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25

' Jutī, Samstag, den 7. Juli 1900.

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27. Jahrgang

Einladung

zur

47o General - Nersawmlung der Katholiken Deutschlands in Mo««.

Deutsche Katholiken!

In den Tagen vom 2. bis 6, September dieses Jahres soll zu Bonn die General-Ver- sammtung der Katholiken Deutschlands statifinden.

Zwei Jahrzehnte bewegten Lebens sind ver­flossen, seitdem unsere Stadt zum erstenmale die Ehre hatte, die General-Versammlung in ihren Mauern tagen zu sehen. Bei dem Wechsel der Zeiten und Ereignisse, während auf die Jahre schweren Kampfes friedlichere Jahre folgten, ist gleich geblieben unsere Einigkeit, auf welcher unsere Stärke beruht.

Ein neues Jahrhundert hat begonnen, da ist es wohl heilige Pflicht der Katholiken, in einem mächtigen Erweise der Glaubenstreue und Ein­heit der unwandelbaren Majestät des Welterlöfers Anbetung und Huldigung darzubringen, eins im Bekenntnisse mit dem Apostel: „Christus gestern und heute, eben derselbe auch in Ewigkeit." Die Gottesrechte vertheidigend, welche dir Menschen­rechte begründen und tragen, wollen wir dem Frieden und dem wahren Wohle der Gesellschaft dienen, „dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist".. Von diesen Gesinnungen geleitet, wollen wir Rückschau und Ausschau halten auf die Gebiete des kirchlichen und gesellschaft­lichen Lebens, um aus den Seinen der Vergangen­heit Frucht zu ziehen für die Gegenwart und uns zu rüsten für die großen Aufgaben der Zukunft.

So laden wir denn die Katholiken Deutsch­lands zur General-Versammlung ein in unsere Stadt, welche den im Martyrerblut gepflanzten katholischen Glauben treu bewahrend, auf eine durch Tradition und Geschichte ehrwürdige Ver­gangenheit zurückschaut und kraftvoll sich anschließt an das geistige Leben der Gegenwart. Der außer­ordentlichen Ecweiterungunser Versammlungen ent­sprechend, haben wir so umfassende Vorbereitungen zu treffen gesucht, daß wir die Hoffnung hegen dürfen, es werde die 47. General-Versammlung, würdig des Jubeljahres 1900, in ihrem äußeren Verlaufe, in ihrem inneren Gehalte und ihrer geistigen Frucht sich in ehrenvoller Weise den früheren Versammlungen anreihen.

Ernste Arbeit soll uns vereinen und rheinische Gastfreundschaft aus vollem Herzen geboten sein.

Bonn, den 7. Juli 1900.

Ass Lokal-komit» jur Norberritnug der 47. Gnuralvttsammlung der Kathilikrn Aestschla«-,.

F I. Ehrenpräsidium: Msgr. C. Neu, Ober- pfarrer und Dechant. Justizralh B. I. Hellekessel, Rechtsanwalt und Stadtverordneter. II. Präsidium: Sanitätsrath Dr. Ruegenberg, Landtags-Abgeordneter. Dr. med. Olbertz, Sanitätsrach und Stadtverordneter.

Die Tuchler der Khrumng.

Roman von O. Elster.

------- (Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

„Halloh — Halloh!" In lauten rauhen Tönen hallte der Ruf über den breitdahiufluthenden Weser­strom, auf dem die Julisonne mit flimmernden Blitzen ruhte.

„Halloh! Halloh!" schallte es von drüben zurück, wo ein kleines Haus mit tiefherunter­hängendem, bemoostem Strohdach versteckt unter schattigen Bäumen lag, und die schlanke, kräftige Gestalt eines sechszehnjährigen Mädchens trat ans Ufer des Fluffes, legte die sonnengebräunte Hand über die Augen und schaute mit den klaren blauen Augen zu dem Reitertrupp hinüber, welcher am diesseitigen Ufer hielt.

„Hol über!" rief der Führer der Reiter, in­dem er sich in dem Sattel emporrichtete.

Das Mädchen verschwand in der Hütte.

„Vater, drüben am Ufer halten ein halbes Dutzend Franzosen und wollen übergesetzt werden Ihr müßt mit dem großen Kahn 'nüberfahren."

„Der Henker hole die Franzosen", brummte der alte Mann, der auf der Holzbank ein Schläf­chen gemacht zu haben schien, stülpte den Süd­westerhut auf die lang herabhängenden grauen Locken, fuhr sich mit den Händen durch den dichten, nach Seemannsart getragenen Backenbart und stampfte hinaus, gefolgt von dem jungen Mädchen.

„Tausend Wetter noch einmal! Wird's denn bald?" schallte es von drüben herüber.

Amtsgerichtsrath W. Hörster. III. Schriftführer: Dr. jur. I. Abs, Rechtsanwalt, Wilh. Becker, Kauf­mann. Dr. jur. Hellekefsel II, Rechtsanwalt. Rechts­anwalt I. Menzen. Dr. jur. G. Schuhmacher II., RechrSanwalt. IV. Schatzmeister: Jak. Dahm jau., Bankdirektor und Stadtverordneter. V. Ehren- mitglteder: Reichsgerichtsralh Dr. Spahn, Reichs­und Landtags-Abgeordneter. Graf Wilh. von Spee, Ahrenlhal. F. van Bleuten, Landtags-Abgeordneter. Th Pingen, Gutsbesitzer, Reichs- und Landtags- Abgeordneter. Professor Dr. F. Hauptmann, Landtags- Abgeordneter. VI. VorsitzendederKommissionen: Ausschmückungs-Kommission: Civtl-Jngenieur C. Wenger, Stadtverordneter. Baumeister I A. Rüppel. Ausstellungs-Kommission: C Henry, Buchhändler. PfarrerF Ludwigs. Bau-Kommission: Reg.-Baumeister C. Thoma. Reg-Baumeister P. Neu. Fest-Kommission: H. Dübbers, Bankdirektor. Kaplan I. Bündgens. Finanz- und Anmelde- Kommission: Jak. Dahm jav. Bankdtrektor und Stadtverordneter. Karl Hauptmann, Verlagsbuchhändler und Stadtverordneter Ordnungs-Kommission: Dr. med. M. Obladen. Rechtsanwalt Wallenfang. Preß-Kommission: Pfarrer F. Ludwigs. Dr. Kiel, Gymnastal-Oberlehrer. Redner-Kommission: Professor Dr Esser. Geh. Sanitätsrath Dr. Albers. Wallfahrts-Kommission: Pfarrer M. Paulus. Pastor A. Mennicken. Wohnungs- und Be­grüßungs-Kommission: I. Weinstock, Fabrikant und Stadtverordneter. W. Wallenfang, Rentner.

Deutsches Msich.

Berlin, den 6. Juli.

h Oege« WeistSegSnstlgnngsvert« ägs wendet sich eine offiziöse Feder in den ,Berl. Pol. Nachrichtens Tarifverträge werden in der halb­amtlichen Kundgebung als ungleich oortheilhafter für die deutsche Ausfuhr gefchlldert, als Messt- begünstigungSvertrage, denen vorgeworfen wird, daß sie umgekehrt die ausländische Einfuhr nach Deutschland in höherem Maße begünstigen als Tarifverträge. Als Beweismaterial für seine Ansicht führt der Osfiziosus eine reiche Auswahl von Zahlen aus der Entwickelung unseres Handels mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Rußland an, und damit hat die Kundgebung zweifelsohne Recht, daß sie sagt, die Vertreter einer gemäßigten Schutzzollpolitik seien „auf die thunlichste Beseitigung der Metstbegünstigungs- verträge neben den Tarifverträgen bedach?."

X Jec Deutsche Ossmarkevverei», be­kannter unter seinem Spitznamen als Verein der Hakatisten, erweist sich bei jeder neuen Gelegen­heit als eine Körperschaft, die in hervorragender Unkenntniß sich befindet über das, was die Ost­marken gerade am allernothwendigsten brauchen. So hat sich der genannte Verein in diesen letzten Tagen auch mit der Arbeiterfrage beschäftigt und ist dabei zu dem Ergebniffe gelangt, daß Herr von Hansemann recht habe, wenn er gegen die Ein­führung ausländischer Arbeiter Stellung nehme und verlange, die Landwirthe sollten ihren Leuten so viel bezahlen wie die westdeutsche Industrie, dann würden die Leute von selbst im Lande bleiben. Jeder, der praktische Verhältnisse auch nur einiger­maßen kennt, weiß ganz genau, daß das die öst­liche Landwirthschaft nicht kann, ohne dabei voll­kommen zu Grunde zu gehen, und auch gerechter­weise gar nicht braucht. Sie bietet im übrigen den Arbeitern ganz erhebliche Vortheile durch billigere und gesündere Wohnung und billigeren Lebensunterhalt. Zweitens aber ist längst festge- stcllt, daß die Landflucht der Arbeiter ganz und gar nicht allein eine Brodsrage ist. Herr von

„Rur Geduld — nur Geduld" — murmelte der alte Fährmann. „Eure Zeit wird auch noch kommen, ihr Teuselsfranzosen, nur Geduld, nur Geduld ..."

Dabei löste er die Kette des schweren, flach auf dem Wasser liegenden Fährbootes und stieß es etwas vom Ufer ab.

»Mußt mit hinüber, Gesine", sagte er zu dem jungen Mädchen. „Kann allein die Reiter und Pferde nicht rüberholen."

„Ja, Vater", entgegnete Gesine, sprang in das Boot und ergriff mit kräftiger Hand eine der Stangen, mit denen das Boot durch die Strömung bugsirt ward.

Langsamer folgte der Alte und nahm eben­falls eine Stange zur Hand, stieß sie in das flache Ufer und schwerfällig drehte sich das Boot in die Strömung hinaus.

Es wurde weiter kein Wort zwischen Vater und Tochter gewechselt. Die Bewohner der nieder­sächsischen und friesischen Weser-Niederungen sind schweigsame Leute; viele Worte machen ist nicht ihre Sache, ganz im Gegensatz zu den französischen Reitern am Ufer, welche wie die Papageien schwatzten und lachten.

Es zogen in jener Zeit, kurz nach den un­glücklichen Schlachten von Jena und Auerstädt, viele französische Regimenter und Bataillone durch Deutschlands Gaue; mancher französischer Gaul trank aus den deutschen Strömen, aus der Weser, der Elbe und der Donau, von dem Rhein ganz zu schweigen, und mancher französische Windbeutel machte ehrlichen deutschen Mädchen den Hof. So streckten denn auch die französischen Dragoner am

Hansemann treibt die Landwirthschaft nicht zum Erwerbe, sondern zum Vergnügen, denn er ist mehrfacher Millionär; und von diesem Stand­punkte aus ist freilich leicht reden. Um nun aber die Stellungnahme des Ostmarken-Vereins richtig zu würdigen, muß man wissen, daß seiner letzten Sitzung fast gar keine Landwirthe angewohnt haben. Der .ganze Verein besteht zum allerkleinsten Theile aus Landwirthen, ist also sicherlich zur Ab- urtheilung über solche Fragen am allerwenigsten berufen.

* Die halbamtliche ,Berl. Korresp. schreibt: „Durch mehrere Tageblätter läuft die Nachricht, daß der Finanzminister sich bereit erklärt habe, dem Vorstande der Aerztekammer, falls diese eine prozentuale Besteuerung her Aerzte nach dem Einkommen für ihre Zwecke beschließen sollte, vertrauliche Auskunft über das Ein­kommen der betreffenden Pflichtigen zu geben. Diese Nachricht ist thatsächlich unzutreffend, und damit sind auch die an sie von einzelnen Blättern geknüpften Bemerkungen hinfällig."

+ sm elsässische» Maylsireise Witt- Hanse» haben die Sozialdemokraten eine un­geahnt schwere Niederlage erlitten. Dort mußte eine Ersatzwahl für den Reichstag statt- finden an Stelle des sozialdemokratischen Abg. Bueb, der in Mißhelligkeiten mit seiner. Partei­leitung gerathen war und deswegen sein Mandat niedergelegt hatte. Im Jahre 1898 war Herr Bucb mit einer Mehrheit von 1846 Stimmen zum Abgeordneten gewählt worden; am letzten Donnerstag aber ist der Fabrikant Schlumberger gegen den Sozialdemokraten Emmel mit etwa 10,000 Stimmen Mehrheit, das ist mit etwa zwei Drittheilen aller Stimmen, Sieger geworden — ein Wechsel der Stimmung in der Bevölke­rung, wie er in einem deutschen Wahlkreise bis­her wohl noch nie vorgekommen ist, wenigstens nicht innerhalb einer so kurzen Zeit. Nach Kalbe- Aschersleben, Pirna und Offenburg-Kehl, wo überall die Nachwahlen einen Rückgang des sozialdemokratischen Einflusses erkennen ließen, nunmehr diese riesenhafte Niederlage in Mül­hausen, das ist der allerbeste Beweis dafür, daß es mit der Sozialdemokratie in der jüngsten Zeit nicht vorwärts, sondern rückwärts geht; und auch das einzige Gegenbeispiel in dem schlesischen Wahlkreise Waldenburg ist ein Beweis für das Gegenlheil. Mülhausen ist der Hauptplatz der elsässischen Industrie; deswegen ist diese neueste Ersatzwahl zum Reichstage doppelt bedeutungs­voll. Auch innerhalb der Arbeiter beoölkerung fängt man augenscheinlich an, der Wirthschafts- politik der „Genoffen" ganz gehörig zu mißtrauen; sonst wenigstens könnte man sich einen so über­raschenden Umschlag der Stimmung schwerlich erklären.

V Merkt«, 6. Juli. Der Kaiser arbeitete gestern in Brunsbüttel mit den Vertretern des Militär- und Zivilkabinets. Heute früh begab stch der Kaiser durch den Nord-Oftsee-Kanal nach Kiel, wo er „bis auf Weiteres" an Bord der „Hohenzollern" Aufenthalt nehmen wird. — Dem Finanzmtnister Dr. v. Miquel hat der Chef des Geheimen Zivilkabinets, Dr. v. Lu- canus, der sich nach Gastein begeben hat, vor seiner Abreise einen längeren Besuch abgestattet. — Auf Ur­laub hat sich der Landwirthschaftsminister Frhr. von Hammerstein nach Bad Nenndorf begeben. Staats­sekretär Graf Posadowsky hat den Antritt des ihm bewilligten Urlaubs verschob en. — Dem bayeri­

Ufer her Weser neugierig die Köpfe vor, als sie das hübsche frische Mädchen so leicht und ge­wandt die schwere Stange handhaben sahen.

„Parbleu", schmunzelte ein junger Reiter mit blitzenden, schwarzen Augen und schwarzem, lockigem Haar, „die Blondine da im Kahne ist ein reizen­des Ding."

„Nehmt Euch in acht, Jean Bonnet", brummte der bärtige Korporal an der Spitze des kleinen Reitertrupps, „und erinnert Euch der Maul­schelle, welche Euch die Bauernmagd in Nien­hagen versetzte, als Ihr sie küffen wolltet. Die Dirnen find hier anders geartet als bei Euch in Marseille oder Lyon."

„Weiß der Teufel, Ihr habt recht, Korporal, — aber diese da ist wirklich charmant."

Der Kiel des Fährbootes knirschte auf dem Sande des flachen Ufers. Der Fährmann lehnte sich auf feine Stange und blickte schweigend zu den Reitern auf.

„Nun", rief der Korporal, „seid Ihr fertig? Wir haben nicht lange Zeit, heul' Abend müssen wir in Bremen sein . . ."

„Steigt zuerst von Euren Gäulen und führt sie am Kopf in das Boot — Einer nach dem Anderen — und langsam — langsam, meine Herren . . ."

Die Soldaten sprangen klirrend ans dem Sattel. „Trägt das Boot auch die acht Pferde?"

„Zwölf, wenn's sein, muß, Herr . . ."

„Gut — bann eingestiegen!" kommandirte der Korporal und führte als der Erste seinen Rappen in das Boot.

Gesine und ihr Vater mußten die Stangen

schen und dem sächsischen Gesandten in Berlin, Graf Lerchenfeld und Graf Hobenthal, sind nach dem ,Reichsanz.' die Brillanten zum Rothen Adlerorden erster Klaffe verliehen. — Im .Rerchsanzeiger' wird heute be­kannt gegeben, daß dem Unterstaatssekretär im Justiz­ministerium, Wirklichen Geheimen Rath Dr. Nebe- Pfugstaedt die nachgesuchte Entlassung aus dem Justizdienst mit Pension ertheilt, der Präsident deS Oberlandesgerichts in Marienwerder, Wirklicher Geh. Oberjustizrath Dr. Küntzel zum Unterstaatssekretär im Justizministerium und der Geheime Justizrath und vor­tragende Rath im Justizministerium Dr. H a r n i e r zum Geheimen Oberjustizrath ernannt worden sind. — Der .Reichsanzeiger' publizirt heute Has Gesetz, betreffend Abänderung des Krankenversicherungsge-- s e tz e s. Beide Gesetze sind vom 30. Juni datirt und in Travemünde vollzogen worden. — Die Kaiser - Manöver in Pommern und besonders das Zusammen­wirken von Heer und Flotte bei Swinemünde werden in Folge der Truppentransporte nach China nach gänz­lich umgestalteten Dispositionen abgehalten werden. Ob überhaupt das Projekt des Zusammenwirkens aufrecht­erhalten wird, ist nach bet. ,Post' zweifelhaft. — Daß eine dauernde Stationirung von Torpedo­booten auf dem Rheine beabsichtigt sein soll, wird in der ,Nordd. Allg. Ztg.' als unrichtig bezeichnet. Weder im Reichsmartneamt noch sonst an zuständiger Stelle sei eine dirartige Absicht erwogen worden.

Ausland.

* Brüssel, 6. Juli. In Belgien ist ein neuer Feldzug für das allgemeine gleiche Wahl­recht eröffnet worden. Die Sozialdemokraten in Brüssel haben mit einer großen Versammlung die Bewegung eingeleitet. Charakteristisch für die Bewegung sind die Worte, die Van de melde sprach: „In England wurde das gleiche Stimm­recht allmählich errungen, dem deutschen Volke hat ein großer Staatsmann es gegeben, die Franzosen mußten es sich auf Barrikaden er­kämpfen. Wenn der deutsche und der englische Weg uns nicht vergönnt ist, seid Ihr bereit, den französischen Weg zu betreten?" Tausende antworte­ten begeistert: „Ja!" Auch die liberale Linke wird, wie Janson an Vandervelde schrieb, dem­nächst zur Wahlrechtsfrage Stellung nehmen.

* Daris, 6. Juli. Die französische Depu- tirtenkammer nahm am Donnerstag den Gesetz­entwurf bezüglich der Schaffung einer Kolonial- Armee mit den vom Senate vorgenommenen Aenderungen enbgiltig an.

* Arras, 6. Juli. In einem Wirihshause in Bouvigny-Boyeffles brach heute zwischen fran­zösischen und deutschen in den Kohlenberg­werken beschäftigten Arbeitern eine Schlägerei aus. Vier deutsche Arbeiter wurden verhaftet und in Bsthune eingesperrt.

* London, 6. Juni. Gestern verlas im englischen Unterhause Chamberlain ein Tele­gramm des Obersten Willcocks aus Fumsu vom 4. Juli, worin dieser mittheilt, daß, wie bereits kurz gemeldet wurde, der Gouverneur Hodg- son am 23. Juni mit 600 Eingeborenen unter Major Morris Kumassi verlassen, nachdem er dort 100 eingeborene Soldaten mit Rationen bis zum 15. Juli reichend zurückgelassen und sich nach Cape Coast Castle begeben habe. Willcocks fügt hinzu, er werde Kumassi seinerzeit selbst ent­setzen. Oberst Borroughs sei mit 400 einge­borenen Soldaten am 1. Juli in Dompoasi ein« getroffen. Der Feind fei völlig überrumpelt worden und habe die Pallisaden geräumt. Bor^ roughs habe 40 Kanonen und eine Menge Schießpulver erbeutet. 30 Mann vom Feinde

fest in den Grund stützen, damit das Boot nicht ins Schwanken gerieth. Die Pferde stampften und sträubten stch, als aber das Boot sich in Bewegung setzte, standen sie ganz still und beugten die Köpfe zum Wasser nieder, leise und ängstlich schnaubend.

Die Ruhe der Pferde machte sich der junge schwarzäugige Dragoner zu nutze, um sich Gestnen zu nähern. Eine Weile schaute er der schweren Arbeit des jungen Mädchens zu. Dann sagte er: „Ist Dir die Arbeit nicht zu schwer, mein schönes Kind?"

Sie blickte ernst zu ihm auf. „Ihr seht es ja, daß ich's kann", sagte sie kurz und wandte sich wieder ab.

„Das ist doch eigentlich keine Arbeit für ein so schönes und junges Mädchen", fuhr der Fran­zose mit seinem süßesten Lächeln fort. „Aber wenn man Deine runden, kräftigen Arme an­sieht, dann glaubt man freilich, daß es Dir leicht wird . . ."

Dabei streichelte er den Arm Gesinens, der von dem weißen Aermel des Untergewandes nur halb bedeckt war.

Gesine zuckte zusammen.

„Laßt das ..."

„Ei, mein schönes Kind, weshalb so spröde?" Er legte den Arm um sie. „Laßt den Alten allein rudern und plaudert etwas mit mir .. ."

Gesine hob die schwere Stange aus dem Wasser und ließ sie rasch wieder niederfallen, daß das Wasser hoch ausspritzte und den jungen kecken Franzosen über und über benetzte.