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JV» 136.

Iueöcr, Samstag, den 16. Juni 1900.

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27. Jahrgang.

Wieder brach sie in Thränen aus.

„Nennen Sie das „viel für Sie thun", daß ich Ihr Talent in die große Okffentlichkeit bringen will? — Das ist meine Pflicht und Schuldigkeit als Künstler und ehrlicher Mensch."

Sie zuckte mit den Schultern und weinte still weiter.

„Oder meinen Sie etwa, mir zur Dankbar­keit verpflichtet zu sein, weil ich Ihrem Papa zuweilen ordentlich den Text lese und ihn Abends im Eulenneste unter meine Fittiche nehme?"

Sie nickte mit dem Kopfe.

„Er ist ein ganz anderer Mensch geworden," sprach sie schluchzend. „Er arbeitet wieder — und — und das macht mich so glücklich."

Jetzt erfaßte sie seine Hände und drückte sie herzlich.

„Ich müßte ein ganz miserabler Bursche sein," entgegnete er gerührt, „wenn ich mich deS unglücklichen Kollegen nicht angenommen hätte. Lasten Sie uns weiter kein Wort mehr über diese dummen Geschichten verlieren. Ich helfe Ihnen gern, das wiffen Sie — und wie lange wird es dauern, dann können Sie auf eigenen Füßen stehen, brauchen mich gar nicht mehr, ziehen nach Berlin, lasten sich feiern — und — und vergessen den komischen Kauz, den Konrad Uhle, den verdorbenen Offizier und miserablen Schlachtenmaler."

Unter Thränen lächelnd sah sie zu ihm auf* Dann reichte sie ihm plötzlich beide Hände hin und sprach glücklich lachend:

„Und Tante Konradine hatte doch recht."

„Inwiefern?"

Krisen im Kaplande.

Wenn sonst im Kaplande eine Ministerkrise ausbrach, achtete man in Deutschland kaum darauf. Jetzt steht es anders damit. Der Krieg der Eng­länder gegen die Buren hat unser Jntereffe für jene Länder mächtig erregt, und da es sich bei dieser neuesten Ministerkrise tm Kaplande haupt­sächlich auch um den Gegensatz zwischen Englän­dern und Holländern handelt, gewinnt dieselbe noch mehr an Bedeutung.

Herr Schreiner war bisher Ministerpräsi­dent im Kaplande. Herr Schreiner steht bei uns Deutschen in vorkheilha ter Erinnerung wegen seiner ernstlichen Bemühungen, den Ausbruch des Burenkrieges zu verhindern und überhaupt die englische Ausbeuter-Politik der Chamberlain und Cecil Rhodes in ihre Schranken zurückzuweisen. Mit diesen Bemühungen befand er sich im Gegen­sätze zu dem britischen Gouverneur des Kaplandes, Sir A. Miln er; denn dieser hat sich stets als ein williges Werkzeug der Chamberlain, Rhodes rind Genoffen benommen. Und auch schon vor­her hatte Herr Schreiner gezeigt, daß ihm Ge- rechttgkeit über cnc lisches Cliquenwesen geht; denn in seinem früheren Amte als Oberstaatsanwalt hatte er in der Untersuchung wegen des Raub­zuges des Dr. Jameson einen so lobenswerthm Eifer bewiesen, daß er sich mit C?cil Rhodes und dessen Leuten vollkommen überwarf. Rhodes und Schreiner waren ehedem gute Freunde. Ihre Besitzungen liegen neben einander und sie hatten sich eine Pforte gemacht an der Grenze der Grund­stücke, um besser zu einander gelangen zu können. Aber mit der Zeit des Prozesses gegen Dr. Jameson und seine Spießgesellen hat sich, so erzählt man, diese Pforte nie wieder geöffnet.

Natürlich schon gar nicht mehr, seit Herr Schreiner Ministerpräsident wurde und nun ganz offen der Beutepolitik der Rhodes und Cham­berlain entgegentrat. Aber eben deswegen war er zum Vertrauensmann des Afrikaner-Bund geworden. Und da nun dieser Bund, der Haupt­sache nach aus den im Kaplande ansässigen Hol­ländern zusammengesetzt, seit der Einführung eines neuen Wahlgesetzes eine sichere Mehrheit im Parlamente des Kaplandes hat, brachte Herrn Schreiner dieses Vertrauen des Afrikander-Bundes das Ministerpräsidium ein.

Herr Schreiner, von Abstammung übrigens ein Deutscher, hat es ganz gut verstanden, gerade unter den allerschwierigsten Verhältniffen zwischen dem Gouverneur Milner und dem burenfreund­lichen Afrikanerbunde ein versöhnlich wirkendes Mittelglied zu machen. Er ruht gerecht und un­parteiisch, und das kam ihm bei den Afrikandern zu Gute; er fühlt sich indessen voll und ganz als Engländer, und das rechneten ihm diese letzteren zum Lobe an.

Nun aber ist etwas eingetreten, das in Herrn Schreiner dieses Fühlen als Engländer in den Bordergrund treten ließ und ihm gleichzeitig das Vertrauen der Afrikander raubte. Die englische

Im Kukenthurme.

Roman von O. Elster.

i15 ------- (Nachdruck verboten.)

Es war still in dem Atelier. Mia malte fleißig. Konrad rauchte eine Zigarette noch der anderen und schaute, in glückliche Träume ver­sunken, lächelnd den blauen Ringeln deS Dampfes nach.

Nach einer Weile fing Konrad wieder an:

„Habe ich Ihnen schon erzählt, daß ich mit dem Kunsthändler Behrend auf der Breiten Straße über Ihre früheren Arbeiten gesprochen habe?"

„Nein."

„Denken Sie sich, der Mann wußte wirklich nicht, in weffen Hände Ihre Arbeiten über­gegangen sind. Ein fremder Agent habe sie stets kurz nach ihrem Erscheinen gekauft und gleich baar bezahlt. Er habe sie im Auftrage gekauft, wiffe aber selbst nicht, für wen. Er habe das Geld stets im Voraus bekommen und die Arbeiten unter einer Chiffre postlagernd nach hier senden müffen."

„Nach hier?!"

„Ja. Sie müffen demnach in hiesiger Stadt einen Verehrer haben, der sich in aller Heim­lichkeit in den Besitz Ihrer Arbeiten ge­letzt hat. Haben Sie keine Ahnung, wer das sein könnte?"

„Nein, nicht die mindeste Ahnung."

„Ah, ich könnte ordentlich eifersüchtig werden!"

«Herr Hauptmann!*

Regierung hat im Parlamente des Kaplandes einen Antrag eingebracht, wonach ein Ausnahme- Gerichtshof eingesetzt werden soll zur Ver­handlung gegen diejenigen kopländischen Afrikander, die die Waffen auf der Seite der Buren gegen die Briten ergriffen haben. Dieser Gerichtshof soll nach dem Regierungsantrage das Recht er­halten, die Uebersührten einzukerkern und in schweren Fällen der bürgerlichen Rechte, namentlich des Wahlrechtes zu berauben.

Daß die Kaplandholländer sich dagegen mit aller Macht sträuben, versteht sich von selbst. Denn es liegt klar auf der Hand, daß die pfiffigen Herren Chamberlain und Kompagnie damit nicht nur eine persönliche Rache im Schilde führen gegen die Afrikander, die mit den Buren gegen die Engländer fechten oder fochten, sondern gleich­zeitig einen politischen Schlag gegen die ganze politische Zukunft und Machtstellung des Afrikander- Bundes in der Kapkolonie. Gelänge es nämlich diesem Willkür-Gerichtshofe, dessen Anstiftelung wieder einmal ganz und gar die Gewaltpolitik des modernen Britenthums kennzeichnet, eine hin­längliche Anzahl von Afrikandern zu „überführen" und sie des Wahlrechtes zu berauben, so würde die Kapregierung sofort das Parlament suslösen, Neuwahlen ausschreiben, und dann würde die Mehrheit des Afrikander-Bundes im Parlamente gebrochen und auf bie (Seite der Engländer gebracht werden, die jetzt in diesem Parlamente in der Minderheit sind.

Herr Schreiner hat sich gegen diese britische Versuchung schwach bewiesen; er hat dem Aus­nahme-Gerichtshofe nicht widerstanden und mußte weichen. Aber augenscheinlich will die britische Regierung auch hier mit Gewalt vorgehen gegen brilisches Parlamentsrecht: Gouverneur Milner hat mit der Neubildung des Ministeriums dem Afri­kanderbunde Trotze Sir Gordon Sprigg be­betraut, den Führer der britischen Minderheit im Kapparlamente; und nun wird dieser zunächst die Unterstützung von Schreiner und deffen Leuten finden. Schwerlich aber wird das so bleiben; und dann werden vermuthlich die Engländer und die holländischen Afrikander im Kaplande hart auf­einander platzen.

Deutsches Deich.

Berlin, den 15. Juni.

X Ke«tr«m und WalionaMverake. In diesen Tagen haben die Nationalliberalen in Berlin ihren großen Parteitag abgehalten. Ter Centraloorstand und die nationalliberalen Fraktionen des Reichstages und preußischen Land­tages waren versammelt, um über die politische Lage und über die geeignete Taktik für die nächste Zeit zu berathen. Recht interessant für die Centrumsleute ist die Schlußrede des Abg. Bafsermann. Diese Rede gipfelte in folgendem Satze: „Die nächsten Wochen müssen zur Bericht­erstattung Über die Arbeiten der Fraktionen an die Wähler benutzt werden und vor allem dafür, daß die Bäume des CentrumS nicht in den Himmel wachsen und aus dem offenbaren Verfall der freisinnigen Volksparteien die wirklich arbeitsfreudigen. . ." Wenn der Kampf gegen daS Centrum bei den National-

„Ja so! hm! — Schon recht! — Aber was daS Merkwürdigste ist, die letzten Ihrer Arbeiten sind noch nicht verkauft worden."

„Leider," seufzte Mia und senkte traurig das blonde Köpfchen.

„Oder", fuhr Konrad in leichter Verlegen­heit fort, „oder vielmehr, sie find erst gestern verkauft."

„Ah?!"

„Der Kunsthändler wird Ihnen heute oder morgen das Geld schicken. Ich habe ihm einen Check auf Grottler u. Co. gegeben."

Mia sprang empor. Ihr Antlitz überfluthete eine tiefe Röche.

„Herr Hauptmann," rief sie, „Sie haben die Sachen gekauft! Ach, weshalb haben Sie das gethan!"

Sie wandte sich ab. Thränen entstürzten ihren Augen. Sie fühlte sich erniedrigt, ge- demüthigt.

„Aber, liebstes Fräulein, seien Sie mir nur nicht böse. Ich denke, wir wollten Freunde fein? Nun, Freunde müssen sich gegenseitig helfen und aufttchtig gesprochen, Ihre Arbeiten — es waren zwei Fächerbilder und ein aller­liebstes kleines Genre — gefielen mir außer- ordentlich. Ich werde ihnen hier im Atelier Plätze anweisen."

„O nicht doch, Herr Hauptmann! Thun Sie es nicht. Ich könnte das Atelier nicht wieder betreten."

Er ergriff ihre Hand und hielt sie mit sanfter Gewalt fest.

„Sie thörichtes kleines Mädchen," sprach er in tiefer Rührung. Weshalb wollen Sie sich denn

liberalen wieder zur Hauptparole erhoben wird, so wird das Centrum ohne Zweifel die geeignete Antwort darauf zu geben wiffen!

+ Ire KrHSHung des deutsche« Arer- zotkes sollte nach einer Meldung der ,Franks. Ztg/ die Veranlassung geworden sein zu freund­schaftlichen Vorstellungen der österreichischen Regierung in Berlin. Die Meldung an sich klang wenig zuverlässig, denn Oesterreich selbst hat vor gar nicht langer Zeit seinen Zoll für ausländische Biere erhöht, was namentlich der Einfuhr der bayerischen Biere schadete, sodaß schon aus diesem Grunde die Wiener Regierung schwerlich ernstlich an diplomatische Vorstellungen in Berlin gedacht hat. Außerdem aber ist vorher in der Budget­kommission des Reichstages von einem Vertreter der Verbündeten Regierungen ausdrücklich ver­sichert worden, eine Erhöhung des Bierzolles würde in Wien nicht übel vermerkt werden, nachdem ein freisinniger Abgeordneter Befürchtungen in diesem Sinne ausgesprochen hatte. Endlich aber hat der Bundesrath am letzten Donnerstag der vom Reichs­tage beschlossenen Aenderung des Zollgesetzes und darin auch der Erhöhung des Bierzolles bereits seine Zustimmung ertheilt, so daß damit ohnehin der Fall erledigt ist, ob nun mit „freundschaft­lichen Vorstellungen" oder ohne solche.

& Der geschäftsführende Ausschuß des Jnnungsverbandes deutscher Baugewerksmeister hat den Wunsch ausgesprochen, daß die Ver­trauensmänner der Baugewelks-Berufsgenoffen- schaften zu der polizeilicher: Beaufsichtigung der Marrausführunge« herangezogen werden. Da den Polizeibehörden vielfach technische Kräfte bei Ausübung der Baukontrolle nicht in hin­reichendem Maße zur Verfügung stehen, so ist der Minister der öffentlichen Arbeiten, wie die offiziöse ,Berl. Rott/ schreibt, grundsätzlich damit einverstanden, daß der gegebenen Anregung ent­sprochen wird, wenn die Betheiligung der Ver­trauensmänner in der Weise erfolgt, daß sie neben den berufenen polizeilichen Organen thätig sind und sich besonders die außer- terminliche Ueberwachung der Bauausführungen angelegen fein kaffen. Die Uebettragung polizei­licher Exekutivbefugnisse, wie sie der geschaftsführende Ausschuß gewünscht hat, kann dabei nicht in Frage kommen. Die Vertrauens­männer würden vielmehr nur ihre Wahr­nehmungen der Polizeibehörde mitzutheilen haben, worauf diese dann das Weitere zu veranlaffen hätte. Voraussetzungen für eine derartige Be- theiligung an der Baukontrolle würden — ab» gesehen davon, daß Kosten dadurch nicht entstehen dürfen — sein, daß eine ent­sprechende Anzahl von Vertrauensmännern vor­handen ist, daß ihre technische Vorbildung sie der ihnen zu stellenden Aufgabe gewachsen erscheinen läßt und daß schließlich keine Bedenken gegen ihre Unparteilichkeit obwalten. Den Regierungspräsidenten wird es Überlassen bleiben müssen, zu prüfen, ob und in welchem Umfang hiernach in ihrem Bezirk die Organe der Bau- gewerks-Berussgenoffenschaften zur Mitwirkung bei der Ausübung der polizeilichen Bauaufficht veranlaßt werden können.

* Aus der amtliche« Statiflik der Streiks im deutschen Reich für das erste Quartal 1900

ergibt sich, daß der Streik in 145 Fällen keinen Erfolg hatte, in 67 Fällen einen vollen und in 91 Fällen einen theilweisen Erfolg. Es waren von Streiks 1922 Betriebe betroffen und darunter 943 zu völligem Stillstand gekommen. In den aus­schließlich vom Streik ergriffenen Betriebszweigen waren beim Ausbruch des Streiks 11,862 Ar­beiter beschäftigt. Nicht auf alle Geschäftszweige erstreckte sich der Streik in 272 Betrieben. Die Höchstzahl der gleichzeitig streikenden Arbeiter be­trug 35,606, die gezwungen feiernden Arbeiter 1738.

**, Berlin, 15. Juni. Am heutigen Sterbetage des Kaisers Friedrich erschienen Morgens >/>9 Uhr die Prinzen August Wilhelm und Oskar im Mausoleum an der Friedenskirche zu Potsdam und legten dort einen Kranz nieder. — Im Auftrage des Kaisers und der Kaiser in überbrachte Geheimrath Mießner einen Kranz. Auch von mehreren OffizierkorpS wurden Kränze nieder­gelegt. Der Sarkopbag war reich mit Blumen ge­schmückt. — Die Kaiserin hat den Besuch der Lungen­heilstätte des Berlin - Brandenburaer HeilstättenvereinS in Belzig mit Rücksicht auf die sehr besetzte Zeit ver­schieben müffen. — Der Kronprinz trifft Ende Juni zu mebrtägigem Aufenthalte auf den Schlöffe in OelS ein. Oels ist bekanntlich ein Gut des Kronprinzen. — Eine neue Pensionirungsvorschrift für daS preußische Heer hat der Kaiser unter dem 2. Juni im Neuen Palais erlassen. Das Kriegsministerium ist zu Erläuterungen und Abänderungen der Vorschrift, soweit sie nicht von grundsätzlicher Bedeutung sind, ermächtigt worden. — Wie der .Reichs-Anzeiger' meldet, legte der preußische Hof für den verstorbenen Großherzog von Oldenburg eine vierzehntägige Trauer an. — Der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld und der sächsische Gesandte Graf Hohenthal haben die Brillanten zum Rothen Adlerorden erster Klaffe er­halten.

• Komöurg v. d. K., 15. Juni. Zu der gestrigen Abendtafel im königlichen Schlosse war Exzellenz v. Lindequist, der Kommandeur des XVIII. Armeekorps, sowie Baurath Jacobi' befohlen. Heute früh 7 Uhr 49 Min. traf mit dem fahrplanmäßigen Personenzuge der Kron­prinz von Preußen ein. Das Kaiserliche Paar in Begleitung des Kronprinzen mit Gefolge ritt auch heute früh wiederum nach der Saalburg, woselbst Ausgrabungen vorgenommen wurden. In das Homburger Schloß zurückgekehrt, fuhr die kaiserliche Familie um 121/« Uhr nach Schloß Friedrichshof. Der Kaiser reiste Nachmittags 3 Uhr mittels Sonderzuges von Bahnhof Cron« berg nach Hannover, die Kaiserin und der Kron­prinz kehren heute Nachmittag nach Homburg zurück. — Der Kaiser hat gestern Vormittag hier in Homburg das Flottengesetz unter­zeichnet.

* Mürzö«rg, 14. Juni. Heute am F r o h n« leichnamsfeste rückte das hier in Garnison stehende 9. Infanterieregiment nach dem Uebungs« platze bei Hammelburg aus. Die hiesigen Katho­liken hatten sich an den Kriegsminister v. Afch gewandt, um die Zurücknahme dieser Anordnung zu erwirken. Darauf traf telegraphisch von München die Antwort ein: „Eingreifen deS Kriegsministeriums unthunlich!" ES ist dadurch den katholischen Soldaten unmöglich ge­worden, der Prozession beizuwohnen, sie werden auf ihrem Fußmarsch durch ganz katholische Gegenden sicher großes Aergerniß erregen und es ist auch nicht möglich, das sonst bei der Pro« zession übliche militärische Spalier in der ge« wohnten Weise zu geben. Der Kriegsminister

durchaus nicht von mir helfen laffen? Ich bin doch schon ss alt, nahe an vierzig Jahre — bei­nahe zwanzig Jahre älter, als Sie."

„Bitte, fünfzehn Jahre."

„Wissen Sie es so genau?"

„Ja, Ihre Tante hat es mir gesagt, wie alt Sie sind."

„Ei, ei, so haben Sie mit meiner Tante über mich gesprochen?"

„Ja, sehr oft."

„Seh' mir einer diese Tante an! Und was hat sie Ihnen von mir erzählt?"

„Daß Sie ein — nein, ich sage es nicht!"

„Sie wiffen es, ich lasse Sie nicht eher frei!"

„Nun denn, daß Sie ein leichtsinniger Welt- bummler feien, für deffen Zukunft man sorgen müffe, da Sie in Ihrer Gutherzigkeit alles ver­schenken würden, was Sie bekämen."

Mia hatte in komischem Zorn gesprochen, daß Konrad laut auflachte.

„Ah," tief Konrad, „deshalb hat sie auch dies famose Testament gemacht."

„Welches Testament?" fragte Mia.

„Ach, laffen wir die dumme Geschichte! Aber nun sagen Sie nur, daß Sie mir nicht böse sind?"

„Ich will nicht böse sein, wenn Sie mit ver­sprechen, nicht wieder hinter meinem Rücken meine Bilder aufzukaufen."

„Aber, Sie seltsames Mädchen, wenn die Bilder mir gefallen?"

„Ich will es aber nicht — ich empfinde es als ein Almosen, und — und Sie haben schön so viel für uns gethan."