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JuLöa, Samstag, den 19. Mai 1900. 27. Jahrgang.

Theil erfroren. Es

— Vorn Eichs»

(Nachdruck verboten.)

□ Paris, 15. Mai.

Vermischtes

einen Tod in

Wo es beim Vorhandensein größerer

tat

-ft-

793 796 Mk. Die Anzahl der einlegenden Schullinder

)eran- inften,

Nischen und telegraphischen Anstalten alsbald für ziehung einer größeren Menge von Löschmannf der Feuerwehren und für militärische Hilfe zu

Rechtsgeschäft aber, welches der durch das B.G.-B. vorgeschriebenen Form ermangelt, ist nichtig. Alle Verträge, insbesondere auch Kauf- und Tausch­verträge, welche die ^Übertragung von Grund- stückseigenthum zum Gegenstände haben, muffen also gerichtlich oder notariell beurkundet fein. Ohne diese Form besteht-keine auch nur obliga­torische Bindung der Vertragschließenden, so daß aus dem formlosen Vertrage auch nicht auf die Mitwirkung zur Auflassung geklagt werden kann.

Aus einem nur mündlich ober privatschriftlich geschloffenen Kaufverträge über Grundstücke ent­stehen auf keiner Seite Ansprüche, keine Rechte und keine Pflichten. Aus einem solchen mangels der gesetzlichen Form nichtigen Vertrage kann auch nicht etwa eine Schadensersatzklage angestrengt werden, wenn einer der Vertragschließenden bei der Auflassung nicht Mitwirken will. Erfolgt aber auf Grund eines der notariellen oder gerichtlichen Beurkundung entbehrenden Vertrages die Auflaffung und die Eintragung des neuen Eigenthümers im Grundbuche, so wird der Formmangel dadurch ge­heilt, und alle die bloß mündlich ober privatschrift- lich getroffenen Vereinbarungen werden giltig. Wer also Grundstücke kauft oder verkauft ober tauscht, gehe, wenn er nicht zu Schaden kommen will, wegen Abschließung des Vertrages zu Gericht ober zu einem Notar. Die Kosten werben nicht vermehrt. Wird der Vertrag mit dem Jmmobiliar- kaufstempel versehen vorgelegt, so wird der Stempel bei der Auflaffung nicht mehr berechnet.

Siegen). Ein hiesiger Bergmann wurde von einem Fuhr­unternehmer in Folge eines Wortwechsels mit einer

stücke zu übertragen, bedarf der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung. Beglau­bigung der Unterschriften allein genügt nicht. Ein

den deutschen Sektionen verstehen kein Wort deutsch; nun auch das noch! Wir wünschten nur, alle offiziellen Kreise möchten einmal die Be­merkungen hören, die darüber vor dem Deutschen Hause fallen.

haben ihre Sachen rein geschäftsmäßig nebenein­ander gestellt, wie auf der Straße ein Geschäfts­laden neben dem anderen stehen kann. Vordem Eingang zu der deutschen Ausstellung hier aber stehen zwei mächtige Reiterstatuen eines Mün­chener Professors, und man hält seinen Einzug wie in ein mittelalterliches Schloß. Und bann die ausgestellten Sachen selbst! Soviel Zettel mit dem bedeutungsvollen Wörtchen „vendu“ (verkauf!) habe ich in der ganzen Ausstellung nicht gesehen, wie allein bei der deutschen Por- z-llanmar-ufakiur. „Drei- und viermal verkauft" las ich bei vielen Gegenständen, bei einem sogar: achtzehnmal! Und wohin? Nach London, New-Nork, Petersburg, ja Paris selbst — vox populil Das ist ein Preisurtheil, das feine goldene Medaille aufwiegen kann. Der Franzose sieht es und stutzt: ist das ein ganz neues Volk, das da neben ihm aus dem Boden erstand^ ist? — Jedenfalls ist es etwas ganz anderes, wie das Deutschland, das er auf der Ausstellung von 1867 zum letzten Male sah.

Um übrigens nochmals auf die Eröffnung des Deutschen Hauses zurückzukommen: in den weitesten Kreisen hat es befremdet, daß die Ein­ladungen dazu selbst an die Deutschen nur in französischer Sprache ergangen sind! Im Deutschen Hause beim Portier kann man sich nur französisch einführen, die Wächter in

7. Kries cos der WeltmsjleilMg 1900.

Von unserem Spezialkorrespondenten.

treffen Nachrichten ein, daß dort in den letzten Nächten erheblicher Frostschaden entstanden ist. Besonders die Sommersaaten und Zuckerrüben haben gelitten. Vielfach ist die Odstbaumblürhe geschädigt.

X Zur Verhütung von WatdörAnde«. Die zahlreichen sehr ausgedehnten Brände, von welchen die Waldungen in letzter Zeit betroffen worden sind, lassen es sehr angezeigt erscheinen, sorgfältig alle geeigneten Maßregeln in Anwendung zu bringen, um die Entstehung und weitere Verbreitung von Waldbränden zu verhüten. Ein Rundschreiben des Ministers für Landwirthschaft. Domänen und Forsten verweist in dieser Beziehung auf die f-ühcren Verfügungen und schärft den Königlichen Regierungen ein, insbesondere dafür zu sorgen, daß längs den Eisenbahnen die polizeilichen Sicherheitsmaß­regeln gehörig beachtet, und daß bei andauernder Dürre auch Feuerwachen eingerichtet werden, die durch Pa­trouillengänge die besonders gefährdeten Oertlichkeiten fortgesttzt beobachten und entstehende Brände alsbald zu löschen in der Lage sind. Wo Feuerwachthürme vorhanden sind, müssen sie fortdauernd mit zuverlässigen Mannschaften besetzt gehalten werden. Auch ist bei umfangrecheren Bränden durch Benutzung von telepho-

, _ argen.

_ , Mungskörper nöthig erscheint, wird die weitere Errichtung von Fever- wachthürmen in Erwägung zu ziehen sein. Die größte Aufmerksamkeit erfordern die Aussorstungsflächen aus-

Vertrag auf Übertragung Eigentums an Grundstücken.

"---- Nachdruck verboten.

R- Das Bürgerliche Gesetzbuch hat mit k: Nult auf den Umstand, daß der Grundbesitz » Grundlage für die Seßhaftigkeit der Tbuag ist und schon deshalb die ihm zu Beri n b^bnde besondere Rücksicht auch in der leidt n9 verdient, daß die Veräußerung nicht Und "ehmen ist, sowie daß die Veräußerung s°nd.7'^erb von Grundeigentum eine be- «tzs nre, Ansicht erfordern, die Form für Verträge Seaen oertragung des EigenthumS an Grundstücken m 6^eri8cn Rechtsbestimmungen erschwert. Th-ir " Vertrag natürlich, durch den sich der eine i verpflichtet, das Eigenthum an einem Grund-

△ Unerfüllte Handwerks - Berufe.

An der bedrängten Lage mancher Handwerks­zweige ist zu einem guten Theile auch die lieber« Murg derselben in Folge einer übermäßigen Zu­führung von Lehrlingen schuld. Außer in der Schlosserei findet sich nach der letzten Berufszäh­lung eine solche namentlich im Bäcker- und Konditor-Gewerbe. Es sind dies Gewerbe, die nicht stärker wachsen dürfen, als die Bevölke-

(')Mein« Nachrichten. Lörzweiler. Indem Anwesen des hiesigen Bürgermeisters entstand Feuer, welches Scheune, Stallung und Schuppen zerstörte. Leider fand dabei ein sjädriger Knabe s ' ‘

den Flammen; die verkohlte Leiche wurde unter den Trümmern gefunden. —Greven (KreisMünster). Ein großes Schadenfeuer hat die Fabrik und sämmtliche Nebengebäude der Grevener Baumwollspinnerei-Aktien­gesellschaft bis auf den Grund eingeäschert. Der Schaden beträgt etwa 80,000 Mark. — Neunkirchen (Kreis

auch hier und da ein mehr oder weniger gelun­gener Witz unterläuft. So meinte vor zwei Tagen ein Blatt, es gleiche einer Nürnberger Bierbrauerei mit preußischer Pickel­haube. Der Mann hatte jedenfalls die monu­mentalen Paläste der süddeutschen Bierbrauereien in der Rerchshauptstadt gesehen, die allerdings sich gerade so an alte Muster halten, wie das deutsche Haus. Im übrigen kann Niemand dem Bau die Anerkennung versagen, daß et bei weitem bet gefälligste und enidruckoollste ist in der ganzen langen Reihe der Vslkerstraße. Und zwar prä- sentirt er sich mit feinen schlanken Thürmchen, Erkern rmd Balkons ebenso schön von der Waffer- seite aus, wo er von den Schiss-passagieren jedes­mal von neuem bewundert wird, wie von der Landseite aus, was man von den übrigen Pa­lästen nut zum kleinsten Theile sagen kann. Dazu kommt, daß der deutsche Pavillon der einzige Vertreter dieses Stils in bet ganzen Reihe ist. Kein Mensch konnte ihn übersehen, und die Fran­zosen, die so etwas nicht gewöhnt sind, wiffen noch nicht recht was sie daraus machen sollen. So wächst bei ihnen noch der (Sinbrud des Mystischen (Geheimnißvollen), den sie von allem haben, was deutsch ist und heißt.

Denselben Eindruck bemerkt man auch in den übrigen deutschen Ausstellungen. Heute sah ich es am deutlichsten bei der Ausstellung auf der Invaliden - Esplanade. Dis anderen Nationen

Eröffnung des deutschen Hauses,

Heute Nachmittag sand die offizielle Eröff­nung des deutschen Hauses am Quai d'Orsay statt, eine Feier, zu der zwar nur die engeren offiziellen Kreise, außer den entsprechen­den Behörden die Aussteller und ihre Vertreter sowie die Vertreter der deutschen Kolonie, ge­laden waren, wegen welcher aber auch die Pariser schon lange vor der festgesetzten Zeit in hellen Haufen der Ausstellung und dem Quaid' Orsay zuströmten, trotz des Staubes, den der scharfe Ostwind auch heute wieder, wie in den letzten Tagen überhaupt, aufwirbelte. Daß etwas be­sonderes los war, sah man auch an den Schaaren von Schutzleuten und Gardesrnunicipal, die in ganzen Kolonnen im Hintergrund der Gebäude sich sammelten. Unter dem Präsidenten der freien Republik Herrn Loubet liebt man es näm­lich, Absperrungsmüßregeln treffen zu lassen trotz dem Zar in Petersburg; doch möchte ich nicht gerade sagen, daß der gute alte Herr allein die Schuld daran trage. Kurz not Beginn der Feier, gegen 5 Uhr erregte es plötzlich großes Aufsehen, daß ein Seineboot mit der deutschen Flagge am Heck oorbeifuhr und die Wacht am Rhein er­schallen ließ. Die Demonstranten waren iudeß keine Deutschen, sondern Amerikaner, die von der Eröffnung der amerikanischen Abtheilung in Vincennes kamen, am Bug auch die amktikanifche Flagge führten, und offenbar aus Hebermuth sich einen Scherz erlauben wollten. Dip­lomatische Folgen wird die Sache wohl nicht haben, da man sich auch in Paris nach und nach daran gewöhnt, das Verhältniß gegenüber dem Nachbarstaat mit etwas nüchternen Augen an­zusehen.

Der Reichskommissar, Herr Geheimrath Dr. Richter machte beim Empfange der Gäste die Honneurs, unterstützt von Geheimrath Lewald, Regierungsrath Berg und den übrigen Mitgliedern !)es Kommissariats. Anwesend war das ganze Personal der deutschen Gesandtschaft, Botschafter Graf Münster an der Spitze, ferner der fran­zösische ©eneraltemmiffar Picard und die höheren Beamten des Genetalkommiffariats, die fremb- ändischen Kommissare, zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps rc. Die Feierlichkeit er­reichte gegen 6 Uhr ihr Ende, und bann begann bet Besuch des Hauses durch das Publikum. Den Franzosen schmeichelt eS nicht wenig, daß Kaiser Wilhelm die kostbaren Möbel und Kunst­werke bet Berliner unb Potsdamer Schlösser aus bet Zeit Ftiebtichs des Großen hetgegeben hat, um die Reptäsentationsräurne bes ersten Stockes auszuschmücken. Gefertigt sind die Möbel fast sämmtlich in der Mark Brandenburg, aber nach französischen Mustern, und das empfinbetman mit hoher Befriedigung. grebGricII. schrieb ja auch französisch und verkehrte mit Voltaire, die Franzosen betrachten ihn daher selbst halb als einen der Ihrigen.

Auch das Haus selbst, bekanntlich ein Werk des Postbauinspektors Radtke, findet bei den Franzosen keine ungünstige Beurtheilung, wenn

gedehnter Oedländereien. Bei dem forstlichen Anbau solcher Flächen müssen etwa in Jagenbrcite Sicherheits­streifen unkultivirt bleiben, bis die benachbarten Scho­nungen der FruerSgefahr einigermaßen entwachsen sind. Es wird hierdurch die Möglichkeit gegeben, entstehendes Wipfelfeuer in Lauffeuer, welches mit Leichtigkeit ge­löscht werden kann, überzuführen, während beim Wipfel- seuer die Löschmannschaften stets nur geringe Hilfe bieten können.Bei der nach vielenQuadratmeilen zählenden Fläche von noch unkultivirtem Oedland ist eS unrichtig, die Aufforstung an einzelnen Stellen in ungetrenntem Zusammenhänge übermäßig zu fördern und dadurch Gefahren herbeizuführen, während sich reichliche Gelegen­heit bietet, die Kulturkosten an anderen Stellen nützlich zu verwenden. Kurz, es sollen mit aller Thatkraft die­jenigen Mittel angewendet werden, welche geeignet find, dem Unheil der Waldbrände entgegenzutreten. ES be­zieht sich dies nicht nur auf die Staatswaldungen, son­dern auch auf alle anderen Forsten, insbesondere auch auf die mit Staatsbeihilfe aufzuforstenden Flächen. Endlich soll darauf hingewirkt werden, daß die Versi­cherung der Gemeinde- und Privatwaldungen gegen FruerSgefahr mehr und mehr am Umfang gewinnt.

* Sicherer Schluß. Erster Gläubiger: „Ob der Graf nach seiner Berheirathung wohl alle Schul­den bezahlen wird?" — Zweiter Gläubiger: „Ganz­gewiß, seine Braut heißt — Mayer."

Wagenrunge erschlagen. — Trier. Der Dasbach'sche „Bauernverein" hat mit der hiefigen Maschinenfabrik Feuerstein ein Abkommen getroffen, wonach er die Fabrik als Kommanditgesellschaft mit einem GründungSkapiv von 500,000 Mk. zur Herstellung von landwirthschaf lichen Maschinen weiterführt. Einstweilen wird die Maschinenfabrik PH. Lanz in Mannheim die landwirth- schaftlichen Maschinen liefern. — Elberfeld. Ein neuer „Pillenprozeß" scheint in Aussicht zu stehen. Der Untersuchungsrichter Spieß vom hiesigen Landgericht in Solingen weilte dieser Tage hier, um Vernehmungen in Sachen des Mllitärbefreiungsprozesses vorzunehmen. Bor- geladen waren Verdächtige und Zeugen aus Höhscheid und Solingen. —Berlin. ZumKonitzerMord hat der Vater des ermordeten KnabenWinter an den Justizminister Schön- tedt folgendes Telegramm abgesandt: „Herrn Jastiz- minister, Exzellenz, Berlin. Es ist mir bekannt geworden, daß die Ueberreste meines ermordeten Sohnes heimlich beerdigt werden sollen. Ich protestire als Vater da­gegen und bitte Euere Exzellenz, mich in meinen Baterrechten zu schützen und anzuordnen, daß nach der Freigebung durch die Staatsanwaltschaft ich meinem ermordeten Sohne ein christliches Begräbniß clbst besorge. Winter". Die Untersuchungsakten sind etzt schon zu sechs starken Bänden anarschwollen! Ueber 8c 0 Vernehmungen vor dem Untersuchungsrichter haben bereits stattgefunden, ohne daß es bis jetzt möglich war, irgend eine sichere Spur zu verfolgen. — Meiningen. Die im Herzogthum Meiningen bestehenden 310 Schul­parkaffen haben in den letzten fünf Jahren einen ewaltigen Aufschwung genommen. Während im Jahre 1895 der Bestand aller Schulsparkaflen sich auf 404.327 Mk. belief, betrug er Ende 1899 bereits

ist von 16953 auf 30 324, die Jahreseinlage von 120.357 Mk. auf 276.175 Mk. gestiegen; zurückgezahlt wurden vor 5 Jahren 86.105 Mk, im abgelaufenen Jahre aber 171.290 Mk. — Leipzig. Der Berlags- buchhändler Hermann I. Meyer hat der Stadt Leipzig die Meyer'schen Arbeiterhäuser, bestehend in einer großen Kolonie in Leipzig. Lindenau und einer weiteren im Bau begriffenen in Leipzig-Entritzsch geschenkt. Für den Bau der Meyer'schen Häuser wurden Millionen aufgewendet; der Werth der Stiftung erhöht sich aber wesentlich damit, daß diese Häuser neben der Herstellung billiger und gesunder Wohnungen noch Ueberschüffe liefern, die immer wieder zumÄau neuer Häuser ver­wendet werden! — Hamburg. Die Extra-Trauungen auf Helgoland brachten der dortigen Gemeinde wie dem Pastor eine erhebliche Einnahme. Im lebten Jahre wurden ca. 200 Paare getraut; die Gebühr "für jede Trauung betrug 200 Mk. Die Gemeindekaffe be­zog hiervon 14.000 Mk. Am 1. Januar d. I. mußten diese Trauungen bekanntlich aufhören. Der Pastor soll nun eine jährliche Emschadigung von 5000 Mk. erhalten, die Kirche erhält für zehn Jahre je 5000 Mk. und ebenso empfangen die beiden Lehrer je 500 Mk. — In Weliky-G orodiz (Rußland) stürzte in der Kirche während der Andacht ein Theil des Kirchengewölbes ein, 12 Personen wurden dabei getödtet, 21 verletzt. — Bombay. Die Cholera wüthet in den HungerSnoth- Lagern. In Mandri find binnen drei Tagen 400 Todesfälle vorgekommen, während in Godbra die Todesfälle so zahlreich waren, daß die Behörden nicht alle Leichen sammeln und beerdigen konnten

Die Gage der drei „Histzeikigeu" haben in vielen Theilen Deutschlands und andern Ländern der Land- wirthschaft ganz erheblichen Schaden zugefügt. Die vor­liegenden Nachrichten darüber sind folgende: Lim bürg. Die Kälte hat großen Schaden an den Pflanzen an­gerichtet. An weniger geschützten Stellen sind Bohnen- und Kartoffelgewächse zum großen Theil erfroren. Es hat während der Nacht stark gereist. — Vom Eichs» selbe. Seit acht Tagen ist es auf dem Eichsfelde wieder Winter geworden. Am Tage schwankt die Tem­peratur zwischen 2 und 4 Grad +, Nachts finkt sie bis auf den Gefrierpunkt herab. Die Nachtfröste haben der sich zu Anfang d. M. schnell entwickelten Vegetation vielen Schaden zugefügt. Baum und Pflanzenblätter hängen des Morgens schlaff herab und sterben zum Theil ab. Die Hoffnung, welche man nach den letzten obstarmen Jahren auf die diesjährige reiche Baumblüthe setzte, sind zerstört. — Tübingen. Die Fluren und besonders die Rauhe Alp sind nut Schnee bedeckt. Da die Obstbäume in herrlichster Llüthe prangen, so wird durchden Schnee die so selten günstige Aussicht auf viel Obst auf ein Minimum reduzirt. Die Landleute sehen betrübt in die Zukunft. Ihre Haupternährungsqulle ist auch für dieses Jahrversiegt. — Sdjlefte n. Nachrichten über Frostschäden kommen aus verschiedenen Theilen der Provinz Inder Neu­salzer, Beuthener und Freystädter Gegend sind die Hoff­nungen, .die man auf eine reichliche Obsternte gesetzt hatte, vernichtet worden. Aus Waldenburg wird ge­meldet, daß große Schneemassen niedergegangen sind; die Garten- und Feldgewächse sind vernichtet worden, und der Schaden ist demgemäß groß. Im Boigtlande herrschen große Schneewehen. Es schneite unaufhörlich. Der Schnee lag bereits fußhoch. Vorher war große Kälte und regneri­sches Wetter. Alle Pflanzen sind verdorben. — Buda­pest. Das Ackerbauministerium veröffentlicht tele­graphische Berichte über die Größe der Hagelschäden aus vier zumeist südungarischen Komitaten. In Zips fiel am 15. Mai neuerdings bei schwachem Frost starker Reif. — Kiew. Aus vielen Orten des Gouvernements

rung. Demgemäß wirb eine Lehrlings Haltung von 10—12 pCt., so baß 1 Lehrling auf etwa 10 Gehilfen entfällt, vollauf genügen; bie thatsäck- lich ermittelte Lehrlingshaltung von Über 19 pCt. ist barum in diesen Berufen durchaus unpassenb. In bet Thal beweist auch bet starke Uebertritt gelernter Bäcker zu anderen ungelernten Berufen, bie auffallenbe Auswanderung von Bäckern nament­lich nach Frankreich und Amerika, sowie bie hohe Arbeitslofenziffer, daß hier eine übermäßige Aus­bildung von Arbeitskräften besteht. Nicht so über­mäßig, aber auch den Bedarf weit überschreitend ist bie Lchrlingshaltung im Fleischet - Ge­werbe. Das beweist auch die sehr hohe Ar- beitslosenziffet, die nach der Arbeitslosen-Statistik von 1895 4,01 pCt. betrug. Noch dringlicher ist eine den Bedarf berücksichtigende Regelung des Lehrlingswesens im Barbier- unb Friseur- Gewerbe. Hier kann man mit Recht bie Klagen >er Meister über die Verschlechterung ihrer wirth- chaftlichen Lage zum größten Theile auf die von hnen selbst betriebene Lehrlingszüchterei zurück- ühren. Enblich sei noch bas Buchdruckerei- Gewerbe erwähnt. In demselben hat nun die gewerkschaftliche Organisation der Gehilfen durch die Tarisgemeinschaft schon Wandel zu schaffen gesucht, indem sie Normen für die Lehr- lingshaltung aufstellte und zum Theil mit Erfolg schon durchführte. Eine Regelung der Lehrlingshaltung in der Richtung einer Fest­setzung der Verhältnißzahl von Gehilfen und Lehrlingen herbeizuführen, liegt aber auch im ureigensten Interesse der Handwerksmeister. Mar- wünscht stets bie Einführung bes Be­fähigungsnachweises, welcher bas Handwerk vor unfähigen und überzähligen Handwerkern be­wahren soll. Die Einführung desselben würde allerdings einer Reihe solcher Leute die Grün­dung eines Handwerksbetriebes unmöglich machen; wäre es da aber nicht viel richtiger und einfacher, statt eine große Zahl überzähliger «eyufen aus dem Kreise des Handwerks ins a^lariat zu stoßen, durch eine rechtzeitige und verständige Beschränkung der Lehrlingsausbildung von vornherein eine Ueberfüllung des Berufes wit all ihren nachtheiligen Folgen zu verhüten? Barum ist es vor allem auch Aufgabe bet Innungen und Handwerkskammern gemäß 88 81 a unb 130 bet G.-O. Bestimmungen übet die zulässige Zahl von Lehrlingen in einem Be- sn'r treffen. Sie sollten genau das Be- ^"rfniß nach auszudilbenden Lehrlingen in den verschiedenen Gewerbszweigen erforschen unb

sich zu einem Gewerbe ein übermäßiger Andrang seitens der schulentlassenen Jugend Rt rechtzeitig vorbeugen. Dies könnte am oepen geschehen, indem man z. B. vor Ostern , -"otizen in der Lokalpresse die Eltern der zu entlassenden Schüler auf bie Aussichten in den einzelnen Berufen hinwiese, vor ben überfüllten ®arnte unb andererseits denjenigen, welchen es

Lehrlingen mangelte, den Strom der schul- Entlassenen Jugend durch den Hinweis auf bie Aussichten in denselben zuzuführen suchte. Auch «le Lehrer würden nach dieser Richtung hin sehr Wam wirken können. Dies wäre vor allem inst fuchtige Aufgabe der Handwerkskammern, Aivesondere der HandwerkSkammersekretäre, "Elche bann zwar eine gründliche, Wissenschaft- i ^^volkswirthschaftliche Bildung besitzen müssen. ■