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M 156.
Jucöa, Mittwoch, den 11. Juli 1900.
27. Jahrgang.
(S. 3**u X $ets«u«w u x=aL mit Nnterhatümgs-Meiülge „Illufirirtc Sonntags-Zeitung:' - peteeegage tot. 1 Oboraenid.
£ Chinesische Politik.
Die chinesische Politik ist von jeher nicht- An« dereS als Lug undTrug gewesen. Die Lügen« meier der diplomatischen Schule unserer Vorfahren find wahre Waisenknaben im Lügen gewesen im Vergleich zu den Leuten, die heutzutage die chinesische Diplomatie machen; und augenscheinlich ist -er vielgerühmte „Bismarck von China", der Vizekönig Li-Hung-Tschang, der allerabgefeimteste unter diesen Gauner-Diplomaten.
In dem Kriege, der in den Jahren 1859 und 1860 in China geführt wurde, wurde der Kaiser!. Sommer - Palast bei Peking eingenommen, und bei dieser Gelegenheit hat man einen interessanten Einblick gewonnen in die widerwärtigen Tiefen von Lüge, Verrath und Treubruch, in denen die chinesische Politik sich bewegt. Man fand in besagtem Palaste eine Reihe von Schreiben hoher chinesischer Würdenträger an den Kaiser von China vor und wurde schon damals höchlichst überrascht durch die Niedertracht und durch den rohen und leidenschaftlichen Fremdenhaß, die -augenscheinlich bei allen diesen hohen Mandarinen die leitenden Ursachen ihrer Handlungen waren. - Schon damals war in dem amtlichen französischen Berichte zu lesen: „Die chinesische Politik läßt sich kurz in folgender Weise kennzeichnen: vor ernsten Verwickelungen stets laviren, dabei suchen Zeit zu gewinnen und zum Schluffe die beschworenen Eide brechen."
Schon damals wurden die europäischen, der Hauptsache nach französische und englische Diplomaten ein Opfer ihres Vertrauens gegenüber den mongolischen Gaunern. Die Waffen der Europäer hatten mehrere Erfolge errungen und die Chinesen stellten sich an, als wollten sie nun ernstlich sich unterwerfen. Unter diesem äußeren Anschein kam der Friedensvertrag von Tientsin zu Stande; aber bevor derselbe eingeführt werden konnte, rüsteten die Chinesen schleunigst in aller Stille von Neuem und machten sofort wieder 'feindliche Gesichter, als sie glaubten, wieder hinlänglich gerüstet zu sein. Und so ging eS mehrmals hinter einander, und jedeSmal ließen sich die europäischen Vertreter von Neuem täuschen. Beinahe wären im Jahre 1860 auch der englische und französische Gesandte unter den Streichen der chinesischen Meuchler gefallen. Die Chinesen hatten dazu aufgefordert, eine große außerordentliche Gesandschaft nach Peking zu schicken, um über den Frieden zu verhandeln. Man ging darauf ein. Eine Abordnung von Offizieren, Beamten und Dolmetschern ging voraus, wurde aber alsbald von chinesischen Truppen überfallen und zum größeren Theile niedergemacht. Der Rest wurde gefangen genommen und nach Peking geschleppt. Da erst wurde den europäischen Diplomaten und militärischen Führern klar, mit -waS sür Leute sie es zu thun hatten; und da «rst wurde endlich die rücksichtslose militärische Energie entfaltet, die schon lange vorher hätte angewandt werden müssen.
Seitdem find nur vierzig Jahre vergangen, und niemand wird im Ernste glauben wollen, daß die Chinesen seit damals andere Leute g^e w o r d e n w ä r e n. Sie find dieselben Betrüger geblieben, die sie damals waren; nur ihr Fremden-
Vir Tochter des Khrmmr.
Roman von O. Elster.
A ------ (Nachdruck verboten.)
Ruhe und Frieden in der Natur! Aber Kampf und Unfrieden in der Welt! Kriegsgeschrei und Waffenlärm! Trompetengeschmetter und Trommel- raffeln I Hufgestampf und Knirschen der Geschütze! Knattern der Kleingewehre und Gebrüll der Kanonen!
Ruhe und Frieden in der Natur I Aber Groll -und Haß im Herzen der Menschen! Schmerz und Leid! Unfrieden und drohender Zorn! Unfrieden und Groll, Kummer und Sorge auch in dem Herzen Karls, als er langsam dahtntrieb auf den Wellen der Weser und sinnend in die oorüberfluthenden, schimmernden Wogen schaute.
Sein elterliches Besitzthum, der Ahrendtshof, <iner der größten Bauernhöfe der Gemeinde Nienhagen, lag dem kleinen Fährhaus des alten Hans Heinrich Allerkamp schräg gegenüber, nur durch den breiten Fluß getrennt. Als Kinder schon hatten fie zusammengespielt, Karl Ahrendt und die blonde Gesine Allerkamp. Mit dem Vater waren fie zusammen zum Fischen gefahren, und während der Alte stundenlang am Ufer saß und nach der Angelruthe schaute, streiften sie Hand in Hand in der Haide umher, pflückten die rothen und blauen Haideblumen, beobachteten die fleißigen Bienen, die von Blüthe zu Blüthe flogen, haschten die bunten Schmetterlinge oder suchten nach Vogelnestern in Hecken und Bäumen. Dann wieder lagerten sie in dem Haidekraut neben dem alten Schäfer Jeremias Tovote, der so wunderbare Ge-
baß ist vielleicht noch wilder geworden und hat fie noch geneigter als vorher gemacht, die Europäer mit aller ihnen zu Gebote stehenden Betrügerei in heimtückische Fallen zu locken. Deswegen ist es einigermaßen verwunderlich, daß die europäischen Diplomaten augenscheinlich auch diesmal wieder den Chinesen auf den Leim gegangen sind, um so verwunderlicher, als Bischof von Anzer wiederholt seine warnende Stimme erhoben hat. Aber ebenfalls deswegen muß nun jetzt gegen die bezopften Herren mit allem militärischen Nachdruck vorgegangen werden, der aufgewandt werden kann unten den gegebenen Umständen, ohne Rücksicht auf etwa gemachte Verhandlungsangebote, ohne Beachtung aller Vermittelungsversuche —, bis die Flaggen der europäischen Mächte auf den Mauern von Peking über dem Feuer speienden Drachen des Reiches der Mitte wehen! Kein anderes Verfahren kann zum Ziele führen. Aber natürlich muß auch dieses Verfahren mit Vorsicht und Bedachtsamkeit gepaart bleiben.
Sollte sich eine Meldung bewahrheiten, die jetzt ein gewöhnlich gut unterrichtetes Blatt, der .Petersburger Herold' bringt, dann wäre im Spätherbst des vorigen Jahres zwischen D e u t s ch - land und Rußland ein Abkommen über Ostasien geschloffen worden, wonach von keiner der beiden Vertragsmächte ein selbständiger Schritt gethan werden soll ohne voraufgegangene Verständigung der andern Macht. Jetzt würden Rußland und Deutschland gemeinsam in Ostasien vorgehen. Man kann nur wünschen, daß die Meldung auf Wahrheit beruhe. In Ostasien ist Rußland der «atürliche Bundesgenoffe des deutschen Reiches.
[] Den Letzten beißen die Hunde! —
Unter diesem Losungsworte hat die .Fuldaer Zeitung' schon vor Jahresfrist vor Krisen in dem Werthe der Jndustriepapiere gewarnt. Die Hochspannung konnte nicht dauernd bestehen bleiben. Der Rückschlag mußte kommen, und er ist gekommen und hat sich geltend gemacht als wiederholte „Panik" an den Börsen und al- ein sehr kräftiger Rückgang der Werthe von Jndustriepapieren nicht nur, sondern auch von Rentenpapieren. Man hat uns damals vielfach verspottet und über unsere „Unkenntniß der thatsächltchen Verhältniffe" sich lustig gemacht. Wer aber damals, als unsere ersten Warnungen laut wurden, seine Jndustriepapiere verkauft hat, hat ein gutes Geschäft gemacht. Die Anderen aber haben nun wirklich die Hunde gebiffen. Auch der Zeitpunkt der vielfach besprochenen Warnung in der offiziösen »Nordd. Allg. Ztg.' war zu spät gewählt. Diese verspätete Warnung trug wahrscheinlich nur dazu bei, die Krise zu beschleunigen, die ja übrigens unausbleiblich war und bei dem ersten kräftigen Anstoße kommen mußte, mochte dieser Anstoß nun Amerika oder China oder sonstwie heißen.
Aber daß der Rückgang mancher Werthe gar so stark sein würde, haben vorher auch solche schwerlich angenommen, die von Anfang an an ein unverändertes Fortdauern des Hochstandes nicht geglaubt haben. Bochumer Guß- stahlsaktien beispielsweise sind seit dem Anfänge
schichten erzählen konnte, von Feen und Nixen, von Gespenstern und dem wilden WotanSheer, das im Frühling- und Herbststurme über die Haide brauste. Oder sie fuhren mit Vater Allerlamp weit, weit hinunter den rauschenden Strom, bis die Thürme der Stadt Bremen auftauchten und der Anblick der großen Stadt ihre kleinen Herzen mit unbestimmter Sehnsucht erfüllte.
Und auch als sie älter wurden, waren sie unzertrennliche Gefährten und Keiner dachte daran, daß es jemals anders werden könnte, und inniger wurde ihr Bündniß, als aus der Freundschaft der Kinderjahre die Liebe des Jünglings und der Jungfrau emporblühte, wie die duftende Blume aus der Knospe.
Und das sollte jetzt mit einem Male vorüber sein? Nur, weil Gesine'die Tochter des armen Invaliden und Fährmanns war, und Karl der Sohn eines reichen Bauern von Ahrendtshof? Wa« halten Reichthum und Armuth mit ihrer Liebe und Treue zu schaffen?
War Gesine nicht ein schönes und stolzes Mädchen, auf das alle Burschen der Umgegend mit heimlichem Verlangen blickten? War sie nicht klug und fleißig? Westen Händen hätte Karl sein Glück, sein Leben besser anvertrauen können? Lag sein Leben in ihren Händen, in ihrem treuen starken Herzen nicht gesichert für alle Zeit?
Was kümmerte ihn seine« Vaters Reichthum und feiner Eltern Erbe! Er wollte glücklich sein, und aller Reichthum konnte ihm die Liebe Gefinens nicht ersetzen.
Trotzig warf er den Kopf in den Nacken und griff zu den Rudern. Rascher flog der Nachen dahin und schoß auf die Anlagestelle im Garten
diese« JahreS um 57 v. H., Dortmunder Union um 37 llt und Laurahütte um 341/» v. H. gewichen, und allein während der letzten Woche haben Bankaktien erster Klaffe wie Deutsche Bank 7 v. H, Dresdener Bank 4 v. H. an Werth eingebüßt. Nicht einmal vorzügliche Etaatspapiere wie Deutsche Reichsanleihe oder Preußische KonsolS sind völlig unberührt geblieben, obwohl ihr Kursrückgang natürlich nur winzig zu nennen ist.
Vor einem Jahre haben wir gewarnt vor allzu großem Vertrauen. Jetzt ist es an der Zeit, vor übertriebener Angstmeierei zu warnen. So schlecht wie in der zuletzt abgelaufenen Woche hätte es allen den Papier« werthen, die unter der von neuem auSgebrochenen „Panik" zu leiden hatten, nicht zu gehen brauchen. Die Wirren in China werden von den Spekulanten, die ein Interesse an dem Tiefstände der Papiere haben, in unanständiger Weise ausgenützt. Wenn man sich die Sache nur ruhig und genauer überlegen wollte, so würde jedermann von selbst auf den Gedanken kommen, daß diese Wirren an sich zwar so scheußlich wie möglich und wahrscheinlich in ihren besonderen Erscheinungen noch scheußlicher sind, als wir sie uns mit unserer zivilistrten Anschauungsweise vorstellen, aber auf der anderen Seite doch nur sehr lockeren Zusammenhang mit der Entwickelung unserer wirthschaftlichen Verhältnisse haben. Es war auf keinen Fall nöthig, den Tiefstand-Spekulanten den Gefallen zu thun, sich durch die Wirren in China von neuem ins Bockshorn jagen zu lassen.
Man kehre also wieder zur Ruhe und Besonnenheit zurück. Man wird dann finden, daß man besser damit fährt, als mit Let überstürzten Angst der jüngst ab-, gelaufenen Woche!
Derrtsches Keich.
Berlin, den JO, Juli,
• Der Kaiser begab sich heute Vormittag in Kiel an Bord des für die Ausreise nach China bereit liegenden Kreuzers „Bussard", um sich von der Besatzung zu verabschieden. Cr ermahnte fie in kurzer Ansprache zu treuem Ausharren, wünschte den Leuten eine gute Fahrt und begab sich darauf zur „Hohenzollern" zurück. Der „Bussard" verließ sodann den Hafen, bald darauf trat die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord die Nordlandsreise an, nachdem das Beglestschiff „Greif" vorangegangen war. Das Depeschenboot .Sleipner" folgte. Nächstes Ziel der Reise ist Bergen.
X Generalmajor van Lievert, der Gon- verneur des ostafritanischen Schutzgebietes, ist längere Zeit hindurch fortgesetzt als amtsmüde geschildert worden. Man wußte auch, daß das Verhältniß zwischen ihm und dem frühern Kolonialdirektor von Bnchka nicht gut war. Neuerdings, nach dem Rücktritte dieses letzten», ist dann berichtet worden, Gouverneur v. Liebert werde zwar im Spätsommer nach Berlin kommen, aber es sei durchaus nicht gesagt, daß er nicht wieder auf seinen Posten zurückkehren werde. Es handelt sich dabei nicht nur um eine einfache
des Ahrendtshofe« zu, dessen strohbedeckte hohe Giebel über die Obstbäume emporragten.
Noch heute Abend wollte Karl mit dem Vater sprechen!
Er sprang ans Land, befestigte die Kette des Kahnes und ging mit festen Schritten dem Wohnhause zu.
3. Kapitel.
Das Haus des reichen Bauern Christian Ahrendt unterschied sich nur durch seine Größe von den anderen Bauernhäusern der Umgegend. Da war dasselbe spitze, hohe Strohdach mit den beiden sich kreuzenden Pferdeköpfen am Vordergiebel, die scheunenartige Haurthür, welche auf eine große Tenne führte, zu deren beiden Seiten die Ställe sür Pferde und Kühe sich befanden; da war im Hintergründe der Tenne der etwas erhöhte Feuerplatz mit dem großen Herde und dem gewaltigen Rauchfang, wo sich die Familie des Bauern und fein Gesinde zu den Mahlzeiten zufammenfand, und rechts und links des Herde« die Thüren zu den eigentlichen Wohnränmen, deren Fenster nach dem großen Obst- und Gemüsegarten hinausgingen. Rings um den Rauchfang standen auf breitem Gesimse die Teller und Töpfe, während im Rauch- fang die Schinken, Speckseiten und Würste hingen, welche der Bauer von den selbstgeschlachteten Schweinen gewann. Da« Gesinde schlief in kleinen Kammern über den Ställen, und unter dem hohen Strohdach häuften sich die Vorräthe der Felder und de» Garten« auf, welche nicht in den nebenstehenden Scheunen untergebracht werden konnten.
Plump und wuchtig stand da» Hou» da mit dem tiefherunterhängenden, schweren Strohdach,
Personenfrage, sondern um grundsätzlich* Meinungsverschiedenheiten, und deswegen ist dieser Fall allgemein interessant. Herr von Liebert hat sehr verständige Ansichten Über die Verwaltung von Kolonieen. Er ist ein Gegner dessen, was man „Assefforismus" und „Militarismus" nennt, d. h. er ist der sehr richtigen Ansicht, daß man die Auswahl der Verwaltungsbeamten sür unsere Schutzgebiete nicht in erster Reihe davon abhängig machen soll, daß sie geprüfte Juristen oder Offiziere seien, daß man vielmehr die geeigneten Kräfte sich suchen müsse unter den Leuten von praktischer Erfahrung und guter Kenntniß der einschlägigen kolonialen Verhältnisse. Herr von Bnchka war anderer An« sicht; ebenso sind es leider mit ihm noch sehr viele andere Leute, die für beides schwärmen, sowohl für den Assefforismus als auch für den Militarismus. Außerdem, und das ist ebenso verständig bei Herrn v. Liebert, ist er ein Gegner der von Herrn v. Bnchka ertheilten Landvergebungen i« großen Stile; man kennt ja den „Hereinfall" des ehemaligen Kolor.ialdirektors mit seiner Vergebung riesiger Landkonzessionen in Kamerun hinlänglich genau. Generalmajor v. Liebert hat es außerdem verstanden, in dem deutschostafrikanischen Schutzgebiete sich Beliebtheit zu erwerben, und somit würde es sehr zu bedauern sein, wenn er schließlich doch nicht mehr zu bewegen sein würde, fein schwieriges und verantwortungsreiches Amt in Ostafrika weiter zu führen. Gerade in Ostafrika haben die Gouverneure schon so oft gewechselt, daß die Verwaltung der Kolonie gerade dadurch schädlich beeinflußt worden ist: es fehlte allzusehr an der nothwendigen Beständigkeit und Einheitlichkeit in der Verwaltung. Freunde einer gesunden Entwickelung unserer Schutzgebiete können also nur recht dringend wünschen, haß Herr v. Liebert im Amte bleibe,
H Dem wegen seiner Betheiligung am südafrikanischen Kriege zu 6 Wochen Festungshaft verurtheilten Major von Meitze«stein wurde der Rest der Strafe, welche er auf der Festung Glatz verbüßte, erlassen. Gleichzeitig wurde et durch Kabinetsordre dem neuen deutschen Expeditionskorps in China zugetheilt.
0 chegen die Lentenottz auf dem Lande empfiehlt jemand in der liberalen,National-Ztg.', eine große Fabrik landwirthschastlicher Maschinen möge ein Landgut erwerben und nun zeigen, waS man alles mit Maschinen leisten könnte, wie viele Arbeiter dadurch entbehrlich werden würden. DaS würde allgemein belehren und der Industrie großen Nutzen bringen. Der Einfall ist vortrefflich und der Verwirklichung werth. Schließlich würde man aber wahrscheinlich einsehen, daß doch immer noch Arbeiter fehlen!
* München, 10. Juli. Der standesamtliche Akt der Eheschließung deS Prinzen Rupprecht mit der Prinzeß Marie Gabriele in Bayern fand heute Vormittag in der königlichen Residenz statt. Der Minister des königliche» HauseS Freiherr v. Crailsheim, welcher die standesamtliche Trauung vollzog, gedachte in seiner Ansprache zunächst sowohl der Verdienste der königlichen Linie de« Wittelsbacher HauseS, wie auch der herzoglich bayerischen Linie, auS welch letzterer im Laufe der Zeit viele erlauchte Frauen
das von Moo» fast ganz überwuchert war; massig und düster, wie der Charakter de» Volke», abgeschlossen für sich, umgeben von einer hohen Hecke und alten Bäumen, so daß man von der Landstraße aus, die an dem Gehöft vorüberlief, keinen Blick in das Innere gewinnen konnte. Aber so hatten die Vorfahren der niedersächsischen Bauern schon seit Jahrhunderten gewohnt, und Niemanden fiel e« ein, von der Sitte der Altvordern abzugehen.
Wenn der Schullehrer Gottlieb Benjamin Stöckel, der in seinen jungen Jahren weit in der Welt herumgekommen war, den alten Christian Ahrendt veranlassen wollte, doch ein hübschere« und bequemere« Haus zu bauen, dann zuckte der Bauer mit den Schultern und meinte gleichmüthig: „Was für meinen Vater und Großvater und Urgroßvater gut genug gewesen ist, da« wird auch für mich und meinen Sohn und meinen Enkel gut genug fein."
Und dabei blieb e«, obgleich Christian Ahrendt sonst viel auf die Meinung de« gelehrten Gottlieb Benjamin Stöckel gab.
Auch heute ließ Christian Ahrendt den Schullehrer rufen, um seine Ansicht Über eine sehr wichtige Sache zu hören. Hatte er da ei» Schreiben von dem Departement der Unterweser erhalte», welches ihm schwere Sorge bereitete.
„Da, Herr Magister," rief er dem eintretevden kleinen Manne mit der großen Eulennase und den gewaltigen Brillengläsern entgegen, „do, lest einmal, waS mir daS Departement für 'nen Wisch schickt. Mein Sohn soll Soldat werden — soll sich zur Konskripschon stellen. — Da soll doch gleich ein Wetter reinschlagen! Mein Sohn, ftanzöstscher Soldat — mein Sohn?!"