Ku ldnerM Zeitung
Jß 145.
Julöa, Mittwoch, den 27. Juni 1900.
27. Jahrgang
ZnstralirDieek spalt. Garmond zelle ober derer Raum 16 Pf., Re kamen die Petit, »eile 2p Pf.; M Wiederholungen wird entsprechen! Rabatt gewShm
© Im Reiche der Mitte.
Jahrhunderte hindurch war das chinesische Reich ein Gegenstand der Bewunderung für das gebildete Europa; und als Priester des Jesuitenordens zum erstenmal im siebzehnten Jahrhundert nach dem Märchenlande kamen und sowohl am kaiserlichen Hofe als auch bei den chinesischen Gelehrten die freundlichste Aufnahme fanden, trugen sie durch ihre Briefe und Erzählungen nicht wenig dazu bei, diese Bewunderung noch zu steigern. Der Europäer von damals war ein anderer als der erste von heute; aber auch in China sah es zu jener Zeit anders aus als jetzt. Der Europäer des siebzehnten Jahrhunderts stellte an die öffentlichen Einrichtungen noch nicht die Anforderungen des zwanzigsten Jahrhunderts; und in China sah es damals beffer aus als heute. Das Land war sorgfältiger gepflegt, die Straßen zu Lande und zu Waffer waren in bester Ordnung, China war noch nicht der Verknöcherung heutiger Tage anheimgefallen, und so machte das China des siebzehnten Jahrhunderts mit seinen Einrichtungen einen gewaltigen Eindruck auf den naiven Europäer jener Zeit. Solche Unterrichtsanstalten, solche Bibliotheken und eine solche Sternwarte wie in Peking waren in Europa noch recht sparsam vertreten.
So kam es denn, daß die Mode in Europa zum erstenmal in die Geschmacklosigkeit verfiel, Zimmer und ganze Häuser mit chinesischen Geräthschaften zu füllen und mit chinesischen Tapeten und Malereien zu bedecken. In geradezu kindischer Weife werfen Fürsten und reiche Leute Unsummen fort für allerhand chinesische Spielereien, und der Dichter Voltaire, der Freund Friedrichs des Großen, richtete im Jahre 1771 ein langes Gedicht an „seinen Mitbruder auf dem Parnaß", den chinesischen Kaiser Kien-Long.
Dann änderten sich die Zeiten. China, damals noch nicht übervölkert, erhielt im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte nach und nach eine Bevölkerungsziffer, der auch die riesige Größe des Reiches der Mitte nicht mehr gewachsen war. Gleichzeitig verlor die chinesische Kultur die innere Lebenskraft und erstarrte in äußeren Formen; die Pflege des Landes wurde immer mehr und mehr vernachlässigt, und so verlotterte das alte Reich von einem Jahrzehnt zum anderen zunehmend schlimmer. Die vordem trefflich behandelten Flußläufe und Kanäle verfielen, versandeten, und wo ehedem wohlhabende, gut bebaute Landstriche sich ausdehnten, sieht man jetzt in den unteren Theilen der chinesischen Flußläufe verwüstete Landstrecken, die bei jeder der häufig gewordenen Ueber- schwemmungen von neuem aufs schrecklichste zu leiden haben. Die Hauptstadt Peking selbst bietet das beste Beispiel dar für die Wandlung, die sich dort vollzogen hat: einst hatte die Stadt eine geordnete Kanalisation und während der Nacht Straßenbeleuchtung; jetzt ist die Kanalisation verfallen, und von der Straßenbeleuchtung ist jetzt keine Spur mehr vorhanden.
erhalten. Während ihres Bestehens stellten hiernach 28 der berichtenden Genossenschaften 778 Häuser zum Erwerb durch die Mitglieder fertig; in 664 solcher Häuser (über die anderen wurde nicht berichtet), befinden sich 1297 Wohnungen, und die Herstellungskosten von 721 dieser Häuser beliefen sich auf 51la Millionen Mark. Zur Vermiethung der Wohnungen an die Mitglieder wurden von 58 Genossenschaften 522 Häuser fertiggestellt. In 431 solcher Häuser befinden sich 2986 Wohnungen, und die Herstellungskosten von 508 dieser Häuser beliefen sich auf rund 15 Millionen Mark. Was die Bauthätigkeit im Jahre 1899 betrifft, so wurden von 78 Genoffenschaften, deren Zweck lediglich die Erbauung von Häusern zum Erwerb durch die Mitglieder ist, in diesem Jahre 40 Häuser mit zwei bis drei Wohnungen erbaut. Von 30 Genoffenschaften, deren Zweck lediglich die Erbauung von Häusern zur Vermiethung der Wohnungen an die Mitglieder ist, wurden 1899: 129 größere Wohnhäuser gebaut. In 106 solcher, von 28 Genossenschaften erbauten Wohnhäusern befinden sich 754 Wohnungen. Von 18 Genossenschaften, welche beide Zwecke verfolgen, wurden 1899: 107 Häuser zum Erwerb durch die Mitglieder, 24 Häuser zur Vermiethung an Mitglieder gebaut. Die berichtenden 86 Genossenschaften hatten Ende 1899 19,468 Mitglieder, die sich aus allen Berufsständen, zum
Radfahrer-Karte von Frankfurt, Darmstadt, Mainz, umfassend das Gebiet von Dillenburg in N. bis Heidelberg in ©., von Andernach am Rh. in W. bis Schweinfurt in O. Leipzig. Mittelba ch' s Verlag. Preis aufgezogen 2 Mk. 50Pfg. Diese nach dem neuesten amtlichen Material und mit vielseitiger Unterstützung in Profil-Manier und im Maßstabe 1:300,000 bearbeitete Karte enthält Alles, was für den Radtouristen von Werth ist. Nicht nur alle fahrbaren Wege, alle wesentlichen Steigungen, alle Entfernungen von Ort zu Ort, alle nur irgendwie nennenswerthen Orte, die Eisenbahnen, Flüsse rc. sind auf der Karte angegeben, sondern sie zeigt auch auf den ersten Blick das für den Radfahrer Wichtigste: die Art (Güte) der Straßen, sowie gefährliche Stellen. Diese prächtige und billige Karte, die noch dazu ein sehr großes Gebiet umfaßt, kann jedem Radfahrer bestens empfohlen werden; er wird seine Helle Freude daran haben.
drängen sich leicht Stellenvermittler und andere Personen an die unerfahrenen Mädchen heran. Fort mit diesen Zwischenhändlern! Auf den Berliner Bahnhöfen findet das Mädchen Personen, denen es trauen kann! Das sind die mit gelbweiß en Achse lschleifen versehenen Damen, die um Gottes willen es übernommen haben, die Mädchen mit Rath und That zu unterstützen, vor Betrügereien zu schützen und ihnen womöglich eine Stelle nachzuweisen oder ein Unterkommen in den verschiedenen in Berlin vorhandenen Anstalten, wie im Marienstift, Michaelskirchplatz 3, Marien- stist, Ackerstr. 117, St. Katharinenstift, Greifswalderstr. 18, St. Antoniusstift, Hohenstaufenstr. 2 und Afrastist in der Graunstraße. Möge Gottes Segen dieses große Werk begleiten!
X Die Mitdung von Schntdeputatioue« wird in einem soeben ergangenen Erlasse des preußischen Kultusministers besprochen. Darin bringt der Minister in Erinnerung, daß „Aenderungen in der Gestaltung der Ortsschulbehörden nur bei Vorliegen ernster Mißstände eintreten sollen. Bei der Einrichtung einer einheitlichen Schuldeputation an Stelle der Schulvorstände soll darauf gehalten werden, daß unter allen Umständen mindestens je ein Geistlicher von dem Bekenntnisse der in dem Stadtschulbezirke vorhandenen Schulen und ein im Stadtschulbezirke angestellten Lehrer oder R.kior dauernd der Schuldeputation angehören, bei deren Zusammensetzung außerdem auf das Bekenntniß gebotene Rücksicht zu nehmen sei..." In besonderen Fällen ist der Kultusminister auch damit einverstanden, daß der Schuldeputation konfessionell geordnete Schulvorstände nachgeordnet werden u. s. w. Für jeden vorurtheilsfreien Menschen ist der Erlaß eigentlich selbstverständlich; nur den Leuten, denen die Kulturpauke unentbehrlich ist zum Leben und Gedeihen, kommt der
Deutsches Keich.
Berlin, den 26. Juni.
X MohnrmgsreLsrrn durch OetöstMfs. Der Allgemeine Verband der deutschen Erwerbsund Wirthschaftsgenossenschaften (Begründer Schulze-Delitzsch; Geschäftsstelle Charlottenburg) hat durch eine kürzlich erhobene Statistik festgestellt, daß die Zahl der in Deutschland bestehenden Baugenossenschaften und Spar- und Bauvereine sich von 244 Ende März 1899 au 322 Ende März 1900 erhöht hat. Von 86 Bauvereinen sowie Spar- und Bauvereinen hader Verband Berichte über die Geschäftsergebniffe des Jahres 1899 und ihren Stand Ende 1899
Bestellungen auf die »Fuldaer Zeitung' für das dritte Quartal zum Preise von 1,50 Mark werden fort- während angenommen.
Das junge Europa aber reckte seine mächtigen Glieder. Seine alte Gewandung wurde ihm viel zu eng, und so sah sich der junge Emporkömm- ______________________________________ 0___
ling danach um, wie er sich anders einrichten größten Theil aber aus abhängigen Erwerbs- könne. Die europäische Kultur überflügelte in thätigen, kleinen Beamten, Fabrikarbeitern, Hand- Windeseile ihre Nebenbuhlerinnen von Alters her, werksgesellen rc. zusammensetzen. Das Betriebsund wenn nun der Europäer von heute das China kapital der berichtenden 86 Genoffenschaften be- der Gegenwart betrachtet, so sieht er in ihm längst trug Ende 1899 rund 223/< Millionen Mk, wo- keinen Gegenstand der Bewunderung mehr. Uns von auf das eigene Vermögen in Geschästsgut- macht im Gegentheil das alte Reich der Mitte den haben und Reserven rund 4 Millionen Mk., auf Eindruck eines halb barbarischen Landes, und es die angeliehenen Gelder rund IS3/. Millionen Mk. ist ganz unvermeidlich, daß die neue Kultur entfallen. Diese Mittheilungen geben immerhin Europas dort, wo Europäer festen Fuß fassendem erfreuliches Züchen von der stets wachsenandere minderwerthige Kulturen zu verdrängen denSelb st Hilfe der „kleinen Leute" zur Verkrachtet und schließlich auch verdrängen muß, mit befferung ihrer WohnungsverhäÜnisse.
Gewalt endlich, wenn nicht zur rechten Zeit mit | * Katholische Matztthofsmisfio« iu
gutem Willen. Aerki«. Seit einigen Wochen ist es auch in der
Und darauf kommt es jetzt an in China. Es großen Weltstadt Berlin gelungen, eine Bahnhofs- handelt sich ganz und gar nicht nur darum, den Mission auf katholischer Seite ins Leben zu rufen. Aufstand der Boxer niederzuschlagen und die Schon häufig haben wir darauf aufmerksam ge- Leute zu bestrafen, die entgegen der geschlossenen macht, wie aus religiösen und sittlichen Verträge die Niederlaffungen der „fremden Gründen, sowie aus Rücksichten für das leib- Teufel" absengen und christliche Missionen zer- liche Wohl nicht dringend genug vor dem stören. Die Bedeutung der Vorgänge in China Zuzug nach Berlin gewarnt werden kann, ist eine bei weitem höhere; eine neue, überlegene Möge jedes Mädchen auf die warnende Stimme Kultur ist ins Ringen gerathen mit einer alten achten, welche ihm laut entgegenschallt: Bleibe im Kultur von minderem Werthe, ins Ringen auf Lande, bleibe in der Heimath! Wenn aber ein Tod und Leben, und nicht eher wird wieder Mädchen diesem Rufe nicht folgen will, so möge dauernd Ruhe und Friede eintreten in dem Reiche es wenigstens nicht nach Berlin gehen ohne Geber Mitte, bevor nicht die Chinesen sich in das nehmigung der Eltern oder Vormünder, nicht Unvermeidliche gefügt und die Kultur angenommen o h n e Berathung mit dem Seelsorger! Unbedingt haben werden, die Europa ihnen aufdrängt, nöthig ist es, sich schon vorher eine feste Stelle Starrköpfig verschließt sich dos konservative nachweisen zu lasten, damit das Mädchen sofort Chmesenthum der Einficht dieser Nothwendigkeit, nach der Ankunft bei einer Familie in Berlin ein- zum eigenen Schaden und ganz im Gegensätze zu treten kann. Auf dem Wege dorthin, auf den den stammverwandten, aber weit klügeren Ja- Zwischenstationen, und in den Eisenbahnwagen
Kiterarischr».
Annegarne Weltgeschichte in 8 Bänden. Neubearbeitet und bis zur Gegenwart ergänzt von Dr. A. E n ck und Dr. Viktor Huyskens. Achte Auflage. Münster, Theissing'sche Buchhandlung.
Schon wiederholt haben wir dieses ausgezeichnete Geschichtswerk unseren Lesern aufs Wärmste empfohlen. Es veidiiNt diese Empfehlung wegen der Gründlichkeit der Behandlung, der Schönheit der Sprache und des edlen Geistes, von dem das Ganze getragen ist. Tas Werk ist bündig und sehr übersichtlich geschrieben und der Preis bei sehr sorgfältiger Ausstattung billig. Die neue Auflage erscheint bekanntlich in Lieferungen von 80 Seiten zum Preise von 50 Pfg. pro Lfg.; das ganze Werk umfaßt deren 32; 28 Lieferungen sind bereits erschienen und in kürzester Zeit wird das Buch vollständig vorliegen. Möge dasselbe in recht vielen Familien Eingang finden und fleißig gelesen werden.
Erlaß verdächtig vor. Der ,Nationallib. Korrespondenz' erweckt er die Besorgniß, daß dem kirchlichen Machtbedürsnisse in Richtung der Volksschule ein neues brauchbares Hilfsmittel geschaffen wird." Der Ausdruck „kirchliches Machtbedürfniß" ist gut. Wir meinen aber, daß auch sogar die .Nationalliberale Korrespondenz' von diesem preußischen Kultusminister nicht die Störung ihrer Kreise zu befürchten braucht. Die Amtshandlungen des Herrn Ministers geben — leider! — gar keine Veranlassung dazu.
* Zur Kenntniß der Berufsgenossenschaften ist es mehrfach gelangt, daß Personen, die in dem Rufe von Kurpfaschern stehen, sich auffällig und unter allerhand falschen Vorspiegelungen darum bemüht haben, die Behandlung Unfallverletzter zu übernehmen, was ihnen auch verschiedentlich gelungen ist. Da in allen diesen Fällen die Heilerfolge fast negativ gewesen sind, ist angeordnet worden, daß solche Personen unter keinen Umständen, auch wenn sie eine bedeutende Privatkundschaft haben sollten, ür die Zwecke der Unfallversicherung bei Unglücksfällen herangezogen werden dürfen.
* Bürgerliche chenerake gibt es im deutschen Heere nach einer Zusammenstellung der ,Voff. Ztg.' aus der Rang- und Quartierliste im Ganzen 69, nämlich 14 unter 77 Generalleutnants und )5 unter 194 Generalmajors. Von den beiden bürgerlichen Generälen des Jahres 1899 ist der eine, Oberhoffer, geadelt, der andere, Wernherr, pensionirt worden. Im Vorjahre gab es in der gejammten Generalität 63 Bürgerliche. Unter den Obersten sind bei der Infanterie 85, bei der Kavallerie nur einer unter 55 bürgerlich. Bei der Feldartillerie aber 40 unter 49, bei der Fußartillerie 7 von 8, beim Jngenieurkorps 7 von 8, )eim Train 3 von 4. Der eine Oberst der Ver- "ehrstruppen ist bürgerlich. Von sämmtlichen Oberstleutnants sind 52 pCt. bürgerlich, von den Majors 55,2 pCt. Unter allen 2145 Stabsoffizieren sind 1130 Bürgerliche. 31 Regimenter, im vorigen Jahre 32, haben ein durchweg adeliges Offizierkorps. Keinen 'ärgerlichen Leutnant haben 46 Regimenter. 29 Regimenter und 33 selbständige Bataillone haben nur bürgerliche Leutnants. Als Kuriosum verdient -ervorgehoben zu werden, daß drei Regimenter das 31. Feld- und das 3. Fußartillerie-Regiment, owie das 3. Eisenbahn-Regiment) überhaupt keinen adeligen Offizier haben.
* Im Hffizlerkorps der preußischen Armee haben wieder große Veränderungen stattgefunden. Nachdem erst am 9. d. M. vier und m vorigen Monat zwölf Generale verabschiedet worden sind, sind am 16. d. M. wiederum sieben Generale zur Disposition gestellt wollen. Bekanntlich ist die zahlreiche Zurdispositionstellung sowohl in der Presse wie im Parlament fchon mehrfach zur Sprache gebracht worden. Unter den jetzt ausgcschiedenen Generalen, die sämmtlich bürgerlich sind, befinden sich zwei Generalleutnants und fünf Generalmajors.
Vermischtes.
* Z«r Haftpflicht der Mirttze gibt nachstehender Vorfall einen neuen Beleg. Beim Kegelschieben verunglückte ein Herr in Fraulautern im Rheinland dadurch, daß er beim Abwerfen der Kugel einen Sprung machte, wobei er an den vorspringenden Kugelkasten stieß und ein Bein brach. Er machte den Wirth hierfür verantwortlich und verlangte von ihm Ersatz alles desjenigen Schadens, der ihm durch diesen Unfall entstanden sei. Er begründete die Haftpflicht des Wirthes mit der fehlerhaften Bauart den Kegelbahn, die in Folge der Enge nicht genug Sicherheit und Bequemlichkeit beim Ausüben des Kegelspiels gewähre. Die zu ersetzende Summe wurde auf 3013,85 Mk. angegeben. Es kam jedoch ein Vergleich zu Stande, wonach der Verunglückte sich nach Zahlung von 800 Mk. für befriedigt erklärte.
(*) Kleine Nachrichten. Limburg. Auf der Bahnstrecke Eppftein-Lorsbach wurden zwei Streckenarbeiter von einem Personenzuge überfahren und ge- tödtet. — Leipzig. Ein großes Schadenfeuer zerstörte eine Metallwaarenfabrik und eine Glühkörperfabrik. Der Betrieb ist gestört, der Schaden bedeutend. Die Entstehung ist eine Selbstentzündung von Putzbaumwolle. — Aus der Provinz Sachs en. In Werben an der Elbe begleitet ein Schäfer seine Heerde auf dem Fahrrade nach Hause; die Tage des bekannten langen Hakenstocks scheinen also gezählt zu sein. — Bremen. Der Norddeutsche Lloyd beförderte im Jahre 1899 auf seinen Linien insgesammt 197 226 Personen; feit dem Bestehen der Gesellschaft wurden mit den Dampfern des Norddeutschen Lloyd 3 906 696 Passagiere über den Ozean befördert. — Cam en bei Hamm. Am Genüsse von Schierling, den man anstatt Petersilie zum Salat gemengt hatte, starb ein Wirth und dessen Dienstmagd. Außerdem liegen mehrere andere Familienmitglieder schwer krank darnieder. Das Dienstmädchen hatte in Abwesenheit der Hausfrau das Esten zubereitet. — Münster i. W. Die für den 2. Juli anberaumte Schwurgerichtsperiode kann nicht stattfinden, da zu wenig „Material" vorliegt. Bravo! — Brenken i. W. Auf dem Schlöffe Erpernburg verunglückte der königl. Kammerherr Freiherr von Wolff-Metternich, wo er seit einigen Tagen zu Besuch weilt, durch einen unglücklichen Sturz aus dem Wagen. — Wiesbaden. Der Betrieb auf der elektrisch en Straßenbahn ruhte während Sonntags-Vormittags gänzlich in Folge einer Störung in der Oberleitung. Erst gegen Mittag konnte die schadhafte Stelle ermittelt und reparirt werden. — Lausanne. Der 30 Jahre alte Student der Chemie Wohaöpt aus Liebau (Schlesien), der am 16. Juni eine Bergtour nach dem Großen St. Bernhard unternahm, wird vermißt. Man befürchtet, daß er durch einen Lawinensturz den Tod gefunden hat. — Grosseto. Ein Bauer tödtete im Walde den berüchtigten Briganten Fioravanti, der seit ungefähr 20 Jahren bie Umgegend von Rom unsicher machte. — Mo Stau. Auf der Jaroslawer Bahn stießen zwei Güterzüge zusammen. Ein Zugbeamter wurde ge- tödtet, 3 schwer und 5 leicht verletzt. 23 Wagen sind zertrümmert, beide Lokomotiven beschädigt. — Wien. Eine als wohlthätig bekannte Dame wurde auf der Heimreise von Odessa im Waggon ermordet und beraubt. Sie soll 18,000 fl. mit sich geführt haben. — Pest. Die Schaffner und Führer der elektrischen Straßenbahn haben den Dienst eingestellt. Der Verkehr wird, wenn auch etwas beschränkt, aufrechterhalten. Die Ursache des Ausstandes ist die Nichtbewilligung von Forderungen der Genannten.
^erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
Hezugapret« ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus» »SrtsIM.bOPf.
panern, die mit der neuen Kultur schleunigst sir > anfreunden und dadurch einen mächtigen Au - schwung ihres Landes erzielten. Und so klov t denn nun, dazu gezwungen, die neue Kultur m t harter Eisenfaust auf die starren Köpfe — d e Zeit des friedlichen Verhandelns ist vorbei, und die Köpfe werden brechen müssen, wenn sie nicht lernen sich zu ducken!
Das Frühjahr, die beffere Jahreszeit, die Ernte kommen angezogen unter Donner und Blitz. So hält die neue Kultur im fernen Ost- asien ihren Einzug unter dem Donner der Geschütze und dem Feuerstrahle der knatternden Gewehre, weil die Sklaven veralteter, starr gewordener Formen ohne inneres Leben ihre Vorzüge nicht zu erkennen vermögen und ihr mit Gewalt den Eintritt verwehren wollen. Daß das jetzt nicht mehr anders geht, muß auch der Friedensfreund zugeben. Aber der eine Wunsch bleibt nach wie vor bestehen, daß die Träger der neuen Kultur niemals vergessen möchten, daß sie nicht als Eroberer, sondern als bewaffnete Verbreiter der Segnungen eines besseren und ihrem ganzen inneren Wesen nach friedlichen Civilisation nach dem fernen Osten ziehen!
fiir Inserate I. Parzelle, in Fulda. mit Unterhaltungs-Beilage „Alluflrirte Sonntags-Zeitungs'