FuldaerMZeitung
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Jutöa, Mittwoch, den 6. Juni 1900.
27. Jahrgang. W
14. Generalversammlung des Vereins kath. deutscher Lehrerinnen.
n.
& Fulda, 6. Juni.
Gestern Nachmittag 3 Uhr begann die öffentliche Versammlung im neuen Stadlbausaale, an der Se. Bischöfl. Gnaden, der Hochw. Herr Bischof Adalberr, ferner Herr Provinzial - Schulrath Dr. Pähler-Kassel, Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni und viele andere Herren geistlichen und weltlichen Standes theilnahmen. Am Vorstandstische auf der Bühne nahmen außer den Damen des Verbands-Vorstandes noch Platz die Herren Domdekan und Generalvikar Hil- pisch -Limburg, Prof. Dr. Ney er-Trier und Pfarrer Eus kirchen-Jmmendorf bei Köln.
Den Vorsitz führte Herr Domdekan Hil- pisch, der die Versammlung mit dem katholischen Gruße „Gelobt sei Jesus Christus!" eröffnete. Dieser Gruß — so führte der Herr Vorsitzende dann weiter aus — sei das Programm des Vereins und zugleich das Ziel, das alle Mitglieder des Vereins zu erreichen streben. Der Verein tage am Grabe des hl. Bonifatius heute, am Gedächinißtage seines Martyriums, um sich durch das Bekenntniß des Glaubens zu stärken an dem Seeleneifer des großen Apostels Deutschlands. Es sei für den Verein eine hohe Ehre und Auszeichnung, daß der Hochw. Herr Bischof von Fulda, der Hüter des Grabes des hl. Bonifatius, der Versammlung beiwohne. Es sei dies das dritte Mal, daß ein regierender Bischof einer Versammlung des Vereins kath. Lehrerinnen beiwohne; im Jahre 1891 habe der Hochw. Herr Bischof von Trier der Versammlung, die der Verein bei Gelegenheit der Wallfahrt zum heil. Rocke abhielt, beigewohnt und ihr den Bischöfl. Segen gespendet. Dann habe im Jahre 1895 der Hochw. Herr Bischof von Limburg der Haupt» Versammlung des Vereins beigewohnt und an die Vorsteherin sowie an vier Stifterinnen die vom hl. Vater ihnen verliehenen Auszeichnungen überreicht. Heute aber sei dem Verein zum ersten Male die hohe Auszeichnung zu Theil geworden, daß der Bischof von Fulda, der Erbe und Nachfolger des hl. Bonifatius, in einem Pontifikalamte den Segen des Himmels auf die Be- rathungen des Vereins herabgerufen habe. Den Dank dafür bethätige der Verein dadurch, daß er diese geheiligte Stätte nicht verlaffe, ohne den Bischöfl. Segen erbeten zu haben.
Auch noch eine andere große Ehrung sei heute dem Vereine zum ersten Male zu Theil geworden. Die kgl. Regierung habe heute zum ersten Male einen Vertreter zur Betheiligung an den Be- rathungen des Vereins entsandt und so habe er als Vorsitzender die Ehre, den Herrn Prooinzial- schulrath Dr. Pähler als den Vertreter der obersten Schulbehörde hier zu begrüßen. Das Erscheinen dieses Herrn sei ein Beweis dafür, daß die kgl. Regierung Vertrauen in die Bestrebungen des Vereines setze und der Verein werde sich stets dieses Vertrauens würdig erweisen. Redner dankte sodann noch dm hochw. Mitgliedern des Domkapitels, dem Herrn Oberbürgermeister und allen Gästen für ihr Erscheinen und bat zum Schluffe den Hochw. Herrn Bischof, der Ver-
Im Gulenthurme.
Roman von O. Elster.
7 ------- (Nachdruck verboten.)
Der Justizrath legte seine große, schwarze Aktenmappe auf den Tisch und setzte sich so, daß die ernste Seite seines faltenreichen Antlitzes Konrad zugekehrt war. Des alten Juristen Gesicht hatte nämlich zwei verschiedene Seiten, eine lächelnde und eine griesgrämige. Krankheit, Alter, ein leichter Schlaganfall hatten das Gesicht des fast stebenzigjährigen Herrn in einer Weife verzogen, sodaß die eine Seite stets zu lachen, die andere Seite stets sehr traurig zu-sein schien. Nähere Bekannte nannten ihn deshalb scherzhafter Weise den „Jean, welcher lacht und weint"; in dem Justizgebäude hieß er nicht anders als „der graue Janus", und der joviale alte Herr selbst spottete, seines Gebrechen» oft, indem er fremde Personen mit dem plötzlichen Wechsel seines zweiteiligen Gesichtes erschreckte und in Erstaunen setzte. Wenn er eine Amtshandlung vorzunehmen hatte, wußte er es übrigens stets so einzurichten, daß er seinen Klienten oder dem hohen Gerichtshof die ernste Seite seines Gesichtes zuwandte. Nur wenn der Gerichtshof auf seine Vertheidigung hin ein freisprechendes Urtheil gefällt hatte, zeigte der Ver- theidiger dem Richterkollegium die freundliche Hälfte.
Konrad kannte die Eigenheiten de« alten Anwaltes und setzte sich zu ihm, begierig, wa« er aus dem Testament seiner Großtante erfahren würde.
sammlung den Bischöflichen Segen spenden zu wollen.
Der Hochw. Herr Bischof richtete darauf an die Versammlung eine längere Ansprache, in der er zunächst die Mitglieder des Vereins aufs Herzlichste begrüßte. Die Stadt Fulda, in der die gegenwärtige Versammlung tage, habe gar manche Vorzüge: zunächst ein ehrwürdiges Alter mit einer glorreichen Vergangenheit, sie sei durch Jahrhunderte der Mittelpunkt der ganzen wissenschaftlichen Thätigkeit in Deutschland gewesen. Aber all' diese Vorzüge seien nicht ausschlaggebend gewesen für die Wahl, der Verein katholischer Lehrerinnen habe vielmehr Fulda zum Versammlungsorte für die diesjährige Versammlung gewählt, weil die Stadt Fulda das kostbarste Kleinod für das ganze christliche Deutschland in sich birgt, das Grab des hl. Bonifatius. Die katholischen Lehrerinnen seien hierhin gekommen, um sich am Grabe des Apostels Deutschlands im Glauben zu stärken und neue Kraft zu sammeln für ihren schönen und schweren Beruf. Sie seien gekommen, um dem göttlichen Erlöser gleichsam das ganze neue Jahrhundert zu weihen an dem Orte, den der hl. Bonifatius schon vor 1100 Jahren dem Welterlöser geweiht habe. Sie seien aber auch gekommen, um am Grabe der hl. Lioba zu beten, die vom hl. Bonifatius für den Unterricht und die Erziehung der weiblichen'Jugend ausersehen war. So groß auch die Liebe der hl. Lioba zur klösterlichen Einsamkeit gewesen und so schwer ihr auch der Abschied vom liebgewonnenen Kloster geworden sei, so sei sie doch freudig dem Rufe des hl. Bonifatius gefolgt, um sich eifrig dem Studium zu widmen und ihr Leben zu krönen in unermüdlicher Thätigkeit für die Erziehung und Bildung der Töchter Deutschlands. Wie der heil. Bonifatius der Apostel Deutschlands sei, so könne die hl. Lioba als die Apostolin Deutschlands betrachtet werden. Die katholischen Lehrerinnen dürften sich freuen, daß sie am Grabe ihres großen heiligen Vorbildes versammelt seien, und sie sollten dieser hl. Lehrerin als ihrer Patronin versprechen, ihr Leben der christlichen Erziehung und dem Unterrichte der weiblichen Jugend Deutschlands zu widmen. Die große Bedeutung des Unterrichtes und die Erziehung der weiblichen Jugend durch Lehrerinnen sei auch von dem früheren Herrn Kultusminister in einem Erlasse über die Anstellung von Lehrerinnen an Mädchenschulen in schönen Worten anerkannt worden. Wenn die christlichen Lehrerinnen die ihnen anvertrauten Kinder lieben, wie der göttliche Heiland die Kinder geliebt habe, dann sei jedes weitere Wort überflüssig, dann werde diese Liebe ihnen ihre Arbeit und ihre Aufopferung versüßen und ewiger Lohn ihrem Wirken zu Theil werden. Damit der göttliche Heiland ihre Berathungen segne, spende er allen Anwesenden und den Mitgliedern des Vereins den bischöflichen Segen. (Die Anwesenden knieten nieder und empfingen den Segen.)
Der hochw. Herr Bischof machte sodann noch bekannt, daß er allen hier anwesenden Lehrerinnen für heute (Mittwoch) Dispens vom Abstinenzgebote ertheilt habe.
Herr Provinzial-Schulrath Dr. Pähler begrüßte darauf die Versammlung im Namen des Herrn Oberpräsidenten und des Herrn Regierungs-
„Es ist ein Jahr her," Hub der Justizrath an, „daß Ihre Großtante mich mit der Verwaltung. ihres Vermögens im Falle ihres Ablebens betraute und ihren letzten Willen in meine Hände niederlegte. Bald darauf starb Fräulein Konradine Uyle, und mein Amt begann. Hier sehen Sie alle die bezüglichen Papiere und Nachweise."
„Ich glaube Ihnen, Herr Justizrath. Ich brauche die Belege nicht zu prüfen."
„Wie Sie wünschen. Wir kommen dann zuvörderst zu den Testamenten der Verstorbenen."
„Den Testamenten? Gibt es denn mehrere Testamente?"
„Allerdings! Hören Sie nur. Hier dieses offene Testament bestimmt Sie, Herrn Hauptmann Konrad Gotthold Uhle, Sohn des verstorbenen Archivars Gotthold Konrad Uhle, zum Universalerben, jedoch unter gereiften Bedingungen."
„Ah?!"
„Diese Bedingungen find folgende: Sie müssen das erste Jahr nach Ihrer Uebernahme des Nachlasses hier in dem Eulenthurm wohnen und dürfen in der Einrichtung des Hauses keinerlei Veränderungen treffen. Auch die Wohnung der Verstorbenen muß ein Jahr lang nach Ihrer Besitzergreifung unangetastet so stehen bleiben, reie die Verstorbene sie verlassen hat."
„Zugestandeu!"
Sie dürfen vor einem Jahre niemand von den Miethern kündigen, außer solchen, die fich offenbarer Vergehen oder Verbrechen zu Schulden kommen hften."
Präsidenten und wünschte den Berathungen einen guten Erfolg. Die stattliche Versammlung sei ein ehrendes Zeugniß für die Bedeutung, welche die weiblichen Lehrkräfte an der Jugenderziehung gewonnen haben; sie zeuge von dem Ernste, mit dem der Verein seine Ziele auf der Grundlage der christlichen Jugenderziehung verfolge. Die Einrichtung weltlicher Lehrerinnen habe in unserem Vaterlande noch kein hohes Alter und es habe Dezennien gedauert, ehe die Bedenken zerstreut waren, die von verschiedenen Seiten gegen die Verwendung weiblicher Lehrkräfte erhoben wurden. Die Zahl der Lehrerinnen sei in den letzten Jahrzehnten in sehr hohem Maße gestiegen; die Lehrerinnen hätten sich diese Anerkennung schrittweise erkämpft durch gewissenhafte, treue Arbeit in ihrem Berufe und durch das leuchtende Beispiel, das sie in ihrem sittlichen Wandel gegeben haben. Die Bedenken, welche gegen die ausgiebige Verwendung weiblicher Lehrkräfte erhoben wurden, stützten sich zum Theil darauf, daß die körperlichen Kräfte der Damen nicht ausreichend sein würden, zum Theil befürchtete man eine Erziehung zur Sentimentalität und süßlichen Frömmelei. Der schon vom Hochw. Herrn Bischof soeben erwähnte Erlaß des Herrn Kultusministers beweist, daß von höchster Stelle aus diese Befürchtungen als nicht zutreffend erkannt werden. Aus dem Kreise der Kollegen habe man sich gegen die Anstellung der Lehrerinnen gewehrt. In der Lehreroersammlung, die zu Ostern d. I. in diesem selben Saale getagt habe, sei allerdings nichts darüber gesagt worden, aber eine Lehrer- Versammlung in Hannover habe ihrer Mißstimmung Über die weiteren Fortschritte des Lehrerin- nenthums unverhohlen Ausdruck gegeben. Allenfalls, so habe man gemeint, könnten Lehrerinnen in den untersten Klaffen geduldet werden. Das sei nun, gottlob, anders geworden. Anderseits sei es auch wiederum zu weit gegangen, wenn man alle Lehrer aus den Mädchenschulen entfernt und nur Lehrerinnen angestellt wissen wolle. Wenn man dabei auf Amerika Hinweise, wo dieses Ziel erreicht fei, so würde es doch sehr zu bedauern fein, wenn amerikanische Verhältnisse nach Deutschland verpflanzt würden. In Amerika gebe es erheblich mehr Lehrerinnen als Lehrer und die gemeinschaftliche Erziehung der Knaben und Mädchen gelte dort als selbstverständlich. Die amerikanische Frau nach Deutschland herüberzurufen, wolle aber wohl Niemand empfehlen. Es sei auch gar nicht möglich, bei den Verhältnissen, wie sie fich bei uns geschichtlich entwickelt Haden, es durchzuführen, daß alle Mädchen nur von Lehrerinnen unterrichtet werden. Auch würde es die körperliche Leistungsfähigkeit der Lehrerinnen überschreiten, einklasfige Volksschulen von 100 und 120 Kindern zu leiten. Die Unterrichtsverwaltung kenne den ganzen Schatz, den sie in der opferfreudigen Liebe der Lehrerinnen und in ihrem Muthe bei der Erfüllung der Berufspflichten besitze; sie wisse, welch' wichtigen Faktor die Lehrerin in der Jugenderziehung bilde, sie kenne das rege und innige Gefühl der Damen für das Wahre und Schöne, ihre hingebende Liebe zu den Kindern, ihre echte und tiefe Religiosität und ihren mustergiltizen Wandel, und das alles müsse gerade bei der Erziehung der weiblichen Jugend in die Wagschale gelegt
„Zugestanden!"
„Sie müffen die ausgesetzten Legate anerkennen, so dasjenige für die Wirthschafterin Kathrine und die für mehrere alte, kränkliche Miether dieses Hauses."
„Ebenfalls zugestandeu."
„Sie dürfen Herrn Ruland nicht eher die Wohnung kündigen, auch wenn er keinerlei Miethe bezahlt, als bis Sie sich selbst verheirathet Haden."
Konrad lachte laut auf. Auch über des Justizraths faltenreiches Gesicht zuckte es gar seltsam und wunderlich, sodaß man im Zweifel fein konnte, ob der alte Justizrath lachte oder weinte.
„Das ist ja eine merkwürdige Bedingung!" rief Konrad. „Dieser Anton Ruland scheint meiner Tante sehr ans Herz gewachsen zu sein. Wissen Si?. Herr Justizrath, woher diese seltsame Theilnahme für den verkommenen Künstler stammt?"
Der Notar zuckle mit den Schultern.
„Ich kann Ihnen keine Auskunft geben, Verehrtester. Indessen scheint diese Bedingung mit dem zweiten Testament in Verbindung zu stehen. Lassen Sie uns übrigens zuvor daS erste Testament erledigen. — Sie nehmen diese Bedingungen an?"
„Ja.__*
^Nun gut, dann treten Sie von heute an in den vollen Genuß des liegenden und mobilen Vermögens der Verstorbenen. Das Verzeichniß der Vermögensobjkkte habe ich die Ehre, Ihnen zu fiber.-ifben."
werden. Die Unterrichtsbehörde wisse, wie richtig es sei, daß die weibliche Jugend zur Häuslichkeit erzogen werde von Lehrerinnen, die selbst von Jugend auf zur Häuslichkeit angehalten worden seien. Wenn diese Häuslichkeit dem Volke genommen werde, so fei das ein schweres nationales Unglück. Das hl. Feuer der Familienliebe, die Liebe und Treue am häuslichen Herde müffe dem Volke erhalten werden, und dazu seien die Lehrerinnen mitberufen. Die Liebe zur Religion stehe in inniger Verbindung mit der Liebe zum Vaterlande; er erinnere an die Worte des Apostels: „Fürchtet Gott und ehret den König!" „Seid unterthan der Obrigkeit!" Um des Gewissens willen müsse die Erziehung auf die Förderung der Vaterlandsliebe ausgehen und auf die Pflege der Treue gegen Kaiser und Reich. Daß die Berathungen den Bestrebungen des Vereins förderlich sein mögen, sei sein herzlicher Wunsch und er wünsche ihnen Gottes reichsten Segen.
Fräulein Simon-Saarburg verlas darauf den Geschäftsbericht über das Jahr 1899 und Fräulein Wegener-Dortmund erstattete den Kaffenbericht, worauf ihr Dechqxge ertheilt wurde. (Auf die Einzelheiten dieser Berichte werden wir noch zurückkommen. Die Red.)
Es folgten die fachwissenschaftlichen Vorträge und zwar sprach Herr Prof. Dr. Mausbach aus Münster i. W. über „Bildung und Frömmigkeit", Fräulein Fogt aus München über den „Mariani- schen Mädchenschutzverein und seine Beziehungen zum Lehrerinnenstand" und Herr Professor Dr. Thielemann aus Fulda Über den „katholischen Lehrerinnenverband und de» Zeitgeist." (Wir können an dieser Stelle auf diese hochinteressanten Vorträge nicht näher eingehen. Die Red.) Es wurden folgende Resolutionen angenommen:
„Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen erachtet es als seine Aufgabe, die Berufsliebe feinen Mitgliedern zu erhalten und zu mehren, die katholischen Erziehungsgrundsätze zu vertreten, zugleich aber auch die berufliche Thätigkeit, die Fortbildung in den einzelnen Wissenszweigen und das Interesse für das geistige Leben der Gegenwart in jeder Richtung zu fördern. Die Vereinsmitglieder werden zur eifrigen Theilnahme an den Bezirksversammlungen, in welchen das religiöse Leben und Wirken durch entsprechende Vorträge gefördert wird, aufgefordert. Zur Förderung der allgemeinen Bildung und der besonderen Fachbildung deutscher katholischer Lehrerinnen beschließt die Hauptversammlung:
1) Der Vorstand stellt alljährlich 200 Themen auf, um dadurch das Interesse an wichtigen, die Mädchenerziehung und den Lehrerinnenstand betreffende Zeitfragen anzuregen. Diese Themen werden im Oktober-Hefte der Monatsschrift veröffentlicht, zugleich mit der Angabe einschlägiger Studienwerke, [lieber die eingegangenen Arbeiten wird dem Vorstände berichtet.)
2) Im letzten Jahre ist im Gegensatz zu Erscheinungen früherer Jahre ein sehr empfindlicher Mangel an katholischen Lehrerinnen, besonders Privatlehrerinnen fühlbar geworden. Der Grund wird theilweise in den etwas erschwerenden Prüsungsbestimmungen zu suchen sein, theilweise für den Mangel an Privatlehrerinnen in der Regelung und Aufbesserung der Gehalts- und
Konrad durchflog das umfangreiche Schriftstück, in dem das Haus, der Hof, der Garten mit jedem einzelnen Stück Mobilar verzeichnet stand. Auf der letzten Seite befand sich der Ausweis über das Kapitalvermögen der Verstorbenen.
„Wie? 1" rief Konrad erstaunt, als er einen Blick auf diese Abrechnung warf, „meine Tante hat ein Kapitalvermögen von dreimalhundert- taufenb Mark hinterlassen?"
„Allerdings. Ich gratulire Ihnen." „Das ist ja enorm."
„Sparsamkeit ist die Mutter der Millionen", meinte der Justizrath grinsend.
„So bin ich ja ein reicher Mann?"
„Es hat den Anschein. Jedoch hören Sie die letzte Bestimmung des Testamentes. Sie treten von heute an in den vollen Nießbrauch des Vermögens, aber nicht in den Besitz des Kapitals —"
„Wie so?!"
Der Justizrath las: „Ich bestimme hierdurch, daß nach meinem Tode mein Haus, genannt der Eulenthurm, mit Hof und Garten und allem, wa« am Tage meines Todes darin sich befindet, meinem Großneffen als freies Eigenthum übergeben wird, daß er dagegen von dem Kapitalvermögen nur die Zinsen erhält, das Kapitalvermögen selbst in der Verwaltung des Justizraths Quensel verbleibt, bi« zu dem Tage, an dem sich mein Großneffe Konrad Uhle verheirathet. An diesem Tage ist mein zweite«, verschlossenes und amtlich beglaubigtes und versiegeltes Testament zu eröffnen und es treten dann die Bestimmungen dieses Testamentes über die 5Sertr?“?nnq des Kapitalvermögens in Kraft. Die