Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, «.Ausnahme der Sonn- und Feier- tage. Bierteliährl.

Arrugeprri« sbneBnngerlohn -und Bestellgeld in «ulba und auS- KirtslM.öOPf.

KuldaerMZeitung

Inserate: Die ei» spalt. Garmond­zeile oder dereil Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechen». Rabatt gewährt.

fir Inserate 2.parzeller in Lnlda. mit Anterhattungs-Meilage „Illuflrirte Sonntags-Zeitung!' V-terezaSe tlt. 2 (Darmoute).

112.

Eij

0 Neues Wahlsystem in Belgien.

Am 27. Mai wird in Belgien das neue Wahlsystem seine erste Probe zu bestehen haben. Monate hindurch hat die Debatte darüber in der alten Kammer gedauert, immer von neuem unterbrochen durch Obstruktion und Auftritte un­beschreiblicher Heftigkeit, wie überhaupt die ganze letzte und unendliche Tagung der belgischen Kammer mehr ausgezeichnet war durch endlose Debatten und heftige Tumulte, als durch frucht­bare gesetzgeberische Thätigkeit. Die Schuld daran trifft nicht allein die Sozialdemokraten, aber sie fällt denselben hauptsächlich zu. In der belgischen Kammer wie in anderen Parlamenten auch bethätigen sie sich als Vertreter des Volkes mehr durch nutzloses Lärmen und Schreien und damit verbundene Verschleppung der parlamen­tarischen Tagungen, als durch fruchtbare gesetz­geberische Arbeit im Jntereffe des Volkes, und sie verursachen dadurch Schaden nach mehrfachen Richtungen: große Vermehrung der parlamen­tarischen Unterhalltungskosten, starke Verringerung der parlamentarischen Arbeitskraft zum Wohle der Gesammtheit des Volkes. Schließlich mußte die belgische Kammer nach einer Tagung von achtzehn Monaten Dauer zwei bis drei Sitzungen täglich halten und häufig noch die Nacht zu Hilfe zu nehmen, um nur wenigstens die Finanz­gesetze unter Dach und Fach zu bringen.

Die belgische zweite Kammer zählt 152 Mit­glieder. Von diesen waren zuletzt 110 katholisch, aber nicht alle diese katholischen Abgeordneten ge­hörten einer Partei an. Die überwiegende Mehr­heit derselben bildete die konservative Partei, die übrigen katholischen Parlamentarier bildeten die beiden kleineren Gruppen der Unabhängigen und der christlichen Demokraten. Von den anderen 42 Abgeordneten waren allein 36 Sozialdemo­kraten, die übrigen 6 gehörten der radikalen, d.h. bürgerlich demokratischen Partei an. Der Libe­ralismus alter Schule, in Belgien „Doktrinaris­mus" genannt, ist dort längst schon von der parlamentarischen Bildfläche verschwunden.

Von den 102 Mitgliedern der ersten Kammer, des Senates, gehörten 71 der konservativen Par­tei, 27 dem „Doktrinarismus" und 4 der sozial­demokratischen Partei an. Nur 76 der Senats­mitglieder werden nach demselben Wahlsystem ge­wählt wie die Abgeordneten der zweiten Kammer, aber auch mit dem Unterschied, daß die Wähl­barkeit zum Senate überhaupt von der sehr hohen Steuerstufe von 2000 Franken direkter Staats­steuern abhängt, und daß der Kandidat minde- stens 40 Jahre alt sein muß. Die übrigen 26 Senatoren werden als Vertreter der Provinzial­stände von diesen gewählt und ohne Rücksicht auf ihre Steuerhöhe in den Senat entsandt.

Wie wird der Ausfall der Wahlen sich ge­stalten am bevorstehenden 27. Mai, bei der elften Anwendung des neuen Systems der Verhältniß- wahl? Eine auch nur einigermaßen auf Wahr­scheinlichkeit beruhende Vorhersage läßt sich des­wegen so schwer machen, weil mit der Verhältniß- wahl gleichzeitig auch die Listenwahl neu einge­führt ist. Der Wähler muß sich, ohne Rücksicht auf den einen oder anderen Kandidaten, für eine ganze Liste entscheiden, ohne daß er auch nur einen einzigen, ihm persönlich unliebsamen Wahlbewerber von dieser Liste ausschließen könnte. Nun ist die Zerfahrenheit innerhalb der belgischen Parteien sehr groß, und so kann es vorkommen, daß am 27. Mai in einem einzigen Wahlkreise steben oder acht oder gar zehn verschiedene Kandidatenlisten einander gegenüberstehen werden. Daß man unter sülchen Umständen Wahrscheinlichkeitsberechnungen nur sehr schwer anstellen kann, liegt auf der Hand. Aber man darf immerhin annehmen, daß die Zahl der katholischen Mandate sich verringern und daß der Ausfall an katholischen Abgeordneten noch einmal dem absterbenden „Doktrinaris­mus" zu gute kommen werde.

Sollte nun etwa, was wir nicht hoffen wollen, der Verlust an katholischen Mandaten so bedeutend sich gestalten, daß in der belgischen zweiten Kam­mer eine katholische Mehrheit in sich gar nicht mehr vorhanden sein würde, dann würde eine ganz verworrene Lage entstehen. Es würde dann keine politische Partei über eine Kammermehrheit ver­fügen, und dann müßte vermuthlich das gegen­wärtige konservative Ministerium durch ein Koa­litions-Ministerium ersetzt werden, das in seiner Zusammensetzung den verschiedenen Parteien Rechnung trogen müßte, auch den Sozialde­mokraten. Diese Möglichkeit, auch in das bel­gische Ministerium einen Sozialdemokraten einziehen zu sehen, ebenso wie in das französische, verursacht bei vielen Leuten, die sonst den Katholiken gar nicht hold sind, starken Katzenjammer; und so

Iuköa, Mittwoch, beit 16. Mai 1900.

27. Jahrgang.

Ioulards-Seidenfloffe

neueste gewählteste Farbstellungen in unerreichter Aus­wahl, als auch schwarze, weiße und farbige Seide mit Garantieschein für gutes Tragen. Nur erstklassige Fabrikate zu billigsten Engrospreisen Meter- und roben­weise an Private Porto- und zollfrei. Tausende von Anerkennungsschreiben. Proben umgehend. Doppelt. Briefporto nach der Schweiz.

Seidenstoff-Fabrik-Union

Äiolf Grieier L Cie., ZBrici ®ira).

Kgl. Hoflieferanten.

mancher wünscht schon jetzt das neue Wahlsystem von Herzen in das berühmte Land, wo der Pfeffer wächst. Die Regierung glaubt, auch in der neuen Kammer eine katholische Mehrheit zu erhalten. Ob sie recht hat mit dieser Hoffnung, muß man in Geduld abwarten.

Deutsches Keich.

Berlin, 15. Mai.

x ZSeachtenswerthe Kundgevrmgeu z« Hmrste« der lex Aeiuze sind vor einigen Tagen dem deutschen Reichstag zugegangen. Der Gesammtvorstand des Volksvereins für das katholische Deutschland richtete gemäß ein­stimmigem Beschluß im Sinne der 186 000 Mit­glieder des Vereins eine Petition an den Reichs­tag, worin er um Annahme des bezüglichen Ge­setzentwurfes bittet, „welcher zum Schutze der Sittlichkeit insbesondere der Heranwachsenden Jugend unseres Volkes die in der Verbreitung und öffentlichen Ausstellung unzüchtiger und schamloser Bilder und Schriften, wie in scham­losen Schaustellungen an die Oeffentlichkeit sich vordrängende Unsittlichkeit zurückzudämmen sucht". Weiter heißt es in der Begründung der Petition: „Nicht nur erscheint uns ein kräftiger Schutz der christlichen Sitte von höchster Wichtigkeit in einer Zeit, in der die religiösen und sittlichen Grund­sätze des Christenthums in weiten Kreisen des Volkes bedroht sind, sondern auch die im nationalen und gesellschaftlichen Interesse noth- wendige soziale Hebung der Berufsstände unseres Volkes kann nach unserer tiefsten Ueber- zeugung nur von einem Volke durchgeführt werden, welches eine ungeschwächte sittliche Kraft einsetzen kann. Je größere Aufgaben aus sozialem Gebiete der Heranwachsenden Jugend harren, um so mehr erscheint nicht blos Schutz, sondern auch Förderung christlicher Sitte in der­selben unumgänglich nothwendig. Speziell die arbeitenden Klassen haben alles Interesse an dem Zustandekommen des genannten Gesetz­entwurfes, da vielfach gerade ihre Kinder am meisten Gefahr laufen, die Opfer der Verführung seitens Angehöriger derjenigen Schichten der Be­völkerung zu werden, die am ehesten durch scham­lose Schriften, Bilder und Schaustellungen der Unsittlichkeit zugeführt werden." — In ähnlichem Sinne reichte das Diözesankomitee der ka­tholischen Arbeitervereine der Erz­diözese Köln im Auftrage der General-Ver­sammlung des Präses, welche 140 Vereine mit 43 000 Mitgliedern vertritt, eine Petition an den Reichstag, in welcher es u. A. heißt, daß die katholischen Arbeitervereine „in der von den Polizeibehörden, Gewerbeaufsihtsbeamten und Arbeitgebern immer wieder hervorgehobenen Zuchtlosigkeit und sittlicher Verrohung jugend­licher Arbeiter eine schwere Schädigung auch der sozialen Bestrebungen des Arbeiterstandes er­blicken. Die kathol. Arbeiter haben deshalb alles Interesse daran, daß zum Schutze der Sitt­lichkeit insbesondere der Heranwachsenden Jugend unseres Volkes die Verbreitung und öffentliche Ausstellung unzüchtiger und schamloser Bilder und Schriften, wie die schamlosen Schaustellungen mehr als bisher durch gesetzliche Mittel ver­hindert werde."

Vermischtes.

(*) Kleine Nachrichten. Berlin. Anläßlich der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen hat der Post- und Telegraphenverkehr eine mächtige Anschwellung erfahren. Ganze Berge von Ansichtskarten kamen zur Auslieferung. Der Gesammtverkebr des Haupt-Tele- graphenamtes zählte während drei Tage 142357 Tele­gramme. Die ausschließlich auf die Festlichkeiten bezüg­lichen Zeitungstelegramme enthielten nahezu 200000 Worte. — Hannover. Die Errichtung einer Handels- Hochschule im Anschluß an die hiesige Technische Hoch­schule sieht ihrer baldigen Verwirklichung entgegen. Es ist bereits ein Kuratorium gebildet worden. — Aachen. Bon den in Mastricht an den schwarzen Pocken Erkrankten sind einige gestorben. — Hamburg. Der einer hiesigen Rhederei gehörige Dampfer „Livorno" ist verschollen. Das Schiff ist am 28. Februar von New-Iork nach Pernambuco abgegangen und seitdem nicht mehr gesehen worden. Die Besatzung bestand außer dem Führer aus 29 Männern und einer Frau. Passagiere waren nicht an Bord. — Pforzheim. Ein löjähriger Gymnasiast hat einen 7jährigen Knaben mit einer Zimmerfltnte im Spiel erschossen. Er glaubte, die Flinte sei nicht geladen. — Straßburg. Am 12. Mai wurde in den Morgenstunden eine inter­nationale wissenschaftliche Ballonfahrt behufs Erforschung der höheren Luftschichten veranstaltet. Es wurden auf- gelaffen in Paris 1 bemannter und 2 unbemannte Ballons, in Straßburg 1 und 2, in Berlin 2 und 1, in Wien 1 und 1, in Petersburg 1 und 1. Der Finder eines unbemannten Ballons erhält die in der jeweilig beiliegenden Tasche angegebene Belohnung, wenn er den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und aufbcwahrt und an die angegebene Adresse sofort telegraphische Mittheilnng sendet. — Düsseldorf. Ein Konsortium von angesehenen Bürgern beabsichtigt ein wirklich großstädtisches Hotel zu bauen, das den weitgehendsten Anforderungen entsprechen und speziell während der Ausstellung als fürstliches Ab­steigequartier gelten soll. Die Kosten des Unternehmens

sind auf 1,850,000 Mark veranschlagt. — Krefeld. Die feierliche Grundsteinlegung der ersten sechs Wohnhäuser, welche die erst kürzlich gegründete Arbeiter­wohnungs-Genoffenschaft errichtet, hat hier stattgefunden. Der Genosfenschaft gehören 798 Genossen an, darunter der katholische Arbeiterverein Unitas, der christliche Textilarbeiterverband, der evangelische Arbeiterverein, der evangelische Bürgerverein, der Handwerker- und Bildungsverein, der Verein für bürgerliche Interessen, die Weberunion und der niederrheinische Weberverband. Die neu zu errichtenden Häuser werden zusammen 66 abgeschloffene Wohnungen enthalten. — Duisburg. Auf der Kleinbahnstrecke Lipperheiderdaum - Styrum wurde ein fünfjähriges Kind von einem Motorwagen überfahren und sofort getödtet. — Auf der hiesigen Hafenbahn gerieth ein Arbeiter beim Rangiren zwischen die Puffer zweier Wagen und starb auf dem Transport zum Krankenhause. — Bochum. Der hiesige allgemeine Knappschaftsverein hat 225 Aerzte und außerdem 14 Augenärzte und 7 Ohrenärzte angestellt. Zur Kontrolle des Invaliden- und Krankenwesens sind 12 Oberältefte und 240 Aelteste thätig. Der Verein zählt über 200000 Mitglieder und besitzt ein Vermögen von über 30 Mill. Mark. — Siegburg. Hier wurde bei einer Streitigkeit ein junger Mann in die Lunge gestochen. Man brachte den Gestochenen nach dem Hospital, wo er kaum eine Stunde nachher verstarb. — Belgrad. Der frühere Minister Tauschanowitsch wurde wegen Urkunden­fälschung zu fünf Jahren Kerker in leichten Fefleln verurtheilt, doch wurde diese Strafe mit der von ihm noch zu verbüßenden neunjährigen Gefängnißstrafe in elf Jahre Kerker in leichten Fesseln zusammengelegt. — Zürich. Englische Maulthierhändler durchziehen den Kanton Wallis, um alle erhältlichen Thiere für England anzukaufen. Sie zahlen pro Stück 400—600, selbst 1000 Franks. Die Bauern geben ihre Thiere zu solchen Preisen gern her.

* Keine Mädchen nach der MektansKellung. Eine Pariser Firma verspricht in verschiedenen deutschen Blättern, junge Mädchen bei der Weltausstellung zum Bedienen in einem Pavillon für ein Monatsgehalt von 180 bis 255 Franks unterzubringen. Die Adresse lautet: Rue Merlin 32 Bureau Zentral George. Er­kundigungen haben ergeben, daß in jenem Hause gar keine Spur von einem Stellenvermittelungs-Bureau zu finden ist; es ist eine Bierniederlage und ein Export­geschäft. Jener Monsieur George hat einmal dort ge­wohnt, wohnt aber nun in einem Hotel Garni! Dies ist binnen kurzem die zweite derartige Schwindeladresse, die bekannt wird. Auch von Italien aus werden viel­fache Versuche gemacht, Klöster, Anstalten und Mädchen­vereine zur Angabe von Adressen auswanderungslustiger junger Mädchen zu bestimmen. Sobald man dann aber nach Namen und Adressen der angeblich Personal wünschenden Familien fragt, erhält man keine Antwort mehr. Im besten Falle ist es auf Bermittelungsgebühr abgesehen, es können aber auch viel schlimmere Absichten dahinter stecken. Alsc Vorsicht!

' Die Hesammtlänge der Sisenvahne« der tzrde hat im Iahte 1898 rund 752,500 km betragen gegen rund 733,800 km im Jahre 1897, sodaß eine Steigerung von 2,5°/» zu verzeichnen ist. Von diesen Eisenbahnen kommen 270,000 km auf Europa und 387,000 km auf Amerika, der Rest auf Asien, Afrika und Australien. Von den europäischen Eisenbahnen entfallen 49,600 km auf Deutschland, 35,100 km auf Oesterreich-Ungarn, 34,700 km auf Großbritannien und Irland, 41,700 km auf Frankreich, 42,? 00 km auf Rußland und 6000 km auf Belgien. In Deutschland kommen auf 100 qkm 9,2 km Eisenbahn, auf 10,000 Einwohner 9,5 km; in England auf 100 qkm 10,9 km Eisenbahn, auf 10,000 Einwohner 8,6 km; in Frankreich 7,9 km auf je 100 qkm und 10,9 km Eisenbahn auf je 10,000 Einwohner ; dagegen ist in Belgien 20,6 km Eisenbahn auf je 100 qkm und 9,2 km Eisenbahn auf je 10,000 Einwohner. Der kleine Staat Belgien zeigt die größte Dichtigkeit des Eisenbahnetzes, während Schweden auf je 10,000 Einwohner 20 km Eisenbahn aufweist, und in dieser Beziehung allen anderen Staaten voraus ist. Sehr verschieden sind die Kosten der Eisenbahnen in den ein­zelnen Ländern. So haben in Deutschland die Gesammt- kosten des Eisenbahnnetzes rund 12 Milliarden M. be­tragen, und jedes Kilometer hat im Durchschnitt 253,000 M. gekostet. England hat auf seine Eisenbahnen rund 22 Milliarden M. verwendet; das Kilometer hat hier aber 632,000 M gekostet. In Rußland, wo die Eisen­bahnen rund 7 Milliarden M. gekostet haben, ist das Kilometer Eisenbahn für 192,000 M. hergeftellt. In Nordamerika dagegen hat das Gesammtanlagekapttal der Eisenbahnen am 30. Juni 1898 rund 45 Milliarden M. ausgemacht, und soll das Kilometer nur 152.000 M. ge­kostet haben. In Holland hat das Kilometer Eisenbahn 494,000 M. Kosten verursacht, und in Belgien sind bei den Staatsbahnen 356,000 M. aufgewendet, während eine Privatbahn, die große belgische Centralbahn, nur 199,000 M. für das Kilometer Eisenbahn ausgegeben hat. Man darf aus diesen verschieden hohen Kilometer­kosten der Eisenbahnen in den einzelnen Ländern einen Schluß ziehen auf die mehr oder weniger große Be­triebssicherheit der einzelnen Bahnen. Es ist bekannt, daß der kilometrische Verkehr auf weiten Strecken in England ein sehr viel größerer ist als bei uns in Deutsch­land. Um aber diesen großen Verkehr mit großer Be­triebssicherheit aufrecht erhalten zu können, haben die englischen Bahnen auf die Ausrüstung, insbesondere aber auch auf den Unter- und Oberbau große Kosten auf« wenden müssen. Dies zeigt sich in den äußerst großen Kilometerkosten der englischen Bahnen. Während die Durch­schnittskosten der gesummten europäischen Eisenbahnen rund 290,000 M. für das Kilometer ausgemacht haben, betrugen dieselben in England 632,000 M. für 1 km also mehr als das Doppelte des Durchschnitts, wogegen in Deutschland die Kosten den Durchschnitt noch nicht erreicht haben. Von den preußischen Staatsbahnen hat das Kilometer gekostet: 1854 rund 140,300, M. 1866 rund 200,000, M. 1880 rund 294,000, M. 1882 rund 312,000, M 1886 rund 276,000, M. 1890 rund 259,000, M. 1898 rund 257,000 M.

* Die Kohkenprodnklion der Mett belief sich im Jahre 1899 auf 662.820,000 Tonnen. Davon ent­fielen auf Großbritannien 2.'2.055,000 Tonnen oder 80,5°/«; auf die Vereinigten Staaten 196.406,000 oder 30°/«; auf Deutschland 131 Millionen oder 20%; auf diese drei Länder insgesammt also 80°« der gejammten Kohlenproduktion. Dann kommt Oesterreich - Ungarn mit 35 Millionen Tonnen oder 5,3o/o; Frankreich mit 31'/- Millionen oder 4,9°/«; Belgien mit 22 Millionen oder 3,3°/,; Rußland mit 13 Millionen oder 2°/« und schließlich die übrigen Länder mit insgesammt etwa 34 Millionen oder 5°/°.

* De Zweete. Herr Knebbchen hat zmn zweiten Male geheirathet, trotzdem ihm schon „seine Erste" die Hölle so heiß als möglich gemacht hatte. Eines Tages begegnet ihm sein Freund Lemmchen und sagt zu ihm: „Nee hären Se, Knebbchen, Sie Ham Sie aber doch eenen merkwürdigen Muth; wenn Sie nun eenes scheenen Tags Ihre Seel'ge gommt und sie find't Sie die Andere — no, die würd' Sie scheene mit Sie um­gehen!" — „Da genn' Se ruhig sei«!" entgegnete ihm Knebbchen mit einem Lächeln, gemischt aus Pfiffig­keit und Galgenhumor, „mir gönn sie nischt bassiren — meine Zweete werd schon mit'r fertig!"

Kiterarische».

Kleines Brevier zu Ehren des hl. Herzens Jes«. Tagzeiten für jeden Tag der Woche, nebst den nothwendigsten Gebeten. — Auszüge aus dem Leben und den Werken der sel. Margaretha Maria. — Autorisirte Uebersetzung aus dem Französischen von C. Britz. Dreizehnte, ver­besserte und vermehrte Auflage. Mit kirchlicher Druckerlaubniß. Paderborn, Bonifacius-Druckerei. — (XVI u. 192 S.) — Broschirt 40 Pfg., gebd. in Kaliko mit Rothschnitt 60 Pfg., mit Goldschnitt 80 Pfg.

Den Inhalt dieses netten Büchleins bilden wört­liche Auszüge aus den Werken der „geliebten Schülerin" des Herzens Jesu. Die von ihr verfaßten Gebete, die in ihren Briefen zerstreuten Ergüsse der Liebe, ihre verschiedenen Schriften und ihre Anweisungen zur Vollkommenheit bilden die Grundsätze dieser Tagzeiten, in welchem, wie in einem wundervollen Schmuck­kästchen, die Worte des göttlichen Heilandes, seine Lehren, seine vertraulichen Gespräche mit der treuen Verehrerin seines Herzens wie ebensoviele kostbare Perlen eingeschlossen sind. Auch wir geben der Hoff­nung Ausdruck, daß der Gebrauch dieses „Kleinen Breviers" viel Gutes stiften wird bei den Gläubigen, welche gewöhnt sind, oder sich daran gewöhnen werden, es täglich zu beten.

Das Buch des Lebens oder die Verehrung des göttliche» Herzens Jesu von k. I. Waldner, 8. J. Nach der 7. Auflage der Textausgabe vom Jahre 1788 bearbeitet und herausgegeben von I. I. Hansen, Pfarrer. Mit kirchlicher Druckerlaubniß. 224 S. 12°. Preis gebd. in Kaliko mit Rothschnitt 60 Pfg., mit Goldschnitt 80 Pfg. Paderborn. Bonifatius-Druckerei.

Nach einer kurzen Belehrung über den Ursprung, das Endziel und die Vortrefflichkeit der Herz-Jesu-An- dacht folgen tägliche, wöchentliche, monatliche und jähr­liche Andachten, kleine Tagzeiten zu Ehren des hhl. Herzens Jesu, Ablaßgebete und Betrachtungen über das hhl. Herz Jesu rc. Allen Seelen, welche im gött­lichen Herzen unseres Erlösers ihr Vorbild suchen zur Erlangung seiner Tugenden, wird dies gediegene Gebet­büchlein sehr willkommen sein.

Marktberichte.

gfratttfttrt, 14. Mai. Amtliche Notirung der Bieh- markt-Preise. Zum Verkauf standen: 474 Ochsen, 39 Bullen, 728 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 306 Kälber, 141 Schafe und Hämmel und 1171 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerths bis zu 6 Jahren 64-66 M., b. junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 59—61 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 50—55 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: a. vollfleischige höchsten Schlachtwerthes 54—56 M., b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 50—51 M., c. gering genährte 00—00 M. Kühe und Färsen. (Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwerthes 59—62 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerthes bis zu 7 Jahren 52—54 M., c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 38—40 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 30—32 Mk., e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 27-29 M. Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht: Kälber: a. fernste Mast- (Bollm. Mast- und beste Saugkälber 76—80 Pf., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 70—72 Pf., c. geringe Saugkälber 59 bis 61 Pf., d. ältere gering genährte Kälber (Frefler) 00—00 Pf. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel 62-64 Ps., b. arrere Masthämmel 52—56 Pf., c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) 00—00 Pft Schweine: a. vollfleischige der feinere» Raffen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1'/« Jahren 49- 50 Pf., b. fleischige 48 Pf., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 00—00 Pf., d. aus­ländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) —. Pf. Bezahlt wurde für ein Pfund Lebend­gewicht: Kälber a. 46—48 Pfg. b. 41—43 Pfg., Schweine a. 40—00 Pf., b. fleischige 39 Pfg. — Aus Oesterreich standen 105 Ochsen unv 5 Bullen zum Verkauf. Ge­schäft mittelmäßig, Ueberstand ziemlich.

—»I—W IUI «B——

Reklame«, und Auzeigeutheil.