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IM'öa, Dienstag,, den 5, Juni 1900.
27. Jahrgang.
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mit Iliüerßatümgs-Meilage „IMstrirte Somr!ags°Zeidmg?
14. Generalversammlung des Vereins kath. deutscher Lehrerinnen.
Fulda, 5. Juni.
Es war ein überaus glücklicher Gedanke, als der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen auf seiner letzten Generalversammlung den Beschluß faßte, die nächste Versammlung im Jahre 1900 zur Feier der Jahrhundertwende in Fulda abzuhalten am Grabe des hl. Bonifatius, des großen Apostels der Deutschen, in Fulda, wo ein hl. Rhabanus, der erste Lehrer Deutschlands, seine segensreiche Wirksamkeit entfaltet hat. War doch Fuloa während des ganzen Mittelalters eine hervorragende Pflanzstätte der Bildung und des Unterrichtes, und bis auf den heutigen Tag hat unsere Stadt sich dieser großer Vergangenheit würdig erwiesen. Heute, am Feste des hl. Bonifatius, beginnen nun die Berathungen und Verhandlungen der Lehrerinnen, die in großer Zahl von nah und fern, selbst von München und Danzig her, zu uns gekommen sind, um in gemeinsamer Arbeit die hohen Ziele ihres Berufes zu fördern und die geistige Gemeinschaft der Vereinsmitglieder zu kräftigen.
Ein günstiges Vorzeichen für den Verlauf der Generalversammlung bot gestern Abend die Begrüßungsfeier im neuen Stadtbausaale, zu der außer den Mitgliedern des Vereins zahlreiche Geistliche und Laien, Damen und Herren, sich eingefunden hatten und die einen überaus schönen und glänzenden Verlauf nahm.
Das Trompeterkorps des hiesigen Feldartil- lerieregim'ents leitete die Feier ein mit der Beethoveu'schen Ouvertüre zu „Egmont". Frl. Kiehl-Fulda begrüßte darauf ihre Kollegiunen in formvollendeter Weise mit folgendem Prolog:
Willkommen, Schwestern, an der Fulda Strande, Wo Bonifazi Dom zum Himmel steigt. Wo grüßend in die frühlingsfrischen Lande Der Vogelsberg zur blauen Rhön sich neigt! Uns ward dasselbe hehre Ziel gegeben. Es hat vereinigt uns zu gleichem Streben, D'rum reichen wir euch schwesterlich die Hand: Seid uns willkommen an der Fulda Strand!
Schon ein Jahrtausend ist vorbeigegangen An dieser Stadt geweihtem Zinnenkranz, Seit heil'ge Männer hier die Horen sangen, — Und nichts verwehte ihren Ruhmesglanz. Sie haben einst voll kampfesmuth'gem Wagen, In Deutschlands Nacht das Glaubenslicht getragen, D'rum strahlt durch alle Zeiten noch ihr Grab; — Ihr heil'gen Lehrer, schaul auf uns herab.
Was Sturmi einst in diesem Thal gegründet Auf seines hehren Meisters Rath und Wort, — Was Rhabans weise Lippe uns verkündet, Es lebt im Geist durch alle Zeiten fort. D'rum wollen wir in Demuth und in Treue An dieser Statt den heil'gen Schwur erneuen: Dem Ruhm des Kreuzes jetzt und allezeit Sei unser Streben, unsre Kraft geweiht!
Die ihr genaht, von Süden und von Norden, Ihr Schwestern, reicht uns schwesterlich die Hand! Uns ist fürwahr ein hohes Ziel geworden, D'rum sei nach oben unser Blick gewandt. Es spende Gott in dieser hehren Stunde Den Batersegen unserm Schwesterbunde, Daß neugestärkt wir auseinander gehn Und Herz und Lippe spricht: „Auf Wiedersehn!"
In unmittelbarem Anschlüsse an diesen Prolog sang ein Damenchor ein von Herrn Seminarlehrer
Im Kulenlhurme.
Roman von O. Elster.
6 ------ (Nachdruck verboten.)
Als er sich angekleidet hatte, klopfte es leise an die Thür und die Haubenbänder Katharinens wurden ein wenig sichtbar.
„Entschuldigen Sie, Herr Hauptmann", flüsterte Kathrine, „Herr Ruland ift hier und wünscht Sie zu sprechen. Er behauptet. Sie hätten ihn auf heute Morgen zum Frühstück eingeladen."
Konrad fielen alle seine Sünden der letzten Nacht wieder ein. Er hatte mit dem alten Maler Brüderschaft getrunken und ihn in der That zum Frühstück eingeladen. Es half nichts, da mußte er schon den schnurrigen Kauz und Idealisten empfangen.
„Führen Sie Herrn Ruland in das Eßzimmer und besorgen Sie ein kleines, aber gutes Frühstück", befahl er der Haushälterin, die heute ein strammes Gesicht zog, denn sie hatte sehr wohl den Lärm da unten in dem Eulennest gehört.
Anton Ruland war elegischer denn je.
„Ich danke Dir, mein Freund," sprach er Mit jämmerlicher Stimme, indem er Konrad die Hände schüttelte, „daß Du Dich meiner so liebreich angenommen hast. Ach, ich habe einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten, als Deine Tante, meine unvergeßliche Freundin, starb. Ich hoffe. Du wirst ihr Andenken in Ehren halten und mich in dem Gartenhäuschrn weiter wohnen lassen."
„Aber wie sollte ich dazu kommen, Ihnen — Dir zu kündigen?"
Wagner eigens zu diesem Zwecke komponirtes Begrüßungslied. Alsdann hieß Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni im Namen der Stadt und der Bürgerschaft die fremden Gäste willkommen mit folgenden Worten:
Hochansehnliche Versammlung! Sehr verehrte Damen! Zum dritten Male ist es mir vergönnt, in diesem Saale eine große und glänzende Versammlung zu begrüßen und ihr den Willkommsgruß der Fuldaer Stadtvertretung und Bürgerschaft zu überbringen. Ich thue dies heute um so freudigeren Herzens, als fich Ihre Versammlung ohne Ueberhebung an die Seite der früheren Versammlungen stellen kann.
Sie reiht sich würdig und gewissermaßen diese ergänzend der schönen Versammlung des kathol. Lehrer- verdandes des deutschen Reiches an, welche an Ostern dieses Jahres hier tagte, und wenn sie auch an äußerem Glanze und äußerer Pracht nicht mit der ersten anläßlich des Jubelfestes des Bonifatiusvereins hier abgehaltenen Versammlung, an welcher fast sämmtliche Bischöfe Deutschlands theilnahmen, wetteifern kann, so ist fie doch von demselben Geiste getragen, dem Geiste des Christen- thums, des praktischen Christenthums.
Das ist der Boden, auf dem fie — ebenso wie jene beiden vorhergegangenen Versammlungen — steht, und das ist auch der gemeinschaftliche Boden, auf dem Ihr Wollen und Streben zusammentrifft mit dem Denken und Fühlen der Einwohnerschaft dieser Stadt
Wir stehen voll und ganz auf dem Boden des Christenthums und wollen, daß dies unschätzbare Gut unseres hl. Glaubens auch auf unsere Nachkommen übergehe; wir wollen die Erhaltung der christlichen Familie, jenes Grundpfeilers, auf dem Gemeinde und Staat ruhen und deffen Zerstörung einer Vernichtung aller menschlichen und göttlichen Ordnung gletchkommen würde; und Sie, meine verehrten Damen, haben fich dem schweren und verantwortungsvollen Berufe der Kindererziehung gewidmet, um nicht nur kluge und an Wissen reiche Menschen aus den ihnen anvertrauten Kindern zu machen, sondern auch Gottesfurcht und gute Sitte, die erste Voraussetzung jeden gedeihlichen Familienlebens, in den Kindern zu wecken, zu fördern und zu erhalten. Wir find Mitarbeiter an demselben großen Werke der Erziehung unserer Jugend in den Wahrheiten und Vorschriften unserer hl. Religion. Wirhaben also ein gleiches Ziel und daher find Sie, verehrte Damen, die aus allen Gauen des deutschen Reiches, von Nord und Süd, von West und Ost hierher zusammengeeilt sind, uns nicht fremd. Um so freudiger und herzlicher klingen deshalb die Willkommensgrüße, welche die Bürgerschaft Ihnen durch meinen Mund darbringen läßt.
Möge der liebe Gott auf die Fürbitte des heiligen Bonifatius und des Rhabanus Maurus, der mit dem Ehrentitel „Der erste Lehrer Deutschlands" geschmückt ist, Ihre Versammlung und Ihre Berathungen segnen; möge es aber Ihnen auch bei uns gefallen, damit Sie alle einen freundlichen und angenehmen Eindruck mit- nehmen aus unserem lieben Fulda.
Nachdem dann wieder die Musikkapelle und der Chor der Sängerinnen ihres Amtes gewaltet, nahm Herr Geh. Regierungsrath Dr. Goebel das Wort zu folgender Ansprache:
HochansehnlicheBersammlung! — Hochgeehrte Damen und Herren! Bon dem verehr!. Lokal-Komitee bin ich ersucht worden, am heutigen Begrüßungs-Abend auch einige Worte an die Festversammlung zu richten.
Dieser ehrenvollen Aufforderung habe ich geglaubt ohne Wrrgern nachkommen zu sollen, da ich ja allerdings hinreichende Veranlassung habe, den Verein kath. deutscher Lehrerinnen sympathisch zu begrüßen, einmal in der Eigenschaft als Schulmann und Fachgenoffe, sodann auch als Landtagsabgeordneter und Volksvertreter.
Als Schulmann bin ich über 4 Dezennien für die Bildung der Heranwachsenden Jugend thätig gewesen. Und wenngleich diese Thätigkeit sich meist in «nveren Kreisen bewegte, so habe ich doch auch lange Jahre an der höheren Töchterschule oder richtiger an dem Leb - rerinnen-Kursus des hochgeschätzten und hochverdienten Frl. Schars unterrichtet, so daß ich unter den anwesenden Damen wohl manche als meine Schülerin begrüßen kann. Ich stehe also Ihrer Thätigkeit nicht
„O, der Justizrath Q iensel rotrb Dir schon das Nähere sagen! Ich — ich schulde den Mrethzins schon längere Zeit —"
„Machen Sie sich — mache Dir darüber keine Gedanken. Vorerst greise einmal zu"
„Ich danke Dir, mein Freund," entgegnete Anton Ruland, indem er ein Glas Portwein aus einmal austrank.
Der Wein schien seine Lebensgeister aufs Neue zu beleben. Die verschwommenen Augen blickten glänzend, das blaffe, fahle Antlitz rölhete sich —
Am Tage machte Anton Ruland, der etwa fünfzig Jahre alt sein konnte, einen recht verkommenen Eindruck. Die schäbige Eleganz seiner phantastischen Künstlerkleidung trat mehr hervor. Das faltenreiche Antlitz, die verschwommenen Augen, die zitternde Hände verriethen deutlich die unselige Leidenschaft des Mannes, der schon so weit gekommen war, daß er immer neuer Anregung durch Spirituosen bedurfte, um sih aufrecht zu erhalten.
Konrad erfaßte tiefes Mitleid mit dem Manne, aber auch eines gewissen Widerwillens konnte er sich nicht erwehren, wenn er in die zerrütteten Züge des frühzeitig gealterten Künstlers blickte.
„Sie kannten meine Tante von früher her?" fragte er, indem er absichtlich vergaß, den Maler zu dutzen.
„Ich kenne Deine Tante seit zehn Jahren", entgegnete Ruland, ohne auf die veränderte Anrede feines neuen Freundes zu achten. „Ich lebte damals in Berlin. Es ging mir sehr schlecht. Meine Frau war gestorben. Eine Zeitlang hatte ich bei der Ausschmückung des neuen Museums
allzu fern; ich weiß auch die Wichtigkeit und hohe Bedeutung Ihres Berufes ebenso sehr zu würdigen, wie die Schwierigkeit Ihrer Aufgabe, die Mühen und Beschwerden Ihres Amtes, sowie anderseits auch den innern Lohn und das Verdienst Ihrer Arbeit wohl zu schätzen.—
Ja, der Lehrerstand hat einen überaus schönen und herrlichen Berus; er Hal eine hohe und erhabene Ausgabe zu erfüllen, und wenn er fie richtig erfüllt und löst, erwirbt er fich ein unvergängliches Verdienst vor den Menschen und vor Gott.
Denn was ist wichtiger und verdienstvoller, als die Heranwachsende Jugend durch Erziehung und Unterricht zu bilden, den Geist der Kinder zu wecken, fie nicht allein mit den nothwendigen und nützlichen Kenntniflen auszustatten und für die irdischen Ziele des Lebens zu befähigen, sondern fie auch für alles Gute, Wahre und Schöne zu begeistern und ihre Herzen dauernd zu richten auf das letzte und höchste Ziel des Menschen und so zu echter Frömmigkeit und Tugend zu führen?
Daß ein solcher Beruf auch angestrengte Arbeit, namentlich das stete Streben nach eigener Vervollkommnung erfordert — die Selbsterziehung ist ja die Grundlage aller Erziehung — und daß das Amt des Lehrers viele Mühen und Beschwerden mit sich bringt, auf Hindernisse und Schwierigkeiten mancher Art stößt, oft auch auf Undank und Verkennung, das kann niemand leugnen, der nur einige Einsicht und Erfahrung hat. Aber die Liebe überwindet alles, die Liebe zu den Schwachen und Hilfsbedürftigen nach Christi Vorbild. Und aus welchem unversiegbaren Borne Muth und Kraft und Ausdauer, Opferwilligkeit. Berufstreue und Berufsfreudigkeit zu schöpfen ist, das brauche ich Ihnen nicht erst zu sagen. Sie sind — wie es so schön in dem letzten Bereinsberichte heißt —heaer an der Jahrhundertwende in unsere theure Bonisaliusstadt gekommen, „um hier am Grabe des Apostels der Deutschen, wo der Geist der Altmeister der christlich-deutschen Pädagogik, Alkuins, Sturmius, Rhabans Ihnen entgegengrüßt, von neuem zu weihen die Seele Gott dem Herrn, die Kraft der Jugend."
So möge denn, das wünsche ich aus vollem Herzen, an dieser gesegneten Stätte aus Ihren Verhandlungen und Berathungen reiche Frucht erwachsen, nicht nur für die wirthschastlichen und sozialen Ber- hältniffe, sondern namentlich auch für die idealen Berussinteresfen der Lehrerinnen, damit sie neu« gestärkt, erfrischt und ermuthigt von hier heimkehren, um in Liebe und Treue weiterhin Ihres hehren Berufes zu walten.
Aber auch in meiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter bringe ich dem Verein katholischer deutscher Lehrerinnen ein lebhaftes Interesse und meine wärmste Sympathie entgegen und begrüße ihn als eine höchst erfreuliche Erscheinung. Denn was erstrebt dieser Verein? Er will vor allen anderen Zwecken — wie j. B. eigene geistige Fortbildung, äußere Hebung des Standes, materielle Besserstellung, Fürsorge durch Stellenvermittlung, Krankenkasse, Vereinshaus re. — er will, sage ich, in erster Linie sorgen und eintreten für eine gute, christliche Erziehung der Jugend. Er will an seinem Theile mithelfen, daß die Schule in Unterricht und Erziehung unentwegt feststehe auf dem sicheren Boden der göttlichen Lehre dessen, der da ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, das wahre Licht, das die Welt erleuchtet. Das aber ist gewiß ein Ziel und Streben, welches nicht allein die Familie und die Gemeinde und nicht blos die Kirche, sondern auch der Staat dringend wünschen, freudig begrüßen und kräftig unterstützen muß. Und das geschieht denn auch. Wir verhandeln im Landtage alljährlich sehr eingehend und gründlich über die Verhältnisse der Schule. Die Staatsregierung und die Volksvertretung find gottlob darin einig, daß unserer Schule der christliche Charakter zu wahren und zu erhalten und anders gerichteten Bestrebungen entgegenzutreten sei. Der christliche Unterricht aber ist — wenigstens in der Elementarschule — nothwendig zugleich ein konfessioneller, und darum bestimmt auch Art. 24 der Berfassungsurkunde, daß bei Errichtung der öffentlichen Volksschulen die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen find.
Leider gibt es aber auch Strömungen und Bestrebungen, die einem anderen Geiste entstammen, die auf die konfessionslose oder im Grunde aus
mitgearbeitet, aber die Arbeit war bald zu Ende. Meine Bilder verkauften sich schwer, ich kam nicht recht vorwärts mit der Arbeit. Ich war mit meiner Tochter dem tiefsten Elend ausgesetzt. Da traf plötzlich ein Bries von Fräulein Konradine Uhle ein. Sie schrieb, sie habe einige Illustrationen von mir — ich arbeitete ab und zu für illustrirte Witzblätter — gesehen, die ihr sehr gefallen hätten. Sie wolle mir ein Heim in ihrem Haufe eröffnen, wo ich ganz meinen künstlerischen Arbeiten leben könne. Ich ging natürlich mit Freuden auf den Vorschlag der edlen Dame ein und zog hierher. Sie hat sich meiner tatkräftig angenommen, hat .meine Tochter erziehen lassen, hat mir Zeichenunterrichtsstunden verschafft, hat mich in Verbindung mit verschiedenen Verlegern gebracht, für die ich Illustrationen liefern konnte, kurz, hat wie eine wahre Freundin an mir gehandelt. Wir — meine Ma und ich — werden ihr Andenken stets in Ehren halten. Nur eines kann ich nicht vergessen. Die alte Dame wollte nicht, daß ich zu meinen Heiligenbildern zurückkehrte. Ich durste nicht mehr malen, ich sollte nur Illustrationen schaffen — das schmerzte meinen Künstlerstolz", setzte er seufzend hinzu, indem er wiederum ein Glas Portwein trank. „Und so ist mein Daniel in j>er Löwengrube niemals fertig geworden."
Er ließ den Kopf hängen. Der Gedanke, auf seine Künstlerschast verzichten zu müssen, um als „Handwerker" nach bestimmter Anweisung Illustrationen nach Photographien oder dergleichen anzufertigen, schien ihn vollständig niederzudrücken.
Konrad wußte sich die Handlungsweise seiner Tante nicht zu erklären. Es mußte hier in der That ein Geheimniß walten, das selbst Anion
die religionslose Schule abzielen und eine völlige Lostrennung der Schule von der Kirche bezwecken.
Dieser andere Geist gibt sich nun vielfach kund und hat sich oftmals recht dreist und keck gezeigt — was ich hier in einzelnen Beispielen nicht weiter ausführen mag — auf den Versammlungen sowohl als in den gedruckten Veröffentlichungen des „Allgemeinen deutschen Lehrervereins".
Und das eben war Grund und Beranlaffung, daß die christlich gesinnten Lehrer sich verletzt und ab- gestoßen fühlten und daß im Jahre 1889 der „Katholische Lehrerverband des deutschen Reiches" gegründet wurde, während 4 Jahre früher (1885) schon der „Verein katholischer deutscher Lehrerinnen" sich gebildet hatte. Es geschah dieses — das muß festgehalten und darf nicht übersetzen werden — n i ch t des konfessionellen Gegensatzes willen, sondern weil man jenen unchristlichen Grundsätzen und Bestrebungen sich nicht anschließen wollte und konnte.
Daß es sich hier nicht handelt um eine feindliche Stellungnahme gegen die andere Konfession, mit der wir vielmehr gern in Frieden und Eintracht leben und nach dem Ziele christlicher Erziehung streben wollen, das hat auch die Regierung mit der Zeit sehr wohl erkannt. Und darum konnte der Vertreter der König!. Regierung zu Kaffe! vor sieben Wochen an dieser nämlichen Stelle mit Recht erklären, »daß die Ziele des Katholischen Lehrerverbandes sich der vollsten Billigung der König! Regierung erfreuen».
Ich bin überzeugt, daß derselbe Herr, der morgen ja auch Ihre Versammlung mit seiner Gegenwart beehren will, das gleiche Zeugniß dem „Verein katholischer deutscher Lehrerinnen" ausstellen wird, unbeirrt durch die gehässige Kritik, welche damals die ,Bosstsche Zeitung' (Nx, 192) an seinen Worten wie überhaupt an den Verhandlungen des Verbandes geübt hat. —
Möge der „Verein katholischer deutscher Lehrerinnen" — mit diesem Wunsche will ich schließen —, der heute schon 4500 Mitglieder zählt, auch ferner wachsen, blühen und gedeihen, znm H-tl und Segen für die weibliche Jugend und zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes! Das walte Gott! — Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen lebe hoch, hoch, hoch!
Nachdem sodann die Damen Frl. Pult und Frl. Weltke die „Fantasie für Violine und Pianoforte" von Beriot elegant und präzise zum Vortrage gebracht hatten, erwiderte Herr Generalvikar Hilpisch-Limburg im Namen der Lehrerinnen auf die Begrüßungs-Ansprachen mit ungefähr folgenden Worten:
Zur Leitung der 14. Generalversammlung deS Vereins deutscher Lehrerinnen berufen, ist es mir eine sehr angenehme Pflicht, für die herzliche Begrüßung und die freundliche Aufnahme zu danken, wie der Verein sie bisher kaum irgendwo jemals gefunden hat. Der sympathische Prolog, mit dem wir begrüßt wurden, hebt in so schöner Wttse hervor, daß unser Streben und unsere Kraft dem Ruhme des Kreuzes gewidmet ist und sein soll. Es war ein schöner Willkommengruß, der wie ein Siegesmarsch dahinrauschte und in freudiger Begeisterung zu unserer gemeinsamen Arbeit austtang. Sodann hat uns der Herr Oberbürgermeister dieser Stadt mit einem herzlichen Willkommen begrüßt, eine Ehrung, die seit dem Bestehen unseres Vereins uns noch nie widerfahren ist. Die hohe soziale Stellung, die dieser Herr einnimmt, verpflichtet uns zu herzlichem Danke dafür, daß er sich für seine Person wie für die Bürgerschaft dieser Stadt mit uns zu denselben Grundsätzen bekennt, zu den Grundsätzen des Christenthums. Was ferner der hochverehrte Herr Geheimrath Dr. Goebel, ein Altmeister der Pädagogik, uns soeben gesagt hat, muß uns mit hoher Freude und Genugthuung erfüllen. Auch hier muß ich wiederum sagen, daß eine solche Ehre und Auszeichnung unser Verein noch nicht erfahren hat. Ich bin überzeugt, daß die begeisterten Worte, die der Herr Geheimrath an die Lehrerinnen gerichtet hat, lebhaften Anklang gefunden haben in den Herzen aller, die hierhin gekommen. sind, um hier am Herde des katholischen Lebens im Bekenntnisse deS Glaubens neue Stärkung zu finden für ihren schweren Beruf. Die ganze Stadt Fulda hat sich bemüht, dem Vereine katholischer deutscher Lehrerinnen einen freundlichen Empfang
Nuland nicht kannte. Er suchte den kleinen Maler zu trösten.
„Ich werde mir Ihren Daniel in der Löwen- grube einmal ansehen", sagte er dann. „Wenn es sich der Mühe lohnt, können Sie das Bild jetzt vollenden."
„Ach, meine Kraft ist zu Ende! Ich sehe nichts mehr in dem richtigen Licht, in der richtigen Stellung, das Zeichnen der Karrikaturen hat mich verdorben. Ich kann nicht mehr malen — ich bin kein Künstler mehr —
Tiefes Mitleid mit dem Unglücklichen erfaßte das Herz Konrads! Er schenkte ihm von Neuem ein und der feurige Wein verscheuchte dann auch bald die elegische Stimmung des Malers. Er wurde schon wieder recht laut und erging sich in kühnen Zukunftsphantasien, als Kathrine eintrat und den Justizrath Quenfel anmeldete.
„Da will ich nicht weiter stören", rief Ruland und sprang empor. „Ihr habt gewiß Geschäftliches mit einander zu besprechen. Auf Wiedersehen heute Abend im Eulenneste!"
Er ergriff seinen großen, schwarzen Schlapphut, schwenkte denselben nach Konrad und eilte davon, dem eintretenden Justizrath vertraulich zunickend.
*
„Da haben Sie sich ja einen recht netten Dutzdrudcr angeschafft," sprach der Justizrath mit vergnüglichem Grinsen und schlauem Augenzwinkern.
Konrad ging einigemale, ärgerlich über sich selbst, im Zimmer auf und ab. Er fühlte, daß er sich mit dem heruntergekommenen Maler nicht so tief hätte einlassen sollen, daß ihm diese Dutz- freundschaft bei allen Bekannten in ein lächer-