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Julda, Donnerstag, den 17. Mai 1900.

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27. Jahrgang.

© Die Flottenvorlage in der Budgetkommission des Reichstages.

x.

DaS eigentliche Flottengesetz ist heute ^Msttwoch) von der Budgetkommisston des Reichs­tages in zweiter Lesung durchberatheu worden. Die ersten fünf Paragraphen waren gestern, wie berichtet, ohne Debatte angenommen worden. Heute handelt es sich um die Faffung der Para­graphen 6 (Bereitstellung der Mittel) und 7 (Schlußbestimmung). Für diese beiden letzten Paragraphen beantragte die gestern eingesetzte Unterkommission folgende Faffung:

§ 6: Insoweit vom Rechnungsjahr 1901 ab der Mehrbedarf an fortdauernden und einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats der Marine- Verwaltung den Mehrertrag der Reichsstempel­abgaben über die Summe von 53 708000 Mk. hinaus übersteigt, und der Fehlbetrag nicht in den sonstigen Einnahmen des Reiches seine Deckung findet, darf der letztere nicht durch Er­höhung oder Vermehrung der indirekten, den Massenverbrauch belastenden Reichsabgaben auf­gebracht werden.

§ 7; Dieses Gesetz tritt gleichzeitig mit dem Gesetze über Abänderung des Reichsstempel­gesetzes vom 27. April 1894 in Kraft.

Das Gesetz über die deutsche Flotte vom 10. April 1898 wird aufgehoben.

Nach kurzer Debatte wurde § 6 unverander' nach dem Vorschläge der Unterkommission an­genommen. § 7 wurde, ein wenig verändert, mit zwei von den Abgg. Müller-Fulda (Ctr( und Dr. P a a s ch e (ntl) beantragten Aenderungen angenommen. Nach dem Anträge Müller wurden die ersten Worte so gefaßt: „Dieses Gesetz tritt gleichzeitig mit dem noch in dieser Session des Reichstages zu erlassenden Gesetz usw"; und nach dem Anträge Paasche wurden vor den Worten „in Kraft" die Worte eingefügt: „und dem Ges.tze über Abänderung des Zoll- tarifgesetzes".

Bon grundsätzlicher Bedeutung ist eine von dem Centrumsabg. Groeber zu Protokoll ge­gebene Erklärung:

„Im Namen des Centrums erkläre ich zu 'Protokoll, daß meine Fraktion-genossen, falls von der Mehrheit weitere Ermäßi­gungen des Stempelsteuergesetzes be­liebt würden, welche zur Deckung nicht aus- reichen, die Deckungsfrage als nicht gelöst be­trachten und die Zustimmung zur Flotten- worlage versagen müßten."

(In der ,Fuldaer Zeitung' haben wir gleich nach Beendigung der ersten Lesung in der Kom­mission darauf hingewiesen, daß die erzielte Summe an Steuern und Zöllen nur gerade eben zur Deckung hinreicht und weitere Abstriche nicht mehr verträgt. D. Red.)

Eine Gesammt-Abstimmung über die Vorlage hat heute nicht stattgefunden. Abg. Müller- Fulda erklärte sich bereit, den schriftlichen Bericht Äber das Flottengesetz sofort fertig zu stellen, schon bis morgen, wenn es nölhig sein sollte.

* ♦ *

Die Berathung über die Novelle zum Reichs-Stempelgesetze konnte heute noch

Der WosenHof.

Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cassau

9 ------ (Nachdruck verboten.)

Dann gings munter nach dem hohen Berge, welcher der Kegel genannt wird. Es war be­schwerlich, ihn zu ersteigen, dafür war aber die Aussicht von droben desto lohnender. Da lag die hohe Kette der Alpen in all ihrer Herrlich­keit, rückwärts erhoben sich die heimischen Berge, und dazwischen zog sich wie ein breites Silber­band der Strom dahin. Die Herren hatten ihre Gläser gezogen und sahen sich alles genau an.

Nun kam der beschwerlichste Theil der Tour, die Oesr, ein Bergpfad, der oft durch Felsen hin­durch ging, die gleich einem natürlichen Thor sich darüber gelagert. Hier mußte jeder Schritt über­legt werden und Sepp mahnte wiederholt zur Vorsicht. So kam man endlich ohne Unfall in die hochromantische Gegend des „Wildsprung", wo der Gebirgsbach gegen 12 Meter tief in das Thal hinabstürzt, um sich auf dem Felsen in feinen Sprühregen aufzulösen.

Hier standen vortheilhaft vertheilt Föhren, Eichen und Buchen umher, und es war bei der drückenden Hitze ein wahrer Genuß, im feinen Sprühregen des Baches zu stehen. Auf ein Zeichen lagerte sich unter den Bäumen die ganze Gesell­schaft zwecks eines Trunkes aus den mitgeführten Vorräthen. Der Prinz aber bestand darauf, daß Sepp an seiner Seite ruhen sollte, auch galt das Hoch, welches er mit sehr beredtem Mund aus- brachte, nur dem tapferen Führer.

nicht zu Ende geführt werden. Noch nicht ein­mal über einen vom freikonservativen Abgeord­neten v. Kardorf gestellten Antrag konnte die Kommission zum Beschlüsse gelangen. Nach diesem (in der,Fuld. Zlg.' bereits gekennzeichneten) An­träge, der zu Arrikel 2 der Novelle gehört, soll der Ausgabe-Stempel für Aktien im Ver­hältnisse zu dem Kurswerthe der Aktien gesteigert werden. Der Antragsteller begründete seinen An­trag hauptsächlich damit, daß er auf diese Weise den niedrigen Kurs der deutschen Staatspapiere heben wolle.

Geheimrath Wendelstedt und Abg. Mül­ler-Fulda bezeichneten den Antrag als erwägens- werth. Nicht ganz unrecht hat wohl Abg. Rich­ter, der es ein „eigenartige s Verfahren" nannte, noch in der zweiten Lesung wiederum ganz neue Steuerpläne dieser Art vorzubringen. Geheimrath v. Glasenapp von der Reichsban! äußerte mancherlei Bedenken gegen den Antrag; als unannehmbar bezeichneten ihn die Abgeord­neten Frese (fress. 58er.) und Büsing (natl.).

Die Berathung wird am Donnerstag fortgesetzt.

Deutsches Deich.

Berlin, den 16. Mai.

h Krrr weiterer Ilachtragsetat für das Rechnungsjahr 1900 ist dem Bundesrathe zugegangen und wird ohne Zweifel unverzüglich auch dem Reichstage noch zugehen. Es handelt sich um eine einmalige Ausgabe zur Herstellung einer neuen (nämlich der fünften) Telegraphen - Verbindung zwischen Deutschland und England. Nach der bei­gegebenen Begründung ist die Zahl der zwischen beiden Ländern ausgewechselten Telegramme von 1867 868 im Jahre 1895 auf 2465 613 im Jahre 1899 gestiegen. Allein von 1898 zu 1899 ist die Zahl der beförderten Telegramme um 12,8 v. H. gestiegen. Namentlich ist für Bremen eine bessere Verbindung mit Liverpool nothwendig geworden. Das neue Kabel soll nach der Vorlage mit vier Leitungen versehen und von der Insel Borkum aus nach Bacton (Norfolk) in England gelegt werden. Die Kosten sind auf 2 Millionen Mk. veranschlagt. Angeb­lich soll die Telegraphenverwaltung nicht eher in der Lage gewesen sein, die dringende Roth- wendigkeit des Kabels noch für dieses Rechnungs­jahr zu übersehen.

* Dem Abgeordnetenhause ist ein Ge­setzentwurf betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Aervesser««g der HSohuuugs Nertzättmiffe der in den staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter und gering besoldeten Staatsbeamten zugegangen. Der Entwurf sieht hierfür weitere fünf Millionen Mark vor.

• Z>er Gesetzentwurf gegen die Aoch- wasser-Gefahre« in Schlesien ist am heutigen Mittwoch von der 15. Kommission des Abgeord­netenhauses in zweiter Lesung durchberathen und mit 20 gegen 4 Stimmen angenommen worden.

+ Gin Streik der Aerttner Straßen- Vahn-Angestelkte« steht in naher Aussicht. In der Nacht von Dientag auf heule hat eine Ver­

Nach einer halben Stunde ward aufgebrochen, und abermals ging'S bergan, bis man das „Küchel", oder wie die Leute sagen „den Köchel" (die Küche) erreicht hatte, einen konisch geformten Felsen, der fast wie ein Küchenherd aussieht. Hier stand ein WirthShaus am schäumenden Bache und dicht dabei eine Sägemühle. Zwei Minuten davon schnitt die Landstraße durch die Berge und auf dieser ritten die Herrschaften weiter nach Füffen, wo man die Kavalkade erwartete. Die Maulthiere wurden im Wirthshause mit den eingestellten Pferden ver­tauscht und fort ging's. Hier nahm auch Prinz Adalbert von Sepp Abschied.

„Du wirst von mir hören, Sepp!"

Einer der Herren aber im grauen Paletot und hohem Cplinder war an den Führer berangetreten und hatte ihm fünf funkelnagelneue Zehnmarkstücke eingehändigt. So hätten Seine Königliche Hoheit befohlen, sagte er.

Sepp stand noch lange auf der Bergeshalde und sah den Fortziehenden nach, die lustig schäkernd jetzt alle zu Pferde saßen. Zuletzt entzog ihm eine Biegung des Weges die Aussicht, und er machte ich auf den Heimweg.

V.

Der Wirth des Gasthauses „zum Küchel" war etwa« neugieriger Natur. Kaum betrat mit Abend- mnkeln Sepv die Gaststube, um sich an einem Glas Bier zu erfrischen, als der Wirth sich auch chon an ihn machte und ihn ausfragte, wer die Herren gewesen, woher sie kämen und wohin sie wollten. Sepp gab ihm autmüthig vollständig Be- cheid und Aufklärung über alles, hielt sich aber Jabei bis gegen zehn Uhr auf, besonders da der

sammlung dieser Angestellten stattgefunden, die den Beschluß gefaßt hat, am nächsten Sonnabend allgemein in den Ausstand einzutreten, wenn nicht die Leitung der Straßenbahngesellschaft bis Freitag Abend 11 Uhr befriedigenden Beschei > auf die Forderungen der Angestellten ertheilt haben sollte. Diese Forderungen bestehen haupt­sächlich darin, daß das Gehalt erhöht werden und eine geeignete Steigerungsskala erhalten sol für längere Dienstzeit, und daß die tägliche Dienst­zeit nicht länger als neun Stunden währen foll. Außerdem verlangen diese Forderungen für jeden Angestellten einen freien Tag in der Woche. Die große Berliner Straßenbahngesellschaft steht beim Publikum wegen der Behandlung ihrer Beamten und Bediensteten in keinem besonders guten Rufe; und sollten die Straßenbahn-Angestellten den an­gedrohten Streik beginnen, so dürfen sie trotz der Verkehrsstörung, die der Ausstand verursachen würde, mit ziemlicher Sicherheit auf die allge> meine zustimmende Haltung der Berliner Ein­wohnerschaft rechnen.

* Miesöadeo, 16. Mai. Der Kaiser unter­nahm heute Morgen einen Spazierritt in den Wald jenseits des Neroberges und hörte später im König!. Schlosse den Vortrag des Vertreters des Aus­wärtigen Amtes, Graf v. Tschirschky-Bögendorf. Um 1 Uhr begrüßte der Kaiser den Prinzen und die Prinzessin Arolf von Schaumburg-Lippe, die auf Einladung des Kaisers während der Festwoche im Schlöffe Wohnung nehmen. An der Früh- stückStafel beim Kaiser nahmen die Schaumburg- Lippe'schen Herrschaften und der Großherzog von Sachsen-Weimar Theil.

Aus -em Reichstage.

195. Sitzung vom 16. Mai 1900, 1 Uhr.

Ohne Debatte wird das Gesetz über die militä­rische Strafrechtspflege in Kiautfchou in dritter Lesung angenommen.

Eine heftige Debatte entwickelt sich bei der wieder aufgenommenen zweiten Berathung der vorher an die Budgetkommisston zurückoerwiesenen Ueberficht der Ausgaben und Einnahmen für 1898. Tie Kommission, deren Berichterstatter der Centrumsabg. Schmarze-Lippstadt ist, beantragt auch heute wieder un­veränderte Annahme der Ueberficht; aber

Abg. Kinger (sozd.) kann sich mit der Auffaffung der Kommisston nicht einverstanden erklären, daß die Reise des Staatssekretärs Grafen Bülow im Gefolge des Kaisers nach Palästina als Dienstreise anzu- ehen sei und deswegen die Kosten vom Reiche getragen werden müßten. Die Reise des Kaisers habe privaten Charakter getragen; deswegen müßten die gesammten Kosten aus der Privatschatulle des Kaisers bestritten werden. Sonst müßte die Reichskaffe schließlich auch die Geschenke bezahlen, die der Kaiser auf solchen Reisen mache, z. B. eine Brillantdose im Werthe von 5000 Mk.

Staatssekretär Hraf ^osadomsky legt dar, daß die höheren Beamten nie ganz von ihrem Amte los- ;elöst werden können, noch weniger der Kaiser, der ederzeit folgenschwere Beschlüffe fassen und deswegen stets mit einem Stabe von Militärs und Beamten um­geben sein müffe, auch auf der Reise. Die Ausgaben dafür können unmöglich als private Angelegenheiten angesehen werden.

Abg. Schmarze-Lippstadt (Centr.) weist darauf hin, daß es besser gewesen wäre, die Sache nur in der Kom­mission zu besprechen; worauf Abg. Kinger erwidert, er und seine Freunde wollten durchaus das Recht sich wahren, Dinge zur Sprache zu bringen, wann und wo re es für gut hielten. Abg. Schwarze bleibt dabei, daß die Sache schicklicherweise in der Kommission hätte bleiben sollen; aber Herr Singer könne sein Sensations- bedürfniß nicht unterdrücken.

Wirth gern über die Schlacht gegen Bourbaki und )en Prinzen Genauere« zu hören wünschte. Er ud Sepp zum Abendbrod, Eierkuchen mit Endivien- alat ein, und Sepp nahm an. Das Mahl war verzehrt und mit ein paar Gläsern schäumenden Bieres hinuntergespült, darauf eine Cigarre au« des Wirthes Kiste angebrannt, als sich Sepp wieder auf des Schusters Rappen machte, um der Heimath zuzueilen. Er wählte jetzt den besseren Weg über den Wildsprung, die Oese und den Kuhberg nach )em Kegel zu. Der Mond schien nur wenig und im ganzen Walde ringsumher war's still wie in einer Kirche. — Horch, ein Schuß! — Er klang gedämpft wie aus weiter Ferne. Sepp stand still und horchte. Sollten hier Wildschützen ihr Wesen treiben? — Er hatte nichts bei sich als Messer und Bergstock; wenn er ihnen in die Hände fiel — sie sollen nicht immer die Galanten spielen. Horch, noch zwei, drei, vier, fünf Schüsse I Dann noch einmal der dumpfe Knall einer Büchse wie vorhin und alles war siill wie zuerst. Kaum hatte er aber noch fünf Minuten den Weg verfolgt, als er dicht vor der Oese schon an verschiedenen Stellen des Bergabhange« das Knacken des Kiefern­gestrüpps hörte. Er war Jemand auf der Flucht und von mehreren Menschen verfolgt. Sepp nahm sogleich dir Partei des Verfolgten. Es war eine große, breite Gestalt, die sich jetzt den Hang hin­aufarbeitete auf die Oese zu. Sepp rief ihm ge­dämpft zu:

..Hierher!"

Mit seiner Hilfe kam der Verfolgte auch vollends auf den Vorsprung hinaus. Es war der Rosey- bauer.

„Sepp, Du?"

Präsident Graf Aalkestrem erklärt es für unzu lässig, einem Mitgliede des Hauses solche Beweggründe zu unterstellen.

Abg, HrSSer (Ctr.): Es ist ganz unbestreitbar, daß die Reise des Staatssekretärs eine Dienstreise war. Auf diesen Standpunkt hat sich die Kommission in vielen früheren Fällen gestellt, und kein Parteigenosse des Abg. Ginger hat dagegen jemals etwas einzuwenden gehabt. Die Ausgabe ist staatsrechtlich und etatsmäßig unan­fechtbar. Die Geschenke hat der Kaiser in seiner repräsen­tativen Pflicht gemacht; auch fie find nicht anfechtbar.

Abg. Singer (sozd.) vertritt noch einmal scharf seinen Standpunkt; die Abgg. t>. Levehow (kons.) und Dr. Aaste (natlib.) vertheidtgen die Ansichten des Staats­sekretärs und des Abg. Groeber, woraus die Diskussion geschlossen und der Antrag der Kommission an­genommen wird.

Der Nachtragsetat für 1900 wird in zweiter Lesung ohne Debatte bewilligt. Dagegen entspinnt sich eine Debatte bei dem Nachtrage z-um Kolonial­etat für 1900.

Arg. Mevek (sozd.) spricht gegen die Vermehrung der Schutztruppe in Kamerun. Er macht der Kolonial­verwaltung den Borwurf, daß sie die Wahrheit über die Zustände dort verheimlicht habe; jetzt müsse das Reich zunächst darauf halten, daß alle Sklaverei in den Schutz­gebieten aufhöre.

Kolonialdirektor v. Muchüa bestreitet, daß die Kolo­nialverwaltung etwas geheim gehalten habe. Die Auf­stände wären aber nicht möglich gewesen, wenn man die Schutztruppe schon eher verstärkt hätte. Auf schlechte Behandlung der Arbeiter könne man die Aufstände auf keinen Fall zurückführen.

Abg. Kickst ost (freis. Volksp.) spricht gegen die Vermehrung der Schutztruppe, Abg. Graf Arnim (freik.) daiür. Auf eine Bemerkung dieses Redners über die Südkamerun-Gesellschaft antwortet

Kolonialdirektor v. Muchka: die Gesellschaft sei deutsch und habe ihren Srtz in Hamburg. Auch an ihrer Spitze ständen Deutsche.

Nachdem die Abgg. Dr. Wülker-Sagan (freisinnige Volksp.) und Westet (sozd.) nochmals gegen die Be­willigung gesprochen haben, wird der

Nachtrag zum Kolonialetat ebenfalls mit starker Mehrheit bewilligt.

Es folgt zum Schluffe die zweite Lesung des Un­fallversicherungsgesetzes für Gefangene. Dasselbe wird mit zwei unwesentlichen Abänderungen angenommen, wovon die eine nur mit dem Wortlaute an einer Stelle sich befaßt, die andere eine Folge der Beschlüffe bei den anderen Unfallverstcherungsgesetzen ist.

Einige Heiterkeit erregte es, als beim Schluffe der Sitzung der Präsident Graf Ballestrem auf die Tages­ordnung für Donnerstag außer der lex Heinze auch noch die dritten Lesungen der Novelle zur Gewerbeordnung und der Fleischbeschau setzte. Vorläufig steht man ja noch kein Ende der Dinge in Sachen der lex Heinze ab!

Aus dem Landtage.

CP Astgeordaeleastaa». — 68. Sitzung v. 16. Mat, 1 Uhr

Auf der Tagesordnung steht der Antrag der konservativen Abgeordneten vonMendel-Steinfels und Frhr. von Wangenheim: die Regierung auf­zufordern, noch in dieser Tagung entsprechend einer rühern Zusage des Landwirthschaftsministers einen Gesetzentwurf gegen den Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter sowie gegen die Verkettung zu demselben einzubringen.

Abg. von Mendel-Steinfels begründet den Antrag: die Leutenoth auf dem Lande ist zu einer all­gemeinen Kalamität geworden, unter der am schlimmsten der kleinere Besitzer, der Bauer, zu leiden hat, obwohl die Arbeitslöhne seit etwa 40 Jahren auf das 6fache gestiegen stnd. Auch die höchsten Löhne würden dem Landwirthe nichts helfen; die Gründe, die den Arbeiter vom Lande nach der Stadt locken, liegen auf ganz anderem Gebiete. Besonderes Gewicht legt der Antragsteller auf die Bestrafung der Verleitung zum Kontraktbruche.

Landwirthschaftsminister Irstr. von Kammerstei« erwidert: es haben über die erörterte Angelegenheit örtgesetzt Verhandlungen stattgefunden. Eine Vorlage

„Du, Bauer?"

„Ja, hilf mir schnell den Weg versperren, dann können sie nit weiter!"

Sepp verstand das aus dem Grunde. Mit Hilfe des Bauern schob er ein großes Felsenstück quer vor den Durchgang, wodurch derselbe voll« tändig gesperrt war; nur mehrere Personen tonnten bei der Enge des Ganges mittelst einer Stange ober eines Baumes da» Hinderniß zurück- 'chieben und den Weg passirbar machen.

Martin Strasser lachte leise vor sich hin:

„Was sie für Augen machen werden, die Herren Grünröcke, wenn die Klappe zu ist!"

Plötzlich wandte er sich während des Laufes m drohendem Tone an Sepp:

„Sepp, ich hab' Dir nix Gut's gethan, aber Du wirst mich nit vrrrathen!"

„Nein, Bauer, auch wenn Du mir noch mehr ;it Leid gethan und weit drohender aussähst. Ich ürcht mich nit vor Dir; ich hab ein gut Ge­wissen !"

„Sepp", entgegnete er weich, „Du kennst mich; ch bin nit bös, abers Wildern — hol'» der Geier, ich — kann'« nit lassen!"

„So haben' die Leute recht?"

„Mögen fie. Höre! Dazumal, als Du mir*« Leben gerettet, da hab ich mein Gespann ins Holz gestellt. Die Grünen waren mir auf der Fährte, ich lauf, krieg« Gespann noch gefaßt, schwing mich auf und pst — gings dahin. In der Eil fahr ich den Berg hinab und da wurden die Blitzrappen wild 1"

„Ich weiß nit, Bauer, weshalb Du immer auf die alten Geschichten zurückkommst; gib endlich Frieden damit!" (F. f.)