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kn» 2. p«»zette»'in JhtU>«*mit Nnterhattungs-Meikagr „Mustrirte Sonntags-Zeitungi'

Velekszsge N». » (»o»wmU).

M 153.

Jutöcr, Samstag, den 7. Juli 1900.

27. Jahrgang.

-Rundschau.

MachdrnS verboten^

X Fulda, 7. Juli.

»Hoch patriotische Worte" find am Abend des letzten Juni in Lübeck gesprochen worden. Im Anschluffe an die großen Kieler Segelrennen veran­staltete der Lübecker Jachtklub ein Festmahl, zu dem der Kaiser geladen war und anfänglich auch sein Erscheinen zugesagt hatte. Schließlich aber ließ sich der Kaiser durch seinen Bruder, den Prinzen Heinrich von Preußen vertreten, unddieserwar es, der die Bezeichnung „hoch patriotische Worte" auf eine Stelle in der Rede des Oberbürgermeisters von Lübeck anwandte, die dieser bei dem vorher bezeich­neten Festmahle hielt. Der Herr Oberbürgermeister meinte nämlich, die neuesten Ereignisse in China müßten der Erkenntniß Bahn brechen, daß wir einer Vermehrung der Auslandsflotte bedürfen. Außerdem sagte Prinz Heinrich ausdrück­lich, er werde dem Kaiser von diesen hochpatriotischen Worten des Oberbürgermeisters von Lübeck Meldung machen.

Der Herr Oberbürgermeister von Lübeck ist ohne Zweifel ein sehr wackerer Mann und ein sehr tüch­tiges Oberhaupt für die alte Hansestadt Lübeck; und es kann ja auch sein, daß er jene Worte aus eigener Ueberzeugung heraus gesprochen hat. Aber solche offizielle Reden haben meist so ihre ganz eigene Ent­stehungsgeschichte; sie find ja in den meisten Fällen, um einen volksthümlichen Ausdruck zu gebrauchen, „bestellte Arbeit", und auf keinen Fall bat der Herr Oberbürgermeister mit seinen Worten die Stimmung der überwiegenden Volksmehrheit richtig wiedergegeben. Die wohlhabenden Kaufleute in den Handelsstädten an der See werden natürlich immer in eine gewisse Be­geisterung gerathen, wenn ihnen wiederum eine Ver­mehrung der Kriegsflotte in Aussicht gestellt wird; denn gerade diese Herren wiffm sehr genau, wo Vor­theile für sie zu haben sind, und in deren Sinn mag ja der Herr Bürgermeister von Lübeck gesprochen haben. Aber im Reiche wird er wenig Berständniß finden für das, was Prinz Heinrich als hochpatriotische Worte bezeichnete.

Vor einem Jahre war eSder Kaiser selbst, der in einem Trinkspruche bei einem Festmahle in Ham­burg das Nah« einer großen Flottenvorlage ankün­digte. Sollen nun die Reden in Lübeck die gleiche Bedeutung für dieses Jahr haben? Daß die Regie­rung sich nicht zufrieden gibt mit der Streichung der Vermehrung der Auslandsschiffe in dem letzt« Flotten­gesetze, ist bekannt genug. Aber man sollte doch nicht meinen, daß sie so außerordentlich eilig damit vor­gehen sollte, auch ihre letzten Wünsche gegen die Mehr­heit des Reichstages durchzudrücken. Auch war in der letzten Flottenvorlage der Bau neuer Auslands­schiffe von 1906 ab vorgesehen, und man kann doch nicht annehmm, daß dieselbe Mehrheit desselben Reichstages jetzt ja sagen sollte zu etwas, wofür sie soeben erst ein entschiedener Nein hatte Aber in Flottensachcn ist an Ueberraschungen bei uns in Deutsch­land bekanntlich sehr viel möglich!

Die Ereignisse in China find ohne Zweifel sehr ernst und geben Anlaß zu allerhand Nachdenken. Auch darüber kann gar kein Zweifel obwalten, daß das energische Eingreifen Deutschlands in die chinesi­schen Wirren gänzlich dem allgemeinen Volksempfinden bei uns «tspricht. Aber die Erfahrung hat ja wiede­rum gelehrt, daß wir unsere Truppen nach China be­fördern können ohne neue Kriegsschiffe; und die von der Regierung für die Truppenbeförderung gemietheten Schiffe haben eine größere Fahrgeschwindigkeit, als die

△ Aus vergangenen Tagen.

Als der Donner der Geschütze bei Leipzig kaum verhallt war und die siegreichen Heere der Verbündeten gerade über den Rhein rückten, als das zündende Wort Moritz Arndts: „All' Deutsch­land nach Frankreich hinein!" brausend und sieges- muthig aus Millionen deutscher Kehlen drang, er­blickte in einem Dörfchen unweit des idyllisch ge­legenen Badeortes Driburg ein kleiner Bürger das Licht der Welt, dem Frau Muse ihren Flammenkuß auf die Stirne drückte und ihm als Angebinde den immergrünen Lorbeer in die Wiege legte. Die etwas abseits gelegene engere Heimath des Kindes wurde von den damals weltbewegenden Ereignissen der Befreiungskriege insofern berührt, als Jeromes westfälische Majestät von „Kaisers Gnaden", der famose König „Morcken wieder lustick", noch ehe der Jubel über den Sieg der Völkerschlacht die deutschen Gaue durchrauschte, auf seine Herrschaft über das Land der rothen Erde Verzicht geleistet und sich schleunigst jenseits des Rheins in Sicherheit gebracht hatte. Das Morgen- roth einer neuen, besseren Zeit war angebrochen und warf seinen Gluthschimmer auf das arme, ge­knechtete deutsche Volk, das nunmehr die harten Fesseln des übermüthigen Korsen abgestreift und sich nun wieder jugendstark und hoffnungsfreudig in seiner rollen Kraft fühlte. Dieser erfrischende Hauch vaterlandsliebender Begeisterung und natio­nalen Hochgefühls senkte sich auch auf die Wiege des kleine.; Weltbürgers im waldumraufchten Al­hausen und stempelte ihn gewissermaßen zu einem

allermeisten Kriegsschiffe, von Torpedobooten abgesehen, überhaupt haben können. In die chinesischen Flüsse aber könnten unsere Panzerfahrzeuge ja auch nicht hinein: kurz und gut, der Hinweis auf China reicht nicht hin, um schon wieder neue Flottmforderungen auch nur einigermaßen zu begründen.

Die Nachrichten über die Ereigniffe in China selbst lasten es sehr an der erwünschten Klarheit fehlen. Immerhin weiß man bestimmt, daß die englischen Sensationsmeldungen über Zerstörungen in großem Umfange in Tientsin der Wahrheit nicht entsprachen, vielmehr die Vorkommnisse weit schrecklicher darstellten, als sie in Wirklichkeit waren. Aber ebenso genau weiß man, daß die Lage in China schlimm genug ist, und daß es noch viele Arbeit und auch Blut kosten wird, bis im Reiche der Mitte wieder Ruhe und Ord­nung hergestellt sein werden.

Gerade Deutschland ist am stärksten in Mit­leidenschaft gezogen durch die Ermordung seines Gesandten in Peking, des Freiherrn v.Kette­le r, vor den Augen der chinesischen Behörden auf offener Straße. Am letzten Montag sind die beiden ersten Seebataillone in Kriegsstärke auf den Lloyd- dampfern „Frankfurt" und „Wittekind" nach China abgegangen, vor ihrer Abfahrt vom Kaiser selbst in Wilhelmshaven gemustert. Eine Flottendivision wird sehr bald folgen, und wahrscheinlich werden auch noch weitere Truppen nach China gesandt werden. Die Strafe muß der unerhörten Mordthat auf dem Fuße folgen. „Die deutsche Fahne ist beleidigt und dem deutschen Reiche Hohn gesprochen worden" — so sagte der Kaiser in seiner Ansprache an die scheidenden Marine-Truppen — „das verlangt exemplarische Be­strafung und Rache." Nun mögen die Chinesen nicht vollkommen durchdrungen sein von den Grundsätzen des Völkerrechtes der Kulturstaaten; aber gerade weil sie halb barbarische Leute sind, müssen sie kräftig an­gefaßt werden, damit sie in Zukunft mehr Achtung bekommen vor diesen Grundsätzen.

Wie es in Deutschland mit dem so gerühmten „Wohlwollen für die katholische Kirche" bestellt ist, konnte man in diesen Tagen wieder einmal sehen an einem Falle im Königreiche Sachsen. Im Schlöffe der Grafen Schönburg zu Wechselburg befindet sich von jeher eine katholische Haus- kapelle, in der ein Schloßgeistlicher regelmäßig die hl. Meffe liest. Selbstverständlich fanden sich auch solche Katholiken beim Gottesdienste ein, die nicht zum Schlöffe selbst gehören; aber da erscheinen auf einmal Gensdarmen, stellten fest, daß eS sich hier um ein« „öffentlichen" Gottesdienst handele, und nun wurde verlangt, daß alle Personen, die nicht unmittelbar zum Schlosse gehörten, aus dem Gottesdienste entfernt würden oder aber der Gottesdienst unterbrochen wer­den müßte. Der Schloßpfarrer wurde sofort mit Strafmandaten in der Höhe von 1050 Mark bedacht — und auf Grund welcher Bestimmungen? Uralte, gänzlich vergessene Bestimmungen darüber sind aus dem Aktenstaube wieder ausgegraben worden, in den sie zur wohlverdienten Ruhe eingebettet waren, wonach unterschieden wird zwischen öffentlichen und häuslichen Gottesdiensten, und verlangt wird, daß Gottesdienste als öffentliche besonders angemeldet werden müffm, wenn sie allen Gläubigen des betreffenden Bekenntnisses zugänglich sein sollen. DaS Verfahren, das feine Entstehung ganz augenscheinlich der Agitation einiger protestantischer Prediger verdankt, ist so roh und entspricht so wenig dem Geiste unserer Zeit, daß sogar ausgesprochen k rchenfeindliche Blätter wie die

. .. . rchenfeindliche Blätter wie die nationalliberale ,Kölniche Zeitung" Worte scharfen Tadels für die ung aublichen Vorgänge in Wechsel­burg hatten. Diese Vorgänge sind in der That ein Schandmal für unsere Zeit. Sie beweisen aufs neue, welchen Mißhandlungen auch in unseren Zeiten die Katholiken in Deutschland ausgesetzt sind, die treu zu ihrem Glauben stehen.

Der Bundesraty hat der sogenannten „lex Heintze" gleich nach ihrer Annahme durch den

Reichstag beigestimmt. Am 25. Juni hat das Gesetz die Unterschrift des Kaisers erhalten. Am 30. Juni ist eS in den amtlichen Organen des Reiches publizirt worden und hat dadurch Rechtskraft erhalt«. DaS Fleischbeschau-Gesetz hat die Zustimmung des Bundesrathes in deflen letzter Sitzung vor der Sommer­pause gefunden. Die Ausführungsbestimmungen dazu werden erst im Laufe dieses Sommers ausgearbeitet.

Im schlesischen Wahlkreise Waldenburg hat die Ersatzwahl zum Reichstage stattgefunden für den sozial- demokrattschen Abgeordneten Sachse, der sein Man­dat niedergelegt hatte, weil dasselbe angefochten wor­den war. Diesmal ist Herr Sachse wiedergewählt worden, und zwar gleich in der Hauptwahl, während ihm vor zwei Jahren erst die Stichwahl zum Siege verhalf.

Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ist nunmehr am letzten Sonn­tag in Reichsstadt mit der Gräfin Sophie Chotek getraut worden, der vom Kaiser von Oester­reich den Titel einer Fürstin von Hohenburg verliehen worden ist. Die Vermählung wurde in einfacher Form vollzogen; nur die näheren Verwandten des Braut­paares waren dabei anwesend. Die Brautwurdevon ihrem Bruder und dem Erbprinzen von Löwenstein zum Altar geführt. Dieser Letztere ist ein Neffe der Erzherzogin Maria Theresia, der Stiefmutter des neu vermählten Erzherzogs.

Leider regiert nun in Oesterreich wieder der P a r a - graph Vierzehn der Verfassung, der sogenannte Nothparagraph, nachdem das Parlament von neuem als arbeitsunfähig sich erwiesen hat: eine kaiserliche Verordnung ermächtigte die Regierung zur Fort- erhcbung der Steuern und Abgaben und zur Bestrei­tung des Staatsaufwandes bis zum Ende des Monats Dezember 1900. Die Ausgaben für die gemeinsamen Angelegenheiten beider Reichshälften sollen so vertheilt werden, daß 6646/»9 v. H. auf die österreichischen und 333/« v. H. auf die ungarischen Länder entfallen. Die Tschechen mit ihrer unvernünftigen Politik tragen die Schuld daran, daß das so ist, und noch mehr, daß die Hoffnung auf eine Durchführung der so noth- wendigen witthschastlichen Reformen wiedemm für lange Zeit begraben ist.

Die französische Deputirtenkammer hat in diesen Tagen die neue Vorlage der Regierung über die Flottenvermehrung angenommen und ist in ihren Bewilligungen noch sehr erheblich über dieFor- derungen der Regierung hinausgegangen. Der Bau von sechs Linienschiffen und fünf Kreuzern wurde nach dem Wunsche der Regierung gutgeheißen. Die gefor­derte Summe von 68 Millionen für Unterseeboote und Torpedoboote aber wurde auf den Antrag des Abg. Pellet an hin um ganze 50 Million«, also auf 118 Million« Franken erhöht. Die Regierung ist natür­lich damit einverstanden. Kurz vorher hatte die Kammer auch die anderen großen Vorlagen über die Ausrüstung der Kriegshäfen und über die Vertheidigung der Küsten angenommen.

Die Engländer haben in Aftika neue Verlegen­heiten bekommen an der Goldküste. Dort sind ihnen die Aschanti-Neger aufsässig geworden, und die Eng­länder sind von diesen in eine unangenehme Lage ge­bracht worden. Ein Theil ihrer Leute ist in der Stadt Kumassi eingeschlossen und belagert; ein anderer Theil mußte fich trotz mehrfacher Angriffe damit be­gnügen, seine Stellung festzuhalten. Die Verluste an Menschenleben sind auf beiden Seiten bereits recht stark gewesen. Bon dem Transvaal-Kriege ist nichts neues zu berichten. Es haben mehrere kleine Plänkeleien stattgefunden, auch wieder im Oranje- Staate, und die Engländer sind durchaus nicht immer glücklich gewesen.

Auf der I n s e l Cuba wollten die Amerikaner Wahlen einführen, zunächst Wahlen für städtische Vertretungen, später für ein Jnselparlament — aber an den ersten Wahlen für Städtevertretungen hat fast Niemand theilgenommen. Die Cubaner sind für solche Politik noch nicht reif!

Vermischtes.

+ Hermania, Levens-Derfichernngs-Aktten- Heseltfchaft z« Stettin. Rach Genehmigung des Rechnungsabschlusses durch die am 12. Mai stattgehabte Generalversammlung find die mit Anspruch auf Dividende Berfichrrt« der Germania an dem Ueber schuß der JahreS 1899 in Höhe von 4,394,782.« M. vertragsmäßig mit 4,006,183.« M. betheiligt. Hierdurch erhöht sich die ledig­lich zur Dividendenveitheilung durch Abrechnung vou dm künftigen Prämim angesammelte Sewinnreserve der Ver­sicherten — ttotz der im Jahre 1899 daraus vergüteten Dividende von 3,909,889 M — auf 16,521,758 M. Bon den eingereichten 12,579 neu« Versicherungsan­trägen über 52,505,897M.Kapital und 190,4S6.«M.Jahres- rente gelangten zur Annahme 10,213 Anträge über 41,786,281 M. Kapital und 184,668 M. Jahresrente. Der freiwillige Abgang von Versicherten war sehr niedrig; er betrug infolge unterlassener Prämienzahlung nur 0.«°/», infolge Rückkaufs 0.«’/« des während des Jahres verstchett gewesmen Kapitals. Der am Schluffe deS JahreS verbliebene Gefammtbestand der Kapitalver- ficherungen belief fich auf 186,610 Policen über 602,050,741 M. Versicherungssumme und übersteigt den Bestand am Anfang des Jahres um 21,670,378 M. Kapital. In der Abtheilung der Rentenversicherung blieb« 3864 Personen mit 2,444,480.« M. Jahresrente verfichert. An Prämien vereinnahmte die Gesellschaft im Berichtsjahre 26,507,165 M., an Zinsen 8,393,925 M. Bon der Gesammtetnnahme an Prämien nnd Zinsen in Höhe von 84,901,090 M. wurden verwendet 40.,°/, mit 14,272,684 M für Auszahlungen an die Ber- fichertm und 35.«»/, mit 12,767,467 M. wurden dem Prämienreservefonds überwiesen, dessen Gesammtsumme hierdurch auf 204,588,825 M. stieg. Der Verlauf der Sterblichkeit war auch im verflossenen Rechnungsjahr günstig. Durch die im Jahre 1899 etngetretenm 2451 Sterbefälle unter den Versicherten der eigmtlichen LebenS- verstcherung wurden im Ganzen 7,453,230 M. fällig. Für daS Gesammtgeschäft hatte die Gesellschaft aus dem günstigen Verlauf der Sterblichkeit unter dm Versicherten einen Gewinn von 1,143,685 M. zu verzeichnen. Die Ge- sammt-Aküva der Germania, von welchen 83°/, mit 196,148,269 M. in mündelficheren Hypotheken zinstragend angelegt sind, stiegen im Jahre 1899 um 11,680,283 M. auf 286,330,818 M.

Gottesdienstordnung in Fulda.

Sonntag, 8. Juli. Dom. 5, 6, 6»/« und 7*/» Uhr heil. Messen, während der 6 Uhr-Messe Kommunion der christenlehrpfl. Jungfrauen, 9 Uhr Amt und Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, 1'/, Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Herz Mariä-Bruderschaft und Predigt. — zftadtpfarr- ktrchr. 5 Uhr heil. Messe und Predigt, 6 und 7 Uhr hl. Meffe, 8 Uhr hl. Messe unb Predigt, 9l/i Uhr Hoch­amt, 11 und l1.1, Uhr Christenlehre, 8 Uhr Bruderschaft von der Todesangst deS Herrn. — Mtchartskirchr. 10 Uhr hl. Meffe. — Pfarrkirche ptm HU Geiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. —

Sodalitiit. Der nächste Gottesdienst findet erst am 15. d M., nicht am 8. statt. — 1.-8. 2 Uhr. — Frauen­berg. 5 unb */»7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr BruderfchaftS- meffe, 9 Uhr Hochamt, ’/iB Uhr Predigt und Andacht für die Terztaren.

Montag, den 9. Juli. Uonnoikirche. (Fest der Anbetung Jesu im allerheiligstm Sakrament) 6 Uhr Aussetzung deS Allerheiligsten und hl. Meffe, 6‘/», 7 und 7'/« Uhr hl. Messen, 8 Uhr Hochamt, 9, 91/, und 10 Uhr hl Messen, 11—12 Uhr erste und zwette Frohnleichnams- Andachk, 12—1 Uhr stille Anbetung, 1—2 Uhr dritte unb vierte FrohnleichngmS-Andacht, 2 3 Uhr fünfte Frohnleichnams-Andacht, 3—4 Uhr feier! Vesper und Komplet, 4-5 Uhr stille Anbetung, 5—6 Uhr Krone Christi, 6—7 Uhr Schlußandacht mit Te Deum. Wenn die Betstunden mit den angegebenen Frohnleichnams- Bndachten nicht auSgefÜllt werden, so wird während der übrigen Zeit der Rosenkranz gebetet, abwechselnd mit mtsprechendm Gesängen.

Hvangekischer Hottesdienst. Sonntag, dm 8. Juli: Borm. 8 Uhr: Herr Pfarrer Ruhl. Borm. 9'/, Uhr: Herr Pfarrer Wagner. — Bad Salz­schlirf. Borm. 10 Uhr: Herr Pfarrer Ruhl. — Amtswoche: Herr Pfarrer Ruhl.

Kinde seiner Zeit. Der kleine Weltbürger war — Friedrich Wilhelm Weber, der spätere Sänger von Dreizehnlinden. —

Trine Jugend floß lieblich, freundlich und klar dahin, wie ein Bächlein, das die Sonnen­strahlen taffen. Die unversiegbaren Wunder der Natur lernte er schon früh auf seinen Gängen durch Wald und Flur, Feld und Aue kennen und in der von Schauern der Einsamkeit durch­wehten Stille westfälischer Landschaftselegie sproßte bereits in dem zartbesaiteten Herzen des aufgeweckten Knaben die Wunderblume Poesie auf und fachte den ersten dichterischen Funken in ihm an. Nicht ohne Grund bewundern wir daher in seinen späteren Schöpfungen den reichen eigenthümlichen Wortschatz an Pflanzen und Sträuchern, seine Kenntniß von des Waldes Gethier und den gefiedert« Seglern der Lüfte und dieser Tiefblick der Natur kam ihm in dem weiteren Verlaufe seine- Schaffens gar trefflich zu statten, wenn er in späteren Jahren, einjam in seiner Dichterklause fitzend, Verslein an VerS- lein reihte und seinem idealen Gedankengange die Flügelschuhr rauschender Reime lieh. Dann rückte bereits der Ernst des Lebens an unseren jungen Freund heran, seine Gymnafialzeit zu Paderborn; weiter das Unioerstlätsstudium zu Greifswald und Breslau; und beide Perioden in dem Leben Webers waren von weit mehr Dornen als Rosen durchflochten. Nach dieser Zeit folgte die ärztliche Thätigkeit in Driburg, ferner die Heirath des Dichters, sein Wirken als Badearzt in Lippspringe, seine Wahl ins Parla­

ment, die Jahre in Thienhausen, sein Schaffen und Wirken in bewegter Zeit und — Drei­zehnlinden, mit dem er sich für alle Zeiten mit einem Schlage unter die größten und besten Dichter stellte. Dies alles und noch viel ntehr ist in der ausführlichsten und feffelndsten Weise in dem soeben erschienenen Werke: „Friedrich Wil­helm Weber von Dr. Julius Schwering" *) zu lesen. Unter allen biographischen Schriften, die über Weber erschienen sind, ist die vorliegende die authentischste, umfangreichste, reichhaltigste, wissen­schaftlichste und bedeutendste. Der Verfasser gibt darin aus dem Schatze und mit Hilfe der Ange­hörigen des Dichters eine ebenso schwungvoll ge­schriebene Lebensgeschichte Webers als eine reiche Fülle von Nachrichten, die bisher noch nicht ge­druckt und in die Oeffentlichkeit gedrung« sind. Wir lernen in diesem herrlichen Werke unseren Dichter in seiner ganzen Liebenswürdigkeit, seinem reinen idealen Sinn, seiner Liebeswärme, seiner Freundestreue, seiner Bescheidenheit, seiner rast­losen Arbeits- und Schaffensfreude kennen, und der eigenthümlichste Meiz dieses Buches besteht darin, daß der Verfasser desselben, ein großer Verehrer und Freund des Dichter«, mit dem Griffel eines wirklichen Poeten schreibt und uns in einer eigenthümlichen Mischung von stolzer Freude und

•) Friedrich Wilhelm Weber, ©ein fieben unb seine Werke. Unter Benutzung seines hand­schriftlichen Nachlasse- dargestellt von Privatdoeent Dr. Jul. Schwering Mit Stahlstich-Porträt und 8 Voll­bildern. 436 S. (Paderborn, Ferd, Schöningh.) Hoch­feine Ausstattung 8,—, M. geb. 10,— M.

inniger Wehmuih in eine Zeit zurückführt, welcher der „Dreizehnlindensänger" angehört, und die zwar verflogen ist, die aber nicht verdient, aus unserem Gedächtnisse zu entschwinden. Man braucht nur ganz wenige Seiten zu lesen und wir erhalten so­fort den Eindruck, daß es ein Mann der Wissen­schaft geschrieben. Was dem Werke aber noch einen ganz besonderen Vorzug verleiht, da« ist der Umstand, daß der Verfasser nicht in den Fehler fast aller Biographen verfallen ist, nämlich in den: durch Kleinlichkeit und Nörgelei voll und ganz in dem Gegenstände überflüssiger Welse aufzugehen und dadurch trocken, pedantisch und durch das An- klammern an unbedeutende und interesselose Vor­gänge und Gegenstände — langweilig zu werden. Wie er es verschmäht, uns das Leben Weber« unter idealisirenden Verhüllungen und Verschleie­rungen zu schildern, ebenso verschmäht er es, den Dichter selbst in überschwenglicher Weise zu feiern. Mit Maaß und Ziel, sich nur an den Kern der Sache haltend, sieht er den Ding« mit scharfer Beobachtung gerade ins Gesicht und läßt lediglich die Thatsachen reden, ohne seiner Bewunderung und Verehrung für den Dichter selbst etwa Ab­bruch zu thun und Schranken anzulegen oder des­halb in Ton und Wärme seiner Worte zu variiren. Durch diese scheinbar e i n f a ch e und doch sch w e r st e Kunst gelingt es unserem geehrten Herrn Ver­fasser, unterstützt von einer edlen, schönen und form gewandten Sprache, uns ein ebenso neue« wie überzeugendes Bild dieses Dichterlebens, voll Reiz und dramatischer Spannung zu entwerfen. A. 8—1.