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sie Inserat« 2. Parzelle» tx Saite. mit Anlerhaltungs-Meikage „Muflrirte Sonntags-Zeitung" peterazalle Nr. 2 (txnraionU).

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JuLöcr, Samstag, den 19. Mai 1900.

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Zweites Wt'crtr.

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Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 19. Mai.

Die Schicksale der Flottenvorlage werden erst nach dem Pfingstfeste entschieden werden; denn noch steckt dieselbe in der Budgetkommisfion des Reichs­tages, die nach der Vereinbarung der leitenden Grund­sätze noch die nöthige Kleinarbeit zu leisten hat in der Feststellung des Wortlautes der einzelnen Paragraphen sowohl der eigentlichen Flottenvorlage selbst, als auch der Gesetzentwürfe, die die bewußten Erhöhungen von Steuern und Zöllen zur Deckung der Kosten der Flottenvermehrung anordnen. Am letzten Dienstag hat die Budgetkommisfion die zweite Lesung begonnen, wobei die ersten fünf Paragraphen der Flottenvorlage ohne jegliche Debatte nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen wurden. Das beweist, daß Nie­mand mehr in der Kommission etwas einzuwendcn hatte gegen die nach dem vom Centrum beantragten Gesetzentwürfe verringerte Flottenvermehrung und gegen die alljährlich von neuem durch den Reichstag festzustellende Bewilligung der nöthigen Mittel im Reichshaushaltsetat. Auch an den leitenden Grund­sätzen in der Art der Kostendeckung wird die nach­folgende Berathung nichts mehr ändern.

Erst langsame, dann rasche Arbeit hat der Reichs­tag gemacht mit der zweiten Lesung der fünf Un- fallversicherungsgesetze. Die Herren „Ge­nossen" haben ihre eigene endlose Afterberedtsamkeit satt bekommen und haben nur noch einige aussichts­lose Abänderungsanträge gestellt und auch nur noch dann und wann zwecklose Dauerreden gehalten, nach­dem sie im Anfänge geradezu Orgien gefeiert hatten in solchem fruchtlosen und schädlichen Beginnen. So konnte am letzten Mittwoch das letzte dieser fünf Ge­setze in zweiter Berathung erledigt werden. Das Er- gebniß der zweiten Berathung im allgemeinen ist die in allen Hauptsachen unveränderte Annahme der An­träge der Kommission. Am Donnerstag danach ist die Fortsetzung der dritten Berathung der lex Heinze ausgenommen worden, natürlich, wie man sich denken kann, belastet von einer wahren Hochfluth neuer, von den Sozialdemokraten eingebrachter Hinde­rungsanträge, und gekennzeichnet durch erneute Er­regung in der Stimmung des Hauses. Wie die Be­rathung enden wird, ist in dem Augenblicke, in| dem wese Zeilen zu Papier gelangen, noch vollkommen unklar.

Zum Bischof von Paderborn ist vomDom- kapüel DompropstDr. Wilhelm Schneider dort- selbst gewählt worden, ein Sohn Westfalens, geboren am 4. September 1847 zu Gerlingen im Sauerlande. An seiner Bestätigung ist nicht zu zweifeln. Die durch den Tod verwaiste österreichische Erzdiözese Salz­burg hat als neuen Oberhirten Herrn Dr. Johann Katschthaler bekommen, bisher Weihbischof in Salzburg.

In der württembergischen zweiten Kammer ist der Antrag des Centrums, eine progressive Umsatzsteuer für die W a a r e n h ä u s e r einzuführen, abgelehnt worden, aber nur durch die Persönliche Entscheidung des demokratischen Kammer­präsidenten Payer, da im übrigen Stimmengleichheit vorhanden war. Hinterher wurde beschlossen, der Re­gierung den Antrag zur Erwägung zu empfehlen; "der der Herr Finanzminister von Zeyer gab gleich oon Anfang an eine ablehnende Erklärung ab, der M Herr P i s ch e k, Minister des Innern, anschloß. »US Grund für diese rückständigen Anschauungen gab -vnnister von Zeyer unter anderem an: Die Waaren- Mare feien nicht ausschließlich am Rückgänge des ^ilttelstandes betheiligt! Das hat noch Niemand be- M'iet; und Herr von Zeyer hat sich gehütet, die schuld der Waarenhäuser überhaupt in Abrede zu peuen. Aber wenn man mit Reformen vorgehen ?1"' muß man doch irgendwo den Anfang machen, "ort, wo die besten Handhaben dazu gegeben find, und wer sich, wie die württembergische Regierung, °"ch gegen einen solchen Anfang sperrt, der beweist c5°urch, daß er überhaupt kein Berständniß hat für oie Bedürfnisse seiner Zeit.

Da beweisen sogar die süddeutschen Demo- raten noch besseres Berständniß für manche Noth- wendigkeiten der Zeit. Auf einem Parteitage, den eftlben in Baden abgehalten haben, hat ein Mitglied oita Parteitages in sehr verständiger Weise davor gewarnt, sich hartnäckig gegen eine Erhöhung der ?""idezölle zu sperren, wie das engere Gefolge "es Herrn Eugen Richter und die Sozialdemokraten; und m ebenso verständiger Weise hat das Hauptblatt

*>ernofraten in Württemberg, der Stuttgarter 'Beobachter', auf diese Anregung in derselben Weise geantwortet: „als ob es nicht ein alter demokratischer wäre, daß da, wo die Selbsthilfe nicht aus-

Swatshilfe einzutreten hat; und als ob es >cht selbstverständlich wäre, daß dieser Grundsatz für w Landwilthschaft keine Linie weniger gilt, als für o>e anderen Berufsstände".

bpm hechte Erfahrungen haben die Sozial- m o kraten bei der Ersatzwahl zum Reichstage im Ölkrise Offenburg-Kehl gemacht. Tie Zahl bnntiootnmmcn sst seit der Hauptwahl vor 2 Jahren fleonJ8^9 die Hälfte, nämlich auf 906 zurück- frnw*en‘, ®er Beilust wird von dem sozialdemo- fiü nk .Huuptorgan in Baden auf die faulen Zu- wan?nn?""erhalb der Partei zurückgeführt: svrn»» ».E 7-fo warnt das bezeichnete Organ— dafür

8 - "aß „wieder gesunde Parteiverhältnisie herbei­

geführt werden". Die Leute müssen das doch am besten wissen.

Die parlamentarischen Delegationen von Oesterreich und Ungarn sind zu neuen Berathungen in Budapest zusammengetreten, und so­wohl Kaiser Franz Joseph als auch Vertreter der Ministerien und fast aller politischen Parteien in Oesterreich-Ungarn haben diese Gelegenheit benützt zu Kundgebungen lebhafter Genugthuung über den groß­artigen Empfang, der dem österreichischen Monarchen in Berlin zu Theil geworden ist. Namentlich ungarische und polnische Parlamentarier sind mit solchen Kundgebungen hervorgetreten, ohne irgend welchen Widerspruch zu finden, so daß man daraus ersieht, daß auch in der Abneigung gegen den Bund mit Deutschland die Tschechen ganz allein dastehen. Besondere Beachtung verdient auch eine Bemerkung des Kaisers Franz Joseph bei dem Empfange der Delegationen in Budapest, durch die der Monarch mit besonderer Betonung auf „das stete Einvernehmen mit dem russischen Reiche in allen den nähern Orient betreffenden Fragen" hinwies.

Auch in Frankreich hat die Berliner Kaiser­zusammenkunft günstige Besprechungen gefunden. Der Franzose ist bekanntlich sehr empfänglich für allerlei kleine Liebenswürdigkeiten auf unpolitischem Gebiete; und so ist man in Paris sehr erfreut darüber gewesen, daß bei der Festvorstellung zu Ehren des Kaisers Franz Joseph im Berliner Opernhause eine französische Oper zur Aufführung gelangte. Sogar der ,Gaulois', ein Hauptorgan der französischen Nationalisten, hat das in diesen Tagen rühmend hervorgehoben.

Die Nationalisten haben bei den Neuwahlen zum Pariser Gemeinderathe vortreffliche Geschäfte ge­macht: von nun an machen in dieser Körperschaft die nationalistisch gefärbten Mitglieder die Mehrheit aus. Aber im ganzen anderen Lande hat die Liste der Republikaner gesiegt.

In Geldsachen hört schon nach dem alten deutschen Spruche die Gemüthlichkeit auf; und jetzt zeigt es sich, daß der Spruch auch angewandt werden kann auf die Freundschaft zwischen Frankreich und Ruß­land. Die Russen haben wieder einmal eine An­leihe nöthig und haben sich in gewohnter Weise zur Begebung derselben an die Franzosen gewandt; aber diese letzteren zeigen sich diesmal recht spröde int Geld­geben, während sie sonst der großen Allianz zu Liebe immer willig tief in ihre Taschen griffen. Ja, wenn der Zar in ganzer Herrscherherrlichkeit nach Paris kommen und die Weltausstellung besuchen wollte — so hat man dem russischen Finanzminister Witte an- gedeutet — dann würde die russische Anleihe auch diesmal in Frankreich unterzubringen sein. Der Be­herrscher aller Reußen wird wenig erbaut gewesen sein von dieser Art, ihn als Ausstellungsgegenstand zu be­handeln.

Wilde Auftritte, haßerfüllte Blicke, geballte Fäuste, revolutionäre Lieder, wiederholte Schließung der Sitzung — das waren die äußeren Kennzeichen gleich der ersten Sitzung der zweiten italienischen Kammer nach den Parlamentsferien. Bor den Ferien war es der Regierungsmehrheit gelungen, die neue verschärfte Geschäftsordnung für die zweite Kammer zur Annahme zu bringen; ober die Oppo­sition der Linken ist fest entschlossen, diese neue Ord­nung der Dinge sich nicht gefallen zu lassen, und so machte sie durch wiederholten wilden Lärm gleich die Abhaltung der ersten Kammerfitzung am letzten Diens­tag unmöglich. Unter solchen Umständen bleibt kaum etwas anderes übrig als die Kammer aufzulösen und das Experiment der Neuwahlen zu machen. Nach Meldungen aus Rom soll sogar schon der Zeitpunkt für die letzteren bestimmt fein: 10. Juni, Stichwahlen 17. Juni, Einberufung der neuen Kammer zum 22. Juni. Will die Regierung die Hartnäckigkeit der Opposition durch die Gluth der italienischen Hoch­sommersonne zum Schmelzen bringen?

Nicht minder unruhig sind die Zustände in Spanien. Der Aufruhrkessel in Katalonien schäumt bei jeder Veranlassung von neuem über, und nur rohe Gewalt kann die Ordnung dort noch auf­recht erhalten, wenn die Regierung nicht einige der verlangten Reformen zugestehen will. Es ist ohne Zweifel ein großer Fehler, daß die spanische Regie­rung nach wie vor ein Friedensheer unter der Waffe erhalten will, das demjenigen an Stärke nichts nach­gibt, das Spanien vor dem Verluste seiner Kolonien sich hielt. In diesem Punkte könnte Spanien sehr erhebliche Verbesserungen und Ersparnisse machen; aber bisher wollte man durchaus diese Nothwendigkeit noch nicht einsehen; und so ist zu dem alten Auftuhr- heerd in Katalonien ein neuer in Südspanien ge­kommen. Schließlich wird man gezwungen das thun müssen, was man jetzt aus freien Stücken nicht thun will.

In eine sehr bedenkliche Lage ist die Regierung des Kongo st aates gekommen. Schlechtes, grau­sames Regiment und nachlässige Verwaltung haben dort gefährliche Empörungen hervorgerufen, die dazu geführt haben, daß die Regierung die Hauptstadt Borna gegen das Geschützfeuer der Auftührer ver­teidigen mußte. Es wird ihr nicht leicht werden, die Empörung wieder zu unterdrücken.

Im Oranje-Freistaat ist Feldmarschall Ro­berts ein gutes Stück vorwärts gerückt; er hat Kroonstad genommen und die 7000 Buren, die die Stadt besetzt hielten, haben sich vor dem Andringen der Briten über den Vaalfluß zurückgezogen. Jetzt ist Roberts von Pretoria, der Hauptstadt von Transvaal, nur noch 230 Klm. entfernt!

Aber auch die Buren haben einen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen: das so lange, seit dem Be­ginne des Krieges von ihnen belagerte, von dem britischen Obersten Baden-Powell vertheidigte Mafe- king ist in ihre Hand gefallen. Der genannte

oritische Offizier hat am Morgen des letzten Sonntag kapitulirt. Der Erfolg der Buren ist also unbestreit­bar. Immerhin ist die gesammte Streitmacht des Obersten Baden-Powell nur 700 Mann stark. Die Belagerung dürfte also den Buren verhältnißmäßig theuer zu stehen kommen!

IJtratnmitg ta Lilhslidm unb Storni auf ba Sttl- mb IMÄtt.

I.

Es ist Thatsache, daß die'Katholiken ihre Söhne mit Vorliebe auf die Pro­gymnasien und Gymnasien schicken und die Real- und Fachschulen verschmähen. Die Gymnasien sind die Vorbildungsanstalten für die höhere Beamtenlausbahn, für die Geist­lichen, Gelehrten, Aerzte usw., die Progymnasien find Vorbereitungsanstalten für die Gymnasien. Die Realschulen, die technischen und Fachschulen bilden vor für das gewerbliche Leben, für den Kaufmannsstand, für den Techniker, Ingenieur, Bauhandwerker, Großgewerbetreibenden, Indu­striellen usw. Die Statistik lehrt nun, daß die Katholiken mit Vorliebe ihre Knaben den Gymnasien, Progymnasien und sonstigen Vorschulen der Gymnasien zuführen, dagegen von den gewerblichen Schulen ihre Söhne zurückhalten. Nach dem Verhältnifse der Konfession in Preußen müßten unter den Studirenden i/a Katholiken, 2/a Protestanten sein. Ostern 1899 studirten an Progymnasien 6586, und zwar 2690 Prote­stanten und 2896 Katholiken. An diesen An­stalten befanden sich also Über die Hälfte Katholiken, 1034 mehr als das ihnen zu- stehende Drittel! Nehmen wir aber dazu, daß außer den Progymnafien es noch eine große An­zahl anderer Borbereitungsschulen für die Gym­nasien gibt, sog. Rektoraifchulen, (in den Reg - Bez. Minden und Arnsberg allein gibt es deren 23) und daß alle diese Schulen gut besucht find, dann steigt die Zahl der katholischen Knaben, welche zu Gymnafialstudien vorbereitet werden, noch sehr bedeutend zu Gunsten der Katholiken, weil die Protestanten verhältnißmäßig nicht so viele „Rektoratschulen" haben.

Es ergibt sich hieraus, daß der Drang der Katholiken nach wiffenschaftlicher Bildung min­destens ebenso groß ist, wie bei den Protestanten. Aus den Gymnafien ändert fich aber das Ver- hältniß schon: Gesammtzahl der Gymnastasten 76425, davon 52451 Protestanten und 23974 Katholiken (an dem Drittel fehlen 1501). Hier­aus folgt, daß eine große Anzahl katholischer Knaben die Progymnasien und die unteren Klaffen der Gymnasien besuchen, dann aber diese An­stalten verlaffen.

Die Realschulen werden unbegreislicher- weise von den Katholiken verschmäht. „Die Gesammtzahl der christlichen Schüler an diesen Anstalten ist 24939, davon sind nur 2927 ka­tholisch, während das prozentuale Drittel 8313 beträgt." Es fehlen hier also 5386 katholische Schüler. Hier haben wir darum den Schlüffe! zu dem Räthsel, wie die Katholiken in den höheren Vermözensklaffen immer mehr und mehr zurückgehen und bei den „oberen 10000" bald gänzlich verschwinden werden. Sie treten in den reicheren gewerblichen Ständen zu­rück, weil sie die Realschulen und gewerblichen Schulen verschmähen, welche für jene Stände vorbilden.

Denn es ist Thatsache, daß die Katholiken in Preußen (und auch im-übrigen Deutschland) immer mehr verarmen.

Wem dieses noch zweifelhaft ist, der lese nur die Verhandlungen nach, welche vor kurzem im Preußischen Abgeordnetenhause geführt find über daS Dreiklaffenwahlsystem, und beantworte fol­gendes: In allen größeren preußischen Städten, welche ehemals ganz katholisch waren, in denen also daS ganze Vermögen ausschließlich in katholischen Händen war, find die Katholiken auS der ersten Wahlklasse ganz ver­drängt, in der zweiten Wahlklaffe werden ihrer immer weniger, häufen sich dagegen in der dritten Klaffe. Wir erinnern nur an Köln, Düffeldorf, dornt, Essen, Bochum, Breslau, Trier. In anderen Städten wie Aachen. Mün «er, Paderborn wird die Zahl der Katholiken in der ersten und zweiten Klaffe immer kleiner. Auch selbst in kleinen Landstädtchen geht die Zahl der katholischen Wähler in den beiden höchsten Klaffen merklich zurück, dagegen ist unS keine protestan- ttsche Stadt bekannt, in welcher Katholiken in den höchsten Wähler klaffen zahlreich vertreten sind.

Ferner ist es Thatsache, daß das Vermögen nicht im Beamtenstande, sondern in den ge­werblichen Ständen erworben wird.

Zwar find die Gehälter der Beamten merklich aufgebeffert, reichen aber doch nur aus, damit der Beamte standesgemäß leben kann. Will er, ohne väterliches Vermögen zu besitzen, mehr er-

27. Jahrgang.

reichen, will er namentlich später für hinreichende Ausbildung einer zahlreichen Familie sorgen, dann muß er ein reiches Mädchen, und zwar fast immer ein Mädchen aus den gewerblichen Ständen heirathen; denn in den gewerblichen Ständen steckt das Vermögen.

Halten wir diese Thatsachen mit den oben angeführten Ergebnissen der Statistik über den Befnch der verschiedenen Bildungsanstalten für Knaben zusammen, so wird uns klar, warum leider die Katholiken immer mehr aus den reichen Klaffen verdrängt werden, und wir kommen noch zu einer Reihe anderer wichtiger Folgerungen.

Eine große Zahl katholischer Knaben besucht nur 3—5 Jahre ein Progymnasium oder Gym- nafium oder Rektoratschule, gehl dann ab, um sich einem andern Beruf zuzuwenden, weil sie nicht das Talent oder den Trieb oder die Mittel haben, das Gymnasialstudium und später die Univerfitätsstudien durchzumachen. Was wird aus diesen Knaben? (Einzelne Ausnahmen, in denen ein Knabe sich durch sein Talent und seine Streb­samkeit noch leidlich durcharbeitet, kommen nicht in Betracht.) Für das gewerbliche Leben haben sie auf dem Gymnasium nichts gelernt — wenig­stens würden sie in der Elementarschule viel mehr dafür gelernt haben. Die Lust und das Geschick zur praktischen gewerblichen Arbeit haben sie verloren, oder doch nicht aus­gebildet. Der körperlichen Arbeit, des Arbeits­anzuges u. s. w. scheuen sie sich. (Vor kurzem war ein Knabe, der bis Tertia auf dem Gymna­sium gewesen, bei einem Bauhandwerke einge­treten. Als ihm in den ersten Tagen befohlen wurde, ein Stück Holz herbeizuholen, weigerte er fich mit den Worten: Das paßt für mich nicht, in bin ein studirter Mann! Daß er so­fort entlassen wurde, versteht sich von selbst. Andere Schüler, die sich dem Kaufmannsstande zuwenden, werden von ihren ftüheren Mttschülern als „Dütendreher“, „Ellenritter" u. s. w. ver­höhnt. Die Bauern nennen solche, die sich der Landwirthschast zuwenden, „lateinische Oekono- men“. Größere Geschäftsleute erklären, daß sie junge Leute, welche eine Reihe von Jahren da» Gymnasium besucht haben und dann bei ihnen eintreten wollen, nicht gebrauchen können.) Darum find jene Knaben, die nur auf einige Jahre zum Gymnasium geschickt werden, „weil dies eine höhere Lehranstalt ist“, und dann abgehen oder abgehen müssen, in hohem Grade zu de- dauern. Eine große Summe von Talenten katholischer Knaben, die im gewerblichen Leben bei richtiger Ausbildung Großes geleistet haben würden, geht auf diese Weise verloren!

Wie will ich auf eine zweite Folgerung hin­aus? — Alle jene Städte, welche als höhere Bildungsanstalt nur ein Gymnasium oder eine Vorschule für das Gymnasium haben, gehen in gewerblicher Hinsicht zurück, die alten wohlhabenden Familien verschwinden. ES kommen Fremde, namentlich Israeliten, und nehmen das Geschäft im Hause der früheren wohlhabenden katholischen Familien in Benutzung und Besitz. Der Grund hierfür ergibt fich auS obigen Dar­stellungen von selbst. Da daS Gymnasium die einzige höhere Bildungsanstalt für Knaben in der Stadt ist, so schicken alle besser situirten Familien ihre Söhne zu Gymnasien; ein kleiner Theil, der befozberS strebsam ist, vollendet das Studium und bringt es bis zu Universitätsstudien, der größte Tbeil ist für das gewerbliche Leben ver­loren. Andere, welche ihre besser talentirten Söhne für das Geschäft ausgebildet haben, laufen jenen bald den Rang ab. — <58 ist begreiflich, daß in der jetzigen Zett deS Aufschwunges und des größeren Wohlstandes auch die tleinen Städte danach trachten, eine höhere Schule für die Knaben zu erhalten. Mr wünschen ihnen das auch von ganzem Herzen. Aber wenn diese höhere Schule nur eine Vorbereitungsanstatt für das Gymnasium sein soll, dann werden in einem Menschenalter diese Städte denselben Niedergang erleben, den größere Städte vor chnen erlitten haben. Man soll daher diese Schulen so einrichten, daß die von denselben abgehenden Knaben ebensowohl für ein Gymnasium wie für eine Real­oder Fachschule vorgebildet werden. Andern­falls haben nur die Beamten dieser Städte Vor- cheil, die Bürger aber Nachtheil.

Wir wünschen dringend, daß diese AuS- sührungen in jetziger Zeit, wo viele Ettern vor die Frage gestellt werden, wohin sie ihre Söhne zur weiteren Ausbildung schicken sollen, sowie von allen denjenigen, welchen die Erhaltung eines kräftigen katholischen Bürger- und Gewerbestandes am Herzen liegt, ernstlich erwogen werde».

Vermischtes.

* Ein origineller Streit nm einen Finderloh« hat kürzlich durch Erkenntniß des Civilgerichts seinen Ab­schluß gefunden. Ein Kremser, der an einem schönen Sommertage eine Gesellschaft nach dem Grünewald hinausführte, mußte dort ein Weilchen fiillhalten, um