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M 154.
JuLöa, Montag, den 9. Juli 1900.
27. Jahrgang
Staatsminister a. D. Dr. Falk f.
Am Samstag früh ist in Hamm im Alter von 72 Zähren Staatsnrinister a. D. Dr. Falk gestorben, der seit 1882 Präsident des dortigen Oberlandesgerichtes war.
Politisch war der Verstorbene seit zwei Jahrzehnten tobt. Mit seiner Entlassung aus dem Ministeramte kehrte er auch der Politik den Rücken und lebte nur seinen Amtspflichten in Hamm. Man könnte daraus beinahe die Vermuthung herleiten, daß dem ehemaligen Kultusminister seine eigene Politik leid geworden und er froh war, von dieser und überhaupt von aller Politik entbunden zu sein. Und war es denn seine eigene Politik, au» der die Maigesetze und der ganze häßliche Kulturkampf in Preußen entsprangen? Diese Frage ist oft besprochen und ebenso oft verschieden beantwortet worden. Aber ein Minister unter dem Reichskanzler und Ministerpräsidenten, der den Beinamen des „Eisernen" sich erwarb, konnte ja gar keine eigene Politik machen. Die Politik machte der Eiserne, die Minister „schwenkten ein wie die Unteroffiziere". Aber das kann man wohl zugeben, daß Falk im Laufe der Jahre, die er Minister war, immer besser lernte, Minister zu sein und auch ab und zu selbständig sich zu be- thätigen, während er im Anfänge seiner Ministerschaft kaum etwa« Anderes war, als juristischer Beirath für den Fürsten Bismarck bei dessen Kulturkampfsplänen und ihrer Ausführung. Diese Gesetzgebung wurde bekanntlich mit einer Härte ausgeführt, dis ihres Gleichen so lercht nicht findet, und die für alle Zeiten ein unrühmliches Zeugniß ablegen wird für ihre Erfinder und Vollstrecker; desto unrühmlicher, als ja schließlich die Eröffner und Lenker des Kulturkampfes als Besiegte vom Kampfplatze abtreten und die Waffen strecken mußten vor der unbesiegbaren Macht der katholischen Kirche. Da schied Dr. Falk aus dem Kultusministerium. Aber der eigemlich Unterlegene im Kampfe war der Kanzler und der Ministerpräsident.
Nicht nur mit dem Kulturkampfsminister wurde ein Ende gemacht. Gleichzeitig schieden mit ihm aus dem Amte im Juli 1879 diejenigen beiden preußischen Minister, die als die Träger der freihändlerischen Politik der zu Ende ge- gang-nen „liberalen Aera" der siebziger Jahre galten: der Finanzminister Ho brecht und der Landwirthschaftsminister Friedenthal. Im preußischen Ministerium war ein „großes Reine- machen"; es folgte die bessere Zeit der Schutzzollpolitik, in der die Nationalliberalen „an die Wand gedrückt wurden, bis sie quitschten", um mit des eisernen Kanzlers eigenen Worten zu reden.
Leider ist mit Dr. Falk nicht alles verschwunden. was an kirchen feindlichen Gesetzen in der Aera des preußischen Kulturkampfes geschaffen worden war. Sehr bedenkliche Reste dieser Gesetzgebung haben den Kulturkampfsminister über- lebt und bestehen noch heute zu Recht. Es ist Herrn Dr. Falk und seinen ebenso spitzfindigen
Dir Tochter des Fährmanns.
Roman von O. Elster.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
„Wir wellen keinen Streit anfangen", meinte nach einer Weile des Ueberlegens der Korporal. „Jean Bonnet soll seine Thorheiten lassen — wenn ich'» dem Rittmeister erzähle, steckt ihn der obendrein noch in Arrest. — Also marsch — vorwärts — aufgestiegen. Jean Bonnet mag sich die Revanche für sein Bad ein ander Mal holen."
Die Reiter sprangen in den Sattel.
„Und mein Fährgeld?" Mit dieser Frage trat der alte Fährmann vor den Korporal.
„Ei, geht zum Teufel mit Eurem Fährgeld! Kaiserliche Soldaten gehen überall frei durch — macht Platz und seid zufrieden, daß Euer Mädel so davonkommt."
Er spornte sein Pferd, daß es kerzengerade in die Höhe stieg und den alten Mann mit dem Huf fast getroffen hätte, wenn der junge Bauer ihn nicht zurückgeriflen hätte.
„Laßt sie laufen, Vater Allerkamp", sagte der junge Bursche. „Ihre Zeit kommt auch noch einmal."
„Ja, ihre Zeit kommt auch!" rief der Alte und streckte den davontrabenden Dragonern die dürre, knochige Faust drohend nach.
„Wenn doch Alle "so dächten, wie Ihr und ich, Karl Ahrendts, dann brauchten sich die deutschen Mädchen nicht lange Zeit mehr die.Frechheiten der Franzosen bieten zu lassen."
„Run, Vater Allerkamp, wenn nur alle deutsche
Juristengenoffen Friedberg und Hinschius nicht gelungen, „der katholischen Kirche die Lebensadern zu unterbinden", wie Friedberg sich öffentlich ausdrückte. Aber bis zum heutigen Tage hält der preußische Staat noch fest an einigen jener Bestimmungen, die in offener Feindseligkeit gegen die katholische Kirche ersonnen wurden; und bis nicht auch die letzten Ueberreste der Kul- turkampfsgesetzgebung gefallen find, kann Niemans im Ernste behaupten, daß der Kulturkampf vollkommen beendet und zu Grabe getragen sei.
Derrtfches Keich.
Berlin, den 7. Juli.
* Der kaiserliche Kommissar und Milüär- Jnspekteurder freiwilligen Krankenpflege, Friedrich Graf zu Solms-Baruth gibt Folgendes bekannt: Anläßlich der Kämpfe in China hat sich die im deutschen Vaterlande stets bewährte Opferwilligkeit bereits in erheblichen Angevofe« fretwiMger Ailfeleiflttttgeu bekundet. Es steht zu erwarten, daß der freiwilligen Krankenpflege zum Besten unserer Krieger noch reichliche Mittel zufließen werden. Um diese freiwilligen Hilfeleistungen den Allerhöchsten Bestimmungen entsprechend zu wirkungsvoller Verwendung gelangen zu lassen, bringe ich zur Kenntniß, daß alle Angebote von Personal und Material, sowie Sammlungen von Geldmitteln an die zur freiwilligen Krankenpflege berechtigten Organisationen, die Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz und Ritterorden, zu richten find, durch deren Centralstellen fie mit zwecks Unterstützung des amtlichen Sanitätsdienstes zur Verfügung gestellt werden.
+ Kirre weitere Ersatzwahl zum Zleichs- terge hat am letzten Freitag in dem hannoverschen Wahlkreise Einbeck-Northeim stattgefunden, dem früheren Wahlkreise deS Ministers von Miquel. Der Kreis verlor seinen Vertreter tm Reichstage, den Abg. von Harriehausen vom Bunde der Landwirthe, dadurch, daß dessen Mandat vom Reichstage für ungiltig erklärt wurde wegen allzu kräftiger Wahlbeeinfluffungen, >ie ein Landrath ausgeübt hatte. Diesma ämpften vier Wahlbewerber um den KreiS: >er freikonservative Landtagsabgeordnete LüderS, >er Natioualliberale Zorns, der Deutfch- »annoveraner von Hake und der Sozialdemokrat Fischer. Am meisten Stimmen haben JornS und Fischer erhalten; zwischen diesen beiden muß also noch eine Stichwahl stattfinden, aus der dann höchst wahrscheinlich der Nationalliberale als Sieger hervorgehen wird. An dem hergebrachten Charakter des Wahlkreises wird dadurch nichts verändert, denn dieser Kreis war früher stets eine der sichersten Domänen der Nationalliberalen, und es war schon ein sehr schlechtes Zeichen für diese, daß fie ihn überhaupt im Jahre 1898 verlieren konnten. Sehr interessant aber ist die Thatsache, daß auch hier die SoziLldemokratie einen erheblichen Stmmenrückgang zu verzeichnen hat. Er beträgt gegen 1898 mindestens 600 Stimmen!
© Das Ikeischöeschattgesetz hat, wie die .Deutsche Fleischerzeitung' meldet, die kaiser-
Mädchen den Herren Franzosen auf dieselbe Art Mores lehrten, wie Gesine, das Prachtmädel!"
„Ja jo, ja ja", lachte der Alte vergnügt schmunzelnd vor sich hin. „Der Franzose machte 'nen schönen Hechtsprung ins Wasser. Der faßt so leicht ein deutsches Mädchen nicht wieder an. — Wie ifl's, wollt Ihr en kleinen Schnaps trinken, Karl?"
„Ja, wenn Ihr einen habt . . ."
Der Alte sah ihn verschmitzt von der Seite an. „Hab da zufällig en kleines Faß Rum — echten Jamaika, Karl."
_ „Nehmt Euch in acht, Allerkamp. Die Zollwächter paffen höllisch auf geschmuggelte Waare auf."
Wer sagt Euch denn, daß der Rum geschmuggelt ist?" lachte der Alte so recht innerlich vergnügt. „Ein Freund von mir, der Schiffer Berendt Prigge in Bremen hat mir den Rum geschenkt."
„Schon gut, schon gut — wenn er nur echt ist, . Sie lachten sich Beide verständnißvoll an und gingen in das Haus.
In der Ferne verschwand der Reitertrupp. Langsam und träge wälzte sich der Strom in dem warmen, blendenden Sonnenlicht dahin, unabsehbar dehnte sich die rothschimmernde einsame Haide — tiefe Stille ringsum, nur unterbrochen durch ras leise Gurgeln und Murmeln der Wellen des Weserstroms und den dann und wann ertönenden Schrei eines Waffervogels.
2. Kapitel.
„Ja, es sünd heutzudage swere Zeiten", seufzte rer alte Fährmann und frühere Steuermann auf Sr. Großbritannischen Majestät Fregatte Aga
liche Genehmigung erhalten und wird voraussichtlich am Montag oder Dienstag im ,Reichs-Anzeiger' publizirt werden. Das Einfuhr- Verbot von Wurst und Büchfenfleisch dürste in den nächsten Monaten zu erwarten sein.
* Darmstadt, 7. Juli. Die hessische Zweite Kammer hat gestern Nachmittag nach sehr lebhaften Verhandlungen, die fast den ganzen Tag in Anspruch nahmen, die Beschlüffe der Ersten Kammer zum Lehrerbesoldungsgesetze trotzdem die Regierung sie sich zu eigen gemacht hatte auf» Wärmste in der Person des Staatsministers Rothe dafür eintrat. Der in namentlicher Abstimmung mit 22 gegen 18 Stimmen erfolgte Beschluß der Zweiten Kammer bedeutet eine ernste Niederlage des Finanzministers und des gefammten Ministeriums, da» durch die Stellungnahme de« Finanzministers zu einer schroffen Ablehnung aller entgegenkommenden Vorschläge der Zweiten Kammer veranlaßt worden war.
[* *] Aon«, 8. Juli. Heute haben die Gesangproben für den BegrüßnngS - Abend der Katholiken-Versammlung begonnen und finden von jetzt ab regelmäßig jeden Sonntag Vormittag ll1/* Uhr im Bonner Bürger-Verein statt. Der Chor wird auS 350 Sängern und 250 Knaben bestehen, wobei eine 60 Mann zählende Militär-Kapelle mitwirkt. Sämmtliche weltliche und kirchliche Gesangvereine von Bonn haben hierzu Sänger gestellt. Es find folgende Chöre vorgesehen: 1. „Die Allmacht" (vierstimmiger Männerchor) von Lachner. 2a. „Waldnacht" (vierstimm. Männer- und Knabenchor) von Möh - ring. 2b. „Engel - Terzett" aus Oratorium „Elias" (dreistimm.Knabenchor von Mendelssohn. 2c. „Lebenslust" (oierstimm. Männerund Knabenchor) von Hiller. 3. „Sonnengesang" aus Oratorium „FranziSkuS" (vierstimm, gemischter Chor mit Tenor - Solo und großes Orchester) von Tin el. 4a. „Sternenglück" (füns- stimm. Männerchor) von Cohen. 4b. „Dem Rhein mein Lied" (vierstimm. Männerchor) von Schwarz.— DieDirektion liegt in den bewährten Händen des Herrn Mnfikdirektors K r a k a m p, eines hervorragenden Meisters auf dem Gebiete deS Männer- und KnabenchoreS. Man darf so dieser Veranstaltung mit hochgespannten Erwartungen entgegensehen.
* Stoff erfreut, 7. Juli. Die Frachtsuhr- arbeiter sind hierin den AuSstand getreten. Die Polizei, durch Marinemannschasten verstärkt, bewacht die Straßen, um Ausschreitungen vorzubeugen. Sn allen Zugängen zur Stadt sind AuSständische aufgestellt, um etwaige Arbeitswillige zurückzuhalten.
* SPeris, 7. Juli. In der Deputirtenkammer ist es gestern wieder einmal zu Prügeleien gekommen. Als Lasies dem abgehenden Waldeck- Rousseau nachrief: „Judas! Bandit!", antworteten ihm hundert Stimmen: „Feigling! Lump! Strolch!" Lasies war mit einem Satze am Fuße der Rednerbühne und wollte einhauen, da faßte ihn Senator Berand an der Gurgel, drückte ihn an die Wand und würgte ihn, daß er blau wurde. Der alte Cluseret sprang ihm tapfer bei, erhielt aber im Handgemenge einige
memnon, Hans Heinrich Allerkamp, und trank ein großes Glas Rum aus. „Seit wir die Franzosen im Lande haben und der Jerome Bonaparte in Kassel unser König sein soll, geht alles drunter und drüber. Ja ja, wenn der Admiral Nelson noch lebte!"
Hans Heinrich Allerkamp hatte, wie schon bemerkt, in der großbritannischen Marine gedient und zwar aus dem Agamemnon, dessen Kapitän der später so berühmte britische Seeheld Nelson gewesen. Er war mit Nelson in Amerika und Westindien gewesen; hatte sich mit den Amerikanern, Spaniern und Franzosen herumgeschlagen, bis ihm in der Seeschlacht bei Abukir eine französische Flintenkugel das Bein zerschmetterte und für den Dienst untauglich machte. Mit einer kleinen Pension kehrte er nach seiner Hrimath, dem damaligen Kurfürstenthum Hannover, zurück und legte sich, wie er sagte, im Fährhaus bei Nienhagen vor Anker. Der Admiral Nelson war sein Ideal, und als der britische Seeheld in der Schlacht bei Trafalgar fiel, da glaubte der alte Hans Heinrich Allerkamp nicht mehr an die Errettung Europas von dem Joch des korsischen Eroberers Napoleon Bonaparte. „Ja, wenn der Admiral Nelson noch lebte!" Damit schloß er alle seine polftischen Erörterungen.
Als königlich großbritannischer Steuermann jatte er in England eine Britin geheirathet. Aber Frau Mary Allerkamp starb nach kurzer Ehe und unterließ ihrem Gatten nur das blondlockige Töchterchen, da» Hans Heinrich Allerkamp in Erinnerung an seine niedersächsische Heimath Gesine genannt hatte. Jetzt war die kleine Gesine
verirrte Hiebe über den Kopf, daß ihm das rechte Ohr dick anschwoll. Auch sonst wurden viele rühmliche Einzelkämpfe ausgefochten, deren Einzel- Herten jedoch nicht genau verfolgt werden konnten.
* Aonflarrfiuopel, 7. Juli. In den letzten Tagen ist hier eine größere Anzahl Armenier verhaftet und zum Theil nach ihrer Heimath in Kleinasien abgeschoben worden. Als Grund hierfür wird angegeben, daß die Polizei auf zwei armenische Revolutionäre fahnde, welche angeblich dort eingetroffen fein sollen, um einen neuen Schlag vorzubereiten. In maßgebenden Kreisen ist jedoch von der Ankunft derselben nichts bekannt«
Der Krieg in Südafrika.
Einen schweren Schlag hätten die Engländer wieder einmal in Südafrika erlitten, wenn sich eine Depesche bewahrheiten sollte, welche am Samstag Nachmittag ein Wiener Bankhaus erhalten hat. Dieselbe enthält nämlich die Meldung, daß General Buller und sein ganzer Stab von den Buren in Transvaal gefangen worden sei. Die englischen Blätter haben bisher noch keine Be- stättgung dieser Meldung gebracht, (siehe Depesche).
Die Aussichten auf ein baldiges Ende des Krieges rücken immer weiter in die Ferne und den Engländern wird die völlige Unterwerfung dieses kleinen, aber tapfer um seine Freiheit kämpfenden Burenvolkes wohl kaum gelingen. „Es ist durchaus nicht nothwendig. Über Frieden zu diskutiren. Sagen Sie Ihrer Zeitung und damit der Welt, daß die Südafrikanische Republik für ihre Unabhängigkeit kämpfen wird, bis nur 500 Buren noch am Leben sind und selbst bann werden wir den Kampf fortfetzen. Das ist unser felsenfester Entschluß", so hat Präsident Krüger dem Korrespondenten eines englischen Blattes durch den Staatssekretär Reitz melden lassen, eine Nachricht, deren Inhalt man durchaus glauben kann. Hat doch General Dewet noch etwa 12000 Mann ur Verfügung, welche mit äußerster Entschlossenheit zu kämpfen bereit find, und auch der Widerstand des Generals Botha ist noch lange nicht gebrochen.
Als weitere wichtigere Meldungen geben wir noch folgende wieder:
* Mttfrapefi, 7. Juli. Eine hiesige Mühle schloß mit der englischen Regierung einen Vertrag auf Lieferung einer größeren Menge Brod- rnehls für Südafrika. Der erste Transport von 3500 Tonnen wird gegenwärtig in Fiume verladen.
* Lottfro«, 7. Juli. Lord Roberts telegraphirt aus Pretoria vom 6. Juli: General Paget wurde am 3. Juli mit den Buren in einen Kampf verwickelt. Es gelang ihm, die Buren ans ihrer starken Stellung gegenüber dem Leeuwkop bis Bronterssontein zu verdrängen. An dem letzteren Orte schlug er ein Bioouak auf. Er verfolgte den Feind. Am Nachmittag des folgenden Tages war er in Blaanwkopje, 15 Meilen nordwestlich von Bethlehem. Paget meldet, sämmtliche Mitglieder der Regierung des Oranjefreistaats mit Ausnahme des Präsidenten Steijn und des
ein erwachsenes, kräftiges Mädchen geworden, mit den lichtblonden Locken und den großen blauen Augen der englischen Mutter und der hohen stattlichen Gestalt ihres niedersächsischen Vaters. Etwa» abenteuerliches Seemannsblut rollte auch in ihren Adern, waren doch ihre Voreltern sowohl von väterlicher rote von mütterlicher Seite seit länger als hundert Jahren auf der See gefahren. Der Vater ihrer Mutter lag irgendwo im Atlantischen Meer begraben, der Vater ihre» Vaters aber war als Fischer eines Tages in die Nordsee gefahren, um nicht wieder Heimzukommen. Sein Boot fand man als Wrack auf den Felsen von Helgoland liegen.
„Aber drunten in Oesterreich geht's wieder los, Vater Allerkamp," sagte Karl Ahrendt lächelnd, „und der Kaiser Bonaparte soll schon ’ne Schlacht verloren haben."
„Pah — es war doch keine Seeschlacht nich," entgegnete der alte Steuermann geringschätzig. „Ja, wenn Admiral Nelson noch lebte."
Und er stopfte sich seine kurze Seemannspfeife mit geschmuggeltem Tabak, zündete sie durch eine kohle, die er vom Herde nahm, an und lehnte ich, große Dampfwolken ausstoßend, behaglich auf )ie schmale Ofenbank zurück.
Karl Ahrendt lächelte. „Was sagst Du, Gerne?" fragte er da« blondhaarige Mädchen, welche am Herde stand und mit sinnenden Augen in die Gluth blickte. „Werden wir Deutschen auch ohne den Admiral Nelson fertig ?"
„Wenn sie alle hinter dem Ofen hocken bleiben, chwerlich," entgegnete das schöne Mädchen.
(Fortsetzung folgt.)