Erscheint täglich, «Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
-»rugrprei, ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Kukba und auS- »SttSlM.Soch.
KuldarrMZertung
znserair:Dieek» spalt. Garmond- zelle oder der« Raum 15 W., Reklamen die Petit- »eile 25 Pf.; bet Wiederholung« wird entsprechend. Rabatt gewährt.
Verantvertli»: Fu» di« x-d-ktto« 3ef.!5««*, s»r Jnkrat« 3. Parzelle» tu Fulda.
mit Itnterhattungs-Meitage „Illustrirte Sonntags-Zeitungi' ■”* peterrgage kkr. 2 tDarmoMej.
JuLöa, Samstag, den 14. Juli 1900.
M 159.
27. Jahrgang.
X Ein reiches und doch armes Land.
Seit Jahren gelangen Hiobsposten zu uns über 'bie schrecklichen Verheerungen, die Hungersnoth und Seuchen in Indien anrichten. Beulenpest und Cholera überziehen in gräßlichem Wechsel das geplagte Land, und gerade jetzt hält wieder die Cholera ganz besonders fürchterliche Ernte. Jedermann weiß, daß Seuchen am allerschrecklichsten dort Hausen, wo die Menschen durch irgendwelche anderen Umstände an ihrer gewöhnlichen Widerstandsfähigkeit eingebüßt haben ; und namentlich Hungersnöthe sind naturgemäß eine fürchterlich wirksame Vorbereitung für die Todesarbeit von Volksseuchen. Damit ist gleichzeitig nachgewiesen, daß an den Seuchenverheerungen mittelbar auch derjenige schwere Schuld hat, der durch verkehrte Maßnahmen oder böswillige Unterlassung der geeigneten Vorkehrungen mit zu der Entstehung der Hungersnoth beigetragen hat.
Indien im Ganzen genommen hat von jeher so viel Landfrüchte erzeugt, wie zur Ernährung seiner gesammten Bevölkerung ausreicht. Denn Indien ist im Allgemeinen, wie man weiß, ein reiches Land. Aber es gibt große Landstriche in Indien, die den eigenen Bedarf nicht erzeugen, oder wenigstens bei ungünstigen Ernten nicht erzeugen; und wenn nun diese Landstriche, die vorwiegend dem westlichen Indien angehören, nicht aus der Gangesniederung versorgt werden mit dem nothwendigen Getreide, oder nicht rechtzeitig versorgt werden können, dann macht sich naturgemäß sofort ein Nothstand bemerkbar.
In Indien liegen nun thatsächlich die Verhältnisse so, daß in ungünstigen Erntejahren die Versorgung der westlichen LandeStheile nicht nur schwierig ist, weil es in denselbenLandestheilen außerordentlich an Verkehrsmitteln fehlt, sondern auch darum, well die Spekulation sich sofort in der brutalsten Weise den Nothstand nutzbar macht und die Preise so hoch wie möglich antreibt. Keine Staatsgewalt, keine Regierung, kein Vizekönig kümmert sich um die von schwerster Noth heimgesuchten Bezirke; wohl aber schmunzeln die Engländer vergnügt, wenn Ausländer, durch die gräßlichen Schilderungen von der Hungersnoth bewegt, Sammlungen zu Gunsten der geplagten VolkSmassen in Indien veranstalten und dem viel reicheren England dadurch die Sorge darum vollends abnehmen.
Die Engländer haben es nicht nur unterlassen, für den geeigneten Ausbau der Eisenbahnen zu sorgen, um die Versorgung der einzelnen Landes- theile zu erleichtern. Unter dem britischen Regi- mente sind auch vortreffliche Kultureinrichtungen verfallen und verdorben, die unter den früheren eingebornen Regierungen stets aufs sorgfältigste gepflegt wurden. Die Hauptnahrung Les Indiers ist Reis. Reis bedarf zum Gedeihen starker Feuchtigkeit. Um immer das nothwendige Waffer für die Reiskultur zu haben, hatte man früher Sammelbecken fürWaffer angelegt, die in feuchten Jahren sich füllten und in trockenen
Hit Techln ins Khrumns.
Roman von O. Elster.
7 ------ (Nachdruck verboten.)
„Gesine, stich die Lampe an", sagte Hans Heinrich und wandte sich dann zu dem Fremden.
„Seien Sie willkommen, Herr — Sie kommen von England?"
„Ja", entgegnete der Fremde. „Ich danke Euch -für Eure Ausnahme. Ich will Euch jedoch nicht lange lästig fallen."
„Hat nicht» zu sagen, Herr. Ein englischer Offizier iS bei mir stei» willkommen. Ich war Steuermann auf Seiner Majestät Fregatte Agamemnon, Herr, und hab' unter dem Admiral Nelson gedient. Sie kennen doch den Admiral Nelson, Herr?"
„Ich sollt'- meinen", sagte der Fremde lächelnd.
„Nu schweig aber stille von Deinem Admiral Nelson, Hans Heinrich, und gib uns lieber en büschen zu essen und zu trinken. Hast noch von dem Rum, den ich Dir letzthin gebracht habe?"
„Ja."
"Na, dann her damit."
Gesine stellte Brod, Butter und Käse, sowie ein Glas Honig auf den Tisch.
„Viel können wir Ihnen nicht bieten, Herr", sagte sie entschuldigend zu dem Fremden.
„Ich danke Euch, mein Kind, es ist vollkommen genügend."
Der Fremde warf seinen Mantel und Hut ab. Er trug die einfache, dunkle Kleidung eines Kaufmanns, aber man sah seiner kräftigen, hochge-
Jahren dann den fehlenden Regen durch ihr Waffer ersetzen konnten. Die britische Regierung hat sich um diese nothwendige Kultureinrichtung so wenig gekümmert, wie um andere Dinge, und so sind diese für die Ernährung eines großen Theiles der indischen Bevölkerung höchst noch- wendigeu Anlagen verfallen. Die Folge davon ist, daß in ungünstigen Erntejahren Hungersnoth eintritt, Hungersnoth und Sterben, und daß die geschwächte Bevölkerung dann massenhaft hinstirbt unter einer einfallenden Seuche. Wie fürchterlich Seuchen in solchen von der Noch heimgesuchten Bezirken Indiens wüthen, davon erhält man eine gräßlich deutliche Vorstellung, wenn man liest, daß allein in der letzten Juniwoche dieses Jahres in den von der Hungersnoth betroffenen Gebieten 10,300 Fälle von Cholera vorgekommen sind, von denen etwa 6500 tödtlich verliefen. Die Noch steigt dabei fortgesetzt, und alle amtlichen Berichte stimmen darin Überein, daß Noth undHunger sich über jede Erwartung hinaus ausgedehnt haben und auch in diesem Jahre die Ernte-Aussichten in verschiedenen Theilen Indiens höchst trübe sind. Wie Hungersnoth in Indien wüthen kann, das lehren die Erfahrungen früherer Jahre: in der Zeit des Nothstandes von 1866 bis 1869 starben in Indien drei Millionen Menschen, in der Hungerperiode von 1873 bis 1879 insgesammt mehr als 61/» Millionen. Und dabei zog England aus Indien im Durchschnitte der Jahre von 1893 bis 1896 einen Jahresgewinn von 541 Millionen Mark!
Die Hauptmasse der Indier find arme Leute. In einem guten Jahre können sie ihre Steuern gerade bezahlen. In einem schlechten Jahre werden die indischen Bauern zahlungsunfähig, und dann fällt der durch nichts gehin. bette Wucherer über sie her und preßt ihnen Zinsen in der Höhe von 50, 60, 70 und 80 vom Hundert aus. Lesen und schreiben können sehr wenig Leute. Von der männlichen Bevölkerung können 89, von der weiblichen 991/» vom Hundert weder lesen noch schreiben. Aber die britische Regierung denkt gar nicht daran, hier die bessernde Hand anzulegen. Im englischen Oberhause sagte vor wenigen Jahren Lord Ellenborough mit cynischem Hohne: „Die indischen Eingeborenen zur geistigen Stufe emporzuheben, widerstrebt unserem Interesse. Einsichtsvolle Menschen werden unsere Regierung nimmermehr geduldig ertragen."
Und als in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre doch der bekannte Aus stand in Indien ausgebrochen war, wütheten dir englischen Truppen wie die Bestien unter den Indern. Keine Qual war zu scheußlich, kein Verfahren zu gemein — unsäglich wurden die Unglücklichen gemartert und zu Zehntausenden hingeschlachtet, bis der Aufstand niedergeworfen war und das „stolze England" von neuem mit der AuS- saugungsarbeit beginnen und alljährlich wiederum seine halbe Milliarde aus dem unglücklichen Indien erpressen konnte.
„Als harmlose Kaufleute zogen wir aus und wurden überall vertrauensvoll empfangen. Aber bald zeigten sich die unschuldigen Schafe als reißende Wölfe, die harmlosen Kaufleute als hinterlistige Räuber..." So urtheilte schon
wachsenen Gestalt den Soldaten an. Sein schöne» Antlitz war von der Seeluft leicht gebräunt, sein: dunklen Augen blickten feurig und kühn, und der dunkle Schnurrbart gab dem Gesicht einen martialischen Ausdruck. Der Fremde mochte ungefähr dreißig Jahre alt sein.
Al» die Männer 'noch beim frugalen Abendessen saßen, wurde leise an die Thür geklopft. Berendt Prigge horchte auf, und auch der Fremde erhob lauschend da» Haupt.
„Gesine, sieh einmal nach, wer uns noch mit seinem Besuch beehren will", sagte der Fährmann ruhig. „Sie aber, Herr Kapitän, thäten gut, einstweilen hier nebenan in meine Schlaflabine zu treten."
„Sie haben recht, Vorsicht ist auf alle Fälle gut", entgegnete der Fremde und trat in da» kleine, dunkle Nebengemach.
Gesine öffnete die Hausthür.
„Gesine . . ." sprach eine leicht bebende Stimme.
„Karl, Du noch hier? Wa« willst Du in der Nacht, — was ist vorgefallen?"
„Ich will Euch Lebewohl sagen . . ." „Konntest Du nicht morgen kommen?" „Nein, Gesine. Seid Ihr allein?" „Berendt Prigge ist da."
„Ach, da« paßt sich gut! Ich möchte mit ihm sprechen."
„So tritt ein."
„Potz Häring und Stockfisch, der Karl Ahrendt!" tief der Helgoländer Fischer und schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser klirrten. „Woher kommt Ihr noch — aber was frag' ich noch?" setzte er mit einem schlauen Augenzwinkern
1839 der große englische Geschichtsschreiber Macaulay über das Auftreten und die Wirth» schäft seiner Landsleute in Indien — über „das schwarze Kapitel der englischen Geschichte". Während der letzten Jahrzehnte ist das schwarze Kapitel noch schwärzer, die Räuber noch ärger geworden. Jedes Kulturvolk muß sich um der eignen Ehre willen aufs peinlichste davor hüten, mit England zusammen Kolonialpolitik zu betreiben. Denn diese Gemeinschaft würde niemals Ehre, sondern nur Schande bringen!
Deutsches Reich.
Berlin, den 13. Juli.
O ^räfideut des Aeichsmikitärgerichtes wird nicht, wie anfänglich angenommen wurde, General von Hahnke, Chef des kaiserlichen Militärkabinets, sondern Generalleutnant Freiherr von Gemmingen, bisher Kommandeur der 38. Division in Erfurt.
h Köyere Ileßerrveifimserr ar» die prenßischen ^roviuze« hatten bekanntlich die Nationalliberalen im Abgeordnetenhause beantragt. Jetzt wird halbamtlich mitgetheilt, daß „die Vorbereitungen für die Neuregelung der Dotationen der Provinzialverbände in vollem Gange sind und so rasch dem Abschlüsse entgegen» geführt werden, wie bei der Schwierigkeit der Materie nur irgend möglich ist." Was eigentlich dabei beabsichtigt ist, geht aus der offiziösen Notiz gar nicht hervor. Minister von Miquel wollte bekanntlich gar nicht viel wissen von dem Begehren des Herrn von Eynern. Thatsache ist aber jedenfalls, daß die Provinzialverbände erheblich stärker belastet worden find im Verhältnisse zu ihren Einnahmen, als sie früher waren. Und die Menge der Lasten nimmt nicht ab, sondern zu.
h Der Küster» Ka«ar will nicht mehr von der Bildfläche verschwinden. Jetzt erscheint in mehreren Zeitungen gleichzeitig eine Notiz, in der gesagt wirb, in militärischen Kreisen neige man neuerdings ganz besonders dem Küsten-Kanal zu. Die wegen der chinesischen Wirren erforderliche Vetproviantitung der Kriegsschiffe in Wilhelms- Hafen habe gezeigt, wie wichtig eine solche binnen» ländische Wasserstraße, besonders zu Kriegszeiten, aus dem rheinisch-westfälischen Kohlenreviere nach der unteren Weser und Elbe fei. Die Kohlentransporte würden auf einer solchen Wasserstraße nicht nur rascher, sondern im Falle einer feindlichen Blokade auch sicherer nach Wilhelmshafen oder Kiel gelangen rc. Strategische Gründe sind bekanntlich auch für den Mittelland - Kanal in's Feld geführt worden. Wenn die Kanalpläne so weiter an Zahl und Umfang zunehmen, wie während des einzigen letzten Jahres, dann wird im nächsten Jahre eine Milliarde nicht mehrzureichen, um alle dieseProjekte auszuführen. Dann würde auch dir große Finanzkunst des Herrn v. Miquel bedenklich in die Brüche gerathen.
x (Shte na (äußere Sache, in die auch der Fürst von Bulgarien verwickelt ist, bildet gegenwärtig den Gegenstand einer Civilklage in München. terr Ferdinand hatte unter den vielen unsauberen ubjekten, die schon zu feiner unmittelbaren Um»
nach „Ich kenne ja den Köder, der
Euch hierherzieht. . ."
„Guten Abend, Berendt Prigge", unterbrach Karl den Redseligen. „Guten Abend, Vater Allerkamp. Ich komme, um von Euch Abschied zu nehmen."
„Wieso? Abschied nehmen? Explizite Dir etwa» deutlicher."
„Ich habe mich mit meinem Vater überworfen."
„Aha . . ."
Gesine sah mit angstvollen Blick auf den Geliebten. Dann ergriff sie Karl» Hände und fragte mit bebender Stimme: „Karl, ist'S wegen meiner?"
Er hielt ihre Hand fest in der seinigen. „Ich sollt die Marie vom Haidehof heirathen, um der Konskription zu entgehen — und da — da bin ich davongegangen, denn ich kann die Marie nicht heirathen."
Eine dunkle Gluth überflammte Gefinen» Wangen. Sie athmete tief auf und preßte Karl- Hand gegen ihr Herz.
„Karl", stieß sie hervor.
„Ja, Du weißt es, weshalb ich die Marie nicht heirathen kann . . ."
„Hm", machte der alte Fährmann. „Was soll denn nun werden?"
„Ich will in die Weft, um mir einen Platz zu suchen, wo ich als freier Mensch leben kann und thun und lassen, was mir gefällt."
„Solch' einen Platz gibt» nich auf der Welt, mein Sohn Karl Ahrendt," meinte Berendt Prigge trocken. „Aber wenn Ihr Lust habt, ein Helgoländer Fischer und — Schmuggler zu werden, so nehm' ich Euch heute Nacht noch auf meinen
jebung gehörten, ehemals auch einen Privat« ekretär Namens Pfannenstiel, und dieser Pfannenstiel nützte seine Stellung in der un« stündlichsten Weife aus. Im Jahre 1897 befand ich besagter Pfannenstiel in der Begleitung deS Fürsten in München und borgte dort den Gast« Hofsbesitzer um 3000 Mark an — angeblich im Auftrage des Fürsten. Der Gasthofsbesitzer glaubte >as und gab das Geld her. Später, nachdem Pfannenstiel unter Mitnahme' wichtiger Papiere aus dem Dienste des Fürsten geflohen war, versprach Fürst Ferdinand, selbst Zahlung zu leisten, that das dann aber doch nicht, sondern riech dem Hotelbesitzer, Pfannenstiel wegen Betruges anzuzeigen. Die Anzeige erfolgte, aber von Pfannenstiel war niemals eine Spur zu entdecken, und nun ist der Fürst von Bulgarien wegen der versprochenen, aber nicht erfolgten Zahlung der bewußten 3000 Mark verklagt worden. Psannen- stiel hat den denkbar übelsten Nachruf hinter« kaffen und muß allem Anscheine nach ein Subjekt bösester Sorte sein, so gemein, daß das dem Fürsten unmöglich verborgen bleiben konnte. Man renkt dabei wieder an die wüste Sache von der Ermordung der Operettensängerin, in die Offiziere aus der vertrautesten Umgebung des Fürsten verwickelt waren als Verführer und Mörder des Mädchens . . . . Ob es nach mehr Leute diese- Schlages in dem Palais des Fürsten gibt?
+ Das neue deutsch amerikanische Aan- detsaßkommen räumt Deutschland die anderen Ländern auf Grund des Artikels 3 des Dingley» Tarifs zugestandene Tarifermäßigung ein. ES handelt sich dabei hauptsächlich um Branntwein, nicht rnoussirende Weine, Kunstgegenstände und dergleichen mehr. Die wirthschaftliche Bedeutung des Abkommens ist demnach nicht sonderlich hoch zu veranschlagen. Ein prinzipieller Werth siegt in dem Umstände, daß Deutschland von Amerika mit den anderen Staaten handelspolitisch auf gleichem Fuße behandelt wird und daß die Vereinigten Staaten die Berechtigung der deutschen Proteste gegen dte bisher beliebte differentiale Behandlung der deutschen Einfuhr anerkannt haben. In dem neuen Abkommen ist eine Kündigungszeit von 3 Monaten vorgesehen, sodaß Deutschland in Zukunft nicht durch Kündigung der Vereinbarung und eventueller Ausschließung Amerikas von dem Genuß seines Ser» tragstarifes vor Benachteiligung schützen tarnt. Die über den Rahmen des Artikels 3 hinaus- gehenden Handelsbeziehungen Amerikas mit einer Anzahl anderer Staaten, zu denen auch Frankreich gehört, ist bisher noch nicht in Kraft getreten.
AusLuud.
ft Miet», 13.Juli. Ministerpräsident von Körber reifte heute nach Ischl, um dem Kaiser Über die Vorbereitungen Bericht zu erstatten, welche die Regierung zur wetteren Ausgestaltung der politischen und parlamentarischen Sage bisher getroffen hat.
* London, 13. Juli. Die englischen Seemanöver im Aermelkanal werden diese- Jahr einen außergewöhnlichen Umfang annehmen. PMttS in voriger Woche sind die englischen
Kahn mit hinüber nach Bremen und morgen Mittag sind wir in Helgoland."
„Ich wollte Euch schon darum bitten, Berendt Prigge."
„Topp, so schlagt ein."
Er hielt dem jungen Manne die breite Hand entgegen, aber ehe Karl einschlagen konnte, öffnete sich die Thür des Nebenraume» und die hohe Gestalt der Fremden trat ein.
Erstaunt blickte Karl zu ihm auf.
„Ich habe alles gehört", sagte der Fremde lächelnd, „und das wettere kann ich mir denken", setzte er mit schalkhaftem Blick auf die erröthende Gesine hinzu. Daun trat er auf Karl zu und legte ihm die Hand auf die Schulter, ihm ernst in die Augen blickend.
„Ihr heißt Karl Ahrendt?"
„Ja, Herr ..."
„Und wollt mit diesem alten, grauen Seebären nach Helgoland, um englische Maaren zu schmuggeln und schließlich den französischen Gendarmen in die Hände zu fallen und auf der französischen Galeere zu verkommen? Gibt eS für einen jungen, kräftigen Burschen heute keine andere und passendere Beschäftigung?"
„Ich weiß nicht, Herr . . . wenn ich Soldat werden könnte . . . aber westfälischer Soldat mag ich nicht werden."
„Das habt Ihr auch nicht nöthig, Karl Ahrendt. Das deutsche Vaterland liegt zerrissen, blutend, gedemüthigt da unter der Tyrannenfaust des korsischen Eroberers. Ihr alle wißt es» aus wie vielen Wunden das deutsche Vaterland blutet . . . Ihr zumal, deren engere Heimath ganz loSgerissen von Deutschland, deren Fürst«