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Jut-a, Mittwoch, den 4. Juli. 1900

27. Jahrgmg.

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29

rechtes ist der Vertreter Deutschlands vor den Augen der chinesischen Behörden in der Haupt­stadt Chinas selbst hingemeuchelt worden, ohne daß diese Behörden das Geringste gethan haben, um den Mord zu verhindern oder die Mörder ge­bührend zu bestrafen. Da hilft nur Strenge, da kann nur Gewalt am Platze sein, von Vernunf geleitet, um die Gewalt zu unterdrücken, die von Haß, Leidenschaft und blinder Mordwuth getrieben wird.

Im Kukenthurme.

Roman von O. Elster.

------- (Nachdruck verboten.)

thätigkeit war im ersten Mertel dieser JahreS ausnahmsweise lebhaft, zahlreiche Ueberschichten mußten verfahren werden, so daß sich für den Arbeiter ein höherer Verdienst herausstellte, ohne daß die Lohnsätze erhöht zu werden brauchten.

• MlHelmsyaver», 3. Juli. Prinz Rupprecht von Bayern taufte heute in Gegenwart des kaiserlichen Paares das vom Stapel laufende Linienschiff 0. auf den Namen Wittelsbach. — Die Abreise des See-Ba- taillons aus Wilhelmshaven auf den beiden von der Marineverwaltung gecharterten Dampfern des Norddeutschen Lloyd „Wittekind" und „Frankfurt" ist heute früh zwischen 3 und 41/« Uhr von Statten gegangen. An Bord der „Hohenzollern" erschien das Kaiserpaar, das dem Verlauf der Abfahrt beiwohnte. Die Mannschaften hatten theils am Bordrand mit der Front nach der kaiserlichen Yacht zu Aufstellung genommen, theils standen sie auf Strickleitern. Brausende Hochrufe erschollen, als sich die Dampfer in Bewegung setzten.

„Mitten in den tiefsten Frieden hinein, für Mich leider nicht unerwartet, ist die Brandfackel des Krieges aeschleudrrt worden. Ein Verbrechen, unerhört in seiner Frechheit, schaudererregend durch seine Grausam­keit, hat meinen bewährten Vertreter getroffen und rhu dahingerafft. Die Gesandten anderer Mächte schweben in Lebensgefahr, mit ihnen die Kameraden, die zu ihrem Schutze entsandt waren. Vielleicht haben sie schon heute ihren letzten Kampf gekämpft. Die deutsche Fahne ist beleidigt und dem deutschen Reiche yohn gesprochen worden. Das verlangt exemplarische Bestrafung und Rache. Die Berhältniffe haben sich mit einer furchtbaren Geschwindigkeit zu tiefem Ernste gestaltet und, seitdem Ich Such unter die Waffen zur Mobilmachung berufen, noch ernster. Was ich hoffen konnte, mit Hilfe der Marine-Infanterie wieder her­zustellen, wird jetzt eine schwere Aufgabe, die nur durch geschloffene Truppenkörper aller zivilifirten Staaten gelöst werden kann. Schon heute hat der «hef deS Kreuzer - Geschwaders Mick zkbeten, die Entsendung chier Division in Lrwägung zu nehmen. Ihr werdet einem Feinde gegenübertrsten, der nicht minder todesmulhig ist wie Ihr. Bon europäischen Offizieren aus­gebildet, haben dir Chinrftn di- rnrrpLischen Waffen brauchen gelernt. Sott fei Dank haben Hure Kameraden von der Marine-Infanterie und meiner Marine, wo sie mit ihnen zusammengekommen find, den alten deutschen Waffenruf bekräftigt und bewahrt und mit Ruhm und Sieg sich vertheidigt und ihre Auf­gaben gelöst. — So fWibe Ich Euch nun hinaus, um daS Unrecht zu rächen, und Ich werd« nicht eher ruhen, als bis die deutschen Fahnen vereint mit denen der anderen Mächte stegreich über den chinesischen wehen und, auf den Mauern Pekings aufgepsianzt, den Chinesen den Frieden diktiren. Ihr habt gute Kameradschaft zu halten mit allen Truppen, mit denen Ihr dort zusammenkommt, Ruffen, Engländer, Franzosen, wer es auch sei, sie fechten alle für die eine Sache, für die Civilifation. Wir denkm auch noch an etwaS Höheres, an unfece Religion und die Bertheidigung und den Schutz unserer Brüder da draußen, welche zum Theil mit ihrem Leben für ihren Heiland ein­getreten sind. Denkt auch an unsere Waffenehre, denkt an diejenigen, die vor Euch gefochten haben, und zieht hinaus mit dem alten brandenburgischen Fahnen­spruch: „Vertrau' auf Gott, Dich tapfer wehr', daraus besteht dein' ganze Ehr'! Denn wer's auf Gott herz- haftig wagt, wird nimmer aus der Welt gejagt." — Die Fahnen, die hier über Euch wehen, gehen zum ersten- mal ins Feuer: daß Ihr Mir dieselben rein und flecken- loS und ohne Makel zurückbringt! Mein Dank und Mein

J=f Zur Lage in China.

Die beiden mobil gemachten Seebataillone find am Montag nach China abgegangen. Auf dem Exerzierplätze der Torpedodivifion in Wil- helmShafen hat der Kaiser, wie schon telegraphisch gemeldet, die Truppen verabschiedet mit einer Ansprache, die durchweht ist von mächtiger und berechtigter Erregung über den unerhörten und frevelhaften Bruch deS Völkerrechtes in der chinesischen Hauptstadt; denn chinesische Soldaten find es gewesen, die den deutschen Gesandten Frhr. v. Ketteler auf offener Straße überfallen und niedergemacht haben. Der Gesandte hat augenscheinlich eine große Unvorsichtigkeit be­gangen, indem er ohne bewaffnete Bedeckung von der deutschen Gesandtschaft nach dem Regierungs- gebäude sich begeben wollte; er hätte das unter den obwaltenden Umständen nicht thun sollen. Aber das ändert nichts an der Nochwendigkeit, daß Deutschland volle Sühne heischt für die be- gangene Scheußlichkeit. Die Ansprache des Kaisers lautete:

Jntereffe, Meine Gebete und Meine Fürsorge werden Euch nicht fehlen und Euch nicht verlaffen, mit ihnen werde Ich Euch begleiten."

Gleichzeitig hat der Kaiser bestimmt, daß die erste Division deS ersten Geschwaders mit Beschleunigung sich darauf vorbereite, nach China in See zu gehen. Diese Division besteht aus den Linienschiffen Kurfürst Friedrich Wilhelm, Brandenburg, Wörth, Weißenburg und dem kleinen Kreuzer Hela. Wahrscheinlich wer­den nun noch weitere Truppen mobil ge­macht werden, um den am Montag nach China abgegangenen Mannschaften zu folgen.

Wir befinden uns also im Zustande deS vollen Krieges mit China — Krieg ohne Kriegserklärung. China hat das Recht nicht mehr, wie ein Kulturstaat behandelt zu werden. Es hatte eine Kultur; eS hat sie aber verloren und ist zu einem halb barbarischen Lande herabgesunken, das nach seinem eigenen Maßstabe gemeffen werden muß.

Die Mächte haben sich bemüht, China in den Kreis der Kulturstaaten hineinzuziehen. Noch mehr: die Mächte find den Chinesen zu Hilfe gekommen, als diese im Kriege mit Japan jammervoll unter­legen waren. Aber die Chinesen haben kein Ver- ständniß für dieses Wohlwollen gezeigt und auch kein Verständniß für die Segnungen ftiedlicher Kultur. Die friedlichen Missionäre waren seit Jahren schon ihres Lebens in China nicht mehr sicher; christliche Küchen und Misfions - Nieder- laffungen gingen in Flammen auf, und nur mit Mühe konnte die chinesische Regierung dazu ge­bracht werden, die Uebelthäter zu bestrafen. Diese chinesische Regierung hat sich überhaupt als un­fähig erwiesen, das Riesenreich wirklich zu regieren, so daß dieses Reich fortgesetzt der Gefahr der Anarchie ausgesetzt ist, die Anarchie aber wiederum alle Ausländer in ihrer friedlichen Thätigkeit mit Tod und Verderben bedroht; und ein solches Land bedarf unbedingt der Bevormun- düng durch die Mächte.

Es ist deswegen falsch, sich auf den Stand­punkt zu stellen, daß man e« den Chinesen nicht verdenken könne, wenn sie sich gegen die fremden Eindringlinge wehren, und daß man in China im Wesentlichen alles gehen lasien solle, wie es eben gehe. Dazu ist es viel zu spät; und dH-nigen Staaten, die btt ?-äaer d-v find, haben die unabweisbare Pflicht, der Ausbreitung der Kultur zu Hilfe zu kommen und sie zu schützen, wenn und wo fie durch barbarische Völker bedroht wird. Die Chinesen selbst aber werden es später, wenn ste die Segnungen dieser Kultur kennen und schätzen gelernt haben werden, selbst einsehen, daß die Mächte mit ihrem Eingreifen in ihre inneren Angelegenheiten an ihnen wohl als bewaffnete Gegner, aber nicht als Feinde handeln. Denn für das Volk der Chinesen ist es eine Wohlthat, wenn es befreit wird aus dem grauenvollen Zustande der Gegenwart und von einer Herrschaft, die nicht das Wohl dieses Volkes, sondern nur ihre eigene Macht und Herrscherwillkür festigen und dauernd erhalten will, mag nun das Volk der Chinesen darüber in noch viel tieferes Elend versinken oder nicht.

Durch finstere, heimtückische Menschen ist die wüste Leidenschaft in China entseffelt, und gegen alle, von Alters her geheiligten Gesetze des Völker-

Auslarrd.

* Arüssek, 3. Juli. Die Repräsentan­tenkammer und der Senat, die letzthin neu­gewählt worden find, traten heute zu einer außer­ordentlichen Session zusammen. In beiden Häusern wurden zunächst Wahlprüfungen vorge­nommen.

* Zfaris, 3. Juli. Dem Reuterschen Bureau wird aus Tanger gemeldet, daß in Fez in Folge des Vorgehens Frankreichs in Tuat große Er­regung herrsche. Der englische Konsul habe die Hilfe der Behörden zum Schutze seines Hauses erbeten. In Tanger ist es bereits zu einem un­angenehmen Zwischenfall gekommen. Der Chef der Fezer Filiale eines französischen Handlungs­hauses Marcos Effagin, ein amerikanischer Staats- Angehöriger, stieß bei dem Ritt durch eine enge Straße mit einem Imam zusammen und streifte deffen Maulthier. Es entspann sich ein Wort­wechsel, wobei eine Schaar von Fanatikern gegen Marcos Partei nahm. Da dieser sein Leben be­droht sah, feuerte er einen Revolverschuß ab, durch welchen ein Eingeborener getödtet wurde. Sofort stürzte sich die Menge auf ihn, hieb ihn in Stücke und verbrannte diese. Der fran­zösische Gesandte machte sogleich, nachdem ihm )ie Sache gemeldet war, dem amerikanischen Keneralkonsul Mittheilung davon und beide chaten Schrüte beim Ministerium der Auswärtigen An­gelegenheiten, um gegen solche Vorkommnisse Ber- Währung einzulegen.

• Ilom, 3. Juli. In der italienischen Kolonie Erythräa hat sich nach einer Mitthetlung der ,Ageucia Stefani' aus Asmara eine„Erythräische Goldminen-Gesellschaft" mit einem Anlage-Kapt­al von 2 Millionen Lire gebildet. Die Hälfte res Kapitals stamme aus Italien, die andere auS rem Auslande. Die Goldsucher haben bisher gute Ergebniffe gehabt.

* Kelstngfors, 3. Juli. Gegen die neueste Russisizirungs - Maßregel in Finland erhebt der finländische Senat Protest. Der Senat erklärt in einer Eingabe an den Zaren, daß er das Kaiser!. Reskript betr. die Einfüh­rung der russischen Sprache in Finland, betr. die Einschränkung der Versammlungs-Freiheit und riese Schuld auf Heller und Pfennig getilgt habe."

„Nun gut; dann werde ich morgen Vormittag u Dir kommen, damit wir alles schriftlich fest- etzen. Den Justizrath werden wir freilich in daS vertrauen ziehen müffen. Ich werde ihm indeffen ägen, daß ich das Vermögen in Deinem Depot affen wolle, so daß eine Auszahlung nicht nöthig ei — natürlich bis auf die Legate. Bist Du ramit einverstanden?"

„Du bist mein Retter!"

Schluchzend umarmte der alte Mann seinen Neffen, der ihn zu beruhigen und zu trösten suchte.

Nach einiger Zeir wankte der Inhaber der tolzen Firma Grottler & Co. davon, äußerlich in gebrochener Mann, aber auch ein in dem I kummer der letzten Stunden innerlich erstarkten Mann, der den festen Vorsatz gefaßt hatte, durch >ie Arbeit seines ferneren Lebens die Schuld der rüheren Lebens zu büßen und zu sühnen.

Konrad athmete tief auf und reckte sich empor, als sei ihm eine schwere Last von den Schultern i enommen.

Mit ängstlichem Gesichtchen schaute Mia zur Thür herein.

„Tritt nur ein, mein Schatz," rief Konrad röhlich. „Dein Nibelungengold ist in Nichts zer- loffen!"

„Wie soll ich Dich verstehen?"

„Davon ein anderes Mal! Du hattest recht, Glück hat das Nibelungengold auch der Firma Zrottler u. Co. nicht gebracht. Möge es ver- chwuvdeu bleiben für alle Zeiten — wir haben eine Sehnsucht nach dem Gold der Nibelungen."

„Justizrath Quensel hat mir das Depot von dreimalhunderttausend Mark gekündigt — morgen muß ich ihm die Papiere zurückgeben."

„Nach den Bestimmungen des Testamentes muß er das Geld mir aushändigen, damit ich die Legate auszahlen kann."

»Ich — ich--habe — die Papiere nicht

mehr."

Als ob der Kommerzienrath ersticken wollte, so kamen diese wenigen Worte aus der zusammen­gepreßten Kehle des Unglücklichen hervor. Konrad batte diese Wendung der Dinge vorausgesehen. Er war daher durch das Geständniß weniger überrascht, als Onkel Grottler geglaubt haben mochte.

„Wenn Du jene Papiere nicht mehr im Be­sitz hast," entgegnete Konrad, „so kannst Du ja die Summe in anderen Werthen zurückerstatten. Ich werde mit dem Justizrath sprechen."

Grottler stöhnte schmerzhaft auf. „Der Justiz­rath ist verpflichtet, mich dem Staatsanwalt an­zuzeigen, daß ich —daß ich —daß ich mich--

an dem Depot---vergriffen — habe —

Konrad empfand tiefes Mitleid mit dem voll­ständig vernichteten Manne.

„Ich werde Dir eine Quittung geben, daß Du mir persönlich das Geld übermittät hast, so ist ja alles in Ordnung."

„Ja, ja, so ginge es — so ginge es —" murmelte Grottler. „Ich danke Dir — ich danke Dir von Herze». — Mein Gott ich trug nicht allein die Schuld! Die vielen Geschäfte — die Ungunst der Zeiten — der Aufwand, den meine Familie machte."

(Schluß.)

Konrad eilte selbst hinaus, um Onkel Grott­ler in das Zimmrr zu führen.

Du lieber Gott, wie sah der Mann aus! Nur noch ein Schatten des früheren stolzen, selbst­bewußten vornehmen Inhabers der Firma Grott­ler & Co. war dieser alte, hagere, grauköpfige Mann mit gramdurchfurchten Zügen, wirrem Haar und schlotternden Knieen.

„Was ist geschehen, Onkel?" rief Konrad er­schreckt, während Mia dem Kommerzienrath Hut und Schirm abnahm und besorgt und mitleidig in sein gelblich-fahles Antlitz blickte.

Grottler ließ sich erschreckt aufseufzend in einen Teffel fallen, den ihm Konrad hinschob.

„Es istVieles geschehen, Konrad," stöhnte er, »uud es wird noch weüer mehr geschehen, wenn Du mir nicht hilfst."

Durch Konrad's Seele zuckte der Gedanke an die Mahnung des Justizrathes, das Depot von Grottler & Co. zurückzuziehen.

»Du möchtest mich allein sprechen, Onkel?"

Der Kommerzienrath nickte. Leise entfernte sich Mia auf einen Wink des Gatten.

, Grottler erhob sich rasch, erfaßte die Hände femes Neffen und flüsterte mit leiser Stimme: »Du mußt mich retten, Konrad, oder mein Leben, meine Ehre, meine Familie ist verloren."

»Sage nur, wie ich Dich retten kann!"

Deutsche» Keich.

Berlin, den 3. Juli.

*,Der Präsident deS Oberlandesgerichts der Provinz Westfalen Dr. IalK ist von einem Schlaganfall betroffen worden. Sein Zustand hat sich jedoch, wie auS Hamm mitgetheilt wird, gebeffert.

»lieber die deutsche« Krsokge auf der pariser M-tta«ssteKu«g schreibt der,Kon- fektionär': Nachdem die Jury der Pariser Welt­ausstellung ihre Arbeiten beinahe beendet hat und die Mitglieder meist in ihre Heimath zurück­gekehrt find, kann die erfreuliche Mittheilung ge­macht werden, daß die deutsche Industrie mit einem vollkommenen Siege auf der Pariser Weltausstellung abschneidet. Den deutschen Aus­stellern sind nicht allein verhältnißmäßig der Zahl nach die meisten Preise zu Theil geworden, sondern auch die höchsten Auszeichnungen (Grand p ix und Medaille d'or); namentlich haben die Aussteller der deutschen Textil- Jndustrie eine außerordentlich günstige Be- urtheilung und hohe Auszeichnung durch die internationale Jury gefunden.

* Hebet die Lage des Arveitsmarktes schreibt die Berliner Halbmonatsschrift ,Der Arbeitsmarkt' in ihrer Nummer vom 1. Juli, daß die Wirkungen des Umschwunges der Kon­junktur immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt zu Tage treten. Am meisten zeigt sich der Um­schwung im Texcügewerbe. Die Ausfuhr- Verhältnisse für die Erzeugniffe der deutschen Textilindustrie werden ünmer schwieriger; es fehlt vor allem der Absatz nach den Bereinigten Staaten »on Nordamerika. Unter diesen Ber- hältniffen leidet die Lohnbewegung der dentschen Trrtilarbeiterschaft. Die Löhne zeigen sogar bei den männlichen Htoeiietu eise Neigung zum Sinken, bei den weiblichen steigen fie nur sehr langsam. Auch in der gesammten Ziegel- und Cementindustrie war nach dem Berichte deS ArbettsnachweiseS der deutschen Thonindustriellen die Lage des ArbettSmarkteS im Monat Mai weniger günstig als im April. Das Angebot im Mai war größer als im April. Doch über­steigt noch immer die Nachftage daS Angebot. Besonders fühlbar hat sich im Mai wieder der Arbeitermangel in Brandenburg und in einzelnen Theilen der Rheinprovinz gemacht. Große Nachfrage nach Arbeitskräften herrschte auch in Schlesien; doch konnte hier die gesammte Nach­frage durch galizische und russische Arbeitet ge­deckt werden, da in dieser Provinz deren Be­schäftigung mit Genehmigung des Landraths erlaubt ist. Im Steinkohlenbergbau ist die Geschäftslage anhaltend gut. Die Förderungs-

„Beruhige Dich, Onkel. Wenn Du für die Summe Deckung gibst, so ist die Sache nicht so schlimm, und es sollte mich freuen, wenn das Geld der Tante Dir in einer Verlegenheit ge­holfen hätte."

Der Kommerzienrath schloß die Augen und lehnte sich in den Seffel zurück. Seine Brust arbeitete schwer, über die hagere, gelbe Wange rann Thräne auf Thräne herab.

„Ich will Dir alles ersetzen, alles," flüsterte er mit zuckenden Lippen, „aber jetzt kann ich es nicht — jetzt nicht —ich — ich — wäre ruinirt— ruinirt."

Er schlug die Hände vor das Gesicht und schluchzte laut.

Konrad stand in der peinlichsten Verlegenheit. Was sollte er beginnen? Er selbst hätte ja gern auf den Reichthum verzichtet, aber er mußte ziemlich beträchtliche Legate und mehreren Per­sonen kleine Renten auszahlen. Dieses Geld mußte unter allen Umständen herbeigeschafft werden. Offenheit und Klarheit war unter solchen Um­ständen daS Beste. Er erklärte daher Grottler, daß es mit der Rückzahlung des Hauptkapitals keine so große Eile habe, daß er aber für die Legate und die Renten jedenfalls aufkommen müsse.

„Gewiß, gewiß! Du hast recht," schluchzte Grottler. „Und ich hoffe bestimmt, Dir schon in wenigen Tagen die zur Auszahlung der Legate nöthige Summe übergeben zu können. Auch die Renten will ich übernehmen, und ich verspreche Dir, nicht eher zu ruhen und zu rast->n, bis ich