FulLaerMIeituna
mit Anteryalümgs-Mntage „Issustrirte SonnlagsZeittrng
M 122.
Jutöa, Dienstag, den 29. Mai 1900.
27. Jahrgang.
w brl.
nur, um von den vielen Beispielen dieser Art ein einziges anzuführen, an die Verlängerung des vorläufigen Handelsabkommens mit England erinnert. Diese Art der Regierungs-Arbeit ift durchaus tadelnswerth. Sie schadet der geeigneten Durcharbeitung der dargebotenen Berathungs- Gegenstände und ste macht die ganze gesetzgeberische Arbeit so verwickelt und unüberfichtlich, daß an eine Beherrschung aller Berathungsstoffe durch alle Mitglieder des Reichstages nicht mehr zu denken ist.
Was ist die Folge davon? Die große Mehrzahl der Mitglieder einer politischen Partei ist genöthigt, sich ohne eingehende eigene Kritik auf das Urtheil eines ihrer parlamentarischen Führer zu verlaffen, und ohne die geschloffene Organisation der politischen Parteien würde es den meisten Reichstagsmitgliedern gar nicht möglich sein, bestimmte Stellung zu den verschiedenen Vorlagen der Regierung zu nehmen, die in so wilder und in bestürzter Hast und mit so ungebührlicher Verspätung aus den Reichstag herniedergehen.
Damit aber liefern die verbündeten Regierungen selbst den Beweis, daß unter den gegenwärtigen Umständen eine audi nur irgendwie gedeihliche parlamentarische Arbeit ohne geschlossene politische Parteien und Fraktionen voll- kommen unmöglich ist. Die Regierungen sollten darum dankbar dafür sein, daß solche Parteiorganisationen vorhanden find, anstatt, wie es neuerdings häufig zu hören ist, dieselben als überlebt, überflüssig oder gar unmittelbar schädlich zu bezeichnen.
Wenn der Reichstag trotz der planlosen Art der Regierungsarbeit und trotz der schwierigen Umstände, unter denen er arbeitete, so viel leisten konnte, wie er geleistet hat, so hat ein Haupt- verdienst daran der Präsident des Reichstages, Graf v. Ballestrem. In ihm hat das deutsche Parlament einen Präsidenten gefunden, der in unermüdlicher Pflichttreue, bewundernswerther Beherrschung der Berathungsstoffe, feinem Takte und doch auch wieder kräftigem Nachdrucke, vollendeter Unparteilichkeit und endlich unverwüstlichem Humor unter den Präsidenten der Parlamente aller Kulturstaaten seines Gleichen sucht. Nur unter solcher Leitung kann ein Parlament ähnliche Leistungen vollbringen wie jüngst der deutsche Reichstag!
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Im Kulenthurme.
Roman von O. Elster.
------- (Nachdruck verboten.)
Da lag sie wieder zu seinen Füßen, wie er ste vor langen Jahren verlaffen hatte, die liebe, alte, kleine, winkelige, giebelreiche, rauchgeschwärzte, von Gärten freundlich umringte Heimathstadt! Dort ragte der Thurm der schiefergedeckten Kirche -um Himmel empor, in der er getauft worden war. Dort das langgestreckte Haus mit dem vretten, niedrigen Dache war die Schule, in der kr die ersten Schritte auf dem dornigen Pfade ^.Wissenschaft gemacht, und dort das hohe, wnße Haus war die Pflanzstätte seiner klassischen ^rldung. Daß er doch dem Worte des alten Erektors des Gymnasiums gefolgt und die ruhige, nchere Landstraße staatlich geordneter und prioi- Wvter Wissenschaft dahingegangen wäre, er We fetzt wohl gar schon als wohlbestallter Land- Mter oder als Professor mit in dem Kreise ^Honoratioren seiner Heimathstadt und er stände wcht hier als abgedankler Leutnant, dem man
Gnade und Barmherzigkeit den Titel Haupt- wann und eine kleine Pension von 1150 Mark «nb 45 Pfennigen verliehen. Er stände nicht un& matt von seiner Weltwanderung mio blickte traurig und wehmüthig auf die Hei- "»nth zurück, die so gleichmüthig zu ihm aufschaute, ob sie ihn nicht mehr kennen wollte.
.Ja, er war ein Fremdling gewogen in der vrimath! Sie kannte ihn nicht mehr, obgleich
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Deutsches Keich.
Berlin, den 28. Mai.
+ Ae« Kaiser i« Karis z« sehe« als Reklamebesucher der Weltausstellung, ist bekanntlich einer der Lieblingswünsche der Franzosen, den sie still und laut fortgesetzt mit großem Eifer betrieben haben. Es ist nun zwar schon mehr als einmal darauf hingewiesen worden, daß der Kaiser diesen Wunsch nicht zu erfüllen gedenkt; aber immer wieder haben französische Blätter diese angeblich beabsichtigte Reise zum Gegenstände von allerhand Betrachtungen gemacht und neuerdings haben sich auch Revanche- Blätter in ihrer ganz besonderen Weise mit der Sache beschäftigt. Ein solches Blatt spricht von der „beleidigenden Reise" des Kaisers Wilhelm ihm selbst noch der kleinste Zug der alten Hei- math in der Erinnerung war und sein Auge mit wehmüthiger Andacht an diesen wohlbekannten Zügen hing, wie das Auge des lange abwesenden Sohnes an dem gealterten Antlitz der Mutter. Dort inmitten des blühenden Gartens lag sein Vaterhaus. Fremde Menschen wohnten jetzt in hm. Als Vater und Mutter gestorben, wurde )as alte Haus verkauft: ein Gärtner erwarb es für tausend Mark und legte auf dem großen Grundstücke eine Gemüsegärtnerei an, die ihn bald zu einem wohlhabenden Manne machte. Der frühere Besitzer hatte es nicht so weit gebracht, obgleich er ein studirter, grundgelehrter Mann und Archivar an der alten, weltberühmten Bibliothek der Stadt gewesen war.
Seufzend wandte der Sohn des Archivars ein Auge von dem väterlichen Hause ab und »er inneren Stadt zu, wo die engen Straßen ich in den mathemattsch unmöglichsten Winkeln lnd Ecken schnitten und kreuzten. Ein Fremder >ätte sich gewiß nicht in diesem Gewirr von Straßen und Gaffen zurechtgefunden, der Heim- gekehrte kannte aber auch hier jedes Haus und eben düsteren Winkel. Bald hatte er das Haus gefunden, welches er suchte. Dort neben dem uralten Kirchlein, das dem heiligen Vitus geweiht war, dem Schutzpatron der Elenden und Siechen, im tiefsten Innern der Stadt ragte das teile Dach mit den unzähligen Bodenfensterchen thurmartig empor. Eine Anzahl niedriger Häuser und Häuschen umgab da« Gebäude, in deffev oberen Fensterchen jetzt dir Abendsonne flimmerte und blitzte.
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Hulda und »u»-
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0 Die Arbeit des Reichstages.
Nach zehn Tagen Pstngstferien wird der Reichstag noch einmal zusammentreten, um in einem kurzen Schlußabschnitte seiner langen Tagung denjenigen Gesetzentwurf zu erledigen, der von allen Vorlagen dieser Tagung am meisten von sich reden machte: die Flottenvorlagen mit ihren beiden Anhängseln, den Novellen zum Stempelgesetze und zumZolltarifgesetze. Das Schicksal dieser Gesetzentwürfe ist nicht mehr zweifelhaft, vorausgesetzt, daß die Mitglieder des Reichstages auch nach dem Pfingstfeste in beschlußfähiger Anzahl sich versammeln; sie werden dann aller menschlichen Berechnung nach mit nur sehr wenigen und unbedeutenden Veränderungen nach den Beschlüssen und Anträgen der Budget- kommisfion angenommen werden, und deswegen kann man schon jetzt einen umfassenden Rückblick werfen auf das, was der Reichstag seit sinem Zusammentritt am 16. November 1899 geleistet hat.
Und das ist wahrhaftig nicht wenig. Namentlich während der letzten Zeit hat der Reichstag mit einem Hochdrucke gearbeitet, wie wohl sehr selten während der dreißig Jahre seines bisherigen Bestehens. Ehemals war die Sitzung von vier Stunden Dauer die Regel. Jetzt gehören so kurze Sitzungen zu den Seltenheiten. Aber Sitzungen von fünf und sechs Stunden Ausdehnung sind zur Regel geworden, und sieben- stündige Sitzungen gehören zu den gar nicht sel- tenen Ausnahmen. Der Reichstag ist beinahe in den Zustand der Massenerzeugung von Gesetzen gerathen, und nur wenige Mitglieder des Reichstages werden in der angenehmen Lage se,n zu behaupten, daß sie wissen, was in allen diesen neuen Gesetzentwürfen steht. Jede Partei besitzt ihre Spezialisten für einzelne Fächer, und wohl oder Übel müssen sich sehr häufig die allermeisten Mitglieder einer Pattei auf das verlassen, was diese Spezialisten und Führer ihnen sagen und zu thun anrathen, und dann ohne eigentliche eigne Prüfung und Kritik auch ohne weiteres so thun. Selbst alles durchzuarbeiten, selbst in alle von der Regierung »orgelegten Gesetzentwürfe einzudringen sind die allermeisten Mitglieder des Reichstages schon lange nicht mehr im Stande.
Das ist nun sicherlich nicht ganz so, wie man e$ sich früher vorgestellt hat, als man den Reichs- tag einfetzte. Aber zu ändern ist daran gegenwärtig auch nichts, und vor allen Dingen dann nicht, wenn die verbündeten Regierungen ihren Anthril an der Gesetzgebung des Deutschen Reiches nicht ganz anders einrichten, als dies jetzt der Fall ist. Nun schon seit mehreren Jahren findet der Reichstag, wenn er im Spätherbste zu einem neuen Tagungs - Abschnitte zusammentritt, regelmäßig nur einen sehr kleinen Theil des gesetzgeberischen Stoffes vor, den er erledigen soll. Je mehr aber die Berathungs - Periode ihrem Ende sich nähert, desto reichlicher wird die Anzahl der Regierungs-Vorlagen; und gerade diesmal ist die Reichsregierung noch während der allerletzten Tage mit sehr wichtigen Gesetzentwürfen auf dem Plane erschienen, die mit einer Hast und einer Ueberstürzung durchgepeitscht werden mußten, welche der hohen Bedeutung dieser Berathungs- Gegenstände durchaus nicht entsprachen. Es sei
und eine andere Zeitung desselben Schlages leistete sich den Satz: der Kaiser werde „keine Ursache haben, auf seinen Enipfang in Paris stolz zu sein . . . !" Da ist eS nicht überflüssig, daß von neuem in halbamtlicher Tonart daran hingewiesen wird, unser Kaiser „habe nie im Traume daran gedacht und denke nicht daran, nach Paris zu fahren und den Parisern — eine neue Reklame für ihre Ausstellung zu bieten." Gegenwärtig macht man sich nun Hoffnung au einen Besuch des Zaren. Man wird sich woh aber auch damit eine vergebliche Hoffnung gemacht haben, ebenso wie mit den Einladungen an den Kaiser von Oesterreich und den italienischen
x Kri«z Ludwig vo« Mayer« sollte angeblich nach der Meldung der Berliner .Deutschen Ztg.' durch „einen höfischen Vorgang während der Festtage zur Feier der Großjährigkeitserklärung deS Kronprinzen Anlaß zur Mißstimmung" erhalten haben. Demgegenüber stellt die oberoffiziöse ,Nordd. Allg. Ztg/ an der Spitze ihrer Dienstagnummer in auffälliger Sperrschrift folgendes fest: „Diese Behauptung ist wahrheitswidrig. Es ist nicht das Geringste vorgefallen, insbesondere auch nicht auf höfischem Gebiete, was als Anhaltspunkt für dergleichen leichtferttge Ausstreuungen dienen könnte. UebngenS war Pnnz Ludwig während der Festtage am Anfang des Monats gar nicht in Berlin. Der Vertreter des bayerischen Königshauses während jener Feste, S. K. H. Pnnz Leopold, hat hier (in Berlin), wie immer, so auch damals den höflichsten und freundlichsten Empfang gefunden." So weit die Offiziöse. Die angebliche „Mißstimmung" sollte zum Ausdrucke gekommen sein in der letzten Rede des bayerischen Thronfolgers zu Straubing, die während dieser jüngsten Zeit in sehr ausgiebiger Weise von einem Theile der deutschen Presse besprochen und — gemißbraucht worden ist. Es ist erfteulich zu sehen, daß von den Berliner Regierungskreisen nun die alberne Erfindung der .Deutschen Ztg/ dazu benützt worden ist, um in unzweifelhafter Weise dem ganzen Klatsche entgegenzutreten, der sich in so vielen Zeitungen in widerlicher Weise breit machte.
® HeHeimrath Ar. v. Aartsch, Unter- staatssekretär im preußischen Kultusministettum, hat seine Versetzung in den Ruhestand erbeten. Als Veranlassung dazu werden die Folgen einer schweren Jnstuenza angegeben. Man wartete aber schon längere Zeit darauf, daß der genannte Beamte um seine Entlassung aus dem Amte nachsuchen würde.
• Keine Karmkvorkage. Die Nachricht deS,Hann. Kuners^, dem preußischen Landtage solle noch in dieser Tagung die Kanalvorlage zugehen, wird nunmehr auch der .Deusschen Tageszeitung' von berufener Seite als „halt- lose Erfindung" bezeichnet. Der Schluß der Tagung sei für den 15. bis 20. Juni in Aussicht genommen.
[] Verschiedene Zeitungen bringen die Meldung, daß tm Ministenum der Innern der Entwurf einer neuen Polizeiverordnung über den Metriev des Schaukgewerves aufgestellt und den Provinzialbehörden mitgetheilt worden sei. Diese Nachricht ist wie die halbamtliche,Berl.
„Es ist noch ganz so wie vor 10 Jahren," flüsterte der heimgekehrte Sohn der Stadt mit lächelnden Lippen. „Die alte Muhme hat nichts verändert und ich kann nun Besitz nehmen von den staubigen, halbvermoderten Schätzen der alten Frau. Immerhin habe ich ein Plätzchen, wo ich von den Wettfahrten ausruhen kann und unter dem hohen Dache wird sich schon Raum für mein Atelier finden."
Er stieß mit dem Wanderstabe fest auf die Erde, warf die kleine, schwarze Tasche wieder Über die Schulter und schritt, ein melancholisches Volkslied pfeifend, den Weg zur Stadt hinunter, >er zwischen dichten Hecken und blühenden Gärten sich den Abhang hinabwand, um kurz vor der Eisenbahn-Station in die Hauptstraße einzumünden.
Der Wanderer kehtte auf dem Bahnhofe ein, um sein Gepäck, welches er mit der Eisenbahn geschickt hatte, einem Dienstmanne anzuvertrauen.
„Wohin soll ich die Koffer schaffen, Herr?" ragte der Dienstmann.
„Nach dem Eulenthurwe im Voßwinkel," war die seltsame Antwott.
Der Dienstmann sah den Fremden erstaunt an.
„Nach dem Eulenthurme?"
„Ja, ja, nach dem Eulenthurme! Wenn ich noch nicht da sein sollte, geben Sie die Koffer in der Wohnung des verstorbenen Fräuleins Uhle ab."
„Ach, dann sind Sie der Herr —?"
„Ja, ich bin Konrad Uhle — und nun trollt Euch ab. Ich will noch ein GlaS Bier im Gastzimmer trinken."
Vergnügt grinsend entfernte sich der Dienst- mann. Er freute sich bereits auf die erstaunten
Korresp/ hervorhebt, unzutreffend. Der Sachverhalt ist vielmehr der, daß der „Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" eine (im Buchhandel erschienene) Denkschrift über die Bekämpfung der Trunksucht auch dem Ministerium des Innern eingereicht hat, in welcher in Form eines Vorschlages ein solcher „Entwurf" enthalten war. Diese Denkschrift ist den Provinzialbehörden zur Kenntnißnahme und Prüfung mitgetheilt worden. In Uebereinstimmung mit den erstatteten Gutachten muß, vorbehaltlich einer Ergänzung der in verschiedenen Bezirken bestehenden polizeilichen Vorschriften nach der einen oder der anderen Richtung, der ausgestellte „Entwurf", insbefondere die Bestimmung des Geschäftsschlusses aller Gast- und Schankwirthschaften um 10 Uhr Abends, als weit Über das berechtigte Ziel hinauS- gehend und deshalb als nicht annehmbar bezeichnet werden.
*/ Aerki«, 28. Mai. Der Kaiser ist gestern früh kurz vor 8 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhofe hier eingetroffen. Bormittags besuchten beide Majestäten den Gottesdienst in der Kaiser WÜHelm-GevSchtniß- kirche. — Der Kaiser wird die 2. Garde-Jafanterie- brigade, wie alljährlich, am 29. d. M. — dem Tage, an welchem im Jahre 1888 der Kaiser als Kronprinz und Kommandeur bet 2. Garde-Jnfanteriebrigade dem Kaiser Friedrich dieselbe im Schloßgarten zu Charlotten- bürg vorführte — exerziren. Die Brigade wird hierzu um 8 Uhr Vormittags auf dem Tempelhofer Felde Aufstellung nehmen. — Heute Morgen Hütte der Kaiser im Auswärrigen Amte den Bottrag deS Staatssekretärs Grafen Bülow und im königlichen Schloß die Borträge deS Chefs des ZivilkabinetS Dr. von LucanuS, deS Chefs des Mattnekabinetr Freiherrn von Senden-Bibran sowie des Staatssekretärs des ReichSmattneamtS StaatS- ministers Tirpitz. — Aus Hannover wird gemeldet, daß der Kaiser dott am 15. Juni zur Waterloo-Feier der Königsulanen eintreffe. — Die kaiserlichen Prinzen in Plön reffen am Mittwoch von dort zu den Pfingstfenen nach Berlin ab. — Wie der ,Reichs- Anzeigett meldet, legt der preußische Hof für den Prinzen Wilhelm von Hessen eine fünftägige Trauer an. — Der .Reichs-Anzeiger' schreibt: Der Kaiser hat dem Grafen Posadowsky seine Freude ausgesprochen über die fettens des Reichstages so einmüthig erfolgte Annahme deS neuen UnfallversicherungsgesetzeS, „dieses für den weiteren Ausbau der Fürsorge für die arbttterdeu Klassen so bedeutungsvollen Werkes". — Der Schah von Persien wird nach den bis jetzt getroffenen DiSpost- tionen von Petersburg kommend voraussichtlich am 23. Juli offiziell in Berlin eintreffen und mit seinem Gefolge als Gast des Kaisers im Schlosse Bellevue Wohnung nehmen, ©ein Aufenhalt ist nur auf vier Tage berechnet. — Der BundeSrath hält heute eine Plenar- fitzung ab und wird alSdann, der Pfingstfeiettage wegen, in feinen Berathungen eine kurze Pause eintreten lassen. Bot der Plenarsitzung finden auch einige Ausschußfitzungen statt.
st Aördkittge«, 28. Mai. Anläßlich der 36. Wander-Versammlung der Bayerischen Land- wirthe hielt Prinz Ludwig von Bayern eine längere Rede, in welcher er darauf hinwie«, daß Jndusttte und Landwirthschaft sich gegenseitig ergänzen müßten. Dabei kam er auch auf die über seine Straubinger Rede veröffentlichten Kritiken zu sprechen und meinte, man solle nicht blos Auszüge aus solchen Reden veröffentlichen, da hierdurch ein unrichtiges Bild von dem was gesagt worden ist, entstehen könnte. Im Laufe seiner weiteren Auslassungen kam dann Prinz Ludwig auch auf die deutsche Reichsverfassung zu sprechen, die entstanden sei nach einem siegreichen Kriege, den der Norddeutsche Bund mit den siegreichen verbündeten süddeutschen Staaten geführt hat. Gut wäre es, wenn die Leute die Reichs- verfaffung und ihre Entstehung besser studiren Gesichter der guten Leute im Voßwinkel, wenn er ihnen erzählen konnte, daß Konrad Uhle heim- gekehrt sei; Konrad Uhle, der wilde Bursche, der iotte Offizier, der verabschiedete Hauptmann, Wettbummler und Schlachtenmaler, auf dessen Bildern es weit grausiger zuging wie in den wirklichen Schlachten.
DaS Gespräch zwischen Konrad Uhle und dem Dienstmann schien die Aufmerksamkeit eines Herrn erregt zu haben, welcher in der Nähe stand und einen Fahrplan eifrig fhibirte. Er wandte sich um und trat auf Konrad zu.
„Entschuldigen Sie, mein Herr," fragte er löslich, „habe ich in der That das Vergnügen, Herrn Hauptmann Uhle vor mir zu sehen?"
„So nennt man mich in der Welt und in den offiziellen Listen der Militärbehörden," brummte der Angeredete. Ich glaube mich indessen nicht >u täuschen, wenn ich in Ihnen, mein Herr, einen alten Jugendbekannten, Philipp Roenneberg, begrüßen kann.
„Das ist allerdings mein Name, Herr Hauptmann. Die Welt nennt mich jetzt", setzte er lächelnd jinzu, „Professor Oberlehrer Dottor Roenneberg."
„Alle Wetter, das ist viel auf einmal, alter Junge!" rief lachend der Hauptmann a. D. „So mußt Du schon gestatten, daß ich Dich mit dem Namen unserer gemeinsam verlebten Jugend anrede, mein bester Philipp."
Die beiden Jugendfreunde schüttelten sich die Hände. Der Herr Professor that sehr freundlich, aber dem welterfahrenen Hauptmann entging doch ein etwa« verlegenes Zucken um die schmalen Lippen de« in ernstes Schwarz gekleideten Schul-