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FuldaerMZertung
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’-SSASUSS’äS* mit Nnterhattungs-Meikage „Muflrirle Sonntags-Zeitung« Peteregage N». 2 (Bannonie).
Jutöa, Mittwoch, den 23. Mai 1900.
M 118.
Wegen des Feiertags Christi Himmelfahrt wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Freitag ausgegeben.
sX Die lex Heinze tobt! Es lebe die lex Heinze!
Die Verhandlungen unter den verschiedenen Parteien über eine Verständigung haben zu dem erwünschten Ziele geführt: Schlag auf Schlag, mit einer im Vergleiche zu den Vorgängen der voraufgegangenen parlamentarischen Schlachtentage verblüffenden Schnelligkeit und Friedlichkeit, ist heute (Dienstag) im Reichstage die alte lex Heinze auf Nimmerwiedersehen begraben und eine neue lex Heinze in allen drei Lesungen ohne Debatte angenommen und verabschiedet worden, die der alten aufs Haar gleicht bis auf einen Unterschied: dem neuen Gesetze fehlt der Theaterparagraph (§ 184b), und von dem Kunstparagraphen (§ 184 a) ist nur der letzte Absatz stehen geblieben, die das Verkaufen von Schriften, die das Schamgefühl verletzen, ohne geradezu unsittlich zu sein, an Personen unter 16 Jahren unter Strafe stellt.
Dieser neue Gesetzentwurf ist als ein Antrag des Centrums, „Antrag Graf Hompesch und Genossen", im Reichstage eingebracht worden, woraus man erstens ersieht, daß das Centrum das große Opfer im Interesse des Friedens und der gedeihlichen Weiterentwickelung der Arbeiten des Reichstages gebracht hat, auf gesetzliche Bestimmungen zu verzichten, die ihm werthvoll erscheinen, um die es lange heiß gekämpft hat. Das Crntrum hat damit die Verleumdungen widerlegt, als wolle es keine Verständigung, auch daun nicht, wenn es einsehe, daß eine Annahme der lex Heinze in der ersten Form unmöglich sei.
Zweitens aber, und darauf hat Graf Hompesch bei der Begründung seines Antrages hingewiesen, stellt auch die neue lex Heinze ohne den Dbeaterparagraphen und nur mit einem Stücke des Kunstparagraphen eine ganz erhebliche Verbesserung unseres Strafrechtes vor, ein ganz beträchtlicher Schritt vorwärts auf dem Wege der Bekämpfung der Unsitt- lichkeit; und damit, man mag die Sache drehen, wie man will, haben die Grundsätze, die das Centrum stets verfochten hat, einen großen Sieg errungen, damit ist der lange Kampf des «Centrums um die Vervollkommnung des Strafgesetzes zur Bekämpfung der Unsittlichkeit mit einem bedeutenden Erfolge gekrönt worden.
Nach den langen Kämpfen fehnte sich alles nach schneller Erledigung; und so ist denn heute im Handumdrehen die alte lex Heinze durch einen einstimmigen Beschluß des Reichstages begraben, das neue Gesetz nach dem Eentrumsantrage mit allen Stimmen gegen diejenigen der Sozialdemokraten angenommen worden. Gleichzeitig ist durch die Veränderung des Gesetzes für die Regierungen rin Stein des Anstoßes beseitigt worden in dem
Der WofenHof.
Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cassau.
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Endlich berichtete der Dorfwächter, daß er gleich nach Entstehung des Brandes einen Zigeuner bemerkt habe, der eine Last getragen; er habe ihn aber nicht anhalten können. Nun war es ja klar, wo der Knabe geblieben. Der Bauer erinnerte sich der harten Züchtigung Gigos und — brach zusammen. Als der arme Mann wieder zum Bewußtsein kam, war bereits Sepp mit den Nachbarn auf der Suche gewesen weit und breit, aber keine Spur von dem Knaben war zu finden. Vergeblich war es, daß der Rosenbauer eine Prämie von 500 Gulden für die Wtederbringung des Kindes aussetzte, und daß Prinz Adalbert dieselbe auf 1000 Gulden erhöhte. Niemand entdeckte den Aufenthalt des Kindes.
Merkwürdiger Weise sollte Mister Shellock die Ursache der Entdeckung werden.
Wie schon mehrere Male machte er auch jetzt wieder Ausflüge in der GegeRd des Küchel und schien dabei die Kost des benannten Wirthshauses ganz besonders gut zu finden. Sepp mußte ihn natürlich begleiten.
Müde waren Beide eines Abends heimgekommen. Shellock sprach gern seine heimath- liche Sprache, wenn er nicht mit Sepp allein war, so daß die Herren Grünröcke, die es heut' im Küchel hoch hergehen ließen, auf den „verrückten spleenigen Engländer" wenig Acht gaben, während sie sich eifrig unterhielten. Shellock
Theaterparagraphen, so daß dem Bundesrathe auch der letzte einigermaßen einleuchtende Vorwand entzogen ist, gegen die Annahme des Gesetzes sich zu sträuben. Die beschleunigte Annahme im Bundesrathe ist dringend zu wünschen!
Deutsches Deich*
Berlin, den 22. Mai.
h Avg. De. LieSer ist heute zum ersten Male wieder seit seiner Krankheit im Reichstage erschienen. Ein prächtiger Blumenstrauß auf seinem Platze, geziert mit einer Schleife in den nassauischen Farben, blau und orange, war ein schwaches Zeichen für das warme Willkommen, das das Haus ihm widmete; deutlicher waren die vielen warmen Händedrücke, mit denen der Centrumsführer von allen Seiten bewillkommnet wurde. Das Aussehen des Herrn Dr. Lieber ist gut und frisch, in Anbetracht der schweren Krankheit, die er durchzumachen hatte, sogar vorzüglich. Möge der verehrte Parlamentarier nie mehr durch Krankheit von den Arbeiten des Reichstages fern gehalten werden, denen er sich mit so großem Eifer und so vollkommener Aufopferung seiner selbst hinzugeben gewohnt ist.
• Die nenen Paragraphen der lex Keinze lauten wie folgt:
§ 184a: Wer Schriften, Abbildungen ober Darstellungen, welche, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen, einer Person unter sechszehn Jahren gegen Entgelt überläßt oder anbietet, wird mit Gefängniß bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu sechshundert Mark bestraft.
§ 184 b: Mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark ober mit Gefängniß bis zu sechs Monaten wird bestraft, wer aus Gerichtsverhandlungen, für welche wegen Gefährdung der Sittlichkeit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war, oder aus den diesen Berhandlungen zu Grunde liegenden amtlichen Schriftstücken öffentlich Mitthetlungen macht, welche geeignet sind, Aergerniß zu erregen.
• Im Ileischsiescha« - Gesetze ist heute (Dienstag) das viel umstrittene Kompromiß nach dem Anträge Aichbichler und Gen. in namentlicher Abstimmung mit 158 gegen 123 Stimmen angenommen worden. Gegen das Kompromiß und für den Antrag Bon in, der die Beschlüfle zweiter Lesung zur Annahme empfahl, sprach eigentlich nur noch Abg. D r. Rösicke vom Bunde der Landwirthe. Biel bemerkt wurde die sehr lebhafte Rede des Fürsten HerbertBismarck für das Kompromiß. Die Gesammt-Abstimmung über das ganze Gesetz wird am Mittwoch vorgenommen.
+ Die medizinischen Sromotionsord- nnngen bildeten den Gegenstand eingehender Verhandlungen zwischen den verschiedenen Bundesregierungen. Jetzt find diese Verhandlungen durch eine Verständigung zwischen den betheilig- ten Unterrichtsministerien zum Abschlüsse gelangt. Das erfreuliche Ergebniß dieser vom sächsischen Unterrichtsministerium geleiteten Unter- hanolungen besteht darin, daß von jetzt ab der medizinische Doktor irgend einer deutschen Universität vollkommen gleiche Geltung hat in allen deutschen Bundesstaaten. Das war bisher noch nicht der Fall, namentlich nicht sür diejenigen, die in Preußen als Kreisarzt Anstellung finden wollten. Für diese wurde der außer- preußische Doktor dem an einer preußischen Universität erworbenen nicht ebenbürtig erachtet!
aber verspeiste mit gutem Appetit seine beiden Omeletts, rauchte seine Cigarre und las dann seine englische Zeitung, die ihm stets nachgeschickt ward.
Er bekümmerte sich in der That wenig um die Herren Hochhinaus, die zuletzt bis auf Zwei fortstolperten. Er verfolgte gerade mit großem Interesse die Ernennung von Vetter MacÖ’Nigt, Mac O’Claer und Mac O’Key zu hohen Staatsbeamten-Posten in „Old England“, als die Worte „Rosenbauer, Toni, Kinderraub, Zigeuner" an sein Ohr schlugen. Er horchte hinter seiner Zeitung.
Jakob Pfilzer hatte sich beim Gelage mit einem seiner Kollegen erzürnt:
„Schweigst Du j tzt?"
„Nein, in die Welt will ich's schreien, daß Du mit dem Schandkerl, dem Gigo, dem Zigeuner, zusammengeseffen hast und den Kinderraub geplant. Meinst Du, ich kenn den Schlupf nit bei der Oese, wo ers Kind versteckt hält?"
„Schweig!"
„Gib erst das Geld!"
Shellock hörte Geld klingen.
„Wenn der nur dort nix gehört hat!"
„®er? — das ist ein verrückter Engländer, der kem Wort deutsch versteht."
Dann stolperten Beide ab.
Shellock that noch eine Weile, als ob er weiter lese, dann stand er auf und ging mit einem „Good night“! auf sein Zimmer. Von hier aber schlüpfte er, das Licht in der Hand, zu Sepp, der in seiner Kammer schon zur Ruhe gegangen war. Shellock setzte sich vor Sepps Bett auf einen Stuhl und fragte ganz trocken:
*/ betritt, 22. Mai. Die Reisedispositionen des Kaisers sind nunmehr für den Sommer bestimmt. Am 26. d. M. treffen der Kaiser und die Kaiserin wieder in Berlin ein; ob die Kaiserin direkt von Urville kommt, steht noch nicht ganz fest, der Kaiser reist dann aber gleich wieder nach Pröckelwttz, und er wird von dort am 29. Mai hier wieder eintreffen, um in den nächsten Tagen die F r ü hjahrs para de über die Berliner und Potsdamer Garnison abzuhalten. Am 1. Juni findet die Uebersiedelung des kaiserlichen Hoflagers von Berlin nach Potsdam statt. Am ll. Juni wird der Kaiser wieder in Homburg anwesend sein, um dort die neuen Quellen zu besichtigen, am 16. ist er bekanntlich in Lübeck zur Einweihung des Kanals. Die Kieler Woche mit dem Besuche auf Helgoland schließt sich hiersan, dann tritt der Kaiser die Nordlanbreise an; im Großen und Ganzen wird sie im Rahmen der früheren gehalten, lieber eine in den Zeitungen schon wieder auftaucheade Reise des Kaisers nach England ist diesesmal absolut nichts in den maßgebenden Kreisen bekannt. — Der Kronprinz wird, wie nu«,ehr feststeht, am 28. d. M. sein Offiziers-Examen «Mlyen und voraussichtlich am 31., dem Tage der großen Mühjahrs- parade der Potsdamer Garnison in Gegenwart des Kaisers die Einstellung des Kronprinzen zur praktischen Dienstleistung in das erste Garde-Regiment zu Fuß erfolgen.—Das Staatsministerium trat heute Nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitze des Reichskanzlers im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen. — Das gesammte Staatsministerium vereinigte sich am Samstag einer Einladung des Unterstaats- sekretärs Frhrn. v. Seckendorff folgend, zu einem Mahle im Zoologischen Garren. Der Reichstagspräfident Graf Ballestrem, der ebenfalls geladen war, hatte in Folge der langen Sitzung des Parlaments absagen laffen. — „Dem Geschlechte derer v. Below" hat nach dem .Reichsanz.' der König mittels Ordre vom 15. Mai aus Anlaß des Jubiläums des 600jährigen Besitzstandes dieser Familie in Pommern das Präsentationsrecht sür daS Herrenhaus verliehen.
* München, 22. Mai. Der bayerische Thron- folger Prinz Ludwig hat sich am Sonnabend in Straubing auf der 10. Hauptversammlung des bayerischen Kanalvereins wiederum als großer Kanalfreund bekannt. Es habe eine Zeit gegeben, so führte er in seiner Begrüßungsansprache nach den .Münch. Neuest. Nachr.' aus, wo sich die Landwirthe ebenso gegen die Eisen- bahnen sträubten, wie jetzt gegen die Kanäle. Es werde eine Zeit kommen, wo die Landwirthe ebenso nach Wafferstraßen verlangen werden, wie jetzt nach Eisenbahnen. Das rechtsrheinische Bayern flehe von allen deutschen Theilen allein nicht in Verbindung mit dem Meere, weshalb sich die Industrie sehr schwer thue. Die bayerische Donau - Dampsschifffahrts - Gesellschaft sei die einzige Linie, die nicht suboentionirt sei. Da wir zum Deutschen Reich gehören, fuhr der Prinz fort, sehe ich nicht ein, warum wir nicht dieselben Privilegien genießen sollen, wie die Schifffahrtsgesellschaften im Norden. Es wird uns Bayern vielfach vorgeworfen, daß wir die Vortheile, die uns aus der Verbindung mit dem Reich erwachsen, nicht genug zu würdigen wissen. Vor Allem verwahre ich mich gegen den Vorwurf, als ob es eine Gnade sei, daß wir zum Reiche gehören, denn das deutsche Reich ist ebenso gut mit bayerischem Blut zusammengeschweißt worden, wie mit dem irgend eines anderen deutschen Stammes. Wir wollen nicht als mindere, sondern als volle Brüder angesehen werden, daher verlangen wir auch, daß die speziell bayerischen VerkehrS- intereffen ebenso gewahrt werden, wie die großen deutschen Ströme im Norden.
„Mister Sepp, uas ist ein Schlupf?"
Sepp mußte lachen.
„Lachen Sie nicht! Uas ist ein Schlupf?"
„Ein Schlupf? — Nun, ein Versteck, eine Höhle!"
„All right! — Und der Oese?"
„Der bedeckte Weg hier in der Nähe, der durch die Felsen führt!"
„Dann ist der geraubte Kind Toni in der Schlupf bei der Oese!"
„Was sagt Ihr, Herr?"
„Ick haben das gehört von die Grünröck unten in der hotel soeben!"
„Eine Höhle bei der Oese?" — Sepp war schon aus dem Bett heraus und fuhr in die Kleider. Er gedachte gleich seines Abenteuers dort, das ihn neulich betroffen und des Einganges, den er entdeckt. Das mußte sie sein. Jetzt war er bereit:
„Ich eile nun und hole Leute, Mister Shellock!"
„Well", nickte der Engländer, „machen Sie das so!"
Er ging auf sein Zimmer, untersuchte seine beiden Revolver und lud sie scharf, setzte seine Laterne in Stand und wartete. Als er Stimmen hörte, ging er hinunter.
Sepp hielt unten mit zwei Gendarmen, die er in der Sägemühle getroffen, auch waren der Müller, der Wirth und mehrere Arbeiter dabei. So brach man auf, ohne daß sonst Jemand eine Ahnung davon hatte. Man hatte sich mit Kien- fackeln wohl versehen und drang in die Höhle ein.
■——8 .
27. Jahrgang.
Aus dem Reichstage.
•flp 200. Sitzung vom 22. Mai 1900, 1 Uhr.
Wie bei der hundertsten Sitzung, mit der der Reichstag im November vorigen Jahres begann, ist auch heute der Tisch des Präsidenten mit einem mächtigen Rosensträuße geschmückt. Außerdem prangt noch ein anderer Strauß im Saale, nämlich auf dem Platze deS Centrumsabg. Dr. Lieber, der feit feiner Krankheit heute zum ersten Male wieder im Reichstage erschienen ist. Präsident Graf Aaktestrem dankt für die Ausschmückung des Präsidententisches.
Auf der Tagesordnung steht! zunächst die Fortsetzung der dritten Berathung der lex Heinze. Der Präsident Graf Aalteffrem theilt mit, daß ihm bei Beginn dieser Sitzung ein neuer Antrag der Abgg. Graf Hompesch und Gen. (@entr.) zugegangen ist, der den Mitgliedern auch bereits gedruckt vorliegt.
Abg. Dr Spahn (Ctr) beantragt, mit Rücksicht auf diese Mittheilung die lex Heinze heute von der Tagesordnung abzusetzen und statt besten die erste und zweite Lesung des neuen Anträge- des Grafen Hompesch vorzunehmen.
Dieser Antrag des Abg. Dr. Spahn wird einstimmig angenommen.
Es wird also nunmehr berathen über den Antrag der Abgg. Graf Hompesch und Genossen. Dieser Antrag stimmt int allgemeinen mit der lex Heinze überein, läßt aber den Theaterparagraphen (§ 184b) derselben gänzlich fortfallen und behält von dem Kunstparagraphen (§ 184a) nur den letzten Absatz bei, wonach das Verkaufen von Schriften, die, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen können, anPersonen im Alter unter fechszehn Jahren straffällig ist.
Abg. Graf Aompefch (Ctr.): Das Centrum hat stch zur Einbringung dieses Antrages entschloffen, der zum Theil die lex Heinze ersetzt, nachdem auf Grund einer Verständigung mit dem Präsidenten und de« Parteien die Annahme dieses Antrages gesichert ist, und da ja durch diese Annahme ein Fortschritt in der Bekämpfung der Unsittlichkeit gewährleistet erscheint. ES wird damit eine Verbesserung unseres Strafrechtes erzielt.
Abg. Singer (sozd.) erklärt, seine Partei könne nicht für den Antrag stimmen.
Abg. Aasterman« (ntl.): Meine Freunde haben freilich Bedenken gegen die Faffung des § 184 a. Aber wir wollen diese Bedenken zurückstellen und für den Antrag stimmen.
Abg. gtitßerf (freif. Vg.) gibt eine Erklärung gleichen Inhalts wie der Vorredner ab.
Abg. Dr. v. Aevehow (tonf) bedauert, daß durch die unerhörten Vorgänge der letzten Tage dieser Ausgang herbeigeführt worden sei; aber auch seine Freunde wollen für den Antrag stimmen.
Die Abgg Aichker (freif. Vp.) und Kanßma«« (südd. Bp.) geben Erklärungen gleichen Sinnes ab: sie haben Bedenken gegen den neuen § 184a, aber sie wollen dem Anträge ebenfalls zustimmen. Ebenso erklären im Namen ihrer Parteien die Zustimmung dazu die Abgg. 9. Aardorff (sreikons.) und Aievermann ». Sonnenberg.
Damit schließt die erste Berathung. In zwetter Lesung wird darauf sofort der Anttag unverändert angenommen.
Abg. Dr. Spahn lCentrum) beantragt nunmehr, gleich auch die dritte Lesung folgen zu lassen, worauf
Präsident Hraf Aalkeffrem erwidert, das sei zwar ungewöhnlich;aber ungewöhnliche Vorgängerechtfertigen auch ungewöhnliche Mittel. Wenn niemand widerspreche, wolle er dem Anträge Folge geben; das Haus sei ja Herr seiner Geschäfte. (Große Heiterkeit.)
Es widerspricht niemand. Daraus wird der Antrag Hompesch sofort in dritter Lesung ohne Debatte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und einiger Frer- stnnigen angenommen.
Es folgt sodann die Fortsetzung der dritten Lesung des Iiletschöeschau-HeseHes, und zwar bei der Einzel- berathung. „
Ohne Debatte gelangt der erste Paragraph zur Annahme. ,, ..
Der zweite Paragraph setzt die Ausnahmen für bte Hausschlachtungen fest: die Untersuchung soll hier unterbleiben können, wenn sich nicht Merkmale einer gesundheitsschädlichen Krankheit zeigen.
Sepp, Shellock und die Gendarmen waren die ersten. Man sand keinen Widerstand und überraschte den Zigeuner neben dem schlafenden Toni. Als gerade der Brandstifter und Kinderräuber mit dem Meffer auf den schlafenden Knaben zufahren wollte, faßte ihn Sepp und entriß ihm das Meffer; dann wurde er ge- fesselt. . _ _,
Im Triumph führte Sepp das Kind mtt stch nach dem Küchel und nahm es zu stch inS Bett, um es am Hellen Tage nach Schwengau zu seinen Eltern zurückzubringen, während man den gefesselten Zigeuner nach Füffen abführte. Tom jauchzte laut auf, als er Sepp, seinen Freund sah. Weinend erzählte er, wie der Zigeuner ihn geschlagen, gestoßen und mit dem Tode bedroht habe; auch habe er Hunger und Noth gelitten. Für diese Nacht thaten Shellock und Sepp kaum ein Auge zu, der Engländer aber meinte:
„Es ist doch gut, daß ick habe gelernt der deutsche Sprache. 'Nach einer gute That, man ßläst immer schön!" Dann schnarchte er gehörig.
Früh Morgens lief abermals ganz Schwengau zusammen, als man den Toni brachte.^
Der Rosenbauer ahnte nichts. Vergräm^ voll Kummer saß er bei Frau Elisabeth, die fast erlag unter all der Last, in der aus der Stelle des Wohnhauses errichteten hölzernen Nothhütte; sein Haar hatte einen grauen Schein erhalten und die Augen lagen tief in den Höhlen. Da hörte man draußen Geräusch: der Pfarrer trat ein:
„Martin Strasser", begann er feierlich gegen den ihn fragend Ansehenden, „Gottes Hand hat Euch schwer getroffen, aber er hat Euch eine