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Fuldaer MJritnnft

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“TSä’ää" mit Nnleryattungs-Neirage „Jllustrirte Sonntags-Zeitung l'

M 147. JulSa, Samstag, den 30. Juni 1900.

27. JahrgMg.

Ge- ein- von Die des

geholfen werde. Ministerpräsident Frhr. v. Crails­heim erwiderte darauf, dieser Plan stehe in gar keinem Zusammenhänge mit den übrigen Kanalprojekten

scheu Roggen und Weizen sank gleichwohl deren Preis mehrfach in den letzten Jahren so tief, daß viele Landwirthe durch denselben die Herstellungskosten, das heißt ihren Unterhalt und die uothwendigen Auslagen an Steuern, Löhnen usw. nicht ganz decken konnten. Würde ein solcher Zustand andauern, so müßte er zur ver­nichtenden Verschuldung der Landwirthe führen; diese würde auch durch Einschränkung des Be­triebes, Ueberanstrengung, Einschränkung in der so wie so schon meist bescheidenen Lebenshaltung der Landwirthe nicht aufzuhalten sein. Der Staat hat deshalb die Pflicht, dem wichtigen Stande der Landwirthe, welcher seinen Bürgern die unentbehrlichsten Nahrungsmittel liefert, zu Hilfe zu kommen, indem er ihm durch Auflage eines den Preisunterschied ausgleichenden Zolles auf die Getreideeinfuhr aus den in günstigeren landwirthschaftlichen Verhältnissen . befindlichen und deshalb das Getreide billiger anbietenden Ländern ebenso schützt, wie er bei der Industrie dies schon thut.

Wie die Verhältniffe heute liegen, haben die bestehenden Handelsverträge der deutschen Land- wirthschaft nicht den genügenden Schutz bieten können, und damit ergibt sich nunmehr die Nothwendigkeit einer Erhöhung der Schutz­zölle. In unserer Landwirthschaft und Thier» zücht steckt ferner eine Menge von Kapitalien, die zum Theil auch der städtischen Bevölkerung gehören und bereit dauernde Entwerthung und womögliche Vernichtung für die gesammte Volks- wirtbschaft ein unberechenbarer Schaden wäre. Um jene Produktivkräfte vor einem Verfalle zu bewahren, wie er in England bereits zu einem großen Theile eingetreten ist, muß das deutsche Volk zeitweilig das Opfer der durch den Schutz­zoll vertheuerten Lebensmittelpreise bringen.

In die Erörterung über die Zweckmäßigkeit eines Schutzzolles für die Erhaltung der Land- winhschaft ist in letzter Zeit namentlich von einer einseitig nur die industriellen Interessen ver­tretenden wirthschastlichen Richtung das Schlag­wort von der Entwicklung Deutschlands zum Industriestaats geworfen worden. Der Agrar­staat trete immer mehr zurück, die Landwirth­schaft leide an einer dauernden Konkurrenz­unfähigkeit, welche jede Erhöhung des Schutz­zolles ohnehin unnütz erscheinen laffe. Die Be­hauptung einer dauernden Konkurrenzunfähigkeit unserer Landwirthschaft ist zunächst einmal uner- wiefen und auch höchst unwahrscheinlich. Bis jetzt roiffen wir nur, daß die jetzige Agrarkrifis hauptsächlich entstanden ist durch das Zusammen­wirken von zwei Momenten, von denen nur das eine, weniger wichtigere, die Ermäßigung der Seefrachten, voraussichtlich dauern wird, während das andere, wesentlichste, die Erschließung jung­fräulicher Länder mit sehr billigen Produktions­kosten, früher oder später einmal vorübergehen muß. Dies wird in dem Maße eintreten, als die nicht Ackerbau treibende Bevölkerung jener Länder zunimmt, andererseits die natürlichen reichen Bodenkräste erschöpft werden und die Anwendung von reichlicheren Betriebsmitteln,

Woche«-Rundschau.

(Nachdruck verbot^».)

X Fulda, 30. Juni.

Die Augen der Welt sind gebannt durch den feuer­speienden chinesischen Drachen. Was man im Anfänge für eine Äufstandsbewegung 'ansah, die nur China und seine Regierung selbst etwas anginge, hat sie sich zu einem förmlichen Kriege Chinas gegen alle Fremden entwickelt. Die Kaiserin-Regentin selbst soll den Befehl gegeben haben, China von allen „fremden Teufeln" zu befreien, und Regierungstruppcn haben sich mit den Boxern vereint, um geineinsam mit ihnen zu brennen und zu morden und alle europäischen Niederlassungen dem Erdboden gleich zu machen. Chinesische Regierungstruppen waren es, die hinter­listig mitten in der Nacht von den Hafenbefestigungen von Taku herab das Feuer auf die europäischen Kriegsschiffe eröffneten, die vor Taku im Hafen lagen, und zwar ein überraschend wirksames Feuer; und großer Anstrengungen und verhältnißmäßig zahlreicher Menschenopfer hat es bedurft, um der Befestigungen «von Taku Herr zu werden. Sieben Mann des deut­schen Kanonenbootes „Iltis" fielen dem chinesischen Feuer zum Opfer; sein Befehlshaber, Kapitän La ns, wurde selbst schwer verwundet, leitete aber trotz seiner 'Verwundung noch selbst den Angriff. Er wurde dafür vom Kaiser mit dem höchsten Tapferkeitsorden aus-

hältnissen die Vermählung nur den Charakter eines Familienfestes haben.

Einen bedauernswerthenVerlust hat das Zaren­reich erlitten: Graf Murawjew, der rastlos thätige Leiter der auswärtigen Angelegenheiten, ist am 21. Juni ganz plötzlich in Folge eines Hirnschlages verschieden. Graf Marawjew war nicht älter als 55 Jahre und erst drei Jahre und ein halbes im Amte. Als er Minister wurde, entstand die falsche Ausstreu­ung, er werde eine Politik verfolgen, die dem deut­schen Reiche nicht günstig sein werde. Aber die Auf­fassung war ganz falsch, wie die Thatsachen sehr bald lehrten. Die Beziehungen zwischen Berlin und Peters­burg gestalteten sich gerade während seiner Amtsthätig- keit recht günstig; und auch das Verhältniß zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn entwickelte sich in demselben angenehmen Sinne, so daß wir allen Grund haben, den Tod des Grafen Murawjew aufrichtig zu bedauern. Die Leitung des auswärtigen Ministeriums ist einstweilen vom Zaren dem Grafen Lams- dorff übertragen worden, dem bisherigen Gehilfen, in Deutschland würde man sagen Unterstaatssekretär, des Grafen Murawjew. Dadurch ist bekundet, daß die russische Politik zunächst in den Bahnen des ver­storbenen Ministers weiter geführt wird.

In Spanien und Portugal hat es Minister­krisen gegeben. Beide Länder haben neue Ministerien bekommen. In Italien steht der greise S a r a c c o an der Spitze des neuen Kabinets. Zu diesem letz­teren gehört wiederum, was uns am meisten interessirt, Visconti-Venosta als Minister des Aeußern, so daß hier ebenso wie in Rußland, Aenderungen in den Grundsätzen der auswärtigen Politik ausgeschlossen sind. Auch sonst wird Herr Saracco kaum etwas an­deres thun, als Herr Pelloux, schon deswegen nicht, weil er nicht gut anders kann. Die neue Kammer hat an diesem Mittwoch ihre Sitzungen wieder aus­genommen.

f Die Erhöhung der landwirth- schastliche« Schutzzölle.

Mit dem Ende des Jahres 1903 laufen die bestehenden Handelsverträge ab, und bei dem Abschluffe neuer Verträge wird es eine wichtige Aufgabe des Reichstages sein, die Erhöhung des Schutzzolles auf lan dwirthschaft- liche Erzeugnisse in'S Auge zu faffen. Der Schutzzoll beträgt zur Zeit für den Doppel- gentner Weizen und Roggen 3,50 Mk., Hafer 2,80 Mk., Gerste 2 Mk. Bei dem großen An­gebot insbesondere von billigem auSländi-

von großem Umfange.

Im Königreiche Sachsen soll mit dem be­vorstehenden 1. Juli eine neue und sehr vortheilhafte Einrichtung eingeführt werden: Die Anstellung von weiblichen Beamten in der Gewerbe-Auf­sicht. Namentlich in Sachsen mit seiner hoch ent­wickelten Industrie ist diese Einrichtung sehr nothwen- dig. Nunmehr besteht sie in Bayern, Württemberg, 93-beit, Hessen, Preußen und Sachsen.

Der österreichische Thronfolger, Erz­herzog Franz Ferdinand, swird sich demnächst mit der Gräfin Sophie Chotek vermählen, die er ehedem kennen lernte, als sie Hofdame der verwittweten Kron­prinzessin Stephanie, der nunmehrigen Gräfin Lonyay war. Aber der Erzherzog muß in der Gestalt einer besonderen Eidesleistung geloben, daß er, wenn er in Zukunft zur Thronfolge gelangt, niemals seiner mahlin den Rang und die Rechte einer Kaiserin räumen und niemals seinen Kindern die Rechte Mitgliedern des kaiserlichen Hauses geben wird. Vermählung soll alsdann in den ersten Tagen ... nächsten Monats stattfinden. Kaiser Franz Joseph hat sich lange dagegen gesträubt, seine Einwilligung dazu zu geben; so lange, daß man schließlich glaubte, es werde gar nichts aus der Heirath werden. Durch welche Gründe er sich nachträglich zu dec Ertheilung der Einwilligung bestimmen ließ, ist nicht zuverlässig bekannt. Natürlich kann unter den obwaltenden Ver-

Gottesdienstordtmng in Fulda.

Sonntag, 1. Juli. Dom. Fest der Anbetung Jesu im allerheüigsten Sakrament. Bon 5 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends Aussetzung deS Allerheiligsten zur Anbetung. 5, 6, 6*/» und 7Uhr heil. Messen, während der 6 Uhr-Meffe Kommunion der christenleyrpfl. Jüng­linge, 9 Uhr Hochamt und Predigt, 10—11 Uhr erste FrohnletchnamS-Bndacht, 11—12 Uhr zweite Frohnleich- namS-Andacht, 12—1 Uhr hl. Messe und dritte Frohn- leichnamS-Andacht, 1—2 Uhr Krone Christi, 2 -3 Uhr. feiert Besper, 9 4 ugr vierte FrohulkichNams-r^y- dacht, 4—6 Uhr fünfte Frohnleichnams-Andacht, 6—6 Uhr Andacht von her Todesangst Jesu. 6 Uhr feiert. Schlußandacht. Wenn die Betstunden mit den angegebene«' FrohNlr,chnamS-Andachten nicht ausgefüllt werden, so wird während der übrigen Zeit der Rosenkranz gebetet, abwechselnd mit entsprechenden Gesängen. — Atadtpfarr- ktrche. 6 Uhr heil. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christenlehrpst. Jünglinge, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9*/i Uhr Amt und Predigt, 11 und l‘/i Uhr Christenlehre, .8 Uhr Rosenkranzbruderschatt, — Micharlskirchr. 10 Uhr hl. Messe. - Pfarrkirche rum hl. «eiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Lraurndrrg. Feier des Titularfestes für die Marianische Bruderschaft. 5 und 6 Uhr hl Messen, ‘/.8 Uhr hl. Messe für die Bruderschaft mit gemeinsamer Kommunion der Bruder­schafts-Mitglieder, */i9 Uhr Hochamt und Predigt, 2 Uhr Predigt und Andacht mit Umgang für die Marianische Bruderschaft, nachher Neuwahl des Bor» standes der Bruderschaft.

Von der sozialdemokratischen Seite werden nun zwar unsere Industriearbeiter ein­seitig auf die Nachtheile einer durch die Schutz­zollerhöhung herbeigeführten „Brodoertheuerung" hingewiesen. Dabei sollten die Industriearbeiter aber folgendes beachten: Werden die Getreide­zölle nicht erhöht, bezahlen demnach die Arbeiter ihr Brod einstweilen nicht theurer wie früher, geht aber andererseits infolge der Nichtgewährung eines höheren Schutzzolles die Landwirthschaft immer mehr zurück, so büßt sie an Kaufkraft ein, stößt immer mehr die Arbeiter in die In­dustrie ab und drückt hier die allgemeinen Löhne. Wird da der Nachtheil verschlechterter Arbeits­bedingungen nicht weit größer fein, als eine geringe Erhöhung der Brodpreise? Und ferner, mit demselben Rechte, mit welchem unsere Industriearbeiter gute Löhne verlangen zu einer auskömmlichen Existenz, dürfen zu dem gleichen Zwecke die Landwirthe anständige Preise für ihre Erzeugniffe fordern.

Was nun dieHöhe der Schutzzölle anbelangt, so ist deren Festsetzung sehr schwierig und wird unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände den Verhandlungen zwischen der Regierung mit den anderen Staaten einerseits und mit den be­rufenen Vertretern im Reichstage anderseits zu überlasten sein. Bor Allem sollte man sich auch wieder vor allzu einseitiger Jntereffenpolitik zu Gunsten der Landwirthschaft hüten, da. z. B. die fremdes Getreide einführenden Staaten, mit denen die Handelsverträge zu erneuern sind, für eine Heraufsetzung der Getreidezölle von unserer Seite eine Herabsetzung unserer industriellen Schutzzölle für ihre Maaren verlangen oder ihre industriellen Schutzzölle dafür erhöhen und damit den Absatz unserer Jndustrieerzeugniffe im Auslande er­schweren werden. Selbstverständlich darf eine Erhöhung der Schutzzölle auck nie die Landwirthe abhalten, speziell durch Berbksterung der Betriebs­mittel, Einführung rationeller Betriebsarten, kurz, durch Verbefferung ihrer Wirthschaftsführung und Anwendung aller Mittel der genoffenschaftliche» Selbsthilfe ihre Leistungsfähigkeit zu heben, wie dieselbe Forderung mit Recht auch an die unter der Konkurrenz der Industrie vielfach leidenden Handwerker gestellt wird.

Eher könnte die portugiesische Politik durch den Mlmsterwechsel eine andere F'.:be bekommen. Dort ist Hintze-Nibeiro von der Partei der Regenera- dores (Reformer) an die Stelle von Luciano de Castro von der Fortschrittspartei als Ministerpräsident ge­treten. Aber gar so sehr unterscheiden sich auch diese beiden Parteien nicht von einander; im November des letzten Jahres machten sie sogar gemeinsam ihre Kammerwahlen. Portugal ist weit, und uns Deutschen kann es ziemlich gleichgiltig fein, wer dort an der Spitze der Geschäfte steht.

Die spanische Regierung hat zu einem äußersten Mittel gegriffen, um wieder Ordnung im Lande zu schaffen: sie hat, zunächst für die Hauptstadt Madrid die konstitutionellen Garantien aufgehoben. Das bedeutet etwa so viel, als wenn bei uns der sog. Belagerungszustand über eine Stadt verhängt würde. Die Regierung kann nach Belieben Versammlungen verbieten und Vereine auflösen; gleichzeitig ist sämmt- nchen Zeitungen anbefohlen worden, sich jeglicher s^stik von Regierungsmaßnahmen zu enthalten. Ob dieses Zwangsnifttel dauernd helfen wird, bleibt ab­zuwarten.

hi»r $8D9r?emr ® u r e n * r i e 8 e hört man nicht mehr viel. Aber lewer ficht es mit den Aussichten der Buren von emer Woche zur anderen schlechter, obwohl ber m, den Herzen der Kämpfenden noch

ungeschwacht fortlebt. Eine Zeit wird der Klein­krieg noch dauern. Wie lange noch? - Das ist nur die Frage! '

gezeichnet, dem Orden „Pour le merite“ — „für das Verdienst". Die Hafenstadt Tientsin ist umlagert von chinesischen Truppen, deren Stärke auf 10,000 bis 15,000 angegeben wird, und nur mit größter Mühe können die Europäer sich gegen die mörderischen Angriffe behaupten — „die Chinesen kämpfen wie die Bestien", berichtete eine Depesche vom 24. Juni. Und was weiter im Innern, namentlich in der Hauptstadt Peking vor geht und vorgegangen ist, ist in den dich­ten Schleier des Geheimnisses gehüllt. Die Schreckens­botschaft, alle europäischen Gesandtschaften seien zer­stört, die Gesandten, namentlich der deutsche Gesandte Freiherr von Ketteler, ermordet worden, wurde von Der chinesischen Botschaft in Berlin als unrichtig be- zcichnet. Dieselbe hat am Abend des letzten Sonntag aus Shanghai die Meldung erhalten, alle Gesandt­schaften in Peking seien unversehrt und alle Gesandten wohlbehalten. Aber warum fehlen alle unmittelbaren Nachrichten von den Gesandtschaften selbst? Die tele­graphische Verbindung zwischen Peking und der Küste ist zerstört, ebenso wie die Eisenbahn. Aber wie kommt es, daß noch kein einziger Bote von Peking her den Weg bis an die Küste fand? Trotz aller Be- ruhigungsversuche der chinesischen Botschaft in Berlin ist die Lage äußerst beunruhigend. Nur Eins steht fest: nicht alle Chinesen wollen die wüste Bluthetze gegen die Europäer mitmachen, und mehrere Leiter chinesischer Provinzen geben sich aufrichtige Mühe, Leben und Eigenthum der Fremden zu beschützen. Es ist nur die Frage, ob sie mit ihrem lobenswerthem Bemühen auch Erfolg haben werden. Daß die Be­wegung noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, ist ebenso gewiß; und es klang geradezu läppisch, als in diesen Tagen berichtet wurde, der angeblich von der Kaiserin zum diplomatischen Vermittler ausersehene Vizekönig Li-Hung-Tschaug wolle bewirken, daß tue Mächte keine weiteren Truvpen mehr nach China fsMden. Nur die allerstrengste Energie kann im Gcgen- theil hier helfen; und daß diese Anschauung auch in ganz Deutschland vorherrscht, beweisen die überaus zahlreichen Meldungen von Freiwilligen zum "Kriegsbtenfte in China. Diese Melbunoen sinb tn. Sübbcutschlanb, namentlich in Bayern, ebenso zahl­reich ausgefallen wie in Norbbeutschland, so daß allent- Halden nur der kleinste Theil berücksichtigt werden rann. Und auch alle Staaten nehmen an den Maß­regeln in China theil: sogar Spanien ist ent- schloffen, sich daran zu betheiligen. Diesen Rüstungen muß China sich beugen, mag es nun wollen ober -nicht. Aber bis alle bie europäischen Truppen in Thma wirkungsvoll werben ;;,;ainfcn rönnen, kann dE«/WH unav;ehbarös Unheil angerichtet werben.

Bei uns in Deutschlanb find Vit chinesischen Wirren nicht ohne Wirkung geblieben: ütt deck »orfen hat man ihren Einfluß in recht unwillkom­mener Weise gespürt. Das mag aber wohl weniger Ein seinen Grunb haben, baß bie Vorgänge in u"c tatsächlich schon jetzt unser wirth- schaftliches Leben beeinflussen, als barin, daß es an den Börsen immer Leute gibt, die alle solche Vor- vommmffe dazu ausnützen, um auf den Stand der Papiere in ihrem besonderen Sinne einzuwirken. Nach der Ueberwlndung des ersten Schreckens haben sich die Börsen wieder beruhigt. Immerhin kann man nur M "cht vorsichtig zu sein, und nament­

lich trifft dies zu auf Besitzer von deutschenBerq- werkspapleren. Wer weiß, ob die Bergwerks- mcht unversehens in der nächsien Zeit einen neuen Stoß erhalten!

$ie bayerische Abgeordnetenkammer hatte am Ende der letzten Woche eine interessante Auseinandersetzung über die auch in Bayern auf der Tagesordttung stehende K a n a l f r a g e. ES handelt sich dabe, um eine Nachtragsforderung für die Errich­tung eme8 Projektirungsbureaus für die K a n a l i s i» rung des Mains bis Aschaffenburg. Diese Forderung selbst wurde mit großer Mehrheit angenom­men. Aber mehrere Redner, darunter namentlich der Lentrumsabgeordnete Dr. Heim, verwahrten sich sehr entschieden dagegen, daß nicht etwa mit diesem emen Plane weiteren, großen Projeften auf die Beine

Vermischtes.

+ „Wade itt Hermanq", diese vorgeschriebene Bezeichnung für alle auS Deutschland in England ein- geführten Artikel sollte nach Anschauung der dünkel­haften Engländer eigentlich identisch mit minderwerthig fein, da man eS nicht für möglich hielt, daß die Qualität englischer Waaren durch deutsche erreicht werden könnte. Bekanntlich hat aber das „Made in Germany" nicht nur dem Händler, sondern auch dem großen Publikum klar gemacht, daß deutsche Waaren den englischen nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen sind, und die deutsche Industrie kann einen Triumph mehr verzeichnen, da nunmehr festgestellt ist, daß die Engländer — doch nur in betrügerischer Absicht — ihre eigenen Waaren mit „Made in Germany" bezeichnen. So wurde kürz­lich wieder, wie wir einer MMKeilung des Patent- und technischen Bureaus von Richard LäderS in Görlitz ent­nehmen, eine mit der Bezeichnung „Made in Germany" versehene Schüssel für photographische Zwecke alS eng­lisches Fabrikat erkannt. Ja, eine Londoner Firma hat ein kleines Museum von in England hergestellten Artikeln zusammengebracht, die sämmtlich die Bezeichnung der deutschen Herkunft tragen! O du „stolzes" Albion!

• Der zarte Ehegatte. Müller macht mit seiner Gattin Therese eine Kahnfahrt auf dem See. AuS Unvorsichtigkeit fällt seine Frau über Bord unb Jd^ett ämmerlich um Hilfe. Müller (der nicht schwimmen kann): „Theres, totrf 2cincn"riHantrinn'rauf."

' „Man hört Sie ja gar nicht mehr

singen, Fräulein Emma!" — „Der Arzt hat's mir streng untersagt!" — „Der wohnt wohl in Ihrer Nachbarschaft?"

1 Dünger rc. erfordern. Durch einen angemeffenen ‘ Schutzzoll wird dieser Vorsprung der ausländi- : scheu Getreideprodunion annähernd wieder aus- , geglichen unb so die deutsche Landwirthschaft wieder rentabel gemacht werden. Ist diese Rentabilität der Landwirthschaft, s^vie ihre Aus­bildung und Erhaltung iiq^Jntereffe 9e< fammten Bevölkerung, namentlich bei unseres steigenden Konsum erforderlich und durch einen Schutzzoll erreichbar, so steht auch einer Erhöhung desselben vom Standpunkte der Handelspolitik ein Bedenken nicht im Wege.

Die Erhaltung eines gesunden kaufkräftigen Bauernstandes liegt nämlich auch im Jntereffe der anderen Erwerbsstände. Ist eS den Land- wirthen nicht möglich, solche Preise für die Er- zenaniffe ihres Grund und Bodens zu erhalten, I daß sie mit ihrer Familie von ihnen standes- leben und die nöthigen Anschaffungen für die Beftisbigitstg ihr» ^dürfniffe machen können, so hat von diesem Mangel an hCL’ftraft gerade der Handwerker, klernerr und mittlere Kaufmannsstand den größten Schaden. Namentlich gilt dies für den Kal'smannsstand in den kleineren Städten, der das landwirthfchafrliche Hinterland besonders ange­wiesen ist und dem an der Erhaltung der Zahlungsfähigkeit der Landwirthe gelegen fein muß. DaS gleiche trifft für das Handwerk zu, von dem die eine Hälfte schon jetzt auf dem Lande wohnt, die andere Hälfte zahlreiche Land­wirthe zu Kunden hat. In demselben Maße haben zuletzt auch die JndustriearbeiterdaS Jntereffe daran, daß dis zahlreiche landwirth- fchaftliche Bevölkerung auch ferner ein kauf­kräftiges Publikum für die Judustrieartikel bietet, zumal dieser ausländische Markt der Industrie gesichert ist, während der ausländsche heute schon vielfach bedroht erscheint.