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mit Anterhaltungs-Meikage „Mstrirte Sonntags-Zeilungi' peterssaSe Nr. 2 lLarmonte).

M 139.

££ Die Regierung und die Parteien.

Die Liberalen dürsten nach der Gnaden- sonne der Berliner Regierung. Das sah man so recht deutlich, als im Sommer des letztoerfloffenen Jahres im preußischen Abgeordnetenhause die Kanal- Vorlage berathen wurde. Der Mittelland-Kanal war ihnen Nebensache, abgesehen von den­jenigen Abgeordneten, die gerade zunächst bethei- ligte Wahlkreise zu vertreten haben; die Haupt­sache war ihnen, die Regierung mit der Rechten zu verfeinden, und in dieser Ab­sicht ist während der Debatten im Abgeordneten­haus sowohl als auch in der liberalen Presse tüchtig gehetzt worden. Hat sich doch ein Mit­glied der freisinnigen Vereinigung, der Abgeord­nete Dr. Barth, sogar mehrfach zu der Be­hauptung verstiegen, daß die Regierung mehr Stütze habe an den — Sozialdemokraten, als an der konservativen und freikonservativen Partei; aber ob er im Ernste geglaubt hat, mit solchen Mätzchen den preußischen Ministern zu imponiren ? Man sollte es kaum annehmen. Aber warum hätte dann Herr Dr. Barth überhaupt solche Reden gehalten?

Der Kanal fiel. Die Art und Weise, wie er fiel, zeigte aufs neue, daß der Linken am Kanal selbst nichts lag, daß fie ihn vielmehr nur aus­nützen wollten für ihre parteipolitischen Zwecke. Denn wenn die Herren nur gewollt hätten, so hätten sie das Kanalstück vom Rheine bis Dort­mund haben können; das Centrum hätte dann in Gemeinschaft mit der Linken diesem Theilstücke des Mittellandkanals zur Annahme im Abgeord­netenhause verholfen. Aber das paßte den Herren von der Linken nicht. Diesen Vorschlag wiesen sie von sich; denn ihnen war es um die Erregung eines Zwistes zu thun zwischen der Regierung und den Konservativen, nicht um die Förderung der Kanalpläne der Regierung, und eine solche Ver­mittelung paßte nicht in ihre Pläne.

Im Anfänge schien es so, als sollten diese Pläne verwirklicht werden, wenigstens theilweise. Die Regierung war kleinlich und unklug genug, zu den bekannten Maßregelungen der kon­servativen Beamten sich verleiten zu kaffen, die als Mitglieder des Abgeordnetenhauses gegen die Kanalvorlage gestimmt hatten, und nun erschöpften sich die Herren von der nationalliberalen Partei und von der Freisinnigen Vereinigung beinahe in Flottenbegeisterung. Die Kanalvorlage im preußischen Landtage und die Flottenvorlage im Reichstage — mit diesen beiden Pferden glaubten sie ihren Karren sicher aus dem Loche, in das sie gerathen sind, herausziehen und ihren Einzug halten zu können in verschiedenen Berliner Mini­sterien. Nannte man doch schon den Bankdirektor Dr. von Siemens als den Nachfolger Miquel's, nebenbei gesagt einer der Oedesten unter den öden Manchestermännern der ganzen Freisinnigen Ver­einigung !

Der Gedanke war schön; aber es kam anders. Mit der Flottenvorlage machte ministerdurstigcn Seelen Herr Eugen Richter einen Strich durch die Rechnung. Er wollte nicht mitthun, und er hatte in einem Punkte recht; nämlich darin, daß er sagte, der ganze Plan sei ihm zu phantastisch, weil die Regierung, auch wenn sie

Im Kukenthurme.

Roman von O. Elster.

18 ------- (Nachdruck verboten.)

Mehrere Wochen waren vergangen. Konrad und Mia hatten sich nur einige Male wiederge- sehen. Mia hatte fleißig gemalt, sodaß sie dem Berliner Kunsthändler mehrere hübsche Aquarell- bilder übersenden konnte, welche dieser sofort er­warb. Er schrieb an M junge Künstlerin, sie möge ihn doch einmal in Berlin aufsuchen, da er mit ihr anderweitige Arbeiten zu besprechen wünsche. In seinem Hause fände sie stets eine gastfreundliche Aufnahme.

Konrad konnte Mia nur zureden, die Einladung des kunstverständigen und in der künstlerischen Welt einflußreichen Mannes anzunehmen, und so war denn daS junge Mädchen vor etwa vierzehn Tagen nach Berlin gefahren, nachdem fie ihren Vater der Pflege Kathrinens anempfohlen hatte. Diese brummte zwar etwas, da sie nicht recht begreifen konnte, was Mia in der großen Stadt wollte, aber sie hatte das junge Mädchen viel zu lieb und war zu pflichttreu, als daß sie sich des Herrn Ruland nicht auf das Sorgsamste an­genommen hätte, zumal der alternde Maler in der letzten Zeit öfter kränkelte und hinfällig ge­worden war.

Konrad befand sich in übler Laune. Wenn Olga Grottler darauf gerechnet hatte, in Konrad einen lustigen Kameraden zu finden, so sah sie sich arg enttäuscht. Er ließ sich fast gar nicht mehr bei Grottlkds sehen, vergrub sich in dem

Iulöa, Mittwoch, den 20. Juni 1900.

27. Jahrgang.

Deutsches Deich.

Berlin, den 19. Juni.

+ 5«r Schulreform hat in diesen Tagen auch eine Versammlung württembergischer Schul- männer Stellung genommen, die in Ulm bei­sammen war. Die Entschließung, die diese Versammlung angenommen hat, spricht sich gegen die Reformgymnasien nach der Art des Frankfurter Reformgymnasiums und

Eulenthurme, saß des Abends im Eulenneste mir dem sarkastischen Stadtphysikus und dem Justiz­rath mit dem merkwürdigen Gesicht zusammen und kümmerte sich sonst um die Welt und die Menschen nicht im Geringsten.

Heute Morgen war er ganz besonders schlechter Laune. Er hatte einen Brief von Mia erhalten, welcher lautete:

„Mein weither Freund!

In der Freude und Dankbarkeit meines Herzens kann ich nicht umhin. Ihnen zuerst den glücklichen Erfolg meiner Reife mitzutheilen. Der Kunsthändler, Herr Gehrmann, seine Gattin und seine beiden allerliebsten Töchter, Mädchen von sechszehn und achtzehn Jahren, haben mich auf das Freundlichste ausgenommen. Ich kann wohl sagen, daß ich in der kurzen Zeit meines Hierseins eine zweite Heimath gewonnen habe. Herr Gehrmann ist eine ideal angelegte Natur, die ganz in der Kunst aufgeht, Frau Gehr­mann eine sorgsame Hausfrau, dabei hochge­bildet und unterhaltend, und die Töchter sind reizende, fröhliche Mädchen, mit denen ich manches Stündchen verplaudert habe. Ich bin Ihnen, mein theurer Freund und Beschützer, von ganzem Herzen dankbar, daß Sie mich an diese Familie empfohlen haben. Ich liebe Gehr- manns um so mehr, als sie auch über Sie nur Liebes und Gutes zu berichten wissen. Man hat mir alle künstlerischen Schätze der Reichs­hauptstadt gezeigt — eine ganz neue Welt ist mir aufgegangen. Ich habe gesehen, daß ich noch viel, unendlich viel lernen muß. Nun aber zur Hauptsache. Herr Gehrmann hat mir mehrere Aufträge ertheilt, unter anderen folgen-

wollte, nichts ausrichten könnte mit den Liberalen allein. Und nun „machte es", wie die parlamen­tarische Legende ging, „die Regierung mit den Agrariern". Die wegen ihre Kanalgegnerschaft gemaßregelten preußischen Beamten kamen nach und nach alle wieder in Amt und Würden, und sie fielen zumeist, nach einem jüdischen Sprich­worts, wie die Butterbrote auf die geschmierte Seite; die Maßregelung und das, was hinterher kam, ist ihnen nicht schlecht bekommen, und mancher von ihnen mag jetzt in seiner neuen und bessern Stellung recht froh sein darüber, daß er in dieser Weise gemaßregelt wurde.

Kurz und gut, der kurze Traum der Liberalen von Regierungssähigkeit und Ministerämtern ist ausgeträumt, und der Zustand nach dem Er­warten scheint nicht sehr angenehm zu sein. Wenigstens äußert sich ihre Presse recht ungnädig über alles, was während der letzten Monate in den Parlamenten vorgegangen ist — für andere Leute ein recht erfreuliches Kennzeichen d e r Z e i t! „Auf die... Session des preußischen Landtages kann unser Junkerthum mit größerer Genugthuung zurückblicken, als auf irgend eine seit der Einführung der Verfassung . . .", so ruft die Berliner nationalliberale,National-Ztg.' wüthend aus. Nur weiß sie nicht recht, womit sie ihre Wuth erklären soll — in Wahrheit ist es der innerliche Aerger über die getäuschten Hoffnungen. Denn es ist über alle Maßen albern und lächerlich, wenn das genannte national­liberale Blatt schreibt: „. . . das für die ver- floffene Landtagssession charakteristische Gesetz — nach unserer Ansicht das schlechteste Gesetz, welches in Preußen seit Generationen ergangen — ist das über die Waarenhaussteuer ... in erster Reihe verdankt es seine Entstehung den Parteiinteressen des Junkerthums.

Ein solches „Junkerthum" kann man sich gefallen lassen: das Centrum ist stolz da­rauf, in allererster Reihe der Fahnen­träger dieses sogenannten Junker­thums gewesen zu sein, und es wird bei dieser Fahne bleiben. Denn nicht den Interessen jener Leute dient dieses Gesetz, die man ehedem !n Preußen unter der Spüttbezeichnung Junker­thum zusammenfaßte, sondern dem emsigen und thätig schaffenden Mittelstände mit kleinen Betriebsmitteln; und diesem ist jetzt die helfende Hand der Gesetzgebung am nothwendigsten.

Die liberale Preffe aber wird bald genug nach diesen ihren planlosen Wuthausbrüchen an den alten Spruch denken: si tacuisses, philoso- phus mansisses — o hättest du geschwiegen; man hätte dich nachher noch für klug halten können I

gegen die gleichmäßige Berechtigung der Abiturienten aller Schulen zum akademischen Studium aus. Dagegen bezeichnet in sehr richtiger Weise die Entschließung eine Revision des Berechtigungswesens in gleichmäßiger, alle deutsche Staaten umfassender Weise als ein Bedürfniß.

h Die Gntwickekung des Akeischveschan- gesetze» ist noch lange nicht abgeschloffen: der Bundesrath wird sicherst im künftigen Herbst damit beschäftigen. Jetzt handelt es sich noch um die Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetze, die im Reichsamte des Innern aus­gearbeitet werden; und erst dann, wenn auch diese Arbeiten vollendet sein werden, kann der Bundes­rath darüber beschließen. Da aber der Bundes­rath nächstdem auch seine Sitzungen bis zum Herbste vertagen wird, kann dies ebenfalls nicht vor diesem Zeitpunkte der Fall sein.

X Die Waarenhaus-Stener in Sreutzerr soll mit dem Rechnungsjahre 1901, also am 1. April des genannten Jahres, in Kraft treten. Bei der Berathung dieses Gesetzentwurfes ist es im preußischen Herrenhause zum ersten Male ge­schehen, daß so etwas wie Obstruktion sich regte: es waren hier mehrere Oberbürgermeister, die die Lust dazu erkennen ließen, die sofortige Berathung des aus dem Abgeordnetenhause zurückgekommenen Gesetzes unmöglich zu machen. Aber bald genug mußten fie einsehen, daß ihr Beginnen unaus­führbar wa-. Nunmehr also beträgt die untere Grenze des Jahresumsatzes, bei der die Steuer beginnt, 400 000 Mk.; dieses Zugeständniß hat das Abgeordnetenhaus an die vom Herrenhause aufgestellten Gesichtspunkte gemacht. Bei einem Jahresumsätze von 400 000 bis 450 000 Mk. sind an Jahressteuer 4000 Mk., bis 500 000 Mk. Jahresumsatz 5500, bis 550 000 Mk. Umsatz 7500 Mk. jährliche Steuer zu bezahlen. Nachher treten die Steuersätze ein, die ursprünglich von der Regierung vorgeschlagen waren. Das Herrenhaus hat seinerseits im letzten Augenblicke auf seinen vorher gefaßten Beschluß verzichtet, daß die Osfizier- und Beamtenvereine von der Steuer befreit bleiben sollen.

* Als ein Hpfer der Ikotterragitation bezeichnet der .Vorwärts' den Generalleutnant Freiherrn von Meerscheidt-Hüllessen. Dieser Kommandeur des 15. Armeekorps in Straßburg ist nach dem .Militärwochenblatt' in Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Dis­position gestellt worden. Man geht wohl nicht fehl, meint der .Vorwärts', wenn man den raschen Wechsel im Straßburger Korpskommando — Freiherr v. Meerschridt hatte dasselbe nur etwa 11 Monate inne! — darauf zurückführt, daß der jetzt zur Disposition gestellte General vor einigen Monaten, als die Wogen des Marinerummels am höchsten gingen, den Offizieren seines Armeekorps den Beitritt zum deutschen Flottenverein untersagte. Dieses Verbot wurde übrigens, obwohl es den die Theilnahme von Offizieren an politischen Vereinigungen be­treffenden Vorschriften durchaus entsprach, auf höhere Weisung bald wieder aufgehoben.

>< Für die Mannschaften der Lavdgens- darmerie hat der Kaiser einige Aenderun- gen in den Anzugsbestimmungen be­

den: Ich soll ihm ein Album der norwegischen Küste und des hohen Nordens in anmuthigen Aquarellbildern malen. Der Norden ist jetzt modern geworden. Der Süden „zieht nicht mehr". Ich würde mit Freuden diesen Auftrag übernehmen, aber ich kenne ja den Norden gar nicht, bin überhaupt noch nicht aus unserer lieben, kleinen Stadt herausgekommen. Allein kann ich diese Reise nach Norwegen nicht machen, mein Vater — Sie wissen ja weshalb! — kann mich auch nicht begleiten. In vierzehn Tagen etwa wollen sie fort. Soll ich nun diese Einladung annehmen ? Ich würde es wohl gern thun, aber wenn ich alles überdenke, dann steigen mir allerlei Hinderniffe auf. Ich sorge um meinen Vater und sorge mich auch noch um eine andere Person, deren Namen ich Ihnen aber nicht nennen werde. Rathen Sie mir, was ich thun soll. Die Reise ist sehr interessant und auch in materieller Hinsicht lohnend, denn Herr Gehrmann hat mir ein sehr gutes Honorar für das Nordlandsalbum ausgesetzt. Aber ich werde nichts ohne Ihren Rath thun und nichts gegen Ihren Rath, wie Sie auch immer entscheiden mögen.

Mit den herzlichsten Grüßen Ihre Ihnen stets dankbar vertrauende

Mia Ruland."

„Welch dummer Brief", brummte Konrad vor sich hin. „Natürlich muß fie Gehrmanns Einladung annehmen. Dieser Gehrmann —ach, der geriebene Bursche — sichert sich das Talent des Mädchens, und sie geht natürlich auf alle seine Vorschläge ein — zum Kukuck! Weshalb sollte fie auch nicht ? Wenn mir ein Kunsthänd-

fohlen, wonach die Landgensdarmen auf den Kragenpatten des Mantels die Litzen in Form und Farbe wie an Kragen und Aufschlägen des Waffenrockes zu tragen haben, wie dies für die Truppen des Gardekorps bereits im vorigen Jahre angeordnet worden ist. Gleichzeitig wurde befohlen, daß die Landgensdarmen zum Mantel einen Umhang zu tragen haben, der auch allein angelegt werden darf; dieser Umhang war bis­her nur für die Offiziere vorgesehen.

* Sigmaringen, 19. Juni. Die Fürstin- Mutter Josephine von Hohenzollern ist heute Mittag gestorben. Die Fürstin war am 21. Oktober 1813 in Karlsruhe als zweite Tochter des Großherzogs Karl von Baden und der Groß­herzogin Stephanie Beauharnais, der Adoptiv­tochter Napoleons I. geboren. 1834 verheirathete fie sich mit dem damaligen Erbprinzen Karl Antow von Hohenzollern-Sigmaringen. Später ist Fürstin zur katholischen Kirche übergetreten.' In glücklicher Ehe blieb das Paar mehr als 51 Jahre vereint. Am 31. Oktober 1884 konnten sie unter Antheilnahme Kaiser Wilhelms ihre goldene Hochzeit feiern. Fürst Karl Anton starb am 2. Juni 1885. Es war ein harter Schlag für die Fürstin Josephine, den sie nie völlig über­wunden hat. Nach wie vor fand die erlauchte Frau ihre Aufgabe in edlem Wohlthun, in der Linderung von Noth und Elend: wohlthätige Anstalten, Schulen und Kirchen haben sich ihres fördernden Schutzes zu erfreuen gehabt. Fürst Leopold von Hohenzollern, der König Karl von Rumänien und der Prinz Friedrich von Hohen­zollern, sowie die Frau Gräfin von Flandern ver­ehren in der Heimgegangenen Fürstin ihre Mutter; ein Sohn und eine Tochter, Prinz Karl Anton, der an seinen bei Königgrätz erhaltenen Wunden tarb, und die so früh verblichene Königin Stephanie von Portugal sind ihren Eltern längst in die Ewigkeit vorangegangen. R. i. p.

X Hkdenönrg, 19. Juni. Die Beisetzung der Leiche des verstorbenen Großherzogs von Oldenburg fand heute Vormittag statt. Zur Theilnahme an derselben waren bereits zestern fürstliche Personen eingetroffen. Heute rüh kam Prinz Heinrich von Preußen an. Vereine und Schulen bildeten Spalier. Um 9'/g Uhr traf der Kaiser ein. Um 10 Uhr etzte sich der Leichenzug unter dem Geläute aller Alocken in Bewegung. Dem mit 8 Pferden be- pannten Leichenwagen folgten die Angehöriben res großherzoglichen Hauses, der Kaiser und viele Fürstlichkeiten. Auf dem Sarge ruhte die Krone, der Helm und der Degen des Großherzogs. Nach der Trauerfeier reiste der Kaiser wieder ab.

Ausland.

• Heut, 19. Juni. P. Baumgartner S. J. in Luxemburg, der bekannte Litteratur- historiker, ist mit allen Stimmen zum auswärtigen Mitglied der hiesigen Königl. vlämischen Akademie gewählt worden.

X gtom, 19. Juni. Das Ministerium Pelloux behauptete bekanntlich nach der Beendi­gung der Neuwahlen zur Deputirtenkammer, daß sie Wahlen einen „Sieg" für die Regierung dedeuteten. Jeder, der sich die Wahlergebnisse

ler solche Vorschläge gemacht hätte, ich würde mit beiden Händen zugegriffen haben. Aber die chlauen Leutchen haben sich wohl gehütet. — Na, ich werde ihr schreiben, daß fie nicht so dumm ein soll, das Anerbieten abzulehnen. Ihren Vater werde ich hier schon in meine Obhut nehmen. Lange kann der Alte es überhaupt nicht mehr treiben. Er ist ja wieder ganz rabiat geworden — keine Nacht vor zwei oder drei Uhr zu Bett — na, mir ist jetzt alles egal."

„Wenn nur das Mädchen ihren Weg macht. An uns ist ja dock nichts mehr zu verlieren — weder an Anton Ruland, dem Heiligenbildmaler, noch an mir, dem miserablen Schlachtenmaler. Wir find ein paar Gesellen, die aufgebraucht werden müssen, wie fie find. Aber aus der Mia kann noch etwas werben! Sie muß heraus aus dem Voßwinkel und dem Eulenthurme — ah, ich hätte fie auch nach dem Nordlande begleiten önnen — ja, ja, wenn fie gewollt hätte, und olch eine glückliche Hochzeitsreise hätte ihr doch noch ganz andere Stimmung zu ihren Bildern «geben, als die Reise mit dem schlauen Burschen, »em Gehrmann. Aber fie will ja nicht — sie will nicht."

Er schlug so heftig mit dem Malstocke, den er in der Hand hielt, auf die Staffelei, daß der Stock zerbrach. Aergerlich warf er den zer­brochenen Stock gegen die Thür, die sich gerade tn diesem Augenblick öffnete, um den Justizrath einzulaflen.

„Alle Wetter", rief der Jurist, „das nenne ich einen höflichen Empfang!"

Konrad entschuldigte sich.

(Fortsetzung folgt.)