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27. Jahrgang.
Iutöa, Donnerstag, den 7. Juni 1900.
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stile oder d«sL Raum 15 Pf., rlanien die PetiS- geile 25 Pf.; M
•TKSXÄ™ Mit Unterhaltungs-Beilage „Zlktffrirte Sonntags-Zeitungs
14. Generalversammlung des Vereins kath. deutscher Lehrerinnen.
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X* Fulda, 7. Juni.
Gestern (Mittwoch) Morgens 8 Uhr wurde in der Klosterkirche auf dem Frauenberge ein G e d ä ch t n i ß a m r für die verstorbenen Mitglieder des Verbandes abgehalten.
Um 9 Uhr begann sodann im Stadtbausaale die zweite geschlossene Versammlung, in der zunächst die Neu- bezw. Ergänzungswahl des Vorstandes und der Ausschüsse erfolgte. Die bisherigen Mitglieder des Vorstandes wurden sämmtlich wiedergewählt und an Stelle der früheren stellvertretenden Vorsitzenden,Fräulein Dahmen- Düffeldorf, die um Weihnachten ihr Amt niedergelegt hat, wurde Fräulein Simon-Saarburg, die damals gleich in einer Vorstandssitzung mit diesem Posten provisorisch beauftragt worden war, endgiltig gewählt.
Nach dem Vortrage führte eine Lehrerin der höheren Töchterschule des Institutes der Englischen Fräulein mit ihren Schülerinnen einen Turn- reigen unter Klavierbegleitung aus, der durch seine exakte Ausführung allgemeine Anerkennung fand. Darauf hielt Frl.'Badenberg -Steele einen längeren Vortrag über die beabsichtigte Gründung einer Rentenkasse. Diese Kaffe soll den Mitgliedern bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit eine jährliche Rente gewähren. Nach eingehender Diskussion wurde die Gründung einer solchen Kaffe, die ihren Sitz in Köln haben soll, beschloffen; die endgiltige Einrichtung wird erfolgen, sobald die ministerielle Genehmigung vorliegt. (Anmeldungen nimmt schon jetzt entgegen die Schriftführerin Frl. Wernecke in Köln, Ursulaplah 54.)
In der sich anschließenden öffentlichen Versammlung hielt zunächst Fräulein Breuer-Neuß einen Vortrag über die Aufgabe der Lehrerin auf der Oberklaffe der Mädchenschule.
Im Anschlüsse an diesen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag wurden folgende Resolutionen angenommen:
1. Die 14. Hauptversammlung des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen erachtet es als eine Nothwendigkeit, daß die christlich häusliche Erziehung der Heranwachsenden Mädchen von der Schule mit allen Mitteln gepflegt und geschützt wird.
2. Zu diesem Zwecke müssen nicht nur auf der unteren und mittleren Stufe, sondern auch auf der Oberstufe der Mädchenschule Lehrerinnen wirken, da nur diese die Eigenart des weiblichen Gemüthes sowie die Anforderungen des praktischen Lebens an die Ausbildung des Mädchens ganz zu verstehen und zu berücksichtigen im Stande sind.
3. Es ist die Aufgabe der Lehrerin jeder Klassenstafe, sich für den Unterricht und die Erziehung in der Mädchen-Oberklasse gerüstet zu halten, indem sie an ihrer geistigen Fortbildung und sittlichen Vervollkommnung unablässig arbeitet und die Höhe der Anforderungen ihres Berufes zu erreichen strebt.
Es folgten dann eine Reihe von Berichten über die einzelnen Vereinsanstalten: Frl.
Heiermann berichtete über die Ausbildung der Lehrerinnen zu Oberlehrerinnen durch Studien an der Bonner Universität, Frl. Haßlocher über die Krankenkasse, Frl. Middeldorf über die Stellenvermittlung.
Hieran schloß sich die Beschlußfassung über die gestellten Anträge. Der Antrag des Lokalkomitees Fulda, die Hauptversammlung wolle eine Summe zur Bestreitung der durch die Veranstaltung der Versammlung entstandenen Unkosten bewilligen, wurde genehmigt. — Ebenso wurde ein Antrag des Vorstandes angenommen, die Hauptversammlung wolle die formelle Aende- rung der Statuten, wozu die prinzipielle Genehmigung bereits ertheilt war, im einzelnen genehmigen. Ferner wurden genehmigt ein Antrag der Vorsitzenden, den Anschluß des Vereins an den Allgemeinen deutschen Verband gemeinnütziger Anstalten betreffend, sowie bie Anträge des Vorstandes der Krankenkasse auf Bewilligung eines Zuschuffes von 700 Mk. aus der Vereinskasse und auf Abänderung des § 10 der Statuten.
Der Vorsitzende der Versammlung Herr Prof. Dr. Neyer-Trier richtete darauf an die Mitglieder des Vereins noch einige Worte der Ermunterung und Anerkennung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die kgl. Regierung zu Kassel einen Vertreter zu der Versammlung gesandt habe. Die stellvertretende Vorsitzende Frl. Simon-Saarburg dankte dem Herrn Vorsitzenden für seine hingebende Thätigkeit durch ein Hoch, welches in der Versammlung lebhaften Anklang fand. Alsdann wurde die 14. Hauptversammlung mit dem christlichen Gruße geschloffen.
Nachmittags 3 Uhr versammelten sich die Theilnehmerinnen an der Versammlung in der Bonifatiusgruft des Domes, wo der hochw. Herr Dompfarrer Schmelz ihnen die Reliquien des hl. Bonifatius auflegte. Nachher fand eine Besichtigung des Domschatzes statt. Um 5 Uhr machten die Damen gruppenweise Ausflüge in die nächste Umgebung der Stadt, insbesondere nach Horas und Petersberg; heute hat eine größere Anzahl der Damen einen Ausflug nach der Wartburg unternommen.
Aus dem Jahresberichte des Vereins entnehmen wir, daß der Verein beim Beginn dieses Jahres 3870 unmittelbare Mitglieder zählte, die 116 Verbänden angehörten. (Von den 3870 Mitgliedern gehörten 2575 der Rhein- provinz an; unsere Provinz Heffen » Nassau raugirte mit 166 Mitgliedern an dritter Stelle.) Außerdem gab es noch 6 Zweigvereine (Berlin, Paris, Brüffel, Württemberg, Elsaß und Lothringen) mit zusammen 652 Mitgliedern, so daß der ganze Verein 452 2 Mitglieder hatte. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder und Wohlthäter betrug 350. An die Krankenkasse des Vereins haben sich 533 Lehrerinnen angeschloffen; an Krankengeldern wurden 1899 in 66 Fällen zusammen 3020 Mk. gezahlt. Das Vereinshaus beherbergte im Jahre 1899 im Ganze» 413 Gäste, die an 7316 Tagen Verpflegung erhielten. Die Stellenvermittlung wurde von 196 Bewerberinnen in Anspruch genommen u. s. w.
Im Kulenthurme.
Roman von O. Elster.
8 ------- (Nachdruck verboten-)
Konrad war es ganz wirr im Kopfe. Er ging mit großen Schritten in dem Zimmer auf und ab, nachdem sich der Notar entfernt hatte; endlich blieb er vor dem Bilde seiner Großtante stehen, das von irgend einem schlechten Farbenklexer gemalt, über dem Flügel mit der Janttscharenmusik hing und recht spöttisch auf den Großneffen herablächelte. Indem er die Hand drohend emporreckte, sprach er zu dem Bilde:
„Also auch im Grabe noch willst Du herrschen und kommandiren und über das Leben Deiner lieben Anverwandten bestimmen? O, ich entsinne mich noch recht gut, wie Du meinen armen Vater gequält hast! Wie Du ihm die Mittel zum Studium vorenthalten hast, als er nicht nach Deinem Willen studiren wollte, sondern sich auf die historischen und philosophischen Studien warf! Er hat es mir selbst erzählt mit bitteren Worten. Und ich entsinne mich noch, wie Du uns gequält hast, als ich meiner Herzensneigung folgend die Kunstakademie besuchen wollte! Damals hatte mein Vater nicht das überflüssige Geld, um mich noch jahrelang unterhalten zu können. Er wandte sich an Dich, aber Du schlugest seine Bitte rundweg ab, Du wolltest uns nur unterstützen, wenn ich eine andere Laufbahn einschlüge und meine Künstlerpläne fallen ließe. Du machtest mir den Vorschlag, Offizier zu werden, Du wolltest mich reich
lich unterstützen, und da gerade in jener Zeit der große Krieg gegen Frankreich ausbrach, zog ich des Königs Rock an und folgte dem Kalbfelle, halb aus Verzweiflung, halb aus Patriotismus. Du hast freilich Dein Wort gehalten, Du hast mich unterstützt, Du hast sogar einmal meine Schulden bezahlt — nur als ich des Königs Rock wieder auszog, um abermals zu Pinsel und Palette zu greifen, hörten Deine Unterstützungen auf. Gott sei Dank, daß mein guter Vater und meine Mntter schon im Grabe ruhten, sie hatten wenigstens die Enttäuschung nicht mehr erlebt, daß ich ein schlechter Offizier und ein schlechter Maler geworden bin! Und wer ist daran schuld? —Du — Du, die mir nicht erlaubt hat, meiner Herzensneigung zu folgen. — Und jetzt willst Du meiner Herzensneigung wieder Fesseln anlegen? — O, ich weiß. Du willst, daß ich mich mit der Cousine Olga Grottler verheirathe, Grottler und Kompagnie, in dessen Händen sich ja schon Dein Vermögen befindet, Olga Grottler, die mir nach Deinem Tode einen Brief schrieb, einen Brief so falscher Gefühle, so hochtrabender Phrasen, daß ich es nicht über das Herz brachte, sofort heimzukehren, sondern mich noch tiefer in die Wild- niß hineinbohrte. Nein, nein und tausendmal nein, ich heirathe Olga Grottler nicht!"
Konrad schlug mit der flachen Hand mehrere Male auf den Flügel, der unter diesen Schlägen gar seltsam seufzte und in eine zitternde Bewegung gerieth.
Diese Bewegung muß sich auch wohl der Mauer, an welcher der Flügel stand, mitgetheilt haben, denn plötzlich löste sich ein kleines Bild
Aus dem Kassenberichte sind folgende Angaben entnommen: Die Vereinskaffe hatte eine Einnahme von 13 675,07 Mk. und eine Ausgabe von 13634,42 Mk., also einen Bestand von 40,65 Mk. Die Hauptkasse hatte eine Einnahme von 5583 Mk., wovon 5481,30 Mk. in Werthpapieren angelegt find. Die Vereinshauskasse hatte eine Einnahme von 5953,66 Mk. und eine Ausgabe von 5138,70 Mk., mithin einen Kaffenbestand von 814,96 Mk. Die Krankenkasse hatte bei 4035,11 Mk. Einnahme eine Ausgabe von 3749,20 Mk., also 285,91 Mk. Kaffenbestand, die Stellenvermittlung hatte 2930,57 Mk. Einnahme und 1998,68 Mk. Ausgabe, folglich 931,98 Mk. Kaffenbestand, die Haushaltungskasse balancirte in Einnahme und Ausgabe mit 13423,66 Mk.
Nachträglich sei noch bemerkt, daß der Gesammt- vorstand des Vereins am Dienstag Nachmittag vom Hochw. Herrn Bischof in Audienz empfangen wurde. Sodann hat der hl. Vater, wie in der ersten öffentlichen Versammlung mitgetheilt wurde, auf die Fürsprache Sr. Eminenz des Kardinals Steinhuber der Generalversammlung seinen Segen gespendet, was der Herr Kardinal telegraphisch mittheilte. Ferner waren Begrüßungen und Glückwunsch - Telegramme eingelaufen von der 4. Hauptversammlung des katholischen Lehrervereins in Berlin, die gleichzeitig tagte, von den Bezirksverbänden Osnabrück und Danzig, von den Zweigvereinen Württemberg und Elsaß, sowie von der deutschen Gruppe aus Brüssel; ferner noch von den Dominikaner-Patres ?. Augustin Keller und P. Albert Kern in Berlin und von einzelnen Mitgliedern des Verbandes aus Saarburg, Neuenahr, Boppard, Nocke und Lauda. Der Schwestern- verein in Paris hatte ein längeres Schreiben gesandt, in dem u. A. die Beihilfe zur Gründung eines katholischen deutschen Lehrerinnenheims in Paris erbeten wurde.
So hat denn die 14. Hauptversammlung des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen einen überaus schönen und glänzenden Verlauf genommen, und alle Theilnehmerinnen waren darin einig, daß es den späteren Versammlungen schwer fallen dürfte, es darin Fulda gleich zu thun oder es gar zu überbieten. Möge die Versammlung reiche Früchte tragen zum Besten der Lehrerinnen und der ihnen anvertrauten Kinder, zum Heile für Gemeinde, Staat und Kirche, zum Wohle des ganzen deutschen Vaterlandes!
In unserem gestrigen Berichte hat das Druckfehlerteufelchen den Lehrerinnen ein bösen Streich gespielt. In der Resolution, die im Anschlüsse an den Vortrag des Herrn Prof. Dr. Mausbach gefaßt wurde, heißt es: „Der Vorstand stellt alljährlich 2—3 Thesen auf, um dadurch . . . ec.“ Das Teufelchen im Setzerkasten hat daraus 200 Thesen gemacht, was doch selbst für die stärkste Arbeitskraft der Lehrerinnen allzuviel sein dürfte.
Deutsches Deich.
Berlin, den 6. Juni.
© Dem ,Berl. Tagebl/ wird aus Rom gemeldet, der Papst habe sich auf Wunsch des von der Wand los und fiel zur Erde nieder, so daß das Glas des Bildes zersprang.
Konrad hob das Bild auf. Es war das kleine, zierlich gemalte Pastellporträt eines hübschen, jungen Mädchens mit rosigem Kindergesichtchen, purpurnen Kirschenlippen, um die ein halbverlegenes, halb schelmisches Lächeln schwebte, mit tiefblauen, von dunklen Wimpern umrahmten Augen und goldigblonden, kurzgehaltenen Lockenhaare. Ueberrascht blickte Konrad auf das reizende Bildniß.
„Wer ist dieses hübsche, junge Mädchen hier auf dem Bilde?" fragte er die eben eintretende Kathrine.
„Ack," entgegnete diese lächelnd, das ist ja unser Fräule'.n Mia."
„Wie? die Tochter des Herrn Ruland?"
„Ja, dieselbe, Herr Hauptmann. Das Bild hat Herr Ruiand vor zwei Jahren gemalt, als er wieder einmal seine gute Zeit hatte. Ich glaube aber, das Beste daran hat Fräulein Mia selbst gethan."
„Das Fräulein malt?"
„Ach ja, wie das so kommt. ' Sie malt Fächer, Albumblätter und solche Sachen, die sie dann durch den Kunsthändler auf der Breiten Straße verkaufen läßt. Sie hat oft recht gute Preise erzielt, aber niemand weiß, wo die kleinen zierlichen Gemälde hingekommen sind. Sie wurden durch einen fremden Händler aufgekauft und verschwanden aus der Stadt. Aber Fräulein Mia bestritt durch ihre Malerei doch die Kosten des Haushalts, wenn der Vater nichts verdiente — und das," setzte die brave Alte im
deutschen Kaisers bereit erklärt, dem Hochw. Herrn Erzbischöfe Dr. Simar von Köln den Purpur zu verleihen.
* Urirrz Ludwig von Aayer« bat abermals gesprochen, und zwar bei einem Ausfluge, den die Wanderversammlung der Vereins bayerischer Laudwirthe ins Donauwoos unternahm. Der Prinz besichtigte, wie er das zu thun pflegt, auch die industriellen Anlagen der Gegend, u. a. die Leinenspinnerei und -Weberei in Bäumeuheim. Dort wohnte er einem Feste bei, das die Fabrik gab, und hielt eine Ansprache, der die .Germania' folgende markante Sätze entnimmt:
Der Prinz rühmte, daß die Bayern überall treu zu ihrem Königshause stehen — ein Blut, ein Volk! — und besonders seinem (des Prinzen) erlauchten, von ihm hochverehrten Vater anhängen, der trotz seines hohen Alters mit nie ruhendem Eifer die Regentschaft führe. Der Prinz stellte sodann den Nahrungssorgen der unteren Volksschichten die Verantwortungssorgen der höheren Stände gegenüber. Es sei sehr zu bedauern, daß die Bestrebungen and guten A b sichten so häufig verkannt werden. So sei es ihm in vielen Fällen ergangen und besonders auch in seinen Bestrebungen in der Kanalfrage. Es sei zu hoffen, daß die Wichtigkeit der Kanalfrage, die für die Zukunft von hervor- ragender Bedeutung sei, immerhin anerkannt werde. Seine Thätigkeit in dieser Frage bezwecke ja nur das allgemeine Gedeihen. Wenn die einzelnen Staaten prosperiren, dann gedeihe auch das ganze Deutsche Reich. Er freue fich deshalb, durch Förderung der bayerischen Interessen auch zur Wohlfahrt des ganzen Reiches beitragen zu können. Nur durch das Zusammenwirken aller Kreise könne das allgemeine Beste gefördert werden. Er wünsche, daß nicht nur Bayern, sondern mit diesem auch das ganze Deutsche Reich blühe und gedeihe. Deshalb gelte dem Bayerlande wie auch dem Reiche sein Hoch.
* An der heutigen Schul - Konferenz im KyHnsmiuifierium nahmen im Ganzen 50 Personen theil. Der Kaiser hatte fein Erscheinen absagen lassen. In den Verhandlungen handelte es sich dem Vernehmen nach um die prinzipielle Frage, ob alle höheren Anstalten bezüglich des Univerfitäts - Stadiums einander gleichgestellt werden und dcnRealgymnastasten nach der Abschluß-Prüfung dieselben wissenschaftlichen Disziplinen wie den Gymnasial-Abiturienten zum Studium eröffnet werden sollen. Ein endgiltiger Beschluß wurde bisher noch nicht gefaßt. Es sprach eine Reihe von Real-Schulmännern warm für die Gleichstellung der Realgymnasien mit den humanistischen Anstalten. Auch der Minister nahm mehrmals das Wort zu längeren Ausführungen. Es scheint, als ob die zur Diskussion stehende Frage zu Gunsten der Realanstalten ihre Erledigung finden dürfte. Um 1 Uhr Mittags trat eine Pause in den Verhandlungen ein, während der die Konferenz - Theilnehmer sich zum Frühstück in die Privaträume des Kultusministers begaben. Die Konferenz trat hierauf wieder zusammen und tagte bis zum Abend.
fi. Der Ssniorett Konvent des Reichstages beschloß heute, außer dem Flottengesetz sowie den Novellen zum Stempelsteuer- und Zolltarifgesetz vor dem Sessionsschluß auch noch das Reichsseuchengesetz zu erledigen. Außerdem wird am Samstag die Interpellation der Sozialdemokraten berathsn. Der Schluß des Reichstages erfolgt wahrscheinlich am 12. Juni.
* Die Herrn Miquel nahestehenden ,Berl. Polit. Nachr/ theilen jetzt mit, daß die Kanak- Morksge in dieser Session nicht mehr an den Tone der Entrüstung hinzu, „war die meiste Zeit der Fall."
„Da werde ich mir doch das Atelier meiner kleinen Kollegin einmal ansehen müssen," meinte Konrad und legte das Bild vorsichtig auf den Schreibtisch. „Ich werde gleich einmal hinüber- gehen."
„Ich habe hier einen Brief für den Herrn Hauptmann."
„Einen Brief?"
„Ja, er ift eben von dem Kaffendiener von Grottler & Co. gebracht worden."
„Ach, etwas Geschäftliches! Geben Sie her."
Aber schon das Format und der zarte Dust des Briefchens verriethen, daß das Schreiben unmöglich Geschäftliches enthalten konnte.
Konrad öffnete und las: „Mein thenrer Vetter! Wir hören, daß Du gestern in unsere liebe Heimathstadt zurückgekehrt bist und Besitz von dem alten, lieben Eulenthurme genommen hast. Papa ist sehr beschäftigt, Mama hat Kopfschmerzen, deshalb mußte ich an Dich fdjrei&en. Wir bitten Dich freundlichst, für heute Mittag unser Gast sein zu wollen, da Dein Hauswesen doch wohl noch nicht in Stand gesetzt ist und Du des Essens im Wirthshause müde sein wirst. Du wirst vorlieb nehmen müssen mit unserer einfachen Hausmannskost, die ich jetzt auf Wunsch von Papa selbst bereite. Hoffentlich bringst Du gute Saune mit und erzählst uns viel von Deinen weiten Reisen. Weshalb hast Du damals, nach dem Tode der litten, guten, alten Tante, nicht auf meinen Brief geantwortet, Du böser Vetter? Also wir erwarten Dich heute Mittag 2 Uhr zu