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27. Jahrgang.
IuLöa, Dienstag, den 22. Mai 1900.
M H7.
£ Zum Berliner Straßenbahn- Ausstand.
Der Ausstand der Berliner Straßenbahn- Angestellten hat zu blutigen Ausschreitungen geführt. Straßenkämpfe in einer Ausdehnung und mit einer Leidenschaftlichkeit geführt, die zum Glück in Berlin ebenso wie in ganz Deutschland außerordentlich selten sind, haben am Sonntag das Berliner Pflaster mit Blut gefärbt; nur mit großer Mühe ist die Polizei der Tumulte Herr geworden, und schon stand eine Kompagnie des Alexander- Garde-Grenadier-Regiments marschbereit und mit scharfen Patronen versehen, um beim nächsten Anrufe sofort zur Hilfe für die Polizei nach dem Kampsplatze am Rosenthaler Thor abzurücken. Mehrere Menschenleben find den Straßenkämpfen zum Opfer gefallen, viele Leute sind leicht oder schwer verwundet worden, Leute aus dem Publikum, Schutzleute und Wagenführer der Straßenbahn.
Aber alle diese höchst bedauerlichen Ereigniffe dürfen in keiner Weise den ausständigen Straßendahnleuten zur Last gelegt werden; denn deren Betragen ist nach wie vor nicht anders als musterhaft zu nennen. Die Ruhestörungen sind von Beoölkerungselementen verübt worden, die leider in allen großen Städten gleichmäßig vorhanden sind und bei jeder Gelegenheit, die sich dazu darbietet, gleichmäßig unangenehm sich bemerkbar machen — „Ballonmützen", Bummler und alles das, was in diese wenig liebenswürdige Rubrik gehört, zum Theil ganz junge, kaum erwachsene Leute. Die Beweggründe, die diese Leute zu den Ruhestörungen treiben, sind verschiedene: Lust am Radaumachen überhaupt, verbunden mit einem höhern oder geringem Grade von Zerstörungstrieb; Haß gegen die Polizei- beamten, dem man bei einer solchen Gelegenheit Luft machen will, und vielleicht auch bei diesem oder jenem der Gedanke, im Tumulte durch irgend einen Diebstahl oder Raub sich zu bereichern. Auch diesmal hat man es bei den Straßenunruhen nur und lediglich nur mit solchen wüsten Bevölkerungselementen zu thun; von einer Betheiligung ausständiger Straßenbahnleute daran — das muß man festhalten zur richtigen Beurtheilung der gegenwärtigen Vorkommnisse! — kann gar nicht die Rede sein. Darstellungen, die anders berichten, sind als vollkommen falsch von vorn herein von der Hand zu weisen.
Die Direktion der Straßenbahngesellschaft hat sich nicht sehr verständnißooll benommen: hat sie doch sogar den Borfchlag der Ausständigen abgelehnt, die Sache vor dem Gewerbegerichte als Einigungsamt zu schlichten. Darauf waren schnell die Unterstützungen der Ausständigen geregelt: für verheirathete Leute wurden 12 Mk. wöchentlich bestimmt; die Unverheiratheten verzichteten von Anfang an auf Unterstützungen.
Den Hauptschaden von einem solchen Ausstande Hal die Allgemeinheit der Einwohnerschaft, die des nothwendigen Verkehrsmittels beraubt ist; denn ob einmal die reichen oder wohlhabenden Aktionäre einer solchen Gesellschaft in einem Jahre weniger als sonst oder auch gar keine Dividenden bekommen für ihre Aktien, darauf
Der WosenHof.
Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cassau.
13 ------ (Nachdruck verboten.)
Den Rath fand Sepp gut. Shellock lieferte den Stift und ein Blatt aus seinem Notizbuche und Sepp machte die Meldung. Als sie nun bei ihrem Einzug in Schwengau des Rosenbauers ^eisbuben trafen, händigte Sepp demselben die Hiobspost ein mit dem Worten:
| „Gleich läufst zu Deinem Herrn und bringst ihm diesen Zettel; es hängt viel davon ab."
Der Bube betheuerte Eifer und Schnelligkeit ?i"d lief davon. Der Rosenbauer lachte, als er Zettelchen las:
„Schon wieder der Sepp! 's wird's Niemand wagen."
i Dennoch schärfte er allen seinen Leuten die Nößte Wachsamkeit ein, ging auch selbst Abends Wät noch von Raum zu Raum. So entdeckte man Örtlich eines Abends einen Brand int Pferde- gMe, und die Knechte schwuren darauf, daß sie
8,1 dunkelhäutigen Schuft, den Zigeuner, hätten den Hof schleichen sehen. Der Bauer fluchte wechlich auf die ganze Bande dieser Landstreicher ficht biupfahl seinem Gesinde die allergrößte Vor-
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ft,®5 war einige Tage später, als ganz schwengau zusammenlief, um die königlichen ^Mpagen mit den in scharlachrothe Röcke ge-
Borreitern und den hinten aufstehendeu ^»lagern zu sehen. Die drei Kaleschen voll
kommt es gar nicht an, am wenigsten hier in diesem Falle; denn die Berliner Straßenbahnaktionäre haben sonst immer sehr reichliche Dividenden ausgezahlt bekommen.
Und warum muß nun die Allgemeinheit der Einwohnerschaft diesen Schaden erleiden? — mit anderen Worten: warum ist es zu diesem Ausstande gekommen, dem ersten dieser Art in Berlin? Eben weil die Aktionäre der Slraßenbahngesell- schäft die wichtige Verkehrseinrichtung der Berliner Straßenbahnen viel zu sehr als Ausbeutungsgegenstand für ihren eignen Geldbeutel betrachteten und von diesem Ausbeutungstriebe sich dazu verleiten ließen, ihren Angestellten diejenigen Lohnbezüge, Versorgungseinrichtungen sür Alter und Krankheit und sonstigen Wohlfahrtsmaßregeln zu verweigern, die nach allgemein übereinstimmendem Urtheil ihnen zukommen. Unter den Folgen der übertriebenen Gewinnsucht der Straßenbahnunternehmer hat die Gesammtheit der Berliner Einwohnerschaft zu leiden, ohne daß dieser jemals eine Entschädigung dafür zu Theil werden kann, und von neuem kann man aus diesem Ausstande der Berliner Straßenbahnangestellten die Lehre ziehen, daß es nicht angebracht ist, öffentliche Verkehrseinrichtungen zu Gegenständen der privaten Ausbeutung werden zu lassen.
In Berlin genau ebenso wie in allen anderen Städten sollte man mit allem Nachdrucke dahin streben, die öffentlichen Verkehrsmittel aus dem Joche der Spekulation zu befreien und allgemach unter die Gewalt der kommunalen Verwaltung zu bringen. Dem Staatswesen kommt es zu, die Verwaltung der großen Verkehrsmittel zu führen ; den Kommunen liegt die Aufgabe ob, die kleineren Verkehrseinrichtungen innerhalb der Weichbilder ihrer Städte selbst zu betreiben oder aber auf andere Weise dafür zu sorgen, daß die Einwohnerschaft niemals durch die Gewinnsucht beutelustiger Unternehmer um Verkehrsmittel gebracht werden kann, die sie für die Erledigung ihrer täglichen Geschäfte ganz unbedingt nothwendig braucht.
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Im preußischen Abgeordnetenhause hat der Eisenbahnminister von Thielen am heutigen Montag die Aeußerung gethan, in der Lohnfrage hätten zuletzt kaum noch Meinungsverschiedenheiten bestanden zwischen den streitenden Theilen. So ganz genau dürfte damit die Sachlage nicht gekennzeichnet sein. Aber die nachträgliche Anerkennung, die der Direktion der Berliner Straßenbahnen gebührt, soll ihr nicht vorenthalten werden: unter dem Drucke der Verhältniffe hat sie den ausständigen Angestellten heute (Montag) im Gegensätze zu ihrer anfänglich unversöhnlichen Haltung ein Entgegenkommen gezeigt, das zur vollkommenen Beilegung des Ausstandes geführt hat: am 1. Juli soll die verlangte Pensionskasse für die Angestellten eröffnet werden. Die Dienstzeit soll für die Fahrer täglich neun, für die Schaffner elf Stunden betragen; das Anfangsgehalt soll zwar 85 Mark monatlich bleiben, aber schon nach sechs Monaten auf 90 und im Laufe der Jahre bis 120 Mk. steigen. Ueber- stunden sollen mit 50 Pfennigen bezahlt werden. Außerdem soll auf jedem Straßenbahnhof eine Kommission eingesetzt werden als Bindeglied zwischen der Direktion und den Angestellten, die der Direk-
besternter Herren in Zivilanzügen und Uniform hielten zuerst vor dem Pfarrer, fuhren dann langsam durch das Dorf und machten schließlich vor dem niedrigen Roppfchen Häuschen Halt.
Prinz Adalbert, den wir sogleich wiedererkennen, stieg mit Hilfe des schnellen Leibjägers, welcher vor mehreren Tagen Sepp durch seine Gelehrsamkeit den tiefsten Respekt abgenöthigt, aus und schritt auf die Hütte zu. Nur der Herr im grauen Paletot und hohen Cylinder, welcher Sepp die fünf Goldfüchslein einhändigte, trat mit in die Hütte ein. Sepp war eben draußen hinter dem Häuschen und dengelte die Sense, als Jene eintraten. Mutter Anna fielen die Arme vor Schrecken am Leibe herunter, als die beiden vornehmen Herren zu ihr kamen. Dennoch nöthigte sie die Gäste, in das saubere Stübchen einzutreten, knixte und fragte:
„Womit kann ich den gnädigen Herren dienen? — Soll ich den Joseph rufen?"
„Das nicht, liebe Frau", nahm hier der Prinz das Wort, „ich wollte nur die Mutter des mir so treuen Kameraden sehen. Ich bin der Prinz Adalbert, von dem Ihnen Ihr Sohn erzählt haben wird".
„Ach, diese Ehre, gnädigster Prinz!"
„Lassen Sie das, Frau Ropp. — Der Rosenbauer will seine Tochter nur einem Bauern geben, was bleibt unS anders übrig, als für den Sepp einen Bauernhof zu kaufen?"
„O, die Güte, Exzellenz".
Der Prinz lachte hell auf:
„Ist nicht der Mühe werth, Frau Ropp. — Herr Intendant, ist alles besorgt?"
„Ja wohl, königliche Hoheit!"
tion von Zeit zu Zeit die Wünsche der letzteren darlegen soll.
Hätte die Direktion von Anfang an dieses erfreuliche Entgegenkommen bewiesen, würde die ganze Bewegung mit ihren höchst unliebsamen Begleiterscheinungen vermieden, worden sein!
£ Die Pflege des Friedens zwischen Unternehmern und Arbeitern
haben mehrere Anträge als Ziel, die bei Beginn der gegenwärtigen Tagung des Reichstages, also im Winter von 1898 zu 1899, in diesem eingebracht wurden. Vor Kurzem ist in der ,Fuld. Ztg/ darauf hingewiesen worden, daß die 16. Kommission des Reichstages, der die Anträge zur Vor- berathung überwiesen wurden, ihre Arbeiten beendet habe. Heute (Montag) hat besagte Kommission nun auch den von dem natl. Abg. Frhrn. Heyl zu Herrnsheim abgefaßten Bericht gutgeheißen. Es handelt sich dabei, wie bekannt, um die Anträge Lieber-Hitze (Errichtung von Arbeitskammern), Pachnicke-Roesicke (Errichtung eines Reichsarbeitsamtes) und Frhr. Heyl zu Herrnsheim (weitere gesetzliche Ausgestaltung der Gewerbegerichte, namentlich auch als Einigungsämter).
Nach dem nunmehr genehmigten Berichte beantragt die Kommission:
I. Die verbündeten Regierungen zu ersuchen: a) für die Pflege des Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gesetzliche Bestimmungen über die Formen herbeizu- führen, in denen die Arbeiter durch Vertreter, welche ihr Vertrauen besitzen, an der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten betheiligt und zur Wahrnehmung ihrer Jntereffen bei Verhandlungen mit den Arbeitgebern und mit den Organen der Regierung befähigt werden —
b) insbesondere in Erwägung darüber einzutreten, in welcher Weise durch eine weitere gesetzliche Ausgestaltung der Gewerbegerichte unter besonderer Berücksichtigung der §§ 9 (Bildung von Abteilungen: Fabrik, Handwerk, Hausindustrie), 61 bis 69 (Eilligungsamt) und 70 (Gutachten und Anträge) des Gesetzes vom 29. Juli 1890 betr. die Gewerbegerichte ein Weg zu dem unter a bezeichneten Ziele sich bietet. —
II. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß ein Reichs-Arbeitsamt errichtet werde, welchem die Unterstützung und Feststellung der Arbeiterverhältniffe im deutschen Reiche unter Hinzuziehung von Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmen obliegt.
Man darf annehmen, daß diese Anträge den Reichstag noch vor seinem Auseinandergehen beschäftigen werden. Die Ereigniffe bei dem Ausstande der Angestellten der Berliner Straßenbahnen sind jedensalls eine neue, sehr eindringliche Mahnung dazu, auch diese Anträge noch zu erledigen. An ihrer Annahme ist ja nicht zu zweifeln.
Deutsches Deich.
Berlin, den 21. Mai.
S Die ^fittgstferte« des Meichslages werden von sehr kurzer Dauer sein. Am Mitt-
„Dann laßt den Dornbauer rufen!"
Der Intendant eilte sogleich hinaus, dem Leibjäger den Auftrag zu geben. Währenddem unterhielt sich der Prinz mit Mutter Anna auf das Leutseligste. Fünf Minuten nachher stand der Dornbauer, die Kappe ängstlich in der Hand hin- und herdrehend, bei dem Prinzen in der kleinen Stube der Mutter Ropp:
„Wie hoch schätzt Ihr Euren Hof, mit allem, waS drin und drauf ist?"
„30.000 Gulden, Herr".
„Wollt Ihr ihn mir dafür abtreten?"
„Zu jeder Zeit!"
„Gut, dann fahrt sogleich mit dem Herrn Intendanten nach Füffen und macht die Sache vor einem Notar ab; das Geld erhaltet Ihr dort ebenfalls sofort. Gehabt Euch wohl. — Herr Intendant, vergessen Sie die Bedingungen nicht! Adieu!"
Der Tornbauer brachte ungeschickt genug seinen Kratzfuß an und ging dann mit dem Adjutanten ab. Der Prinz aber gebot Mutter Anna tiefstes Schweigen über den Handel, besonders gegen Sepp, nahm Abschied, und stieg dann in den Wagen, in welchen die beiden Herren des dritten Gefährts mit Platz nahmen, während der Intendant und der Dornbauer in der dritten Kalesche nach Füffen ablenkten. Der Prinz aber fuhr auf Hoch-Schwengau zu. Sepp ahnte nichts von dem hohen Besuch; als er seine Sense fertig hatte und in das Häuschen trat, sah man von fern nur noch die Staubwolken, welche die Wagen aufwirbelten.
Am andern Tage kam aus Füffen ein Verwalter nach dem Domhofe und übernahm ganz
woch den 30. Mai wird noch eine Plenarsitzung stattfinden, und schon innerhalb der Pfingstwoche werden die Plenarfitzungen von neuem ihren Anfang nehmen. Nur so kann vermieden werden, daß die Sitzungen bis tief in den Hochsommer hinein dauern.
+ Die lex Aei«ze ist heute (Montag) von der Tagesordnung des Reichstages ab gesetzt worden. Dies ist natürlich nicht so aufzufaffen, als ob auf die weitere Berathung des Gesetzes überhaupt verzichtet würde: im Gegentheil, für Dienstag steht die lex Heinze wiederum al- erster Gegenstand auf der Tagesordnung. Heute hatte der Präsident des Reichstages, Graf Ballestrem, den Seniorenkonvent zu einer Berathung zusammenberufen, die um 12 Uhr Mittags vor der Plenarfitzung ihren Anfang nahm. In dieser Berathung hat Graf Ballestrem einen Vorschlag gemacht, durch den er eine Vereinbarung unter den Parteien über das Zustandekommen desselben mit einer kleinen Abänderung ermöglichen will. Zunächst haben sich alsdann einige Mitglieder des Reichstages in engerem Kreise über die Einigungsvorschläge berathen; heute (Montag) Abend beschäftigen sich nun die Fraktionen mit der Angelegenheit, und wenn alles gut gehen sollte, dürfte man darauf hoffen, daß morgen die Plenarsitzung zu einer Einigung über die lex Heintze führen könnte . . . wenn eben alles gut geht! Ob alles gut gehen wird, ist noch die große Frage. Im Jntereffe de« Zustandekommens einer solchen Einigung könnte ja vielleicht auch das Centrum zu irgend einem kleinen Zugeständnisse bereit fein; aber vor dem Schluffe der entsprechenden Fraktionssitzung läßt sich darüber nichts auch nur irgendwie Bestimmtes darüber sagen. An der heutigen Sitzung de« Seniorenkonventes haben Mitglieder aller Parteien theil genommen, vom Centrum die Herren Gröber und Dr. Spahn; die Sozialdemokratie war durch die Abgg. Bebel und Singer vertreten. Wie verlautet, hat der Abg. Engen Richter den Vorschlag gemacht, durcheinen formell gestellten Antrag denKunst- und den Theaterparagraphen au» dem Gesetze zu entfernen und diese» alsdann ohne diese Paragraphen anzunehmen. Herr Richter, so wurde erzählt, soll hierfür bereits etwa dreißig Unterschriften gefunden haben. Aber ob er diesen Antrag wirklich einbringen wird, ist zur Stunde (Montag Abend) auch noch ungewiß.
X Aomm««ake Sozialpolitik. Die Streikbewegung der Berliner Straßenbahnangestellten, welche in der vorigen Woche entstand, hat wieder einmal daran erinnert, daß es eine der wichtigsten Forderungen an die Gemeindeverwaltungen sein soll, derartige Betriebe wie Gas-, Elektrizitätswerke, Straßenbahnen rc. selbst zu übernehmen, anstatt sie der Ausnutzung durch privates Kapital zu überlassen. Eine städtische Verwaltung, selbst wenn sie im allgemeinen noch so wenig von sozialem Geiste erfüllt ist, hat nämlich als Betriebsinhaberin jedenfalls ganz andere Rücksichten zu nehmen, auch auf die Jntereffen des Publikums, welche durch Ausstand z. B. der Straßenbahnangestellten schwer geschädigt werden. Dazu kommt, daß durch übermäßige Ausnutzung der Arbeitskräfte der Angestellten (zu lange Arbeitszeit) und durch die in der Stille die Leitung desselben; das Gesinde blieb, denn der neue Herr, versicherte der Verwalter, sei gut; dagegen wurde dem ganzen Gesinde bei Strafe sofortiger Entlaffung daS Versprechen abgenommen, über den Wechsel der Herrschaft bis zum 15. Juli des Jahres schweigen zu wollen. Ganz ebenso wurde der Dornbauer, der in der Stadt blieb, verpflichtet.
Die ersten Julitage waren herangekommen. Auf viel Kälte im März, April und Mai war eine gewaltige Dürre im Juni gefolgt. Der Rosenbauer sah neben seiner schönen Saat die ganze Weinernte durch Nachtfröste zu Grunde gerichtet: ein trostloser Anblick. Da ward eines Tages das größere Unglück angemeldet: der Born vor dem Hofthore war verstecht — Schrecken ergriff dabei den sonst so festen Mann; laut wehklagte er, als er das Unglück mit den eigenen Augen sah und unwillkürlich mußte er an sein Wort denken: „Eher wird der Born verstechen, ehe ich meine Tochter einem Knechte gebe!" Die Bäuerin hatte viel zu trösten und zu dulden; wenn sie auch auf die große Eichentruhe voll Papier, Gold und Silber hinwies, Martin Straffer jammerte stets über seine verdorbene Ernte.
„Du versündigst Dich an Gott", sagte die streng religiöse Frau zuletzt; „unser Herrgott wird uns doch nicht mehr auferlegen, als wir tragen können! Gib Acht, Mann, er legt Dir noch Schwereres auf, damit Du ihn erkennen lernst!"
Er brummte etwas in den Bart und ging an seine Arbeit.
In derselben Nacht schon kam das Unglück in der Gestalt des tückischen Zigeuners Gigo.