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JK 158.
Jul-a, Freitag, den 13. Juli 1900.
27. Jahrgang.
z Ein österreichisches Centrum?
In der Presse tauchen Nachrichten auf von «iner beabsichtigten Verschmelzung der katholi» scheu Volkspartei und der christlich» sozialen Partei in Oesterreich zu einer ein» zigen Partei, die sich fortan „Oesterreichische Partei" nennen würde. Angeblich sollen gegen» «ärtig Verhandlungen darüber zwischen beiden Parteien stattfinden, die namentlich von der katholischen Volkspartei sehr lebhaft betrieben würden.
Es kann etwas Wahres an der Nachricht sein, oder auch nicht; man kann dies nicht so ohne weiteres im Augenblicke feststellen. Ob die Meldung nun richtig sein mag oder nicht, au jeden Fall wird dadurch eine Frage berührt, die der Besprechung in der Presse immer werth ist. Und die Meldung gewinnt ein wenig dadurch an Wahrscheinlichkeit, daß der alte Verband der parlamentarischen Rechten im - österreichischen ReichSrathe durch die Berserkerpolitik der Jungtschechen bekanntlich gesprengt ist. Nach diesen Vorgängen kann jeder deutsche Katholik im allgemeinen nur recht sehr wünschen, daß im Interesse der eignen und gemeinsamen Gesichtspunkte alle parlamentarischen und politischen Vertreter deS gut katholischen Deutschthums in Oesterreich um eine Fahne sich scharen; denn Einigkeit macht stark!
Natürlich bestehen zwischen den beiden ge- Nannten Parteien merkbare Unterschiede. Wäre da- nicht der Fall, dann würden ja eben nicht Hwei gesonderte Parteien bestehen; sondern alle diejenigen, die jetzt diesen beiden Parteien ange» Hören, würden sich ohne weiteres schon längst zu einer einzigen Partei zusammengefunden haben. ES klingt auch an sich nicht unwahrscheinlich, wenn berichtet wird, die Christlich-Sozialen seien «S namentlich, die den Vereinigungsbestrebungen gegenüber auf die bestehenden Unterschiede zwischen Leiden Parteien Hinweisen. Denn die Christlich- Sozialen haben günstige Erfolge erzielt hauptsächlich durch diejenigen Bestandtheile ihres Pro- SrammS, in denen sie sich von der katholischen lolkspartei unterscheiden, nicht durch andere Dinge, die sie mit der katholischen Volksparte i gemeinsam haben. ES muß also die Frage entstehen bei der Erwägung solcher Parteivereinigungen, ob nicht hier in diesem besonder« Falle nach dem Grundsätze von dem „getrennt Mar- schiren und vereint Schlagen" verfahren werden und die Trennung beider Parteien von einander aufrecht erhalten werden mutz; ob also nicht die beiden Parteien als getrennte Heerhaufen für die ihnen gemeinsamen Grundsätze mehr leisten können, als wenn sie beide in einem gemeinschaftlichen Parteikörper verschmolzen werden. So kann man beispielsweise aunehmen, daß in der Hauptstadt Wien die Christlich-Sozialen gerade als Christ- Tich-Soziale ihre großen Erfolge gegen den alten und verrotteten Liberalismus errungen haben, baß diese Erfolge aber nicht erzielt worden wären durch eine „österreichische Partei", in der 'Ehristlich-Soziale und katholische Volkspartei sich tu einer gemeinschaftlichen Organisation vereinigt hätten.
Diese Fragen zu entscheiden, muß unseren -österreichischen Freunden überlassen bleiben. Auch
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Bit Tochter des Khrmms.
Roman von O. Elster. ------- (Nachdruck verboten.)
„Vater!" rief Karl mit zitternder Stimme.
„Mir foll'S recht fein — geh' — mach' daß Du fortkommst. Die rorhe Hexe kannst Du ja mit Dir nehmen!"
Der Alte sprach mit lauter, erregter Stimme, baß es durch das ganze Haus schallte. Auch die Bäuerin am Herd hörte es und eilte erschreckt in da- Zimmer, um ihren Mann zu besänftigen. Sie hörte die letzten Worte und wußte alles.
„Christian — Karl was habt Ihr mitein- ander?" rief sie ängstlich. „Was ist's mit Ge- sine?"
„Nichts ist'S damit, Kathrin," fuhr ihr Mann Hornig fort. „Wünschst Du Dir etwa auch die rothe Hexe als Deine Tochter?"
„Christian, sie ist ein braves Mädchen . . ." „Aha, Ihr steckt also unter einer Decke! Hab mir so waS gedacht. Aber ich sag Dir, Kathrin, «he mit daS Mädel in's Haus kommt, setz' ich den rochen Hahn auf's Dach, und damit Punktum!"
Frau Kathrin erhob die gefalteten Hände tu ihrem Sohne. „Karl, gib nach, laß von dem Mädchen ..."
„Ich kann'« nicht, Mutter," entgegnete Karl finster.
„Hörst Du'«, er kann'» nicht. Na, bei den Franzosen wird er sie schon vergessen."
„Laßt'« gut sein, Vater — Mutter, ich bitt Euch, dringt nicht weiter in mich . . . ich kann'« «icht, und damit ist'« gut. Ich thu' Dir den
spielen bei der Entscheidung dieser Fragen eine große Rolle die Erwägungen, waS die anderen Thüle der bisherigen Vereinigung der parlamentarischen Rechten thun würden, wenn die christlich-soziale und die katholische Volksparte sich zusammenthun wollten zu einem Ganzen, daS im ReichSrathe eine ähnliche Stellung einnehmen würde wie im deutschen Reichstage die CentrumS- partei. Im ganzen würde eine solche deutschkatholische Parteisammlung etwa 60 Mann stark sein im österreichischen Abgeordnetenhause, und eS ist klar, daß eine so zahlreiche Gruppe in sehr Dielen Fällen den Ausschlag geben könnte, daß sie das Zünglein sein müßte an der parlamentarischen Wage — vorausgesetzt nämlich, das! diese Wage überhaupt erst wieder in Gang gebracht fein wird. Und setzt man nun den Vergleich mit dem deutschen Centrum fort, so kann man getrost sagen: viel verschiedenartiger in sich, als das deutsche Centrum ist, würde eine neue österreichische Sammelpartei auch nicht fein, die aus der Vereinigung der Christlich- Sozialen und der katholischen Volkspartei gebildet würde. Man denke nur an die aristokratischen Elemente mit ihrer konservativen Geistesrichtung, an die Malteserritter im deutschen Centrum auf der einen und an einzelne demokratisch angehauchte Centrumsmitglieder int Westen und Süden Deutschlands auf der andern Seite — größer würden die Abstände innerhalb der gedachten „Oesterreichischen Partei" auch nicht fein.
Im deutschen Centrum herrscht dennoch eine Einigkett und Geschlossenheit in allen großen Fragen, die bisher durch keine Ereignisse, durch keine poli- tischen Wink"lzüge der Gegner oder der Regierung zerstört werden konnte. Der Thurm des Centrums steht fest, fester und stärker als je da. Könnte in Oesterreich nicht ein ähnliches Parteigefüge aufgebaut werden aus den vorhandenen Einzelgruppen ? Wenn es möglich wäre, ohne daß ein Gesammt- verlust an Wählern und parlamentarischen Mandaten einträte, würde eine solche Partei sicherlich in Oesterreich bald ebenso großen Einfluß erringen wie daS Centrum in Deutschland. Und wachsen erst Einfluß und Erfolge, dann pflegen auch die Wählermaffen der Erfolg - Anbeter nicht auszubleiben, die vorher zweifelnd aus der Seite standen.
Deutsche» Reich»
Berlin, den 12. Juli.
+ Die »Norddeutsche Allgemeine Zeitung' veröffentlicht ein N«vd schreist-«, welches der Staatssekretär im Auswärtigen, Gras Bülow, gestern an die Bundesregierungen gerichtet hat und in welchem die jüngsten Vorgänge in China in eingehender Weise dargelegt werden. Der Staatssekretär erklärt in dem Schreiben, er glaube dem Wunsche der einzelnen Regierungen entgegenzukommen, wenn er über die in Frage kommenden Ereignisse und über die denselben gegenüber von der deutschen Regierung eingenommene Haltung ausführliche Mtttheilungeu mache. Nach Ausführung der bereits bekannten Thatsachen schließt der Staatssekretär folgendermaßen :
Willen, Vater, und verlasse Dein Haus und geh in die Welt, irgendwo wird noch Platz für mich sein. Aber das sag ich Dir, unter die französischen Soldaten laß ich mich nicht stecken. Ich weiß schon, wo ich ein Unterkommen finde."
Er wandte sich zum Gehen. Frau Kathrine schlang die Arme um seinen Racken: „Karl, Karl," schluchzte sie, „wohin gehst Du?"
„Fort, Mutter, lebt wohl und vergeßt mich nicht . . . lebt wohl . . ."
Er küßte die alte Frau, die weinend an feinem Halse hing, dann löste er saust ihre Arme und ließ die Fassungslose aus einen Stuhl sinken, wo sie mit in den Händen verhülltem Antlitz itzen blieb. „Lebt wohl, Vater — Mutter," sagte er noch einmal, streckte die Hand dem Vater ent- zegen und verließ trotzig emporgeworfenen Hauptes >as Zimmer, als sich der alte Bauer mit Achselzucken abwandte.
„Karl, Karl," schrie die Bäuerin auf und wollte ihm nach. Aber Christian Ahrendt hielt te zurück und drückte sie wieder auf den Stuhl. „Laß ihn gehen, Kathrin, er wird sich die Hörner chon abstoßen und wiederkommen. Aber für Trotz und Ungehorsam ist kein Platz in meinem Hause. Und nun geh an Deine Arbeit."
Und die alte Frau erhob sich und wankte mit i itternben Knieen hinaus an den Herd, um dem Gesinde da« Abendbrod zu bereiten.
4. Kapitel.
Die Nacht war hereingebrochen, eine dunkle, warme Sommernacht, in der man kaum einen ! Siudhauch verspürt. Lautlos glitt der breite Strom dahin, leise bewegte sich da« Schilf an
Die militärische Sage hat'sich jetzt anscheinend dahin gestaltet, daß die Ehinesen den Kai serkanal bei Tientsin durchstochen haben, um den Anmarsch do« Peking von Süden her durch Ueberschwemmung K' ’ Wern, und daß Tientsin selbst von Norden und her durch große audringende feindliche HeereS- maffen ernstlich bedroht ist.
War die zur Bekämpfung de» Boxeraufstande» von Seiten der Mächte bisher getroffenen Maßnahmen anbelangt, so waren bis zum 28. Juni in Taku deutscherseits gelandet: 46 Offiziere, 1500 Mann mit 4 Kanonen und 7 Maschinengewehren. Die Ruffen Hutten zu derselben Zeit etwa 6000 Mann auSgeschtfft, die Engländer 3000 Mann, die Japaner 4000 Manu, die Franzosen 400 Mann, die Amerikaner 350 Mann. Dazu kamen noch kleinere Kontingente der Oefterreicher und Italiener. Weitere, sehr erhebliche Nachschübe für die verschiedenen Kontingente treffen inzwischen fortgesetzt ein. Was insbesondere Deutschland anbelangt, so ist am 3. Juli von Wilhelmshaven auf ben Dampfern „Wittekind" und „Frankfurt" deS Norddeutschen Lloyd unter Führung des Generalmajors v. Hoepfner ein Expeditionskorps abgegangen, bestehend aus 2 kriegsstarken Eeebalatllonen, einer fahrenden Batterie (sechs 8,8 Centimeter-Geschütze), 100 Pionieren und Telegraphisten, einem Eanitätsdetachement, zusammen 69 Offiziere und 2482 Mannschaften. Ferner hat die 1. Division deS I. Geschwaders unter Kontreadmiral Geißler Befehl erhalten, nach Ostafien zu gehen. Dieselbe setzt sich aus den Linienschiffen „Kurfürst Friedrich Wilhelm", „Brandenburg", „Weißenburg", „Wörth" und dem Aviso „Hela" zusammen. Die Gesammtstärke der Besatzung beläuft sich auf 91 Offiziere (einschließlich Aerzte, Ingenieure und Zahlmeister), 1522 Mann Matrosen und 789 Mann Heizpersonal, inSgesammt also auf 2402 Köpfe. Die Hinaussendung einer aus Frei- willizen zu bildenden kombintrten Brigade ist im Werke. Dieselbe wird aus 8 Bataillonen Infanterie, 3 Eska- dronS Kavallerie, 4 Batterien Feldartillerie und den erforderlichen Spezialwaffen, MuntttonSkoloune und TrainS bestehe».
Die von uns getroffenen militärischen Maßnahmen sollen unS in den Stand setzen, an der von allen Mächten sür nothwendig erachteten militärischen Aktion in China in einer der politische» Bedeutung Deutschlands entsprechenden Weise theil- !u ne hm en. Durch die Vorgänge in Ehina sind daS o erfolgreiche deutsche Missionswerk im fernen Osten, der blühende deutsche Handel in Ostafien und endlich die in der Provinz Shantung im Entstehen begriffenen großen deutschen wirthschaftlichen Unternehmungen in gleichem Maße bedroht. Diese idealen und materiellen Jntereffen müssen wir mit allem Nachdruck schützen. DaS Ziel, daS wir verfolgen, ist die Wiederherstellung der Sicherheit von Person, Eigeuthum und Thätigkeit' der Reichsangehörigen in China, Rettung der in Peking eingeschlossenen Fremden, Wiederherstellung und Sicherstellung geregelter Zustände unter einer geordneten chinesischen Regierung, Sühnung und Genugthuung für die verübte» Unthaten. Wir wünschen keine Auftheilung China»; wir erstreben keine Sondervortheile. Die kaiserliche Regierung ist von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Aufrechterhaltung deS Einverständnisses unter den Mächten die Vorbedingung für die Wiederherstellung von Frieden und Ordnung in China ist, und wird ihrerseits in ihrer Politik diesem Gesichtspunkte auch ferner in erster Stelle Rechnung tragen.
Die int Vorstehenden dargelegten Gesichtspunkte haben die volle Zustimmung des BundeSrathSausschuffeS für auswärtige Angelegenheiten gefunden.
4- Die preußische« Iiuauze« befinden fich in vortrefflichem Zustande. Nach einer halbamtlichen Darlegung kann von der Begebung einer Anleihe abgesehen werde«, obwohl auch in diesem Jahre mehr als hundert Millionen Mark auf Eisenbahn-Neubauten verwendet werden sollen. ES bleiben von den rechnungsmäßigen Heber» schüffen zunächst 30 Millionen aufbehalten für unvorhergesehene Bedürfnisse der Eifenbahnverwaltung, während diese UeberschÜffe im ganzen
für Preußen rund 87 Millionen Mark betrage» Abweichend vom Vorjahre hat auch die Eisen- bahnverwaltung wieder einen Heberschuß, nämlich in der Höhe von 20 Millionen Mark. Die Einkommensteuer weist einen Heberschuß von 12 Millionen Mark Über den Ansatz des Etats auf. Der Rest des HeberschuffeS von 57 Millionen soll zur Schuldentilgung verwendet werden. DaS ist ohne Zweifel gute und gesunde Finanzpolttik. Darum ist nichts mehr zu wünschen, als daß deren Vater, Herr Minister von Miquel, seinen ganzen Einfluß aufbiete in dem Sinne, diese gesunden Grundsätze, namentlich diejenigen der Schuldentilgung auch auf daS Reich zu Übertragen.
X Gegen die Solen geht e» also wirklich mit der bereits besprochenen Kursänderung in der Rechtsprechung des obersten preußischen Gerichts» hoseS, deS Kammergerichtes in Berlin, Über die AenderungWon Namen. Als eine solche soll, wie berichtet, rechtlich abweichend vom bisherigen Brauche schon die Aenderung der Schreibweise eine- Namens angesehen werden, auch wenn die Aussprache desselben gleich bleibt. Der preußische Minister deS Innern hat nämlich sofort von der Aenderung in der Rechtsprechung den nachgeordneten Behörden Mittheilung gemacht und dabei ausdrücklich auf die in der Provinz Posen häufig vorkommende Polonifirung deutscher Familiennamen hingewiesen. In der Verordnung heißt eS ausdrücklich: „Besondere Beachtung kommt diesem Grundsätze bei Behandlung der zahlreichen polnsschen Fälle zu, in denen die unbefugte Anwendung einer polnischen Schreibweise des deutschen Familiennamens stattfindet. . ." Wir dachten unS das ja gleich!
ft Küchsenfleisch «nd Murst soll nach dem neuen Fleischbeschaugesetze nicht mehr nach Deutschland eingesührt werden. Die Hntersuchung dieser Arttkel auf ihre Hnschädlichkett und Appetitlichkett läßt fich nicht in geeigneter Weise durchführen, und deswegen ist chre Einfuhr verboten im Interesse der Gesundheit und der geeigneten Ernährung. In recht eigenthümlichem Gegensätze dazu steht die unbestritten gebliebene Meldung, daß die Heeresverwaltung für die Mannschaften, welche nach China entsandt werden, große Mengen Wurst und Büchsenfleisch im AuSlande aufkaufe. Da- Gesetz verbietet die Einfuhr dieser Waare, well dieselbe als zu geringwerthig oder gar schädlich angesehen wird für die Ernährung deS deutschen Volkes. Wie kommen unsere Mattosen und Sol» baten baju, mit diesen Dingen gespeist zu werden?. Gerade das beste an Nahrungsmitteln gebührt diesen, nicht Geriugwerthiges. Sind die bösen Erfahrungen, welche die Truppen der Vereinigten Staaten während deS Krieges mit Spanien auf der Insel Cuba gemacht haben mit solchen Fleischpräparaten, nicht eine hinlängliche Warnung vor diesen letzteren gewesen. Im Interesse einer guten und fräftigen Ernährung unserer Soldaten, die zum Schutze unserer Landsleute die Kriegsfahrt nach China machen müssen, kann nicht dringend genug gewünscht werden, daß die Mannschaften mit anderen Nahrungsmitteln versorgt werden, nicht mit solchen, denen wegen ihrer Minderwerthigkeit der Weg nach Deutschland verlegt ist.
dem Ufer, aus der Ferne klang dann und wann ein unbestimmter Ton, dessen Herkunft nicht zu unterscheiden war, gleich der geheimnißoollen Stimme der Nacht, die ihre schwarzen Flügel verhüllend über die Haide brettete.
Gesine saß am Herde, stützte die Stirne in die Hand und blickte sinnend in die verglimmenden Kohlen. Hans Heinrich Allerkamp lag auf der Bank und schlief.
Plötzlich klopfte es in eigenartiger Weise an das Fenster. Gesine fuhr empor.
„Vater, er ist da!" rief sie leise und rüttelte den Alten.
„Wer ist da?" fragte dieser fich aufrichtend.
Da klopfte (8 wieder, ein langer und zwei kurze Schläge.
„Hörst Du es nicht, Vater . . ."
„Alle Wetter, Berendt Prigge. . ." rief der Fährmann und sprang auf. Dann humpelte er eilig zum Fenster.
„Bist Du's, Berendt? Woher kommst Du, ch erwartete Dich erst im nächsten Monat."
„Hab' besondere Fracht, öffne mir die Thür."
Gefine hatte bereits den Riegel der Thüre jurückgeschoben. Nach einer kleinen Weile trat )ie derbe Gestalt eine- Helgoländer Fischers ein. Auf dem eisgrauen, pelzartigen Haar saß ein tief herabhängender Südwester; ein dicker FlanS- rock, Manchesterhosen und hohe, fast bis zum 3eib hinaufreichende Wasserstiefel« bildeten den Anzug deS Manne-, dessen wind- und wetter» gebräuntes Seficht wie auS Bronze gegossen rschien, während die kleinen graugrünen Augen orschend unter ben überhängenden Brauen hervor» stickten. In den Ohren trug er nach Sitte der
Fischer kleine goldene Ringe und zwischen ben großen weißen Zähnen hielt er bie unoermeib« liche kurze Stummelpfeife.
„Gu'n Abend, Allerkamp, gu'n Abend, Gefine, da find wie wedder . . ." sagte er, die Lippen zu einem breiten Lachen verziehend.
„Der Deuwel auch, Berendt Prigge, wo kommst Du jetzt her? Weshalb haste mich nicht benachrichtigt, jetzt habe ich keine Vorbereitungen getroffen. Haste denn wieder Jamaika-Rum geladen?"
„Nee, Hans Heinrich, dieses Mal habe ich ganz absonderliche Fracht, Menschenfleisch, HanS Heinrich..."
„Biste verrückt geworden?"
„Nee, ganz und gar «ich. Aber find wir allein?"
„Du fiehst es ja!"
„Habt Ihr keine franzöfischen DragunerS gesehen?"
„Frellich — heute Nachmittag hab' ich ein halbes Dutzend übergesetzt. DaS Fährgeld find mir die Hallunken schuldig geblieben, dafür hat aber Gesine den einen in die Weser gestürzt, al- er sie küssen wollte."
„Haha, vortrefflich! IS er ertrunken?"
„Ree, Karl Ahrendt hat'« gerettet."
„Schade, 'S wär ein Franzose weniger auf der Welt."
„Berendt Prigge . . ."
„Ja, Gefine, es sind noch immer genug von >ie Sorte da, um einem atmen Schiffer da- Leben sauer zu machen. Wohin find denn die DragunerS geritten?"
„Auf Bremen zu."