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FuldaerMZettung

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Jucöa, Montag, den 11. Juni 1900.

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mit Anterhallungs-Weitage „Illükkrirte Sormtags-Aeitung?

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27. JahrgMg.

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M 132.

0 Das Flottengesetz

Der von den Obmännern der arbeitswilligen

wünschenswerth.

Dentfches Keich

in Preuß en betrug nach einer Zusammenstellung

11

das dunkle Grün des Gebüsches ab. Ein ver-

Airs dem Reichstage.

207. Sitzung vom 9. Juni 1900, 1 Uhr.

Ferne blickte.

Rasch trat Konrad näher.

Das junge Mädchen erschrak, erhob sich und wollte mit kurzem Gruße forteilen, indem ihre blaffen Wangen eine tiefe Glut überflammte.

„Ich würde es mir stets zum Vorwurf an»

Dann rief das junge Mädchen: „Nein, nein, mein theurer Vater! Nicht so, nicht so! Ich werde schon Geld schaffen, um die rückständige Miethe zu zahlen, und Hauptmann Uh.'e wird ja auch Nachsicht üben, wie es die liebe, gute Tante Konradine gethan hat —*

»Ja, ja, Tante Konradine," fuhr der Mann

und sogar Besen eine hervorragende Rolle spielten, eine recht anmuthige und würdevolle Parlamentsszene!

meine Pflicht ist es, weiterzugehen."

„Sie vertreiben mich nicht," entgegnete Mia Ruland verschämt. „Die häuslichen Pflichten rufen mich ohnedies in die Küche."

„Ich vermuthe wohl nicht falsch," fuhr Kon» rad fort, „wenn ich Fräulein Ruland vor mir zu haben glaube — mein Name ist Konrad Uhle — Sie haben wohl schon von mir gehört," setzte er schelmisch lachend hinzu.

Auch über das reizende Gesichtchen MiaL huschte ein leichtes Lächeln.

D e Stimme des Mannes erstickte in einem krampfhaften Aufschluchzen.

merkte. Aber die Neugierde Konrads war er­regt. An dem Klange der Stimme hatte er Anton Ruland erkannt. Das junge Mädchen, mit dem er gesprochen, mußte seine Tochter, Fräulein Mia Ruland, sein. Die Gelegenheit war günstig, wie durch Zufall die Bekanntschaft Mias zu machen. So leise wie möglich entfernte sich Konrad einige Schritte. Er benutzte die

Äk Schluß des österreichischen Parlamentes.

Die österreichische Regierung hat wieder ein­mal satt bekommen und „tabula rasa gemacht".

Im Kukenthurme.

Roman von O. Elster.

------- (Nachdruck verboten.)

rechnen," sprach Konrad in verbindlichem Tone, „wenn ich Sie vertreiben sollte, mein Fräulein. Ich bitte dringend sich nicht stören zu lassen.

Die schwarzäugige Kousine beschäftigte seine Phantasie mehr, als er sich selbst gestehen wollte. Ohne alle Frage, Olga war ein reizendes Mäd­chen, etwas kokett, aber du lieber Gott! das war

und damit ist die Hoffnung, mit dem Reichs- rathe weiter zu kommen, erschöpft. Es war also unbedingt das Beste, den Reichsrath zu schließen, bevor «och weitere Rüpelkomödien von der Art der in der Nacht vom Freüag zum Samstag aufgeführten das ohnehin herab­gedrückte Ansehen des Parlamentes noch weiter schwächten. Der Entschluß dazu ist gefaßt worden in mehrmals nacheinander abgehaltenen Sitzungen des Ministerrathes, zwischen denen Ministerpräsident von Körber dem Kaiser in Schloß Schönbrunn Bericht erstattete. Gleich­zeitig wird berichtet, daß auch die Abgeordneten Dr. Kathrein von der katholischen Volks­partei und Graf Dziednzyki zum Schluffe der Tagung gerathen hätten, da an eine regel­rechte Fortsetzung derselben nicht mehr zu denken sei.

schien. Ehe Konrad sich erheben konnte, um die tägliche Frohnarbeit eingespannt, dann wäre Raseneinfaffung der Beete, um das Geräusch

nach dem Grunde dieses Schluchzens zu forschen, ich jetzt ein berühmter Mann und Du, mein Kind, seiner Schritte zu dämpfen. Dann schlug er einen

hörte er eine rauhe, heisere Mannesstimme in brauchtest nicht für mich zu arbeiten —" Seitenpfad ein, der ihn jedoch wieder nach jener heftiger Erregung sagen: „Sprich nicht so, Vater. Fräulein Uhle hat Laube, wenn auch von einer anderen Seite her,

,'"urz und gut. Dein ewiges Weinen nützt es nicht um uns verdient, daß Du so sprichst." zurückbringen mußte.

zu nichts. Arbeite lieber, daß Dein Aquarell „Gut, gut! Dann hätte sie Dir aber auch Von weitem schon sah er die schlanke Ge- au eS Stück Ä ®h“rf”nft £affct S°w'ßein ein Legat aussetzen können, nachdem Du sie so MtMias, die ein Helles einfaches Sommerk?id wird L ? f Hauptmann Uhle zärtlich und Agsarn pflegtest. Abermchts, trug, auf der Bank in dem Schatten der ^lieber.

Kble auA hilö, h S- ^'n-twegen "'^2 h° sie Dir vermacht. - Aber ich weiß, laube. Die Helle Gestalt hob sich deutlich gegen

vezayte auch die Miethe damit. was ich thue. Ich gehe jetzt zu dem Haupt-11 - • ----- - -..... - -■ H

„Papa," entgegnete eine sanfte Mädchen- mann, meinem Dutzfreunde — ich will mit ihm stimme, „Du weißt, daß ich gern arbeite, um sprechen. Er muß mir helfen, daß ich meinen unseren Haushalt zu bestreiten. Ich habe Dir Daniel in der Löwengrube vollende und ver- auch pünktlich die Miethe im letzten Jahre jedes kaufe. Heute noch gehe ich an die Arbeit — Quartal gegeben, damit Du sie dem Justizrath heute noch — nein, nein, laß mich! Heute noch, Quensel abliefern solltest — aber Du hast es sage ich Dir!" nicht gethan, wie der Brief des Justizraths heute Konrad hörte, wie der Mann sich rasch ent- Morgen beweist." fernte. Es war ihm peinlich gewesen, Zeuge

»Ja, ja, ich habe es nicht gethan!" rief der dieses Gespräches sein zu müffen, aber er fürchtete, Mann. „Ich habe es nicht gethan — ich bin wenn er fortgegangen wäre, hätten die Redenden ein ganz erbärmlicher Schurke, der seiner Tochter sauer verdientes Geld vertrinkt und verpraßt — ich bin ein Elender — ein Feigling — ein kraft­loser Lump —"

lonner Sonnenstrahl zitterte auf dem goldigen Gelocke des jungen Mädchens, das die Hände auf dem Schooße gefaltet, mit ernsten, feucht- schimmernden Augen scheinbar ziellos in die

fortgegangen wäre, hätten die Redenden erst recht gemerkt, daß er den Anfang ihres Ge­sprächs belauscht. Er sah jetzt, daß das Gebüsch eine Doppellaube bildete, auf deren einer Seite er gesessen, während Vater und Tochter sich auf der anderen Seite niedergelaffen hatten.

Jetzt galt es sich so leise zu entfernen, daß die Zurückgebliebene seine Anwesenheit nicht be-

wie Ministerpräsident v. Koerber am letzten Freitag einem befreundeten Abgeordneten gegen­über stch ausdrückte: sie hat, wie schon tele­graphisch gemeldet, das Abgeordnetenhaus von neuem nach Hause geschickt, weil platterdings nichts mit demselben anzufangen war.

Die letzte Sitzung des Abgeordnetenhauses begann am Freitag um 1 Uhr Mittags. Man wollte die Sitzung so lange fortdauern laffen, bis die Kräfte der Obstruktion erschöpft seien, und sollte das auch bis in den Sonntag hinein währen; aber die Geduld hat doch nicht aus­gelangt dazu, und im Laufe der Nacht von Frei­tag auf Samstag ist der Reichsrath von der Regierung geschloffen worden. Das Benehmen der tschechischen Obstruktion übersteigt alles bis­her in dieser Art Dagewesene an Roheit, Kin­derei und Starrsinn: die Tschechen lösten fort­gesetzt einander ab; immer etwa fünfzehn hielten sich im Sitzungssaale auf, paukten auf leeren Cigarrenkisten, bliesen auf Kindertrompeten, schlugen blecherne Topfdeckel aus der Küche der Parlamentswirthschast zusammen, und so weiter, und so weiter, bis ganz regelrechte Holzereien im Sitzungssaals entstanden, bei denen Stöcke

ja einmal in den Gesellschaftskreisen der Grott- lers Sitte, und Niemand fand etwas dabei. Wes­halb sollte er ein solcher Splitterrichter sein? Hatte er sich nicht recht gut unterhalten während des gestrigen Diners? Waren ihm nicht Alle auf das Freundlichste entgegenge kommen, selbst Vetter Erich, der Rittmeister bei den Leib-Husaren, mit dem er früher, als sie Beide Knaben und Jüng­linge gewesen, in steter Freundschaft gelebt hatte? Weshalb sollte er diese Freundschaft nicht erwi­dern? Olga hatte Gefallen an ihm gefunden, das war durchaus klar. Aber wenn nun wirklich aus diesem vorläufigen Gefallen sich eine ernste gegenseitige Neigung entwickelte, war es da so unnatürlich, daß er die schwarzäugige Olga hei» rathete? Jeder andere an seinem Platze würde einen solchen Abschluß dieses FreundschaftSoer- hältniffes in hohem Grade natürlich gefunden haben. Das Wanderleben, welches er bislang geführt hatte, mußte doch einmal aufhöcen. Er mußte sich doch irgendwo seßhaft machen. Und dann das Testament der Großtante — ?!

In seinen Gedanken wurde er durch einen. „u„, „vvllvuuult, Älullll

Weisen, schluchzenden Ton unterbrochen, der aus wild auf, „sie ist an all meinem Unglück schuld, dem dichten Gebüsche hinter der Bank zu kommen | Hätte sie meinen künstlerischen Genius nicht in

Bisher hatte man angenommen, das Ab­geordnetenhaus würde nach einem gewaltsamen Schluffe dieser Tagung gleichzeitig auch auf­gelöst werden. Dies ist am Samstag noch nicht geschehen, woraus freilich nicht folgt, daß die Auflösung nicht noch Nachkomme. Und kommt sie nach, schreibt die Regierung Neu­wahlen aus, dann bleibt das Ganze noch immer ein Experiment, über dessen vermuthlichen Ausgang vollkommene Unklarheit und Ungewiß­heit besteht.

nommen worden. Demzufolge besteht Hoffnung 110 000 Hektar betragen hatte, hat von 1897 zu darauf, daß auch das Plenum des Herrenhauses 1898 eine Vergrößerung der Fideikommisfläche den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses beitritt, um 24 000 Hektar stattgefunden. Es erfolgten 32 * Die Kommission für ArveilerstalisiiK Erweiterungen bestehender Fideikommisse, wodurch »st zum 13. Juni zu einer Sitzung zusammen- deren Bestand sich um 1522 Hektar ausdehnte, berufen. Als Tagesordnung ist festgesetzt: 1. und 20 Einrichtungen neuer Fideikommisse die Erörterung der auf das Kellnerinnenwesen einen Zuwachs von 30 730 Hektar brachten, wo» stch beziehenden nachträglich eingegangenen Ge- von allein 14 325 auf Schlesien, 6603 ans Posen, suche. 2. Feststellung des Berichts über die 2368 auf Schleswig-Holstein und 2219 auf Erhebungen, betreffend die Verhältniffe der in Pommern entfielen. Ein Abgang von Fideikom- Gast-undSchankwirthschaftenbeschäftigten missen ergab sich in 36 Fällen mit 3959 Hektar Personen. . Fläche (fast durchweg in Bezirk Oppeln) aus der

+, Nei der WaareutzausStener liegt Verkleinerung und in 2 Fällen mit 4205 Hektar der kritische Punkt, wie bekannt, in der Be- aus der Auflösung bestehender Fideikommisse. Der stimmung der Grenze, bei der die Steuer ihren Mehrzugang war am größten in den Regierungs- Anfang nehmen soll. Nach dem Regierungs- bezirken Oppeln mit 5725, Posen mit 4526 und entwürfe soll die Steuer erst von einem Jahres- Breslau mit 3736 Hektar, während im Regie­umsatze von 500000 Mark ab erhoben werden, rungsbezirk Münster eine Verminderung um 3019 nach dem Beschlüsse des Abgeordnetenhauses be- Hektar stattfand. Am größten war die Fibeikom- reits von 300000 Mk. ab. Herr Minister von mißfläche im Regierungsbezirk Oppeln mit 256 076 Miquel erklärte diesen letzteren Beschluß als Hektar; dann folgen die Regierungsbezirke Breslau unannehmbar. Jetzt hat sich die Kommission mit 181313, Potsdam mit 152 652, Frankfurt des Herrenhauses mit dieser Frage und a. Q. mit 147 802, Schleswig mit 141 354, überhaupt mit dem genannten Gesetzentwürfe Liegnitz 131 227, Posen mit 130 790 und Königs­beschäftigt und in der ersten Lesung einen berg mit 112 924 Hektar. Diese 8 sämmtlich im Bermittelungsantrag des Grafen Udo Stolberg, Osten gelegenen Bezirke umfassen also mehr al« die Grenze bei 400000 Mark anzunehmen, mit die Hälfte der ganzen Fideikommißfiäche.

7 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Damit ist nicht X Am Mordtage i« Könitz sind chat­gesagt, daß nicht doch noch in letzter Stunde sächlich auswärtige Juden in ansehnlicher Anzahl eine Einigung auf der Grundlage des Stolberg- versammelt gewesen. Eine — wie sie sich auS- schen Antrages zu Stande kommt. drückt — harmlose Erklärung dafür gibt die

x Der Berliner Straßenvatzu Ansstand .Liberale Korrespondenz'. Danach war auf jenen hat seine Nachwehen. Die Direktion der Straßen- Tag eine Versammlung liberaler Wahl» bahn-Gesellschaft hat mehrere Angestellte entlassen, männer nach Könitz einberufen, um zu der be- die in dem Ausstande eine besondere Rolle spiel- vorstehenden Landtagswahl Stellung zu nehmen, ten, und diese Entlassung damit begründet, daß und unter diesen Wahlmännern befanden stch bie S<>ute solche Arbeitsgenossen beschimpft hätten, besagte fremde Juden, der Zahl nach etwa 20. die an dem Streik sich nicht beteiligten. Ganz Das ist ein stattlicher Prozentsatz, den manche fest scheint diese letztere Thatsache nicht zu stehen. I Leute vielleicht gar nicht so sehr harmlos finden Es haben nun während der Nacht vom Freitag werben.

zum SamStag fünf Versammlungen ber Ange- , + München, 9. Juni. Ueber bas Be­stellten ftattgefunben, in benen Beschwerbe- finden des Königs Otto von Bayern Kommissionen gewählt würben, bie im Laufe ist gestern folgendes Bulletin ausgegeben worben: der Woche mit der Direktion Verhandlungen über »Das Allgemeinbefinben Sr. Majestät ist be» bie erfolgten Entlassungen an knüpfen sollen. friebigenb; ber Furunkel nahezu geheilt; Gehen h Italienische Kandarveiter sollten an- unb Stehen fast normal. Wenn keine Aenberung geblich von ber italienischen Regierung baoor Befindens eintritt, unterbleibt bie Ausgabe gewarnt worben sein, in Deutschlanb Arbeit | weiterer Bulletins." zu suchen. Das Schicksal, das sie dort erwarte, sollte nach dieser angeblichen Warnung noch elender fein als ihr Loos in Italien. Die Meldung klang so auffällig, daß wir sie in ber

,Fuld. Ztg.' mit einem starken Fragezeichen ver- I Die zweite Berathung der ztovett« zum Stempek- sehen hatten. Jetzt wird berichtet, in Berliner wird fortgesetzt bei dem von der Kommission auf amtlichen Kreisen sei von einer solchen Maßregel ^gesetzten Umsatzstempel auf

der italienischen Regierung nichts bekannt. Ober Ein Antrag Richter will diesen Satz demjenigen will man etwa blos nichts davon wiffen, bei den Aktien gleichmachen, nämlich v. T. weil man amtlich keine Kenntniß davon I Der Antrag ruft eine lange Debatte hervor, in deren SL®eKr,e8,uf,,,imn9 tniitif I । ) "gegen denselben die Abgg. v. Aardorff

Dle Hesammtssache ber Iibeikommisse (freikons.), Dl. Arendt (freikons.) und Wüffer-Fulda.

‘ Dreusien betrua nnrfi einer Qiifnmmenftefritnn Die Befürworter des Antrages meinen, es sei ungerecht, w ■ ■r V n ' T" n c, . I in der Zeitschrift des Statistischen Bureaus im ZUlscheine von Bergwerken anders zu behandeln

. _ Berlin, den 9. Ium. Jahre 1898 2 165 369 Hektar gegen 2141271 Bei der Abstimmung mußte eine Auszählung der

u Die Novelle zum HemekvdervaHlgesetz zu Ende 1897, 2131796 zu Ende 1896 unb Hauses vorgenommen werden. Dieselbe ergab 126 ist von ber Kommission des Herrenhauses in ber 2 121 636 Hektar zu Enbe 1895. Während hier- stimmen gegen und 99 Stimmen für den Antrag, so Fassung ber Beschlüsse bes Abgeordnetenhauses nach in den voraufgegangenen Jahren die Zu- ßin/e^einia^menifle moeMhnetbennn^tnhe20s»«Hn^ltre unverändert mit 9 gegen 6 Stimmen ange- nähme der Fideikommißfläche jedesmal rund liberalen,' vom^Centrum und der Rechten.

gern!" — so veränderte der freisinnige Abgeord­nete Eickhoff den alten Göthe bei dem Be­mühen, den Zoll zu Falle zu bringen. Aber auch dieser Liebe Mühe war umsonst, obwohl seine politischen Freunde Müller-Sagan und Roe- sicke-Dessau ihm nach Kräften halfen.

Eine Zollerhöhung nach ber anberen wurde genehmigt: für Liköre, Branntweine und Schaum­weine; aber es bedurfte freilich einer Sitzung von mehr als G1/» Stunden Dauer, um dieses Srgebniß zu erzielen. Leicht hätte dasselbe Resultat in kürzerer Frist erreicht werden können!

und seine Anhängsel, die Novellen zum Stempel­gesetze und zum Zolltarif, find nach viertägiger Berathung vom Reichstage in zweiter Lesung am Samstag beendet worben. Diese Berathung hat längere Zeit in Anspruch genommen, als man vorher annahm unb wünschte, unb daran trägt namentlich der freisinnige Abgeordnete Eugen Richter die Schuld. Dieser überschüttete bei der Novelle zum Stempelgesetze den Reichstag förmlich mit Abänderungsanträgen, obwohl er im voraus wiffen mußte, daß alle feine Anträge feine Aussicht auf Annahme hatten. Aus dem­selben Grunde wurde er auch weniger tragisch genommen mit seinen Anträgen, so daß die De­batte im allgemeinen einen wenig lebhaften Charakter zeigte.

Einmal mußte sich sogar Herr Richter eine un­angenehme Korrektur gefallen laffen durch die Abgeordneten Frese und Dr. Semler. Herr Richter wollte die ganze Bestimmung über bie Besteuerung ber Schiffs frucht urkunden be­seitigt wissen, würbe aber burch bie genannten Abgeorbneten in sehr entschiedener Weise barflber belehrt, baß bie Bremer unb Hamburger die Wohlthaten, die Herr Richter ihnen zudachte, gar nicht haben wollen. Auch der Handelsstand, so stellte Herr Frese als Vertreter der Hansestadt I

©einige beitragen zu den Parteien verabredete Schlachtplan gegen die Ob» ?^ -ss.s/ »D °Im-hn,ng von bet er ör struktion hat sich also als wirkungslos erwiesen, stch selbst nicht unwesentliche Vortherle erwartet.' 1 ■ 7 • — -

Herr Richter machte ein saures Gesicht zu ber unwillkommenen Belehrung unb versuchte ver­gebens, sich über bie unbequeme Sage mit einem feiner bekannten Scherze hinwegzuhelfen.

Alle Stempelabgaben unb Zollerhöhungen sinb nach ben Anträgen ber Kommission angenommen, alle Abänberungsanträge abgelehnt roorben, bie auf eine Herabminberung ber geplanten Abgaben abzielten, unb es steht somit ber Annahme des Ganzen in dritter Sefung nichts mehr im SB ege.

Zuletzt entstand noch eine längere Debatte über bas Bier: bie Kommission beantragte, ben -Zoll auf auswärtiges Bier von 2 auf 6 Mark zu erhöhen, wobei in erster Reihe bas Pilsener Bier getroffen wird, „Ein Deutscher mag die Tschechen nicht leiden, doch ihre Biere trinkt er