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JuLöa, Samstag, den 16. Juni 1900.

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Ausbau und Erstarkung der Organisation. Diesem Zwecke diente im Wesentlichen auch die Frage, welche Taktik die christlichen Gewerk- schaften bei Lohnbewegungen einzuschlagen haben. Wie die Zeiten einer Lohnbewegung den Gewerk- schaften ost starken Zuwachs verschaffen können, so solche Zeiten, wenn sie zu Ausständen führen, auch eben so gut dazu angethan, eine Organisation völlig zu vernichten. Namentlich sind die christlichen Gewerkschaften hierin sehr schlecht be­stellt. Auf der einen Seite eine oft ihnen feind­lich gegenüberstehende Arbeitgeberschaft, welche die christlichen Gewerkschaften eben so wenig aner­kennen will wie die sozialdemokratischen, auf der anderen Seite die freien sozialdemokratischen Organisationen, welche die christliche Konkurrentin ost durch provizirte Streiks zu schwächen suchen

Da heißt es eine Taktik suchen, welche sowohl den Arbeitern zu möglichst großen Er­folgen verhilft, als auch vor unnöthigen Ausständen bewahrt, welche Arbeiter und Arbeitgeber in gleicher Weise schädigen und die materielle Macht der Gewerkschaften, die Kassen derselbeu nur zu häufig in die Luft sprengen. Der Weg der friedlichen Verhandlung mit dem Arbeitgeber im Gegensatz zum Klaffenkampf der Sozialdemokratie ist und bleibt hier der Weg einer christlichen Gewerk-,

Wichtiger noch als der Zusammenschluß der Gewerkschaften ist der Zusammenschluß der Mitglieder selbst. Was nützt es, wenn bei irgend einer Lohnbewegung die Organisationen wie Pilse in die Höhe schießen, aber nach derselben wieder zusammenfallen, da die Mitglieder ihr den Rücken kehren. Mit dem „Ideal des Organisa­tionsgedankens" allein lassen sich die Arbeiter, die in der recht materiell denkenden Zeit von heute leben, nicht halten. Man mag noch so viel reden vom Standesbewußtsein, von Solidaritätsgefühl,

eine solche schon im vorigen Jahre ernannt, aber sie hatte keine rechte Aktionskraft besessen. Kom­missionen nutzen in der Regel nicht viel, wenn sie keine aussührende, arbeitende Instanzen besitzen und eine solche ausführende Instanz ist am Besten eme Einzelperson, die ihre ganze Zeil und Kraft ihrem Amte widmen kann. Daher hatte sich mit der Zeit das Amt eines Gewerkschaftssekretärs als nothwendig erwiesen und man kann erst die gewünschte Verbindung unter den christlichen Organisationen verwerthen, wenn dieser seine Thätigkeit begonnen haben wird.

muß man für ein möglichst geschlossenes Vor­gehen der Arbeiter Sorge tragen, wenigstens der Arbeiter ein und desselben Berufes. An jedem Oertchen ein für sich stehendes Verbändchen kann der Arbeiterschaft wenig nutzen; was ihr nutzt,

I Obgleich Leichenreden in diesem Orte nicht üblich waren, so konnte sich der Pfarrer doch nicht enthalten, folgende Worte am Grabe des Ver­storbenen zu sagen: „Kinder, tröstet Euch; Euer guter Vater ist heimgegangen. Ja, Ihr habt einen braven Vater verloren, aber Ihr werdet ihn über kurze Zeit Wiedersehen, nicht in irdischem Kleide, nicht in Sorgen und Mühen, nein in unaussprech­licher Herrlichkeit. Betet oft für die Seele des ge­liebten Vaters. Seine Liebe, mit der Ihr stets vereint bleibt, ist die heilige Wächterin über Euer Thun und Lassen. Lebet so fromm, so recht­schaffen, wie Euer seliger Vater, und Ihr werdet einst im Himmel ihm entgegenjubeln und zurufen dürfen: Hier, theurer Vater, hier hast Du alle Deine Kinder wieder I — Und ihr geliebte Pfarr­kinder, die ihr so zahlreich herbeigekommen seid, dem im Herrn Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erzeigen, lernet, wie man leben muß, um glück­lich zu sterben, lernet da, wie man Kinder er­ziehen muß, um auch über's Grab hinaus noch von ihnen geliebt zu werden. Gottesfurcht und Frömmigkeit sind die Grundlagen des häuslichen Glückes. Gottesfurcht und Frömmigkeit sind die Grundlagen der guten Kindererziehung. Ich weiß, Ihr habt Alle den guten Willen, schreitet auch zur guten That, und wir werden uns einst Alle im Himmel wiedsrfinden."

Nach beendigtem Trauergottesdienste brachte man die Kinder heim zur Mutter. Ach, die armen Kinder! Neuer Jammer, neue Thränen! Die Mutter lag in einem heftigen Fieber. Dies

I schaftsbewegung. Freilich kann es bei schweren Zwistigkeiten zum „Kampfe" kommen, aber stets soll der Zweck des Kampfes der Friede sein. Das Hauptziel einer Lohnbewegung sah daher ^auch der Kongreß in der Aufstellung gemein« ! samer Lohntarife, welche Arbeitern wie Ar­beitgebern die Sicherheit eines sicheren Verdienstes geben. Damit nähert sich die Taktik der christ­lichen Gewerkschaften immer mehr und mehr der Taktik der englischen Gewerkoereine, welche durch gegenseitige Verhandlungen feste Lohnbestim- [ mungen zu treffen suchen.

Wie die christlichen Organisationen in Wahr­heit nur dem einen wirthschaftlichen Jntereffe ihrer Mitglieder dienen wollen, zeigte in eklatan« tester Weise die reiche Schlußdebatte über die I Frage: „paritätische Genossenschaften". Religiöse und politische Angelegenheiten sollen als hemmend für eine ersprießliche Thätigkeit innerhalb der Gewerkschaft ausgeschloffen sein. Wir wollen alle Arbeiter ohne Rücksicht auf ihr religiöses und politisches Bekenntniß zu einer einzigen wirthschaftlichen Macht vereinen, aber auch dann nur ausschließlich wirthschaftliche Bestrebungen in der Gewerkschaft.kennen, um das möglichst Vollkommene für unseren Stand zu erreichen, das war die Stimmung aller Delegirten, mochten einige auch das Wörtchen paritätisch noch scheuen. Möge es den christlichen Organisationen gelingen, m diesem Sinne die Organisationsbewegung wahrhaft frei zu machen, unsere Gesellschaft braucht dann — sozialdemokratische Beeinflussung der Arbeiterschaft nicht mehr zu fürchten.

Auge blieb von Thränen leer. Man zog die

Kinder sanft vom Sarge zurück, damit der Pfar-- g»,»......»,. yerr tmouor, vem lieben rer bte L-lche emsegnen konnte. Dem Geistlichen Gott ist Alles möglich," sagte Rika, die alte

nn, was ist aus diesen Kindern geworden? Wie sich kaum anders erwarten ließ, so wuchsen sie alle zu äußerst braven Menschen heran. Es mochten zehn Jahre nach der Genesung sein, da brach, wie oielfach anderswo, das Nervenfieber im Hause aus, und binnen drei Wochen wurden zunächst Mutter und Rika, und darauf sieben Kinder von demselben ergriffen und zur ewigen Ruhe gebracht. Wilhelm allein blieb verschont­er faßte bett Entschluß, als Klosterbruder feine irdische Laufbahn zu vollenden.

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Aufgabe einer Organisation, die ihren Mitgliedern oder deren Familien für die Zeiten der Noth oder Krankheit über die schwersten Existenzsorgen hin­weghelfen soll.

Leid nut Freud' einer dränen Familie.

In einem lieblichen Thals der Grafschaft N. liegt ein nettes Häuschen, umgeben von einigen Morgen Ackerland und Wiesen. Hier lebte vor Jahren die sehr brave und fromme Familie B. Ein ganzes Nest voll Kinder — 8 an der Zahl — war der Segen ihrer Ehe. Die Bravheit und Frömmigkeit der Eltern hatte sich auch auf die Kinder vererbt. Sie konnten in der Schule und später auch in der Arbeit als Muster ausgestellt werden.

Das zeitliche Glück dieser Familie sollte leider nicht lange währen. Bereits 18 Jahre hatten Vater und Mutter in glücklicher Ehe gelebt. Da kam der bittere Tod, nahm mit grausamer Hand den guten Vater aus der Mitte seiner Kinder und die arme Mutter stand rath- und thatlos da. Als man die Leiche aus dem Hause trug, um sie zum Friedhof zu bringen, da sank die arme Mutter zusammen. Sie erwachte nach kurzer Zeit, dann rief sie: „Wo ist der Vater? Wo ist mein guter Mann?" — und fiel von Neuem in Ohnmacht.

J2 136.

Die zwei jüngsten Kinder blieben zu Hause, die anderen begleiteten den Vater zur letzten Ruhe­stätte. Das Jammern der Kinder hinter dem Sarge des geliebten Vaters war herzzerreißend. Als man die Leiche in's Grab senken wollte, knieten die 6 guten Kinder an demselben nieder, legten die gefallenen Händchen auf den Sarg und wimmerten: „Vater, lieber Vater!" f

| treue Hausmagd.

»Ja, die Mutter war wirklich gesund. Sie empfing zur Dankbarkeit am Morgen nach der neuntägigen Andacht die heil. Kommunion, und Nachmittags saß sie am Fenster und schaute mit Thränen hinüber zu dem Platze, wo dieselben ihr r?brünstlges Fürbittgebet verrichtet hatten. Gute Kinder sind auch dankbar. Am Abend desselben Tages fingen sie von neuem, und zwar auf selber Stelle, eine neuntägige Andacht an. Der Zusatz lautete diesmal: „O guter Gott, wir danken dir von ganzem Herzen für die Gesundheit unserer heben Mutter."

Am sechsten Tage der Kinderandacht sagte die Mutter zu Wilhelm: „Kinder, ich glaube, Ihr betet mich wieder gesund." Das blaffe Gesicht des guten, jungen Burschen strahlte, und er theilte ferne Freude dem Pfarrer und dem „ Arzte mit. Beide fanden eine merkliche Befferung Kaum em der Kranken. Am neunten Tage faate der Ar»t - . — w. । „Wie ist es möglich?" und schlug feine Hände zusammen. „Ach, Herr Doktor, dem lieben

Vermischtes.

d Nachdem im letzten Jahre von der Eisen - bahn-Verwaltung die Spiritus Kek-«ch- 1«»g auf verschiedenen Bahnhöfen versuchs­weise emgeführt worden ist, sollen jetzt, da der Verbrauch des Spiritus zu Beleuchlungszwecken aus voikswirthschastlichen Gründen thunlichste Förderung verdient, auch in der Verwaltung der indirekten Steuern weitere gleichartige

£ Die Arbeiten des iireiifctffBptt &*e Verbindung der Arbeiter aller in Betracht altSl ? preilWtyeN kommender Jndustriebezirke untereinander. Die ^-NNomffes Weber von Krefeld müssen mit denen von Glad-

begegnen im letzten Augenblicke noch allerhand bach und Aachen, die Bergleute an der Ruhr mit Schwierigkeiten, diesmal hervorgerufen durch das denen an der Wurm und Saar sich bewußt wer- Herrenhaus, das sich bei dem Gesetze über den, daß ein gemeinsames Interesse sie aufein« die Besteuerung der Waarenhäuser in ""der hinweist und daß sie miteinander in enger Widerspruch mit dem Abgeordnetenhause und mit Fühlung bleiben müssen, um ihre wirthschaftlichen der Regierung uns bei der Vorlage Über die Vortheile wahrzunehmen. Darum lhat der Kon- Bekämpfung der Hochwassergefahren in 9reB sehr wohl daran, in allen Berufen auf Schlesien in Widersprach mit der Regierung Zentralisation zu dringen, besonders auf dieEr- gesetzt hat. Das Herrenhaus hat nämlich am Dichtung von Zentralverbänden, und ein bedeu- heutigen Freitag zu diesem letzten Gesetzentwürfe Sender Fortschritt war der sämmtliche i£)rganb I einen Antrag des Abg. v. Levetzow ange- fronen bindende Beschluß, daß man für solche nommen, wonach die ausdrückliche Bestimmung Berufe, welche bereits eigene Organisationen be- angefflgt werden soll, daß die Arbeiten an den sitzen, keine eigene Gewerkschaften errichten dürfe, linksseitigen Nebenflüssen der Oder nicht eher sondern die Arbeiter den bereits bestehenden zu- begonnen werden, als bis die Vorfluth in der zuführen habe. — Aber nicht nur die Arbeiter unteren Oder verbessert worden sein wird. Im derselben Berufe, auch die Arbeiter verschiedener Abgeordnetenhause lag ein ähnlicher Antrag vor. Berufe und deren Organisationen sollen in enge Man ließ ihn aber dort fallen, nachdem die Fühlung miteinander treten, damit besonders in Vertreter der Regierung versprochen hatten, auch schweren Kämpfen, die für unsere junge christliche diese Angelegenheit möglichst zu fördern. Nicht Gewerkschaftsbewegung nicht ausbleibeu^werden, die so im Herrenhause: obwohl Minister v. Thielen 9anie christliche Arbeiterschaft zusarnmensteht in ge- ausdrücklich erklärte, die Regierung würde die »»einsamer und gegenseitiger Hilfe. Das Mittel einer Annahme des Antrages Levetzow unmittelbar als solchen Einigung fand der Kongreß in der Errichtung Mißtrauensvotum auffassen müssen, wurde einer Gewerkschaftskommission. Manhatte dieser Antrag dennoch angenommen. Nun muß ' ~‘

erst das Abgeordnetenhaus wieder sprechen. In gleicher Weise hat das Herrenhaus als Hemmschuh gewirkt bei der Waarenhaus- befteuerung. Es hat nämlich beschlossen, daß Offizier- und Beamten-Konsumvereine von der Steuer freibleiben sollen — natürlich ein höchst ungerechter Beschluß, der von einer er­staunlichen politischen Kurzsichtigkeit und Vor- eingenommenheit zeugt. Das Abgeordneten­haus hat am heutigen Freitag diese Bestimmung einstimmig abgelehnt; das Gesetz muß also von neuem an das Herrenhaus, d. h. dann, wenn das Abgeordnetenhaus damit fertig fein wird. Am heutigen Freitag mußte die Sitzung zweimal wegen Beschlußunfähigkeit des Hauses abgebrochen werden — ein böses Zeichen für die vollkommene Parlamentsübermüdung der Abgeordneten! Nun soll dieser Gegenstand im Abgeordnetenhause erst wieder am nächsten Montag vorgenommen werden, so daß der Schluß des Landtages möglicherweise sogar erst am Dienstag wird stattfinden können. Das — vw..vt»vCWupl|Cin, uuii öunvaruatsgeruai, abgeorbnetenljauS zeigt sich verträglicher: es hat von Opfersinn u. s. w., wenn die Begeisterunq

den Abänderungen des Herrenhauses überall da, der Organisationsrede vorüber ist, wird stets wo es konnte, ohne weiteres beigestimmt. nüchtern gefragt: Was erhalte ich an mate-

r-i . ------- ri eil en Vortheilen ? Die Sozialdemokraten haben

u Zweiter Kongreß der christlichen sre'lich gemeint, die Idee des Klaffenkampfes und

Gewerkoerpini» Klaffenbewußtseins genügte, um die Arbeiter zu

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ftatiren, daß die junge Bewegung ihre Kinder­krankheiten allmählich überwunden hat. Die drei Tage der Berathung hatten im Grunde genom­men nur ein Ziel, nämlich jenes, wie läßt sich die innere Festigung und Erstarkung unserer christlichen Organisationsbewegung herbei- sühren. Abgesehen von dem letzten Referate, das sich mit dem Thema: „Verkürzung der Arbeits­zeit" beschäftigte und schnelle Erledigung fand, befaßten sich die Berathungen fast ausschließlich damit, das Gebäude der christlichen Organisation nach jeder Seite hin weiter auszubauen und zwar so, daß dasselbe vor schweren Stürmen ge­schützt bleibt oder daß es wenigstens, wenn solche kommen, sie nicht zu fürchten braucht.

Es waren stattliche Zahlen, welche im ersten Referate über den augenblickliche Stand ber Gewerkschaften gegeben wurden annähernd 153,000 organisirte christliche Arbeiter bedeuten immerhin eine respektable Macht und es ist wahr­lich ein schöner Anfang, wenn sich diese Schaaren zum großen Theile in den letzten 3—4 Jahren zu- sammengefunden haben. Aber um so größer ist die Gefahr, daß eine Sache in's Wanken gerätst, je schneller und mächtiger sie emporgeblüht ist. Damm ergibt sich als eine eiserne Nothwendig- teit die Aufgabe, zeitig dafür zu sorgen, daß das Errungene festgehalten wird. Und da ist das erste Erforderniß einer jeden Vereinigung, lebroebe Zersplittern ng zu verhüten" Um! auf wirthschaftlichem Gebiete etwas zu erreichen, j

________________27. Jahrgang

11 letzten Tage statten ihren Körver und ihr GemÜth 1 zu sehr ergriffen. Das Häuschen des Glücks und der Zufriedenheit war so bald in eine Hütte der Leiden und Trübsale verwandelt worden. Die Krankheit der Mutter wurde immer bedenklicher. Der Pfarrer hatte sie frühzeitig mit den heiligen Sakramenten versehen; denn der Arzt zweifelte an ihrem Aufkommen. Schon sagte man: Die Mutter wird ihrem seligen Manne bald folgen, um auch im Tode an seiner Seite zu ruhen.

In fieberfreien Augenblicken ermahnte sie ihre Kinder zur Gottesfurcht, zum fleißigen Beten, zur Treue und Redlichkeit, und besonders zur Fürbitte für den verstorbenen Vater. „Kinder", sagte sie einst, als alle acht das Bett umstanden, „Kinder, betet doch gern, Kindergebet bringt durch die Wolken. Ich bliebe noch so gerne bei Euch, aber ich glaube, der liebe Gott will es nicht. Sein heiliger Wille geschehe." Sie konnte nicht weiter sprechen, auch kam gerade der Arzt. Die Kinder entfernten sich, gingen in die Stube und meinten bitterlich.

Unerwartet ging die Thüre auf, ber gute Pfarrer trat herein. Alle streckten ihm die Hand zum Gruße entgegen. „Ach, Herr Pfarrer!" sagte Wilhelm, „wird der liebe Gott uns die gute Mutter auch fortnehmen? „Meine lieben Kinder", antwortete der Pfarrer, „faffet Euch, menschliche Hilfe kann sie nicht mehr retten; allein bei Gott ist alles möglich. Gott ist gut, beson­ders gut gegen gute Kinder. Betet! Vielleicht rettet Ihr sie durch Euer Gebet. Verrichtet eine neuntägige Andacht, so lange wird sie noch leben, vielleicht dann auch länger, wie es Gott gefällt."

„Ja, Herr Pfarrer, wir wollen beten,“ lautete es, wie aus einem Munde. „Gut, meine Kinder," sagte der Pfarrer, „bann Inieet neun Tage nacheinander zusammen dort beim Kreuze nieder und betet drei Vater unser und Gegrüßet seist du Maria mit dem Zusätze: „Lieber Gott, mache uns doch die Mutter wieder gesund!" Dann ging der Pfarrer, nachdem er noch einige Worte mit dem sich entfernenden Arzte ge- sprachen, zur Kranken, betete ihr vor und er­munterte sie zur Geduld und Gottergebycheit.

Vor dem Hause war ein kleiner Grasplatz mit einem Kruzifix. Hier lagen jeden Abend, wenn schon die Sterne leuchteten, unter freiem Himmel alle acht Kinder auf den Knieen; von Gott gesehen, hoben sie fromm ihre unschuldigen Hände empor und beteten das vorgeschriebene Gebet. „Die liebe Mutter Gottes muß auch das Ihrige thun," sagte Gertrud, und das „Gedenke, o gütigste Jungfrau" bildete den Schluß. „Ein solches Gebet muß Erhörung finden," sagte der Pfarrer, der einmal stiller Zuschauer war. Die Mutter wußte von dem Gebete ihrer Kinder, sie hatten es nicht ver- schweigen können.