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27. Jahrgang.

Iuröa, Mittwoch, dm 16. Mai 1900.

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XIV. Ekmilmsmmlii»« des VMM tilhsliW deslscher lehreriMi.

Auf nach Fulda!

Wenn jetzt um des Lenzes Wende das schöne Pfingstfest Einkehr hält ins Land, wenn der Monat der holden Himmelskönigin uns seine letzten Grüße entbietet, dann greift so frohgemuth der Mensch zum Wanderstabe, um in Gottes großem, weiten, Wundergarten frischen Muth und neue Kraft zu schöpfen aus diesem nie versiegenden Jungbrunnen himmlischen Segens. Auch uns treibt es hinaus aus den engen, dumpfen Schulstuben, weit fort von Bücher- und Aktenstaub, um kurzer Rast und Er­holungzupflegen. Und wo könnten wir dies besier als im Kreise gleichgesinnter Berufsgenossinnen?

Im Kreisläufe des Jahres ist wieder die Zeit gekommen, wo Deutschlands Jugendbildnerinnen sich zu gemeinsamem Rathen und Thaten zusammen­finden, um in gegenseitigem Gedankenaustausch neue Liebe und frischen Eifer zu unserem er­habenen Berufe zu sammeln, um uns einander näher zu bringen und zu ermuntern, und nicht zu- letzt auch um neue Begeisterung zu schöpfen zu irnserem Stande und dadurch auch ihn zu heben und um unsere Jntereffen zu fördern. Wer wollte,wer könnte da zurückbleiben? — Doch nicht nur aus reinem Vergnügen eilen wir zur Generalversammlung, sondern es ist auch unsere heiligste Pflicht, wenn nur irgend möglich uns an den Berathungen zu betheiligen. Welch' gewaltige Opfer bringen unsere Gegner für ihre Sache und wir sollten hinter jenen zurückstehen? Nein, nie und nimmer! Wenn wir unseren hl. Glauben, wenn wir die uns anvertraute Jugend, wenn wir uns selbst lieben und achten, dann dürfen wir unter keinen Umständen zurückstehen, sondern ernst und eindringlich erklinge in uns der Ruf: Auf nach Fulda!

Und dann, zittert der Name Fulda nicht in unserem Innern in den schönsten heiligen Akkorden? Hier ist die Grabesstätte des hl. Bonifatius, des Apostels der Deutschen und des gewaltigen Organi­sators des Christenthums in ganz Germanien, hier lebte und lehrte der große Rhaban, der „erste Pädagoge Deutschlands"; hier begegnen wir den Spuren der hl. Lioba, jener wunderbaren Frau und Lehrerin aus der ersten christlichen Zeit in dem Dunkel des undurchdringlichen germanischen Urwalds; von hier ging aus die Sonne christ­lichen Glaubens und christlicher Liebe, welche die düstere Finsterniß des alten Heidenthums durch­drang und die Götzen unserer Altvordern jäh­lings zu Boden stürzten. Wie glänzt das Kloster und die Stadt Fulda als leuchtender Stern in der Geschichte des ganzen Mittelalters, und heute noch begegnen wir hier auf Schritt und Tritt den Spuren und Denkmälern jener gewaltigen großen Zeit. Noch heute ist Fulda eines der ersten, wenn nicht gar das erste und vornehmste Heiligthum in unseren deutschen Landen.

Der WosenHof.

Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cassau

8 ------ (Nachdruck verboten.)

Vor der Hütte der Mutter Ropp stand schon ein königlicher Jäger in grüner Uniform mit handbreiten Goldtreffen am Beinkleid und auf der Schulter, einem hohen breiten Hute auf dem stolz erhobenen Kopfe, um den ein Busch dunkelgrüner Federn wehte, und einen Hirschfänger an der Seite. Es war ein Leibjäger, wie man sie nennt. Un­geduldig wartete er schcn auf Sepp, als der Bursche eilig herbeisprang:

„Nun kommt nur flink; die Herrschaften find mit dem Diner bald fertig, da solls gleich los- zehen. Seine Hoheit, Prinz Adalbert, sind ganz versessen auf das Bergsteigen. Ich danke schön, Gott sei Dank, daß Seine Majestät der König nicht dafür schwärmen ; die hören lieber eine große Dper oder ein neues Schauspiel. Ich auch.

Wie der Herr,

So der Knecht! —

Nur die Einsamkeit liebe ich nicht, wie Seine Majestät."

Sepp guckte den städtischen Diener von der Seite an:

„Wie Ihr gelehrt seid."

„Das wollt ich meinen. Wer immer so in °er Hauptstadt lebt, in den Palästen der Großen, oer härt und sieht gar viel."

»Ich beneid Euch fast."

„Grämt Euch nit so sehr drum; der Eine so, *)tl Andre so. Doch seht, da ist Hoch-Schwengau."

Und hier, auf heiligem Boden wollen sich in diesem Jahre unsere katholischen Lehrerinnen Deutschlands versammeln. Muß auf sie da nicht Fulda mit unwiderstehlicher Gewalt wirken und sie hinziehen an jene hl. Stätte?

Aber auch sonst birgt diese alte Stadt in ihren grauen Mauern so viel, was sie so recht zu unserem diesjährigen Versammlungsorte geeignet macht. Gibt es eine günstiger gelegene Stadt mitten im Herzen Deutschlands, welche von Nord und West, Süd und Ost gleich leicht könnte erreicht werden? Noch viel zu wenig bekannt sind leider die Vorzüge dieser Stadt in jeder Hinsicht, nicht zuletzt auch in landschaftlicher Schönheit, mit seiner romantisch- grotesken Umrahmung der wilden Riesen der Rhön und den lieblichen Höhen des Vogelsberges. Und drinnen selbst in seinen Mauern wohnt ein Völklein fromm und bieder, das sich schon seit langer Zeit rüstet zu frohem Feste, um seinen Lehrerinnen eine besonders freundliche und gastliche Aufnahme zu bereiten.

Nur noch kurze Zeit trennt uns von unseren großen Tagen. Die Vorbereitungen find getroffen und bereits alles in bester Ordnung. Das Pro­gramm ist trefflich zusammengestellt und keine Mühe hat das Lokalkomitee gescheut, unsere diesjährige Versammlung, die durch die Jahrhundertwende noch eine besondere Bedeutung erhält, besonders glänzend und würdig zu gestalten. Der Anmel­dungen sind bereits viele eingelaufen und unsere Versammlung verspricht daher heuer doppelt glanz­voll zu werden. Darum wenden wir uns heute noch einmal an die Zögernden und Zaudernden, um sie nochmals einzuladen und ihnen zum Schluffe noch ein ebenso freundliches als ernstes:

Auf «ach Jukdar zuzurufen.

Fulda, den 15. Mai 1900.

Das Lokalkomitee.

G Die Flottenvorlaffe in der Budgetkommission des Reichstages.

ix.

Zur zweiten Lesung der Flottenvorlage, die am heutigen Dienstag in der Budgetkommisfion deS Reichstages begann, find viele neue Anträge eingebracht worden. Aber sie gehören alle ohne Ausnahme zu Paragraph 6 deS Gesetzes in der Form der vom Centrum eingebrachten Vorlage, zu demjenigen Paragraphen, der die Frage der Kostendeckung behandelt, genauer ausgedrückt: zu den für die Deckung der Kosten in Aussicht genommenen Aenderungen des StempelgesetzeS und des ZolltarifeS. Schon daraus kann man den sichern Schluß ziehen, daß an der vom Centrum beantragten geringere Verstärkung der Kriegsflotte niemand mehr etwas auszusetzen hat, und thatsächlich wurden auch heute ohne Debatte die ersten fünf Paragraphen angenommen, die die Bestimmungen enthalten über den Schiffsbestand, die Indiensthaltung, den Personalbestand und die Kosten, sowie die Bereitstellung der Mittel (§ 5) durch alljährliche Feststellung im ReichShaushaltSetat.

Paragraph 6 handelt in drei Absätzen von der Deckung deS Mehrbedarfs, der aus dem Flottengesetz erforderlich wird.

Es war ein stolzer Bau, dieses Schloß, einst der Besitz Nürnberger Patrizier, die verarmten und' dasselbe an das Herrscherhaus des Nachbar­landes abtreten mußten. Jetzt wars der Sommer­sitz der regierenden Dynastie.

Man schritt an Wachen vorbei durchs Thor in den Schloßhof, wo bereits Maulthiere der Reiter und Reiselustigen harrten.

Ein altehrwürdiger Bau, aber überall glänzend restaurirt, umgab den Hof, in dessen Mitte eine hohe Fontäne plätscherte:

„Seht, dort hinter jenen Fenstern speisen die Herrschaften; jetzt gehts aber gleich Io«," meinte der Leibjäger.

Schon nach fünf Minuten trat eine Menge Herren in Zivil und Uniform aus dem Portal heraus. Man bemächtigte sich der Maulthiere, eine Trompetenfanfare schmetterte durch den Raum und die Kavalkade setzte sich in Bewegung.

Als man den Bergpfad erreicht, ritt der Vor­nehmste des Zuges, ein noch junger Mann in dunkler Uniform und Feldmütze, auf der Brust einen großen Stern, zu Sepp, der rüstig an der Spitze marfchirte, heran:

„Ihr seid der Führer?"

„Ja wohl, Exzellenz."

„Königliche Hoheit," verbefferte hier ein Be­gleiter des Reiters.

„Ja wohl. Königliche Hoheit!" verbefferte Sepp.

„Ihr kennt den Weg über den Kuhberg, den Kegel, die Oese, den Wildsprung und den Küchel in der angeführten Reihenfolge?"

„Ja wohl. Königliche Hoheit, doch istS sehr beschwerlich; richtiger geht man vom Kegel nach

Abg. Müller-Fulda beantragte heute eine neue Fassung dieses Paragraphen, die sich von der in erster Lesung beschlossenen Fassung nament­lich dadurch unterscheidet, daß die Gegenstände, die einer höheren Besteuerung ober Verzollung unterliegen sollen, nicht einzeln aufgeführi sind.

Nach dem Vorschläge des freikons. Abg. von Kardorff wurde eine Unterkommission damit beauftragt, die endgiltige Faffung der beiden Schlußparagraphen 6 und 7 zu be­stimmen. Die Unterkommission wurde beauftragt, ihre Arbeiten noch im Laufe des heutigen Tages zu beginnen.

Angenommen wurden zwei Resolutionen. Die eine, vom kons. Abg. Graf Klinckowström beantragt, ersucht die verbündeten ^Regierungen um eine Vorlage über Besteuerung des Saccharins in der nächsten Tagung. Die zweite, vom Abg. Müller-Fulda (Centrum)beantragt, ersucht den Reichskanzler darum, dafür zu sorgen, daß bie Grenzen für den erforderlichen Zuzug fremder Arbeiter im Jntereffe der Landwirth- schaft geöffnet werden.

Sooann wurde die in der ersten Lesung be- schloffeneNovellezumReichsstempelgesetze (Antrag Müller-Fulda) zur Berathung gestellt, und zwar zunächst die Position:

„Lotterieloose". Der preußische Oberland­stallmeister Graf Lehndorff gab sich große, aber vergebliche Mühe, eine Ausnahme zu erzielen zu Gunsten des Totalisators auf den Renn­plätzen. Alle Redner sprachen dagegen, auch der konservative Abg. Dr. Oertel. Es wurden alle gestellten Abänderungsvorschläge theils zurückge­zogen, theilS abgelehnt und der in erster Lesung beschlossene erhöhte Lotteriestempel unver­ändert angenommen.

Die Berathung wird am Mittwoch fortgesetzt.

Deutsches Reich.

Berlin, den 15. Mai.

• Die Waaretthaissstetter wird im preußischen Abgeordnetenbause am Frei­tag in zweiter Lesung auf die Tagesordnung ge­setzt werden. Auf das Gesetz selbst, wie es aus der Kommission heroorgegangen ist, werden wir noch vorher ausführlicher zurückkommen.

4- Die lex Aei«ze wird für die DonnerS- tag-Sitzung des Reichstages auf die Tagesord­nung gesetzt. Es gehen viele Gerüchte um über allerhand Schwierigkeiten, die dabei zu über­winden gewesen wären; natürlich sind alle diese Gerüchte von dm Gegnern des Gesetzes gefliffent- lich ausgesprengt worden. Es kann doch Nie­mand im Ernste vorauSsetzen, daß die starke Mehrheit des Reichstages vor den Herren Singer und Richter und ihren Mannen in Furcht erster­ben und die ganze Sacke ohne Kampf aufgeben soll? Die Debatte vor Ostern war nur deswegen abgebrochen worden, weil eS damals höchste Zeit geworden war, den Etat zu verabschieden. An Schwierigkeiten und Aufregungen wird es freilich nicht fehlen. Die Sozialdemokraten rücken von neuem an mit Anträgen über Anträgen, auch an- bete neue Kundgebungen gegen die Paragraphen 184 a und 184 b sind beim Reichstage ein»

dem Kuhberg, der Oese, den Wilbsprung und dem Küchel; es ist bequemer."

„Aber ich finde den anderen Weg intereffanter."

„Wie Königliche Hoheit wollen."

Dabei hob Sepp seine blauen Augen zu dem Prinzen auf. Herr Gott, was war denn das? Bei Gott, das war ja sein Leutnant von Belfort her. Auch der Prinz war betreten:

„Habt Ihr nicht seiner Zeit beim Werderschen Korps gestanden?"

„Zu Befehl, Königliche Hoheit."

„Heißt Ihr — heißt Du nicht Joseph Ropp?"

„Zu Befehl, Königliche Hoheit, und Sie find mein junger Leutnant von damals?"

„Ja, Ropp. Du brauchst Dich nicht zu wundern, daß ich so schnell avancirt bin; das ist nun einmal so bei unS. Aber Du, wie ist Dirs so lange gegangen ?"

„Schlecht genug, Königliche Hoheit; ich hab dis vorigen Herbst im Lazareth zu Straßburg gelegen."

„O, das thut mir leid."

„Wie lange haben Sie denn doktorirt, König!. Hoheit?"

„Nur ein Vierteljahr."

„Ich glaubte, es wäre schlimmer gewesen; Sie hatten tüchtig Eins weg."

„Hast Du meine Wunde gesehen?

„Na, ich werd doch, wenn ich Jemanden eine Viertelstunde weit durchs Feuer schlepp!"

Hier sprang der General vom Maulthier:

„Du, Ropp, hast mich auS dem Feuer ge­schleppt?"

„DaS wiffen Sie nit?"

„Keine Ahnung; ich war ja bewußtlos, und hernach warst Du nicht mehr beim Bataillon."

gelaufen; kurz, an Bewegung wird es dem neuen Aufzuge nicht fehlen. Die Hauptsache ist und bleibt, baß alle Freunde des Gesetzes bis auf den letzten Mann zur Stelle find!

x Inr Aanakvorkn-e. Finanzminister von Miquel hat sich heute nach Stettin begeben, um an den Vorberathungen wegen des Groß- fchifffahrtsweges Berlin-Stettin theilzunehmen. Auch innerhalb der Berliner Stadtverwaltung sind die Vorberathungen über diese Angelegenheit noch nicht zu Ende geführt. Der Staat verlangt von den Städten Berlin und Stettin eine be­stimmte Garantiebetheiligung für die Aufbringung der Zinsen der Bausumme. Die Berliner Magi- stratskommisfion in Berlin hat sich für die lieber» nähme dieser Garantie ausgesprochen, aber nur unter der Bedingung, daß Charlottenburg ein Zehntel dieser Garantie übernimmt. Nunmehr müssen erst in Charlottenburg die entsprechenden Berathungen eingeleitet werden. Die Provinz Brandenburg hat jegliche Beisteuer abgelehnt.

* Lmrzet, 15. Mai. Der Kaiser ist heute früh 10 Uhr 15 Minuten nach Wiesbaden ab­gereist. Zur Verabschiedung am Bahnhofe waren erschienen : der kommandirende General de» XVI. Armeekorps, General der Kavallerie Graf Haeseler, der Bezirkspräfident Freiherr v. Hammerstein, der Kreisdirektor Graf Villers und der hiesige Bürger­meister. Die Ehrenkompagnie wurde vom 145. Infanterie-Regiment gestellt. Am Bahnhofe waren ferner noch anwesend: die Krieger vereine, die Schulen von Kürzel, viele Bürgermeister der Um­gegend und der katholische und der evangelische Pfarrer.

A«» »em Reichstage.

<<y> 194. Sitzung vom 15. Mai 1900.

Ohne wesentliche Debatte wird der Gesetzentwurf über die militärische Strafrechtspflege in Ri aut f d) ou mit einem Abänderungsantrage des utl. Abg. Bassermann angenommen, wonach das Gesetz zunächst nur bis zum 1. Januar 1906 gelten soll.

Sodann nimmt das Haus die zweite Berathung des See-Unfallversicherungs-Gesetzes m Angriff.

Der erste Paragraph stellt die Grundsätze der Versicherung fest und zählt die Fälle auf, für die sie gelten soll. — Ein sozialdemokratischer Antrag, wonach auch die klimatischen Krankheiten in die Versicherung einbezogen werden sollen, wird abgelehnt, der Para­graph unverändert nach den Beschlüssen der Kommission angenommen; ebenso ohne Debatte die Paragraphen 2 bis 7. m „

Der achte Paragraph behandelt den Gegenstand der Versicherung. Nach einer Bestimmung dieses Para­graphen soll alsdann kein Schadenersatz geleistet werden, wenn der Verletzte den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hat. — Ein sozialdemokratischer Abänderungsantrag der diese letztere Bestimmung gestrichen haben will, wird abgelehnt und auÄ dieser Paragraph nach de« An­träge der Kommission angenommen.

Paragraph 9a setzt fest, was an Jahresarbeitsver­dienst der Vollmatrosen, Steuerleute, Maschinisten —

Paragraph 9b, was an Jahresarbeitsverdienst der übrigen Bersicherungspflichtigen anzusehen ist. Beide Paragraphen werden nach Ablehnung eines sozialdemo­kratischen Abänderungsantrages unverändert nach de» Anträgen der Kommission angenommen.

Ohne Debatte werden angenommen die Paragraphen bis 74.

Bei Paragraph 74 a entsteht eine längere Debatte. Dieser Paragraph handelt von dem RuheuderRente bei Freiheitsstrafen.

Jetzt staub Sepp beschämt ba:

„Königliche Hoheit, wenn ich bas gewußt hält, fo hält ich nix g’fagt."

Der Prinz aber entgegnete weich:

„Dieses Mal hast Du unrecht, Ropp. Ich habe burch alle Zeitungen meinen Lebensretter oufgeforbert, sich bei mir zu melben, vergeblich. Freilich, bas konntest Du armer Kerl bamalS nicht, ber bei meiner Rettung selbst verwundet war; ists nicht so?"

Sepp schwieg.

Der Prinz aber fuhr leutselig fort :

„Komm, Ramerab, baß ich Dich einmal den Uebrigen vorstelle!"

Damit drehte sich der Prinz herum und sprach zu dem umstehenden Gefolge:

„Meine Herren, hier sehen Sie den Mann, ber mir im Kampfe gegen das Bourbakische Korps zur Seite gekämpft, mich verwundet aus ber Ge­fechtslinie bis in bie Schanzen geschleppt und mir unzweifelhaft dadurch das Leben gerettet hat! wobei er selbst schwer verwundet wurde. Diese« ist die Ursache, weshalb auch mir damals die Thatsache unbekannt blieb." .

Sepp stand ganz bescheiden da, in der Runde aber hörte man beifälliges Gemurmel, und die meisten Offiziere ergriffen die schwielige Hand de« Burschen und schüttelten sie herzlich.

Der Prinz aber bestieg wieder sein Maul­thier und sagte: , ,

„Komm, Ropp, das andere besprechen wir an Weitersqreiten."

Der Prinz hatte eine liebenswürdige Art und Weise zu fragen, und so wußte er binnen zehn Minuten alles, Sepps Lust und Leid: