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Jti 115. Jukda, Samstag, den 19."$Rai 1900. 27. Jahrgang.

IlE

G Die Flottenvorlaqe in der Budgetkommission des Reichstages.

XII.

Die Budgetkommission hat am heutigen Frei­tag die zweite Berathung der Novelle zum Stempelsteuergesetze noch nicht beendet.

Zunächst entwickelte sich eine lebhafte Debatte über den Antrag des Centrumsabg. Müller- Fulda, die Anleihen der Städte mit einer Steuer von 2 vom Tausend zu belegen. Aber auch hier vertraten wieder nur die Abgeordneten Singer und Bebel die ausgesprochene Oppo­sition. Alle anderen Redner sprachen dafür, und so wurde der Antrag angenommen.

Außerdem gelangte nur ein von den national­liberalen Abgg. Graf Oriola und Dr. Paasche gestellter Antrag zur Verhandlung, der folgenden Wortlaut hat:

„Antheilscheine gewerkschaftlich betriebener Bergwerke (Kuxe, Kuxscheine) werdm mildem Stempel von 1,50 Mk. für jede einzelne Ur­kunde belegt; außerdem alle nach dem l.Juli 1900 auf Werths der angegebenen Art aus­geschriebene Einzelzählungen: 2 vom Hundert. — Der Bundesrath ist ermächtigt, auf Antrag Einzahlungen, soweit sie zur Deckung von Be­triebsverlusten dienen, von der Einrichtung des Stempels zu befreien. Zur Entrichtung des Stempels für die nach dem 1. Juli 1900 aus­geschriebenen Einzahlungen ist die Gewerk- schaftSkaffe verpflichtet und zwar spätestens zwei Wochen nach dem von der Gewerkschafts­vertretung festgesetzten Einzahlungstermine."

Nach langer Debatte wurde der Antrag an­genommen, eine vom Abg. Graf Arnim be­antragte Resolution dagegen abgelehnt, die den Reichskanzler ersuchen sollte, eine entsprechende Vorlage zu machen, falls dir Verschiedenheit der bergwerklichen Gesetzgebungen dies gestatten sollte.

Am Samstag werden die Berathungen fort­gesetzt.

G Unter dem Banne der Obstruktion.

Berlin-Wien-Rom — ein neuer Dreibund! In Berlin find es die Sozialdemokraten und bürgerlich Radikalen, die Obstruktion treiben. In Rom find es genau dieselben Sozialdemokraten und Radikalen, die genau dasselbe thun. In Wien waren es vor 2 Jahren auch dieselben Leute; heute sind es die radikalen tschechischen Elemente, die — im Vergleich zur Gesammtheit des österreichischen Abgeordnetenhauses ein kleines Häuflein Leute — mit Erfolg alle parlamenta­rische Arbeit hindern, so daß man z. B. am letzten Donnerstag im Verlaufe einer sechsstündigen Sitzung nicht einmal dazu kam, Überhaupt die festgesetzte Tagesordnung in Angriff zu nehmen.

In Berlin im Reichstage sind ebenso wie in Wien diejenigen int äußeren Vortheile, welche die Obstruklion machen. Ihrer brauchen immer nur TTT1.............................Will !■ WHIM»II|I|||I|

Der WosenHof.

Eine Erzählung aus den Bergen von Carl C ass au.

11 ------ (Nachdruck verboten.)

Sie gingen alle ihres Weges, schließlich aber vermißte man Pfilzer.

„Wo ist Pfilzer?»hieß es, „Pfilzer! Pfilzer!“ - aber keine Antwort kam. Endlich ward man un­geduldig und ging heim.

Der Grüne war unterdeß bei Gigo geblieben, ben er angerufen. Zuerst war der Zigeuner miß- ^auisch und zurückhaltend, jetzt aber saßen die Beiden unter einer Buche beisammen und flüsterten leise:

»Du mußt Dich an ihm rächen, Zigeuner," gab ihm bet Grünrock teuflisch ein; „er ist ein Hund, der die Peitsche verdient!"

. »Aber wie ansangen dos?" meinte Gigo. „Er lst stark, wie zehn von Leuten unfrigen!"

»Steck ihm das Haus überm Kopf an; das versteht Ihr Zigeuner ja!"

„Rothen Hahn aufsetzen, ja, daS machen Gigo ^-ust; aber Rache muß bester fein, bester!"

„So nimm ihm sein Kind; er liebt den Toni «ehr als fein Leben."

„Sein Kind rauben? Ja, ja!" schrie Gigo, «q * ^hr gut!" Seine Augen rollten, feine wieder *U$teR‘ P^tzlich aber erlosch das Feuer

roo lassen; Gigo ist verstoßen, bis die Sonn sich wenden!"

Versteck? — Komm, ich zeig Dirs."

e Dritten bis zur Oese zurück. Hier erren ;fte den Hang hinunter, und in einem

50 anwesend zu sein im Reichstage, um mit Er­folg den Antrag auf namentliche Abstimmung zu stellen. Die Mehrheits-Parteien, in diesem Falle die parlamentarischen Ordnungs-Parteien, müssen aber beständig in voller Stärke versammelt blei­ben, um das Haus beschlußfähig zu erhalten. Thun sie das nicht, so tritt sofort Beschlußunfähig­keit ein; die Sitzung muß abgebrochen werden und die Obstruktion hat sofort wieder einen vollen Erfolg erzielt. Die parlamentarische Gesammtheit steht also auf diese Weise unter dem Banne einer kleinen Minderheit, und damit wird im vollen Sinne des Wortes die ganze parlamentarische Grundlage umgekehrt. Hier herrscht Gewalt; Ge­walt geht vor Recht, und eine Minderheit ist es, welche die unrechtmäßige Gewalt ausübt über eine starke Mehrheit. Das Alles widerspricht an sich den parlamentarischen Grundsätzen. Und wenn man sich die Leute anfieht, die auf diese Weise das Recht durch die Gewalt töbten wollen, bann gewinnt man davon einen noch viel eigenthüm- licheren Eindruck; denn das sind ja in Berlin, Wien und Rom gleichmäßig überall dieselben Leute, gerade diejenigen, welche 1848 unv 1849 die Revolution machten, um den Regierungen die Einsetzung der Parlamente abzuzwingen, und die bisher sich immer so anstellten, als sei es das -scheußlichste aller Staatsverbrechen, an ben Grundlagen unseres Parlamentarismus und seiner hergebrachten Elnrichtungen zu rütteln.

Und nun kommen dieselben Leute gleich­zeitig in Rom, Wien und Berlin und stellen sich an, als sei es ihre Hauptaufgabe, durch ihre parlamentarischen Gewalrthaten allen Feinden des Parlamentarismus schneidige Waffen in die Hand zu drücken, damit diese den ihnen verhaßten Parlamentarismus todtschlagen können. Das Gebühren dieser Leute ist also gleichzeitig gs- walthätig, ungerecht, ordnungswidrig, gegen das, was diese Leute sonst immer als ihre politischen Grundsätze hinstellen, und gleichzeitig außerordentlich kurzsichtig. Der Parlamen­tarismus wird dadurch in Verruf gebracht, allermindestens des hohen Ansehens beraubt, dessen er sich bis jetzt wenigstens noch bei uns in Deutschland erfreute; und wenn einstmals der Tag kommen sollte, an dem der heute erst ein halbes Jahrhundert alte deutsche Parlamentaris­mus machtlos und zertreten am Boden liegt, verlacht und verspottet vom deutschen Volke und von der ganzen Welt, dann würde die Geschichte als die Urheber dieser Zerstörung diejenigen Leute an den Pranger stellen, die durch ihre Obstruktion den Parlamentarismus und seine machtvolle Stellung untergruben, sie als Uebelthäter, aber auch als jämmerliche Heuchler brandmarken, weil sie bisher vorgaben, es gehe ihnen in der Politik nichts Über den Parlamentarismus und über die Erhaltung seines Einflusses und seines Glanzes.

In Italien hat die parlamentarische Mehr­heit eine Waffe sich geschmiedet gegen die Leute von der Obstruktion und gegen ihre widerrecht­lichen Handlungen: sie hat eine verschärfte Gefchäftsordnung eingeführt. Auch im deutschen Reichstage ist der Wunsch, dieselbe Maßregel zu treffen, bereits laut geworden; aber es ist bis jetzt nicht zur Ausführung dieser Maßregel gekommen, weil die Mehrheit noch

dichten Latschengkstcüpp zeigte sich beim Scheine entflammter Streichhölzchen ein Eingang. Sie krochen hinein und Pfilzer machte abermals Licht, indem er einen in der Wand steckenden Kienstock entzündete.

„Schwöre bei dem guten und bei dem bösen Geist, an den Ihr glaubt, diese Höhle keinem Menschen zu zeigen!" forderte Pfilzer.

Der Z'.geuner schwor.

Nun gingen fie weiter und es zeigte fich, daß die Höhle umfangreich genug war, wohl zwanzig Menschen Platz zu bieten. Pfilzer ober sagte:

„Hier, Zigeuner, bist Du sicher! Da — und er gab ihm, was er hatte, — „hast Du Geld; kaufe, was Du brauchst; für Fleisch will ich schon sorgen. Das andere findet fich später." Dann stieg er hinaus. Nicht lange hernach knallte der Stutzen und ein Reh war erlegt. Pfilzer weidete es aus und trug das Wild in die Höhle, wo es ihm der Zigeuner abnahm. Sie flüsterten noch eine Weile mitsammen, dann ging Pfilzer heim, während Gigo sich in der Höhle häuslich ein­richtete.

VI.

In dem einzigen Gasthause Schwengaus, im „Adler", wohnte seit mehreren Tagen ein reicher Engländer, Mister Shellock, der das Geld mit vollen Händen ausstreute. Er hatte Sepp als Führer gemietet und für heute eine Bergfahrt befohlen, auf welcher er die Sennwirthschaft kennen lernen wollte. Da dachte Sepp an die Loni und beschloß, ihr den Besuch abzustatten.

Früh gings also vorwärts, bis man gegen zehn Uhr die Almmatten und die Sennhütte zu

immer nicht an den Grundlagen des Reichstages rütteln wollte, obwohl niemand es ihr verdenken könnte, wenn sie Gleiches mit Gleichem vergelten würde. Möge daraus nun werden, was immer es wolle — eine Thatsache bleibt bestehen und ist nicht Hinwegzuleugnen: die Obstruktion be­deutet nichts Anderes als die unmittelbare Ab­leugnung und Bekämpfung des Grundgedankens von der Mehrheit, auf dem der Parlamentaris­mus unserer Zeit der großen Hauptsache nach beruht; und diese Obstruktion unternimmt die äußerste Linke des deutschen Reichstages, obwohl die Erfahrungen in anderen europäischen Staaten bereits gelehrt haben, daß die Obstruktion leicht dazu führt, ganze Parlamente leistungsunfähig zu machen und die Gewalt, wie jetzt Jahre lang in Oesterreich, nach dem Muster absolut regierter Monarchien wieder vollkommen in die Hand der Regierung zu legen. Möge dieses ebenso frevel­hafte wie thörichte Beginnen niemals zu Folgen führen, die am schwersten gerade auf jenen Leuten lasten würden, die heute durch unsinnige Anträge und stundenlange Reden ohne Inhalt die ordnungsmäßige Arbeit des Reichstages lahm zu legen suchen!

Deutsches Deich.

Berlin, den 18. Mai.

• Kirre Kaiferreife -nach K«gka«d ist auch für dieses Jahr von verschiedenen Zeitungen angekündigt worden. Dem gegenüber wird in anderen Zeitungsmeldungen behauptet, „bis jetzt" sei in Hofkreisen nichts davon bekannt. Meldung und Gegenmeldung stehen beide auf sehr schwachen Füßen.

h. A8g. Dr. LieScr erfreut sich nach wie vor in Camberg des besten Wohlbefindens. Mehr­fach schon ist der verehrte Centrumsführer enl- schlossen gewesen dazu, wieder nach Berlin zu kommen, um an den parlamentarischen Arbeiten theilzunehmen, und namentlich gestern und heute ist Herr Dr. Lieber von der Centrumsfraktion des Reichstages in freudiger Stimmung und Hoffnung auf gesundes Wiedersehen in Berlin erwartet worden. Aber Herr Dr. Lieber ist nicht einge­troffen : er ist ärztlichem Rathe und den Vorstel­lungen seiner Familie gefolgt und will seine Ge­sundheit noch ein wenig länger schonen, um dann bei den wichtigen Verhandlungen, die später noch folgen, um so sicherer anwesend sein und Mit­arbeiten zu können. Vor allen Dingen steht dem Reichstage ja noch die Flottenvorlage bevor!

X Die arme« Körse«millio«äre wandeln die Wege der Opposition gegen die lex Heinze: fie haben eine Abordnung an den Reichs­kanzler Fürsten Hohenlohe entsandt und durch diese eine Entschließung überreichen lassen, die am 12. ds. MtS. von der Berliner Fondsbörse gefaßt worben ist und gegen die in Aussicht genommene Erhöhung der Stempelsteuer für Börsengeschäfte Einspruch erhebt. Die Dar- legunaen der Goethebund-Männer, so scheinen die Herren von der Börse anzunehmen, sind nicht wirkungslos verhallt; fo werden diese persönlich überreichten „Entschließungen" am Ende auch nicht nutzlos fein. Der Empfang der Abordnung,

Gesicht bekam. Seit jener Stunde, wo Sepp Abschied genommen, waren nun vierzehn Tage vergangen und die erkrankte Vroni war so weit genesen, daß sie vor der Sennhütte sitzen konnte.

Auf der weiten Matte grasten gegen sechzig scheckige, wohlgenährte kräftige Kühe, die sich das duftige Gras und die wohlriechenden Kräuter der Berge wohlschmecken ließen. Auf einem Hügel lag malerisch die Sennhütte von Holz mit drei Gemächern und einem Heuboden baS Dach mit Schindeln bedeckt und mit Felsbrocken beschwert.

Vroni begrüßte die Ankommenden.

„Wo ist Loni?" fragte Sepp.

„Es haben sich ein paar Kühe verstiegen, dir holt fie zurück."

Der Engländer untersuchte währenddem die Hütte:

„Das is ßähr unbelnäm," meinte er, „kein Platz ßu ßlafen, kein Sopha und kein Stuhl."

„Freilich," lachte Sepp, „hier gibts nur harte Holzbänke, dafür haben wir aber duftiges Heu. Davon kann man sich ein Lager machen."

„Well, Heu, getrocknet grass?"

Sepp nickte.

„Packen Sie aus, ick bin hungry!“

Sepp gehorchte.

Für die arme Vroni war es ein Hochgenuß, als Mr. Shellock sie galant zur Theilnahme am Frühstück einlub, das aus Schinken, Rauchfleisch, Wurst, Butter, Eiern, Weißdrod und Rothwein bestand, denn da oben gkbts nichts als Milch, Käse und Schwarzbrod, nebst etwas Butter.

Der Engländer und die Vroni aßen also, jener mit dem Appetil eines Bergsteigers, diese mit der Lust einer Genesenden. Sepp aber saß

über den erst heute berichtet wird, hat Donners­tag Nachmittag stattgefunden. Wahrscheinlich kannten die Herren damals noch gar nicht die geharnischte Erklärung des Schatzsekretärs Frhr. von Thielmann in der Budgetkommisfion des Reichstages, daß bei ihm von einem Verzicht auf die Erhöhung der Börfenumsatzsteuer gar nicht die Rede fein könne.

* Der Kompromitzaulrag Klirrcklow- stroem zu § 14a und 14b der Fleifchbeschau- vorlage lautet: „Der Bundesrath wird er­mächtigt, abweichend von den Bestimmungen deS § 1, zur Einfuhr in das Reichsgebiet zuzulaffen: 1. Speck, Schweineschmalz und Därme, 2. ge­räucherte Schweineschinken und frisches Fleisch, letzteres jedoch nur in ganzen Thierkörpern, die bei Rindvieh, ausschließlich der Kälber, und bei Schweinen in Hälften zerlegt sein können. Mit den Thierkörpern muß Brust- und Bauchfell, Lunge, Herz, Nieren, bei Kühen auch das Euter in natürlichem Zustande verbunden fein. Der Bundesrath ist ermächtigt, diese Vorschriften auf weitere Organe .auszudehnen. Für die Zeit nach dem 31. Dezember 1903 find etwaige Ausnahme­bestimmungen für die unter § 2 genannten Fleisch- arten durch Gesetz neu zu regeln. — Das ®en­ttarn wird, vielleicht mit ganz wenigen Aus­nahmen, für den Kompromißantrag stimmen. Man rechnet auf dessen Annahme, da auch von den Konservativen, die die anderen Anträge unterschrieben haben, schließlich ein großer Tbeil für den Kompromiß stimmen dürfte, wenn nicht mehr zu haben ist.

+ Die rvettertekegraphische Konferenz in Hamburg, von der gestern in der ,Fuld. Ztg.' berichtet war, soll am 29. d. M. zusammentreten. Es sollen ebensodiewisse ns ch aftlichen Grund­lagen der Wettervorhersage wie auch die Technik ihrer allgemeinen Nutzbarmachung zur Berathung stehen. Namentlich wird man danach trachten, die geeigneten Mittel und Wege zu finden, und die Organe der landwirthschastlichen Ver­waltungen in entsprechender Weise in den Dienst der Sache zu stellen. Sehr großes Gewicht soll dann auch darauf gelegt werden, daß es gelingt, die Bevölkerung selbst in das Verständniß der Wetternachrichten einzuführen und zur Mitarbeit am Wetterdienst heranzuziehen.

□ IreirvMige vor! Je mehr Erfolge die sozialdemokratische Agitation langsam aber sicher voranschreitend erzielt, um so öfter hört man aus katholischen Gegenden und Orten die Klage: Bei uns geschieht von katholischer Seite wenig ober gar nichts zur Besserung der sozialen und wirth- schaftlichen Lage der einzelnen Berufsstände durch Bauernvereine, Innungen, Genossenschaften, Ge­werkvereine re.; die Sozialdemokraten sind die einzigen, die sich regen. Wir haben zwar ein paar Vereine, z. B. einen Bauernverein, einen Arbeiter­und Gefellenverein, aber die leisten hier einst­weilen nicht viel und einen Verein, der alle Be­rufsstände, alle Gesellschaftsschichten zu dem ge­meinsamen großen Werke der Sozialreform zu­sammenfaßte, der schon durch die Verbindung mit vielen tausenden katholischen Männern in ganz Deutschland auch bei uns eine stärkere Anregung geben und die anderen hiesigen Vereine stets neu beleben würde, den Volksverein für da »

traurig seitab, denn ihm fehlte die Eine, an die er Tag und Nacht denken mußte. Wein und Speiftn standen unangerührt vor ihm, fein Auge aber schweifte in die Ferne, von woher in uralter Herrlichkeit die Firnen glänzten. Er gedachte der Zeü, in welcher er zu Straßburg im Lazarett gelegen.

„Hollen Sie nicht essen, Sir?" fragte jetzt Mr. Shellock verwundert. „Denken Sie vielleicht an Ihre Liebe?"

Sepp wurde roth wie ein Krebs und langte zu, aber es wollte nicht schmecken.

„Trinken Sie Nein, Mister Sepp," meinte Shellock guimüthig, „er stillt alle Sorgen uohl; trinken Sie Nein."

Sepp trank, aber es schmeckte ihm doch nicht. Da legten fich plötzlich ein Paar weiche Arme um feinen Hals, weiche Hände hielten ihm die Bugen u:

„Loni!"

„Sepp!"

Der Engländer hatte mit Verwunderung Messer und Gabel an die Seite gelegt:

„Nenn Sie sich lieben, uarum thun Sie nicht heirathen sich?''

„Der Vater will's nit, Herr!" antwortete Loni.

„Uas? — Uarum nicht?"

„Weil der Sepp nur ein Knecht ist und kein Bauer."

„Ick uill geben ihm Geld, daß er ßich kann kaufen ein Hof!"

„Sie find zu gütig, Herr, aber der Vater sagt doch nein!"

„Dann ist er ein — block-bead!"