Einzelbild herunterladen
 

ItlbiKl'

M 147.

Der Krieg in Südafrika.

Deutsches Keich

von Oesterreich, Erzherzog Franz F-rdin°"nd: | ab7r'Aen^

26

ff

Und nun endlich kommt wieder eine lustige Seite der ernsten Sache: wie groß ist denn eigent­lich der sogenannte polnische Nationalschatz schon ? Gerade in diesen Tagen ist ein Rechenschafts­bericht darüber in der polnischen Presse erschienen und aus diesem Rechenschaftsberichte ersteht man, daß der Schatz im ganzen genommen sich auf -- 20000 0 Franken oder 160000 wtar? beläuft. Da ist es nun wieder einmal sehr schwer, keine Spötterei damit zu treiben. Das kleine Sümmchen von 160000 M. soll eine | Gefahr bilden für den preußischen Staat--

| dreimal wehe über den armen Staat, der schon so erbärmlich dasteht, daß ein Fonds von 160,000 Mark m den Händen seiner Gegner ihn mit Ge­fahren für sein Bestehen bedroht! Ein solches Armuthszeugniß hätte man dem preußischen Staate lieber nicht ausstellen sollen. Denn dem Staate und seinem Ansehen nützt das nichts: die Polen aber werden durch eine solche Politik der Kleinlichkeiten immer mehr verbittert und auf­geregt und gewaltsam immer mehr von der Neigung abgedrängt, mit der Zeit gute Preußen und aufrichtig gute Reichsbürger zu werden.

I Mia stand sprachlos da. Als ihr Konrad den Zusammenhang erklärte, fiel ste dem Gatten um den Hals und weinte heiße und doch glück- liche Thränen.

Am anderen Tage fand die feierliche Er- öffnung des Testamentes der Tante Konradine statt. Die Verwandten versammelten sich, wie es die Verstorbene bestimmt hatte, in dem großen Salon, der früheren Wohnung der Tante.

Außerdem waren noch, nach den Bestimmungen der Verstorbenen, verschiedene Bewohner des Gulenthurmes zugegen; Kathrine und mehrere alte hinfällige Greise und Greisinnen, langjährige Be­wohner des Hauses. Auch Anton Ruland hätte

Uhle und seiner jungen Frau den Willkommen- 0:unk. Der Stadtphysikus Doktor Witte hielt die Begrüßungsrede und der Pianofortefabrikant Holz­weg bearbeitete oben in dem Staatszimmer der seligen Tante Konradine den uralten Flügel sammt der Janitscharenmusik, zu welcher infernalischen Musik die Kinder der Eulenthurmbewohner ein fröhliches Lied sangen.

Mia weinte vor Freude und Rührung, Kon­rad hielt sich lachend die Ohren zu.

Die größte Ueberraschung aber harrte der jungen Frau in dem Schlafzimmer der seligen Tante, welches jetzt ihr eigenes Schlafzimmer werden sollte. Das große Bett mit dem goldenen Engel und den seidenen Vorhängen und den blüthenweißen Kiffen stand noch am alten Platze. Aber auf den Tischen und an den Wänden stan­den, lagen und hingen all die kleinen Malereien und Arbeiten, welche Mias kunstreiche Hand ge­schaffen und die von der seligen Tante insgeheim aufgekaust waren.

Das Urtheil in dem polnischen Hochverraths- Vrozeffe, der wahrend der letzten Tage vor dem Reichsgerichte in Leipzig verhandelt wurde, ist nunmehr gefallen:- der Redakteur Witbold Leitgeber ist unter Anrechnung von drei Monaten Untersuchungshaft zu einem Jahre Festungshaft verurtheilt worden; die anderen beiden Angeklagten, Kolenda und Melerowicz, ein Schneider und ein Buchdrucker, wurden frei gesprochen. Der gegen ste auftretende Hauptbelastungszeuge wurde als unglaubwürdig erachtet; und wenn man nunmehr, nach beendeter Verhandlung, die Thatsachen kennen lernt, die gegen die beiden letztgenannten Leute Vorlagen, kann man sich unmöglich des Lächelns erwehren. Kolenda und Melerowicz nämlich sollten nach der gegen sie erhobenen Anklage ein hochver- rätherisches Unternehmen dadurch gefördert I haben, daß ste Propaganda machten für den polnischen Nationalschatz in Rapperswyl in der Schweiz in einem polnischen Verein in Dort­mund, und daß ste für diesen sogen. Nationalschatz $a«?en zwei — spreche und schreibe zwei Mark! — aufbrachten . . . Zittere, Preußen!

Dieser Nationalschatz spielte auch die Haupt­rolle in der Anklage gegen Witbold Leitgeb er. Wenige Leute werden wiffrn, was für eine Be­wand tri iß es damit hat. In Rapperswyl in der Schweiz besteht bekanntlich seit längerer Zeit ein polnisches Nationalmuseum; und nun ist mit dieser Einrichtung in jüngeren Jahren ein sogenannter polnischer Nationalschatz verbunden worden. Herr Lettgeber suchte durch Schrift und Wort bei seinen polnischen Landsleuten Stimmung zu machen für diese polnischen Einrichtungen in Rapperswyl, und da» wurde ihm zum Verbrechen angerechnet; nämlich von dem Gesichtspunkte aus, daß der angesammelte Nationalschatz den Zweck habe, die Wiederherstellung eines polnischen Reiches unter Losreißung der ehemals polnischen Gebiete des preußischen Staates von diesem letztern oorzube- reiten. Herr Leitgeber bestritt durchaus, daß der Nationalschatz diesen Zweck habe. Nach seiner Angabe soll sein Zweck nur in der friedlichen Wahrung und Stärkung der polnischen Nationa­lität bestehen; aber das Reichsgericht hat ihm nicht geglaubt, sondern angenommen, es handele sich um Pläne zur Wiederherstellung der Unab­hängigkeit Polens und gleichzeitig also um Los- reißung von Landestheilen vom preußischen Staate. Deswegen ist Herr Leirgeber verurtheilt worden.

W-r Polen wieder herstellen will als selb­ständiges Reich, muß, um seine Absicht auszu­führen, sich gleichzeitig auf den Kriegspsad be­geben gegen Deutschland, Rußland und Oesterreich. Ec müßte dann ungefähr sämmt- ltche anderen Staaten Europas und Amerikas als Bundesgenossen haben, um für dieses wunder­liche Unterfangen auch nur eine Spur von Aus- 1 sicht auf Erfola zu gewinnen. Alle solche Dinge gehören also vollkommen in das Reich der Fabeln !

Die guten Leute waren im allgemeinen der- lelben Ansicht, besonders alle die „honetten" Leute, die nicht begreifen konnten, wie man dreimal- hunderttausend Mark für die treue Liebe eines Mädchens eintauschen konnte. Mia Ruland ge­bürte doch nun einmal nicht zur Gesellschaft, ihr Vater war ein Trunkenbold gewesen, und sie selbst hatte sich den Lebensunterhalt durch Malerei und Handarbeit mühsam genug erworben. Professor Rönneberg meinte sogar, daß sich sein Jugend- freund durch diese Heirath selbst aus der Liste der Gesellschaft gestrichen habe, was Julchen Mitten- Weig indessen auf das Entschiedenste bestritt, sulchen Mittenzweig war überhaupt fast die Einzige, welche Partei für das junge Ehepaar nahm.

Sehr entrüstet zeigten sich die Grottlers, die inzwischen von Norderney zurückgekehrt waren. In­dessen mischte sich bei ihnen doch in das Gefühl der Entrüstung eine gewisse Schadenfreude, daß Konrad nunmehr das bare Erbtheil der Tante verloren habe.

»Es ist am Ende am besten", meinte Frau Kommerzienrath, „daß alles so gekommen ist. Du, Olga, hättest doch nicht recht zu Konrad gepaßt. Tröste Dich. Mit dem Vermögen der Tante wirst Du eine weit bessere Partie machen."

Olga vergoß einige Thränen der Enttäuschung, denn sie hatte Vetter Konrad in der That gern gehabt. Als aber, ein neuernannter Regierung«-1

DnmMrmMIch: «ha Ht Xebattiw Jot 35eae. für natt 3. Parzelle, tw SnUxu

Berlin, den 29. Juni.

* Die ,Voff. Ztg.' hat von einer „gewöhnlich gut unterrichteten" Seite die Nachricht erhalten daß der Minister der öffentlichen Arbeiten Herr v.Wieke»sein Abschiedsgesuch eingereicht habe. Herr v. Thielen habe das Mißfallen des Kaiers erregt sowohl wegen seiner Haltung bei einzelnen Straßenbahnausständen als wegen seiner Rede bei der Eröffnung des Elbe-Traoekanals. Der Minister habe einstweilen einen längeren Urlaub erhalten, von dem er nicht mehr in fern Amt »urückkehren werde. Wir geben, so be-

assessor, der sogar einen adeligen Namen trug, sich sehr um ihre Gunst bemühte, vergaß sie den treu­losen Vetter sehr bald.

Der Kommerzienrath fragte den Notar Ouensel fast leben Tag, ob er das Testament der Tante Konradine noch nicht eröffnen wolle. Der Justtz- rath lächelte indessen geheimnißvoll und meinte, man müsse die Rückkehr des jungen Paares ab- warten, da Fräulein Konradine Uhle bestimmt hatte, daß alle Verwandten bei der Eröffnung des ^stamentes gegenwärtig sein sollten.

Wie aber jeder Tag im Jahre kommt, so auch ”.e,r bet Rückkehr des neuvermählten Paares. Cm festlicher Empfang wurde ihm durch die Be- wohner des Eulenthurmes bereitet. Die große Eule über dem Haupteingang war neu vergoldet worden, ebenso der alte Spruch auf dem so selt­sam verschlungenen Bande. Hausflur, Treppen, I ^^rbn und Fenster waren mit Blumenguirlanden i geschmückt und die Bewohner unter Führung des alten Justizrathes standen in feiertäglichem Ge- wande auf dem breiten Flur zum Empfange bereit. Die Materialwaarenladen und das Eulennest strahlten im Hellen Kerzenlicht. Kathrine hatte ihre schönste, weißeste Spitzenhaube aufgesetzt und ! Herr Friedrich Wilhelm Neitemayer, sowie der Besitzer des Materialwaarenladens hatten sich reine weiße Schürzen umgebunden. Auch die Stamm­gäste des Eulennestes waren fast vollzählich unter der Anführung des dicken Pianofortefabrikanten Holzweg und des Stadtphysikus Doktor Witte ver­sammelt.

Tas war ein fröhlicher Tumult, wie ihn der alte Eulenthurm feit langen, langen Jahren nicht erlebt hatte! Herr Nettemayer überreichte Konrad I

s*atf mrö Verlag bei «htfbaei XetieubnäaH Ptkweagt Hv. r (Baratottit).

V - ---- -----11 » uv'.vtlV«, »VUICH

°arm einig, daß der Staat den Arbeitern Pen­sion zustchern müffe. Nur über die Altersgrenze waren verschiedene Ansichten vertreten. Man einigte sich schließlich dahin, die Arbeitszeit auf 35 Jahre festzusetzen.

* Sam, 29. Juni. Die Deputirtenkammer hat gestern den Regierungskandidaten Villa zu ihrem Präsidenten gewählt. Heute nahm die Kammer mit 276 gegen 74 Stimmen das provisorische Budget für einen Monat an und beschloß über den Entwurf der neuen Geschäfts­ordnung am Sonntag zu berathen. Die Sitzung wurde sodann aufgehoben.

. ®^ttets6wca, 29. Juni. Der Zar wird Anfang September zum Besuch der Welt­ausstellung nach Paris reisen und wahrscheinlich dem holländischen Hofe einen Besuch ab-

I ln das Gebiet von Phantastereien, mit denen nur solche Köpfe sich im Ernste einmal befaffen kön­nen, die überreizt find durch Schwärmerei; und schon deswegen sollte man es verschmähen, die hochnothpeinliche Klage des Hochverrathes zu er­heben und durchzufechten gegen Leute, die von solchen Schwärmereien sich vorübergehend einmal das Hirn verwirren lassen. Es ist keine vor­nehme Politik, aus solchen Leuten Märtyrer der modernen Justiz zu machen.

Nun aber hat Herr Witbold Leitgeber sicherlich an eine Wiederherstellung des alten Polenreiches im Ernste gar nicht gedacht. Herr Leitgeber ist ein Sohn her Zeit, der mitten im I praktischen und politischen Leben steht, und er kann 1° gar nicht an die Möglichkeit glauben, das alte Polenreich in seiner Unabhängigkeit wiederherzu- stellen. Außerdem hat Herr Leitgeber das noch ausdrücklich und feierlich versichert, und man sieht nicht ein, welche Gründe seine Ankläger und Richter dazu gebracht haben, ihm keinen Glauben zu schenken. Es wird berichtet, eine von Herrn Leit­geber verfaßte Schrift hätte das hauptsächlich be­wirkt. Wenn Herr Leitgeber den Plan verfolgt, ftrr die Wiederherstellung eines unabhängigen Polenreiches thätig zu sein, sollte er das wirklich in der Gestalt von öffentlich vertriebenen Schriften thun? Das zu glauben sollte man Niemandem zumuthen.

Im Kulmtßurme.

Roman von O. Elster.

----— (Nachdruck verboten.)

: zugegen sein sollen, der Tod hatte ihn jedoch vor­her abberufen. Seine Stelle nahm seine Tochter Mia, jetzt Frau Hauptmann Uhle ein.

Die Grottlers zeigten eine sehr würdevolle Haltung. Sie waren in Schwarz erschienen, gegen welche düstere Farbe die bunte Uniform Vetter Erichs um so greller abstach. Ihre Mienen zeigten Stolz, Würde und refignirte Fassung. Gegen die junge Frau waren sie von einer vor­nehmen Freundlichkeit, die aus Herablassung und Zurückhaltung zusammengesetzt war, sodaß Kon- rad Uhles Herz in heftigem Zorn gegen diese „lieben" Verwandten üb rzuschäumen drohte. Nur das sanfte Lächeln Mias hielt ihn in den noth- wendigen Schranken der Ruhe.

Justizrath Quensel zeigte den Anwesenden die unversehrten Siegel des Testamentes, welche er dann erbrach. Langsam faltete er das Schrift- stück auseinander, welches die zierliche, aber sehr deutliche Handschrift der Verstorbenen zeigte.

Dann begann er zu lesen.

Nach den üblichen Formalitäten hieß es in rem Testament wörtlich:

„Die Welt und vor allem meine Anver­wandten werden sich über die Theilnahme ge­wundert haben welche ich dem genialen, aber unglücklichen Maler Anton Ruland, sowie dessen Tochter Mia erzeigt habe. Sie würden sich noch mehr wundern, wenn sie den Inhalt dieses Testamentes erführen, ohne zu wissen, welche geheime Bande mich mit Anton Ruland ver- knüpfen. Es mag daher, bevor ich an die For- mulirung meines letzten Willens gehe, des Räth- fels Lösung hier gegeben werden." (F. f.)

rnftraierDieei» spslt. Garmond Seile oder deren Raum 15 Pf., Re- flamen die Petit jeW 25 Pf.; bei Wiederholungen wirdeutsprecheur. Rabatt gewährt.

mit Nnterhakümgs-Aeikage „Ilkuflrirte Sonntags-Aeilung"

Iutöa, Samstag, den 30. Juni 1900.

ürfcheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

-»«ugeprei» ohne Bringerlohn m,d Bestellgeld m Fulda und aus- »ärtSlM.50Pf.

See®™

öffentlichen arbeiten nnd dem gnta^ M »t"'9™ W”6"

ßPMGWM-LMM Gattin des Herrn Ministers Ent flErtnona tx«« & n < ’ 3utii. Der internationale

Urlaub; und deswegen ist an die Vollziehung eines Ministcrwechsels in der allernächsten Zeit nicht zu dicken. Der Minister der öffentlichen Arbeiten ist am 30. Januar 1832 geboren; seit 1. Dezember 1881 war er Präsident der Eisen- bahndireknon Elberfeld, seit 1. November 1887 der Direktion zu Hannover, bis er am 20. Juni 1891 in das Ministerium berufen wurde.

d ^rrnz vorr ArenSerg, ehedem Leutnant der Schutzttuppe in Südmestufrika, hat sich zwei Monate lang in der militärischen Arrest-Anstalt j am Tempelhofer Felde in Berlin befunden und soll letzt, wie berichtet wird, zum zweiten Male verurtheilt worden sein, nachdem das erste Urtheil aufgehoben worden war. Seit etwa 10 Tagen utlll „ 1 er » Berlin, so daß anzunehmen statten.

ist, er habe seine Strafe bereits engetreten. Das urtheil selbst entzieht sich leider in Folge des noch immer geheimnißvollen Waltens der preußischen Änltö M M jetzt Mannt, daß

bracht worden ist. ’ ** " alle seine Truppen in Südafrika noch seh?

* Bekanntlich ist vor kurzer Zeit in der vreußi- antwortete auf eine Anfrage

schen Armee die Chargen der Hverzaykmeifier ? er,Ä Gruppen aus

neu geschaffen. Nunmehr sind mehr als200Zahl- \ulbnefÄia?n«$ K'in Ä* ! T M S den Än »ÄÄÄ

Mitglieder der konservativen, der nationalliberalen ah Flandern gebracht

und her Centrumspartei aus der Rbeinnsöl!verzeichnet 33245 Mann an Todten, Ver-

Ä ÄfÄit F’ ~

StitUertaM Mragen ' fangen wart®., 800 Mann an labten nnb Ä.

_________________1 mundeten und gegen 5000 Cioilfreiwillige

-— I (Kimberley und Mafeking wurden sehr wesent- A«sla«d. I Uch durch sie vertheidigt), Troßknechte, Treiber

* -281 3unt Der Thronfolger Gepflogenheit al^Kcieger nich?berechnet werän^