Einzelbild herunterladen
 

Erscheint "täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Vierteljährl- z»jug«Preik ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM.bv Pf.

KuldaerMZeituna

Inserate: Die ei» spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re- klamen die Petit« zelle 25 Pf.; 6e6 Wiederholungen wird entsprechens. Rabatt gewährt.

tu» Inserate X Parzelle» in Fulda. mit Anterhattungs-Aeilage „IlKrstrirte Sonnlags-Mlungi'

M 136.

JuLöcr, Samstag, den 16. Juni 1900.

27. Jahrgang.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck Verbote»)

X Fulda, 16. Juni.

Der Reichstag ist geschlossen. Lautlos liegt der Sitzungssaal da, der seit dem November des ver­gangenen Jahres fast ununterbrochen widerhallte von den Debatten der parlamentarischen Vertreter des deutschen Volkes. 209 Plenarsitzungen in einer Tagungsdauer von weniger als neunzehn Monaten ist eine stattliche Ziffer; und in der That ist die Summe der geleisteten Arbeit eine ungewöhnlich umfangreiche. Eine hochwichtige Militärvorlage ist im Winter von 1898 zu 1899 verabschiedet worden; und der letzte Tagungsabschnitt hat uns die neue Flottenvorlage ge­bracht, die unsere heimische Schlachtflotte auf das Doppelte ihres bisherigen Bestandes bringt. Eine Reihe sehr bedeutungsvoller sozialpolitischer Gesetze ist durchberathen und verabschiedet: das neue Jnvaliden- gesetz und die fünf Unfallversicherungsgcsetze, nicht zu vergessen der Novelle zur Gewerbeordnung mit ihren Bestimmungen über den Schluß der Läden und über die Arbeitszeit der kaufmännischen Angestellten; und außerdem war eine Fülle gesetzgeberischen Stoffes zu erledigen, die zum Theil nicht geringe Schwierigkeiten verursachte. Dazu gehört vor allem das Fleischbeschau­gesetz, dessen Bestimmungen über die Fleischeinfuhr aus dem Auslande zum Gegenstände flangwieriger Ver­handlungen wurden und beinahe das ganze Gesetz zu Falle gebracht hätten. Daß das alles ausgearbeitet werden konnte und in erfreulich befriedigender Weise zur Erledigung gebracht wurde, ist ein glänzendes Zeugniß für die Leistungsfähigkeit des Reichstages unter der Leitung des Grafen von Ballestrem. Ohne Zweifel wird der Reichstag ihn auch für seine nächste Tagung zum Präsidenten erwählen, und dann bleibt nur zu wünschen übrig, daß Graf Ballestrem von neuem sich bereit finden läßt dazu, das große Opfer der Uebernahme dieses schweren, aufreibenden und ver­antwortungsvollen Amtes zu übernehmen.

Zum ersten Mal, seit der deutsche Reichstag be­steht, hat er erfahren, was gewaltsame O b st r u k t i o n ist, durch die gegen alle leitenden Grundsätze des Par­lamentarismus eine Minderheit ihren Willen einer Mehrheit aufzwingen will. Dieselbe Parlamentsseuche wüstet in Oesterreich und Italien und hat in beiden Ländern den Parlamentarismus an den .Rand des Verderbens gebracht. Bei uns ist dieses Schlimmste noch vermieden worden, aber leider nur durch die Preisgabe wichtiger Bestimmungen der sogenannten lex Heinze, deren Beseitigung aus dem Gesetze sehr zu bedauern ist. Somit ist recht sehr zu wünschen, daß Mittel gefunden werden möchten, um ähnliche unliebsame Vorkommnisse für alle Zukunft zu vermeiden und unmöglich zu machen, ehe etwa auch bei uns der Parlamentarismus auf dieselbe schiefe Bahn geräth wie in Oesterreich und Italien!

Im preußischen Landtage drängt nun auch alles zum Schluffe. Das Herrenhaus ha: den Ge­setzentwürfen über die Bildung von Wählerabthei- lungen bei den Gemeindewahlen und über die Fürsorge- Erziehung Minderjähriger in der Fassung der Be­schlüsse des Abgeordnetenhauses zugestimmt; und da über die Waarenhausbesteuerung wohl auch in diesen Tagen eine Verständigung erzielt wird: steht der Schluß des Landtages ebenfalls sehr nahe bevor. Die neue Kanalvorlage bleibt bis zum nächsten Mal, soll dann aber im Beginne der Tagung eingebracht werden, damit nachher alles in Ruhe verathen wer­den kann.

Neue Unruhen sind in dem ostpreußischen Städt­chen Ksnitz entstanden, wo der Gymnasiast Winter ermordet tvurde. Von neuem mußte am letzten Sonn­tag die bewaffnete Macht einschreiten, und nachher ist der Belagerungszustand über die St»dt verhängt wor­den — aber alle diese Maßregeln können unmöglich das ersehnte Ziel herbeiführcn, die dauernde Beruhi­gung der Bevölkerung. Diese kann nur erreicht wer­den durch die Entdeckung des Thäters; und gerade darin haben sich die entsandten Polizei-Organe bisher als vollkommen erfolglos erwiesen. Gegenüber dieser sehr bedauerlichen Thatjache will es wenig heißen, wenn jetzt, wie geschieht, die Regierungspreffe in ihren Spalten jenen Beamten eine gute Censur ertheilt und versichert, sie hätten alles gethan, was sie thun konn­ten. Die Censur der Thatsachen lautet eben anders. Es ist zu bedauern, daß dem preußischen Minister des Innern nicht durch eine Anfrage im Parlamente Ge­legenheit gegeben worden ist, sich über diese traurige Angelegenhell zu äußern.

Große Bedeutung kommt der Schulkonferenz zu, die im Laufe der Pfingstwoche in Berlin abgehalten worden ist. Die Berathungen dieser Konferenz Haven ergeben, daß überwiegend der Wunsch in Schulmänner­kreisen vorhanden ist, allen neunklassigen Schulen die Berechtigung zum akademischen Studium zu verleihen. Nur darf man nicht vergessen, daß vom Wunsche bis zur Ausführung des Wunsches manchmal ein weiter Weg ist!

Der österreichische Reichsrath istvonneuem lahm gelegt. Die Tschechen, ausgerüstet mir blechernen Topfdeckeln, Kindertrommeln und Kinderpfeifen, haben gesiegt über die Gesammtheit des Abgeordnetenhauses: die Regierung und die Obmänner der Parteien der Rechten stimmten darin überein, daß es besser sei, die Abgeordneten wieder nach Hause zu schicken, (als noch länger dem Lande dieses unwürdige Schauspiel vor­machen zu kaffen, und so ist es denn geschehen. An­fänglich vermuthete man, dem Schluffe der Tagung

Römische Briese.

XXXII.

ÜD Rom, 11. Juni 1900.

Das Hruptereigniß der vergangenen Woche war die Begebenheit, welche sich zwischen Deutschen und Franzosen in der Peters- kirche abspielte und ja bereits in den verschiedensten Lesarten ihren Weg durch dir gesammte deutsche Preffe gemacht hat. Die hiesige,Voce della VeriÜ‘ suchte zwar die Angelegenheit als bloße Erfindung darzustellen. Thatsachen lassen sich nun aber einmal nicht wegleugnen und es zeugt jedenfalls von einem erfreulichen Aufschwung ^deutschen Selbst, bewußtse'.ns, daß unter den Pilgern unserer Nation sich diesmal solche gefunden haben, die gewillt waren, der Sache aufben Grund zu gehen, anstatt — wie es hier leider so oft der Fall ist — die Angelegenheit „anscheinend" zu ver­gessen. Wie es heißt, hat der preußische Gesandte beim Vatikan seine eingeleitete Untersuchung fast abgeschlossen. Hoffentlich werden wir das Resultat bald kennen. Jedenfalls wird der ganze mit liberal-radikaler Vorliebe „Skandal im St. Peter" genannte Vorgang bedeutend zusammen­schrumpfen. Einen großen Theil der Schuld an der Möglichkeit derartiger Szenen trägt der in diesen Briefen wiederholt erwähnte Mangel an einheitlicher Leitung bei den Feierlichkeiten in

werde die Auflösung des Abgeordnetenhauses auf dem Fuße folgen. Aber wer diese Vermuthung hegte, täuschte sich; und wirklich würde ja die Auflösung des Abgeordnetenhauses und die Ausschreibung von Neu­wahlen ein recht zweifelhaftes Experiment sein. Denn wenn nachher die Sache ebenso verlaufen sollte, wie vorher, dann würde es um die allgemeine politische Lage noch schlimmer stehen als jetzt, und namentlich müßte dann auch das Ministerium des Herrn von Körber seine Stellung als erschüttert betrachten und aus dieser Betrachtung die entsprechenden Schlußfolge­rungen ziehen und gehen. Man überlegt es sich drei Mal, ehe man ein so gewagtes Experiment unter­nimmt.

Den Hauptwahlen in Italien sind die Stich­wahlen gefolgt, so daß man nunmehr die Zusammen­setzung der neuen Deputirtenkammer genau übersetzen kann. Die Opposition geht also, wie bereits nach dem Ergebnisse der Hauptwahlen vorauszusehen war, er­heblich gestärkt aus diesen Wahlen hervor; aber die neue Opposition wird anders zusammengesetzt sein als die alte. Die verfassungsmäßige Opposition hat näm­lich viele Sitze an die Sozialdemokratie ver­loren, die in der neuen Kammer nun über doppelt so viel Sitze verfügt als in der alten. Sollte die Regie­rung ihre Taktik gegenüber der Kammer nicht ändern, dann würden wahrscheinlich noch heftigere Zerwürf­nisse entstehen als vorher. Aber am Ende versucht sie ihr Glück auf dem Wege, die Sozialdemokraten zu gewinnen oder doch wenigstens zu besänftigen, um mit deren Hilfe Herr der Opposition der bürgerlichen Radikalen und damit der ganzen Situatton zu werden.

Die italienischen Landarbeiter waren in Zeitungen davor gewarnt worden, Arbeit in Deutsch­land anzunehmen. Man hatte ihnen gesagt, ihre Lage in Deutschland würde noch elender sein als gegenwär­tig in Italien, und man hatte das durch allerhand unrichtige Darstellungen zu begründen gesucht. Nicht unrichtig vermuthete man, daß gewisse hohe Regie­rungs-Beamte hinter der Sache steckten, so daß das Berliner Auswärtige Amt amtliche Vorstel­lungen darüber erhoben und die italienische Regierung darum ersucht hat, für die Berichtigung der verbrei­teten Unwahrheiten zu sorgen. Staatssekretär Graf Bülow machte davon am letzten Montag im Reichs­tage Mittheilung.

Die Engländer stehen mit ihrer Truppenmacht im Transvaal-Lande. Johannesburg und Pre­toria befinden sich in ihrer Gewalt; aber es scheint, als warteten sie auf etwas, bevor sie zu weiteren Maß­nahmen schreiten. Ter Telegraph ist wieder einmal recht still geworden. Jedenfalls wollen die Transvaaler sich noch nicht ohne weiteres ergeben. Sie wollen eS nun mit kleinen Plänkeleien von den Gebirgen aus versuchen, und auf diese Weise kann ja noch immer einige Zeit vergehen, bis die Engländer werden sagen können, sie hätten die Buren-Republiken nun vollkom­men unterworfen. Aber das letzte Ende wird doch eben nicht anders sein können, und so wird es nur darauf ankommen, wie die Buren alsdann sich mit ihrem be- dauernswerthen Geschicke werden aussöhnen können, als die Schwächeren das Opfer ungerecht aus­geübter Uebermacht geworden zu sein — und ob sie das überhaupt können werden.

In China geht es von einem Tage zum andern toller zu. Die Aufrührer zerstören Eisenbahnen und Telegraphen, und wenn ein Befehlshaber von Regie­rungstruppen es wagt, die Herren „Boxer" ein wenig unzart anzufassen, erhält er von der Kaiserin eine tüchtige Nase. Kaiserin und Hof stehen eben ihrer Gesinnung nach auf der Seite der Empörer, und deren Ruf „Tod allen Fremden" ist ihnen aus dem Herzen gesprochen. Unter solchen Umständen wird nichts An­deres übrig bleiben, als daß die Mächte einige Batte­rien auffahren und den bezopften Herren in Peking durch den Donner der Geschütze Achtung beibringen vor den abgeschlossenen Verträgen und Erkenntniß ihrer Pflicht, fremdes Eigenlhum zu schützen. Hoffentlich einigen sich die Mächte recht bald zu solchem Beginnen und holen dadurch nach, was schon längst hätte ge­schehen sollen.

der Peterskirche. Denn wenn es sich um inter­nationale Ansammlungen von ungezählten Tausen­den handelt, genügen einige junge Herren im grad: und weißer Kravatte keineswegs; die päpstlichen Gendarmen aber sind nicht zahlreich genug und kleine Eifersuchtsszenen lassen sich somit schwer vermeiden.

Die aus China kommenden Nachrichten rufen selbstverständlich viel Unruhe in den hiesigen kirchlichen Kreisen hervor. Was der Hochw. Herr Bischof v. Anzer in seinem offenen Schreiben seiner Zeit voraussah, scheint sich vollständig be­stätigt zu haben: Die Kaiserin von China ist eine Frau, die an Energie die bisherigen Regenten hoch überragt, und die fremde Diplomatie wird harte Arbeit haben, der Reaktion gegen die Fremden und in erster Linie gegen die Christen und ihre friedlichen Niederlassungen Einhalt zu thun. Die italienische Regierung hat gestern wiederum ein Kriegsschiff nach China gesandt.

Nachdem die vom Leibarzt Dr. Lapponi dem Papste empfohlene Schonung denselben vollständig wiederhergestellt, erschien der hl. Vater gestern (Sonntag) Nachmittag beim zweiten Theile der Seligsprechungsceremonien in der Peterskirche, um den neuen Beati, den seligen Dionysius und Restemptus von den unbeschuhten Karmelitern seine Verehrung zu erweisen. Am Vormittage hatte bereits die feierliche Verlesung der be­treffenden Dekrete, sowie das Hochamts das Erz­bischof Gennaro von Lepanto celebrirte, in Gegen­wart der Kardinäle der Ritenkongregatton, vieler Bischöfe und Prälaten stattgefunden. Die Ba­silika war wie gewöhnlich ausgeschmückt. Am Nachmittage war die Kirche wieder nur mit Ein­trittskarten zugänglich, die Zahl der Anwesenden wurde auf mehr als 30000 angegeben. Der hl. Vater, welcher noch etwas ermüdet aussah, erschien auf dem Tragthrone, vorn Hofstaat und seiner Nobelgarde umgeben, während sämmtliche hier noch anwesenden Kardinäle und eine große Anzahl Bischöfe und Prälaten dem Zuge vorauf­gingen. Enthusiastrscher Jubel empfing den nach allen Seiten hin grüßenden Papst, welcher nach der Ceremonie und nach der Ertheilung des Segens die üblichen Gaben der Postulatoren ent­gegennahm. Derselbe Jubel und Applaus er­neuerte sich, al- der heil. Vater wieder in den Vatikan zurückkehrte. Alles verlief in der schönsten Ordnung. Gin Pilger aus Perugia wurde plötzlich von Wahnsinn befalle« und mußte in ärztliche Behandlung genommen werden, auch erlitt der den Ordnungsdienst auf dem Peters- platz leitende Polizeikommandant einen Ohn­machtsaufall und stürzte dabei aufj der Treppe der Basilika nieder, wobei er sich einige leichte Verletzungen zuzog.

Die gestrigen Stichwahlen sindverhältniß- mäßig ruhig verlaufen und haben eigentlich keinerlei irgendwie überraschende Resultate er­geben. Auch diesmal haben die OrdnungsParteien einen moralischen Sieg davongetragen. In­zwischen werden bereits die Vorbereitungen zur sogenannten „Königlichen Sitzung" getroffen, welche am 16. d. M. im Senatsgebäude vor sich gehen soll. Warten wir indessen ab, was aus diesem Parlamente noch werden kann, denn an einen irgendwie ruhigen Verlauf der Sitzung wird keineswegs zu denken sein.

Die Sonnenfinsterniß vom 28. Mai.

Wie die bis jetzt vorliegenden, ausführlicheren Nachrichten aus Spanien, Portugal, Algier und Nord-Amerika erkennen laffen, konnte dank der fast allenthalben überaus günstigen Witterung die letzthin stattgefundene totale Sonnenfinsterniß innerhalb ihres Totalitätsgrbiets überall mit bestem Erfolge beobachtet werden. Tie beab­sichtigten photographischen und spektrographischen Aufnahmen sollen nicht minder, wie die spektroskopischen, photometrischen und sonstigen rein visuellen Beobachtungen durchaus auf das beste gelungen sein. Den in der französischen und besonders in der spanischen Tagespreffe enthaltenen sehr ausführlichen Berichten über den Verlaus des Phänomens entnimmt die Münchener ,Mg. Ztg.', daß die Dunkelheit während der totalen Verfinsterung der Sonne ziemlich be­trächtlich war; es herrschte beispielsweise in Algier nur noch schwaches Dämmerlicht, der Horizont erschien dort in pfahlrother Färbung. Uebereinstimmend wird von den im Totalitäls- gebiete gelegenen Beobachtungsftationen ein starker Temperatur - Rückgang während des Verlaufes der Finsterniß gemeldet. So zeigte in Elche (Spanien) ein Thermometer, dessen Kugel mit Ruß geschwärzt, also aktinometrisch stärker empfindlich gemacht worden war, um 3 Uhr 45 Minuten Nachmittags 33,3 Centigrad/ um 4 Uhr 25 Minuten (die Totalität war dort um 4 Uhr bereits vorüber) dagegen nur noch 20,8 Grad; in Placencia betrug der Temperatur- Rückgang 8 Grad, in Algier sogar 15 Grad C.

Auf den meisten Stationen hat sich ferner kurz vor Beginn der Totalität der sogenannte „Finsternißwind" eingestellt, in dessen Gefolge sich außer der bereits erwähnten Abkühlung auch ein recht bemerkbares Fallen der Barometersäule — in Navalmoral beispielsweise um 5 Milli­meter — einstellte. In Placencia soll der eng­lische Astronom Mr. Downing den bekannten, gelegentlich bei Sonnenauf- und -untergang beob­achteten „grünenStrahl" der Sonne vor dem Eintritt der Totalität der Finsterniß gesehen haben; ferner wurden auf den meisten Beobachtungs- Stattonen mehrere Sonnen - Protuberanzen wahrgenommen, von denen zwei in der Nähe des Sonnen-Aequators nicht wie die übrigen kurz auf­leuchteten und dann wieder verschwanden, sondern beständig sichtbar geblieben sein sollen. Die leuch­tende Sonnen-Korona bot überall, wo die Finsterniß total war, einen prächtigen Anblick dar. Der russische Astronom Prof. Hansky hat vor einigen Jahren die Vermuthung ausgesprochen, daß die Gestalt und Intensität, kurz, der Ge- sammt - Anblick der Korona bei totalen Sonnen­finsternissen von der jeweiligen Aktivität der Sonne abhängig sei, also Schwankungen unterliege, die mit der bekannten elfjährigen Sonnenflecken- Periode annähernd parallelen Verlauf zeigen müßten. Da wir gegenwärtig in einem Sonnen- ssecken-Minimum stehen, würde die Korona der letzten Finsterniß mit der vom Jahre 1889 — in welchem Jahre gleichfalls ein Sonnenflecken- Minimum stattfand — annähernde Uebereinstim- mung besitzen müssen. Nach einem kurzen Be­richt des französischen Astronomen Camille Flam- Marion, der die Finsterniß in Elche beobachtet hat, ist diese Uebereinstimmung in der That bis zu einem gewissen Grade vorhanden gewesen. Auf allen Stationen war ferner die Totalität der Finsterniß in Wirklichkeit von etwas kürzerer Dauer, als dies gemäß den (auf Grund von Oppolzers „Kanon der Finsternisse" ausgeführten) Vorausberechnungen hätte der Fall sein sollen. Zu erwähnen wäre endlich noch, daß der Aäro- Klub in Paris während der Sonnenfinsterniß einen bemannten Ballon aufsteigen ließ, der u. a. die interessante Beobachtung machte, daß die durch die Sonnenfinsterniß verursachte starke Abkühlung der Erdatmosphäre in größeren Höhen beson­ders beträchtlich war: in der Höhe von 3500 Meter zeigte das Thermometer bereits 3 Grad unter Null.

Vermischte».

* Zwischen Krems u. Gsohl hat unlängst ein Hchse «ine« Jiadfatzrer überfallen und das Rad auf die Hörner genommen. Aus diesem Platz steht nun ein so­genanntes Materltaferl, auf welchem der Ochse abge­bildet ist, rote er das Rad auf den Hörnern hat und der Radfahrer daneben auf dem Bauch ausgestreckt liegt. Darunter steht folgender Reim:

Den Franzl, den a Jeder kennt, Hat hier a Ochs vom Radl g'rennt. O Radler, der Du fährst zunt Haferl, Sitz' ab bei diesem Materltaferl Und merk', bergab man immer schiebt Dieweil es hier viel Rindvieh gibt.

* Zweideutig. Dienstmädchen (vor dem Abend­essen): „Madam' läßt bitten, es ist angerichtet!" — Herr (für sich): „Was wird die heut' wieder ange­richtet haben!"

Gottcsdicnstordnung in Fulda.

Sonntag, 17. Juni. Dom. 5, 8, 6*/« und 71/» Uhr heil. Messen, 7 Uhr hl. Meffe und Kommunion der Schulkinder, 8 Uhr Bischöfl. Hochamt, nach demselben feierliche Prozession durch die Stadt, 12 Uhr hl. Meffe, l*/i Uhr Andacht, 4 Uhr Predigt und Bruderschaft vom allerh. Altarsakrament, 7 Uhr Andacht in der Marien- kapelle. — Montag, Dienstag, Mittwoch u. Donnerstag um 7*/< Uhr Andacht zum allerh. Altarsakrament. — Ltadtvfarrkirche. 5 Uhr heil. Meffe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe und Kommunion der Schulkinder, 7 Uhr hl. Meffe, 8 Uhr hl. Meffe, 1 Uhr Christenlehre, 2 Uhr Predigt und Andacht für den Mütterverein, 3 Uhr Bruderschaft vom Hochro. Gute, 8 Uhr Abends Andacht. — picharlrkirche. 6 Uhr hl. Messe mit Exposition. — Pfarrkirche film hl. (Stifte. 7 Uhr Hochamt mit Segen, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Frauenberg. 5, 6, und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Militärgottesdienst. Wegen der Frohnleichnamsprozesston in der Stadt ist um 9 Uhr kein Gottesdienst. 2 Uhr Predigt u. Andacht.

Svangelifcher Hottesdienk. Sonntag, den 17. Juni: Vorm. 8 Uhr: Herr Pfarrer Wagner. Borm. 9‘/i Uhr: Herr Pfarrer Ruhl. Vorm. 11 Uhr: Militär-Gottesdienst in der alten Kirche. Herr Pfarrer Ruhl.

Freitag 22. Juni. (Herz - Jesu - Fest. Voll­kommener Ablaß für alle Gläubigen, in diesem Jahre jedoch nur den armen Seelen zu­wendbar.) Ummrokirche. Von 5 Uhr Morgens an Gelegenheit zum Beichten, 51/» Uhr Ausheilung der hl. Kommunion, darauf Aussetzung des Allerheiligsten und hl. Meffe. Der Gottesdienst für die Gymnasiasten fällt aus. 6'/,, 7 und 71/« Uhr hl. Messen und Austheilung der hl. Kommunion, 8'/- Uhr Festpredigt, darauf Hoch­amt, 10 Uhr hl. Messe, danach Segen und Beisetzung des Allerheiligsten. 1 Uhr Aussetzung des Aller­heiligsten und öffentliche Betstunde, 2-3 Uhr stille Anbetung, 3 Uhr feierliche Vesper und Komplet, 4—5 Uhr stille Anbetung, 5 Uhr feierliche Schlußandacht.

Der Poftdampfer „Southwar!" der „Red Star Linie", in Antwerpen, ist laut Telegramm am 12. Juni wohlbehalten in Nero-Jork angekommen.