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J2 153.

verantwortlich: Sire die Ledattio, Jof.»««*, tu» Inserat« 2. Parzelle» in Suita.

mit Unterhaltungs-Beilage „Illustrirte Sonntags-Zeitungs petersgaffe N». 8 ffcatmottte).

Jutöa, Samstag, den 7. Juli 1900.

27. Jahrgang.

© Minimaltaris und Rechte des Kaisers.

Den Freihändlern mit ihrer geringen Gefolg« schäft wird die Lage unheimlich. Sie fangen an zu merken, daß das Schifflein, auf dem sie sich befinden, zu sinken beginnt und rettungslos ver­loren ist; die Thatsachen führen eine viel zu be­reifte Sprache gegen sie, als daß sie im Innern nicht selbst davon überzeugt sein müßten. Und dennoch wollen sie sich noch immer nicht als be­siegt bekennen, sondern greifen zu den absonder­lichsten Mitteln, um den siegreichen Gegner zu ärgern, da sie die Hoffnung aufgegeben haben, ihren überwundenen Standpunkt noch zum Siege zu verhelfen.

Die neueste Erfindung der verzweifelnden Freihändler ist die Behauptung, der Minimal­tarif sei gegen die Verfassung, denn er beschränke den Kaiser in seinen Rechten!

In ihrem Artikel 11 bestimmt nämlich die deutsche Reichsverfaffung, daß der Kaiser das Recht hat, im Namen des Reiches Verträge mit fremden Staaten einzugehen. Das legen sich nun freihändlerische Blätter so aus, daß sie sagen: wenn gesetzlich ein Minimaltarif aufgestellt würde, der also diejenigen Zollsätze festsetzt, unter die niemals hinuntergegangen werden darf bei dem Abschluffe von Handelsverträgen Deutschlands mit anderen Staaten, dann würde der Kaiser beschränkt in seinem Rechte, Verträge mit fremben Staaten einzugehen, wie die Verfaffung es ihm gebe. Denn niemals würde dann mit den fremden Staaten etwas vereinbart werden dürfen, das nicht im Einklänge stehen würde mit dem schon im voraus vom Reichstage aufgestellten Zolltarife mit den Zollsätzen, die niemals unter­boten werden dürften.

Das ist nun erstens eine ganz gewaltsame Annahme, daß Bundesrath und Reichstag auf die Veranlassung des ersteren handelspolitische Bahnen einschlagen sollten, zu denen sich der Kaiser in ausgesprochener Opposition befindet. So geht e8 doch bei uns in der Politik wahr­haftig niemals zu. Im Gegentheil, die Geschichte der sogenannten Zuchthausoorlage und mancher anderen Entwürfe, zum Beispiel namentlich des letzten Flottengesetzes, lehrt, daß es ganz anders bei uns zugeht, so daß es gegenwärtig nicht nothwendig ist, die Rechte des Kaisers zu schützen vor allerhand Vergewaltigungen durch den Buni es- rath und den Reichstag.

Dann aber steht es in der Verfaffung aus­drücklich verzeichnet, daß zu solchen Verträgen, wie die Handelsverträge es beispielsweise find, die Zustimmung des Bundesrathes und zu ihrer Giltigkeit auch die Genehmigung des Reichstages gehört. Daß vor dem Abschluffe von Handels­verträgen der Reichstag darüber gehört werden muß, weiß nachgerade jedes politische Kind. Warum also bringen nun die Freihändler über­haupt erst jene Verfaffungsbestimmung aufs Tapet, die dem Kaiser das Recht gibt, Verträge im Namen des Reiches mit anderen Staaten einzu­gehen, obwohl doch gerade bei Handelsverträgen die Sachen anders liegen als bei anderen Ver­trägen.

Die Herren stellen sich an, als läge ihnen ungemein viel daran, das Ansehen und die Rechte des Monarchen zu schützen gegen An­griffe, die im Anzuge dagegen wären? Ginge es nach ihren Rezepten, dann würde die Folge davon Konflikt über Konflikt im Reiche fein, denn es würde ganz unausbleiblich sein, daß der Reichstag alle Augenblicke Nein sagen würde zu Verträgen, dir ihm aufgenöthigt werden sollten von einem freihändlerisch gesinnten Kaiser, und deswegen ebenso oft aufgelöst werden müßte. Würde das beitragen zur Erhöhung des Ansehens der kaiserlichen Person? Die Antwort liegt auf der Hand; und die ganze Sache ist so durch­sichtig, daß man nicht recht begreifen kann, wie Leute, dir klug fein oder doch scheinen wollen, aus solche Jrrpfade der Schlußfolgerung sich be­geben können. Wer wirklich dazu beitragen will, daß des Kaisers Person im Ansehen des deut­schen Volkes steigt, der spielt nicht in so leicht­fertiger Weise mit der Möglichkeit von Konflikten zwischen Kaiser und Reichstag; der sucht im Gegentheil dahin zu wirken, daß die Beschlüsse des Reichstages den Willenskundgebungen des Monarchen entsprechen und sucht in kluger Weise so vorzubeugen, daß die Dinge diesen Gang gehen.

Die Freihändler endlich bilden heutzutage im Parlamente des deutschen Reiches ein kleines Häuflein, das im wesentlichen nur aus Frei­sinnigen und Sozialdemokraten zusammengesetzt

ist. Auch die Nationalliberalen sind allgemach in's schutzzöllnerische Lager übergegangen, so sehr, daß neulich der Beschluß zu Gunsten der Erhöhung der landwirthschaftlichen Zölle im nationalliberalen Centralkomitee mit allen Stimmen gegen drei gefaßt wurde. Die „Mittheilungen für die Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei" haben diese Thatsache, die von den nationalliberalen Zeitungen verschwiegen wurde, erst nachträglich zur öffentlichen Kenntnjß gebracht; und dieselben „MUtheilungen" fügen hinzu: „Insbesondere haben auch Vertreter von groß- industrieellen Wahlkreisen und Vertreter aus den Seehandelsplätzen ihre Stimmen für diese Kund­gebung in die Wagschale geworfen. Die Ver­handlungen vom 10. Juni rechtfertigen nach ihrem ganzen Verlaufe durchaus die Annahme, daß hinter der großen Mehrheit, die den Resolutionsbeschluß gefaßt hat, fast die Grsammt- heit der nationalliberalen Wählerschaft steht — nicht nur im Süden und Westen . . . sondern in weitem Maße auch in Norddeutschland".

Also Freisinnige und Sozialdemokraten sollen den Kaiser und seine verfassungsmäßigen Rechte beschützen vor den Konservativen, dem Centrum und den Nationalliberalen — — —. Die Herren, die bas ausbachten, haben babei nicht alles bis zu Enbe ausgebacht. Sonst würben sie im voraus gespürt haben, baß sie sich auf bas Feld bes Lächerlichen begeben, unb darum diesen Vorstoß lieber vermieden haben.

II. Kries UM der Mltm-Mez 1900.

Von unserem Spezialkorrespondenten.

(Nachdruck verboten.) Q Paris, 3. Juli. Wie man nicht reisen soll.

Das kann man jeden Abend sehen, wenn man den Pariser Nordbahnhof besucht und den nach Aachen-Köln fahrenden Abendschnellzug einer kleinen Okularinspektion unterzieht. Die französischen Wagen zweiter Klaffe sind nicht so opulent einge­richtet wie die deutschen, die Sitze sind schmäler, die Polsterung ist dünner und schlechter, das schlimmste aber ist, daß auf jeder Bank 4 Plätze eingerichtet sind, also jedes Abtheil 8 Personen fassen soll, während bei uns die durchgehenden Wagen 2. Klaffe nur 6 Plätze haben. Und die Franzosen verstehen es meisterhaft, das letzte Plätzchen vollzupreffen. Neuerdings ist es etwas bester geworden, da kurz nach dem fahrplan­mäßigen noch ein zweiter Zug abgelassen wird. Freilich ist der Andrang zu dem ersten doch immer sehr stark, weil man mit dem zweiten leicht den Anschluß in Aachen oder Köln verfehlen kann. Aus der Viertelstunde, welche derselbe später in Paris abgeht, wird nämlich unterwegs bedeutend mehr, besonders wenn der Ostender Zug unter­wegs abgewartet werden muß, der regelmäßig be­deutend Verspätung hat. Als ich neulich, zum vierten Male seit der Eröffnung der Ausstellung, die Strecke fuhr, hatte ich in Aachen etwa l*/2 Stunden Verspätung. Die anschließenden Züge waren da natürlich längst weg.

Nun-aber ein Blick in den Zug. Da saßen in einem Abtheil drei deutsche junge Damen, gegen­über drei französische Soldaten. Welche Seite die steifste militärische Haltung einnahm, will ich nicht entscheiden; soviel steht aber fest, daß man sich auf beiden Seiten sehr beengt und genirt vor­kam und gern das Feld geräumt hätte, wenn man nur gewußt hätte wohin. Aber da lag der Hase im Pfeffer. Die Soldaten wollten ihre Cigaretten rauchen und die jungen Damen hatten ein Nicht­raucher-Abtheil gesucht. Vorn an dem Koupee- fenster aber befand sich das Täfelchen, welches den ganzen Wirrwar verursacht. Bei uns in Deutsch­land werden die Nichtraucher-Koupees mit einer besonderen Aufschrift versehen, in Frankreich ist es aber umgekehrt. Hier ist jeder Wagen von vornherein Nichtraucher, und nur einzelne Ab- theile sind den Rauchern vorbehalten und tragen ein Täfelchen mit der Aufschrift „Fumeura“. Die jungen Damen hatten sich bei der Auswahl ihres Abtheils nur von ihrer heimathlichen Gewohnheit leiten lasten und waren mitten ins feindliche Lager gerathen. Hätten sie etwas genauer ihren Bädeker studirt, worin die nöthigen Winke sehr wohl enthalten sind, so würde ihnen das Miß­geschick nicht widerfahren fein, mehrere Stunden, ja vielleicht die ganze Nacht hindurch in rauchen­der Herrengesellschaft zubringen zu müssen.

Diese drei jungen Damen waren übrigens nicht die einzigen, welche unter dem Rauch zu leiden hatten. Geschah bei ihnen nur, was nach dem Eisenbahn-Reglement recht und billig war, so hörte ich anderseits wiederholt Klagen von Damen, baß die Herren in ganz unerträglicher Weise rauchten und man gar kein Mittel habe sich zu retten, da es an Nichtraucherkoupees fehle. Auch hier hatte man keine Ahnung, daß der Fehler bloß an der eigenen Unkenutniß der Einrich­tungen lag.

Abgesehen davon sollte man meinen, eS müsse auch ein einziges Wort genügen, um einen rauchen­den Herrn zu veranlassen das Rauchen einzu­stellen, wenn es eine Mitreisende Dame belästigt. Aber gerade an diesem Wort fehlt es. Man fühlt sich fremd, weiß nicht, ob das Gegenüber deutsch versteht, möchte sich auch nicht mit einem mangelhaftem Französisch blamiren, und so schweigt man und erregt den Anschein, als ob man keinen höheren Genuß kenne als fremden Tabaksdampf einzuschlürfen. Hernach stürzt man heraus, schnappt nach Luft und führt bittere Klage über die Rücksichtslosigkeit, deren Opfer man geworden. Das ist das Verkehrteste, was man thun kann. Man fpr-che sich offen aus, und man wird feine Reife mit viel größerer Bequem­lichkeit machen können, als wenn man sich ängst­lich in die Ecks drückt. Uebrigens reifen in den Schnellzügen auf den beiden Strecken Paris- Aachen und Paris-Metz gegenwärtig fast nur Deutsche, auch die Beamten verstehen meistens etwas Deutsch, so daß man, wenn man Wünsche hat, dreist zuerst in seiner Muttersprache loslegen darf. Versteht man sich beim ersten Anlauf nicht, nun, so hole man seine französischen Brocken her­vor und mit Hilfe einiger Zeichen geht's regel­mäßig besser als man selbst geglaubt hätte.

Die Landwirthschaft auf bet Welt­ausstellung.

DieLandwirthschaft ist oft genug bas Aschen- bröbel bei solchen Unternehmungen, wie sie bie Ausstellung barstellt. Das liegt einmal baran, baß bie landwirthschaftlichen Erzeugnisse nicht so in bie Augen springen wie bie spiegelblanken funkeln ruen Erzeugnisse der Industrie; sodann auch daran, daß die Landwirthschaft meistens nicht so organisirt ist wie Handel und Gewerbe. Indessen kann man keineswegs sagen, baß in Paris bie Landwirthschaft in die Ecke gedrückt worden sei. Im Gegentheil, sie hat auf dem Marsfelde gewaltige Quergebäude inne, welche Raum genug zu einer effektvollen Auslage bieten. Die ist denn auch in ber That vorhanden. Frank­reich als ein vorwiegend von Landbau lebendes Land hat es sich vor Allem angelegen sein lassen, ein prächtiges Bild seines ReichthumS zu geben. Den anderen Ländern stand natürlich nicht so viel Raum zur Verfügung, aber auch sie haben recht verführerische Einrichtungen, vor Allem da, wo es sich um Weinbau handelt. Spanien, Italien und Ungarn machen sich da den Rang streitig. Die nordischen Staaten Dänemark unb Schweben prunken mit ihrer Viehzucht unb mit landwirthschaftlichen Einrichtungen. Rußlanb hat sich auch auf biefetn Gebiete sehr angestrengt. Deutschlanb hat sich weniger barauf verlegt, Natur­produkte in imposanten Massen auszustellen. Es gibt dagegen ein Bild seiner reichen Thätigkeit zur Hebung bes lanbwirthschaftlichen Betriebes. Zunächst marschiren da nicht weniger als 30 Aus­steller auf, welche den landwirthschaftlichen Fach­unterricht demonstriren. Es find da allerlei Modelle, Sammlungen, Präparate rc, welche meistens von Landwirthschafts-Schulen und -In­stituten herrühren. Das bayerische Ministerium des Innern hat Pläne von Wildbach-Verbauun- gen, Flur - Bereinigungen und Kultur • Anlagen ausgestellt; ebenso gibt das preußische Landwirlh- schasts - Ministerium Karten von allerlei Melio­rationsbauten, Moorkulturen rc; bie württem- bergische Centralstelle für Landwirthschaft hat Pläne von Flur - Bereinigung, Wege-, Gräben- und Bewässerungs-Anlagen ausgestellt. Die land- wirthschaftlichen Versuchs-Stationen zeigen aller­lei Apparate. Sehr lehrreich sind die Saatgut- Ausstellungen, besonders diejenigen von einer Reihe bayerischer P oduzenten.

An landwirthschaftlichen Maschinen liefert Deutschland mehrere Sachen, die sonst noch gar nicht fabrizirt werden, z. B. eine Reinlesemaschine einet Hamburger Firma. Was ausgestellt ist, mscht einen sehr gediegenen Eindruck. Im all- gemeinen ist jedoch dieses Fach bei uns verhält- nißmäßig schwach vertreten. Am meisten suchen auf diesem G biete bie Amerikaner zu brißiren, welche sich auch noch einen eigenen Pavillon für landwirthschastliche Maschinen errichtet haben. Darin blitzt unb blinkt es wie in einen hollän­dischen Küche. Die Amerikaner haben nämlich die ausgestellten Maschinen alle aufs Feinste polirt und alles Metall vernickelt: ein ganz ver­fehltes Vorgehen, denn jede Maschine soll doch so zur Ausstellung kommen, wie sie auch praktisch verwendet wird. Aber was soll der Bauer mit einer vernickelten Mähmaschine, vernickeltem Pflug usw. machen? Andere Aussteller machen es freilich den Amerikanern nach, und auch bei den deutschen Ausstellern habe ich solche ver­nickelte Maschinen gesehen.

Eine Reihe größerer landwirthschaftlicher Maschinen, Dreschmaschinen, Göpelwerke usw. haben ihren Platz ebenfalls auf dem Marsfelde außerhalb der großen Halle gefunden. Was mir

auch mit am besten gefallen hat, waten bie Brutmaschinen. Bei unseren kleinenbeutschen Geflügelzucht-Ausstellungen sieht man diese prak­tischen Dinget ja auch schon seit einer Reihe von Iahten. Aber so großartig und so zahlreich habe ich sie noch nirgends gesehen, und dabei laufen bie lebenbigen Zeugen bet Vortrefflichkeit bet Maschinen überall herum: nämlich hunberte von jungen Küchlein, bie soeben hier künstlich ausgebrütet finb. Die praktischen Haussrauen, für welche biefe Abtheilung natürlich ben größten Reiz hat, stehen zahlreich herum, unb das Herz lacht ihnen im Leibe bei diesem Anblick, lieber« Haupt können wir Deutsche auf diesem Gebiete von den Franzosen bedeutend lernen. Was Ge­flügelzucht, Kleinlandwitthschast und Gärtnerei angeht, so find darin unsere westlichen Nachbarn Meister seit Jahrhunderten. Wir in Deutsch­land dagegen werfen jedes Jahr Hunderte von Millionen dem Auslande in den Schooß, die bei richtigem Betrieb der kleinen Land­wirthschaft im Lande bleiben könnten. Geben wir doch allein für Eier und Geflügel über 100 Millionen Mark her — viel mehr als für Roggen unb Weizen.

Der Kostüm-Palast.

Etwas für bie Damen, aber auch für Männer, bie sich für solche Sachen interesfiren. Es kostet zwar drei Franks extra Eintrittsgelb, aber wer bas alles auf bent gewöhnlichen Wege des Pariser Lebens schauen wollte, der müßte ungleich viel mehr dafür ausgeben — diese Pracht, diese Ueppigkeit, diese Verschwendung, kurz und gut ein kleiner Extrakt aus all den vielen, vielen Ursachen, welche einst die große Revolution hetaufgeführt haben, welche in der Kommune ihre Fortsetzung fanden und voraus­sichtlich noch mehr Unglück über bie Welt und Frankreich bringen. Man hat dem Kostüm- Palast einen der besten Plätze in der Aus­stellung gegeben, nach dem Quai d’Orsai zu — kein Wunder, denn gerade hinter diesem Unter­nehmen standen die höchsten Notabilitäten des Pariser Handels und der, beinahe hätte ich ge­sagt der „göttliche" Felix selbst, Präsident Felix Saure, „welcher das Prächtige der französischen Eleganz trug bis an die Grenzen der Erde." So heißt es in dem offiziösen Führet durch die Ausstellung. Die ganze KvstÜmausstellung zer­fällt in zwei Theile. Der erste gibt in einzelnen Gruppen die Trachten der früheren Jahrhunderte wieder, der andere besteht in Verkaufs- und Reklameständen der angesehensten Pariser Mode- häuseti

Recht „würdig" beginnt der historische Theil mit einer Gruppe, deren Mittelpunkt Antinous, ein Bedienter des römischen Kaisers Hadrian (117—138 n. Ehr) ist. Antinous ertränkte sich für feinen Herrn, als diesem prophezeit worden war, daß ihm Unglück widerfahren werde, wenn sich nicht ein Mensch für ihn opfere. Hadrian versetzte das Opfer feines Aberglaubens unter die Götter; da bie Christen eine solche Gottheit nicht anerkennen wollten, wurden sie blutig verfolgt. Das also ist die erste Er­innerung, mit welcher die Kostüm-Ausstellung anhebt und für welche der Aegyptologe A. Gayet den Grabhügel des Antinous in Egypten durchforscht und einige kostbare alte Tapisserien für die Ausstellung erbeutet hat. Es folgt eine Gruppe gallischer Frauen zur Zeit des römischen Einfalles. Sie sehen einem Schlangenbeschwörer zu, bet vor ihnen seine Kunststücke probnzirt. Das vierte Jahrhunbert ist durch eine Gruppe aus ben Bädern des Julian vertreten, das sechste durch die hl. Chlottlde, die beim Aus­treten aus der Kirche den Bettlern Almosen spendet. Ferner sieht man die Verlobung des hl. Königs Ludwig IX., die Turniere, die Töchter Ludwig V1V. beim Tabakrauchen über­rascht und so fort aus jedem Zeitabschnitt ein Gruppenbild bis auf bie neueste Zeit. Ferner finb in einer langen Gallerte bie Haartrachten bes letzten Jahrhunberts zusammengestellt, alles von ben bebeutenbsten Pariser Haarkünstlern ausgeführt, bie natürlich nicht verfehlt haben, ihre Namen babei zu fetzen.

Der anbete Lcheil bet Kostüm-Ausstellung besteht, wie schon gesagt, aus Verkaufsstellen der bebeutenbsten Pariser Firmen, welche hier auf kleinem Raum einen Reichthum unb eine Ueppigkeit auf bem Gebiete bet Kleidung, der Frisur und des Schmuckes zum Ausgebot bringen, von der man sich so leicht keinen Begriff macht.

DieBerletzungdesBriesgeheimniffes.

Bon Dr. jur. Richard Wrede.

(Nachdruck verboten.)

Daß verbotene Früchte am süßesten schmecken, ist Jedermann bekannt. Oesters wohl als wir ahnen, wird der innere Kampf in dem Einzelnen