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mit Nnterhalttmgs-Mnkage „Ilkuffnrte Sonntags-Ierdmg?

27. Jahrgang.

JuLöa, Samstag, den 26. Mai 1900.

M 120.

Deutsches Keich.

Berlin, den 25. Mai.

" Die halbamtliche .Berliner Korrespondenz, schreibt über die HSstrnKtio» im Neichslage: „Die Opposition der Reichstagsminderheil hat anläßlich der dritten Beralhung der sogenannten lex Heinze die Form einer Obstruktion angenom­men, von der das deutsche Parlament bisher glücklicherweise bewahrt geblieben war. Es ist dieser Obstruktion gelungen, die Mehrheit zu einem Zurückweichen zu veranlassen. Da der strittige Gesetzentwurf inzwischen eine parlamen­tarische Erledigung gefunden hat, die von der überwiegenden Mehrheit im Reichstage gebilligt ist, soll auf die sachlichen Streitpunkte hier nicht eingegangen werden. Gleichwohl behalten die Vorgänge der jüngsten Zeit doch ihre tief­gehende und ernste Bedeutung für unsere ganze parlamentarische Zukunft. Wenn die Vergewaltigung der Mehrheit diesmal von einer Minderheit ausgegangen ist, die sonst sich als die Vertreterin gerade des parlamen­tarischen Mehrheitsprinzips bekennt, so liegt die Gefahr um so näher, daß der einmal beschrittene verhängnißvolle Weg der Obstruktion auch bei anderer Gelegenheit und auch Gesetzentwürfen gegenüber eingeschlagen werden könnte, die geradezu vitale Interessen des Reiches und des Staates berühren. Alle Politiker, denen eine gesunde Entwickelung unseres parlamentarischen Lebens am Herzen liegt, werden sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß eine Wieder­holung der Obstruktion nur die Folge haben könnte, unsere Gesetzgebung zu gefährden und schließlich lahmzulegen. Innerhalb der Mehrheit des deutschen Parlamentes wird mithin, wie er- wartet werden darf, die Ueberzeugung immer mehr erstarken und sich vertiefen, haß derartige Vergewaltigungen der Mehrheit durch die Minder­heit für die Zukunft ausgeschlossen sein müssen." — Das klingt beinahe so, als wolle man von oben her dem Reichstage eine Aende- rung seiner Geschäftsordnung empfehlen.

ft, Aas preußische Avgeordneteuyaus soll, wie bekannt, nach Pfingsten am 7. Juni wieder mit seinen Sitzungen beginnen. In dieser ersten Sitzung nach Pfingsten soll die Interpellation Brönul - Langerhaus wegen des Großschifffahrtsweges Berlin - Stettin auf die Tagesordnung gesetzt werden. Danach soll sofort der Gesetzentwurf über die Verhütung der Hoch­wassergefahren in Schlesien in zweiter Berathung an die Reihe kommen.

X Der Aericht aas der Audgel-Kom- Misfioa üver die Ilottea-Dorkage, verfaßt vom Abg. Müller-Fulda, ist am heutigen Frei­tage im Reichstage bereits vertheilt worden. Der Bericht gibt ein außerordentlich klares, bestimmtes und anschauliches Bild über die Berathungen und ihren Entwickelungsgang in der genannten Kom­mission. Um die Beschlüsse der Kommission noch einmal zu wiederholen, soll nach dem neuen Flotten­

Der Moserchof.

Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cassau 16 ------ (Nachdruck verboten.)

Sepp war ganz betäubt; was hatte doch das alles zu bedeuten? Als er aber nun ins Haus schreiten wollte, verneigte sich der Mann mit dem Buche vor ihm und sagte:

„ßerr Joseph Ropp, hiermit gebe ich Ihnen das RechnungSbuch über die seit dem 3. d. Mts. geführte Wirthschaft des Gutes. Genehmigen Sie gefälligst, das Ganze zu prüfen!"

»Sie irren sich gewiß; ich bin nicht Besitzer dieses Hofes, sondern wünsche zum Prinzen Adal­bert zu kommen, zu dem ich gerufen bin!"

»Er ist hier!" tönte plötzlich die wohlbekannte Stimme desselben; gleichzeitig trat der Prinz heraus. „Ich wollte mich an Deiner Freude foben, lieber Sepp, denn Du bist bier durch­aus auf Deinem Eigenthume!"

Sprachlos Gand der Angeredeke da. Er Nahm willenlos den Notariatsakt, den ihm der Intendant jetzt entgegenhielt; mechanisch las er den Ve.rkaufsabschluß und die angehängte Schenkungsurkunde deS Prinzen. Er las und es u>ar ihm, als wäre er es gar nicht, der läse, handelte es sich um einen ganz Andern. Pwtzlich wurde er kreideweiß und brach zusammen: ®“*e Ohnmacht war die Folge der verschiedenen Andrücke, die plötzlich auf ihn einstürmten. Jetzt »rat auch der Pfarrer hinzu:

L* »Wein, schnell Wein!"

••ISepp erholte sich bald.

Gesetze die Flotte bestehen aus der Schlacht- Flotte, der Auslands-Flotte und der Material-Reserve. Die Schlacht-Flotte soll verstärkt werden und soll danach m Zukunft be- tehen aus 2 Flotten-Flaggschiffen, 4 Geschwadern u je 8 Linienschiffen, 8 großen und 24 kleinen Kreuzern als Aufklärungs-Schiffe. Die Verstär­kung der Auslands-Flotte ist von der Kommission abgelebnt worden und soll bestehen aus 3 großen und 10 kleinen Kreuzern. Die Material-Reserve oll zusammengesetzt werden aus 4 Linienschiffen: 3 großen und 4 kleinen Kreuzern. Die wichtig- 'ten Finanz-Paragraphen lauten wie folgt: § 5. Die Bereitstellung der zurAusführung dieses Gesetzes erforderlichen Mittel unterliegt der jähr- ichen Festsetzung durch den Reichshaus- ralts-Etat. § 6. Insoweit vomRechnungs- ahre 1901 ab der Mehrbedarf an fortdauernden and einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats der Marine-Verwaltung den Mehrertrag der Reichs- Stempelabgaben Über die Summe von 53,708,000 Mark hinaus übersteigt und der Fehlbetrag nicht n den sonstigen Einnahmen des Reiches seine Deckung findet, darf der letztere nicht durch Erhöhung oder Vermehrung der indirek­ten, den Massenverbrauch belastenden Reichsabgaben aufgebracht werden. Vorläufig st in Aussicht genommen, die zweite Berathung der Flotten-Vorlage am 6. Juni auf die Tages­ordnung des Reichstages zu setzen. Der Bericht des nationalliberalen Abgeordneten D r. Paasche über die Novellen zum Reichs-Stempelgesetze und zum Gesetz? über den Zolltarif ist noch nicht fertig gestellt. Man hofft, bis Frohnleichnam die Tagung chli-ßen zu können.

• Woch ein netter Hesetzenltvnrf ist dem Reichstage zugegangen. Der Bundesrath hatte im vergangenen Jahre durch Gesetz die Er­mächtigung erhalten, den Angehörigen und den Erzeugnissen Englands und seiner Kolonieen bis zum 30„ Juli 1900 die Vortheile der Meist­begünstigung zu gewähren. Es ist zweifelhaft, ob die Verhandlungen mit England wegen eines neuen Handelsvertrages bis zu dem genannten Zeitpunkte zum Abschlüsse gelangen werden. Des­wegen ist dem Reichstage eine neue Vorlage wegen Verlängerung jenes gegenseitigen Ver- hältniffes zugegangen.

+ Die Kohtennolh ist nicht etwa ein Überwundener Standpunkt geworden, wie man glauben könnte infolge der vollkommenen Unthätig- keit der Regierung gegenüber den wiederholt er­hobenen Forderungen, die Vergünstigungen an Frachtsätzen für die Ausfuhr der Kohlen nach dem Auslande aufzuheben. „Erwägungen" darüber schweben angeblich nach früheren Aeußerungen des preußischen Verkehrsministers v. Thielen im Reichstage bereits seit dem Januar; aber man hört von diesen sogenannten „Erwägungen" immer nur dann etwas, wenn von neuem in einem Parla­mente Nachfrage danach gehalten wird. Nur heißt es dann stets, die Erwägungen seien sehr schwierig und noch immer nicht beendet. Die Kohlennoth ist aber jedenfalls noch nicht beendet, wie wiederum sehr klar und deutlich aus einem Falle hervorgeht, der durch die .Deutsche Tages­zeitung' seinen Weg in die Orffentlichkeil findet: ein Gutsbesitzer in Ostpreußen bemühte sich um einige tausend Centner Nußkohlen, zu liefern von

„Königliche Hoheil," sagte er mit tiefer Be­wegung. „das haben Sie gethan, kein Anderer Mein Mütterlein, holt mein Mütterlein herbei!"

Allen standen die Thränen in den Augen, als der gute Sohn so sprach. Der Prinz winkte und schon flog der Wagen davon.

Nun trat eine Magd vor, knixte züchtig und begann:

„Zieht ein mit Gott in Euer Haus, Woselbst er möge treiben 'naus Unglück und Sorg', und halten fern, WaS Ihr da drinnen seht nit gern!"

Hierauf drängte sich der Großknecht in den Vordergrund und sprach die Worte:

„Der neue Herr sei unS willkommen;

Zu seinem Nutz und seinem Frommen

Sind wir zur Arbeit stets bereit;

Geb' Gott ihm hier nur frohe Zeit!"

Sepps Augen wurden feucht und sein nächster Gedanke war: „Könnte doch Loni das mit mit feilen!" Der Prinz schien in seiner Seele zu lesen, denn er flüsterte Sepp zu:

„Jetzt kommt der zweite Akt und willS Gott, so erhälst Du die Loni noch heute. Waitsch — fo war der Name des Leibjägers — ist der Hochzeiter da?"

„Im Hause, Königliche Hoheit!"

Der Prinz verschwand, der Leibjäger aber meinte vertraulich gegen Sepp:

„Neulich beneidetet Ihr mich, Herr Ropp, heute beneide ich Euch, solch' Glück kommt nicht an Unfeteinen!"

Seine weiteren Ergießungen wurden abge- schnitten durch daS Erscheinen der bekannten Figur deS Hochzeiters im Frack und hohen Hut, Überall

Mai bis Oktober, erhielt aber Überall die Aus­kunft, die Lieferung sei nicht möglich. Wenn )erlei im Sommer geschieht, was soll dann m Winter werden? Wahrscheinlich wird es >ann noch häufiger als im letzten Winter vor- omrnen, daß sogar kleine Leute nicht immer die ihnen unerläßlich nothwendige Hausbrandkohle auftreiben können. Ist das wirklich die richtige Pflichterfüllung der Regierungen gegenüber drängenden Volksbedürfniffen?

Berkin, 26. Mai. Wie der .Reichs-Anzeiger' meldet, hörte der Kaiser heute Vormittag im Gelände üblich von Wiesbaden die Borträge des Ministers von Thielen, des Regierungs-Präsidenten Dr. Wetzel, des Polizeipräsidenten Prinzen von Ratibor, sowie des Oberbürgermeisters Dr. von Jbell über die Um­gestaltung der gesammten Bahnhofs-Anlage der Stadt und nahm später im Schloß die Borträge des Chefs des Militärkabinets von Hahnke und des Chefs des Zivil- kabinets von Lucanus entgegen. — Im besonderen Austrage des Kaisers hat sich der ,Post' zufolge Legattons­rath von Etzdorf-Elbing nach London begeben. Derselbe wird sich zunächst bei der deutschen Bot- chast melden und dann nach Windsor weiter reisen, um dort von der Königin Viktoria empfangen zu werden. Die Reise stellt sich als eine vertrauliche Mission dar, zu welcher Herr von Etzdorf persönlich in Ucville vom Kaiser Auftrag erhalten hat. — Die Reichstagssession soll nach dem gestrigen Beschluß des Seniorenkonvents bis zum 13. Juni zum Ab- chluß geführt werden, da sonst am Fronleichnams­age in Rücksicht auf die katholischen Mitglieder des Hauses die Sitzung wieder unterbrochen werden müßte. — Im Herrenhause sind Plenarsitzungen für den 18. Juni und folgende Tage in Aussicht genommen. — Nach Anordnung des Kaisers aus Urville erhalten die Stabsordonnanzen die Uniform der Jäger zu Pferde, bei der Garde mit dem Abzeichen der Garde- Jäger zu Pferde, bei den Provinzialarmeekorps mit der Nummer des Armeekorps in römischen Ziffern auf den Schulterklappen und Schabracken. — In der Wohnung des Sradtverordneten-Vorstehers Dr. Laugerhans tnb heute Morgen anläßlich seines heutigen 80. Ge- mrtstages zahlreiche Glückwunsch - Telegramme und Blumenspenden eingetroffen. Eine Reihe von Depu­tationen brachten dem Jubilar ihre Glückwünsche dar. Eine Deputation des Magistrats und der Stadtverord- neten-Bersammlung überbrachte den Ehrenbürgerbrief der Stadt Berlin. Gegen 12 Uhr erschien der Bizr- Präsident des Reichstages Schmidt-Elberfeld mit einigen Herren der freisinnigen Bolkspartei, um im Namen der­selben zu gratuliren. Auch Fürst Hohenlohe gedachte des Tages. Der Reichskanzler hat den jüngsten Ehren­bürger Berlins jim Kreise der Achtziger" willkommen geheißen. f

* Karlsruhe. 26. Mai. Bei der Reichs­tag Swa hl im Wahlkreise Offenburg-Oberkirch- Kehl wurde Schüler (Centrum) mit 9534 Stimmen gewählt, Reinhard (ntl.) erhielt 9048 Stimmen.

* HSeraurmergar», 25. Mai. Die gestrige erste öffentliche Aufführung des Passiv ns- spieleS verlief trotz des schlechten Wetters in Überaus großartiger Weise. Die gewaltige Halle, die ungleich größer ist, als die alte, war nament­lich von Engländern und Amerikanern besetzt. Sowohl ChristuS Lang wie Chorführer Mayr und Rust fanden geradezu beispiellosen Erfolg. Das Publikum verließ gegen »/.6 das Schauspiel in enthusiasmirter Stimmung. Es hat sich ge­zeigt, daß die Oberammergauer auch diesmal ihrer Aufgabe voll und ganz gerecht geworden sind.

Ans dem Reichstage.

w 202. Sitzung vom 26. Mai 1900.

Bor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt Präsi­dent Graf Ballestren» in ehrenden und herzlichen ■■■MM——— behangen und geschmückt mit langen bunten Seidenbändern. Er kam mit dem Prinzen aus dem Hause und setzte sich direkt nach dem Rosenho in Bewegung.

„Halte Dich bereit, Sepp," bemerkte der Prinz, „wir müssen sogleich in den Rosenhof!"

Vorerst traten sie in daS Haus, das hübsch restourirt war; dort nahm Sepp die Glückwünsche des Pfarrers, des Notars und des Intendanten, die hier versammelt waren, entgegen. Ihm war dabei zu Sinne, als sei das alles nur ein Traum; er sah die Personen wie durch einen Flor, bis der Wagen vorfuhr und sein Mütterchen brachte. Sepp flog ihr durch die Reihen des Gesindes entgegen und erzählte der alten Frau in fliegender Hast all sein Glück. Der Pfarrer aber meinte:

„Wer feine Eltern so ehrt, dem muß es hier auf Erden schon wohlergehen!"

Inzwischen stärkte sich die ganze Gesellschaf durch ein Glas Wein, das man auf das Woh des neuen Gutsherrn tränt. Dem Gesinde aber war vorsorglich schon Bier in reicher Fülle zur Verfügung gestellt. *

Martin Straffer war heute schon früh auf. Mißmuthig sagte er Elisabeth guten Morgen, mißmuthig fragte er nach Toni; bann ging er hinaus, die Arbeiter zu kontrolliren, denn die Aufräumungsarbeiten waren längst im Gange. Es war etwa 9 Uhr. Ehe sich der Alte zum Frühstück niederfetzte, kam Loni mit einem Strauß Alpenblumen:

„Grüß Gott, Vater; ich gratulir auch schön zu Deinem 50. Geburtstage. Möge die zweite

Worten des freis. Abg. Dr. Langerhaus, der heute einen 80. Geburtstag begeht. Sein Platz ist durch inen Blumenstrauß geziert. Der Herr Abgeordnete elbst ist indessen nicht anwesend.

Der zweite Nachtragsetat für 1900 mit der Forde­rung von 2 Millionen für ein neues Kabel nach England wird in dritter Lesung bewilligt, nach­dem Geheimrath v. Kydorv aus dem Reichspostamte auf eine Anfrage des freis. Abg. Eickhoff den Be- cheid gegeben hat, daß dieses Kabel gemeinsames Sigenthum der Staaten Deutschland und England sein oll und den Telegraphengesellschaften, die dasselbe be­nützen dürfen, keinerlei Miteigenthumsrecht oder Ga­rantie eingeräumt sei.

Es folgt die dritte Berathung der Unfallver- icherungs - Gesetze. In der Generaldis­kussion kündigt der sozialdemokratische

Abg. Mokkeuvuhr an, daß seine Partei auch diesmal wieder allerhand Abänderungsanträge einge­bracht habe, um die Gesetze zu „verbessern". Seine ’ Sottet könne diese Gesetze in der in zweiter Lesung be- chlofleuen Fassung jnicht als Verbesserungen der geltenden Gesetze betrachten.

Abg. ZtösiSe-Deffau (wildlib.) bestreitet ganz ent« chieden die Richtigkeit dieser letzteren Bemerkung. Die Wahrheit ist genau im Gegenthetl zu finden: die neuen Gesetze bringen Verbesserungen für Arbeitgeber und ür Arbeiter, am meisten für diese letzteren. Wer diese Berbeffetungert zu Gunsten der Arbeiter ablehnen wollte, würde der Sache der Arbeiter einen sehr schlechten Dienst leisten.

Abg. Dr. Hertel (kons.): Man darf die Lasten nicht vergeffen, die dem Unternehmer neu aufgebürdet werden. Der große Unternehmer kann sie leicht tragen, aber die kleinen Unternehmer aus dem Mittelstände muffen dieselben ohne Zweifel sehr drückend empfinden. Am schwersten indessen hat ohne Zweifel die Land- wirthschaft daran zu tragen. Sie trägt sie gern. Ader dafür kann sie auch verlangen, daß ihre Interessen nicht fortdauernd bei Seite geschoben werden. Dte Konservativen werden für die neuen Unsallverficherungs- gesetze stimmen in der Hoffnung, daß der Gegensatz zwischen landwtrthschaftlichen und industriellen Arbeitern sich möglichst abmildern laffe, und daß die Arbeiter in der Landwirthschaft sich nicht zu lange mehr als Ar­beiter zweiter Klasse zu fühlen brauchen.

Abg. Prof. Kitze (Centr.) gibt seiner Genugthuung Ausdruck über die Erklärung deS Vorredners und fährt bann fert: Es ist richtig, daß für die Landwirthschaft erhebliche Lasten aus diesen Gesetzen erwachsen. Aber man darf auch den Nutzen für die Landwirthschaft nicht verkennen. Denn für manchen Landwirth würde es in der Zeit der Noth vielleicht den Ruin bedeuten können, wenn er bei schweren Unfällen nach den Grundsätzen der Haftpflicht in Anspruch genommen würde. Herr Molkenduhr hat mit seinen Ausführungen über die Ge­setze vollkommen unrecht. Die Arbeiter werden vielmehr ganz erhebliche Bortheile von der Reform haben; nur ür die Berussgenoffenschaften werden ganz erhebliche Mehrbelastungen daraus erwachsen. Meine politischen Freunde sehen in den neuen Gesetzen einen so wesent­lichen Fortschritt, daß sie sich auch bei der dritten Be­rathung im Jntereffe des Zustandekommens derselben möglichste Beschränkung bei der Stellung von An­trägen und bei der Betheiligung an der Debatte auf­erlegen werden. Eine Minderheitspartei, wie diejenige der Sozialdemokraten, hat ein Interesse daran, die er­reichten Verbesserungen als möglichst gering hinzustellen. Die Parteien aber, die die Verantwortung für das Zu­standekommen der Gefetze auf sich genommen haben, müffen sich mit dem Erreichbaren begnügen und find gleichzeitig überzeugt, daß die Verbesserungen, die dte Gesetze für die Arbeiter bringen, für diese von sehr er­heblicher Bedeutung sein werden. Mit Hurra begrüßen auch meine politischen Freunde die Gesetze nicht. Aber wir freuen uns ehrlich der Fortschritte, die damit er­reicht worden sind.

Die Nationalliberalen werden, wie Abg. Dr. Kehr ausführt, trotz mancher Bedenken für diese Gesetze stimmen. Diese Bedenken richten sich namentlich gegen die Mehr­belastung der Unternehmer.

Nachdem Abg. WokkenSnyr nochmals die ab­weichenden Anschauungen der Sozialdemokratie darge­legt hat, wird dte Generaldiskusston geschlossen.

Bei der Einzelberathung wurden noch einige wenige und an sich ziemlich unbedeutend« Aenderungen an den Hälfte Deines Lebens noch gesegneter und freuden­reicher fein als die erste!"

„Hab Dank, mein Mädel," entgegnete der Bauer weich, „ich hatt ganz vergeffen, daß heut der Tag ist! — Denkst auch noch an den Sepp?"

„Ja, Vater; denken thu ich schon an ihn, aber zum Mann nehme ich doch nur den, den Du mir mit Deinem Segen gibst!"

„So ist eS recht, Loni", meinte der Bauer gerührt und erhettert, „so ifiS recht! Gott lohne Dir's!"

Nun daS Eis gebrochen war, konnten auch Frau Elisabeth und Toni ihren Glückwunsch an­bringen. Alle setzten sich nieder zum Frühstück. Loni stimmte den Vater äußerst heiter durch ihren Bericht; Vroni, tbeilte sie mit, sei nun vollständig wohlauf, daß sie, Loni, jetzt der Haus- wirthschast wieder vorfiehen könne; das Vieh sei gesund; die Nahrung reichlich vorhanden. So wurde auch der Rosenbauer mittheilsam. Er sprach über den Bau und entwickelte seiner Frau den Plan, nach welchem das neue HauS genau auf der Stelle und dem Fundamente deS alten errichtet werden sollte. Als Frau Elisabeth jetzt einen Blick durch das Fenster warf, verfärbte sie sich; sah sie doch die wohlbekannte Gestylt deS Hochzeiters sich dem Nothbau nähern. Leise stieß sie den Bauern an, dann fragte sie schüchtern;

„Was mag der wollen?"

„Einen Antrag stellen", antwortete Vater Martin kaltblütig. „Was sonst?" - Kommt aber sehr zur verkehrten Zeit, bet Mann!"