Anstand.
© Asm, 21. Juni. Die Bemühungen SaraccoS, ein Kabinet zu bilden, sind bisher erfolglos geblieben. Visconti-Benosta weigerte sich entschieden, an der Spitze des Auswärtigen Amtes zu treten. Eine andere Persönlichkeit findet sich für diesen wichtigen Posten sehr schwer.
* Madrid, 21. Juni. Die Zwangsvollstreckungen gegen die Kaufleute, welche die Steuern nicht gezahlt hatten, nahmen gestern ihren Anfang. Die Ruhe wurde nicht gestört, aber die Bewegung besteht fort.
• ^elersvnrg, 21. Juni. Der Minister de» Aeußeren Graf Murawiew ist heute früh plötzlich gestorben. — Michael Nikolajewitsch Murawiew, der seit Januar 1897 als Nachfolger Lobanows die auswärtige Politik des Zarenreichs leitete, war am 19. April 1845 geboren. Einen Theil seiner Universitätsstudien machte er in Heidelberg. Seit 1864 im diplomatischen Dienste, der ihn nach Berlin, Karlsruhe, Paris, Stockholm und dem Haag führte, wurde er 1893 Gesandter in Kopenhagen, 1897 Minister des Auswärtigen. Die Politik Murawiews hat sich durchaus in den Bahnen Lobanows bewegt. Unter Murawiew wurde durch die Verbrüderung von Kronstadt und Toulon der französisch-russische Zweibund besiegelt. Andererseits sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland, abgesehen von vereinzelten
weit zartfühlender hatte die Verstorbene gehandelt, indem sie die Gegenstände ohne Wiffen Mia's lauste! Er schämte sich seines Zornes und seiner eigenen Handlungsweise.
„Aber", so fragte er sich, „weshalb sollen die Malereien erst nach Eröffnung des zweiten Testamentes Mia zurückgegeben werden? — ®e» heimnifse über Geheimnisse! — Ich muß mich wahrhaftig verheirathen, wenn ich überhaupt hinter daS Geheimniß kommen will".
Er lachte laut aus und packte die Malereien wieder sorgfältig zusammen.
* ♦
Am Abend ging Konrad in das Eulennest. Den ganzen Tag war er ziel- und zwecklos umhergeschlendert. Er wußte nicht, ob er an Mia über seine Entdeckung schreiben sollte; schließlich kam er jedoch zum Entschlüsse, der verstorbenen Tante Geheimniß zu bewahren und es der Zett zu überlassen, es zu enthüllen.
„Sie hat es wahrhaftig nicht um mich verdient", murmelte er, „daß ich ihretwegen das Testamentsgeheimniß der seligen Tante offenbare, obgleich mir ja in keiner Weise Schweigen über meine Entdeckung auferlegt ist. Aber die kleine blonde Hexe mag noch auf die Entschleierung des Geheimnisies warten — wie lange, das wissen die Götter! Ich verheirathe mich nicht, das weiß ich."
Mit diesem Entschluffe trat er in das Eulennest, welches jetzt, im Hochsommer, ziemlich verödet dalag, da mehrere Stammgäste in die
Sommerfrischen gereist waren. Der Justizrath war indeffen nicht verreist, einige Künstler, denen wahrscheinlich das Reisegeld fehlte, hatten ebenfalls vorgezogen, dazubleiben. Die zwei Stammtische waren zu einem verschmolzen. (F. f.)
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Jti. 141.
6 Zur sogenannten Schul-Reform.
Nach der Schul-Konferenz, die während der Pfingstwoche im Berliner Kultusministerium abgehalten wurde, ist die Auseinandersetzung über die Frage der Umgestaltung des höheren Schulwesens wieder allgemein geworden. In jener Konferenz sind allerhand Gesichtspunkte ausgestellt, aber keine Beschlüffe gefaßt worden, als nur der eine, daß später eine Kommission im preußischen Kultusministerium zusammentreten soll, um über die Lehrpläne der einzelnen Schulgattungen nach den von der Konferenz aufgestellten Gesichtspunkten zu berathen. Das sieht nicht nach großer Eile aus. Und thatsächlich hat ja Kultusminister Studt bei der Berathung des Kultus-Etats im preußischen Abgeordnetenhause die Aeußerung ge- than, man brauche nicht besorgt zu sein, daß den humanistischen Gymnasien mit großer Ueberstür- zung zu Leibe gegangen werden würde.
Bald nach jener Berliner Konferenz hat eine Versammlung württembergischer Schulmänner in Ulm stattgefunden, und diese Versammlung hat in sehr zutreffender Weise vornehmlich auf einen praktischen Gesichtspunkt aufmerksam gemacht, an den man in Berlin nicht gedacht zu haben scheint: daß es nämlich durchaus wünschenswerth ist, wesentliche Aenderungen in den Lehrplänen der sogenannten höheren Schulen, also Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen, gemeinsam für das ganze Reich zu berathen und vorzunehmen. Denn das ohnehin herrschende Wirrsal würde bis zur Unerträglichkeit verstärkt werden, wenn nun etwa Preußen für sich an eine Umgestaltung seiner Schulen gehen wollte, die übrigen Bundesstaaten aber alles beim Alten belassen würden.
Die Vielgestaltigkeit der Lehrpläne ist, vom praktischen Gesichtspunkte aus betrachtet, der größte Uebelstand. Man sieht es einem kleinen Knaben nicht an, zu welcher Berufsart er später Lust haben und Anlage zeigen wird. Diese Geisteseigenschaften entwickeln sich in der Regel erst in einem Alter, in dem die Knaben bereits bis Tertia oder sogar Sekunda vorgerückt sind; und schon zu dieser Zeit macht die Uebersiedelung von der einen Schulart zur anderen große Schwierigkeiten. Um so größer sind diese letzteren, wenn ein junger Mann nach abgelegter Reifeprüfung entdeckt, daß er am meisten Neigung und Fähigkeit besitze für ein Studium, das ihm nach den herrschenden Bestimmungen verschloffen ist.
Wenn also eine Aenderung in dem Sinne angestrebl wird, daß ihr Erfolg eine Abminderung der Ausschließlichkeit gewiffer Universitätsstudien ist, so wird eine solche Aenderung allgemein mit Freude und Anerkennung begrüßt werden. Muß man doch gleichzeitig bedenken, daß in den allermeisten Städten die Eltern gar keine Wahl haben in der Schule, weil nur eine Schule vorhanden ist. Es gibt sogar noch größere Städte genug, die nur eine solche Schule aufzuweisen haben, z. B. Hamm in Westfalen mit 29000, Schweidnitz in Schlesien mit 26000, Minden mit 20000 Einwohnern und andere mehr. In solchen Städten kann der Knabe nur das vorhandene Gymnasium be-
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Am Kulenthurme.
Roman von O. Elster.
------ (Nachdruck verbot«.)
Konrad hatte sich sein Leben lang für „alte Scharteken" interessirt. Er befahl Friedrich, eine Lampe zu brinaen und machte sich an die Besichtigung der verborgenen Schätze.
Was kam da nicht alles zutage! Vertrocknete Kränze und Boukets, alte Briefe, mit einem ver- michenen Seidenband umschnürt, Poesie- und Stammbücher mit zarten Versen und Zeichnungen von Engeln, Rosen und Vergißmeinnicht, wie sie Bor fünfzig und mehr Jahren Mode gewesen waren; Gebet- und Andachtsbücher, Kinderspiel- i«ug, mit dem die Großtante vor achtzig Jahren Lffpielt haben mochte, kleine Schmuckgegenstände, turz eine Menge von allerhand werthlosem Tand, 6et indeffen in einem sinnenden Gemüth die wunderlichsten und nachdenklichsten Träume und Gedanken erwecken konnte. Man merkte e§ diesen vergilbten, verstaubten, altmodischen Gegenständen daß Tante Konradine auch einmal jung, fröh- "ch, hübsch und hoffnungsreich gewesen war. Wie 'n Sarg kam dieser Koffer Konrad vor, in dem ^ante Konradine alle ihre Erinnerungen und "Ugendhoffnungen begraben hatte.
. Er wollte die Sachen wieder in den Koffer D«!?' ihm ein nur leicht verschnürtes, großes in die Hände fiel. Auf demselben stand Na^ ritternden Hand der Taute geschrieben: an v-®röffnun9 meines versiegelten Testamente« ^^roulein Mia Ruland zurückzugeben. Konradine
Was mochte das Packet enthalten? Mias Name
IuLöa, Freitag, den 22. Juni 1900.
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27. Jahrgang.
suchen, oder aber er muß in einer anderen Stadt in Pension gegeben werden und eine solche Ausgabe kann sich nur die Minderheit der begüterten Leute gestatten.
Gerade die praktischen Gesichtspunkte sind für das große Publikum die Hauptsache, nicht der Streit darüber, ob für die Ausbildung des Geistes das Gymnasium oder das Realgymnasium beffer sei. Die Ausfechtung dieses akademischen Streites kann getrost den Schulmännern über- laffen bleiben und solchen Anderen, die ganz besonders zu der Behandlung dieser Streitfrage sich berufen fühlen. Für die Eltern, die Knaben nach höheren Schulen zu schicken haben, ist und bleibt es unter allen Umständen der vornehmste Gesichtspunkt bei der Sache, daß ihren Söhnen nicht schon durch die Schule die spätere freie Berufswahl in ungebührlicher Weise beschnitten werde. Und deswegen kann eine einheitliche Gestaltung des Lehrplanes für alle Schulen so weit in der Stufenleiter der Klaffen hinauf wie nur irgend möglich nicht genug empfohlen werden.
Vom rein praktischen Gesichtspunkte aus entscheidet sich aber die andere Frage sehr leicht: auf was für eine Schule sollen wir unseren Sohn schicken? Die Antwort darauf kann von dem Standpunkte des Praktikers aus nur lauten: in das humanistische Gymnasium. Denn der Abiturient dieser Schulgattüng ist in seiner Berufswahl vollkommen frei; ihm stehen alle akademischen und alle anderen Berufszweige offen, und wenn der Sohn unter den gegenwärtigen Umständen ein solches Gymnasium besucht, brauchen die Eltern keine Sorge darüber zu hegen, daß ihm später irgend ein Beruf oder irgend ein Studium infolge seiner Schulbildung verschlossen sei.
Deutsches Deich.
Berlin, den 21. Juni.
+ Sreußische Regierung rmd Konservative. Das Ltebeswerben der Offiziösen des Herrn Ministers von Miquel bei den Konservativen ist bei diesen letzteren nicht spurlos vorüber gegangen. Die agrarisch-konservative .Deutsche Tageszeitung' stellt Herrn von Miquel folgendes Zeugniß aus: „Im Gegensatz zu der vorangegangenen Session (des preußischen Landtages), welche durch die Maßregelung der kanalfeindlichen Staatsbeamten ein überaus bedauerliches Gepräge erhalten hatte, sind in dieser Session die Gegensätze zwischen der Regierung und den staatserhaltenden Parteien kaum in nennenswerthem Maße in die Erscheinung getreten. Namentlich in den Gesetzen, die sich auf agrarischem Gebiete bewegen, ist eine erfreuliche lieber» einstimmung der Auffassung festzustellen gewesen . . .“ Daher rührt eben der Katzenjammer der liberalen Streber, die gern „regierungsfähig" werden wollten und es trotz aller Mühe und Selbstverleugnung nicht dazu bringen konnten!
ft Die SchiffsSeschkagvaHme« durch die Kagkävder an der ostafrikanischen Küste sind zwar zu einer fast vergessenen Sache geworden. Aber erledigt ist der Fall noch lange nicht; denn
erregte die Wißbegierde Konrads aufs Höchste; um beffer sehen zu können, nahm er das Packet mit in fein Atelier.
„Soll ich es öffnen? — Ei, es steht ja nicht darauf geschrieben, daß ich es nicht darf — ich öffne es!"
Er entfernte die Schnur. Das Packet fiel auseinander und Konrad's Lippen entschlüpfte ein Ausruf der Ueberraschurig, denn vor ihm lagen die Arbeiten Mia's, die nach dem Verkauf spurlos verschwunden waren. Da waren die zierlrchen Aquarelle, die Fächer, die Sttllleben, die eigen» thümlich beleuchteten Häusergruppen aus dem Voßwinkel kleine Genrescenen aus dem Volksleben und was die junge Künstlerin sonst Alles dem Händler zum Verkauf flbergeben hatte. Konrad kannte aus einem Verzeichnisse Mia's alle ihre Arbeiten, nach denen er so lange geforscht hatte. Jetzt lagen sie vor ihm. Keine derselben fehlte.
Konrad wußte nicht, was er sagen sollte, ein heftiger Zorn gegen die Verstorbene erfaßte ihn.
„Ah," knurrte er ingrimmig, „das grenzt ja an ein Verbrechen! Hier in diesem staubigen, dunklen Winkel hast Du die zierlichen Schöpfungen eines nach Sonnenlicht und Freiheit lechzen- den Talentes begraben? Hier in dem Moder- dufte Deiner Erinnerungen? Das ist ein Verbrechen an dem heiligen Geiste der Kunst — an der Seele der jungen Künstlerin selbst! — Das kann Dir nicht verziehen werden! Wie Du mein Künfilerthum unterdrückt hast, wie Du den Flug des Genies in dem armen Ruland gelähmt hast, so wolltest Du auch das lustig und fröhlich zwitschernde Vöglein im engen Käfig des Klein« bflrgerthums halten, so wolltest Du die reizende Blume des Frühlings ohne Sonne und Lust ver-
wenn die Engländer etwas gut machen oder bezahlen sollen, pflegen sie immer sehr schwerfällig sich anzustellen. So schreiten denn auch die Ver. Handlungen wegen der Entschädigung der Ostafrika-Linie sehr langsam vor; und augenscheinlich ist es nur dem Drucke zu verdanken, der vom deutschen Auswärtigen Amte fortgesetzt ausgeübt wird, daß die Verhandlungen nicht schon vor ihrer Erledigung wieder eingeschlafen sind. Jetzt hofft man, es werde im Laufe des nächsten Monats dazu kommen, daß die englische Regierung vollen Ersatz leiste für den Schaden, der der Schiffsge- sellschaft durch die Beschlagnahme der Schiffe zugefügt worden ist. Es wird auch allerhöchste Zeit dazu 1
ft Der schlesische Wahlkreis Waldev- v«rg bildet gegenwärtig einen der wenigen unruhigen Punkts inmitten der eingetretenen politischen Windstille; denn dort muß eine Ersatzwahl für den Reichstag stattfinden, weil das Mandat des sozialdemokratischen Abg. Sachse für un- giltig erklärt worden ist. Die Vorgänge im Waldenburger Wahlkreise sind deswegen bemerkens- werth, weil eine Einigung des Centrums, der Konservativen und der Nationalliberalen gegen die Sozialdemokratie zu Stande gekommen ist. Alle diese Parteien fordern gemeinschaftlich ihre Wähler auf, für den Generaldirektor Dr. Ritter einzutreten, der für feine Person der freikonservativen Partei angehört. Die Centrumspartei im Waldenburger Wahlkreise tritt mit einem eignen Wahlaufrufe für Herrn Dr. Ritter an die Oeffent- lichkeit, in dem „den katholischen Wählern dringend empfohlen wird, ohne Ausnahme dem Genannten ihre Stimme zu geben und nach besten Kräften für die Wahl dieses Kandidaten zu werben". Der Kandidat der Sozialdemokratie ist auch diesmal wieder der frühere Bergarbeiter Sachse.
* Eine Avsie«vergSt«»g für die Veranlagung der Staatssteuern hat die Stadt Breslau durch Urtheil des Reichsgerichts vom 9. März 1899 «finiten. Darauf hat der Finanzminister an die Stäote das Anfinnen gestellt, freiwillig auf die Vergütung zu verzichten. Die Stadt Charlottenburg hat einen solchen Verzicht abgelehnt. Danach hat Herr von Miquel sich zu einem Vergleich mit der Stadt Charlottenburg Herbeigelaffen, wonach sie für die bis zum 1. April 1900 reichenden Leistungen eine Gcsammtvergütung von 80186 Mk. erhält. Für die Zett nach dem 1. April 1899 soll die Stadt für jede mit 900 bis 3000 Mk. Einkommen veranlagte Person 50 Psg., für jede mit über 3000 Mk. Einkommen veranlagte Person 1,50 Mk. erhalten, was ungefähr 25 000 Mk. per Jahr ausmacht. Aehnliche Abkommen sind mit mehreren Gemeinden Westfalens und der Rheinprovinz abgeschloffen worden. (Da werden sich sicher bald auch noch andere melden! D. Red.)
* Militärische Krntearöerter. Den Truppen- theilen ist auch in diesem Jahre wieder gestattet worden, während der Erntezeit Soldaten zu den Landwirthen abzukommandiren. Es dürfen jedoch nur solche Leute abtommanbirt werden, die im Exerziren und Felddienst, vornehmlich aber im Schießdienst genügend ausgebildet sind, und bei denen nicht die Gefahr vorliegt, daß sie
dorren laffen, so hast Du Mias Schöpsuugen eingefargt, da Du sie nicht hindern konntest, ihrem künstlerischen Drange zu folgen. — Ach, du — du unseliger Geist des finsteren Eulen- thurmes, des alten Siechenhauses! Jetzt erkennt man deine wahre Natur! Auch mich willst du nach deinem Tode noch in dieses dunkle Haus bannen, in dieses Gesängniß und Grab des Talentes, des GenieS! — Aber verehrtest« Tante, daraus wird nichts! Ich breche den Bann—ich entziehe Mia und mich selbst deinem finsteren Zauberreich."
Allmählich ward er indeffen ruhiger. Ec erinnerte sich der Herzensgflte der Verstorbenen, der Milde und Nachsicht und der stillen Traurigkeit, welche stets auf ihrem sanften, blaffen Gesichte geruht hatte. Sie hatte durch den Ankauf der Arbeiten Mias sicherlich einen bestimmten Zweck verfolgt, aber gewiß nicht den, deS jungen Mädchens Talent zu unterdrücken. Nein, sie hatte die junge Künstlerin sogar ermuthigt durch den schnellen Ankauf ihrer Werke und sie zugleich materiell in mcht unerheblicher Weise unterstützt. Hunderte von Thalern hatte die Verstorbene für diese Arbeiten, unter denen sich doch manches werthlose befand, ausgegeben, Hunderte von Thalern, die alle dem Haushalt Mias zu Gute gekommen waren. Hatte denn er selbst nicht aus demselben Grunde, um Mia zu unterstützen, deren letzte Arbeiten gekauft? Und plötzlich schlug ihm eine siedendheißr Gluth in die Wangen und die Stirn. Wie rücksichtslos, wie wenig zartfühlend hatte er Mia gegenüber gehandelt, daß er ihr sofort mügetheilt, er habe die Malereien gekauft. Mußte sich Mia dadurch nicht mit Recht verletzt und erniedrigt fühlen? — Wie
durch das vierzehntägige bis dreiwöchige Kommando an den erlangten Dienstfertigkeiten Einbuße erleiden. Gute Führung ist indeffen die @runb» bebingung für einen Ernteurlaub.
V Aerki«, 21. Juni. Der Kaiser hörte, wie der ,Reichs-Anzeiger' aus Kiel meldet, gestern die Borträge des Staatssekretärs Tirpitz und des Vertreter- des Auswärtigen Amtes, Grafen von Wolff-Metternich. — Heute Vormittag weilte der Kaiser eine Stunde lang in Kiel auf dem niederländischen Kreuzer „Noord- brabant". — Staatssekretär von Bülow hat sich nach Kiel begeben. — Am 3. Juli wird der Kaiser seine diesjährige Nordlandsreise antreten. — Der Besuch des deutschen Kronprinzen bei seiner Urgroßmutter, der Königin von England, und seine Bekleidung mit den Abzeichen des Hosenbandordens wird, wie die .Westminster Gazette' meldet, entweder während des Sommerauf«thalts der Königin in Osborne oder im «in Balmoral stattfinden. — Der königliche Hof
, eute für die Fürstin Mutter von Hohenzollern die Trauer auf acht Tage an. — Der Minister der öffentlichen Arbeit« v. Thielen beabsichtigt einen längeren Urlaub am 1. Juli anzutreten und zunächst nach Gastein zu gehen. Der Minister deS Innern Frhr. v. Rheinbaben wird gleichfalls in den ersten Tagen des Juli seine Erholungsreise antreten und sich zunächst nach England begeb«. — Nach einer Entscheidung der Medizinal - Abtheiluna deS preußischen Kriegsministeriums kann der Eintritt zur Ableistung der einjährigen Dienstzeit seitens der Mediziner nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkte wie bisher, sondern nur an den festgesetzten Einstellungszeiten am 1. April und 1. Oktober eines jeden Jahres erfolgen. Besondere Ausnahmen sind nur noch mit Genehmigung der Generalkommandos gestattet. — Anläßlich der Mobilmachung und der kriegsmäßigen Ausrüstung von Schiffen herrscht auf den Spandauer Militär-Werkstätten eine vermehrte Thätigkeit. — Die Begeisterung für die deutsche Expedition nach China ist hier namentlich unter den Gardetruppen sehr groß. Es meldeten sich, als bei dem Garde- Schützen-Bataillon ungefragt wurde, wer nach China gehen wolle, die Oberjäger und fast sämmtliche Mannschaften der 4. Kompagnie als Freiwillige.