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mit AuterVatümgs-Nellage „Illüstrirte Sonntags-Jeitnng
Juköa, Domierstag, den 31. Mai 1900.
27. Jahrgang.
JM 124.
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che die Sonnenstrahlen mit aller Macht zurück, warf und blendete. Der Verunglückte erschien somit beim Betriebe und durch die Gefahren des Betriebes geschädigt, wobei eS als unerheblich angesehen wurde, ob er gegen die Einwirkung der Hitze mehr als andere empfindlich gewesen sein und sich schon vorher nicht wohl gefühlt haben mag.
In analoger Weise werden vom ReichS-Ver- ficherungSamt Unfälle durch Blitzschlag nur dann als Betriebsunfälle angesehen, wenn der Getroffene durch seine Thätigkeit im Betriebe der Blitzgesahr in erhöhtem Maße auSgesetzt war.
Butzenscheiben deS Treppenfensters und traf mit goldigem Schimmer den blonden Scheitel deS Mädchens.
Aber nur einen Augenblick konnte sich der Hauptmann a. D. und der Schlachtenmaler an dem Anblicke des jungen Mädchens erfreuen, rann war es hinter der nächsten Bieaung der Treppe verschwunden.
„Ei, ei, hm, hm,- machte der Hauptmann ind stieg gedankenvoll die letzten Stufen zu der Wohnung seiner seligen Tante empor.
Die alte Kathrine knickte fast in die Knie, als hr neuer Herr urplötzlich vor ihr stand. Konrad ndeffen fing die Alte mit starker Hand auf und rief lachend:
„Sie werden sich doch nicht vor mir fürchten, 1 kathrine? Wir haben uns zwar seit zehn Jahren nicht gesehen, aber ich hoffe, wir sind Freunde ge- »lieben und werden es bleiben, so lange wir leben."
Kathrine faßte Muth. Sie sah in die lachen- >m, braunen Augen, in denen es jetzt so feit« am weich und feucht schimmerte, sie empfand »en warmen, ehrlichen Druck der Hand und »lötzlich erwachte die alte Liebe zu Konrad wie« »er, die für ihn schon gefühlt, als er noch ein kleiner, wilder Junge gewesen und auf dem Hofe und in dem Garten deS Eulenthurmes herumgetollt war. Sie weinte und lachte und küßte die Hand Konrads, der Mühe hatte, die närrische Alte zu beruhigen.
„Es ist gut, es ist gut, Kathrine," sprach er ein über das andere Mal. „Wir verstehen uns und wir bleiben zusammen. Und nun zeigen Sie mir die Wohnung, ob Sie sie auch in Ordnung gehalten haben."
Im Kulenthurme.
Roman von O. Elster.
------- (Nachdruck verboten.)
Nun zog der Kronprinz den Säbel und tra* bei der zweiten Kompagnie ein. Der Regiments' kommandeur Oberst Frhr. v. Plettenberg erwiderte dem Kaiser und schloß mit einem Hurrah auf den Kaiser, in welches die Truppen begeistert einfielen; die Musik spielte „Heil dir im Sieger« kranz!" Die Kaiserin wohnte mit den erschienenen Prinzessinnen von einem Fenster deS Schloffes aus dem festlichen Akte bei. Der Kaiser ritt nunmehr zum Langen Stall und hielt zu Pferde neben dem Denkmal König Friedrich Wilhelms I. Schmetternde Musikklänge verkündeten jetzt das Herannahen der Truppen zum Parademarsch. Beim erste» Vorbeimarsch, der in Zügen stattfand, führte der Kronprinz seinem kaiserlichen Vater den 1. Zug der 2. Kompagnie vor. Die Prinzen August Wilhelm und Oskar waren bei der I. Kompagnie eingetreten. Der zwette Vorbeimarsch erfolgt<in Kompagnie- ftont; der Kronprinz marschirte auf dem rechten Flügel seiner Kompagnie. Nach dem Parademarsch hielt der Kaiser Kritik ab und ritt dann in den Schloßhos zurück, gefolgt vom Kronprinzen, den übrigen Prinzen und der glänzenden Suite. — Anläßlich der Berliner Feier drr Großjährig- keitSerklärung des Kronprinzen haben heute sämmtliche Unteroffiziere der Leibkompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß die Rothe AdlerordenSmedaille und sämmtliche Mannschaften die Kronenordensmedaille erhalten. Ein Theil der Leute hatte die Dekoration schon bei der heutigen Feier angelegt.
h Zu der Nachricht über die beabsichtigte Gewährung von Tagegekder« a« di- Ileichs- tags Mitglieder sagt die ,Kreuzztg/: Sollten die verbündeten Regierungen die Absicht haben, die im Wahlgesetz und im Reglement vorgesehenen Fristen abzukürzen, so können wir diese Absichten nur billigen, da die Gründe, die für dieselben angegeben werde», durchaus zutreffend sind. Zweifelhaft erscheint es uns aber, ob eine wesenüiche Abkürzung praktisch durch- führbar sein wird. Selbst wenn die Wählerlisten jederzeit auf dem Laufenden gehalten würden, so müßte doch unter allen Umständen die sür die Erhebung und Erledigung des Einspruches gegen nicht richtig bemeffene Frist vom Tage der Ankündigung des Wahltermins an festgesetzt werden.
* I-r Schluß der Landtagssesfio« soll nach einer Meldung der ,Schles. Ztg/ am 15.- Juni stattfinden, „damit bis zum Tage der Eröffnung deS Elbe-Travekanals, die am 16. Juni mit allem Glanze und unter der Theil- nahme auch der Landtagspräfidien begangen werden soll, reiner Tisch gemacht sei." — Das Herrenhaus ist aber doch erst zum 11. Juni ein- berufen und hat noch vier wichtige Gesetze zu erledigen, die zum Theil vielleicht eine Rücksen- »ung an das Abgeordnetenhaus bedingen werden. Wie unter diesen Umständen bis zum 15. Juni »er Landtagsschluß herbeigeführt werden kann, st nicht abzusehen, zumal der 14. Juni ein katholischer Feiertag ist: Frohnleichnam.
"Die Entscheidung über die Strafchr »es vorläufig L la suite der Schutztruppe gestellten Leutnants Prinzen Prosper vo»Arei»0erg teht bevor; das erste Urtheil ist bekanntlich vom
„Du lieber Himmel, Fräulein Mia", jammerte die alte Haushälterin des verstorbenen Fräuleins «onradine Uhle, indein sie auf einen Stuhl sank und die Hände mit einer Geberde der tiefsten Ver- zweiflung zusammenlegte. „Du lieber Himmel, yräutein Mia, jetzt wird alles ganz anders werden."
Das junge, hübsche Mädchen erhob das roth- vionde Köpfchen von der Näharbeit, mit der es erfng beschäftigt war, sah die alte Dienerin mit verwunderten Blicken an und fragte sodann lächelnd: . „Was ist denn geschehen, Kathrin? Haben Sie «ne unangenehme Nachricht erhalten? Wen fer- öFetl soeben draußen an der Treppe
80 • Das war ja ein fürchterliches Gepolter." - „'^4 Gott, ach Gott, Fräulein Mia", erwiderte
weinend die Alte, indern sie sich mit der einen manb iu die grauen Haare fuhr, wie das so ihre ewohnheit «ar, sodaß die schwarze Spitzenmütze '^."gerückt wurde, „ein Dienstmann war draußen u° hat die Koffer des jungen Herrn gebracht, j
°°r einer halben Stunde auf dem Bahnhofe ungekommen ist." j
WHe?**8 iu”8en Herr» ? Des Hauptmanns
"25- ia“' nickte die alte Dienerin.
rithti » .«oS. ia eine sehr erfreuliche Nach- lewa - $ i° der Erbe des guten, alten Fräu- d,» gesunde» und Sie können die Verwaltung
getrost in die Hände des Neffen M?rer Herrin legen“.
© Nickelstahl.
In dem Berichte, den der Abg. Müller« Fulda als Berichterstatter der Budgetkommisfion des Reichstages für deffen Plenum über die Flottenvorlage und deren Berathungen in der genannten Kommission ausgearbeittt hat, ist auch in ausführlicher Weise der Debatte gedacht, die sich mit der Herstellung der Panzerplatten aus Nickelstahl für die Kriegsflotte be- schästigte.
Diese Erörterung wurde hervorgerufen durch ein Schreiben, das der Abgeordnete Freiherr von Stumm an die Kommission gerichtet hatte. Herr von Stumm wollte darin, wie er sich aus« drückte, de» „lächerlichen Behauptungen entgegentreten", die in der Presse über die Herstellung des Nickelstahls und über die Gewinne daraus verbrettet seien. Aber Herr von Stumm hat mit seinem Briefe und de» Behauptungen, die er darin aufstellt, entschieden Unglück gehabt. Er berechnet darin, daß für die neuen, in der Vorlage . geforderten Fahrzeuge Panzermaterial im Werthe von 113 Millionen Mark verbraucht werde; und er sagt weiter: selbst wenn man annehmen wollte, daß die Hälfte des Preises reines Verdienst der (Krupp'schen) Werke sei, ergebe sich daraus „nur" die Summe von 56 Millionen usw.
Die Annahme, daß die Werke an der Herstellung der Nickelstahlplatten einen Reingewinn von 50 v. H. habe», liest sich an und für sich recht interessant. Denn das ist bei so großen Bestellungen und angesichts des Umstandes, daß das Reich der Abnehmer ist, ein außerordentlich hoher Gewinn. Dann aber muß man wissen, daß Herr von Stumm sich tüchtig verrechnet hat. Es wurde nämlich, wie man aus dem Berichte des Abg. Müller-Fulda ersieht, in der Budgetkommission des Reichstages festgestellt, daß der Bedarf an Panzerplattenmaterial in den nächsten sechszehn Jahren auf Grund der Vorlage für neue und für Ersatz-Bauten nicht 113 Millionen, sondern 260 i Millionen Mark betragen würde. Wenn man nun also nach der Berechnung des Fretherrn von Stumm die Annahme zu Grunde legt, daß daran die Hälfte rein verdient werde, so müßten die Werke einen Reingewinn von 130 Millionen haben, in jedem Jahre also rund acht Millionen.
Es ist durchaus zu wünschen, daß diesem Monopol einer einzelnen industriellen Anlage ein Ende gemacht werde; denn nur diesem Monopol ist es zuzuschreiben, daß die Krupp'schen Werke an diesen Lieferungen für das Reich einen so außerordentlich hohen Gewinn erzielen können.
Würde es mehrere Werke geben, die solche Panzerplatten ans Nickelstahl Herstellen können, dann würde der Preis dafür sehr schnell sinken; denn bann würden sich sofort andere Firmen finden, die mit weniger als 100 Prozent Gewinn — den Selbstkostenpreis zu Grunde gelegt! — zufrieden fein würden. Diesem Wunsche ist denn auch in der Budgetkommission des Reichstages lebhafter Ausdruck verliehen worden. Eine Verwirklichung desselben könnte auf zweierlei Art erreicht werden: entweder durch die Errichtung einer Anlage auf Rechnung des Reiches, oder durch die Heranziehung einer leistungsfähigen Konkurrenz.
„Und was wird aus mir armen, alten Person?**
»Nun ich denke, Fräulein Konradine hat Ihnen hier im Hause, so lange Sie leben, eine bequeme Wohnung gesichert und ein Legat ausgesetzt, von dessen Zinsen Sie soraensrei leben können."
I „Das wohl. Aber wenn ich mir denke, ich j müßte die Wohnung meines guten, alten Fräuleins verlassen, wenn ich mir denke, ein Fremder haust in diesen Zimmern, die ich fünfzig Jahre lang in Ordnung gehalten habe, eine junge Herrin kommt hierher, die alles auf den Kopf stellt und die ^schönen, alten Sachen mit neumodischem Plunder vertauscht--ach du lieber Gott,
das überlebe ich nicht!"
Fräulein Mia lächelte. „Nun, so weit sind wir ja noch nicht", entgegnete sie tröftenb. „Vielleicht behält ber Herr Hauptmann Sie als Wirthschafterin bei. Er scheint doch ein gutes, weiches Herz zu haben; wenigstens fein letzter Brief —"
„Ja, fein letzter Brief da hinten aus Texas ober Gott weiß woher, hat ja mein seliges Fräulein noch recht erfreut. Ach Sott, es war ihre letzte Freude hier auf Erde», nach wenigen Wochen legte sie sich hin und starb. Aber Fräulein Mia, eS wird doch alles anders werden, verlassen Sie sich auf mich. Wer weiß, ob er Sie und Ihren Papa in dem Gartenhäuschen wohnen läßt. Sie haben ja keinen festen Kontrakt auf Lebenszeit, wie ich, und bann werden wir uns nicht mehr sehen können."
Die Alte malte sich noch in längerer Rede die Zukunft so düster wie möglich aus. Fräulein
Die Reichsregierung hat diesen Fragen auch bereits ihre Aufmerksamkeit zugewendet. Denn der Vertreter der verbündeten Regierungen stellte in jener Sitzung der Budgetkommisfio» fest, daß die Regierung danach strebe, Konkurrenz zu schaffen und auf diese Weise daS bestehende Monopol der Kruppschen Werke zu durchbrechen. Die Errichtung eines staatlichen Werkes aber würde für die Marineverwaltungsein riesenhaftes Unternehmen sein und sei deswegen nicht zu empfehlen. Uebrigens ersteht man aus den Mittheilungen des Regierungsvertreters, daß ein solches Monopol nicht nur für die Panzerplatten besteht, daß daS Reich auch bei der Lieferung der Geschütze und der Munition auf einzelne, ganz bestimmte Werke angewiesen ist, also audi dafür Preise gezahlt werden müssen, die in ihrer Höhe unberechtigt find nach allen geltenden geschäftlichen Begriffen. Doppelt und breifai । wichtig ist es also, auf dem Gebiete dieser Lieferungen für das Reich eine gesunde Konkurrenz zu schaffen und durch diese ungesunde Monopol« wirthschaft vereinzelter Firmen zu durchkreuzen. Es handelt fich dabei alljährlich um Summen, die im Reichshaushaltsetat eine beträchtliche Rolle spielen; und deswegen handelt es sich dabei gleichzeitig um Fragen, die für die Gesammtheit der Steuerzahler von größtem Jntereffe find.
Was die Konkurrenz in solchen Dingen wirkt, zeigt England. Dort ist die Schiffsbau-Industrie älter als bei uns, deswegen auch die geeignete und erwünschte Konkurrenz vorhanden, und die Folge davon ist die, daß England seine Kriegsschiffe um ein Fünftel billiger baut als wir in Deutschland. Ueberträgt man dieses Berhält- niß auf die Neubauten und Erfatzbauten nac > der Flottenvorlage der Regierung, so bedeute das allein einen Preisunterschied von 24k Millionen Mark. Und davon zu red»» loh» sich sicherlich der Mühe.
Hitzschlag | als entschädigungspflichtiger Unfall.
(Nachdruck verboten.)
6. u. R. H i tz s ch l ä g e, welche in der privaten Unfallversicherung ebenso wie alle sonstigen Schädigungen durch Temperatureinflüsse nicht als Unfälle angesehen werden, gelten nach der Rechtsprechung des Reichs-VersicherungSamtes als entschädigungspflichtige Betriebsunfälle, wenn die Art oder der Ort der Betriebsarbeit, bei welcher der Hitzschlag eintrat, wesentlich dazu beigetragen hat, die natürliche große Hitze und deren Einwirkung auf den Körper des Betroffenen noch zu steigern. So hat das Reichs-Versicherungsamt am 23. April 1900 entgegen den Vorinstanzen einen Betriebsunfall als vorliegend anerkannt bei einem Zimmermann, welcher an einem besonders heißen Tage auf einem den Sonnenstrahlen ausgesetzten Zimmerplatze anstrengende Arbeiten verrichtete und unmittelbar bei der Arbeit vom Hitzschlage be- troffen wurde. Die Einwirkung der Arbeit und der Sonnenhitze an sich war hier noch dadurch erheblich gesteigert, daß der Verstorbene bei seiner Arbeit beständig auf eine von der Sonne beschienene glatte und weiße Fläche zu sehen hatte, wel-
Deutsches Keich.
Berlin, den 30. Mai.
* Im Lustgarten zu Potsdam wurde heute der Kronprinz des deutsche« gleiches in feierlicher Weife von Sr. Maj. dem Kaiser in das Heer eingestellt. Der Lustgarten bot einen glänzenden Anblick. ES waren die Bataillone des 1. Garde-RegimenteS zu Fuß mit den historischen GrenadirrrnÜtzen aufmarschirt. Auf dem rechten Flügel erwarteten die Prinzen des königlichen Hanfes die direkten Vorgesetzten und die fremden Militär-Attachs's in ihren mannigfaltt- gen Uniformen den Kaiser, welcher von der offenen Seite des Vierecks her in dasselbe hineinritt. Der Kaiser ritt die Fronten der Bataillone ab, jedem Bataillon „Guten Morgen" zurufend, was von den Truppen erwidert wurde. Es war ein prächttges militärisches Bild. Die Sonne spiegelte fich in den Blechmützen und den aufgepflanzten Seitengewehren der Bataillone. Hell rauschten die Kränge des Präsenttr - Marsches über den alten historischen Exerzierplatz der preußischen Garde. Die Fahnen senkten sich vor dem obersten Kriegsherrn. Hinter dem Kaiser schritten der Kronprinz, die übrigen Prinzen und das Gefolge die Front ab. Nach dem Abschreite» der Fronten nahm der Kaiser in der Mitte des Vierecks Aufstellung und hielt folgende Ansprache an den Regiments- Kommandeur Oberst Freiherr» ».Plettenberg:
Nachdem Seine Saiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz den BUdungS- und Entwickelungsgang, wie er für die preußische Armee und ihre Offiziere vor- aeschrieben ist, durchgemacht und vollendet hat durch daS Bestehen eines Examens, welches die Vorgesetzten mit der königlichen Belobigung zu belohnen gebeten haben, stelle Ich Ihn nunmehr als aktiven dieustthuenden Offizier in die Reihe» Meines Regiments ein. Soweit überhaupt ein junger Offizier für seinen Beruf vorbereitet werden kann, soweit ist AlleS geleistet worden. Es wird nun an Ihm sein, in der geschichtlichen, altkassischen Atmosphäre, die in den Reihen dieses Regiments weht und die seine Fahnen umspielt, den Dienst in allen seinen Phasen kennen zu lernen. Es ist eine Ehre für Ihn, in diesem ausgezeichneten Regiment nunmehr in daS militärische Leben hineinzutreten. Ich hege das vollste Vertrauen zu Meinem Regiment, daß, wie eS so manchen preußischen König, manchen Prinzen und Heerführer ausgebildet und aus seinen Reihen hat hervorgehen sehen, es fich auch an Meinem Sohne bewähren möge. Und Ihm will Ich wünschen, daß Er in den Reihen Meiner alten theueren Kompagnie dieselbe Freude empfindet im Verkehr mit dem Grenadier und dieselbe Kameradschaft unter seinen Offizieren und vor allen Ding«n dasselbe Vertrauen Seiner Leute sich wird erwerben können, wie cs auch Mir einst gelungen ist, und daß Er fich eng verwachsen 'fühle mit den Söhnen Mewes Landes. So übergebe Ich euch Meinen Sohn mt der Hoffnung, daß Er dereinst ein tüchtiger prcußi- cher Offizier und ein ordentlicher Soldat fern möge.
M-a suchte sie zu trösten, meinte allerdings au*, daß sie jetzt nicht mehr in die Wohnung ber Verstorbene» kommen könne, da sie von einem einzelnen Herrn bewohnt werde. Aber Kathrine möchte sie doch, so oft sie Lust hätte, in dem Gartenhäuschen besuchen; dann wollten sie von dem guten, alten, seligen Fräulein und den guten, alten Zeiten plaudern.
„Jetzt muß ich aber gehen", schloß das junge Mädchen seine Trostrede, indem es geschäftig die Näharbeit zusammenpackte, „damit mich ber Herr Dauptmann nicht Überrascht."
Sie küßte die alte Dienerin, die noch immer trostlos dasaß, auf die faltenreiche Wange und eilte hinaus- Auf der düsteren Treppe stieß sie ast mit einem Herrn zusammen, der langsam die Stufen heraufstieg. Mit einer flüchtigen Ent- chuldigung eilte sie vorbei. Sie ahnte, daß der Fremde der eingetroffene Neffe und Erbe der verstorbenen Hausbesitzerin war.
Sie kannte so ziemlich alle Leute, die im Hause verkehrte»; diesen Herrn in dem abgetragenen, grauen Reiseanzug, der grauweißen, russischen ! teifemflge, die schwarze Ledertasche über die Schultern gehängt, kannte sie nicht — wer konnte es demnach anders sein, als der neue Hausherr?
Sein Gesicht hatte sie nicht deutlich gesehen. Rur zwei große, dunkle Augen und ein langer blonder Schnurrbart waren ihr aufgefallen.
Es war in der That der neue Hausherr, der . >auptmann a. D. Konrad Uhle mit der Berechtigung die Uniform zu tragen, der auf ber Treppe stehen blieb und dem davoneilenden jungen Mädchen erstaunt nachsah. Die Abendsonne sandte gerade ihre letzten Strahlen durch die