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M 146.
JuLöa, Donnerstag, den 28. Juni 1900.
27. Jahrgang.
Wegen des Feiertags Peter nnd Pa« wird die nächste Nnmmer «nseres Blattes erst am Samstag ansgegebeu.
+ Der Vertragsbruch ländlicher Arbeiter
ist in Preußen bereits strafbar, und zwar nach einem Gesetze vom 24. April 1854. Das wird vielfach vergessen bei der Besprechung dieser für die Landwirthschaft unter den heutigen leidigen Verhältniffen wichtigen Frage. In Anhalt und Reuß bestand eine solche Bestimmung noch gar nicht; deswegen ist fie dort in die entsprechenden neuen Gesetze ausgenommen worden. Daß derartige Bestimmungen den Anschauungen der Volksmehrheit entsprechen, hat die Besprechung der Interpellation bewiesen, die die Sozialdemokraten noch zuletzt im Reichstage einbrachten; denn außer den Herren Genoffen selbst hat keiner der Redner etwas daran auszusetzen gefunden, daß Anhalt und Reuß solche Strafbestimmungen einführen. Nur das in Lübeck erlassene Verbot des Streikpostenstehens wurde im Reichstage getadelt. Ebenso ist im preußischen Abgeordnetenhaus« diese Angelegenheit besprochen worden, ohne daß grundsätzlicher Widerspruch gegen eine Bestrafung des Kontraktbruches ländlicher Arbeiter erhoben worden wäre. Nur etwas ist dabei immer zu bedenken: die Bestrafung der kontraktbrüchigen Landarbeiter selbst darf nicht zu hart und darf auch nicht die Hauptsache sein in einer solchen Gesetzgebung. Und in diesem Sinne sind auch die entsprechenden neuen Gesetze in Anhalt und Reuß j. L. abgefaßt. Die Verleitung zum Kontraktbruche und die anderweit« Beschäftigung kontraktbrüchiger Arbeiter durch Unternehm e r, die w i s s e n, daß sie es mit kontraktbrüchigen Leuten zu thun haben, sind die Handlungen, die von jenen Gesetzen hauptsächlich mit Strafe bedroht werden; und ebenso äußerten sich die meisten Redner im preußischen Abgeordnetenhaus«, die über diese Frage sprachen, daß man diesen beiden Dingen hauptsächlich zu Leibe gehen müffe, wenn man auf diesem Gebiete Strafbestimmungen schaffen wolle. Darauf wird neuerdings richtig in einer halbamtlichen Berliner Darlegung aufmerksam gemacht. Gleichzestig aber klingen diese Ausführungen so, als wolle man in den Kreisen der preußischen Regierung grundsätzlich gar nichts wiffen von der Bestrafung des Kontraktbruches ländlicher Arbeiter; und wenn das so gemeint ist, dann befindet sich der Herr Offiziosus sicherlich auf dem Holzwege. Einem landwirth. schaftlichen Unternehmer kann dadurch schwerster Schaden zugefügt werden, daß Arbeiter ihn unversehens und gegen die von ihnen eingegangene Verpflichtung im Stiche lassen; man denke nur an die Zeit während der Ernte. Wenn nun Arbeiter daS dennoch thun, obwohl fie ganz genau wissen, daß der Unternehmer dadurch bitter geschädigt werden kann, so ist das unbedingt eine Handlungsweise, die unrecht ist und darum Strafe verdient. Nachdrücklichst muß man den Arbeiter vertheidigen gegen jedwede ungerechte Ausbeutung und schlechte Behandlung durch den Unternehmer. Aber man darf nie vergessen, daß
Im Kutentyurme.
Roman von O. Elster.
25 ------- (Nachdruck verboten.)
Mia wandte sich ab und weinte leise vor sich bin.
lieber Konrads Antlitz ging ein seltsames Zucken und Zittern. In diesem Augenblicke hatte das Gesicht des Hauptmannes außer Dienst und Schlachtenmalers eine verzweifelte Aehnlichkeit mit dem des Justizrathes, das halb lachen und halb weinen konnte.
„Olga Grottler soll ich heirathen? Und nur, weil es die Großtante so bestimmt Hal? Nur, weil ich sonst die elenden hunderttausend Thaler verliere? Und Olga Grottler hat es Ihnen selbst gesagt? Und Sie nehmen natürlich sofort an, daß ich mit beiden Händen zuoreife und Olga Grottler und die hunderttausend Thaler heirathe? O, Mia, das hätte ich von Ihnen nicht geglaubt! Für so schlecht, für so niedrig denkend haben Sie mich gehalten?"
Die Thränen Mias flössen reichlicher. Sie verhüllte ihr Gesicht in die Hände und vermochte nichts zu erwidern. Er trat auf sie zu und legte sanft den Arm um ihre schlanke, unter seiner leichten Berührung erschauernde Gestalt.
„Mia", sprach er mit bewegter Stimme, „ich glaube es selbst, daß Tante Konradine in ihrem Testamente so bestimmt hat, wie Sie und Olga Grottler sagen. Aber bei Gott, ich kehre mich nicht an diese Bestimmung und habe nie daran gedacht, mich darum zu kehren! Vom ersten Augenblicke an, da ich Sie gesehen, habe ich Sie lieb gehabt
auch der Arbeiter Pflichten zu erfüllen hat, und man darf im erforderlichen Falle nicht vergeffen, ihn daran zu erinnern.
4* Heeresdienst in Frankreich.
In Frankreich wird gegenwärtig ein sehr lebhafter Streit geführt um die Regelung der Dienstpflicht im Heere. Es handelt sich dabei um die Einführung der zweijährigen Dienstzeit. Die eine Partei befürwortet die letztere mit aller der Leidenschaftlichkeit, deren ein Franzose bei der Anfechtung politischer Meinungsverschiedenheiten nur immer fähig ist. Die andere Partei zu der auch angesehene Heerführer mitsammt dem bisherigen Kriegsminister General GaLifet gehören, bekämpft die Neuerung.
Manches daran erinnert an frühere Vorgänge im deutschen Reiche. Auch hier waren es bis zuletzt hochgestellte Osfiziere, di« der Beibehaltung der dreijährigen Dienstzer das Wort redeten; und doch liegen die Ver- hältniffe in Deuischland und in Frankreich ganz anders. In Frankreich nämlich hat man bis zum heutigen Tage noch nicht vollkommen an die allgemeine Wehrpflicht sich gewöhnt, die dort überhaupt ganz neuen Datums ist.
Die Bewegung für die Einführung der allgemeinen Heeresdienstpflicht begann unmittelbar nach der Beendigung des deutsch- französischen Krieges. Aber zunächst stieß sie auf hartnäckigsten Widerstand; und namentlich der greise Präsident Thiers war eS, der sich mit aller ihm möglichen Kraft dagegen wehrte. Damals fand man einen Mittelweg. Im Grundsatz« nahm man die allgemeine Wehrpflicht an. Ader durch die Bemühungen des Herrn Thiers gelang es, eine fünfjährige Dienstzeit festzusetzen; und unter solchen Umständen konnten alljährlich nur 150,000 Rekruten in die Armee eingereiht werden, sodaß thatsächlich nur etwa zwei Drittel der waffenfähigen jungen Männer eingereiht wurden in das Heer.
So ging das bis zum Jahre 1886. Da entbrannte ein noch heftigerer Kampf um die Dienst, zeit, der sich drei Jahre hinzog. Man wollte die Dauer der Dienstzeit beim Heere auf drei Jahre herabsetzen, hatte aber den verzweifelten Widerstand der Marschälle Canrobert und Mac Mahon zu überwinden, die sich gegen die angestrebte Neuerung mit demselben Eigensinn wehrten, wie vor ihnen Herr Thiers gegen den Grundsatz der allgemeinen Heeresdienflpflicht überhaupt. Drei Jahre dauerte der Kampf, bis endlich am 15. Juli 1889 die Entscheidung fiel und das neue Rekrutengesetz mit der dreijährigen Dienstzeit angenommen und unmittelbar danach als Gesetz in Frankreich eingeführt wurde. Aber noch immer gab es, auch nach diesem Gesetze, sehr zahlreiche Befreiungen vom Heeresdienste; und deswegen wurde schon im Jahre 1892 ein Zusatz zu dem Gesetze von 1889 beschlossen, der mit den meisten dieser Tienstbefteiungen aufräumte.
Deutschland hat inzwischen die zweijährige Dienstzeit eingeführt und damit thatsächlich die kürzesteDienstzeit unterallen stehenden
und diese Liebe ist mit jedem Tage stärker geworden, sodaß sie mich, den alten schlachten- und lebenserprobten Weltbummler fast zu einem sentimentalen Jünglrng, jedenfalls aber kreuzunglücklich gemacht hat. — Ich liebe Dich, Mia — was kümmert mich die Welt, wenn Du mich wiederliebst ? Kennst Du nicht den Spruch über der Thürc des alten EulenthurmeS?
Ach Gott, wie geht das immer zu. Daß die mich Haffen, denen ich nichts thu'? Die «ns nichts gönnen und nichts geben, Müffcn dennoch leiden, daß wir leben.
Siehst Du, mein liebes, theures Mädchen, das ist auch mein Wahlspruch gewesen mein ganzes Leben lang. Und wenn Du klug wärest und nicht ein so thörichtes kleines Mädchen, dann sagtest Du auf der Stelle: „Konrad Uhle, du närrischer Kauz, ch habe dich von Herzen lieb und will bei dir bleiben, so lange ich lebe."
Da schlang Mia aufschluchzend die Arme um seinen Nacken und flüsterte: „Konrad Uhle, Du närrischer, lieber, seltsamer, herzensguter Kauz, ich )abe Dich von Herzen lieb und will bei Dir »leiben, so lange ich lebe."
Laut jubelte er auf, nahm fie in seine starken Arm« und schwang sie hoch empor in die Luft.
Erröthend entzog sie sich seinen Liebkosungen.
„Verzeih' mir", bat er. „Ich bin zu wild — ch bin ein Bär, ich weiß es — aber Deine Worte >aben mich ja so glücklich, so unendlich glücklich gemacht! O, sage es mir noch einmal, daß Du mich lieb hast!"
„Ja, ja, Du närrischer Kauz, ich habe Dich lieb, von Herzen lieb, und o! schon so lange — so lange."
Heeren. Die guten Erfolge, die das deutsche Reich mit dieser Neuerung erzielt hat, lassen die Franzosen nicht schlafen; und so ist denn neuerdings in Frankreich der Streit um den Dienst in der Armee in alter Heftigkeit wieder emporgelodert.
Aber diesmal liegen die Verhältnisse ein wenig anders als ehedem. Bei der dreijährigen Dienstzeit reichte die Zahl der waffenfähigen jungen Leute in Frankreich aus, um daS Heer in der erforderlichen Friedensstärke von 550,000 Mann zu erhalten. Es ist dagegen sehr die Frage, ob auch hinreichend Mannschaften dafür vorhanden sind bei der Durchführung einer Heeres- pflicht von zwei Jahren. Die Zahl der Geburten finkt in Frankreich von einem Jahre zum andern, wie sehr, ersehe man aus folgenden Ziffern: 1893 gab es 446,957 männliche Geburten, 1894 nur 436,663 und im Jahre 1895 nur noch 425,889. Im Verlaufe von drei Jahren war also eine Verminderung der männlichen Geburten um 21,086 eingetreten. Nun rechnete bisher die franzöfische Heeresverwaltung mit einem jährlichen Rekrutenkontingent von 233,000 Mann — be dreijähriger Dienstzeit! Und auch diese Ziffer konnte während der letzten Jahre nicht mehr erreicht werden. So wurden zum Beispiel i. I. 1897 in Wirklichkeit nur 213,000 Mann neu in das Heer «ngereiht. Diese Klaffe von 1897 entsprach aber den Geburten des Jahrganges 1879. Seitdem ist die Zahl der Geburten ganz erheblich geringer geworden, und deswegen find in Frankreich sehr ernste Bedenken gegen die Einführung der zweijährigen Dienstpflicht berechtigt. Wenn es schon bet dreijähriger Dienstzeit an den nothwendigen Mannschaften fehlt, um das Heer in der erforderlichen Friedensstärke zu erhalten, wie soll es bann aussehen nach der Einführung einer Dienstzeit von zwei Jahren?
In Frankreich kommt noch ein weiteres Bedenken hinzu: der Franzose ist kein so guter Soldat wie der Deutsche, und namentlich hört man in Frankreich Klagen über die ungünstigen Schießergebnisse bei der Infanterie. Deswegen fürchten franzöfische Fachleute, die Ausbildung der Soldaten werde bei zweijähriger Dienstzeit eine mangelhafte bleiben, und aus diesen verschiedenen Gründen stoßen die Politiker, die jetzt in Frankreich für diese abgekürzte Dienstzeit ein treten, auf den allerstärksten Widerstand. Wie der neue Kriegsminister General Andrv darüber denkt, ist öffentlich noch nicht bekannt. Aber man darf wohl annehmen, daß er die bestehenden Bedenken gegen die Neuerungen vollauf kennt und würdigt. Denn diese Bedenken wurzeln in unleugbaren und für Frankreich recht unliebsamen Thatsachen.
Deutsches Deich.
Berlin, den 27. Juni.
• NnterstaatsfeSretär im Ministerium des Inner» soll nach einer übereinstimmenden Meldung mehrerer Blätter Ministerialdirekror von Bischofshausen werden an Stelle des Unterstaatssekretärs Braunbehrens, der an diesem 1. Juli aus dem Amte ausscheidet. Ursprüng-
Wieder wollte er sie in die Arme ziehen. Doch sie wehrte sich ihm.
„Laß mir Zeit", flüsterte sie. „Es ist alles so rasch gekommen, so rasch, daß ich nicht weiß, was ich denken soll. Haben Sie nicht unrecht ge- than, Konrad, in dieser Stunde von unserer Liebe zu sprechen?"
„Die Stunde ist die rechte gewesen, Mia. Ihr heiliger Ernst hat auch unsere Liebe geheiligt."
Arm in Arm betraten sie den Garten, auf den sich die Schleier des Abends niedersenkten. An dem Platze, an dem sie sich zuerst gesehen, ließen sie sich nieder und sprachen von der Zukunft ihres Lebens.
„Wird Dich meine Siebe nicht Deines Erbes und auch dieses Hauses berauben, Konrad?" fragte Mia. „Und wirst Du nicht dereinst bedauern, um meiner Siebe willen alles das aufgegeben zu haben ?"
„Ich würde es nicht bedauern, wenn ich wirklich alles das verlieren müßte. Aber dieses alte Stammhaus meiner Familie vermag mir Niemand mehr zu nehmen. Und dieses Haus, dieser Garten, )a« soll unsere Heimath werden. Das Geld mögen sie Grotilers hinnehmen, es ist wenigstens eine kleine Entschädigung", setzte er lachend hinzu, „daß sie mich nicht als Schwiegersohn erhalten. Wir aber nehmen gemeinsam Besitz von dem alten Eulenthurme und werden drinnen wohnen und ihn in Ehren halten. Ist das nicht auch Dein« Meinung, meine Mia?"
„Ich würde glücklich fein, wenn wir hier : »leiben könnten", entgegnete sie leicht erröthend. „Aber, Konrad, vorerst muß ich doch noch nach Berlin zurückkehren, denn ich habe hier Niemand, bei dem ich bleiben könnte, bis —"
lich war der wegen feiner Kanalgegnerschaft zur Disposition gestellte Regierungspräsident v. Jagow für den erledigten hohen Posten ausersehen; dieser lehnte aber ab.
0 Von einem neuen Kriegstzafen Sei Danzig war ehedem wiederholt in den Blättern die Rede. Nach neueren Mittheilungen handelt es sich um die Anlage einiger neuer Liegeplätze für Kriegsfahrzeuge an der Holminsel bei Danzig, für die die Pläne nunmehr fertig ausgearbeitet find. Diese Pläne scheinen doch ziemlich umfangreich zu sein; denn ihre Ausführung wird mehrere Jahre beanspruchen.
+ Der polnische Kochverratysprozeß, in dem der Redakteur Witbold Leitgeber der Haupt-Angeklagte ist, wurde gestern in Leipzig vor dem Reichsgerichte verhandelt. Der Prozeß fing schon ein wenig theatermäßig an; wurden doch sogar Gymnasiasten in die Untersuchung wegen Hochverraths mit einbezogen. Es handelt sich namentlich um angeblich hoch- vencätherische Umtriebe in einem polnischen Handwerkerverein in Dortmund, und außerdem um einige andere Vorgänge; aber schon nach zwei Verhandlungstagen ist der Hauptbelastungszeuge Sniepocki in eine recht unerquickliche Sage gerathen. Er hat sich nämlich durch seine verschiedenen Aussagen in Widersprüche verwickelt, und sowohl vom Angeklagten als auch von mehreren Zeugen wird bekundet, daß Sniepocki nur eine Handlung der Rache habe ausüben wollen. Der Mann ist darum auch dem Oberstaatsanwalt verdächtig geworden, so daß dieser Erhebungen über sein Vorleben angeordnet hat und man sich noch eingehender mit ihm beschäftigen wird. Das Urtheil wurde spät Abends gesprochen; es lautet gegen den Redakteur Leitgeber auf ein Jahr Festungshaft; die beiden anderen Angeklagten wurden freigesprochen.
* Malde«0«rg, 27. Juni. Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl erhielten, wie nunmehr festgestellt ist, Sachse (Soz.) 13,167, Ritter (Kartell) 11,761 und Feige (freif. Vp.) 1336 Stimmen. Der Sozialdemokrat ist mithin gewählt; bei der letzten Wahl siegten die Sozialdemokraten mit knapper Noch in der Stichwahl.
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• Saris, 27. Jnni. Auf dem internationalen Kongreß für soziale Arbeiteroersicherung referirten gestern die HerrenDr. Bödicker und Zacher. Der Profeffor der Rechte an der Universität Paris, Jay, und Graf Krajenski sprachen sich mit Nachdruck für die obligatorische Versicherung aus und zollten dem deutschen System großen Beifall. Heute Abend wird der Kongreß im Handelsministerium empfangen. —In Frankreich ist die Disziplinlosigkeit im Heere aufs Höchste gestiegen: Der Generalstabschef Dekan ne hat einen Tagesbefehl erlassen, in welchem er, ohne im geringsten den vom Kriegsminister Andro vollzogenen Ernennungen Rechnung zu tragen, anordnete, daß die abberufenen Offiziere, deren Vertreter sowie die Vizedirektoren in den einzelnen Abtheilungen ihren Dienst weiter zu versehen haben. Der General-
Sie stockte und neigte verschämt das Haupt.
„Du hast recht und auch wieder unrecht. Wir werden doch nicht Jahr und Tag vergehen lassen, bis wir heirathen."
„Was würden die Leute sagen!"
„Die uns nichts gönnen und nichts geben, müssen dennoch leiden, daß wir leben!" rief er fröhlich. „Ich will Dir einen Vorschlag machen. Du nimmst auf einige Tage Wohnung bei dem Justizrath."
„O, Konrad, scherze nicht 1"
„Nein, nein, ich scherze nicht! Du nimmst auf einige Tage Wohnung bei dem Justizrath Quensel. Er wird Dich mit Freuden empfangen. Ich rüste alles zur Hochzeit und bereite alles zu unserer Hochzeitsreise vor. Bald bindet uns des Priesters Wort und dann — ja dann treten wir die schon ange geplante Nordlandsreise an, um mit Eintritt des Winters in den alten Eulenthurm zurückzukehren und unserem Glück und unserer Arbeit zu leben. Ist der Plan nicht herrlich?"
„Laß mich mit dem Justizrath sprechen", entgegnete fie nach einer Weile. „Er hat mich so reundlich und theilnahmsvoll empfangen, daß ich volles Vertrauen zu ihm gefaßt habe. Wenn er Deinen Plan billigt, dann mag es so sein, wie Du bestimmt hast."
„Ich bin es zufrieden. Der Justizrath wird Dir gewiß keinen anderen Rath geben, als den, mit mir sofort den Ehebund zu schließen."
Sie hielt ihm den Mund zu und zupfte ihn am Ohr.
Aber Konrad behielt im Allgemeinen doch recht. Denn wenn auch der Justizrath nicht zur sofortigen Heirath rieth, so billigte er doch den