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X Fnlba, 26. Mai.

Nach den langen, wiederholten und hitzigen Kämpfen «m die l»x Heinze ist die Vereinbarung darüber zwischen den Parteien des Reichstages ficher- lich für viele Leute eine nicht geringe Ueberraschung gewesen. Das Centrum und die Konservativen haben ein Zugeständmß damit gemacht, gewiß, daß fie auf den Theaterparagraphen und auf den größten Theil des Kunstparagraphen verzichteten. Aber wenn man sich ansieht, was alles an neuen Bestimmungen in dem ganzen übrigen Theile des Gesetzes enthalten ist, dann steht man sofort, daß es ein barer Unsinn ist, wenn die sozialdemokratischen und andere Blätter mit Triumphgeheul über das Centrum herfallen und dieses in allen Tonarten verspotten wegen seiner angeblichen Niederlage, seines sogenannten Rückzuges, und was der Ausdrücke noch mehr sind. Die Mehrheit des Reichstages hat ein kleines Zugeständniß gemacht und damit das ganze übrige Gesetz ohne weitere Schwierig­keiten in den Hafen gebracht, und damit ist ein starker gesetzgeberischer Schritt voraus gechan auf dem Wege der Bekämpfung der Unsittlichkeit: daS ist die richtige Kennzeichnung der Sachlage, und in diesem Bewußt­sein kann das Centtum mit gleichgiltigem Achselzucken über die Spottreden der Gegner hinweggehen. Eine Erwiderung find diese Spottreden nicht werth!

Nach Erledigung der lex Heinze hat der Reichs­tag rasche Arbeit gemacht. Das Fleischbeschau- Gesetz ist mit 163 gegen 123 Stimmen in dritter Lesung nach dem Kompromißantrage angenommen worden. Also ist die Einfuhr des Pökelfleisches ge­stattet; aber sollte dieses eingeführte Pökelfleisch als gesundheitsschädlich sich erweisen, dann kann der Bundesrath hinterher immer noch diese Einfuhr ver­bieten.

Angenommen hat dann auch der Reichstag die Novelle zum Münzgesetze, und zwar mit sehr starker Mehrheit; und ebenso hat auch die Novelle zur Gewerbeordnung mit starker Mehrheit An­nahme im Reichstage gefunden. Jetzt sollen vor Pfingsten noch die neuen Unfallversicherungsgesetze in dritter Lesung erledigt werden.

Im preußischen Abgeordnetenhause ist das Gesetz über die Besteuerung der Waaren- häuser angenommen worden, aber nicht nach den Vorschlägen der Kommission, sondern in allen Haupt­stücken nach der Fassung des ursprünglichen Regie­rungsvorschlages, also in einer Form, die den Waaren- häusern erheblich günstiger ist als die Anträge der Kommission. Das ist zu bedauern, aber es war nichts daran zu ändern; denn die Minister von Miquel und Berlepsch setzten allen weiter gehenden An- trägen ein beständiges „Unannehmbar" entgegen. So­mit bleiben die Filialen unbesteuert, und es hat sein Bewenden dabei, daß nur vier Waarenparagraphen angenommen werden, von denen natürlich jeder außer­ordentlich groß gefaßt ist. Ter Steuer aber unter­liegt nur derjenige, welcher mit Maaren aus mehr als einer solchen Waarengruppe handelt. Die Waaren- hausbesitzer werden sich schon danach einzurichten verstehen!

Heber dem Morde in Könitz schwebt noch immer geheimnißvolles Dunkel. Schwer belastet scheint der jüdische Schächter Lewy in Könitz zu sein. Aber von bestimmten Anhaltspunkten, die Aufschluß geben könnten über die Person des eigentlichen Mörders, ist noch nichts bekannt geworden.

Ein wichtiger Gesetzentwurf ist dem bayerischen Landtage zugegangen: ein Entwurf über Z w a n g s- erziehung Minderjähriger. Nach dieserVor- lage kann die Zwangserziehung auch verfügt werden, wenn fie zur Verhütung des völligen sittlichen Ver­derbens des Minderjährigen nothwendig ist. Sie soll jedoch nach Vollenvung "des 16. Lebensjahres eines Minderjährigen nur in besonderen Fällen angeordnet werden dürfen. Nach dem bayerischen Entwürfe soll die Heimathgemeinde die ganzen Kosten tragen, während in Preußen nach dem Beschlüsse der zweiten Lesung im Abgeordnetenhause der Staat drei Viertheile der Kosten auf sich nehmen soll. Herr Minister von Miquel will nur zwei Drittheile be­willigen, und übet diesen Streitpunkt muß noch eine Einigung bis zur dritten Lesung erzielt werden, die erst nach Pfingsten stattfinden wird.

In der württembergischen zweiten Kammer ist wieder einmal die Rede gewesen von den Eisenbahntarifen, diesmal aber nur von den süddeutschen. Aus den Erklärungen des Minister­präsidenten Frhr. von Mittnacht ist zu ent­nehmen, daß es auch mit einer süddeutschen Tarif­gemeinschaft noch schlimm genug aussieht: seit April 1899 hat man von der Verwaltung der Reichseisen­bahnen überhaupt nichts mehr gehört, und Baden will seine Kilometerhefte beibehalten, die die anderen süd­deutschen Staaten nicht haben wollen. Zunächst scheint nur eine gewisse Uebereinstimmung zwischen Bayern und Württemberg erzielt zu fein. Daraus kann man don neuem entnehmen, wie außerordentlich weit wir noch von einer Reichstarifreform entfernt sind!

Das österreichische Abgeordnetenhaus wird tyrannistrt von der Obstruktion der Tschechen. In mehreren Sitzungen nach einander ist man gar nicht erst dazu gekommen, die Gegenstände °er Tagesordnung überhaupt nur in Angriff zu "ehmen. Jedes Mal wurden sechs bis sieben Stunden verbracht mit der Debatte über allerhand geschäfts-

27. Jahrgang.

Jutta, Samstag, dm 26. Mai 1900.

Ilnterhakümgs-Meikage „Mstrirle SonntagsZettungk

ordnungsmäßige Vorfragen der Tschechen. Daß man sich unter solchen Umständen mit dem Gedanken einer Auflösung des Abgeordnetenhauses beschäfttgt, liegt auf der Hand. Aber bestimmte Beschlüsse darüber scheinen noch nicht gefaßt zu sein. Nach einer ver­einzelten Nachricht sollte Ministerpräsidentv. Körber die Ermächttgung zur Auflösung vom Kaiser bereits erhalten haben. Spätere Meldungen haben dies wiede­rum in Abrede gestellt.

In Italien hat man kurzen Prozeß gemacht. Dort ist die Deputirtenkammer wegen der Obstruktion der Sozialdemokraten und Radikalen bereits aufgelöst worden. Am 2. Juni sollen die Neuwahlen statt- finden. Aber ob die Regierung damit gute Geschäfte machen wird, ist recht zweifelhaft. Sehr viele Leute, auch solche, die sonst auf der Seite der Regierung stehen, sind der Ansicht, der Ausfall der Wahlen werde der Regierung nicht günstig sein. Dann müßte auch Herr Pelloux seine Koffer packen, und der König müßte es mit einem Ministerium versuchen, in dem auch die Radikalen und Sozialdemokraten eine Rolle spielen.

Jetzt kennt man den Ausfall der französischen Gemeindewahlen genau. Besieht man sich diesen Wahlausfall für ganz Frankreich, so merkt man, daß die Erfolge, die von den Nattonalisten in Paris erzielt wurden, sehr vereinzelt sind. In ganz Frankreich wurden 24,832 republikanische und 153 nationalistische Gemeinderäthe gewählt, außerdem 8519 Monarchisten; die Erfolge der Nationalisten beschränken sich eben fast allein auf Paris, und im allgemeinen hat die Zahl der republikanischen Gemeinderäthe sogar zugenommen. Nichtsdestoweniger haben die Nattonalisten aus den Pariser Erfolgen den Muth hergenommen, einen neuen Ansturm gegen das Kabinet Waldeck-Rousseau zu ver­suchen — schwerlich mit Glück. In einem Punkte rann die französische Regierung ebenso wie die Depu­tirtenkammer als Muster gelten, nämlich in der früh­zeitigen Erledigung des Budgets: das Finanz­ministerium hat das Budget für 1901 bereits fertig gestellt, so daß die Berathung desselben in diesen Tagen in der Kammer beginnen kann. Diese letztere hat am letzten Dienstag ihre Sitzungen wieder aus­genommen.

Die vlämische Sprachenbewegung hat zu einem ernsten Zwischenfall in Brüssel geführt. Am letzten Sonntag hatten sich mehrere Bürgergardisten geweigert, den französisch ertheilten Befehlen zu ge­horchen; und am Montag wurde an den Komman­danten das ausdrückliche Verlangen gestellt, vlämisch zu kommandiren. Der Kommandant kam dem Ver­langen nicht nach, sondern schickte die Leute nach Hause. Diese aber mischten sich unter die Menge und verursachten einen Auflauf derselben, so daß es zuletzt zu einem Handgemenge kam zwischen dem Publikum und dem anderen Theile der Bürgergarde. Nur schwer gelang es, die Streitenden zu trennen.

In der Schweiz hatte die Bundesversammlung fast einstimmig ein Gesetz angenommen über die Ein- sührung einer allgemeinen Kranken-, Unfall-und Militärversicherung. Aber das Schweizer Volk ist anderer Ansicht als sein Parlament: die vor­genommene Volksabstimmung hat 337,575 Stimmen gegen und nur 146,629 Stimmen für das Gesetz ergeben, so daß dieses abgelehnt ist. Und dabei verlangt dasselbe schweizerische Volk vor zehn Jahren auf demselben Wege der Volksabstimmung mit gewal­tiger Mehrheit die Einführung einer Kranken- und Unfallversicherung! Die neue Abstimmung ist kein Ruhm für das schweizer Volk.

Die Nachricht, daß die Buren Mafeking erobert hätten, war leider nicht richtig: umgekehrt stimmt es, nämlich die Buren haben am 17. Mai die Belagerung dieser Stadt aufgeben müssen. Diese Be­lagerung dauerte seit dem 15. Okwber l899, und das Feuern auf die belagerte Stadt ist von den Buren eigentlich nur an Sonntagen eingestellt gewesen. Mehrere Entsatzversuche der Engländer mißglückten, bis nun endlich ein britisches Entsatzheer von 3000 Mann, das von Süden her anrückte, die Stadt be­freite. Inzwischen find die Burengesandten von Holland aus in Nordamerika angekommen und glänzend in Washington empfangen worden. Ein Senator sagte, neun Zehntel der Amerikaner seien für die Buren — wenn diesen das nur wirklich etwas nützen möchte!

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II.

In den letzten Jahren ist in Deutschland von katholischer Seile der Gedanke angeregt worden, einen Verein zu gründen, um jungen Katholiken die Studien zu erleichtern, sie in die höhere Be­amten- und Gelehrtenkarriere zu bringen, dadurch das Ansehen und den Einfluß der Katholiken zu heben und eine größere Zahl derselben, die aus bescheidenern Familien kommen, in die bessern Ge­sellschaftsklassen zu bringen. So löblich nur dieser Gedanke auch sein mag, ist er einseitig und geht von falschen Voraussetzungen aus. Er hält für die Ursachen des allgemeinen Aufschwunges der Katholiken, was eigentlich die Folge des­selben sein wird. Nicht einzelne Katholiken, die in höhere Beamten- und Gelehrtenkarrieren ein- rücken, — und deren werden in Deutschland immer nur wenige fein — sondern die Verschiebung des Reichthums nach katholischer Seite wird den Ein­fluß der Katholiken vergrößern, und diese Ver­schiebung werden die zahlreichen kath. Beamten und Gelehrten nicht bewirken, sondern Handel und Industrie, wie in dem ersten Artikel schon gesagt

wurde. Denn seiner Natur nach ist der Stand der Beamten, Richter, Gelehrten u. s. w. nicht gelderwerbend, während der Kaufmanns- und Jn- dustriellenstaud von Natur aus gelder­werbend ist. Sind nun die Katholiken allgemein durch Handel und Industrie reicher geworden, so werden naturgemäß ihre Söhne, die dazu Lust haben und für die Anstellung in dem Geschäfte ihrer Väter überflüssig find, sich sowieso kn ge­lehrten Berufen zuwenden, und werden dies kraft der Mittel, welche ihren durch Handel und Industrie reichgewordenen Vätern im Ueberflusse zu Gebote stehen, leicht thun können, ohne etwa« von den Nahrungssorgen zu verspüren, die unbemittelten Studenten unausbleiblich find.

Dies können wir bei den Juden konstatiren. Im Handel und in der Industrie haben fie, wie jeder­mann weiß, eine sehr hervorragende Stellung, — man braucht nicht weit zu gehen, um zu sehen, daß sie immermehr die Christen aus den bessern Geschäften verdrängen — und den gelehrten Studien widmen sich verhältnißmäßig am meisten die Juden. Nun wird aber Niemand behaupten wollen, die Juden werden reich, weil sie studiren, sondern sie studiren, weil sie sich das leisten können und hierzu sich im Handel das nöthige Geld erworben haben.

Es ist also ganz verfehlt, feine Söhne alle in« Gymnasium und nur ins Gymnasium zu stecken. Es ist dies vorerst ein alter Zopf noch aus der Zeit her, wo es als Bildungsanstalteu nur Gym­nasien gab, wo Fabriken, industrielle Großbetriebe noch nicht aufgekommen waren und nur das Hand­werk existirte, wo man von Ingenieuren, Chemikern, Elektrotechnikern, Fabrik- und Bergwerksdirektoren wenig wußte, und es als höchstes Streben einer Familie galt, ihre Söhne zu Geistlichen, Beamten, Richtern und Aerzten u. f. w. ausbilden zu lassen, in der Meinung, dies seien nicht nur die ehren­haftesten, sondern auch die einträglichsten Berufe. Verfehlt ist es auch, zu meinen, ein jeder Knabe eigne sich für das Gymnasialstudium. Väter und besonders Mütter sind oft blind in Bezug auf die Fähigkeiten ihrer Kinder und wollen dieselben in einen gelehrten Beruf hineinzwingen, ohne jede Berücksichtigung ihrer Begabung und ihrer Nei­gungen.

Einen jungen Mann mit geringen Mitteln zum Arzt, zum Richter, zum Professor auszubilden, heißt denselben oft auf lange Jahre dem glänzenden Elende aussetzen. Wie lange muß z. B. ein junger Arzt oft warten, bis er eine Kundschaft hat, an der er nicht ein glänzendes, sondern ein für sich und feine Familie hinläng­liches Einkommen verdienen kann! Wir könnten ein kleines Städtchen von 2000 Einwohnern nennen, wo ein Arzt wohnte und wo noch vier Aerzte aus der Umgegend praktizirten. Der Arzt hatte alle Mühe, sich ehrlich und redlich durchzu­schlagen. Nach seinem Tode bewarben sich sage und schreibe 8 Aerzte, darunter mehrere ver- heirathete, um die erledigte Praxis. Sicher waren die auch nicht auf Rosen gebettet. Und doch läßt sich das Volk durch den äußeren Schein täuschen, glaubt an die ungeheuren Einnahmen des Arztes. Hat ja doch erst kürzlich bei dem Militärbefrei­ungsprozesse Elberfeld einer der dort erschienenen Aerzte erklärt, daß fein jährliche« Ein­kommen sich auf nur 1500 Mark belief. Ist da nicht ein Handwerker besser daran?

Schlimmer sind ja noch vielleicht die I u r i st e n gestellt, die bis Mitte ihrer dreißiger Jahre warten müssen, um dann als Richter mit einem kleinen Gehalte zu beginnen. Wie viel heimliche Noth muß solch ein junger Mann während seiner Assessorenzeit aushalten, wenn er von Hause aus unvermögend ist, wie viel Noth folgt ihm noch bis in seine Stellung hinein, wenn er erst gegen feine vierzig Jahre daran denken kann, die Studien­schulden, die er noch hat, abzubezahlen. Das alles sieht da« Volk nicht. Es sieht im Arzt, im Richter große Herren mit noch größern Gehältern, es sieht den äußern Glanz und die äußere Ehrung, es sieht den Titel und bedenkt nicht, daß dies oft, nicht immer, ich spreche nur von solchen, die kein persönliches Vermögen haben, daß dies oft nur die Hülle über einem darbendem Leben ist. Kommen nun in einer solchen Familie die Kinder, müssen die Söhne wieder etwas lernen und die Töchter untergebracht werden, so ist für die gedrückten Verhältnisse fein Ende abzusehen.

Es ist für uns Katholiken die höchste Zeit, in dieser Hinsicht von den alten Anschauungen abzu­lassen und den modernen Erfordernissen und Fort­schritten uns anzupassen, nicht mehr im Gymnasium allein die passende Bildung, und nur in den sogenannten gelehrten Berufen die ehrenhaften und einträglichen Stellungen zu suchen, sondern uns der mächtigen modernen Bewegung in der In­dustrie und der Technik anzuschließen und uns einen Platz am reichbesetzten Tische des heutigen industriellen Erwerbslebens zu erobern.

Eine technische und industrielle Ausbildung ist weniger kostspielig als da« Gymnasial- und

Univerfitätsstudium und ist auch für weniger be­mittelte Leute erreichbar. Es ist uns hier an dieser Stelle unmöglich, auf die Vorbildung, Kosten, Studiendauer u. f. w. der zahlreichen technischen Anstalten, Baugewerk- und Maschinenbauschulen und wie sie alle heißen mögen, einzugehen, wir begnügen uns mit einer kurzen Mittheilung aus dem „Programm der König!. Vereinigten Maschinen­bauschulen zu Dortmund", und stellen es unfern verehrten Lesern, die sich näher darüber unter­richten möchten, anheim, von den verschiedenen Anstalten sich die Programme zu erbitten, die auch bereitwillig und unentgeltlich zugesandt werden.

Die Königliche« Vereinigten Maschinenbau- schulen gliedern sich in drä Abtheilungen: 1. Höhere Maschinenbauschuls; 2. Maschinenbau- schnle; 3. Abend- und Sonntagsschule für Ma- schinenbauer.

1. Die höhere Msschineubauschule soll Betriebsbeamte für Maschinentechnik und die mit ihr verwandten Facher, sowie Mafchinen- techniker für KonstruftionZbureaux heranbilden und künftigen Besitzern und Leitern rnaschinen- technischer Anlagen die Gelegenheit zum Erwerbe der erforderlichen technischen Kenntnisse und Fertigkeiten geben.

Sie besteht aus vier Klaffen, jede Klaffe mit einem halbjährigen Kursus. Jedes Schuljahr umfaßt durchschnittlich 20 Wochen mit 42 Unter- richtsstunden in der Woche. Die vollständige Ausbildung dauer somit 2 Jahre.

Jeder der in die höhere Maschinenbauschule Aufzunehmenden muß das Zeugniß für den ein­jährig-freiwilligen Militärdienst besitzen und 2 Jahre in einer Werkstatt ober Fabrik (Ma­schinenbauwerkstätte oder Eifenbahnwerkstätte) praktffch gearbeitet haben.

Der Schüler erhält am Schluffe jedes Schul­halbjahres ein Zeugniß. Schüler, welche die oberste Klaffe absolvirt haben, werden zur Reifeprüfung zugelaffen und erhalten, wenn sie dieselbe bestehen, ein Reifezeugniß.

In erster Linie bezweckt die höhere Maschinen­bauschule die Ausbildung von Technikern für die Privatindustrie, jedoch bereitet sie die Schüler auch zu den mittleren technischen Beamtenstellen (j. B. zu Eisenbahnbetriebsingenieuren) im Staatsdienst vor.

Die Aufnahme neuer Schüler findet jährlich zweimal statt, zu Ostern und im Herbst.

Das jährliche Schulgeld beträgt 150 Mark. Auswärtige Schüler wohnen in Privathäusern und bezahlen für Kost und Logis monatlich 55 Mark im Durchschnitt. Sie dürfen ihre Woh­nung nur mit Genehmigung des Direktors wählen und verändern. Das Wohnen in Wirths- Häusern ist untersagt.

Bedürftigen Schülern kann aus dem Stipen­dienfonds der Werkbesitzer eine Unterstützung in Geld gewährt werden.

2. Für den Eintritt in die König!. Maschineu- bauschule find die Bedingungen leichter. Von den vorstehenden unterscheiden fie sich dadurch, daß der Aufzunehmende nur eine Volks­schule besucht haben muß, dagegen 4 Jahre praktisch gearbeitet hat. Der Unterricht an der Maschinenbauschule dauert zwei Jahre, das jähr­liche Schulgeld ist 60 Mark. Alle übrigen Bestim- mungen find roie oben. Das Weitere übergehen wir.

In obigen Aussührungen wollen wir, indem wir auf die Ausnahme- und Studienbedingungen einer einzigen Anstalt hirrwiefen, die katholischen Eltern anregen, sich für die Ausbildung ihrer Söhne in den heutigen industriellen Berufen mehr als bisher zu interessiren und sich nach technischen Anstalten umzusehen. In katholischen Kreisen kennt man die technische Karriere viel zu wenig, ober die jungen Leute scheuen die anfangs recht schwere praktische Arbeit. Auch manche besorgte Mutter kann es nicht übers Herz bringen, ihr verzogener Söhnchen auf eine Werkstatt zu schicken; manche Eltern würden es auch als eine Erniedrigung ansehen, so etwas zu thun. Die Zeiten sind nun einmal anders geworden; neue und einträgliche Erwerbsstände find aufgekommen, in die auch wir Katholiken eintreten müffen, und dazu gehört meistens nichts als die Ueberroinbung verknöcherter Vorurtheile unb eines falsch Derftanbenen Ehrgefühls.

Römische Briese.

xxx.

□ Rom, 21. Mai 1900.

Auf dem politischen und parlamentarischen Gebiete bot uns die oerfloffene Woche viel In­teressantes. Sie brachte Vielen eine Ent­täuschung, denn die so schön mit Sang und Klang wieder aufgenommenen Sitzungen der Deputirten­kammer haben plötzlich aufgehört. Was das „Land" schon seit Langem eingesehen hatte, be­griff auch endlich die Regierung. Erst die Ver­tagung und dann die am nächsten Tage daraus erfolgende Auflösung des Parlamentes waren die