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Jutöa, Samstag, den 23. Juni 1900.

27. Jahrgang.

Johann Gutenberg und sein Werk

Urn Weöenßölakk juv 5DO. WieöerKeßv seines Ueöurisiagrs.

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Druckerei im J5. Iahrhundert (II.)

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als die Mainzer Behörde jedoch Zahlung versprach, ließ Gutenberg den Stadtschreiber sofort in Freiheit setzen.

3m Jahre (^8 tauchte Gutenberg in Mainz auf. Ohne Zweifel war seine Erfindung damals schon weit vor­geschritten, denn schon (^50 entschloß sich Johann Fust,

der nun das Geheimniß mit Peter 5chöffer, seinem Ge­hilfen und Schwiegersöhne, sehr geschickt auszubeuten ver­stand. Gutenberg vermochte seinen vollständigen Zusammen­bruch noch bis zum Jahre (-(58 hinauszuschieben, dann aber gerieth er in die äußerste Bedrängniß. Auch der Apparat zur sechsunddreißigzeiligen Bibel ging jetzt in Besitz eines anderen Druckgenossen, Hermann Pfister's über und wanderte nach Bamberg. Aber trotz der nun drohenden Konkurrenz und seiner eigenen verzweifelten tage fand Gutenberg nochmals einen Helfer. Ls war der Mainzer Stadtsyndikus Dr. Konrad Hornery, der ihm die Mittel gab zum Drucke eines neuen großen Merkes, des Katholikons. So war er wenigstens im Alter vor Noth geschützt, und er siedelte nun ((<(65) an den kurfürstlichen Hof in Lltville über.

Aber nicht lange nachher, im Winter (-(6?/68 starb Gutenberg. Der Todestag ist nicht bekannt, jedoch weiß man sicher, daß Gutenberg am 26. Februar (^68 nicht mehr lebte. Nach einer glaubwürdigen Nachricht wurde feine sterbliche hülle in der Franziskanerkirche zu Mainz bestattet.

Das wesentliche der Erfindung Gutenbergs bestand darin, daß jeder einzelne Buchstabe, jede Ziffer und jedes Inter­punktionszeichen seine besondere bewegliche Type erhielt, während man vorher die Schrift einer ganzen Seite auf eine Holztafel einschnitt und von dieser Tafel abdruckte.

Die neue Kunst verbreitete sich sehr rasch in Deutschland, Holland, Frankreich, Italien rc. und noch zu Lebzeiten des Gr- finders entstanden bedeutende Buchdruckereien in Köln, Straß­burg, Paris, Rom u. f. w. wie sehr die neue Erfindung gleich im Anfänge geschätzt und gewürdigt wurde ersieht man u. A. aus einem Schreiben, welches der Bischof Johann Andreas von Aleria im Jahre (^68 an papst paulus II. richtete, in dem es heißt: „Gerade in Deiner Zeit ist zu den übrigen Gnadenerweisen Gottes auch dieses glückliche Geschenk hinzu- gefommen, daß auch der Aermste für wenig Geld sich eine Bibliothek erkaufen kann. Oder ist es vielleicht ein geringer Ruhm Deiner Heiligkeit, daß Bände, die man sonst kaum für hundert Dukaten kaufen konnte, heute für zwanzig und weniger Goldstücke erstanden werden und nicht wie früher voller Fehler sind? Oder daß Bände, die der Leser früher

allen Geschlechtern zu verehren ist in Wahrheit Deutschland, das durch diese Erfindung uns allen von größtem Nutzen war. . . . Treffliche Meister des Buchdrucks üben jetzt auch zu Rom ihre Kunst mit solchem Geschick und solchem Fleiß aus, daß wir heute die Bücher fast billiger kaufen, als sonst der bloße Einband kostete." Darin lag in der That der große Vor- theil der neuen Erfindung, daß die Bücher nun in großer

Druckerei im J5. Jahrhundert. (I.)

Haftung des zufällig in Straßburg anwesenden Mainzer Stadt­schreibers. Die Verhaftung erfolgte einer Zinsschuld wegen, öie der Magistrat der Stadt Mainz an Gutenberg schuldete;

kaum mit zwanzig Dukaten erkaufte, jetzt für -( oder so­gar billiger zu ha­ben sind? . . . . Derart ist die Meisterschaft unse­rer Drucker und Schriftbildner, daß unter den Erfind­ungen der Men­schen, nicht nur denen der Neuzeit, sondern auch denen des Alterthums, kaum etwas Aus­gezeichneteres an­geführt werden kann, würdig zu preifen und von

on allen Erfindungen und Entdeckungen, die im kaufe der Jahrhunderte gemacht worden sind, hat kaum eine andere einen so gewaltigen und nachhaltigen Einfluß auf das gefammte Kulturleben der Menschheit ausgeübt, wie die Erfindung der Buchdrucker- fünft durch Johann Gutenberg, wir haben daher allen Grund, den 500 jährigen Geburtstag dieses großen Mannes zu feiern, und insbesondere die Zeitungen, die seiner Er­findung ihr Dasein verdanken, dürfen nicht zurückstehen, wo es gilt, den Altmeister der schwarzen Kunst zu ehren.

Ueber die äußeren Lebensverhältnisse Gutenbergs ist nur sehr wenig bekannt, und trotz der eifrigsten Forschung hat man bis heute noch nicht einmal das Jahr seiner Geburt mit Bestimmtheit ermitteln können. Als sicher atf man nur annehmen, daß er in einem der letzten Jahre es (4. oder im ersten Jahre des (5. Jahrhunderts (also zwischen (399 und (§0() in Mainz das Licht der Welt erblickt hat. Seine Eltern waren Friele Gensfleisch und Else wyrich zum Gutenberg; beide gehörten einer hochangesehenen Familie an. Nach einer damals viel verbreiteten Sitte nahm Johann, der dritte Sohn feiner (Eltern, den Namen von dem (Erbe feiner Mutter an.

Don der Kindheit und Jugend Gutenbergs, sowie von seinem Bildungsgänge ist gar nichts bekannt; ja selbst von den Umständen, unter denen er zu feiner Erfindung gelangte, haben wir nur sehr geringe Kunde, und doch müssen gerade diese Umstände sicher das Interessanteste an dem Lebensgang des großen Erfinders sein. Bleibt es doch merkwürdig, daß Gutenberg, der Sproßling eines der angesehensten Patrizier­geschlechter, sich dem Betriebe eines Gewerbes, ober sagen toir; einer Kunst, widmete. In Folge eines Streites mit de» Zünften wanderten im Jahre (-(20 die bedeutendsten Patrizierfamilien von Mainz aus, unter diesen auch Friele Gensfleisch, der sich mit feinem jüngeren Sohne Johann in Straßburg niederließ, während der Aelteste mit der Mutter in Mainz blieb. Das älteste bekannte Schriftstück, in dem Johannes Gutenberg selbst genannt wird, stammt erst aus bem Jahre (q-(3; es betrifft eine von ihm veranlaßte ver-

Krschemt täglich, m. Aurnahme der Sonn» und Feier­tage. Bierteljährl S»,ug,prei, »hne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aui» »ärtSlM.50Pf.

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▼ Wiederholungen

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Rabatt gewährt

ein ebenso vorsichtiger wie wohlhabender Mainzer Bürger, ihn zum Betriebe seiner Kunst mit größeren Kapitalien zu unterstützen. Er lieh ihm zu diesem Zwecke 800 Gulden, wofür Gutenberg die Herstellung des „Geräthes" (der Druckerei) übernahm, das er an Fust verpfändete. Fust behielt sich außerdem sechs Prozent Zinsen vor und erklärte sich weiter bereit, mit einem jährlichen Betriebszuschusse von 300 Gulden Theilhaber des Geschäftes zu werden, von diesem Gelbe sollten auch bie Auslagen für Gesinbelohn, Hauszins, Drucker­schwärze, Pergament unb Papier bestritten werben. Das erste Buch, bas gebrückt werben sollte, war bie Bibel unb mit allem Eifer schaffte Gutenberg an bem Werke, bas wir heute noch in seiner zweiunb- vierzigzeilige n Bibel bewunbern. Mit welcher Un- gebulb mag er bamals bie Dollenbung seines Lebens­werkes ersehnt haben, um ohne weiteres auf bie Be- bingungen bes geriebenen Fust einzugehen I Aber er hatte sich getäuscht: so schnell wie er gehofft, gelang das Werk nicht, dagegen wuchsen die Auslagen von Tag zu Tag. Fust war ungeduldig und drängte, und als ein versuchter Vergleich sich zerschlug, forderte dieser sein erstes Darlehen von 800 Gulden nebst 250 Gulden Zinsen und weitere 800 Gulden nebst (<(0 Gulden Zinsen, endlich 56 Gulden Zinseszinsen, mithin 2026 Gulden von Gutenberg zurück. Natürlich konnte der Erfinder nicht zahlen, und so kam es zur Klage. Nach dem Richter- spruche sollte Gutenberg über alle von Fust erhaltenen Gelder Rechnung legen; was davon nicht für das gemein» fame Unternehmen verbraucht war, sollte bis zur Hohe von 800 Gulden in das erste, vertragsmäßig zurückzuzahlende Kapital einbezogen, das übrige zur Schuld hinzugeschlagen werden. Hierdurch war der finanzielle Ruin Gutenbergs besiegelt. Das verpfändete Druckgeräth verfiel dem Gläubiger,

für JwfCTate 3. Parzelle, in Lalda. mit Ztnterhattungs-Meilage „Mustrirfe Sonntags-Zeitung! “S.

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