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JH 109. Juwa, Samstag, den 12. Mai 1900.
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□ Die Deutschen und die Tschechen.
Das leidige Thema von den Deutschen und den Tschechen ist so alt und so häufig schon besprochen worden, daß mancher gar nichts mehr davon lesen mag; und dennoch muß es stets von neuem wieder besprochen werden. Dies um so mehr jetzt wegen des Sprachengesetzes, das das Ministerium Körber im österreichischen Reichs- rathe eingebracht hat.
Von allgemeinem Interesse für das Ausland sind nur die Bestimmungen für Böhmen, denn für Mähren wird viel eher ein Uebereinkommen zu erzielen sein als für das Land der Wenzels - kröne. Auch lassen sich die Bestimmungen für Mähren sehr kurz durch einen einzigen Satz kennzeichnen: die Amtssprache soll in jedem Falle die Sprache derjenigen Partei sein, die ein Verfahren von der Behörde oder dem Gerichte veranlaßt.
DasSprachengesetz für Böhmen ruht bekanntlich in der Hauptsache auf dem Grundsätze, daß dreierlei Arten von Bezirken angenommen werden: deutsche, tschechische und gemischte. In einem überwiegend deutschen Bezirke müssen mindestens 20 v. H Tschechen vorhanden sein, um den Bezirk als gemischt nach dem Gesetze gelten zu lasten, und ebenso umgekehrt in einem sonst tschechischen Bezirke mindestens 20 v. H. Deutsche. In den tschechischen Bezirken soll als Amtssprache auch im inneren Verkehr der Behörden und Gerichte nur das Tschechische gelten, in den deutschen Bezirken nur das Deutsche. Ehemals sträubten sich die Deutschen gegen die Einführung der inneren tschechischen Amtssprache überhaupt, denn sie sollten sich auf den Standpunkt, in einem deutschen Staatswesen müste die Amtssprache überall deutsch sein, oder mindestens müste das Deutsche als solche auch anerkannt werden; und thatsächlich nehmen beispielsweise die polnischen Gerichte in Galizien auch deutsche Eingaben an. Damit, daß die Deutschen neuerdings von diesem Standpunkte abgehen, machen sie dem andern Theile ein Zugeständniß, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Um klar darüber zu urtheilen, muß man an irgend ein bestimmtes Beispiel denken. Die Stadt Pilsen galt ehedem für eine vollkommen deutsche Stadt; auch die Mehrzahl der Menschen der lebenden Generation haben noch diese Vorstellung. Nach dem Körb er'scheu Gesetzentwürfe aber würde auch in Pilsen die Amtssprache in Zukunft nur noch tschechisch sein dürfen, denn Pilsen liegt in einem Bezirk, der nach diesem Gesetze als rein tschechisch behandelt werden müßte. Umgekehrt wollten bisher die Tschechen nicht zugeben, daß man für Böhmen geschloffene deutsche Bezirke annehme; und wenn nun beides doch geschieht, so hat man sich damit einander um ein Stück genähert.
Aber ist man denn damit dem wirklichen Frieden näher gekommen? Ein Blick auf die Vorgänge während der allerersten Sitzungen in der neuen Tagung des österreichischen Abgeordnetenhauses uns dir Antwort darauf: das D»"" —naa SSBIMMI
Der WosenHof.
Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cassau 5 ------ (Nachdruck, verboten.)
„Gut, da schreib mich ein und hinterdrein den Sepp. Was kost's?"
Er legte das Geld auf den Tisch und meinte:
„Komm, Sepp, laß unS ein bissel gehen, das ist gut und beruhigt's Blut."
Auf dem Platze trieb auch eine Zigeuerbande ihre Gaukelkünste, Seiltanzen, Reifspringen, allerlei Zauberkünste und dergleichen. Eine alte gelbe Hexe aber lief umher im Publikum und lud mit gellender Stimme ein, den Künsten zuzusehen; dabei wahrsagte sie aus der Hand. Als sie des reichen Rosenbauers ansichtig wurde, faßte sie seine Hand, sah hinein und meinte:
„Bei Dir komrnt's Glück
Erst dann ins Haus, hihi.
Holst Du zurück.
Was Du jagt'st 'naus! hihi!"
„Dummes Zeng!"
Er warf ihr aber doch einen halben Gulden zu.
Nun wandte sie sich an Sepp, lange besah fc die Linien darin, dann sagte sie:
„Wer Rosen bricht. Der merk' sich fein, Manch' Röselein Ost blutig sticht!"
Sepp wurde roth wie ein gekochter Krebs; Er lachte recht gezwungen und gab dem Weibe rin Silberflück. Der Bauer schritt finster weiter. So kamen sie wieder in den Schießstand, woselbst die Stutzen vorschriftsmäßig geladen waren.
Loosungswort lautet nach wie vor Krieg. Die Tschechen sind so sehr an das Hetzen und das Stürmen gewöhnt, daß sie wie bte Durchgänger bei den Pferden gar nicht mehr anders können, als mit blinder Tollheit loszurennen, wenn sie auf die parlamentarische Arena kommen; und nicht viel anders geht es leider mit einem Theile der Deutschen zu, so daß der Eindruck, den man von diesen ersten Sitzungen bekommt, ein ganz trauriger ist und kaum anders gedeutet werden kann als so, daß es wohl wiederum mit dem österreichischen Abgeordnetenhause nicht allzu lange dauern wird, bis es von neuem unverrichteter Dinge nach Hause geht und von neuem der Nothparagraph 14 der Regierung herhalten muß, damit diese ohne Parlament weiter regiere.
Beffer ist darum über solche Fragen an Orten zu verhandeln, die nicht ständig von dem parlamentarischen Kampfgetöse widerhallen, an denen nicht jede äußerliche Einzelheit die Gewohnheitsschreier von neuem zum Schreien reizt, wo nicht der Anblick der Umgebung allein ihnen infolge der Erinnerung früherer Dinge das Blut in das Gehirn treibt. Und deswegen war auch der Gedanke, eine besondere Verständigungskonferenz einzuberufen, ein guter Einfall. Aus demselben Grunde will jetzt auch die Rechte wieder den ganzen Sprachengesetzentwurf vorläufig der Berathung in öffentlicher Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses entziehen. Der polnische Abgeordnete Jaworski hat im Auftrage der Rechten den Deutschen den Vorschlag gemacht, eine erste Lesung des Entwurfes gar nicht erst vorzunehmen, diesen vielmehr sofort einem besonderen Sprachenausschuß zu überweisen. Leider aber, und daS ist nun wieder ein großer Fehler der Deutschen, sind diese auf den wohlgemeinten Vorschlag nicht eingegangen. Und wenn nicht noch nachträglich eine Einigung zu Stande kommt, so wird man sich von neuem auf die wildesten Auftritte und auf erneute Obstruktion der Tschechen gefaßt machen müffen, die sich auch durch die süßeste Speise wirthschastlicher Reformen nicht besänftigen läßt.
Wan« endlich wird am politischen Himmel Oesterreichs wieder die Sonne aufgehen?
Deutsches Keich.
Berlin, den 11. Mai.
+ Der Schluß der Zteichslagsver- hattdlttttge« ist vor Pfingsten nicht zu erwarten, so behauptet die,Natl. Korrespondenz', die von Anfang an förmlich dafür agitirt hat, vor Christi Himmelfahrt eine Pause eintreten zu lassen, um nur ja im Hochsommer noch einmal mit den Sitzungen anzufangen. Das genannte Organ behauptet, in den leitenden Reichstagskreisen hätten Donnerstag Nachmittag Besprechungen darüber stattgefunden, und dies sei das Ergebniß derselben. Aber nach wie vor bleibt die That- sache bestehen: wenn allgemein der ernstliche Wille vorhanden wäre, die Arbeiten des Reichstages nach Möglichkeit zu fördern, so würde eine Bewältigung der allerröthigsten Gesetzentwürfe vor Pfingsten sicherlich noch möglich sein. — Leider freilich gewinnt, wie nicht zu leugnen ist, die Ansicht von einem Tage zum andern mehr
„Nummer 138!"
Der Bauer trat vor, der Schuß knallte. Großer Jubel an der Scheibe: Martin Straffer hatte den besten Treffer abgeschossen; er mußte, schoß Niemand besser, wie so oft schon, Scheiben- könjg werden. Dreimal noch knallte der Stutzen und jedesmal lachte Jakob Pfilzer, der Ober» jäger, bei dem Knall laut auf. Er hatte viel Wein getrunken und kümmerte sich wenig um des Bauern drohende Blicke, obwohl Martin Straffer immer aufgeregter warb.
„Nummer 139!"
Jetzt trat Scpp in ben Schießstand. In der Garnison und während des Krieges hatte et die Kunst des Treffens gründlich erlernt, war überhaupt schon vorher ein guter Schütze gewesen und stand nun da, wie aus Marmor gemeißelt, so kalt und ruhig, daß ihn jeder beneidete.
Der Schuß knallte. — Alles stürzte nach der Scheibe: Sepp hatte den Rosenbauer abgeschossen Er war vor Schreck bleich wie der Tod, denn es war gegen seinen Willen geschehen, nur die Scheibe wollte er treffen. Der Bauer hatte sich bei diesem Vorfall sofort finster herumgedreht, ging zu den Seinigen und sagte:
„Kommt, wir geh'» nach Haus."
„Warum denn,Martin?" meinte Frau Elisabeth sanft.
„Will mich nicht verhöhnen laffen; der Sepp hat «ich abgeschoffen."
Loni war roth vor Freude und Angst zugleich. Der Rosenbauer aber sah sie scharf an und sagte:
„Er guckt nach Dir, Loni; die Leute zischeln davon und höhnen mich damit; aber ich sage Dir:
Anhänger, daß ein Schluß der Tagung vor Pfingsten nicht möglich sei, nicht einmal dann, wenn man sogar da; Fleischbeschaugesetz unter den Tisch fallen laffen wollte. Geradezu lächerlich muß man aber das von der Regierung geäußerte Verlangen bezeichnen, auch noch die Seemannsordnung zu verabschieden. Diese hat in der zuständigen Kommission noch nicht einmal die erste Lesung durchgemacht! Vielleicht entwickeln sich die Dinge allmählich noch so, daß dann nach Pfingsten die preußische Regierung im Landtage auch noch die neue Kanalvorlage einbringt; denn wenn der Reichstag nach Pfingsten noch tagen soll, dann richtet man es ohne Zweifel so ein, daß auch der preußische Landtag vor dem Pfingstfeste nicht zum Abschluß gelangt. Nur volle Besetzung des Reichstages, wenn nach den Unfalloersicherungsgesetzen die dritte Lesung der IvxHeintze an die Reihe kommt; dann wird man Wunder sehen, wie schnell die Berathungen vorwärts gehen können!
x „Der Staat Srarrcht es sich «icht gefalle» z« taffen —", nämlich wenn ein Jesuit in Deutschland Vorträge gegen die Sozialdemokratie hält: „Dieser weise Spruch ist von dem preußischen Oberverwaltungsgericht gefällt worden. Profeflor Andelfinger vom Jesuitenorden wollte, wie man sich allgemein erinnern wird, auf Einladung des Windthorstbundes in Bochum Vorträge halten, die im Allgemeinen mit dem Titel „Die Bedeutung der Gottesidee" versehen waren. Der Inhalt dieser Vorträge richtete sich zum großen Theil gegen die Leugnung der Gottesidee, wie sie namentlich roh bei der Sozialdemokratie zum Ausdrucke kommt. Wenn nun Sozialdemokraten und Anarchisten Vorträge in ihrem Sinne halten, oder wenn in Berlin ein Theater recht unsaubere Stücke zur Aufführung bringt, kümmert sich die Regierung nicht darum. Aber wenn ein Jesuit Vorträge hält, die bessernd und veredelnd auf das Volk einwirken sollen, so ist das nach der — „Weisheit" der Staatsregierung gefährlich. Die Regierung verbietet solche Vorträge und das Oberverwaltungsgericht entscheidet im Sinne dieses Verbotes, der Staat „brauche sich solche Vorträge eines Jesuiten nicht gefallen zu lassen", denn Vorträge halten gehöre zur Ordensthätigkeit, und die Ausübung der OrdenSthätigkeit fei den Jesuiten verboten. DaS war wieder einmal höchst unweise entschieden, o höchst weiser Richter!
* Der Antrag Isrese-Müller (Fulda) auf einen Fixstempel für Connossemente lautet: Connoffemente und Frachtbriefe im Seeverkehr zwischen inländischen und ausländischen Häfen, sofern sie im Inlands ausgestellt oder behufs Empfangnahme der darin bezeichneten Sendung im Inlands vorgelegt werden: a) wenn die Schriftstücke über ganze Schiffsladungen lauten, 1. bis zu 500 Tonnen 20 M-, 2. übet 500 Tonnen 30 Mk., b) wenn sie über Theil- ladungen oder Stückgüter lauten 0,50 M. Die Abgabe ist für jede Sendung nut einmal zu entrichten. Dem Seeverkehr steht der Verkehr zwischen See- und Flußbäfen oder umgekehrt gleich. — Handelt es sich um den Verkehr zwischen deutschen und ausländischen Häfen oder umgekehrt, welche in der Ostsee oder in der
eher verstecht der Quell vor dem Rosenhofe, ehe Du fein Weib wirst! Bei Gott's Blut!"
Das war fein höchster Schwur. — Er hob drohend die Hand, schritt voraus und — was sollten sie machen? — sie folgten ihm nach dem Rosenhof, Loni und die Mutter mit unterdrückten Thränen.
Das Schießen war bald darauf zu Ende. Sepp ward zum Scheibenkönig ausgerufen, mit der silbernen Kette geziert und bekam 50 funkelnagelneue Silberstücke, von denen er aber den größten Theil gleich in Wein für Jedermann umsetzte. Man trank, man sang, man ließ den hübschen Scheibenkönig leben. Da erinnerte sich Sepp in seinem Glücksrausche der Seinigen; er war in einem Augenblicke nüchtern.
„Ich muß fort," rief er, „muß zu den Meinigen !"
„Darüber mach' Dir keine Sorgen mehr," meinte einer aus dem Haufen, „Dein Bauer ist fluchend fort, zürnt wohl, daß Du ihn abgeschoffen. Ist halt lang genug Scheibenkönig gewesen. Prosit, Sepp!"
Und Sepp trank, trank und trank, und — zum ersten Male in seinem Leben war der sonst so nüchterne Bursche betrunken. So kam er am andern Morgen auf den Hof, Loni und Frau Elisabeth waren nicht sichtbar, Toni aber kam zu ihm, als er eben den Kopf auf die Haberkiste stützend, über den schrecklichen Tag nachdachte.
„Sepp, nimm Dich in Acht vor dem Vater, er war nur die halbe Nacht zu Bett und hat auf Dich gescholten. Geh'ihm aus dem Wege, Sepp!"
Das thu' ich nit, Toni."
Nordsee, einschließlich Frankreich und England im Kanal, gelegen find, so werden nur 6/io der vorgeschriebenen Beträge erhoben.
+ Aokorrialdirektor v. ZLuchka soll nicht mehr fest im Sattel sitzen, so ist während der letzten Wochen übereinstimmend gemeldet und neuerdings von frischem behauptet worden. Ein Offiziosus stellt die Wahrheit dieser Angaben in Abrede, und eS mag ja sein, daß über seinen Rücktritt vom Amte noch nichts beschlossen ist. Es kann indeffen auch nicht geleugnet werden, daß Herr v. Buchka bisher wenig glücklich in der Führung der Kolonialabtheilung gewesen ist; man erinnere sich nur des „Hereinfalls" mit der Vergebung der Riesenlandkonzessionen an die Spekulationsgesellschaften in Kamerun. Ver- muthlich also wird das, was noch nicht in diesem Augenblicke geschieht, bald kommen.
h Die Lettleaoty auf dem Lande wird voraussichtlich durch die Ausführung der Flottenvergrößerung noch ärger werden, als sie bisher schon war; denn für diese Arbeiten braucht die Industrie bann noch mehr menschliche Arbeitskräfte, als sie schon jetzt bet Landwirthschaft wegnimmt. Deswegen hat nun bas Centrum zum Flottengesetze bie folgende Resolution beantragt: „Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß im Jntereffe der Landwirthschaft und zum Zwecke deren Versorgung mit den nöthigen Arbeitskräften die deutschsnReichsgrenzen für den erforderlichen Zuzug fremdländischer Arbeiter geöffnet werden."
0 Das Aeichsseuchengefetz ist heute (Freitag) in zweiter Lesung von der zuständigen Kommission des Reichstages erledigt worden. Es find keine wesentlichen Aenderungen gegen die Beschlüsse der ersten Lesung vorgenommen worden. Dem Plenum soll folgende Resolution unterbreitet werden: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen für daS ganze Reichsgebiet eine allgemeine obligatorische Leichenschau vorgeschrieben wird."
h Kt«e Kryöhttng des Gerste«- «»d Aopfe»zoffes sollte nach der Behauptung des freisinnigen ,Berl. Tagebl.' im Wirthschaft- lichen Ausschüsse von landwirthschaft- licher Seite angeregt worden sein. Die Behauptung ist unrichtig. Hochoffiziös wird in der ,Nordd. Allgem. Ztg.' festgestellt, daß diese Frage von Vertretern des Mälzerei- undBrauerei- gewerbeS angeschnitten wurde. Alle an bie Mittheilung des „Berliner Tageblattes' geknüpften gehässigen Betrachtungen in der Presse find also hinfällig.
• Ilnr eine GHalsperre solle erbaut werden zum Schutze gegen die Hochwassergefahren in Schlesien — so meldet die »Schlesische Ztg.' nach einer angeblichen Aeußerung des Regie- rungskominissars in der Kommission des Abgeordnetenhauses. Thatsächlich hat der Regierungskommissar gesagt: es würde zunächst voraussichtlich nur mit dem Bau einer Thalsperre begonnen werden, um erst nach den mit diesen gewonnenen Erfahrungen an den Bau anderer Thalsperren heranzutreten.
+ IleSer das Ikeischöeschattgefetz scheinen bei den Nationallibsralen doch auch sehr ver-
Der Knabe sah ihn traurig an.
„Da kommt er auch schon."
Der Bauer stand in der Thür.
„Geh' ’naus, Bub," sagte er rauh, „ich hab' mit Dir zu sprechen, Sepp."
„Ich hab's erwartet."
Der Bauer sammelte sich, bann begann er:
„Sepp, 's wirb mir schwer. Du hast mir's Leben gerettet unb meinem Kinde; hier — nimm's ohn' Bedenken, mach' Dich bamit selbständig, benn aus bem Hofe mußt Du 'raus, bas geht nit anbers um ber Leut' willen." Damit hatte er ihm zehn Hundertmarkscheine auf bie Futterkiste gelegt."
„Du bietest mir Gelb für meine That? — Schämst Du Dich nit, Bauer? — Ich that nur, was ich mußt', was ich Je b em gethan hätt', gleichviel, wer es auch sei; bafür nehm' ich keine Bezahlung. Hätt' ich Lohn gewollt, so legtest Du mir’s ja in ben Mund. Du sagtest: „Fordere, was Du willst, Sepp, ich geb'S Dir. Wär' ich unehrlich gewesen, so hätt' ich schon dazumal sagen können: „Bauer, ich will kein Gelb unb kein Gut vorn Rosenhof, das bleib’ Deinem Toni. Gib mir was Besseres, gib mir die Loni, denn wir sind nnS lange, lange herzlich gut."
„'S ist besser, Sepp, daß Du’s nit gethan hast, ich brauchte es Dir dann nit abzuschlagen."
„Das hättest Du gekonnt?"
„Wie heut'! G'rad' deshalb mußt Du fort. Die Leute Hanseln mich, daß ich mein Mädel einem Knechte an ben Hals werf’."
„Unb um der Leut' willen willst Du uns unglücklich machen?"
„Ich muß!"