FuldaerMZeitung
JirstrattrDiket» spalt. Garmond-
M116.
Iuröa, Montag, den 21. Mai 1900.
27. Jahrgang
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Partei an; 4 find Polen, 3 Elsässer und 1 ist fraktionslos. Die agrarisch-konservative.Deutsche Tagesztg/ bezeichnet diesen Antrag nach wie vor als „unannehmbar". Nach dem Stande der Dinge kann man aber mit einiger Wahrscheinlichkeit an« nehmen, daß das Kompromiß zur Annahme gelangt.
* Zur dritten Berathung der Lex Keittze haben die Abgg. Spahn (Ctr.) und Leoetzow (kons.) beantragt, daß das Gesetz am 1. August 1900 in Kraft treten soll.
* Der.Reichsanzeiger' gedenkt des am 20. Mai 1900 eintretenden 25jährigen Jubiläums der internationalen Organisation des W«ak- ««d chewichtsweseus und hebt die allseitig anerkannte Wirksamkeit der Organisation hervor.
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abgabe für die „Genußscheine" handelt. Der
vierte Artikel beschäftigt sich mit der Ermäßigung. - >..■
bei gewissen Arbitraaegeschäften; er wurde heute die letztere erzielt, mit ihren Löhnen Anlassen in den Straßen von Berlin zu
vorläufig zurückgestellt. ””S ------ c“k“
Artikel 5 enthält den abgeänderten und
| Berlin und seinen näheren Vororten in ihrem Betriebe vereinigt hat. Zu bedauern ist nur das Eine, daß auch dieser Ausstand nicht vollkommen durchgeführt werden konnte: mehrere Linien konnten, wenn auch spärlicher als sonst, weiter betrieben werden, und vermuthlich wird es der Leitung der Gesellschaft gelingen, die Zahl dieser Linien noch ein wenig zu vermehren.
Die Haltung der ausständigen Straßenbahnleute war heute den ganzen Tag über musterhaft. An mehreren Stellen waren die SchutzmannZposten auf den Straßen verstärkt worden, da wo Straßenbahnstrecken anfangen oder aufhören; aber am Samstag hat niemand etwas davon vernommen, daß der Polizei auch nur an einer einzigen Stelle die Pflicht des Ein- greifens erwachsen wäre.
Die Direktion hat fich bereit gezeigt, ein wenig den Angestellten entgegenzukommen. Aber wie gering die Löhne auch nach diesen bereits gemachten Zugeständnissen fein sollen, möge man daraus entnehmen, daß der Gehaltssatz für Schaffner und Fahrkutscher mit 85 Mk. beginnen und bis 110 Mk. monatlich steigen, und daß nur besonders lange im Dienst befindlichen Leuten, vorn 16. Dienfijahre an, eine Alterszulage gewährt werden soll von weiteren
größten Theile der konservativen ReichStagS-Frak- tion ausgehende Antrag steht irn Allgemeinen auf
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gegenüber dem Auslände festsetzt oder den vollständigen Ausschluß des Pökelfleisches enthält." Dieser vom Bunde der Land wirthe und von dem
folgt. Diese Versammlungen haben in der Nacht I Direktion ohne weiteres als unerfüllbar zurück- vom Freitag zum Samstag stattgefunden, gewiesen.
und als die Berliner am Samstag Morgen den Nach den Feststellungen in den vorgeschrittenen gewohnten Weg mit der Straßenbahn zurück- Nachmittagsstunden des Sonnabend find von legen wollten, fanden fie bereits die Strecken 6000 Angestellten etwa 600 im Dienst geblieben, verödet und die Straßen ohne Straßenbahn- die rund 200 Wagen bedienen. Daß es nich verkehr. Aber trotz der überraschend über sie an Spott und Hohn fehlte für diese Leute, ist hereingebrochenen Unbequemlichkeit hegen die selbstverständlich. Mehrere Ausschreitungen gegen Berliuer keine Feindschaft gegen die Straßen- dieselben, die vorgekommen find, dürfen nicht bahnleute — im Gegentheil! Man weiß allge-! auf die ausständigen Angestellten zurückgeführ mein, daß die Direktion der Großen Berliner werden. Sie wurden von radausüchtigen Elementen Straßenbahngesellschaft trotz der glänzenden verübt, wie sie stets, und namentlich bei solchen
10 Mk. monatlich, so daß diese auf 120 Mk.
monatlich sich stehen würden. Das ist für „ ,____________„ ________a___________
Berliner Verhältnisse mit ihren hohen I dem Boden der ReichStagk-Bes chlüsse zweiter Les ung! Wohnungsmiethen und auch sonst so außer- Die Kompromiß-Anträge dagegen, welche ordentlich hohenPreisen für allen Lebens- als „Antrag Aich dichter undGen." beimReichS- unterhalt eine sehr kärgliche Entlohnung, tage eingebracht worden sind und der von dem namentlich kärglich, wenn man sie vergleicht mit konservativen Abgeordneten Graf Klinckowström der großen Anstrengung, die der Dienst bei der angebahnten Verständigung mit der Reichsregie- Straßenbahn mit sich bringt. Ein Maurer ver- rung entsprechen, haben — falls sie im ReichS- dient beispielsweise in Berlin 180 bis 195 Mk. tage eine Mehrheit finden — nach der Versiche- monatlich, wenn er täglich zehn Stunden arbeitet, rung des oberoffiziösen Blattes „sichere Auswährend die Leitung der Berliner Straßenbahn- sicht auf Annahme im Bundesrathe". gesellschaft einen zwölfstündigen Arbeitstag von Dieser Antrag soll nach derselben Quelle „die ihren Angestellten innegehalten sehen will. Die äußerste Grenze der Zugeständnisse" bilden, „zu Vertreter der Ausständigen hatten der Direktion welchen die Regierungen tm Interesse eines Zu- mitgetheilt, daß die Angestellten ein Anfangslohn standekommens des Gesetzes sich glauben verstehen von 90 Mk. verlangen, das bis 130 Mk. steigen zu können". Der Antrag Aichbichler und Gen. soll, bei zehnstündiger Arbeitszeit täglich für ist von 89 Mitgliedern des Reichstages unter» Fahrkutscher und Schaffner. Diese Forderungen schrieben. Davon gehören an 44 dem Centrum, sind nicht übertrieben, wurden aber von der 20 der konservativen und 17 der freikonservativen
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„ Gewiß, Herr Pfarrer."
„Die Leute sagen, Ihr wildert!"
„Man sagt viel, Herr Pfarrer!"
„'S ist mehr als großes Gerede, Rosenbauer; Ihr hattet neulich Euren Ehering im Walde verloren. Ich erkannte ihn gleich; hier ist er!"
Der Bauer war erschrocken. ES war ganz richtig. Nur Sonntags trug er den Schmuck, hatte ihn aber bei einer seiner heimlichen Jagdpartieen vergessen abzuziehen und so verloren. Er stand beschämt da.
„Laßt's nun, Martin!"
„Ich — wildere nit mehr, das ist vorbei." „Gott sei Dank! — So lebt denn wohl." „Adieu, Herr Pfarrer."
Der Geistliche ging ins Dorf hinunter.
Der Rosenbauer aber machte es fich bequem vor der Thüre seines stattlichen Hauses. In dem einzig alten Theile des Hofes, der Kelter, hatte er vor Zeiten in einer Wandspinde em altes geschriebenes Buch entdeckt, das allerlei Aufzeichnungen von seinen Vorfahren enthielt; in diesem las er, während Frau Elisabeth geschäftig den Tisch deckte. Da las er's plötzlich, daß ihm ordentlich das Herz stille zu stehen drohte:
„Anno 1652 nach der Weinernt hat mein Vater selig nach den vor den Kaiserlichen und
die gleichen Lehrpläne erhalten und demgemäß würde das Griechische in der Untersekunda beginnen. Weiter weiß das Blatt mitzutheilen, daß bereits feit einiger Zeit Konferenzen von Sachverständigen über diese Fragen im Unterrichtsministerium stattfinden.
• Kokorriakassesssrerr werden gesucht. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt offiziös: Meldungen von Regierungsassessoren und Gerichtsassessoren zum Kolonialdienst sind letzthin nur in geringer Zahl eingegangen. Wir werden von zuständiger Seite darauf aufmerksam gemacht, daß für solche Herren gegenwärtig int Kolonialdienst noch Verwendung ist; nähere Auskunft ertheilt die Kolonial- abtheilung des Auswärtigen Amts.
+ Zum IkeifchSescharr-Hesetze schreibt die osfiziöse,Nordd. Allgem. Ztg.', fie habe „allen Grund, anzunehmen," daß „die verbündeten Regierungen dem (aus den Kreisen des Bundes der Landwirthe hervorgegangenen) Anträge ihre Zustimmung nicht geben werden, ebenso wie fie jeden Antrag ablehnen werden, der für einen bestimmten Zeitpunkt weitergehende Fleischeinfuhr-Berbote
£ Ausstand der Berliner Straßenbahnleute.
Der zweiten Versammlung, genauer gesagt den zweiten Versammlungen der Berliner Straßenbahnleute ist der Ausstand auf dem Fuße ge-
ist's gewesen und dabei bleibt's! Nehmt's halt nit für ungut, Herr Pfarrer."
Er nahm den Brief aus des Geistlichen Hand, las ihn und sagte dann kurz:
Der WosenHof.
Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cass au.
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Schwedischen von dem Großvater vergrabenen Schätzen gesucht und dabei den Felsenborn entdeckt. —
„Hm, hm," brummte der Bauer, „der ist besser als alle Schätze der Welt." Dann las er weiter:
„Er hat aber nichts gefunden; der Schatz muß noch in dem Keller des Hauses stecken. Gebe Gott, daß ihn meine Nachkommen finden, zu Ehren des Hofe» und Geschlechtes.
Rosenhof, den 14. des Maimonds 1701.
Valentin Strasser."
„Na, da sucht nur," lachte der Leser vor sich hin; „das neue Wohnhaus, welches ich habe aufführen lassen, steht noch auf den alten Kellern, die sehr gut und fest waren und damals gründlich untersucht worden sind; wir haben zu jener Zeit nichts von einem Schatz entdeckt."
Als Frau Elisabeth darauf schon zum zweiten Mal zum Abendbrot» rief, stand der Rosenbauer auf und ging brummend hinein.
VII.
Sepp kehrte mit Shellock, der unter seiner Führung verschiedene Ausflüge gemacht, zurück nach Schwengau, da derselbe noch Schloß Hoch- Schwengau in Augenschein nehmen wollte. An der Oese aber mußten sie Halt machen, da dec Engländer erklärte:
„Ick kann nicht ueiter."
Er legte fich an dem Hang zum Ruhen nieder und Sepp leistete ihm Gesellschaft. Während er sich noch gegen den Schlaf wehrte, vernahm er plötzlich Geflüster dicht neben sich, nein, unter sich. Er hörte deutlich die Worte: „Rosenbauer Rache nehmen, Haus anzünden", aber die Stimme kannte
ergänzten Tarif. Zunächst wurde nach der Empfehlung durch den Geheimrath v. Glasenapp von der Reichsbank ein Antrag des natl. Abg. Büsing angenommen, Renten und Schuldverschreibungen ausländischer Staaten, sowie ausländische Eisenbahnobligationen nur mit 2/10 vom Tausend zu besteuern, während in der ersten Lesung 3/10 beschlossen worden waren.
Der Umsatzstempel für Kuxe mit 1 vom Tausend wurde beibehalten, nachdem Abg. Müller-Fulda (Ctr.), Graf Oriola (ntl.) und Graf Arnim (fteikons.) ihn zur erneuten Annahme empfohlen hatten.
Die Rede, die der natl. Abg. Büsing gegen die Beibehaltung von 3/10 vom Tausend als Umsatzstempel für sonstige Werthpapiere hielt, erwies sich als sruchtlos, sodaß nach dem gefaßten Beschluss- auch hier der erhöhte Stempel beibehalten wurde.
Alsdann handelte es fich um den Kauf- stempel für börsenmäßig gehandelte Maaren. Dieser war in erster Lesung in der Höhe von 5/10 vom Tausend beschlossen worden. Auf den Vorschlag des Abg. Müller-Fulda wurde eine Herabsetzung auf 4/10 beschlossen. Es wurde folgender Zusatz beschlossen: „Als börsenmäßig gehandelt gelten diejenigen Maaren, für welche an derjenigen Börse, deren Gebräuche für daS Geschäft maßgebend find, Terminpreise nottrt werden, und bei Maaren, in denen der Börsenterminhandel untersagt ist (§ 50, Absatz 1 und 3 des Börsengesetzes), diejenigen, für welche an der in Betracht kommenden Börse Preise für Zeitgeschäfte notirt werden."
Nach der Mittheilung deS Geheimraths von Glasenapp, daß die von der Kommisfion angenommene Agiobesteuerung wahrscheinlich eine Einnahme von mehreren Millionen ergeben werde, wurde bann auch der vorher zurückgestellte Artikel 4 über die Ermäßigung bei gewissen Arbitragegeschäften angenommen.
Sodann wurde die Berathung der Steuer für SchiffahrtSurkunden angefangen, aber bald nachher wieder abgebrochen, da die Plenarsitzung ihren Anfang nahm.
A«s dem Reichstage.
•<*> 198. Sitzunz vom 19. Mai 1900, 1 Uhr.
Einen verfrühten Schluß hatte die Sitzung Freitag Abend dadurch gefunden, daß die Nationalliberalen auf einmal unter der Führung des Abg. Dr. Sattler der Obstruttion ihre geschäftsordnungswidrigen Geschäfte machen halfen Kurz vor 8 Uhr Abends stellten die natlib. Abgg. Dr. Sattler, Aaflerman« und ASstng einen Antrag auf Vertagung der Debatte, der bei einfacher Abstimmung durch Erheben von den Sitzen ganz sichtlich abgelehnt wurde, allermindestens mit 180 gegen 120 Stimmen. Aber der Schriftführer Dr. Kaffe, der der nationalltberalen Partei angehört, behauptete dennoch im Zweifel zu sein über das Er- gebniß der Abstimmung, und so mußte „Hammelsprung- vorgenommen werden: Abzählen der Abgeordneten beim Hereintreten durch eine Ja-Thür und durch eine Nein- Thür. Durch die Nein-Thür kamen alle die anwesenden Mitglieder der Mehrheit; aber durch die Ja-Thür kam eine ganze Weile lang niemand, und schließlich nur einige wenige, im Ganzen etwa zehn Mitglieder des HauseS. Die Herren von der nattonalliberalen Partei hatten sich mitsammt den Sozialdemokraten und Freisinnigen „dünn gemacht" und waren heimlich entwichen, so daß Beschlußunfähigkeit des Hauses eintrat und die Sitzung abgebrochen werden mußte — ein recht pfiffiges, aber sicherlich recht wenig würdevolles Schnippchen, das die Nationalliberalen der Mehrheit des Reichstages schlugen!
Die Sitzung am heutigen Sonnabend begann zleich mit einer namentlichen Abstimmung, nämlich über >en gestern von den Abgg. Dr. Smdjtt ((Zentrum) und Dr. ». Levehow eingebrachten Antrag auf Schluß der Diskussion über § 362. Der Antrag wurde mit 185 gegen 118 Stimmen angenommen, worauf Präsident $r«f Aalkeffrem ankündigte, er werde nun über den § 362 und über alle zu demselben gestellten .Zusatzanträge namentlich abstimmen lassen.
Darauf entsteht von neuem eine lange Geschäfts- ordnungsdebatte, in der zunächst die Abgg. Singer (sozd.), Aaffermnnn (natlib.). Keine (sozd.), Dr. Sattker(natl), Dichter (freis. BolkSp.), und Stadthagen (sozd.) verlangen, daß über dir gestern noch nicht zur Diskussion ,estelltenAnträgediskutirtwerde. Der Abg. Stadthagen teilt sogar den förmlichen Antrag, sofort zu beschließen, daß über diese Anträge diSkutirt werde —und daS alles, nachdem der Präsident Hraf Baffeffrem erklärt hatte, er sei bereit, auf diesen Wunsch einzugehen, wenn daS Haus das wünsche.
In erklärlicher Lebhaftigkeit stellte der Präsident est, daß ein M-ßverständmß vorzuliegen scheine. Er volle jetzt abstimmen lassen über einige Anträge zu z 362 und dann über den ganzen Paragraphen; damit et das Haus wohl einverstanden? Ein stürmisches Nein der Linken war die Antwort, und die Abgg. Keine (sozd.) und Kansmann-Böblingen verlangt«! von neuem bestimmte Aufklärung darüber, ob die fraglichen Anträge auch wirklich zur Diskussion gestellt würden.
Präsident Hraf Aalleffrem erwiderte, er lege keiner Partei des Hauses Fallstricke, dafür sollte man ihn kennen!; und Abg. Dr. von Kevetzow (kons.) unter»
© Die Flottenvorlage in der Budgetkommission des Reichstages.
XIII.
Die Berathung der Novelle zum Reichs- Stempelgesetz nähert fich nun auch allgemach ihrem Ende.
Heute (Samstag) wurde unverändert in der Fassung der Beschlüsse erster Lesung der dritte Artikel angenommen, der von der Stempel-
und sonstigen Wohlfahrtseinrichtungen für die finden find.
Angestellten außerordentlich knauserig umgebt
und stets umgegangen ist, und deswegen neigt _ M .
sich die allgemeine Sympathie, getrieben von dem Deutsches Keich,
auf die Dauer stets undefieglichen Gefühl der Berlin den 19 Mai
?u80SStenS ' Die ,Kreuzzeitung< hört, nach der im Unter»
ku ®ro$en «'/"^ubaqngesellschaft, richtsministerium geplanten Reform des höhe
bie beinahe den ganzen Straßenbahnverkehr in | tex Schulwesens würden das Gymnasium und das Realgymnasium bis einschließlich Obertertia
In der Nähe von Schwengau traf er, in tiefe Gedanken versunken, mit dem Dornbaurr zusammen. Der Hof desselben, von hohen Dornhecken umgeben, war der schönste im ganzen Orte, schöner noch als der Rosenhof. Dennoch kam er dem armen Manne jetzt verödet vor, denn der schönste Schatz, den die Dornhecken umschlossen, wie einst pn Märchen das Dornröschen, seine junge Frau, die er sich aus der Nähe der Königsstadt geholt, hatte ihm der unerbittliche Tod fammt dem neugeborenen Kinde geraubt. Voll Gram, sich immer Weber an sein Leid erinnernd, hatte er nun beschlossen, seinen Hof verkaufen zu wollen, um in »er neuen Welt ein neues Leben zu beginnen. Ernstlich sah er sich deshalb nach einem Käufer um. Kopfschüttelnd hörte ihm der Rosenbauer zu. „Ihr habt all' einen jämmerlichen Begriff von dem Stande eines echten Bauersmannes; wer's »on Herzen und durch und durch ist, hält fest an wne« Rechten und Pflichten, wie — an seiner Scholle. Ich könnt das nit thun."
„Die Ansichten sind eben verschieden, Nachbar." »Ja, ich aber bleib bei den meinigen!" Und noch verstimmter trat er in« Haus.
®r fand dort einen seltenen Gast, um dessent- —/ ?Hen Frau Elisabeth mit Besorgniß die ZorneS-
23.1° er an der Schläfe des Gatten sah. Jndeß, der »°uer bemeisterte sich, hieß den Pfarrer will- W Minen und fragte nach seinem Begehr. Heimlich
hatte er Angst, der Pfarrer möchte ihm wegen „'S bleibt doch dabei!"
seines Hanges zum Wildern ins Gewissen reden. „Das thut mir leid, Martin; die jungen Leute
„Ich habe ein Anliegen, Strasser!" lieben sich."
„Was ist'«, Herr Pfarrer?" „Kann'S nit ändern! Mein Mädel kennt meinen
„Sn hört! Ich habe da ein Schreiben be- Willen und wird sich danach richten."
kommen", — hier zog er den Brief aus der Brust- „'s ist gut, Rosenbauer. Nun habe ich aber tusche —, „von einem hohen Herrn, nämlich von noch einen kitzlicheren Punkt. Versprecht Ihr mir Seiner Königlichen Hoheit, dem Prinzen Adalbert." auch, ruhig zu bleiben ?"
„I was! — Aber was geht das mich an ?" „Hört nur zu! — Der Prinz hat Anno 70 beim Werther'schen Korps als Leutnant gestanden mit Eurem früheren Knechte Joseph Ropp zusammen. In der Schlacht ist der Prinz verwundet worden und liegen geblieben. Da hat ihn der Joseph mitten im Kugelregen aus dem Feuer getragen, ist aber selbst dabei verwundet worden. Der Prinz hat nach feiner Genesung durch die Zeitungen seinen Retter aufgefordert, sich zu melden, da hat aber Freund Sepp selbst im Lazareth gelegen. Jetzt haben sie sich in Hoch-Schwengau wiedergesehen, wo der Prinz bei Seiner Majestät dem Könige gespeist hat. Er will den Sepp nun fürstlich belohnen und zu seinem Beamten machen; derselbe wird von nun an eine große Rolle spielen. Der Prinz ersucht mich nun, in seinem Namen und Auftrage, für den Sepp um die Hond Eurer Tochter Leonore zu bitten I"
„Hab's nit gedacht? — Sagt dem Prinzen, Herr Pfarrer, wenn er auch selbst käm', das änderte nix an der Sache; meine Loni dürfte nur einen Bauern heirathen. Art bleibt bei Art! So