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27. Jahrgmg.

IuLöa, Donnerstag, den 5. Juli. 1900

M151.

0 Eine weitere Rede des Kaisers.

Bei dem Festmahle, welches im Osfizierkafino zu Wilhelmshaven am Dienstag bei Gelegenheit des Stapellaufes des neuen Linienschiffes „Wittels­bach" stattsand, hat der Kaiser eine unter den gegenwärtigen Verhältniffen sehr bedeutungsvolle Ansprache gehalten. Vorher hatte Prinz Rupp­recht von Bayern ein Hoch auf den Kaiser als den Chef der deutschen Marine ausgebracht. Unmittelbar nachdem die Hurrahs verklungen waren, erhob sich der Kaiser und König, um folgenden Trinkspruch auszubringen:

Euerer Königlichen Hoheit danke ich für die freund­lichen Worte, welche Sie an Mich zu richten die Güte hatten. Euere Königliche Hoheit haben heute bei der Taufe des neuen Schiffes der Unterstützung erwähnt, welche die WtttelSbacher den deutschen Kaisern haben zu Theil werden laffen. Ich möchte dabei noch an eine Episode aus der Vorgeschichte unserer Häuser erinnern. Auf den Gefilden vor Rom war es einem Vorfahren Euerer Königlichen Hoheit im Verein mit einem der meinigen beschieden, der seltenen Auszeichnung theilhaftig zu werden, hoch zu Roß, in Stahl gepanzert, angefichts der feindlichen Reitergeschwader durch Kaiser Heinrich VII. den Ritterschlag zu erhalten. Der Vorgang ist im Bilde auf Meiner Yacht „Hohenzollern" verewigt. Die Nachkommen jener tapferen Fürsten haben sich gegenseitig bei Mühldorf geholfen, wo der Hohenzoller dem Kaiser Ludwig von Bayern die Schlacht gewann. Wie damals Wittelsbacher und Hohenzoller» Seite an Seite für das Wohl des Reiches kämpften, so wird eS auch jetzt und in Zukunft geschehen! Euere Königliche Hoheit haben in diesen Tagen Gelegenheit gehabt, wichtigen Entschlüffen beizuwohnen und der Zeuge historischer Augen­blicke zu sein, die einen Markstein in der Ge­schichte unseres Volkes bedeuten. Euere Kgl- Hoheit haben sich daher überzeugen können, wie mächtig der Wellenschlag des Oceans an unseres Volkes Thoreklopftund es zwingt, als ein großes Volk seinen Platz in der Welt zu behaupten, mit einem Wort zur Weltpolitik. Der Ocean ist unentbehrlich für Deutschlands Größe. Aber der Ocean beweist auch, daß auf ihm und in der Ferne jenseits von ihm ohne Deutschland und ohne den deutschen Kaiser keine große Entscheidung mehr fallen darf. Ich bin nicht der Meinung, daß unser deutsches Volk vor 80 Jahren unter der Führung seiner Fürsten gesiegt und geblutet hat, um sich bet großen aus­wärtigen Entscheidungen bei Seite schieben zu lassen. Geschehe das, so wäre es ein für allemal mit der Weltmachtstellung deS deutschen Reiches vorbei und Ich bin nicht gewillt, es dazu kommen zu lassen. Hierfür die geeigneten und wenn es sein muh auch die schärfsten Mittel rücksichtslos anzuwenden, ist Meine Pflicht nur, Mein schönstes Vorrecht. Ich bin überzeugt, daßJch hierbeiDeutsch- lands Fürsten und das gesammte Volk fest­geschlossen hinter Mir habe. Daß Euere königliche Hoheit die Ehrrnstellung ä la suite des Seebataillons anzunehmen geruhten, ist von hoher Be­deutung gerade in dem Augenblick, wo Bayern und Württemberger, Sachsen und Preußen nach dem fernen Osten gehen, um die Ehre der deutschen Flagge wiederherzustellen. Wie das Haus der Wittels­bacher im Jahre 1870 zu den Waffen griff, um für Deutschlands Ehre, seine Einigung und die Kaiserwürde zu fechten, so möge allezeit das Reich dieses edlen Ge­schlechtes Unterstützung sicher sein. Als Vertreter dieses erlauchten Hauses begrüße ich Euer« königliche Hoheit in unserer Mitte mit dem Wunsche, daß die enge Beziehung, in die Euere königliche Hoheit durch die ä la saite-Stellung in Meiner Marine getreten sind, allezeit Euerer königlichen Hoheit Interesse für dieselbe lebendig erhalten möge. Ich trinke auf das Wohl Seiner königlichen Hoheit des Prinzen Rupprecht von Bayern! Hurrah, Hurrah, Hurrah!

[] Der Kriegszug nach Peking.

In der Preffe wird vielfach die Frage eines gemeinsamen Kriegszuges der Groß­mächte zur Erstürmung der chinesischen Haupt­stadt erörtert. Die im Publikum vielfach ver­breitete Meinung, ein solcher Kriegszug sei für die Mächte eine Kleinigkeit, so eine Art Spazier- gang, ist durchaus falsch. Die Eisenbahn ist nicht zu benutzen, man wird nicht blos die Boxers an allen Orten auf dem Wege sich gegenüdersehen, sondern auch die chinesischen Truppen, die gerade in dieser Provinz eine moderne Ausbildung em­pfangen haben und, wie der Kaiser in seiner Ansprache hervorhod, „nicht minder todesmuthig" find als deutsche Soldaten. Ob daher eine Ar­mee von 50.000 Mann für diesen Zug genügt, kann zweifelhaft erscheinen, zumal die Verbindun­gen nach rückwärts bis zur See gedeckt sein müssen. DieJapaner und nach ihnen die Russen müssen daS Hauptkontingent dieser Armee stellen, wie sie denn auch jetzt schon von den 15,000 in Taku und Tientsin versügbaren Truppen zusammen 10,000 Mann gestellt haben. Ob die deutschen Truppen 5000 oder nach Hinzukommen einer

Brigade der Landarmee 10000 Mann stark sind, verschlägt für das Ergebniß der Expedition wenig.

Weiterhin fragt es sich, ob überhaupt im Falle der Eroberung Pekings Peking noch ein für China bestimmender Mittelpunkt ist und eine dort eingesetzte Regierung die Autorität ge­nießt, Ruhe und Ordnung im übrigen Reiche wiederherzustellen. Die fremden Mächte find dazu, wenn sie auch mehr als 100 000 Mann zusammen aufbieten, gegenüber einem Reiche von 350 Mill, ganz und gar außer Stande.

Die gesammte deutsche Preffe sieht deshalb auch die Verhältnisse sehr ruhig und besonnen an und mahnt, die Bedeutung und den Werth von China nicht zu unterschätzen und zu erwägen, inwieweit das Einsetzen von kostbaren Menschen­leben deutscherseits im Verhältniß steht zu dem Werthe, den China für uns hat. Auf das Ein­vernehmen mit anderen Mächten wird un­bedingter Werth gelegt. Allseitig wird auch der Meinung Ausdruck gegeben, daß Deutschland mit Kiautschou und der Provinz Schantung schon genug „Platz an der Sonne" genießt und unter allen Umständen von weiteren territorialen An­sprüchen abgesehen werden muß.

Die internationale ExpedUion, so fürchtet die ,Kreuzztg/, dürfte heute fast unlösbaren Aufgaben gegenüberstehen, wenn es inzwischen dem Prinzen Tuan gelungen sein sollte, mit seinen beiden kaiserlichen Gefangenen in das Innere des Reichs zu entkommen oder wenn er jene beiden umgebracht haben sollte. „Denn was wir zumeist brauchen, ist eine Regierung, welche das Treiben der Aufständischen verurtheilt und straft, damit wir diese Strafe nicht selbst zu vollziehen brauchen." Man könne mit den anderen Mächten zusammengehen, so lange eS fich um das allen gemeinsame Interesse der Herstellung geordneter Verhältnisse in Peking handle. „Aber auch da doch nur als Mit­wirken de und nicht länger, als bis jene wich­tigste Voraussetzung geschaffen ist. Jm Uebrigen, wir wiederholen es, gehen unsere territorialen Interessen über Deutsch-Schantung nicht hinaus." Unter keinen Umständen fei es die Auf­gabe Deutschlands, in einem Konflikt der Mächte über die chinesische Frage mitzuthun. „Sollte dies Unglück der Welt nicht erspart werden, so ist unsere Stellung die der bewaffneten Neu­tralität, gestützt auf unsere Position in Kiaut­schou und Schantung."

Deutsche» Deich.

Berlin, den 4. Juli.

tt Generalmajor v.Lievert, der Gouverneur von Deutschostafrika, wird vermuthlich bald von seinem Posten zurücktreten. Nach einer vereinzelten Meldung soll er sogar schon des Postens enthoben und mitten in den Vorbereitungen zur Rückreise nach Europa sein. Es wird berichtet, der Gou­verneur sei in Zwiespalt mit der Kolonial - Ver­waltung gerathen, und er werde nunmehr ein seinem militärischen Range entsprechendes Kom­mando im Heere erhalten.

* Der „Ialk Liügler" ist erledigt. Ein parlamentarischer Berichterstatter meldet: „Nach­dem Ministerialdirektor Dr. Kügler die Annahme des ihm angetragenen Postens des Unterstaats- sekretärs entschieden abgelehnt hat, ist der Geh. Oberregierungsrath Wev er zum Unterstaatssekre­tär im Kultusministerium ernannt worden."

+ Gutem Vernehmen nach hat man sich im Reichs-Marineamte entschlossen, drei der älteren, kleinsten Gorpedovoole dauernd auf dem Rheine zu stationiren. Vorläufig sind als Stationsorte Ruhrort, Köln und Bingen in Aussicht genommen. Man hofft mit dieser Maßnahme der Rheinschiff­fahrt einen guten Dienst zu erweisen, denn die leicht beweglichen Boote sollen benutzt werden zu Hilfeleistungen, etwa wie man zu Lande die Pioniere heranzieht. Es kämen also in Betracht, Abbringen aufgefahrener und Heben gesunkener Schiffe, Beseitigung von Wracks, nötigenfalls durch sachgemäßes Sprengen, Hilfe bei Hoch­wasser usw. Verhältnißmäßiger Wechsel der Be­satzung ist vorgesehen.

* Der .Reichsanzeiger' publizirt das Gesetz öetreffevd die AaudeksSeziehttugeu zu« Kritischer» Kelche vom 30. Juni 1900. Der Bundes» ath wird dadurch ermächtigt, den Ange­hörigen und den Erzeugnissen des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, so­wie den Angehörigen und den Erzeugnissen bri­tischer Kolonien und auswärtiger Besitzungen bis zum 30. Juli 1901 diejenigen Vortheile einzu­räumen, die Seitens des Reichs den Angehörigen oder den Erzeugnissen des meistbegünstigten Landes gewährt werden. Das Gesetz tritt nach dem 30. Juli in Kraft.

ft Die Vorarbeiten für die Entwürfe über das N^sberrecht und über das Verlags­recht find laut der,Norod. Allg. Zrg.' soweit

gediehen, daß anzunehmen ist, die gesetzgebenden Faktoren werden sich mit dem betreffenden Entwurf in einer nahen Zeit schon beschäftigen können. Ferner dürfte dem Reichstage die Vorlage über die privaten Versicherungs- Unternehmungen schon zu Beginn der nächsten Tagung unterbreitet werden. Mit der Annahme dieser Gesetzentwürfe würde daS neue deutsche bürgerliche Recht seine erschöpfende Ausgestaltung nach allen Richtungen hin er­fahren haben.

* Der Kersouaköedars des Gelegraphen- dieustes Sei de« Kifenöayne« ist zufolge Ver­fügung des Eisenbahnministers fortan durch ge­eignetes Weichenstellerpersonal sowie durch weib­liche Personen Telegraphistengehilfinnen, diätarische und etatsmäßige Telegraphistinnen, zu decken. Militäranwärter find für diese Beamten­stellen deS Trlegraphendienstes künftig nicht mehr vorzumerken.

* WUtzekmshavr«, 4. Juli. Der Kaiser konferirte gestern Morgen mit dem Staats­sekretär Grafen Bülow, dem Staatsminister von Tirpitz, dem Chef des GeneralstabeS der Armee und der Marine und dem Vertreter des KriegS- ministers. Gestern Abend hörte der Kaiser den Vortrag des Generalmajors v. Villaume vom Militärkabinet und deS Generalmajors v. Einem vom Kriegs Ministerium an. Um halb 10 Uhr Abends hörte der Kaiser den Vortrag deS Chefs des Generalftabs der Armee v. Schlieffen und konferirte sodann mit dem Staatssekretär Grafen Bülow, den Generälen v. Schlieffen, v. Villaume, v. Einem und den Admiralen v. Tirpitz und von Senden-Bibran. Heute nahm der Kaiser wiederum den Vortrag des Grafen v. Bülow entgegen. Heute Nachmittag 6 Uhr trat der Kaiser die Nordlandsreise an; „vorläufig" ging die Reise nur bis Brunsbüttel. Im Gefolge des Kaifers sind folgende Herren: Vizeadmiral Frhr. v. Senden-Bibran, die Generäle v. Reffet, von Scholl, v. Moltke, Graf Hülsen-Häseler, Oberst Graf Moltke, Oberstleutnant v. Böhn, Kapitän Grumme, Generalarzt Dr. Leuthold, Hausmar­schall Frhr. v. Lynker, Prinz Albert von Schleswig-Holstein, Graf Görtz, Fürst Philipp v. Eulenburg, Intendant v. Hülfen, Maler Salz­mann und Prof. Güßfeldt.

Anstand.

* Kaag, 4. Juli. Auf eine Interpellation betr. die Lage in China erklärte der Minister des Auswärtigen in der Ersten Kammer, der niederländische Gesandte in Peking sei am 10. Juni ermächtigt worden, sich dem Kollektiv­schritt der Mächte gegen China unter Führung des englischen Gesandten anzuschließen. Seit jener Zeit seien von dem niederländischen Ge­sandten keine Nachrichten mehr eingetroffen. Der niederländische Konsul in Shanghai telegraphirte gestern, die Lage der Gesandtschaft fei sehr kritisch. Auch bestätigte er die Er­mordung des deutschen Gesandten von Rettetet. Der Verlauf der Ereignisse sei sehr ungewiß. Von diesen Ereignissen würden die weiteren Maßregeln abhängen.

• Krüssel, 4. Juli. Gestern fand im Volks- Hause eine Versammlung sämmtticher sozialistischer Abgeordneter statt. In der- felben wurde die Grundlage der Agitation zu Gunsten der Erlangung des allgemeinen gleichen Stimmrechtes berathen. Alle Redner ernteten lebhaften Beifall, besonders aber der Abgeordnete Vandervelde. Derselbe drohte, die Sozialdemo­kraten würden, wenn nöthig, das allgemeine gleiche Stimmrecht auf den Barrikaden der Revolution erlangen. Die gerechte Sache müsse endlich siegen.

* Ker«, 3. Juli. Der Kongreß des Welt­postvereins zur Feier des 25jährigen Bestehens des Vereins wurde gestern Vormittag 9 Uhr durch den Chef des Post- und Eisenbahnwesens, Bundes­rath Zemp eröffnet. Es waren etwa 180 Vertreter von circa 60 Staaten anwesend, von der deutschen Reichs-Postoerwaltung waren Begrüßungs- und Gratulationsfchreiben eingelaufen. Der Staats­sekretär des deutschen Reichspestamts von Pod- bielski sprach den Dank der deutschen Regierung für die Einladung aus und entbot dem Verein die Glückwünsche der ReichSpostoerwaltung. Er betonte die Nolhwendigkeit der Weiterentwickelung und des Ausbaues des Weltpostvereins. — Bei dem der Sitzung folgenden Festbankett brachte der Bundespräsident Hauser einen Toast aus auf die Souveräne, die Staatsoberhäupter und die Regierungen aller Staaten des Weltpostvereins, auf die Wohlfahrt der durch den Verein ver­bundenen Völker und auf die Gesundheit der Delegirten.

X Ko«, 3. Juli. Die Kongregation bet Propaganda hat ihr Augenmerk in den letzten Tagen in ganz besonderem Maße auf die chinesischen Missionen gerichtet; auch das päpstliche Staatssekretariat ist unablässig bemüht,

das Interesse der gegenwärtig in China enga- girten Mächte zu Gunsten der Missionare und vielen dortigen christlichen Ansiedelungen und Institutionen zu erwecken. Die vom römischen Rorrespondenten der »Pol. Rorr.' gebrachte Meldung, daß der Papst sich direkt an Frank­reich um Absendung größerer Truppenmaffen zum Schutze der chinesischen Missionen gewendet habe und — eine abschlägige Antwort erhalten, be­stätigt sich jedoch keineswegs. Allerdings sollte Frankreich selbst das größte Interesse haben, die christlichen Missionen China's zu schützen, denn die Hälfte der apostolischen Vikare, unter welchen die Missionare arbeiten, gehören der französischen Nation an und auch die beiden dortigen apostolischen Präfekten sind Franzosen. Nächst diesen find die Italiener mit 12 apostolischen Vikaren an der Christianistrung Chinas betheiligt. Es folgen sodann die Belgier mit 4 Vikariaten und endlich Holland und Deutschland mit je einem Vikar. Letzterer ist bekanntlich der Titularbischof v. Auzer. Außerdem find noch zwei Auxiliarbischöfe thätig. Elf tiefer 35 in China bestehenden Vikariate, deren Titulare fast olle den Bischofstitel führen, wurden erst von Leo XIII. errichtet. Nach den Rongregationen und Misfionsgesellschaften theilen die genannten Vikariate fich folgendermaßen ein: 13 Vikariate und die beiden Präfekturen entfallen auf die französifchen Lazaristen; es folgen die belgische Rongregation des unbefleckten Herzens Mariä und die Minori Riformati mit je 4 Vikariaten; das Mailänder Missionsseminar und der Orden der Minori Observanti besitzen je 3 Vikariate. Nun kommen der Jesuitenorden und die Do­minikaner mit je zweien und endlich die Augu­stiner, die holländischen Minoriten, das römische Peter-Pauls-Seminar und das Missionshaus Steyl mit je einem apostolischen Vikar. In ganz befonderer Weise hat sich unser Landsmann Bischof v. Anzer und der bisher in Peking residirende Monsignore Favier um die leider so schnell wieder zerstörten guten Beziehungen der Missionen zum dortigen kaiserlichen Hofe ver­dient gemacht.

0 Konssantinopek, 4.Juli. Der deutsche Raifer hat der Stadt Konstantinopel einen kost­baren Brunnen geschenkt, damit die Bevölke­rung gutes Wasser erhält. Der Brunnen erhebt fich in kartarischem Marmot, der aus Italien angefahren wird, auf 8 Säulen, die eine Kuppel tragen. Die Säulen werden au8 Goldbronce her- gestellt; die Jnnenkugel erhält Glasmosaik. DaS Gebäude foll seinen Platz vor der altberühmten Hauptkirche Konstantinopels, der Hagia Sophia, erhalten, auf dem Hippodrom, wo einst die Wett­rennen abgehalten wurden. Von den broncenen Bänken im Innern des Brunnens wird man den uralten Obelisken, den der große Kaiser Theodo­sius setzte, erblicken und auch den gemauerten Obelisken Kaiser Konstantins. Der Entwurf ist vom Baurath Spika in Berlin, während der Regierungs-Bauführer Schele die etwa 160,000 Mark kostende Bauausführung in Konstantinopel selbst überwacht.

* N-w-N-rk, 4. Juli. Der Präsident­schafts-Kandidat Bryan hat in feiner Platform (so nennt man in Amerika die Wahlaufrufe) er­klärt, daß er für ein Verhältniß von 16 zu 1 zwischen Gold und Silber eintrete und auch dafür kämpfen werde, selbst wenn et allein stehen sollte. Die Führer der Partei suchten ihn jedoch zu be­wegen, in eine weniger auffallende Planke in seiner Platform einzuwilligen. ~

* St. Lo«is am Senegal, 4. Juli. Der ,Agence Havas' wird von hier gemeldet, daß 5 Mitglieder der von dem Pariser Blatte ,Matln behufs Feststellung einer Sahara-Bahnlime ent­sandten Expedition Blanchet von Häuptlingen des Adrar - Gebietes gefangen genommen worden seien.

Der Krieg in Südafrika.

Die Nachrichten vom Kriegsschauplätze werden immer spärlicher. Heute meldet ein Telegramm aus Zeetust die Gefangennahme des Ge­nerals Snyman mit dem gesummten Mariko- Kommando in der Nähe von Lichtenburg. Ge­neral Snyman ist der Buren-Offizier, der Mafe- king belagerte. In Pretoria ist Alles soweit mhig, die Lage wird aber daselbst als unsicher angesehen und alle Civilisten, die nach dem Rand zurückgekommen waren, sind nach Bloemfontein zurückbeordert worden. Die Umgegend vonPre- toria gilt als durchaus unsicher und die Eisen­bahn-Verbindungen können nur mit Mühe auf­recht erhalten werden. Man glaubt nicht, daß es möglich fein wird, vor 3 Monaten die Ruhe soweit wieder herzustellen, daß die Geschäfte wieder aufgenommen werden können. General Buller ist noch immer nicht die Sorgen für die Sicher­heit seiner rechten Flanke los.