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FuldaerMZeitung

spalt.

täglich.

Jul'öa, Samstag, dm 23. Juni 1900.

JK 142.

27. Jahrgang.

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|| Drittes Matt. |

£ Zur allgemeinen Volkszählung.

Auf Grund eines Beschlusses des Bundes. rathS vom 17. März d. IS. findet am 1. De- zember d. Js. wiederum eine allgemeine Volks­zählung im Deutschen Reiche statt. Sie wird in ähnlicher Weise wie die Volkszählungen der früheren Jahre zur Ausführung gelangen.

Aus der vom Minister des Innern an die Regierungspräsidenten im Hinblick auf die Volks­zählung ergangenen allgemeinen Anweisung hebt die offiziöse .Berliner Korrespondenz' Folgendes hervor:

Um den Ortsbehörden vor der Vollendung der Aufbereitung und Veröffentlichung der .Zählungsergebniffe durch das Kgl. Statistische Büreau einige Kenntntß des Ergebnisses zu ver­schaffen, wird, wie dies schon anläßlich der früheren Zählungen geschehen ist, der doppelte Bedarf an Kontrolllisten verabreicht, damit eine der Letzteren von den Zählern als Konzept be­nutzt und später von der Ortsbehörde zurückbe. halten werde, die Reinschrift aber alsbald an das König!. Statistische Büreau gelangen kann. Die Herstellung von zwei Ausfertigungen der Kontrollliste muß jedoch, wenn der angedeutete Zweck erreicht werden soll, von der Ortsbehörde oder der Zählungskommission den Zählern zur Pflicht gemacht werden. Abgesehen hiervon wird vom Kgl. Statistischen Büreau auch dies­mal dafür gesorgt werden, daß möglichst bald nach der Zählung den Vorständen aller Ge­meinden mit 2000 und mehr Einwohnern hand­schriftliche Uebersichten des endgiltigen Haupter- gebniffes der Zählung zugestellt werden. Den Kreisbehörden werden handschriftliche Uebersichten der endgiltigen Ergebnisse der Zählung zugehen.

Für jede Stadt, jede Landgemeinde und jeden selbständigen Gutsbezirk ist bei der bevor­stehenden Zählung, wie schon in den Jahren 1885, 1890 und 1895, von der Ortsbehörde oder der Zählungskommission eine Ortsliste zusammen­zustellen und durch Unterschrift zu beglaubigen. Ebenso soll wie in den vorgenannten Jahren bei -er Absendung der Kontrolllisten an das König!. Statistische Büreau ein Verzeichniß sämmt- lich er zum Kreise gehöriger Städte, Landge­meinden und Gutsbezirke eingereicht werden.

Die zur Aufklärung über die Volkszählungs- zwecke an die Bevölkerung zu richtende Ansprache ist, wie ferner verfügt wird, nicht nur durch Abdruck in dem Amtsblatts und den Kreis­blättern, sondern auch durch Verlesen in den Gemeindeversammlungen, Besprechung in den Schulen und auf andere geeignete Weise mög­lichst zu verbreiten. Namentlich wird hierbei -ec noch immer nicht ausgerotteten irrthümlichen Annahme entgegenzutreten sein, daß die Volks­zählung zu irgend welchen steuerlichen Zwecken «folge.

Es darf erwartet werden, daß auch für die Volkszählung am 1. Dezember d. I. sich Personen in genügender Anzahl finden werden, welche das Amt eines Zählers als Ehrenamt zu übernehmen bereit find. In den Regierung;. bezirken, deren Bevölkerung stark mit fremt. sprachigen Elementen durchsetzt ist, muß be- Fonderes Gewicht auf die Gewinnung unbedingt zuverlässiger Zähler gelegt werden, um irrigen Ergebnissen bei den Ermittelungen vorzubeugen. Die Landräthe haben erforderlichenfalls zu diesem Äwttke örtliche Nachprüfungen der ZählungS. Ergebnisse zu veranlassen.

Die einzelnen Gemeinden und Gutsbezirke haben innerhalb ihrer Bezirke die Volkszählung leibst auszuführen; fie sind verpflichtet, die durch -le Annahme von Zählern etwa entstehenden Rosten zu übernehmen. Remunerationen an Äähler, welche zur unentgeltlichen Uebernahme «eses Ehrenamtes nicht bereit find, können aus der Reichskaffe noch aus der Landes- raffe beansprucht werden.

Ferner wird noch besonders darauf aufmerk- jaln gemacht, daß Veranstaltungen, welche den Stand der ortsanwesenden Bevölkerung am Zahlungstage vorübergehend wesentlich verändern konnten, nach Möglichkeit zu verhindern sind, ^regen der Kram- und Viehmärkte ist in dieser Beziehung bereits früher Vorsorge getroffen worden.

Römische Briese.

XXXIII.

ÜH Rom, 20. Juni 1900.

Die letzten französischen Pilgerzüge sind nicht so zahlreich ouSgefallen, wie man all­gemein angenommen ui d vorher verkündet hatte.

Der Organisator derselben, der „Vater der Ar­beiter", Kommandeur Lvon Harmel plante eine wahrhaft großartige Demonstration der auf christ­licher Grundlage organisirten ftanzösischen Ar­beiter. Ihm wurde jedoch abgerathen und zwar im Hinblick auf den hier zu sozialistisch er­scheinenden Titel: Arbeiterpilgerzüge. Auch die Bezeichnung: Christlich-sozial ist hier noch immer sehr in Mißkredit. Die Folge davon war nun, daß viele Franzosen von der Pilger­fahrt abgehalten wurden, wodurch diese geplante, in den Rahmen der Encyklika Berum novarum hineinpaffende Massendemonstration natürlich sehr gelitten bat. Immerhin war die Betheiligung Frankreichs imponirend und der „ältesten Tochter" würdig.

Vor einigen Tagen wurde durch den neuen Kardinalvikar Respighi die bisherige Kapelle des hiesigen französischen Kollegiums der Schul- bcüder zum Range einer Titnlarkirche des neuen Heiligen Johann Baptist de la Salle er­hoben. Zu Ehren desselben Heiligen finden gegenwärtig Festlichkeiten statt, welche die schöne Nationalkirche der Franzosen, welche zu diesem Zweck außerordentlichen Schmuck angelegt hat, zum Schauplatz haben. Die bei der Heilig­sprechung in St. Peter benutzten Banner und Bilder wurden zu diesem Zwecke der französischen Kirche Überlassen.

Den Pilgern aus Perugia, der alten Bischofsstadt Leos XIII. wurden ganz be­sondere Ausmerksamkeiten erwiesen. Außer der Audienz, welche der Papst den Führern der Pilger ertheilte und welche einen besonders in­timen Charakter trug, wurden sämmtliche Mit­glieder der Pilgerfahrt zu einem Bankett in der alten Kanonenhalle des Vatikans vereinigt. Auch die spanischen Pilger nahmen daran theil. Viele Prälaten aus Perugia, welche im Hofstaate des hl. Vaters vertreten sind, der dortige Erz­bischof, sowie eine stattliche Anzahl römischer und spanischer Monsignori wohnten diesem Monstre- bankett bei, zu welchem die Kapelle der Schweizer­garde die Tafelmusik lieferte. Viele Reden wur­den gehalten und manches Hoch auf den Papst ausgebracht.

In der Schweizergarde des Papstes wird in allernächster Zeit ein Kommando wechsel ein­treten. Der langjährige Kapitain derselben, Oberst Graf Courten, ein Sohn des ehemaligen päpstlichen Generals, hat um seinen Abschied ge­beten, um sich auf seine ländlichen Besitzungen zurückzuziehen. Man hat versucht, diese Demission mit der nicht bewilligten, von Courten empfohlenen Gehaltsaufbesserung der Schweizergardisten in Verbindung zu bringen. Als Nachfolger des scheidenden Kommandanten ist der bisherige „Leutnant" der Schweizergarde, Oberstleutnant Meyer von Schauensee in Aussicht ge­nommen. Da der Schweizerkommandant zum engeren Hofstaate des Papstes gehört und den­selben fast überall hin begleitet, so dürfte es dem greifen Papste recht schwer fallen, sich von seinem langjährigen treuen Diener zu trennen.

Leo XIII., welcher feine gewohnten Arbeiten und Beschäftigungen in vollem Umfange wieder ausgenommen hat, erfreut sich wieder seines nor­malen Wohlseins und ertheilte in dieser Woche zahlreiche Audienzen. Auch empfing er die Postulatoren der in diesen Tagen statt­gehabten Heilig- und Seligsprechungen und nahm aus ihren Händen die Reliquien und die Lebens­beschreibungen entgegen.

Der bekannte vom Katholizismus abgcfallene Priester Don Paul Miraglia hatte — nach Art des päpstlichen Vikariats — öffentliche Einladungen zu Vorträgen erlassen, in welchen er sich die Titel eines konsekrirten Bischofs und eines Monsignor beilegte. Eine dieser Versamn- lungen hat auch stattgefunden, eine zweite wurde von der Regierung verhindert. Nunmehr hat die Römische und Allgemeine Inquisition die Ex­kommunikation des Don Paul Miraglia, so- wie des Joseph Vilatte, welcher ihm die bischöf­lichen Weihen ertheilt hatte, durch Dekret vom 13. d. Mts. verfügt. — Das neueste Produkt italienischer Denkmalmanie ist dasjenige, welches der „Heroen"-Familie Cairoli in Pavia gesetzt wurde. Es stellt die Mutter mit ihren 5 patriotischen Söhnen dar. Dieses Familien- bild erregte die weichen Gemüther der Italiener aufs höchste und diese Erregung spiegelte sich in den vielen dabei gehaltenen Reden wieder.

□ Plauderei aus Bad Salzschlirs.

„Bitte meine Herren, nur keine Aufregung", sagte neulich der Oberkellner im Kurhause, als einmal drangvoll fürchterliche Enge der Plätze an der Table d’höte Anlaß zu einem kräftigen Gefühlsausbruche seitens der Gedrängten und Bedrückten gab, und „bitte meine Herrschaften, nur immer gernüthlich" möchten auch wir sagen, wenn der Aufenthalt am Bonifatius • Brunnen

und in den Badehäusern nachgerade etwas un­bequem wird und die Unzulänglichkeit der Räume gegenüber der Zahl der Kurgäste so recht in die Erscheinung treten läßt. Bad Salzschlirf wird Weltbad! Aus dem verkannten Aschenbrödel wird sich einmal eine stolze Prinzessin herausbilden und die Metamorphose fängt bereits an, sich zu vollziehen.

Einen so großen Fremdenzufluß, wie Heuer, sahen wir noch nie, und in den Hotels und Logirhäusern soll das Wort „besetzt" alle ver­fügbaren Wohn- und Schlafräume umfassen. Darob nun Heller Jubel auf der einen und bittre Klage auf der andern Seite, denn was dem Einen Freude macht, dem Andern macht's Verdruß. Und wie es mit der Nachfrage nach Logirräurnen ist, so steht es auch mit der Inanspruchnahme der Badeeinrichtungen und dem Zudrange zu dem Brunnentempel, in dem zwei Morgens schwarz und Nachmittags weiß gekleidete Jungfrauen mit Ruhe und Geschick ihres Amtes waltend den lithiurn-kochsalz kohlensäurehaltigen Trank des Bonifatius - Brunnens allen hilfs­bedürftigen Menschenkindern kredenzen, die sich als Kurgäste legitimiren oder der Wissenschaft wegen hier aufhalten. „Dicht gedrängt in Schaaren steh'n die Haufen" der Trinklustigen vor dem „Buffet", wartend, bis ihr Glas gefunden un­gefüllt ist, und man muß staunen ob des vor­züglichen Orientirungsvermögens der Brunnen- Jungfrauen.

Moor- und Soolebäder gibt es in dem neuen bezw. alten Solzschlirfer Badehause; sie werden eingekeilt in solche, die man jederzeit haben, und in solche die man jederzeit nicht haben kann. Die Bonifatinsquelle gleicht nämlich nicht „voll und ganz" dem biblischen KrÜglein von Sarepta, das nie leer wurde; sie hält sehr auf gute Behandlung und wird sicherem Vernehmen nach streiklustig, wenn ihr zuviel zugemuthet wird. Ihr derber Bruder, der Moor aber thut dann auch feine Schuldigkeit nicht mehr. Da sollte sich nun eigentlich die Bade­verwaltung hineinlegen und nach Schluß der Saison Abhilfe zu schaffen suchen. Der be­kannte Zahn der Zeit hat ehedem auch an der Salzschlttfer Quellenfaffung sehr genagt, und wenn man ihn auch später am Hammelbein ge­nommen und lahm gelegt hat, so sind einem un­verbürgten Gerüchte zufolge seine Spuren doch nicht ganz verwischt und die Aktiengesellschaft „Bad Salzschlirf" würde sich den Dank aller hierhin pilgernden Gichtbrüchigen erwerben, wenn sie eine Vermehrung der Wasserzuflüsse und vor Allem der Baderäume herbeisührend den sicht­baren Aufschwung, den das Bad nimmt, ernst- lich an der Stirnlocke fassen wollte. Wenn der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, drei Herren und ebenso viele Damen gleichzeitig je eine und dieselbe Badezelle für Moorflußbäder benützen müssen, weil die Baderäume gegenüber der ungeahnten Frequenz bei Weitem nicht mehr ausreichen, so müßte eigentlich von Direktions­wegen bei diesem unfreiwilligen Zusammensein den Herren Gelegenheit zu einem Dreimänner­skat während der Badezeit gegeben und den Damen eine Tasse Kaffee verabreicht werden, mit Backwerk, versteht sich!

Ob eS vom Gesichtspunkte der Gleichberech­tigung aus zu billigen ist, daß Kurgäste sich für mehrer? Wo^en im Voraus tagtäglich die feste Benutzung einer Badezelle zu einer bestimmten Stunde sichern laffen und es dadurch nachkom­menden Kranken vielfach unmöglich mache«, zwischen 7 und 11 Uhr ein Bad nehmen zu können? Diese Frage wollen wir der Kur- direktiov zur Beantwortung überlassen. Ein bewußtes Verschulden der Letzteren und ihrer Beamten ist ausgeschlossen; dafür bürgt daS offenbare und sehr anerkennenswerthe Bestreben der in Betracht kommenden Herren, allen Wünschen der Kurgäste thunlich gerecht zu werden; auch erkennen wir anstandslos an, daß eS sehr schwierig sein mag, die verfügbaren Baderäume angemessen zu oertheilen, gleichwohl aber sollte auch hier der Grundsatz Geltung haben: „Wer zuerst in der Mühle ist, bekommt auch zuerst gemahlen."

Wenn die Zahl der Baderäume etwa um daS Doppefte vermehrt und der Brunnentempel der Frequenz entsprechend vergrößert, eine Ver­mehrung der Logirhäuser herbeigeführt und ein weiterer Quellenaufschluß erreicht sein wird, bar» wird Salzschlirf vermöge seiner vorzüglichen Heilkraft gegenüber gichtischen Leiden sich bald eine hervorragende Stellung unter den deutschen Bädern erobern und wir bedauern, daß Göttin Fortuna uns die Mittel versagt hat, um als­dann unsere Rolle als heilbedürftiger Kurgast nicht mit derjenigen eines potenten Solzschlirfer Bade-Aktionärs vertauschen zu können.

Vermischtes.

* Madrid, 22. Juni. Marschall Martinez Campos kehrte kürzlich gegen Mitternacht auS seinem Klub nach Hause zurück. Er hatte den weiten losen Mantel, die übliche Madrider Campa, umgrschlagen. Unterwegs stieß ihn ein Mann an, entschuldigte sich und ging weiter. Der Marschall vermißte in demselben Augenblicke seine Uhr und lief dem Manne nach. „Die Uhr her, Elender", rief er, „oder ich erwürge Dich". Der Mann erschrak gewaltig, warf dem Marschall die Uhr zu und floh, so rasch er nur laufen konnte. In seiner Wohnung bemerkte der Marschall, daß er seine Uhr auf dem Nachttische hatte liegen laffen. Der Unbekannte hatte den ersten Marschall Spaniens für einen Straßenräuber gehalten! Jetzt läßt der unfreiwillige Straßenräuber durch die Madrider Polizei eifrig nach dem Beraubten forschen, um ihm die Uhr mit Ent­schuldigungen zurückstellen zu können.

(") Atetne Nachrichte«. Halberstadt. Inder Nacht vom 20. zum 21. d. Mts zwischen 11 und 12 Uhr wurde ein Lastfuhrwerk auf der Strecke Halberstadt- Heudeber von einem Güterzuge erfaßt und zer­trümmert. Der Geschirrführer und dessen Sohn wurden vom Wagen geschleudert und verletzt. Ein Pferd wurde getödtet. — Köln Mit sechs Sonder­zügen find über 4000 zur Uebung eingezogene Reservisten aus Westfalen über Köln und Eifelbahn nach den Garnisonen in den Reichslanden befördert worden. — Iserlohn. Kurz vor dem Bahnhofe in dem benachbarten Hemer entgleiste der von Menden kommende Personenzug. Außer der Lokomotive kamen drei Personenwagen aus dem Geleise. Zum Glück waren die Wagen wenig besetzt; eine Frau erlitt eine nur unbedeutende Verletzung. — Bonn. Herr Fabrik­besitzer F. Soennecken hat außer dem bereits gestifteten Unterstützungs-Fonds von 25.060 Mk. sein Wohlwollen für die Arbeiter noch weiter bekundet. So erhält jeder Arbeiter und Arbeiterin den Lohn für dm Jubiläumstag, der als Arbeitstag verloren ging, doppelt ausbezahlt. — Barmen. Ein Kaufmann von Barmen fuhr mit der Bahn von Barmen nach Vohwinkel. Er bestieg eine Nichtraucherabtheilung und zündete sich eine Zigarre an. Dieses verbot sich eine ältliche Dame mit einem Hünd­chen auf dem Schoße. W. beachtete jedoch dies nicht und rauchte weiter. Die Dame entriß ihm die Zigarre und warf fie zum Fenster hinaus. Dieser, schnell ent­schlossen, faßte das Hündchen und ließ es der Zigarre durch das Fenster folgen. Die Dame zog die Noth« bremse und ließ den Namen des Frevlers feststellen. Die Kostenrechnung dürfte nicht ausbleiben. — Ober­hausen. Die Frau eines hiefigen Fabrikarbeiters goß in den Behälter einer brennenden Lampe Petrolmm nach. Der am Tische fitzende Mann stieß zufällig die Frau an den Arm, so daß das Petroleum überfloß und die Lampe zur Explosion brachte, wobei Mann und Frau schwere Brandwunden erlittm. — Hagenau (Elsaß). Durch einen Wirbelwind wurden tn Maxen- hausen große Verheerungen angerichtet. Der Bahnhof wurde fast gänzlich zerstört, außerdem wurden zahlreiche Häuser abgedeckt, Hopfenfelder grauenhaft verwüstet und hunderte von Bäumen entwurzelt — Straß­burg. Ein Diebstahl, von dem man jeden­falls nicht recht weiß, ob er auf Gewinnsucht oder einen Racheakt zurückzuführen ist, wurde an der Chororgel des Straßburger Münsters verübt. Bon dieser wurden nämlich die beiden größten Orgelpfeifen „C" und „Cis" herausgenommen und entwendet. — Er­langen. Der v-Zug München-Berlin stieß bei der Einfahrt in den Güterbahnhof Erlangen auf einen Güter­zug. Mehrere Wagen wurden zertrümmert. Personen find nicht verletzt. — Graz. Hier ist dieser Tage ein Mordanschlag gegen die Gräfin Hartenau, Wittwe des Fürsten Alexander von Bulgarien, entdeckt worden. Um einen Raub auszuführen, hatten der frühere gräfliche Kutscher Friedrich und ein gewisser Back, die Ermor­dung der Gräfin geplant. Die Ausführung wurde ver­hindert, da Beide inzwischen wegen anderen Verbrechen verhaftet wurden. — New-Jork. In den Bereinigten Staaten findet augenblicklich eine Volkszählung statt, welche am 30. Juni beendet sein muß. Newyork wird einschließlich Brooklyn auf 3,655,000 Einwohner geschätzt, während Chikago 2,008,000 und Philadelphia über eine Million Einwohner hat. Die Gesammtbevölkerung der Bereinigten Staaten ausschließlich Alaska- und der Kolo- nieen soll seit der letzten Schätzung auf 78,964,472 ge­stiegen fein. — Washington. Die landesüblichen Wahlwetten haben im Hinblick auf die bevorstehende Präsidentenwahl in Amerika bereits begonnen. Sv wettete dieser Tage ein Mann 40000 Mark gegen 30000 Mark, daß der demokratische Präsidentschafts­kandidat Bryan alS Sieger aus der Wahlschlacht her­vorgehen werde.

OP« Aestord in de« Nreiskegek« in der Unions­brauerei in der Hasenhaide zu Berlin, bei dem bekanntlich als erster Preis eine Villa ausgesetzt ist, ist jetzt 83 „Holz". Diesen hohen Wurf machte Herr Jackson-Berlin. Er schob mit 10 Kugeln 3 Sieben, 1 Acht und 6 Neunen. Herr Jackson ist ein echter SportSmann: Kegler, Turner, Schwimmer, Ruderer, Radler. Seit einigen Wochen hat er aus der Kegelbahn fleißig trainirt; erließ nicht nach, biS ihm der große Wurf gelang. Die höchsten Würfe überhaupt machten bis jetzt die Herren: 1. Jackson-Berlin mit 88, 2. Echternach-Hattingen (Westfalen) mit 81, 8. Westphahl-Berlin mit 81, 4. B. Schulze-Berlin mit 80 Holz. Darauf folgt eine Menge Würfe mit 79 Holz. Schluß deS Preiskegelns ist am 24. Juli.

Gottesdienstordnung in Fulda.

Sonntag, 24. Juni. Dom. 5, 6, 6’/« und 71/« Uhr heil. Messen, 9 Uhr Hochamt und Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, 1'/. Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr An­dacht in der Marienkapelle. — Ktadtpfarrkirchr. 5 Uhr hell. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christenlehrpfl. Jungfrauen, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9'/, Uhr Amt und Predigt, 11 und VI« Uhr Christenlehre, 3 Uhr Michaelsdruder- chaft. — Micharlskirche. 10 Uhr hl. Messe Htit Ex­position, 2 Uhr Predigt und Bruderschaft von den 7 Schmerzen Mariens. — Pfarrkirche plw hl. «eiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Seaen — K-daliM. '/.IO Uhr. — J. 8. 6*/« und 2'« Uhr — Frauenberg. 5 und 7.7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Bruder- fchaftsmesse, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr feierliche Vesper mit sakramental. Segen.

Kvangettscher Gottesdienst. Sonntag, den 24. Juni: Bonn. 8 Uhr: Herr Pfarrer Eh ring- haus. Borm. 9‘/i Uhr: Herr Pfarrer Wagner.