen hat." Im Besitz dieser fteundschaftlichen Kundgebung triumphiren nun die Antisemiten: „Damit ist der ballon d’essai der ,Kreuzzeitung' wie eine Seifen­blase zerplatzt. Den Herren Konservativen dürste die Lust zu einem Einbruch im Kreise HofgeiS- mar-Rinteln vergangen sein." Die,Nationalztg/ bemerkt hierzu freudestrahlend: Die armen Kon­servativen! Sobald sie ihre eigenen Wege gehen wollen, treten ihnen die wackeren Freunde der extremen Richtung, die fie einst liebevoll groß- gezogen, in den Weg und schicken sie mit un- gnädiger Gebärde nach Hause. Die ,Nationalztg/ scheint es hiernach für ausgemacht zu halten, daß bei der Wahl die Antisemiten und die Bündler zusammengehen wollen. Uns scheint das noch nicht ganz klar zu fein. Der Bund der Land- wirthe hat oft genug erklärt, daß er die Konser­vativen und Antisemiten als gleich gute Freunde behandele; in Konkurrenzfällen stellte er die Auswahl seinen Vertrauensmännern deS betr. Wahlkreises anheim. Diese werden

chlauen Augen blinzelnd auf der Herbbank lag, vährenb der Fährmann und Gesine schweigenb neben dem Herde saßen.

„He — Ihr ba — steht einmal auf!“ rief )er Korporal unb stieß Berendt Prigge mit der Säbelscheide in bte Seite.

„Potz — Seehund und Stockfisch!" fuhr dieser empor. Könnt Ihr einen schlafenden Menschen nicht in Ruh lassen? Ich hab Euren englischen Offizier nicht in meiner Rocktasche versteckt."

„Glaub's schon. Vielleicht aber in Eurem Kahn — also marsch, führt uns zu Eurem Kahn. Man 'ennt Euch, Berendt Prigge, daß Ihr nicht ohne Grund mit Eurem Boot bi» hierher die Weser finauf fahrt."

Berendt Prigge überlegte blitzschnell, daß der Besuch de» Korporal» auf seinem Kahn verhäng- nißvoll werden konnte, denn e» lagen ba in der leinen Schlafkoje noch einige Fässer unverzollter ! Baaren, bie er auf bem Rückwege in ber Nahe Bremen» landen wollte. Aber würbe er bett Kor­poral nicht hinführen, bann erregte er erst recht Verbacht. Ec sann noch über einen Ausweg nach, als braußen eilige Hufschläge erschallten. Bor ber Thüre wurde ba» Pferd parirt, klirrend sprang ein Dragoner au» bem Sattel unb trat hastig ein. E» war ber junge Jean Bonnet, ben Gesine heute Nachmittag so trefflich heimgeleuchtet.

„Korporal . . .!" rief er.

„Wa» gibt'« ?"

Jean Bonnet berichtete in französischer Sprache, welche ber Fährmann unb Berendt Prigge nicht verstanden, während Gesine wenigsten« den Sinn »er Watte verstehen konnte. Sie erschrak, denn ber junge Dragoner meldete, baß er zwei Männer