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Jutda, Samstag, den 12. Mai 1900.

27. Jahrgang.

Als Servatius am 13. Mai 450 nach Chr. »er-

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Adolph Ermann machte 1839 darauf auf­merksam, daß am 12. Mai der Novemberschwarm der Meteore, die uns nur in wenigen Stern­schnuppen und Feuerkugeln sichtbar würden, zwischen Erde und Sonne hinzögen und durch i re Masse die Wärmeausstrahlung der Sonne aif die Erde behinderten, somit also eine T mp.-raturerniedrigung bewirkten. Doch hat sich diese Ansicht nur als geistreiche Bermuthung ohne jede Stütz? erwiesen, und man hat sich ge- nöthigt gesehen, das Suchen nach einer kosmischen Ursache aufzugkben und in den physikalischen Ver­hältnissen unseres Erdballes selbst einen Grund für Maifröste zu finden.

Man hat auf die schwimmenden kolossalen Eisberge hingewiesen, die sich mit Beginn der wärmeren I rhreSzeit in den Polarmeeren los­lösen und sm atlantischen Ozean nach Süden treiben und abschmelzev. Allein diese Eismaffen kommen schon im Mai vor, und später können sie den ganzen Sommer andauern, ohne daß sie tn Nord- und Westeuropa eine merkliche Wärme­veränderung verursachten.

Auch dem Einflüsse des Golfstromes, dem wir wesentlich das mildere Klima Nordwest- und Mitteleuropas verdanken, sind verschiedentlich die Kälterückfälle des Mai zugeschrieben worden; denn die Golfströmung ist es, welche um diese Zeit im atlantischen Ozean und in Westeuropa den hohen Luftdruck bewirkt und damit in Deutsch­land die nördlichen Winde hervorruft. Mit der durch die Ablenkung des Golfstrom es seit etwa 1000Jahren veränderten Klimagestaltung Europas steht auch in einigem Zusammenhang die Tyat- sache, daß man erst seit etwa 1000 Jahren die |

begraben war, litt die Sonne keinen Schnee auf seinem Grabe; es mochte noch so viel Schnee ringsumher fallen, die Sonne schmolz ihn von dem Grabe weg. Daher gilt der Servatiustag als der Scheidetag vom Winter und Sommer.

herrschenden und um diese Zeit nordwärts stet« an Ausdehnung gewinnenden Lustdrucke in Deutschland gleichzeitig nördliche Winde herrschen, welche den bösen Kälterückfall erzeugen. Kurz gesagt: die rasche Erwärmung der Balkanhalb, insel bei niedrigem Barometerstände zieht die kalten nordischen Winde herbei, die uns Kälte

Möge es auch nur bloßer Zufall sein, daß die Namenstage der übrigen Eisheiligen in die kri­tische Zeit fallen, in welcher der Winter seine letzten Trümpfe au-zuspielen pflegt, so liegt die Sache doch anders bei dem Hauptäsheiligen, dem hl. Servatius. Gregor von Tours berichtet näm­

lichen Atlantischen Ozean zu verfolgen.

Von W. v. Bezold ist noch eine andere Theorie aufgestellt worden, welche von der im ersten Frühling rasch erfolgenden Bodenerwärmung in Südeuropa, der Balkanhalbinsel und Ungarn durch die Maisonne, verbunden mit dem um

diese Zeit meist sehr niedrigen Barometerstände, ausgeht, wodurch das Entstehen und Eindringen von Depressionen in diesem Gebiete wesentlich

WscheU-Rundschau, (Ka<ttrwf aerboteaj

X Fulda, 12. Mai.

So bringt's dem Winter großen Segen, wobei zu bemerken ist, daß das Wort „Regen" hier offenbar nur des Reimes wegen steht, statt Schnee und Frost.

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Die drei gestrengen Herrn.

„In der Mitte des Mai Ist der Winter erst vorbei." Alte Wetterregel.

Es ist eine hinlänglich bekannte Thatsache, daß etwa um die Mitte des sonst so „wundervollen Monats Mai, wenn alle Knospen springen", böse, winterliche Nachtfröste einzutreten pflegen, welche dem jungen Pflanzenwuchs in der Regel sehr ver­derblich werden; es ist, als ob der Winter, den man endlich und glücklich überwunden glaubt, einen letzten Versuch machte, sein verlorenes Reich zurück zu errchern, weshalb der Franzose die Mai-

mitte recht treffend als Winterschleppe" bezeichnet. I Maifröste in Europa kennt, wenigstens wird Der Volksmund nennt im Nord- und Mitteldeutsch- seit dieser Zeit erst in Chroniken üb« besonders land als besonders kritisch und gefährlich den''--------- '*•" ..... — -■ ' -

11., 12. und 13. Mai, welche den Tagesheiligen Mamertus, Pankratius und Servatius gewidmet find, so daß dieselben in den Ruf der „drei ge­strengen Herrn" ob« der „drei Eismänner" und „Eisheiligen" gekommen sind.

Servaz gilt insbesondere als der Scheidetag zwischen Winter und Sommer, wie verschiedene Bau«nregeln besagen:

In andern Ländern verschieben sich die Eir- tage etwas. In Süddeutschland und den slavischen Ländern wird der 14. Mai: BonifaciuS

und heiteres Wetter und damit Frost mitbringen.

Mit dieser Theorie harmonirt auffallend die vielfach gemachte Beobachtung, daß die Maifröste in der Regel am frühesten in Schweden austreten und sich gewiffermaßen Tag um Tag nach Süden fortpflanzen über das Ostseegebiet, Mecklenburg, Pommern und Ostdeutschland, über die Mark Brandenbura, sowie Sachsen, Schlesien, West­falen und Rheinland, sowie endlich Süddeutsch- land. Das ist der durchschnittliche Gang d« Kälterrückschläge, wobei betont werden muß, daß dieselben teineSroegg an bestimmte Tage gebunden stad, also auch m derselben Gegend durchaus nicht mir den Tagen vom 11. bis 14. Mai zu­sammenfallen müssen, noch für eine bestimmte Gegend stets auf bestimmte Tage fallen, sondern die Kälterrückfälle können ebenso gut etwas später wie früher eintreten. In Norddeutschland traten z. B. 1886 die Maifröste schon am 2. bis 4. Mai ein, 1891 dagegen erst in der Nacht vom 17. zum 18. Mai. Andererseits hat man in den letzten 25 Jahren an den kalten „Loostagen" deS Mai in sieben Fällen Temperaturen vonHunbS- tagShitze festgestellt, während di- Kälterückfälle bereits voraufgegangen waren. Immerhin gilt in Pommern und Mecklenburg der 12. Mai als Haupttag der Kälte; in Schlesien, Brandenburg und Sachsen hat man die niedrigste Temperatur meist am 13. Mai beobachtet, in Westfalen und Rheinland am 14. Mai, während in Frankreich die Tage vom 14. bis 20. Mai eine gewisse Un­regelmäßigkeit in der Wiederkehr der Kälte­erscheinungen zeigen.

Dies sind die über die Entstehung der Mai­fröste aufgestellten Hypothesen, aber auch weit« nichts; denn völlig geklärt ist die Erscheinung der Maifröste damit keineswegs. Wahrscheinlich wirken mehrere der genannten Ursachen zusammen, und nur das eine scheint festzustehen, daß die Kälterückfälle des Maimonats durch die konti­nentalen Verschiedenheiten Europas bedingt find, weil sie in dem ähnliche klimatische Verhältnisse aufweisenden Nordamerika fehlen, was wiederum auf den Golfstrom als das ursächliche Moment der kalten Maitage hiazudeuten scheint. (,Ä. V.)

I hervorragende Fälle berichtet. Nachdem z. B. schon in den Jahre» 892 und 1118 sehr empfind- liche Maifröste eingetreten waren, fiel im Mai der Jahres 1533 in Schlesien und Polen tiefer Echnee, d« erst nach Wochen wegthaute. Im Jahre 1554 trat in den Nächten des 10. und 11. Mai in Böhmen so stark« Frost ein, daß — wie die Chronik von Leitmeritz berichtet — alle Früchte, besond«S Wein und Aprikosen, «- froren sind. Im Mai 1594 vernichtete der Frost das Korn im nördlichen Deutschland voll­ständig, und am 12. Mai 1763 brachen die Mägde auf d« schwäbischen Alp am Morgen beim Wasserholen Eiszapfen von den Brunnen.

Alexander von Humboldt war für eine andere Erklärung sehr eingenommen, welche von der Frühjahrsverschmelzung großer Eis- und Schnee- maffen im Nordosten Europas, namentlich im Gebiete der Dwina und ihrer Nebenflüsse aus- ging. Dieses fast 20,000 Quadratmeilen (den achten Theil Europas) umfassende Gebiet Ruß­lands ist fast 6 Monate im Jahre mit ungeheuren Schnee- und Eismassen bedeckt, die keinen Abfluß finden, bevor die Decke des Hauptstromes nicht gebrochen ist. Nach einem Ueberfchlag von 84 Jahren fand man den 11. Mai als den Tag, an welchem dieses Schmelzen im Mittel zu Stande kommt. Nur vom Westen und Südwesten könnten diesen Gegenden die erford«lichen warmen Luftmassen zufließen, während die kalte Luft in der unteren Region zu uns abfließt. Dies wäre die Ursache des Kälterückfalles im Mai für Nord- und Mitteldeutschland, der ja meist auch mit einer Drehung der Windrichtung von West nach Nord und Nordost verbunden sei.

Dove fügte noch andere Erklärungsgründe hinzu, und man ging schließlich so weit, den Ur­sprung d« kalten, trockenen Maiwinde bis nach den Küsten von Labrador und Grönland im nörd-

wobei der Reim wieder als Sinnfälscher Schnee und Frost) einspringt. Der Segen Weinbaues hängt bekanntlich ganz besonders Nichteintreffen der Maifröste ab; am Rhein nennt man denn auch die Eisheiligen „Weinverberber", im Saalethal bei Naumburg „Weinbiebe", ein Beweis, baß hier früh« Weinbau in weiterem Um- ... , ,

fange getrieben worben ist. Im Elsaß gilt ber Bonifa- begünstigt wird. Das soll zur Folge haben, daß ciustag — hier der 5. Juni— als die Grenze, nach in Anbindung mit dem im Westen Europas welcher Nachtfröste nicht mehr erwartet werben. ' " ‘

Der allgemeine Sinn aller dieser Volkssprache ist nun der, daß im Monat Mai, namentlich um die Mitte desselben, außergewöhnlich kalte Tage, auch wohl Frost und Schneefälle, zumeist aber unerwartete Nachtfröste einzutreten pflegen — ein für den Wonne- oder Blüthenmonat eigentlich auffallender Widerspruch, und man hat sich schon vor hundert Jahren nach einer Erklärung dieser für unser Klima fast unerklär­lichen Kälterückschläge bemüht. Die Physiker waren seit lange darüber einig, daß eine regel­mäßig wirkende Ursache vorhanden sein müsse, um die Anomalie der so häufig wiederkehrenden Kälterückfälle im Mai zu erklären, und es ist auch erklärlich, daß man zuerst nach einer kosmischen Ursache suchte.

satze, daß in Böhmen tschechische, deutsche und ge- mischtsprachige Bezirke von einander unterschieden und dann auch ihrem Charakter gemäß behandelt werden. Als gemischt-sprachig sollen die Bezirke gelten, in denen die Minderheit 20 vom Hundert der Bezirksbevölke- rung erreicht. In Mähren sollen beide Landes­sprachen mit einanber gleich gestellt werben; dort soll die Amtssprache im mündlichen und schriftlichen Ver­kehr immer diejenige der Partei sein, mit der die Be­hörde zu thun hat. Von der Mehrheit des Abgeord­netenhauses wurde der Ministerpräsident sehr gut aus­genommen Die böhmischen Tschechen aber »ollen , «auernreaeln mehr. Diese wollen ganz Böhmen unter tschechische ...

Gewalt bringen und ihr wildester Parlamentsschreier e« ba6 ?S '

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werden. Eine von demMen Abg. Pac^beanttagt" ^besagt eine andere Regel, und eine drtttelaMet:

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° 58 Stimmen gegm die Tschechen. Geh'» fie vorüber ohne Regen,

In Dänemark hat em Mmisterwechsel statt- So bringt's dem Winter großen Segen, gefunden. Dre, Jahre stand das Ministerium ' ' ' ' ~

Hörring an der Spitze der Geschäfte. Sein Rück­tritt stand schon seit längerer Zeit fest, da von der Mehrheit des Bolksthings die Erhöhung der Biannt- weinsteuer nicht zu erreichen war. Das neue Mi­nisterium Sehestedt wird nun wahrscheinlich wiede­rum ein Hauptkabinet werden; wenigstens glaubt man allgemein, Herr Sehestedt werde die alte Konflikts- Politik des Ministerpräsidenten Estrup wieder «uf- nehmen, der bis 1894 am Ruder war und im steten, ---------- vv<1 llum.

»arnpfe gegen das Volksthing lag. So lange König lich über diesen Bischof von Tongern Folgendes: ?n8l£rrfSÄ,^,,tb vermuthlich dieses System Als Servatius am 13. Mai 450 nach Ehr. »er- Neigungen habe. Kronprinzen ändern sich darin aber manchmal, wenn fie Könige werden.

Die belgischen Kammern sind aufgelöst und Neuwahlen zum 27. Mai ausgeschrieben wor­den. Bei der Berathung des Etats wurde von der Linken ein Antrag auf Herabsetzung der militärischen Dienstzeit eingebracht. Kriegsminister Cousebant erklärte, das ginge nur dann durchzuführen, wenn die Friedensziffer des Heeres erhöht werde. Davon wollte die Kammermehrheit nichts wissen. Auch der Flügel der Konservativen, der unter der Führung des Herrn Woeste steht, stimmte gegen das Ministerium, so daß dieses ohne Kammerauflösung so zu sagen zwischen zwei Stühlen gesessen haben würde. Herrn de Sm et de Naher möchte König Leopold aber als Minister- präfidenten behalten, und so hat man denn zu dem Experiment der ParlamentSauflösung gegriffen — ob mit Erfolg, das ist die Frage!

Allgemeine Neuwahlen für die Gemeinde» räthe haben am Sonntag, 6. Mai in Frankreich stattgefundeu. In Paris und in Algerien haben die Nationalisten einige Erfolge errungen. Aber erst die Stichwahlen am nächsten Sonntag werden ein genaues Urtheil darüber zulaffen. Im allgemeinen können die Republikaner schon jetzt mit ihren Erfolgen zufrieden sein.

Fürst Ferdinand von Bulgarien war auf Reisen. Man sagt, er wolle sich in dem schönen Cannes mit der russischen Großfürstin Helene verloben, Bulgarien zum Königthum machen und anderes mehr. Aber von allen diesen schönen Dingen ist keines zur Wahrheit geworden. Herr Ferdinand ist still nach Sofia mit seinen Kindern zurückgekehrt und kann nun weiter darüber nachdenken, wie es wohl möglich zu machen sei, Bulgarien vor dem Staatsbankerott zu retten. Neue Steuern, das war der erste Gedanke; und so soll denn ein neuer Zehnt erhoben werden. Darauf find in einigen Bezirken Bauernunruhen aus­gebrochen ; und wenn diese auch nicht so gefährlich sind, wie manche Berichte es darstellten, so sind sie doch ein neues Zeugniß dafür, daß die Regierung des Koburger Apostaten nicht auf festem Grunde steht.

Auf dem südafrikanischen Kriegsschau­plätze hat sich nichts Wesentliches geändert. Die Buren haben Brandfort geräumt. Aber das ändert nichts an der allgemeinen Lage. Am Dienstag ist das Parlament von Transvaal wieder eröff­net worden. Präsident Krüger hat in seiner Er­öffnungsrede von neuem hervorgehoben, daß er alles thun werde, um den Frieden wieder herzustellen. Die Tagung wird naturgemäß kurz sein und nur die aller­wichtigsten Sachen erledigen.

Die Engländer haben aufs neue unangenehme Erfahrungen zu machen in ihrem chinesischen Schutz­gebiete bei Weihaiwei. Chinesische Soldaten im Verein mit Banden des Geheimbundes der „Boxer", im ganzen mehr als 2000 Mann, haben eine englische Expedition angegriffen, die ausgesandt war, um in Ge­meinschaft mit chinesischen Beamten die Grenze des englischen Gebietes festzustellen. Die Angreifer wurden durch das Feuer der beiden Chinesenkompagnien der Engländer in die Flucht geschlagen. Immerhin ist die Sachlage nicht ganz sicher, so daß man aus Weihaiwei europäische Hilfstruppen kommen ließ. Möglicherweise bekommt man also von noch weiteren Kämpfen zu hören.

Die Zeitungsschreiber, die andere glauben machen möchten, sie hörten das Gras wachsen, hatten reich­liche Arbeit; galt eS doch, so viel wie möglich Kapital zu schlagen aus dem Besuche des Kaisers Franz Joseph in Berlin anläßlich ber Groß- jährigkeitSerklärung des deutschen Kronprinzen. Freilich waren gleichzeitig mit dem österreichischen Kaiser noch viele andere Fürstlichkeiten in Berlin als Gäste an­wesend; aber eigentlich sah man und besprach man nur den Kaiser von Oesterreich, und besser und auf- richttger kann kein frember Monarch vom Volke be- grüßt, herzlicher und feierlicher kann kein anderer Herrscher vom deutschen Kaiser ausgenommen werden als Kais« Franz Joseph. Und waS wollte er? Was für besondere Zwecke verfolgte der Kaiserbesuch ? Das wollten nun jene Leute mit dem überempfindlichen politischen Gehör ganz genau wissen. Der Balkan, der Orient, die Gestaltung deS Verhältnisses zu Ruß­land — das sollten die Fragen sein, zu deren Be­sprechung der kaiserliche Gast gekommen sein sollte.

Ueber das Wetter allein haben die beiden Kaiser sich gewiß nicht Unterbalten. Aber dazu kam der österreichische Kaiser sicherlich auch nicht, um neue politische Feldzugspläne zu ersinnen und zu besprechen. Diesen Zweck pflegen Monarchenbegegnungen überhaupt nicht zu haben! denn solche Unterhandlungen werden auf andere Weise angebahnt und durchgeführt, und Monarchenzusammenkünfte sind bann hinterher mehr bte Kundgebung vor der Oeffentlichkeit, daß alles in bester Ordnung ist. Und wenn nun eine solche Kund­gebung, so wie diese letzte sich gestaltet, dann kann man bestimmt annehmen, daß die politischen Verhält­nisse, die ihr zu Grunde liegen, die denkbar besten sind: der Bund zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland konnte niemals aufrichtiger und fester sein als eben jetzt; und daß er auch den Völkern in Fleisch «nd Blut übergegangen ist, daS haben die begeisterten Kundgebungen der deutsche», der österreichischen und der ungarischen Presse gleichmäßig bewiesen. Und wenn einige tschechische Querköpfe auch darüber brum­men, so thut das der guten Sache nicht den geringsten Eintrag; sie mögen ruhig weiter brummen!

Vielfach ist eS bemerkt worden, daß während der Festestage in Berlin Kaiser Wilhelm Sympathie­kundgebungen mit England ausgetauscht und mit dem britischen Vizekönig von Indien besonders freundschaftliche Depeschen gewechselt hat, aus Anlaß der furchtbaren Hnngersnoth in Indien. Dafür be­steht im deutschen Volke nicht die Theilnahme wie zu unserem Berhältniß zu Oesterreich. Aber schließlich ist eS besser, auch mit England in gutem Verhältnisse zu leben, wenn wir uns selbst nichts dabei vergeben, als wenn daS Gegentheil davon der Fall ist; nament­lich auch deswegen, weil in Italien die Stimmen sich nicht beschwichtigen lassen, die gegen den Dreibund eifern. Ein einziges Regierungsblatt, der ,Populo Romano' versicherte, daß das Festhalten Italiens am Dreibunde unerschütterlich sei. Aber die politischen Verhältnisse in Italien sind locker und unzuverlässig, und wer weiß, was die Zukunft in ihrem Schooße birgt ? j

Jie Flottenvorlage segelt langsam dem Hafen zu. Die starken Abstriche, oie das Centrum an der ursprünglichen Regierungsvorlage gemacht hat, haben nirgends ernstlichen Widerspruch gefunden; und auch die Vorschläge der Abg. Müller-Fulda vom Centrum und Bass er mann von den Nationallibe­ralen, durch einige Erhöhungen von Abgaben und Zöllen die Kosten zu decken, find von der starken Mehrheit der Budgetkommission des Reichstages gut geheißen worden. Daß es sich dabei um solche Ab­gaben handelt, die die Allgemeinheit und die schwächeren Steuerschultern nicht treffen, ist längstjbe- kannt. Aber auf einmal fangen die reichen Speku­lanten der Börsen an zu jammern, ihr Geschäft würde ruinirt werden durch neue Börsenabgaben. Vorher waren sie angeblich Feuer und Flamme für die Ver­größerung der Kriegsflotte. Aber mit ihrem angeb­lichen Patriotismus ist es sofort zu Ende, wenn sie auch eine Kleinigkeit zu den Kosten beitragen sollen.

Noch langsamer geht es mit der zweiten Lesung der Unfallversicherungsgesetze im Plenum deS Reichstages. D-e Sozialdemokraten, deren Reichs­tagsvertreter freilich von ihrer Partei für ihre par­lamentarische Thätigkeit bezahlt werden, können es nicht satt bekommen, bei jedem einzelnen Paragraphen vollkommen aussichtslose Anträge zu stellen; und so schleppt sich die Debatte endlos hin. Das Endergebnis ist aber doch, daß diese Gesetzentwürfe in allen wesent- Uchen Bestimmungen in der Fassung der Kommissions­anträge angenommen werden.

Eine schwere Niederlage haben die Libe­ralen in Bayern erlitten. Der Wahlkreis Rothen- burg-Dmkelsbrühl, bisher vertreten von dem verstor­benen Abgeordneten Aub, war sonst eine ihrer schwersten Domänen. Bei der Neuwahl zum Land­tage ist der liberale Wahlbewerber Högner geschlagen worden durch den Bürgermeister Pflaumer von Schil­lingsfürst, der von den Konservativen und den Bauern- bündlern aufgestellt war. Und es wählten dieselben Wahlmänner wie vordem bei der Hauptwahl'

Am 8. Mai ist der österreichische Reichs­rath wieder eröffnet worden; und gleich am ersten Tage hat Ministerpräsident von Koerber den Entwurf des neuen Sprachengesetzes vorgelegt. Dasselbe beruht auf dem einzig richtigen und einzig gerechten Grund-

„Äein Reif nach Servaz, Kein Schnee nach Bonifaz," ober:

„Die drei AtiuS ohne Regen, Dem Weine gibt es großen Segen",

mit Nntnhattungs-Meiülge „Issuflrirte Sonntags-Zeitungs