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JukSa, Dienstag, den 12. Juni 1900.
Jli 133.
27. Jahrgang.
st Zur Kanalsrage.
Die Kanaldinge haben in Preußen eine absonderliche Entwickelung gehabt, und ebenso -sonderbar nimmt sich bei genauerer Betrachtung die Kanalpolitik der preußischen Regierung aus — wirklich beinahe geradeso, als wollten die Ausführer der Kanalpläne es verhindern oder doch erschweren, daß diese Pläne thatsächlich zur Ausführung gelangen. Und außerdem begegnet man in dieser Kanalpolitik der preußische» Staatsregierung höchst eigenthümlichen Widersprüchen.
Im Jahre 1894 brachte die Regierung im Landtage eine Vorlage ein, die nur die Bewilligung des Dortmund-Rhein-KanalS verlangte, aber an den ganzen Mittelland- Kanal noch gar nicht dachte. Damals mußte doch also die preußische Regierung die Ansicht haben, daß dieses Kanalstück allein sehr gut ausführbar und nützlich sei; aber im Jahre 1899 behaupteten die Regierungsvertreter genau das Gegentheil, nämlich daß das Kanalstück vom Rhein bis Dortmund unausführbar sei für sich allein, daß wegen der Wasser- verhältniffe der ganze Mittelland-Kanal bis zur Elbe genommen werden müffe. Entweder hat also im Jahre 1899 die Regierung aus taktischen Gründen die vorliegenden Thatsachen stark „ftisirt", oder aber der Plan von 1894 war in unverantwortlich leichtsinniger Weise aus- -gearbeitet worden.
Die Vorlage von 1894 wurde abgelehnt. Dafür erschien nun die Regierung fünf Jahre später mit der doppelt großen Vorlage des ganzen Mittelland-Kanals auf dem Plane. Und nachdem die doppelt umfangreiche Vorlage von 1899 ebenfalls abgelehnt war, wurde die vier- Mal größere Vorlage von 1900 ausgearbeitet und gewaltsam mit Dingen belastet, die mit dem Mittelland-Kanal nicht in dem allergeringsten. Zusammenhang stehen, weder in sachlichem noch äußerlichem Zusammenhangs. Daß das ein ganz ungewöhnliches Verfahren ist, liegt auf der Hand, um so auffälliger, als die Herren Regierungsvertreter bei den Verhandlungen des vorigen Jahres wiederholt erklärten, daß nach ihrer Auffassung nur Schlesien ein Anrecht auf „Kompensationen" habe, also auf entsprechende Verkehrseinrichtungen, damit das rheinisch-westfälische Industriegebiet keine übermäßigen Vortheile vor dem schlesischen erlange. Danach konnte man eine erweiterte Kanalvorlage erwarten, die auch auf Schlesien Rücksicht nimmt. Aber niemand dachte an die Möglichkeit, daß nun die Regierung mit dem Mittelland-Kanal Sachen wie den Großschifffahrtsweg Stettin-Berlin verkoppeln würde, der mit jenem in gar keinem Zusammenhänge steht.
Die Regierung will durch dieses Verfahren einen Druck ausüben: sie will diese Dinge, denen eine Mehrheit im preußischen Landtage sicher ist, als Vorspann benützen für den ganzen Mittelland-Kanal, von dem sie weiß, daß ihm eine solche Mehrheit nichts weniger als sicher ist, ohne Rücksicht darauf, daß ganze große Landestheile, wie hier beim Berlin-Stettiner Schifffahrtswege, durch dieses Verfahren wirthschastlich schwer ge-
Zm Kutenthurme.
Roman von O. Elster.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
Der Weg nach dem Gartenhause zog sich an dem Flüßchen entlang, das den Friedhof der St. Vituskirche von dem Garten des Eulenthurmes trennte. Die St. Vituskirche erhob sich auf einer kleinen Anhöhe über den uralten Friedhof, desien graue, verwitterte Kreuze und Grabsteine von Epheu und wilden Rosen überwuchert und von -Cypressen, Rüstern und hohen brettästigen Linden überschattet wurden. Die Kirche selbst ragte nur mit dem zerfallenen Dache und dem niedrigen -schwerfälligen Thurme aus dem Grün der Bäume hervor. Den Hintergrund dieses eigenartig düsterschönen Bildes stellten die grauen, zerbröckelten nnd zerrissenen Giebel und Dächer der Häuser des Voßwinkels. Man glaubte sich in das fernste Mittelalter verseht. Konrad hatte das Bild nicht mehr genau im Gedächtnisse; überrascht blieb er stehen und meinte, daß die Kirche mit der düsteren Umgebung ein herrlicher Vorwurf für einen Landschaftsmaler sei.
„Mein Vater war derselben Meinung", entgegnete Mia arglos. „Ich habe versucht, das Bild Wiederzugeben —"
„Richtig! Sie sind ja auch Malerin —"
Mia erröthete leicht. Sie wünschte, sie hätte sich nicht verrathen. Da es aber einmal geschehen, fuhr sie bescheiden fort: „Mein Vater hat mir Unterricht ertheilt. Aber die Technik der Oel- malerei ist mir ziemlich fremd geblieben, dagegen habe ich mich viel mit Aquarellmalerei beschäftigt."
schädigt werden; denn damit hatten die Abgeordneten Brömel und Dr. Langerhans letzthin im Abgeordnetenhause durchaus recht, daß Stettin und alles das, was mit ihm in wirth- schaftlichem Zusammenhänge steht, durch die preußische Kanalpolitik arg ins Hintertreffen ge- räth. Stettin wurde, ebenso wie Lübeck, geschädigt . durch die Eröffnung des Nord-Ostsee- Kanals. Lübeck erhielt nun zum Ausgleiche den Elbe-Traue-Kanal; Stettin aber blieb unberücksichtigt und bekam durch diesen zuletzt genannten Kanal nur eine gefährliche Konkurrenz mehr. Stettin hat also recht, wenn es sich über Zurücksetzung in Kanaldingen beschwert; und es hat ebenso recht, wenn es das Verfahren, den Seeweg Stettin-Berlin mit dem Mittelland-Kanal zu verkoppeln, als ungeeignet und auch ungerecht bezeichnet. Stettin und Berlin haben für alle die Bürgschaften gesorgt, die für die Ausführung dieser Wafferverbindung von der Regierung verlangt wurden; wie kommen sie nun dazu, ihre Lebensintereffen abhänpig gemacht zu sehen von der Bewilligung des höchst unbeliebten Kanalstückes von Dortmund bis zur Elbe? Wie kann ein Minister, wie Herr Verkehrsminister von Thielen, ohne weiteres die Behauptung aufstellen, es sei „unmöglich", den Großschifffahrtsweg von Stettin nach Berlin von dem Mittelland-Kanal zu trennen?
Solche Behauptungen sind niemals zu beweisen und sollten deswegen lieber unterlassen werden. Die ganze neueste Kanalpolitik der preußischen Regierung aber gewinnt durch alle diese Dinge ganz und gar nicht, geräth dadurch vielmehr in den Verdacht des Eigensinnes und der Gewaltsamkeit; und das kann den neuesten Kanalplänen der Regierung unmöglich förderlich sein. Die Regierung sollte darum im Jntereffe ihrer eignen Pläne auf den Standpunkt verzichten, daß derjenige ein grundsätzlicher Kanalgegner sei, der einzelne Stücke aus der neuen, riesenhaft angewachsenen Kanalvorlage herausnehmen und sichern will als besonders nothwendig und dringlich. Solche Standpunkte sind thöricht und von vornherein unhaltbar.
Deutsches Keich*
Berlin, den 11. Juni.
h Liaiferreise nach Kngkand. Im Berliner Opernhause ist am letzten Sonntag die Operette: „Mikado" des englischen Verfassers Sir Arthur Sullivan aufgeführt worden. Nach Schluß der Vorstellung ließ der Kaiser den englischen Komponisten in seine Loge bitten und unterhielt sich mit ihm in sehr freundlicher Weise, ging auch auf eine von Sir Arthur Sullivan gestellte Frage ein, ob er, der Kaiser, in diesem Jahre nach England kommen werde. „Vielleicht komme ich nach Cowes" (d. h. zur großen Segelregatta! Red.) — soll der Kaiser gesagt haben. Nach einer anderen Fassung soll der Kaiser sogar seinen Besuch auch für dieses Jahr in bestimmte Aussicht gestellt haben. Außerdem äußerte der Kaiser seine Bewunderung für den Lord Roberts, den britischen Feldherrn gegen die Buren.
„Ist das Bild der Sankt Vituskirche schon fertig?"
„Es bedarf nur noch einiger Striche —"
„Ach, so müssen Sie es mir zeigen."
„Wenn es Ihnen Vergnügen macht — recht gern —!"
Sie erröthete wieder. Sie erinnerte sich der Worte ihres Vaters, jenes Bild betreffend, und sie schämte sich bei dem Gedanken, ihr Vater könne Konrad veranlassen, das Bild für die rückständige Mieths anzunehmen. Die rücksichtslose Art und Weise ihres Vaters hatte sie oft schon in Verlegenheit gesetzt.
Inzwischen war das Gartenhaus erreicht. Auf einer kleinen, offenen Veranda, über die man in das Haus eintrat, befand sich eine kleine Staffelei, auf der das fast fertige Aquarellgemälde Mias stand. Auf einem großen Tische daneben lagen allerhand Malutensilien.
„Sie sind eine treffliche Künstlerin, Fräulein Ruland", sagte Konrad, indem er in ehrlichem Erstaunen vor dem Bilde stehen blieb. „Das Bild ist ein Kunstwerk. In der Hauptstadt werden Sie Aufsehen mit demselben erregen. Stehen S'e denn mit einem Kunsthändler Berlins in Verbindung, in dessen Salon Sie das Bild ausstellen könnten?"
„Der hiesige Kunsthändler Behrend hat den Verkauf meiner Malereien vermittelt."
„Ich fürchte, Herr Behrend hat Sie übervor- theilt —"
„O, nein, ich habe meine Arbeiten meistens recht gut bezahlt bekommen, weiß aber nicht, in wessen Hände sie übergegangen sind. Uebrigens ist dieses mein erstes größeres Bild, sonst habe ich mich mit Blumen« und Fächermalerei beschäftigt."
+ In der Behandlung der Aanak- frage zieht die preußische Staatsrsgierung gelindere Saiten auf. Es scheint auch bei ihr nunmehr die richtige Anschauung sich Bahn gebrochen zu haben, daß es das gute Recht des preußischen Landtages ist, einzelne Theile der zukünftigen Vorlage anzunehmen oder abzulehnen. Wenigstens hat in der heutigen (Montags-) Sitzung des Abgeordnetenhauses der Landwirthschaftsminister Freiherr von Hammerstein erklärt, er erachte es als die Freiheit des Hauses, einzelne Stücke der Kanalvorlage abzulehnen. Natürlich müffe sich auch die Regierung vorbehalten, zu einer durch den Landtag veränderten Kanalvorlage von neuem Stellung zu nehmen. — Das ist sicherlich auch das Recht der Regierung. Aber diese Beurtheilung der Dinge klingt schon ganz anders, als die schneidige Tonart, die man bisher oft zu hören bekam, daß derjenige, der die neue Kanalvorlage nicht als Ganzes annehme, als ein grundsätzlicher Gegner aller Wasserstraßen anzusehen sei. Hoffentlich erhält sich diese ruhigere Beurthsilungsweise bis zu der Zeit, in der die neue Kanalvorlage im preußischen Landtage zur Berathung stehen wird! — Die Hochwasservorlage ist heute (Montag) in dritter Lesung vom Abgeordnetenhause angenommen worden.
ft Die Berliner Parlamente werden voraussichtlich mit dem Ende dieser Woche gänzlich geschloffen werden. Daß der Reichstag an diesem Dienstag seine Berathung beenden soll, ist berichtet und bekannt. Es ist dieser Meldung noch hinzuzufügen, daß der Reichstag ebenso wie die beiden Häuser des preußischen Landtages durch den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe geschloffen werden sollen, der im Reichstag und auch im preußischen Landtage eine kaiserliche Botschaft verlesen wird. Der preußische Landtag wird vermuthlich am nächsten Sonntag mit seinen Arbeiten fertig sein. Die Vorlage über die Bekämpfung der Hochwaffergesahr in Schlesien wird jedenfalls vom Herrenhause in der Form der Beschlüsse des Herrenhauses angenommen werden, und es ist auch nichts mehr anzunehmen, daß die übrigen Gesetzentwürfe eine Verzögerung veranlaffen werden.
X A«m Morde irr KouiH findet sich in der oberoffiziösen ,Nordd. Allgem. Ztg.' eine Auslassung, die zunächst die bei der Untersuchung be- theiligten Beamten gegen die mehrfach in der Presse erhobenen Vorwürfe in Schutz nimmt: „Es muß — so lautet der kennzeichnende Satz des halbamtlichen Organs in diesem Sinne — mit Entschiedenheit der Vorwurf zurückgewiesen werden, daß die betheiligten Beamten voreingenommen und von dem Wunsche geleitet gewesen seien, gewisse (d. h. israelitische! Red.) Bevölkerungsklassen zu schonen. Vielmehr ist jedem Verdacht . . . mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln nach- gegangen worden." Die auffallende Blutleere des Leichnams wird erklärt wie folgt: „Der Ermordete hat, nach dem Urtheil der Sachverständigen, einen Messerstich in den Hals erhalten. Dieser Stich hat die großen Schlagadern durchschnitten, wodurch das völlige Ausströmen des Blutes in kurzer Zeit bewirkt wurde. Es kommt hinzu, daß die aufgefundenen Rumpftheile längere Zeit im Wasser gelegen haben, wodurch der noch
„Aber Sie müssen doch schon landschaftliche Skizzen gemacht haben, sonst könnten Sie ein solches Bild nicht malen."
„Ich hatte nicht viel Zeit, ich mußte unseren Haushalt ganz allein besorgen. Aber ich habe doch einige Skizzen angefertigt."
„Bitte, zeige» Sie mir dieselben. Ich bin ja ein Kollege, somit brauchen Sie sich nicht zu schämen —"
Mia holte ihre Skizzenmappe, die eine Menge kleiner, landschaftlicher und architektonischer Aquarelle enthielt. Die alte, winkelige Stadt gab hinreichend Gelegenheit zu den Studien dieser Art.
Mit aufrichtiger Bewunderung durchblätterte Konrad die Mappe.
„So viel Talent, Fräulein Mia", rief er, „darf hier in der Einsamkeit nicht verkümmern! Ich werde dafür sorgen, daß Ihre Arbeiten in die Oeffentlichkeit gelangen —"
„Halten Sie die Arbeiten wirklich für werth, der Oeffentlichkeit preisgegeben zu werden?" fragte Mia, indem sie mit glücklichem Blick zu ihm aufsah.
„Gewiß, gewiß", entgegnete er. „Es fehlt hier und da noch an Routine, an Hebung, an Vertiefung in den Gegenstand, aber das wird sich schon machen. O gewiß, das wird sich machen! Vertrauen Sie meinem Urtheil! Wir werden zusammen arbeiten, Fräulein Mia! Ich habe schon den Plan gefaßt, oben im dritten Stocke des Eulenthurmes ein hübsches, großes Atelier anzulegen, da werden wir gemeinsam arbeiten, gemeinsam lernen — Einer von dem Anderen! Ach, ich freue mich sehr auf diese gemeinsame Arbeit —"
Er hatte sich in Eifer hineingeredet. Er erfaßte ihre Hände und schüttelte sie, wie einem liebfn Freunde. Glücklich und doch voller Ver-
etwa vorhandene Rest von Blut herausgezogen sein mag. Die Zerstückelung des Leichnams und die Fortschaffung der einzelnen Körpertheile ist — so muß nach den bisherigen Ermittelungen angenommen werden — erst später erfolgt, um die Spuren des Verbrechens leichter zu verwischen und von dem Thäter abzulenken." — Eine Interpellation im Abgeordnetenhause wegen des Mordes wird nicht erfolgen. Di- freisinnige Vereinigung hat die Absicht gehabt, eine solche Interpellation einzubringen, diese Absicht hinterher aber wieder aufgegeben.
Aus dem Reichstage.
208. Sitzung vom 11. Juni 1900.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die sozialdemokratische Interpellation wegen der Gesetze gegen den Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter in Anhalt und Reuß j. L. und wegen des Verbotes des Streikpostenfiehens in Lübeck. Die Interpellanten sind der Ansicht, daß diese Gesetze gegen die Reichsgesetze verstoßen (Gewerbe - Ordnung, Strafgesetzbuch und Zivilprozeßordnung) und tragen an: was der Herr Reichskanzler zu thun gedenke, um gegenüber diesen Bundesstaaten den Reichsgesetzen Geltung zu verschaffen?
Staatssekretär Mieverding sprach in seiner Beantwortung der Interpellation dieser letzter« alle Berechtigung ab, fand aber damit nicht den Beifall der Mehrheit des Hauses.
Der Reihe nach erklärten die Abgg. ZSasserman« (natl.), Dr. Spahn (Centr.) und Dr. ISülker-Meiningen (freis. Bolksp.), daß die lübeckische Verordnung durchaus gegen die Gewerbeordnung verstoße, daß sie nichts weiter sei als ein Wiederaufleben einer Bestimmung des vom Reichstage abgelehnten Zuchthausgesetzes, und daß sie somit vom Bundesrathe beseitigt werden müßte.
Aehnlich äußerte sich auch der wildliberale Abg. AoestLe-Deffau, der außerdem sein Bedauern aussprach über die Gesetze gegen den Kontraktbruch. Diese letzteren fanden außer den Sozialdemokraten und fienn Roesicke keinen Angreifer im Reichstage, dafür lieb aber auch die lübeckische Verordnung gegen die Streikposten ohne Bertheidiger.
Nur der lübeckische Bevollmächtigte im Bundesrath, Dr. Kkügman«, unternahm eine solche Bertheidigung; aber sie war recht schwach.
Bon Interesse war eine Mitthellung des Staatssekretärs des Aeußeren Graf von Mütorv: In Italien waren kürzlich die ländlichen Arbeiter davor gewarnt worden, Arbeit in Deutschland zu suchen, und zwar deswegen, weil hier ihre Lage angeblich noch elender sei als in Italien. Das Auswärtige Amt hat daraufhin die italienische Regierung ersucht, dahin zu wirken, daß diese unrichtige Darstellungsweise richtig gestellt werde.
Die Besprechung der Interpellation war erst um ß'li Uhr Abends beendet.
Alsdann wurde noch die zweite Lesung der Seuchengesetzes in Angriff genommen und diese? im allgemeinen nach den Vorschlägen der Kommission gutgeheißen. (Bei Absendung dieses Berichtes (*/s9 Uhr) dauerte die Sitzung noch fort. Der Berichterstatter der ,Fuld. Ztg/).
Aus dem Kandtage.
•OP ASgeordueleuhau«. — 78. Sitzung vom 11. Juni, 11 Uhr Vormittags.
Zur dritten Berathung steht die schlesische Hochwasser-Borlage.
Abg. Hraf Limvurg-Stirum (kons.) bringt die Maßregelung der Landräthe aus Anlaß der Ablehnung deS Mittellandkanals zur Sprache. Diesen Leuten sei bitteres Unrecht geschehen, und die Art, wie man die Kanalvorlage durchdrücken wollte, habe im Lande große Verstimmung hervorgerufen. Dennoch will die Mehrheit seiner Freunde der Vorlage zustimmen, da sie glaubt, daß die bestimmt abgegebenen Erklärungen der Regierung genügen müffen.
legenheit lächelnd, sah Mia zu ihm empor. AlS er aber ihre Hände gar nicht frei geben wollte, entzog sie sie ihm und sprach unter leichtem Erröthen: „Wollen wir jetzt zu meinem Vater gehen?"
„Ach ja, das hätte ich beinahe vergessen!,! Ist Ihr Papa im Hause?"
„Er wird in seinem Atelier sein."
Mia schritt voran in das Haus, nicht ohne Bangen in dem heftig pochenden Herzen, daß ihr Vater den neugewonnenen Freund durch irgend eine seiner Taktlosigkeiten verletzen könnte.
Das Gartenhaus war mit alten, zierlichen Rokokomöbeln ausgestattet. Ueberall merkte man die ordnende geschmackvolle Hand MiaS, welche die Möbel in peinlicher Ordnung und Sauberkeit hielt und die Räume, die man durchschritt, mit Blumenarrangements fteundlich und geschmackvoll geschmückt hatte. Des Malers Atelier lag an der entgegengesetzten Seite der Veranda. Es war ursprünglich ein Wintergarten mit einem Oberlicht und einem großen Seitenfenster gewesen. Dieser günstigen Lichtverhältniffe wegen hatte Ruland diesen Raum zu seinem Arbeitszimmer gewählt. , ,
Waren die übriger: Zimmer pemlich sauber und ordentlich, so herrschte in Rulands Zimmer die sogenannte geniale Unordnung, welche man bei Künstlern so häufig anzutreffen pflegt. Vorlagen, Zeichnungen, Skizzen, Briefe und alte Zeitschriften und Bücher lagen auf den Tischen, Stühlen, dem Sopha und dem Erdboden umher. An den Wänden hingen hier und da halbvollendete Bilder: die Jungfrau Maria mit dem Jesuskinde, die Kreuzigung Christi, Johannes der Täufer und dergleichen Entwürfe mehr. (F. s.)