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mit Nnterhattungs-Meilage „Ikkusirirte Sonntags-Zeitung!"

Juk-a, Mittwoch, den 4. Juli 1900.

M 150.

27. Jahrgang.

/ Zweites 'gäCatt 8

__________2 M

0 Ein weiteres Expeditionskorps wird für China in der Stärke einer gemischten Brigade aufgestellt werden. Auch dieses Korps wird aus Freiwilligen der Armee zusam­mengesetzt werden, und es werden nun also noch viele derjenigen, die sich für den Chinadienst ge­meldet hatten, aber nicht berücksichtigt werden konnten, ihren Wunsch erfüllt sehen, ihren be­drängten Kameraden in Ostasien zu Hilfe zu eilen. Die Abreise des Kaisers nach Norwegen ist aufgeschoben. Sofort »rach dem Eintreffen der Nachricht über die Ermordung des Gesandten Freiherrn von Ketteler hat das Auswärtige Amt den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Frhrn. v. d. Recke, beauftragt, die Trauernach­richt der Mutter des Verstorbenen mitzutheilen.

Ursprünglich hat die Absicht bestanden, eine ganze Division deutscher Landtruppen nach China zu entsenden, und zwar auf eine auf dem Drahtwege eingelaufene Anregung des Admirals Bendemann hin, des Chefs des Kreuzergeschwaders. Heute (Dienstag) morgen hat in Wilhelmshaven eine militärische Berathung darüber stattgefunden, deren Ergebniß eben die Entsendung einer Bri­gade ist.

Nach wie vor wird in der Berliner Re- gierungspresse betont, daß die deutscheReichs- regierung nicht an eine Auftheilung Chinas denke. Auch der Kaiser selbst hat in Gesprächen mit hochgestellten Personen in Wil­helmshaven hervorgehoben, daß er nichts anderes wolle, als die Wiederherstellung und Festigung des bisherigen Zustandes in China. Das ist auf jeden Fall Thatsache, daß die unglaublichsten Verwickelungen entstehen könnten, wenn gerade jetzt, in diesem Zustande deS vollkommenen Wirr­warrs, die Frage von einer Auftheilung Chinas unter den Mächten von neuem aufgeworfen würde. Denn sofort würde ein heftiger diplo­matischer Kampf aller gegen alle entbrennen, um jedem einzelnen Staate so viel Beute wie nur eben möglich aus der Erbschaft des aufgetheilten Reiches der Mitte zu sichern. Die nächsten Auf­gaben müffen sein: Besetzung der Hauptstadt Peking, die Herstellung und Sicherung ge­ordneter Zu stände und die Wiederherstellung der so überaus wichtigen Verkehrslinie von Taku über Tientsin nach Peking. Der Zwang des gegenwärtigen Augenblickes wird hoffentlich die wohlthätige Wirkung ausüben, daß alle Mächte ohne Ausnahme auf dieser Grundlinie des Handelns sich zusammenfinden. Auffällig sind die außerordentlichen Maßnahmen Japans. Es wird nämlich berichtet, dieses wolle 30 000 Mann mobil machen. Sollten etwa die Herren Japaner die Absicht haben, so nebenher ein wenig im Trüben zu fischen?

Die Leitung unserer auswärtigen Angelegen­heiten erfreut sich des vollen Vertrauens des deutschen Volkes, wie im Reichstage mehrfach dar- gethan worden ist. Sollten aber die Aufwendungen für China und die Entsendungen von Truppen dorthin gar zu groß werden, dann würde kaum etwas Anderes übrig bleiben, als den Reichs­tag zusammenberufen, um von diesem die Be­willigung einzuholen für die Aufwendung der als­dann nöthigen umfangreichen Geldmittel. Den verbündeten Regierungen könnte es nur angenehm sein, für ganz außerordentliche Ereignisse die Verantwortung nicht allein zu tragen, sondern im Einvernehmen mit der parlamentarischen Vertretung des deutschen Volkes zu handeln.

M Handelspolitische Streitfragen.

Jedesmal, wenn die sommerliche Stille in der Politik einkehrt, beginnen die Auseinandersetzungen über die fernere Gestaltung der Handels­politik. In diesem Jahre fangen sie sehr zeitig an. Denn erstens rücken die diplomatischen und Parlamentarischen Verhandlungen über die zu­künftige Gestaltung des deutschen Zolltarifes immer näher ; und zweitens liegt auch ein besonderer An­laß dazu vor. In diesen Tagen hat nämlich in Wiesbaden eine geineinsame Berathung der Vor­stände der preußischen Landwirthschafts- kammern stattgefunden, und eines der Ergeb- nisse dieser Berathung ist eine Entschließung, die sich mit der Gestaltung der Handelsverträge und der Zolltarifgesetzgebung beschäftigt.

Diese Entschließung sagt in der Hauptsache etwas, das an sich eigentlich selbstverständlich ist, oder jedenfalls selbstverständlich sein sollte, und das bei uns in Deutschland nicht oft genug wieder­holt werden kann: daß wir nämlich unsere Handels­politik nach unseren eigenen Interessen und danach einrichten sollen, wie andere Länder sich uns gegen­über verhalten. Es wird nämlich in der Wies

iadener Entschließung verlangt, daß wir Meist­begünstigungs-Verträge nur dann ein­gehen, wenn die in Frage kommenden fremden Staaten sich ebenso freundlich zu uns 'tellen, also auch zu Gunsten des Deutschen Reiches ihre Zollselbständigkeit in entsprechendem Grade aufgeben. Man sollte meinen, es könnte auf der Welt nichts Klareres geben; aber es gibt nicht leicht ein eigensinnigeres Ding, als das Be- zriffsvermögen unserer Freihändler. Und augen- cheinlich wird diese Sippe desto absonderlicher in hren zollpolitischen Anschauungen, je mehr sie in >er Zahl ihrer Mitglieder und Anhänger zu­sammenschmilzt.

Frankreich unddieVereinigtenStaaten von Amerika zum Beispiel binden sich grundsätz­lich nicht hinaus an bestimmte Zolltarife, von ganz vereinzelten Bestimmungen abgesehen; sie bewahren ich ihre selbständige Verfügung in Zollsachen und können demgemäß ihre Einfuhrzölle je nach den be­stehenden Umständen jeweils beliebig ändern. Und eine solche Politik gewährt ohne Zweifel dem Lande, das sie befolgt, den weitesten Spielraum und sichert ihm die größte Beweglichkeit und An- paffungsfähigkeit an besondere Umstände, wie sie sich häufig gerade auf dem Gebiete der Zoll- und Handelspolitik nicht voraussehen lasten. „Wenn indesten — so sagt die Wiesbadener Entschließung ganz richtig — von der deutschen Industrie großer Werth darauf gelegt wird, mit einer Reihe von Staaten zu einer gegenseitigen Bindung einzelner Zollsätze auf längere Zeit zu gelangen", so ist Gegenseitigkeit dieses Verhältnistes zu verlangen — wie dies bereits in den vorstehen­den Zeilen genauer dargelegt wurde.

Außerdem verlangt die Wiesbadener Ent­schließung, daß die Zollsätze für alle Erzeugniffe der Landwirthschaft so hoch bemessen werden, daß „auch bei veränderter Lage des Weltmarktes und noch weiter verschärfter Konkurrenz des Auslandes die Existenz­bedingungen der deutschen Lanvwirth- schaft nicht gefährdet erscheinen." Auch das ist eine selbstverständliche Forderung. Noch mehr: Das müßten ja traurige Vertreter der Landwirth- schast sein, die sich um die Interessen ihres Be­rufsstandes gar nicht kümmerten, sondern die Hände in den Schooß legten und nun alles geben ließen, wie es eben gehen wollte. So haben sie nichts weiter gethan als ihre einfache Schuldig­keit; und daß sie nur bei ihrer Entschließung auch die Forderungen und Interessen der In­dustrie nicht vergessen haben, ersteht man aus den vorher angeführten Stellen dieser Entschließung selbst. Und dennoch reden freihändlerische Blätter von einer „phantastischen Zollpolitik", die in Wiesbaden getrieben worden wäre!

Mit solchen Leuten läßt sich schwer streiten, denen sogar der alleroberste Grundsatz aller ver­ständigen Handelpolitik verloren gegangen ist, daß diese Politik zunächst nach den Bedürfnissen desjenigen Landes gemacht werden muß, von dem sie ausgeht. Und daß diese Bedürfnisse jetzt ganz unbedingt in einem erhöhten Zollschutze für land wirt hsch aftliche Erzeugnisse bestehen, wird im deutschen Reichstage einzig und allein von den Freisinnigen und von den Sozial­demokraten geleugnet. Auch die nationalliberale Parteileitung hat sich in alletjüngsier Zeit für eine Erhöhung der landwirthschaftlichen Zölle er­klärt; und van dieser Partei wird schwerlich irgend Jemand behaupten wollen, daß auch sie von einseitig agrarischem Jntereffe geleitet sei.

Die Herren Freihändler in den großen Han­delsstädten an der See denken vielmehr gerade mit ihrem sogenannten Freihandel nur an sich selbst und an ihre eigenen Sonderintrreffen, ohne das zu berücksichtigen, was die weitaus überwiegende Mehrheit des Volkes zu ihrem Ge­deihen und auch nur überhaupt zum Bestehen braucht. Aber wenn die Herren selbst etwas brauchen, zum Beispiel eine Reichsunterstützung für eine Dampsschiffslinie, dann sind sie im For­dern gar nicht faul; dann verketzern sie sogar solche Leute als „nicht national", die etwas gegen ihre Forderungen einzuwenden haben!

Daß das nicht die rechte Handelspolitik sein kann, liegt auf der Hand. Die Ereignisse wer­den ihren Weg nehmen, unbekümmert um die Handvoll von Freihändlern, die aus der sogen, „liberalen Aera" mit ihren ungeheuerlichen wirth- schaftlichen Verirrungen noch übrig geblieben sind, weil diese Verirrungen gerade zufällig ihren ganz besonderen Einzelintereffen entsprechen.

Deutsches Deich.

Berlin, den 3, Juli.

X „Kitt- i« affe» Glieder« lebendig IHättge Kirche", deren Organen die Staats­regierung „immer mehr diejenige Be­wegungsfreiheit und Selbständigkeit zugestehtn soll, deren nach den Erfahrungen der

Selbstverwaltungsproxis jede Selbstverwaltung >edarf, die in praktischer Arbeit etwas leisten soll, wird in einer Denkschrift verlangt, die )er preußische evangelische Oberkirchen­rath jetzt zur Feier seines fünfzigjährigen Be­stehens herausgegeben hat. Der Oberkirchenrath hat recht. Nur unter solchen Voraussetzungen kann die Kirche „dem Staate die sittlichen Kräfte zuführen, deren er in den schweren Kämpfen unserer Tage mehr als je bedarf", und bei allen zielbewußten Katholiken kann der evangelische Ober­kirchenrath auf vollkommenes Verständniß rechnen. Nur wäre zu wünschen, daß der Oberkirchenrath mehr als bisher dafür sorge, daß die Zuführung sittlicher Kräfte durch das Christenthum nicht gestört werde durch das konfessionelle Gezänk und die gewerbsmäßige Hetze gegen „alles Römische", die manche der protestantischen „Diener am Worte", so gern treiben; denn auch das ist nöthig, und mehr als alles andere nöthig, wenn das große Werk gelingen soll, das allen aufrich­tigen Christen beiderlei Bekenntniffes gleichmäßig am Herzen liegen soll. Dazu aber paßt es sehr schlecht, wenn beispielsweise einer der geistlichen Redner in der kürzlich abgehaltenen Festversamm­lung der hannöverschen Gustav-Adolf-Vereine auf die sogenannte Los von Rom Bewegung in Oester­reich den Ausspruch anwendet: „Wenn ich den Teufel durch den Finger Gottes austreibe, so ist das Reich Gottes zu euch gekommen —" und unter dem „Teufel" die katholische Kirche, unter dem „Finger Gottes" aber den Protestantismus versteht. Solche Erscheinungen sollte der Ober­kirchenrath ganz besonders aufs Korn nehmen, um die lobenswerthen Ziele zu erreichen, die er in seiner Denkschrift kennzeichnet.

*** Im preußischen Staate sind im Jahre 1899/1900 im Ganzen 173,832 Jagdscheine ausgegeben worden, darunter 137,660 Jahres- Jagdscheine zulbMk., 19,471 Tages-Jagdscheine zu 3Mk., 414 Jahres-Jagdscheine für Ausländer zu 40 Mk., 1119 Tages-Jagdscheine für Ausländer zu 6 Mk., 15,168 Jagdscheine wurden unentgelt­lich ausgestellt. Der Gesammt - Betrag der ent­richteten Abgabe belief sich auf 2,147,661 Mk. Gegen das Vorjahr hat die Zahl der veraus­gabten Jagdscheine erheblich zugenommen. Be­sonders auffallend ist die ständige Zunahme der Tages-Jagdscheine. Die für die entgeltlichen Jagdscheine erzielte Einnahme hat annähernd den gleichen Zuwachs erfahren wie im vorangegan­genen Jahre, nämlich um rund 25,000 Mk. Zum Vergleiche fei noch angeführt, daß in dem letzten Jahre vor dem Inkrafttreten des Jagdschein-Ge­setzes vom 31. Juli 1895 (d. h. in der Zeit vom 1. August 1894 bis 31. Juli 1895) im Ganzen 202,739 Jagdscheine gegen Entgelt und 4855 un­entgeltliche, zusammen also 207,594 Stück aus­gegeben worden sind; die Einnahme dafür belief sich auf rund 725,000 Mark.

Ans demJahresberichte der Hanauer Handelskammer.

v.

In dem Jahresbericht der Handelskammer zu Hanau findet sich u. a. auch eine Mittheilung des städtischen Gaswerks zu Fulda über die Gasfabrikation dieser Anstalt im Betriebs­jahre 1898—99. Wir entnehmen derselben folgende Angaben:

Im Betriebsjahre 1898/99 betrug im städtischen Gaswerk zuFulda dieG esammtgaserzeugung 603 620 Kubikmeter, das sind 77 581 Kubikmeter mehr als im Vorjahre. Dazu wurden an Kohlen, halb Saar- und halb westfälische Kohlen, verbraucht 2041350 Kilogramm. Die durchschnittliche Gas­ausbeute betrug 29,56 Kubikmeter aus 100 Krlogr. Vergasungsmaterial. Die Kosten des Vergasungs­materials stellten sich insgesammt auf 41656,28 Mk. Der Gaskonsum stieg von 526 289 Kubikmeter im Jahre 1897/98 auf 603425 Kubikmeter, das sind 77136 Kubikmeter mehr.

Von der Abgabe entfallen

1. auf den Privatverbrauch zu Leuchtzwecken 216,624,6 cbm.

2. „ Kraft- und Heizqas...... 76,652 „

3. „ Verbrauch der Eisenbahn .... 162,883 „

4. „ „ „ Straßenlaternen . 89,423,8 „

5. „ Selbstverbrauch zur Beleuchtung und Heizung......... 13,839 „

6. „ Selbstverbrauch für den Motor . 11,825 „

7. „ Verluste............ 32,177/ „

Für das verkaufte Gas wurden im Durch­schnitt 17,87 Pf. für 1 Cbm. erlöst, gegen 18,25 Pf. im Vorjahre. Die Straßen­laternen sind von 268 auf 288 Stück ge­stiegen. Davon sind 229 Stück mit Gasglüh­licht versehcn. Die Zahl der Gasmotoren blieb unverändert.

Aus den zur Vergasung gelangten Kohlen wurden gewonnen 1,300,949 kg Coaks. Davon wurden zur Retortenfeuerung verwendet 475,689 kg, unter dem Dampfkessel verbrannt 16,300 kg. Der Rest wurde verkauft und im Durchschnitt wurden 1,97/ Mk. aus 100 Kilogramm erlöst.

Von den gewonnenen 1171435 Kilogramm und )en auf Lager gebliebenen 3974,5 Kilogramm Theer wurden 110857 Kilogramm verkauft. Der Rest blieb auf Lager, der Preis war unverändert. Coaks und Theer fanden guten Absatz.

Die Arbeiterzahl blieb dieselbe wie im Vorjahre, ebenso erfuhren die Löhne keine Veränderung.

Uermifchtes«

(*) Kleine Nachrichten. Berlin. Ein ange­trunkener, stellenloser Kaufmann bekam mit einem Re- taurateurssohne Wortwechsel und stieß denselben mit der eisernen Spitze eines Regenschirmes derart ins Auge, daß die Spitze abbrach und der Verletzte bald darauf starb. — Beuthen (Oberschlesien). Bei Vor­nahme der Verhaftung eines betrunkenen Weibes wurde ein Polizeisergeant von einem Pöbelhaufen beschimpft. Ein Arbeiter wurde erstochen. Das Militär mußte mit aufgestecktem Seitengewehr die Menge zerstreuen. — Leipzig Die Revision des im Elberfelder Militär­befreiungsprozeß verurtheilten Dr. Ziel und Ott (Elber- :elb) wurde vom Reichsgerichte verworfen. — Ham- rurg. Der auf dem Berliner Bahnhofe angekommene Postzug lief in Folge Versagens der Bremse gegen die Prellböcke und zertrümmerte diese. Der Zugführer brach einen Arm, ein Postschaffner wurde am Rücken verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend, da die Wagen sich übereinanderthürmten. — Sundern bei Arnsberg. Auf der hiesigen Papierfabrik platzte ein Dampfrohr, wodurch ein Arbeiter getödtet und mehrere verletzt wurden. — Köln. Von einem Herz­schlage wurde ein Lehrer in der Schule während des Unterrichtes getroffen. Er wurde tobt nach seiner Wohnung geschafft. — Düsseldorf. Eine bedeutende Erbschaft hat ein hiesiger Metzgermeister gemacht, da ihm ein in Amerika wohnender Verwandter die Summe von 72000 Dollars (etwa 300000 M) hinterließ. Eine Anweisung auf den Betrag ist dem glücklichen Erben, der bis dahin von dem Dasein des Erblassers keine Ahnung hatte, bereits zugegangen. — Mainz. Als der um 11'/» Uhr nach Frankfurt abgelassene Personen­zug die Rheinbrücke passtrte, stürzte ein Heizer aus Bingerbrück von der Maschine. Zum Glück fiel er nicht zwischen den Bogen hindurch in die Tiefe, sondern auf das andere Geleise, zog sich aber durch den Sturz einen Armbruch und eine Gehirnerschütterung zu. — München. Ein Jagdpächter erschoß während der Rehpürsch in der Waldung zwischen Hohenschäftlarn und Venfahrn einen Schuhmacher und ehemaligen Gastwirth, den er beim Wildern erwischt hatte. — St. Peters­burg. Auf der Balaschawer Bahn e n t g l e i st e bei der Station Liski ein gemischter Zug, da der Bahndamm durch Regengüsse beschädigt war. Vier Personen find getödtet, zehn verwundet. Mehrere Wagen wurden zer­trümmert. — Konstantinopel. In der Umgebung von Therapia wurde der deutsche Untertban Castendick von drei türkischen Militärs, darunter einem Offizier, angegriffen und beraubt. Die deutsche Botschaft hat sofort die nöthigen Schritte gethan, um die Be­strafung der Schuldigen zu erwirken.

+ 30jStzrige Gedenkfeier Sei Weh. Bon dem in Metz durch die Bereinigung zur Schmückung und dauernden Erhaltung der Denkmäler und Kriegergräber bei Metz und den vereinigten Krieger- und Kampfge- nossen-Vereinen in Lothringen gebildeten „Ausschuß zur 30jährigen Gedenkfeier der siegreichen Schlachten bei Metz" wird uns Nachstehendes zur Veröffentlichung mit- getheilt: Auf eine Eingabe vom 5. März ds. Js um Erlangung einer Fahrpreisermäßigung für die Veteranen hat der Kgl. Preußische Minister der öffentlichen Ar­beiten unterm 20. Juni ds. Js. erwidert, „daß er zur Gewährung ähnlicher Fahrpreisermäßigungen, wie sie bei Gelegenheit der 25jährigen Gedenkfeier des deutsch- französischen Krieges und der Wiedererrichtung des deutschen Reiches bewilligt worden sind, für Veteranen, die an der im August d. I. geplanten 30jährigen Ge­denkfeier der Schlachten bei Metz theilnehmen wollen, nicht ermächtigt sei". Die beabsichtigte Gedenkfeier findet trotzdem statt und über etwaige Aenderungen des früher veröffentlichten vorläufigen Programms wird in Kürze Beschluß gefaßt werden und das endgiltige Pro­gramm zur Veröffentlichung gelangen. Hierbei sei noch hervorgehoben, daß bis jetzt von größeren deutschen Städten etwa 150 Kränze zur Schmückung der Denk­mäler anläßlich der 30-Jahrfeier gestiftet worden sind.

* Ein guter Beobachter. Lehrer (in einer Privat­schule Heine's „Lorelei" durchnehmend): „Blatschke, was fällt Dir bei den Worten auf: „Sie kämmt es mit goldenem Kamme — Und singt ein Lied dabei — — Blatschke: „Das geht nicht." — Lehrer: „Wieso denn nicht, Du Dummkopf?" — Blatschke: „Weil die Mädchen beim Kämmen immer den Mund voll Haar­nadeln haben."

* Reingefallcn. „O je, da hab' ich lauter Damenwäsche gestohlen; am Ende werde ich heirathen müssen!"

Literarisches.

Storms Kursbuch fürs Acich. Zweite Sommeraus­gabe mit allen Nachträgen. Leipzig, Verlag von C- G. Röder. Preis 60 Pfg, lieber dieses beste und billigste aller vollständigen Kursbücher macht uns die Berlagsfirma folgende inte­ressante Mittheilungen: Welche Verbreitung in unserer Zeit des Verkehrs ein modernes Reisebuch erfährt, roirb wohl am anschaulichsten durch die Thatsache illustrirt, daß die Exemplare der int Mai erschienenen ersten Sommerausgabe von „Storms Kursbuch fürs Reich" aufeinandergelegt, einen Bücher-Thurm von 1800 m Höhe darstellen, das ist sechs Mal so hoch als der Eiffel- Thnrm der Pariser Weltausstellung oder fast zwölf Mal so hoch als der Kölner Dom! Ein noch drastischeres Bild von den Riesen-Auflagen dieses Kursbuches gibt folgende Berechnung: Zerlegt man die Exemplare der Sommerausgabe in einzelne Druckbogen und fügt diese zu einem Läufer von 74 cm Breite aneinander, so be­deckt dieser Läufer eine Strecke von 928 knx; das will sagen, wenn man den papiernen Läufer in Köln a. Rh. aufrollt, so würde derselbe über Hamm (150 km), Hannover (176 km), Berlin (255 km), Schneidemühl (246 km) bis Bromberg (87 km) reichen und noch 14 km weiter den Boden zur russischen Grenze bedecken, also ein papierner Läufer quer durch Deutschland!