FuldaerMZeitrmg
Mit NnLerhatümgs-Meikage „Issnstrirte Sonntags-De
«ß
jx* JxftfÄti XP«r5«lU» ta Mt«.
Pdmeef« 0*. S Cbonuai*).
IUI
lliglich, tauber
teile 25 Pf.; N Wiederholunges wrrdentfpr«he«L Rabatt
taaeBiertelMri.
»hneBringerlohn Mnd Bestellgeld hi Airlda und <n* »Lrt»lM.b0Ps.
JK 121.
AdalVertus,
durch Gottes Barmherzigkeit und des Apostolischen Stuhles Gnade
Kischof von Fulda 'entbietet der hochwürdigen Geistlichkeit und allen Gläubigen des Bisthums nach seiner Romreise
Gruß und Kege« im Herrn!
Bei meiner Konsekration habe ich mich öffentlich und feierlich verpflichtet, in gewissen .Zeiträumen die ewige Stadt zu besuchen, in der die hochehrwürdigen Leiber der Apostelfürsten ruhen, und dem Statthalter Christi auf Erden über den Stand der mir anvertrauten Diözese in religiöser Beziehung Rechenschaft ab« .zulegen. Zugleich aber galt es mir auch, die unermeßlichen Gnadenschätze des goldenen Jubiläums in der hl. Stadt zu gewinnen und mich Hen Tausenden anzuschließen, welche aus Nord und Süd, Ost und West einzeln und in frommen Pilgerzügen der ganzen Welt das Schauspiel opferwilliger Frömmigkeit und Hoch« -fchätzung der geistigen Gnaden und Reichthümer 4>er Kirche ablegen. Wenn Papst Sixtus V. Vorher die genannte doppelte Verpflichtung der Bischöfe zum erstenmal ausdrücklich ausgesprochen, iso ist sie doch schon in den Denkmalen des Alterthums begründet. Papst Gregor der Große -findet die Spuren davon in den frühesten Jahrhunderten. Der Gottmensch hat eben das Papst- thum der ganzen katholischen Welt zum Haupte -bestimmt. Und hat nicht der Völkerapostel selbst gewissermaßen zuerst von dieser Reise das Beispiel gegeben? Schreibt er nicht im Galaterbrief, daß er nach Jerusalem hinaufgezogen fei, wunt den Petrus zu sehen"? Gewiß sehnte fich seine große Seele, die von unermeßlicher Liebe zum Gekreuzigten erglühte, die Stätten zu besuchen, wo das Ereigniß der Welterlösung "sich vollzogen, auf Golgatha zu weilen und das Grab seines göttlichen Meisters zu besuchen, — ^ber er erklärt nur, daß er nach Jerusalem gegangen, um mit Petrus zusammenzutreffen. Und so ist es für alle Nachfolger der Apostel nach und mach Sitte und Gesetz geworden, den hl. Petrus in feinen Nachfolgern zu besuchen, welche auf ihrem erhabenen Thron stets das Orakel der Heoffenbarten Wahrheit bilden, allen Jrrthümern entgegentreten, alle religiösen Zweifel lösen und unaussprechlichen Segen spenden für die Ehre Gottes und das Heil der Völker. Und in .diesem Geiste bin ich zu der ewigen Stadt gezogen, von Eurem Gebete begleitet, und habe meine Huldigungen als Bischof dem Oberhaupt der Kirche zu Füßen gelegt, der da in einziger Art, wie ein Wunder Gottes, die hl. Kirche regiert und repräfentirt.
Als ich in der Osterwoche auf einige Wochen Von Euch schied, betete ich im Officium der Qstermesse die Worte: die nobis Maria quid
Der HiosenHof.
Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cassau 17 ------ (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Lautlose Stille herrschte im Kreise. Loni war etwas blaß geworden, der Bauer aber fragte:
„Hat der Dornbauer feinen Sinn geändert? Will er nicht nach Amerika?"
„Er denkt nicht daran," versicherte der Hochzeiter.
„Er will also wieder freien? — Thut recht daran; die Lebendigen zu den Lebendigen und die Todten zu den Tobten! Wenn meine Tochter ihn will, ich hab' nix dagegen! Wie ist'-, Loni?"
„Ich will ihn, Vater!"
Martin Straffer horchte mißtrauisch hoch auf; fast sah es auS, als ob er eine andere Antwort erwartet habe.
„Ihr habr'S gehört," wandte sich der Bauer nun an den Hochzeiter, worauf dieser erwiderte: „So hole ich meinen Auftraggeber selbst!"
Nach einer halben Stunde tarn dann des Prinzen Kalesche vorgefahren, in der Prinz Aval- bett, Sepp, Mutter Ropp, der Intendant, der Notar und der Pfarrer saßen. Vor dem Rosen- Hofe hielt sie; Alle stiegen auS und tarnen in den Nothbau, wo sie der Bauer mit gerunzelter Stirne empfing:
„Was soll die Komödie?"
„Keine Komödie, Bauer," entgegnete ernsthaft der Prinz. „Joseph Ropp ist der wirkliche Besitzer des Domhofes. Ihr habt Euer Wort gegeben und müßt'- nun halten!"
IuLöa, Montag, den 28. Mai 1900.
vidisti in via. „Sag' uns, hl. Maria Magdalena, was du auf dem Wege geschaut?" und habe die Antwort gleichfalls gesprochen: „vidi se- pulcrum Christi viventis et gloriam re- surgentis.“ „Ich habe geschaut das Grab des lebendigen Christus und die Glorie des Auferstandenen." Und sind diese Worte nicht in besonderer und großartiger geistiger Weise zur Wahrheit geworden, als ich in der hl. Stadt weilte, als ich das Angesicht des gefeierten greifen Papstes zu schauen das Glück hatte? Dieses Grab, das seit fast 19 Jahrhunderten die Gläubigen anzieht, zu dem Millionen schon in frommer Andacht gewallfahrtet sind, es ist das Grab dessen, dem der Stuferftanbene nach seiner Auferstehung den Auftrag gegeben: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe," es ist das Grab, das durch seine Wstenz schon den Auferstandenen verkündet. Wie oft haben die Feinde des hl. Stifters im Laufe der Geschichte versucht, das Recht, die Stellung, die Herrschaft des Nachfolgers des lebendigen Christus zu vernichten, zu verderben, und wie wird dies zur Stunde versucht! — aber Er, der über Grab und Tod triumphirt hat, hat alle diese Anschläge zu Schanden gemacht und macht sie auch jetzt zu Schanden. Kann man nicht mit Job zu all' den Bedrängern sagen: „umgib dich mit Stolz, richte dich auf auf deinem hohen Sitze, entfalte deine Macht mit Eroberungen: niemals wirst du doch die Größe dieses von dir Verfolgten, ja Entthronten erreichen; sage, ob dein Arm sich messen kann mit diesem Arm, der sich ausbreitet wie der Arm Gottes, und dessen Stimme ertönt gewaltig wie die Stimme des lebendigen Gottes." „Vidi gloriam resurgentisl“ Und ich schaute die Glorie des Auferstandenen. Es ist nicht nöthig, in die fernen Epochen der Geschichte hin« abzusteigen und das Rom der Päpste zu schauen zur Zeit, da alle christlichen Nationen und christlichen Herrscher auf fein Wort lauschten, feine Entscheidungen einholten, feiner Stimme sich unterwarfen. Auch heute hat dieses Reich den Ruhm, daß sein Wort und Gesetz in den 5 Welt- theilen von Millionen gehört wird, und die göttliche Vorsehung ersetzt an geistiger Macht, was der äußeren Macht abgeht, für den Segen der Völker für die soziale Ordnung, welche allenthalben bedroht ist. Ja, die Vorsehung hat beute zum Hüter des Apostelgrabes und Apostelbernses einen Mann erwählt, der uns die Glorie des Auferstandenen „gloriam resurgentis“ so recht rührend und glorreich repräfentirt. Dieser Greis von 90 Jahren, der feine Jugend sich gleichsam erneuern sieht, wie die des Adlers — in ihm, — welche Frische und Lebendigkeit des Geistes, welche Umsicht und Sorge-für Alles, das Große und das Kleine, welche Festigkeit des Charakters, welche tiefe Weisheit in Erkenntniß der Welt und der Zeit, ihrer Bedürfnisse, ihres Elendes und Verfalles, wie auch ihrer Größe und Schönheit! Da kann ich nicht unterlassen, speziell jener Privat-Audienz zu gedenken, deren ich mit dem Metropolitan der Oberrheinischen Kirchenprovinz und einem Cornprovinzialbischof am 27. April vom hl. Vater gewürdigt wurde. Die herrlichen Worte und großen Gedanken, die er da sprach, waren ja auch an Euch gerichtet,
Der Bauer schwieg. — Darauf begann der Pfarrer:
„Seht Ihr GotteS Fügung nicht, MarK» Strasser? Der Mann, dem Ihr das Leben und doppelt dasjenige Eures Sohnes verdankt, ist durch Gottes Gnade Besitzer des schönsten Hofes in ganz Schwengau geworden. Er ist jetzt ein Bauer, und Ihr wolltet Euer Wort brechen?"
In des Rosenbauers Gesicht wechselte Röthe und Bläffe schnell ab. Die Sache überrumpelte ihn ordentlich. Er gedachte des Augenblickes, als Sepp sich den beiden wilden Rappen und dem Stier entgegengeworfen hatte, er sah ihn noch still und bescheiden, den wiedergefundenen Sohn an der Hand, vor sich stehen, und — der gute Geist behielt in ihm die Oberhand. Mit Bewegung nahm er daS Wort:
„Königliche Hoheit, Herr Pfarrer und Sie meine Herren! Sie alle sind Zeugen, daß ich hiermit meine Tochter Loni feierlich mit dem anwesenden Dornbauer Joseph Ropp verspreche in GotteS Namen!"
„Vater! Sepp!"
„Loni!"
Die beiden Liebenden lagen sich in den Armen; daS hatten sie fich nicht träumen lassen.
„Aber," fuhr jetzt der Bauer fort, „wir find noch nicht einig: ich mache zur Bedingung, daß die Hochzeit erst nach dem Aufbau meines Hauses in den neuen Räumen stattfinden darf; auch gebe ich meiner Tochter 10000 Gulden mit als Hei« rathsgut. Das schreibe der Notar fest! — Jsts nun recht gemacht, Herr Pfarrer?"
Der Prinz klopfte dem Nosenbauer auf die Schulter und sagte:
„wenn er da die Liebe und Treue der deutschen Katholiken gegen den hl. Stuhl rühmte und darin in all' den Bedrängnissen einen süßen Trost fand; wenn er die Vertreter des katholisches Volkes in Deutschland, das Centrum, feierte, wenn er die Göttlichkeit und Unvergänglichkeit der Kirche dann in großartiger Begeisterung, die fein Greisenantlitz verklärte, hervorhob und uns mit Eifer und Muth erfüllte für alle die großen und schweren Berufspflichten unseres Hirtenamtes." Auch Eure Almosen des Peters- pfennigs, liebe Bisthumsangehörige, nahm er dankend an mit den schönen rührenden Worten: „Ja, der Papst ist arm, aber die Kinder haben bisher für ihren hochbetagten armen Vater gesorgt, daß er auch andere arme Kinder der Kirche unterstützen kann und der hl. Kirche neue großartige Eroberungen im Orient durch Gründung von Kirchen und Schulen erschließe."
So die unvergeßlichen Erinnerungen dieser Audienz, die damit schloß, daß er auch allen lieben Bisthumsangehörigen ohne Unterschied des Alters, Standes und Geschlechts den feierlichen Apostolischen Segen mit allen Früchten desselben spendete.
In Ausführung dieser Gnadenerweisung des hl. Vaters werde ich am 1. Pfingstfeiertag nach dem Hochamt diesen Apostol. Segen allen Diözesanen spenden. Zugleich haben die Herren Pfarrer und selbständigen Geistlichen, welche die Wallfahrt zur ewigen Stadt in diesem Jahre gemacht haben, die Vollmacht, in ihren Kirchen und für ihre Gläubigen diesen Apostol. Segen zu spenden. Die Ablässe kommen aber wegen des Jubiläums nur den abgestorbenen Seelen zu.
Fulda, den 19. Mai 1900.
Der Bischof von Fulda:
f Adalbertus.
Deutsches Keich.
Berlin, den 86. Mai
h Der Kronprinz. des deutschen Reiches sollte angeblich Indien besuchen, um nach dem Wunsche des Kaisers „die Grundsätze kennen zu fernen, nach denen England seine östlichen Besitzungen regiere" — so meldete ein britisches Blatt und deutsche Blätter druckten eS nach. Rach einer halbamtlichen Mittheilung hat diese Meldung „an maßgebender deutscher Stelle den Eindruck einer kolossal fetten Ente hervor- gerufen." SS wirkt einigermaßen erfrischend, bei den Berliner Offiziösen abweichend von sonstigem Brauche diesem burschikos fröhlichen Tone zu begegnen. Auch die andere Meldung, daß der Kronprinz im Monat September den Kaiser nach Wien begleiten werde, wird in der,Nordd. Allg. Ztg/ als unbegründet bezeichnet.
+ Ein erfreulicher Sieg der Eentrums- partei ist aus dem badischen Reichstagswahlkreise Offenburg-Kehl zu verzeichnen. Dort mußte für den langjährigen Vertreter des Wahlkreises im Reichstage, den 6ent rumsabgeorbneten Reichert, eine Ersatzwahl stattfinden, und alle Kräfte vereinigten sich, um dem Centrum den Wahlkreis zu entreißen. Bei der Hanptwahl am 8. Mai er«
„Bravo, Rosenbauer! Ihr beschämt manchen höheren Mann; so wie Ihr, handelt ein rechter Bauer! Glück zu! Und zur Hochzeit bitt ich mich zu Gast!
Dabei schüttelte er ihm warm die Hand.
Nachdem nun noch der Notar alles wie üblich festgestellt und getrieben und der Kontrakt durch die Anwesenden unterzeichnet war, winkte der Prinz:
„Waitsch, mein Wagen!"
Und dahin sausten sie, Hoch-Schwengan zu, begleitet von den Segenswünschen Loni'S und Sepp's. Der Rofenbauer aber reichte seinem zukünftigen Schwiegersöhne die Hand:
„Verzeihe, Sepp, ich könnt' halt n;t anders; aber gern gehabt hab' ich Dich stets; das kannst mir glauben!"
Sepp entgegnete:
„Was ist da zu verzeihen? Laßt's gut fein, Vater."
♦ * ♦
Als man nach ein paar Wochen die Kirchweih in Schwengau beging, da läutete das Armen- fünderglöcklein in Füssen, wo Gigo aufs Schafott geführt ward; er hatte sich auch eines Mordes schuldig gemacht und starb den Tod durch das Fallbeil. Auf einem Karren schob der Henkersknecht den schmucklosen Sarg nach dem Friedhof, wo er abseits eingescharrt wurde.
Jakob Pfilzer war nach Amerika entflohen.
Seine alte Hütte schenkte der junge Dom- bauer einem braven Tagelöhner; er selbst wohnte mit der Mutter nun auf dem neuen Besitzthum, das er weise oerroaüete.
27. Jahrgang-
bielten btt Äanbibat bes Zentrums Schüler 7351, ber nationalliberale Wahlbewerber Rein- Harb 6529 unb ber Sozialbemokrat Heiß 906 Stimmen. Es mußte also eine Stichwahl stattfinden, und die Sozialdemokratie forderte alle ihre Anhänger auf, in ber Stichwahl für ben nationalliberalen Kandibaten ihre Stimmen abzugeben. Das konnte bei dem vorhandenen Stimmenverhältnisse der Hauptwahl dem Centrum gefährlich »erden. Aber bei der Stichwahl am letzten Freitag hat sich gezeigt, über wie viele Stimmen das Centrum eigentlich in dem Wahlkreise verfügt. Der Centrumskandidat Schüler vereinigte, wie schon kurz gemelbet, bei der Stichwahl mehr als 9500 Stimmen auf sich, während der Wahlbewerber ber Nationalliberalen es nur auf einige Stimmen Über 9000 brachte trotz ber Unterstützung durch die Herren „Genossen". Auf das klägliche Versagen der Sozialdemokratie und ihrer Mannschaften in diesem Wahlkreise ist bereits mehrfach hingewiesen worden. Die Stimmenzahl der Sozialdemokratie ist nämlich feit ber Hauptwahl im Jahre 1898 auf bie Hälfte zurückge- gangen. Damals entfielen auf ben sozialdemokratischen Wahlbewerber erheblich mehr als 1800, diesmal nur einige wenige über 900 Stimmen.
* Die schmachvollste Rolle in der Bekämpfung der lex Heinze hat die Sozialdemokratie gespielt. Sie, die so gern an den bestehenden Verhältnissen ätzende Krittk übt und mit Vorliebe über die Schlechtigkeit und die Fehler der Gesellschaft zu Gericht fitzt, sie war eS, welche die energischen Versuche, dem weiteren Umsichgreifen der llnfittlichkeü zu steuern, durch chre fanatische Obstruktion zu Nichte gemacht hat. Und nicht nur das: sie hat auch gegen den Kompromißantrag deS Centrums, wie gegen das ganze Gesetz gestimmt! Sie lehnt also auch bie Bekämpfung des ZuhälterthumS und bei Kupplerwesens, wie bie Bekämpfung unzüchtiger Schriften, Darstellungen usw. ab. Mit an- deren Worten: sie verlangt volle, uneingeschränkte Freiheit für die Unsittlichkeit und Gemeinheit in jeder Form! Eine schamlosere Heuchelei, als die Sozialdemokratie bei dieser Gelegenheit ans parteitaktischen Gründen geübt hat, läßt fich nicht denken. Unb diese Heuchelei wird ihr nicht vergessen werden. Die Vorwürfe, eine Schutztruppe der Börse unbeine Vertheidigerin der Unsittlichkeit zu fein, wirb bie Sozial- bemolratie nie mehr von sich abzuschütteln vermögen.
• Die letzte Dorarveit a« der Ilottea- vorlage ist am Samstag von der Budget- kommission deS Reichstages erledigt worden. Die genannte Kommission ist nochmal- nach der Plenarsitzung Abends 6 Uhr zusammen» getreten, um den Bericht des natl. Abg. Dr. Paasche über die Novellen zum Stempelgesetze und zum Zolltarifgesetze zu genehmigen. Die Flottenvorlage steht bekanntlich am ersten Sitzung-- tage nach ben Pfingstferien, am Mittwoch 6. Juni, zur Berathung in zweiter Lesung.
X Die Kaaalvorkage macht noch immer bie deutschen Blätter unsicher. Von neuem hat der ,Hannoo. Kurier' bie Meldung aufgebracht, bie Vorlage liege fix und fertig im Kabinet des Kaisers, und es ließe sich ihre Er-
In feinen Mußestunden half Sepp fleißig mit auf dem Bauplatz, führte Hacke und Schippe, daß ihm der Schweiß an den Wangen herabfloß, unb scherzte dabei mit Loni, wenn sie über den Hof kam. So hatte man das Fundament und den Keller, der uralt fein sollte, bloßgelegt, al- Sepp plötzlich nach einem tüchtigen Hiebe in den Boden einen Wasserstrahl hoch emporspritzen sah.
„Herr Gott, der Born!" sagte er und rief voll Freude den Bauern herbei.
Der Bauer stand sprachlos, bann faltete er die Hände und betete leise; zu Sepp aber sagte er:
„ES scheint, als ob ich Dir Alles danken sollt'; nun auch den Born! Die alte Zigeunerin hat damals auf dem Maifeste ganz recht gehabt!"
Man spürte nun der Quelle nach unb fand leicht bie Ursache ihres Verstechens Mxch die Hitze und Dürre war daS Erdreich so gehalten, daß der Born nicht nach oben konnte, vielmehr hatte er daS Erdreich durchwühlt. Dabei gerieth man an eine Vermauerung, die abgerissen werden mußte, weil sie nicht mehr sicher war. Da fand denn Martin Straffer daS, was Andere so lange vergeblich gesucht hatten und waS die alte Familien-Chronik anbeutete: den Familienschatz. Einen hohen Kasten voll Gold- und Silbermünzen enthielt bie Höhlung nebst einem Pergament, „daß Martin Straffer, Ortsschulz von Schwengau, dieses für seine Nachkommen wegen der schwedischen und kaiserlichen Reitersknechte, welche wie die Raben stehlen, hier vermauert habe."
Nun ward der Bau rasch gefördert, und zur Weinernte stand der Hof fix und fertig da. Den Born hatte der Bauer nun so fassen lassen, daß