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mit Zlnterhattungs-Aeikage „IMstrirte Sonnlags-Zeitung"

M 157._______________

G Ersatzwahlen zum Reichstage.

Vier Ersatzwahlen zum Reichstage liegen hinter uns: drei davon find vollkommen erledigt, nämlich in Offenburg-Kehl in Baden, Waldenburg in Schlesien und Mülhausen im Elsaß; die Hauptwahl in Einbeck-Nort« heim in Hannover gibt zwar schon ganz sichere Anhaltspunkte darüber, wer in den Reichstag als Vertreter dieses Wahlkreises gelangen wird, aber es muß noch zur vollkommenen Entscheidung eine Stichwahl stattstnde«. Außerdem müffen während der nächsten Monate noch drei »eitere Ersatz­wahlen vorgenommen werden: in Branden­burg, Rinteln-Hofgeismar und im Wahl­kreise Wanzleben.

Rechnet man zu den in neuester Zeit vorge­nommenen Ersatzwahlen auch noch die turg vorher erfolgte Wahl im Wahlkreise Kalbe-Aschers­leben hinzu, so bekommt man ein Gesammtbild, das der Sozialdemokratte durchaus ungünstig ist. ES ist wahr, daß im schlesischen Wahlkreise Waldenburg dessen bisheriger sozialdemokratischer Vertreter Sachse gegen eine Verbindung der an­deren bürgerlichen Parteien, ausgenommen die freifinnige Volkspartei, sofort im ersten Wahl­gange gewählt worden ist. Aber erstens ist in diesem Wahlkreise die Wahlbetheiligung der bürger­lichen Wähler recht schwach gewesen, diejenigen der sozialdemokratischen Wähler und ihrer Mit­läufer sehr stark. Die zahlreichen Bergarbeiter der Kohlenbergwerke geben dort den Ausschlag, und es ist menschlich erklärlich, daß so mancher Bergmann Herrn Sachse gewählt hat, nicht darum, weil er sich als Sozialdemokrat fühlt, sondern deswegen, weil ihm Herr Sachse als ehemaliger Bergarbeiter sympathisch ist. Gerade durch diesen Mann glaubt er fälschlich seine besonderen In­teressen gut vertreten zu sehen. Auf der andern Seite war die Kandidatur der bürgerlichen Kartell­parteien wahrscheinlich nicht sehr glücklich gewählt. Möge das fein, wie es wolle, auf jeden Fall hat die Wahl im Wahlkreise Waldenburg nichts an dem bisherigen Zustande geändert.

Desto merkwürdiger find die übrigen vier bereits vollzogenen Wahlen: ste alle tragen das Merkzeichen eines starken Rückganges der sozialdemokratischen Stimmen an fich. Die Wahlkreise Kalbe-AscherSleben und Mülhausen find dadurch der Sozialdemokratie entrissen worden; und sowohl Kehl-Offenburg als auch Einbeck Northeim, die auch vorher nicht durch Sozialdemokraten vertreten waren, haben den Genoffen sehr erhebliche Einbußen an Stimme« gebracht.

Worin liegen die Gründe dafür? Nach bett Aeußerungen sozialdemokratischer Blätter selbst hat man den Ausfall in Kalbe-AscherSleben auf« zufaffen als einen Widerspruch Der Wählerschaft gegen die vollkommene Verneinung der Sozial­demokratie in den Fragen der LandeSvertheidigung, jetzt also vorwiegend in der Flottenfrage; und nicht anders verhält es fich ganz augenscheinlich in dem hannöverischen Wahlkreise Einbeck Nort­heim. In Kehl-Offenburg bedeutet der Ausfall der Wahl und der ganz bedeutende Stimmen­ausfall der Sozialdemokraten einen Aufschwung des Centrums; der Wahlausfall in Mülhausen aber beruht nach ganz übereinstimmendem Urtheile

Sie Tochter de» Khrmmr.

Roma» von O. Elster.

5 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ob's wahr ist oder nicht, darauf kommt'S nicht an, wenn die Herren vom Departement eS nur schwarz auf weiß haben. Wenn's in den Akten steht, Christian Ahrendt, so ist eS wahr — in den Akten steht manches brüt.*

„Nau gut, so setzt mir baS Schreiben auf, Stöckel."

„Hm, sehr gut wäre eS, wenn wir noch einen Grund anführen könnten, 's ist schade, daß Euer Sohn nicht verheirathet ist. . . Verheirathete find von der Konskription ausgeschlossen."

Christian Ahrendt starrte den Schullehrer eine Weile mit offenem Munde an. Endlich platzte er heraus: „Da bringt Ihr mich auf 'nen guten Gedanken, Stöckel. Wenn der Karl auch noch nicht verheirathet ist, so kann er's in kurzer Zeit sein. Tine Frau hab' ich schon für ihn."

Der Schullehrer blinzelte den Bauern schlau an. „Wohl die Blonde von drüben?" schmunzelte er.

„Was — meint Ihr die blonde Hexe aus dem Fährhause? Benjamin Stöckel, ich hätte Euch für vernünftiger gehalten. Nein, die Marie vom Haidehof."

„Ah — btt gibt's eine gute Mitgift."

„Mein Sohn kommt auch nicht mit leeren Taschen", sagte ber Bauer stolz.

„Glaub'« schon, Christian Ahrendt . . ."

Die Thür öffnete fich und Karl blickte in da« Zimmer. WM

Jutöa, Donnerstag, dm 12. Juli 1900.

27. Jahrgang.

ber Blätter aller Parteien, auch ber sozialdemo­kratischen, auf volkSwirthschaftlichen Gründen. Das Berliner sozialdemokrattsche „Tentralorgan" hat unter grausamem Schimpfen selbst zugefianden, daß seiner Partei die Stimme« im Wahlkreise Mülhausen aus schutzzöllnerischen Gründen ab­trünnig geworden sind. Dort handelt eS sich int Interesse der heimischen Industrie um die @r- höhung der Garnzölle. Dafür einzutreten hatte der liberaleFabrikbefitzerSchlumberger versprochen, während der „Genosse" Emmel fich natürlich dessen weigerte; und das Ergebniß war die er­staunlich vollkommene Niederlage des Herrn Genossen Emmel.

Wenn man aus diesen neuesten Ersatzwahlen zum Reichstage besondere Lehren ziehen will, so müffen fie so lauten: daS vollkommene Ver­sagen der Sozialdemokratie in Fragen der Lan- deSvertheidigung, ihre Feindschaft gegen daS Christenthum und ihr vollkommenes Unverständ- niß oder Uebelwollen gegenüber den Erforder- niffen eines vernünftigen Schutzes der heimischen Arbeit machen sie bei der Wählerschaft unmög­lich. Diese letztere wandte fich vielfach, ohne der Sozialdemokratie anzugehören, deren Wahl- bewerbern zu, weil sie mit den herrschenden Zu­ständen in mancherlei Beziehung unzufrieden war und dieser Unzufriedenheit durch die Wahl eines Sozialdemokraten drastischen Ausdruck verleihen wollte. Nunmehr aber beginnen die Gründe für diese Unzufriedenheit zu schwinden; im Gegentheil macht fich eine ausgesprochene Unzufriedenheit be­merkbar mit der vollkommenen Verneinung ber sozialbemokcatischen Volksvertreter in wichtigen Jntereffenfragen des Volkes, und diese führt nun umgekehrt zu starken Stimmverlusten dieser sozial­demokratischen Wahlbewerber. Jedermann, nicht nur die „Genossen", kann fich seinen Vers darauf machen.

Die anderen drei genannten Wahlkreise, in denen die Ersatzwahl «och vorgenommen werden soll, waren bisher nicht durch Sozialdemokraten vertreten und werden es nachher auch noch weniger sein. Von allgemeinem Interesse ist nur, daß im Wahlkreise Rinteln-Hofgeismar die Kon­servativen die antisemitische Kandidatur durch einen eigenen Wahlbewerber bekämpfen wollen.

Deutsches Keich.

Berlin, den II. Juli.

ft Staatssekretär chras Sasadawsky ist nunmehr auch von Berlin abgereift. Es handelt fich dabei um die seit langer Zeit geplante amtliche Reise zur Weltausstellung in Paris.

® Der Afrikareisende Krause wird steck­brieflich verfolgt. Er steht unter ber Anklage ber schriftlichen Beleidigung ber Reichsregierung, weil er, wie bekannt, behauptet bat, die Re­gierung dulde Sklavenhandel in Togo. Herr Krause mag ein etwas verworrenes Genie fein. Diese Behandlung aber hat er nicht verdient. Er gehört jedenfalls zu den besten Kennern von Westafrika!

h Der auswärtige Ausschutz des Ami desrathes ist, wie berichtet, zu einer Sitzung am heutigen Mittwoch einberufen worden. Natürlich handelt eS sich dabei um die Wirren in China. Halbamtlich wird indessen daraus aufmerksam ge-

„Jst's erlaubt, einzutreten, Vater."

„Immer herein. Du kommst mir gerade recht.

Ich hab' mit Dir zu sprechen."

„Ich auch mit Euch, Vater."

„Na, da begegnen sich ja unsere Wünsche." Benjamin Stöckel erhob sich. „Ich will mich auf den Heimweg machen. Eh' ich heimkomme, ist'« Nacht. Also merkt Euch, Christian Ahrendt — Ihr seid alt und krank — Karl ist Euer einziger Sohn, muß den Hof bewirthschaften und will in vierzehn Tagen heirathen."

„3a, ja, ich merk' mit’« schon, Stöckel." „Guten Abend denn."

„Guten Abend, Herr Magister Stöckel."

Der kleine Mann lachte, nickte Karl freundlich zu und schlüpfte wie ein Wiesel au« der Thür.

Vater und Sohn standen sich allein gegenüber. Die Aehnlichkeit Beider war unverkennbar. Berde große, kräftige Gestalten, die de« Alten nur etwa« nach vorn gebeugt; Beide große, blitzende blaue Augen unter vollen, gegen da« lichte Haupthaar dunklen Brauen, auf beiden Gesichtern ein etwa« schwerrnüthiger Zug, der in der Erregung zum finsteren Trotz und unbeugsamer Starrheit fich verwandelte. Beide da« Urbild eine« auf eigener Scholle stehenden, in sich selbst gefestigten Bauern, der nicht um eine« Finger« Breite von dem, wa« ihm recht scheint, abweicht.

„Da — Ite« da« Schreiben, Du sollst ftan- zösischer Soldat werden", sagte der Alte ohne weitere Einleitung und deutete 6 auf da« Papier, da« noch auf dem Tische lag. f

Während Karl la«, färbten fich seine Wangen buntter unb seine Augenbrauen zogen fich finster

macht, baß die Sitzung lebigltch einen „informa­torischen", also nicht einen berathenden Charakter habe. Ma« hätte statt beffen „auch durch die Gesandten ober durch Rundschreiben die verbün­deten Regierungen über die augenblickliche poli­tische Situation aufilären können."

x Der,National-Zettung' zufolge wirb baS SosscheeÜverfatzreie nicht eingeführt. Die Re­gierungs-Vorlage, burch welche ber Reichskanzler ermächtigt werben sollte, baS Verfahren ein­zuführen, wurde bekanntlich vom Reichstage wesentlich umgeftaltet. Die Gebühren würben beinahe gänzlich beseitigt unb bie Verzinsung der Einlagen aufgehoben. Wie jetzt aus angeblich wohl unterrichteten Kreisen verlautet, beabsichtigt der Reichskanzler nicht, von ber ihm erteilten Ermächtigung Gebrauch zu machen. Ob betn Reichstage eine neue Vorlage unterbreitet werben soll ober ob der ganze Plan als enbgiltig ge- scheitert zu betrachten ist, ist noch ungewiß.

+ Aendermrg vor» Kamen. Bisher hatte bas preußische Kammergericht stets dahin ent« schieden, daß bie Veränderung der Schreib­weise eines Familiennamens nicht gleich sei der Veränderung des Namens, vorausgesetzt, daß nur bie Aussprache dieses Namens nicht dadurch verändert würde. Ganz neuerdings ist bie Recht? cwffaffung beim Berliner Kammer­gerichte eine onbere geworben; jetzt nämlich wirb grundsätzlich anerkannt, daß jede schriftliche Abweichung von dem richtigen Namen als eine „Aenderung" im Sinne ber RabinetSorbre vorn 15. April 1822 zu betrachten fei. Gleich­zeitig mit dieier Kursänderung in ben vom bbetften preußischen Gerichtshöfe befolgten Rechts- grundsätzeu wird aufs neue in ber Provinz Posen gegen solche Personen strafgerichtlich vor- gegangen, bie ihre« deutschen Namen in polnischer Weise schreiben wollen, ohne baß baburch ber Klang des Namens verändert wird. Nach ben früheren Erkenntnissen bes Kammergerichtes müßten biefe Strafe« gegen solche Personen zu­rückgenommen werben, weil bie Aussprache beS Namens sich ja nicht ändert. Der neue Kurs in ber Rechtsprechung des Kammergerichtes ist dagegen solchen Personen ungünstig. Danach müßten sie verurthellt werben durch alle In­stanzen, weil danach thatsächlich eine „Aenderung" des Namens vorliegt. Dieses äußerliche Zu­sammentreffen von Ümständen ist zu auffällig, als daß man nicht gleichzeitig auch an einen innerlichen Zusammenhang der Dinge denken sollte. Schön kann man daS Verfahren aber auf keinen Fall nennen, auch bann nicht, wenn man kein Freunb ist von ber Aenderung deut­scher Familiennamen nach polnischer Schreibweise; denn Rechtsgrundsätze sollen feststehen in sich, nicht gemodelt und abgeändert werben nach ber jeweiligen Regierungs­taktik, auch bann nicht, wenn es fich babei um Polen und polnische Dinge hanbelt.

Ausland.

* Amsterdam, 11. Juli. Auch die Rhein­schiffer beschlossen in einer gestern abgehaltenen Versammlung, sich dem Streik der Schiffs­arbeiter anzuschließen. Bei Ankunft des Tiel'schen Bootes kam es gestern, wie ber Frkf.

zusammen. Dann stieß er hervor: „Ich — fran­zösischer Soldat? — Da« fehlte mir gerade noch. Eher geh' ich in die Welt . . ."

„Gemach — gemach — ich bin auch Soldat gewesen — beim Regiment Hardenberg. Du wirst Dich doch nicht fürchten vor der Muskete?"

„Fürchten? Vater, ich sollt' meinen, daß ich Euer Sohn bin."

„Recht so . . ."

„Aber gerade deshalb kann ich nicht franzö­sischer Soldat werden. . ."

„Sollst ja königlich westfälischer Soldat werden."

„Das ist einerlei — westfälisch ober fran­zösisch — ich thu's nicht."

„Ja, was willst denn anfangen ? Die Gen­darmen werben Dich holen."

„Ich geh' in die Welt . . ."

„Sprich nicht so dumm. In die Welt gehen — das ist leichter gesagt wie gethan. Nein, hier­bleiben sollst Du, den Hof bewirthschaften sollst Du, heirathen sollst Du, damit wir, ich und Deine Mutter, un« auf« Altentheil setzen können."

„Vater — ?" Ein freudiger Schimmer leuchtete in Karls Augen auf. Er dachte an Gesine.

„Ja, wenn ich nicht stets für Dich sorgte," fuhr der Alte schmunzelnd fort. „Also paß auf. Der Schullehrer setzt ein Schreiben an daS Departe­ment auf, in dem eS heißt, daß ich zu alt und zu schwach bin, um ben Hof noch länger bewirth- schafttn zu können, baß. . .

„Aber daS ist ja nicht wahr, Vater."

„WaS kümmert's Dich? — Das nennt man rellamiren. — Also — bie Mittel hab' ich auch nicht, um mir ’nen tüchtigen Knecht zu hatten,

Ztg/ gemeldet wirb, zu einem Auflauf. Etwa 100 Streikenbe versammelten sich, in ber Meinung, das Boot bringe auswärtige Arbeiter. Polizei unb Seefolbaten trieben bie Streikenben auSeinanber, ohne von ber Waffe Gebrauch zu machen. AbenbS fand eine Ar- beiterfrauen Versammlung statt, in der fich ca. 700 Frauen ber Sache ber Männer an­schloffen.

X Krüssel, 11. Juli. Sipido, ber frei­gesprochene Prinzenattentäter, hat Brüssel ver­lassen und ist nach Paris übergefiedelt, und zwar, wie berichtet wird, auf Kosten der sozialdemokra­tischen Partei. Die Brüsseler Sozialdemokraten haben den jugendlichen Taugenichts am Abend nach seiner Freisprechung durch das Schwurgericht in ihrem Volkshause (Maison du peuple) al« Helden gefeiert und damit unmittelbar al« Be­wunderer ber versuchten Mordthat eine« grünen und unreifen Burschen sich zu erkennen gegeben. Und wa« da« Stärkste bei der Sache ist, die deutsche frankfurter Zeitung' druckt eine Zuschrift ihre« Brüsseler Vertreter« ab, in der der tolle Satz vor­kommt, Sipido sei „ein moralisch reines, nur ein­mal von einem übertriebenen akuten Gerechtig­keitsfieber hingerissene« Kind". Für die reinen Kinder dieser Art bedanken wir uns ergebenst. Richtig mag sein, baß der Junge noch gar zu kindisch war, um die ganze Tragweite seiner ge­meinen Handlungsweise emsehen zu können; unb köpfen soll man ja ein solches Bürschchen nicht. Aber unsere deutschen Rechtsbegriffe Übersteigt das Brüsseler Verfahren vollkommen, wonach ber Junge ohne Weiteres mit sammt den Leuten, die ihn zu der Mordthat anstifteten, freigesprochen, sofort frei- gelassen wird und an demselben Abend als Volks­held gefeiert werden darf, anstatt einer Besserungs­anstalt zugeführt zu werden, wie ihm gebührte. Die Sozialdemokratie aber verliert durch ihr Ver­halten gegen Sipido alle Berechtigung dazu, auch ihrerseits über Verrohung der Jugend zu klage«, was fie so gern zu thun pflegt. Eine ärgere Ver­herrlichung der Jugendrohheit kann es doch nicht geben, als die glorreiche Behandlung de« Pistolen schießenden Klempnerlehrlings durch die Sozial­demokratie in Brüssel!

• Saris, 11. Juli. In ber Deputirten- lammet wurde heute bie Vorlage betreffend bie vier birelten Steuer« in der vom Senat genehmigten Fassung angenommen. Ferner würbe eine Vorlage angenommen betreffend Verleihung von Auszeichnungen an Fran­zosen und Ausländer aus Anlaß der Weltaus­stellung. Ministerpräsident Waldeck-Rousseau verlas hierauf ein Dekret, durch welches die Tagung geschlossen wirb. Die gefammte Linke erhebt sich unb ruft: „Es lebe bie Repu­blik." — Im Senate verlas, nachdem bas HauS einstimmig den Kredit für bie Expedition nach China unb bie Vorlage betreffend Herabsetzung des Eingangszolls auf Kaffee angenommen hatte, Juftizminister MoniS das Dekret betreffend Schließung ber Tagung.

* Budapest, 11. Juli, «in hiesiges Blatt veröffentlicht einen Geheimerlaß ber Regie­rung an bie Komitatsbehörben, ber bie offi­zielle Betheiligung an bem bemnächst statt- findenden Inb iläum ber 900jährigen Grün­dung ber katholischen Kirche strengstens

Du bist mein einziger Sohn, Du willst Dich gerade oerheirathen unb den Hof übernehmen, da müßte« bie Herren im Departement boch einsehen, daß Du nicht dem Kalbfell folgen könntest. Bist Du damit einverstanden?"

„Wenn'S hilft — ja, Vater. Und für'S Hei­rathen ist ja auch gesorgt.... ich hab' schon eine..."

„Ja, Du kannst gleich morgen nach'm Halde­hof hinüberreiten und um die Marie anhalten."

„Was — Vater —

„Um die Marie anhalten," entgegnete der Alte scharf. „Sie wird nicht nein sagen, ich hab' schon mit dem Vater gesprochen."

Wieder zogen fich die Augenbrauen Karl'S finster zusammen, während ein tiefer Athemzug seine Brust hob.

„Nein, Vater," sagte er Jurg, „bas thu' ich nicht."

„Was thust Du nicht?'

„Um bie Marie vom Haidehof anhalten. Ich mag bie Dirne nicht." _ ,,,

„Donner unb Doria!. . . Der Alte schlug so heftig mit der Faust auf den Tisch, daß bte Fenster klirrten. „Dir steckt wohl noch immer die blonde Hexe aus bem Fährhause im Kopfe?"

„Ja, Vater, ich habe bie Sefine lieb, wie fie mich lieb hat, unb kein anderes Mädchen wirb mein Weib."

Der Alte lachte rauh auf. „Die Jungfer Habenichts? Die Tochter beS alten Matrosen? — DaS wär' mir bie richtige Fran im Ahrendt- Hof. . . nee, mein Junge, daraus wird nichts! Ich hab' zu Deiner Liäffchaft mit der Dirne nichts