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Jfä 109. JuLöct, Samstag, t .900. 27. Jahrgang.
| Drittes Matt. |j
Römische Briese.
XXVIII.
CH Rom, 7. Mai 1900.
Die letzten Tage war es das deutsche Element, welches in jeder Beziehung in Rom vorherrschte. Der große deutsche Pilgerzug, derjenige der österreichischen Länder gaben dem Aussehen unserer ehrwürdigen Stadt ein ganz eigenes, heimathliches Gepräge. Die Einheimischen können sich ein Beispiel an solcher christlichen Glaubensmanifestation und Zusammengehörigkeit nehmen. Mustergiltig aber ist die Ordnung dieser Pilgermassen. Leo XIII. war von einer besonderen Güte gegen die Deutschen und auch diesen werden die römischen Tage unvergeßlich bleiben. — Unser so talentvolle Komponist des „St. Petrus", P. Hartmann, hat den Auftrag erhalten, zu den Feierlichkeiten, welche hier bei Gelegenheit des großen Pilgerzuges und Kongresses des III. Ordens des hl. Franziskus geplant werden, ein neues Oratorium, welches sich nach diesem Ordensstifter nennt, fertig zu stellen. Das soll zu Ende September oder Anfang Oktober geschehen. Unser berühmter Landsmann hatte die Freundlichkeit, mir Näheres über die Anlage des neuen Oratoriums mitzutheilen. Das Oratorium, welches für Soli, Chöre und großes Orchester (wie sein Vorgänger St. Petrus) gedacht ist, wird in drei Theile zerfallen. In diesen wird die Gründung der drei Orden, sowie die Hauptbegebenheiten aus dem Leben des Heiligen behandelt. Der letzte Theil schließt mit dem Tode und der Verklärung des hl. Stifters. Die Rolle des Erzählers wird für Sopran geschrieben, während der Tenor dem heil. Franziskus und Alt der heil. Klara zufällt. Der Männerchor wird von FranziSkanermönchen, der Frauenchor von den Clarisien und der gemischte Chor von Mitgliedern des III. Ordens gesungen. P. Hartmann arbeitet unablässig an diesem Werke, um dasselbe bis zum angegebenen Termin fertig zu stellen, denn bis jetzt ist nur das Prae- ludium, der erste Chor und die ersten Ricitative fertig, welche von packender Wirkung sind. — Uebrigens hat der liebenswürdige und sympathische P. Hartmann schlimme Erfahrungen in Bezug auf die materielle Seite der Aufführung seines ersten Oratoriums „St. Petrus" in der hiesigen Karlskirche gemacht. Ein italienischer Unternehmer hatte die Angelegenheit selbständig in die Hand genommen und eine Art von Komitee (in welchem auch hervorragende deutsche und österreichische geistliche Namen vertreten waren) hatte nur ehrenhalber eine Art Protektorat übernommen. Alles in der Welt ist nun Geschmacksache und auch die mit P. Hartmann, dem bescheidenen Franziskaner, gemachte Reklame war nicht nach dem Geschmacke Vieler. Nach all dem Geschehenen muß man sich wirklich wundern, daß trotzdem das Werk selbst einen so durchschlagenden Erfolg hatte, denn gerade hier gibt man so viel auf Äußerlichkeiten. Nun hat sich aber ein Defizit von nicht weniger als 20000 Lire herausgestellt, welches P. Hartmann oder der Orden zahlen muß. Das ist auch wieder eine der Überraschungen, denen man hier oft ausgesetzt ist. P. Hartmann hat übrigens sein erstes Oratorium dem berühmten Verlagshause Ricordi in Mailand verkauft, welches gleichzeitig ein Erwerbungsrecht auf die weiteren Kompositionen des Meisters erworben hat. — Leo XIII. empfing in Privataudienz eine Deputation des unter dem Protektorat des Kardinals Parocchi stehenden Ordens der Advokaten von St. Peter, welche den Peterspfennig überreichten und uuch beim Staatssekretär Rampolla vorsprachen. — Her bekannte, in Viterbo sich abspielende Mord- und Bestechungs-Prozeß wird von der antiklerikalen und radikalen Presse und Partei in Neugieriger Weise dazu benutzt, gegen die katho- usche Geistlichkeit zu Hetzen, weil unter den Än- geklagten sich ein Geistlicher befindet, welcher übrigens schon einmal in derselben Sache frei» gesprochen wurde. — Die im letzten Konsistorium ^nannten Bischöfe sind, soweit dieselben hier anwesend waren, in den verschiedenen Kirchen von neu dazu beauftragten Kardinalen konsekrirt wor- en. Gestern wurde mit großer Feierlichkeit die Konsekration des Msgr. Merry del Val zum ^tular - Erzbischof durch den Kardinal Ram- pollg in der spanischen Nationalkirche vorgenorn- j'11' - Der Tuberkulosen - Kongreß in Neapel seine Arbeiten beendet und hat demjenigen für Mirsche Erziehung Platz gemacht. In wenigen ^ugen wird ebenfalls in Neapel die Hygiene-
Ausstellung eröffnet; man erwartet nur noch die Rückkehr des Prinzen von Neapel von den Berliner Festen. Der König ist gestern Abend wieder nach Neapel zurückgefahren, wo er der Königin, welche sich während seiner Abwe-e heit im alten Boukbouen-Palaft von Capodimo eir.quartirt hat, erwarte! wird. — DaS f finden Leo XIII. ist ausgezeichnet und Aufregungen und Strapazen der vielen P Empfänge find spurlos an seiner wahrhaft neu Konstitution vorübergegangen.
6. -rief m dkl UckSAstköm
Von unserem Epeziatksrrespvnden'
(Nachdruck verboten.) Q -
Weitere Eröffnungen.
Jeden Tag wird ein weiteres Stück der Ausstellung eröffnet, manchmal auch zwei. So kam vor einigen Tagen der dänische und zugleich der italienische Palast zur Einweihung. Letzterer ist bei weitem der größte unter allen an der „Völkerstraße" belegenen Palästen der fremden Nationen und hat sich schon den Spitznamen „die Kathedrale" erworben. Er ist eine Nachbildung venitianischer Bauten des 16. Jahrhunderts und erinnert an den berühmten Dogenpalast. Wie bezüglich seiner Größe, so ist der italienische auch unübertroffen bezüglich der Leichtigkeit des Materials, um nicht zu sagen der Leichtfertigkeit, mit welcher er erbaut ist. Di; Fassade mit den gothischen Spitzbogenfenstern und den funkelnden Mosaiken gewähren einen prächtigen Anblick, wenn das Ganze auch etwas überladen anssteht. Im Innern stellt die „Kathedrale" eine weite Halle dar, um die rings herum eine von leichten Säulen getragene Gallerie läuft. Hier haben die italienischen Kunstindustriellen ihre Erzeugnisse ausgestellt : venitianische Spitzen, Seidenstoffen, Teppiche, Glaswaaren — ein herrlicher Anblick für Augen, welche Geschmack am Glänzenden und Zierlichen haben.
Eine weitere „Eröffnung", freilich ganz anderer Art, ist die, daß ein Schwindler zahlreiche kleine Leute um ihr Geld gebracht hat. Ein unternehmender Journalist hatte dieselbe veranlaßt, gemeinschaftlich ein „Hindu-Dorf" in der Ausstellung zur Darstellung zu bringen. 130 000 Fr?, wurden zu dem Zwecke eingezahlt, aber es reichte noch nicht. Nun steckte sich ein Architekt und Abgeordneter dahinter, verkaufte die verschiedenen Plätze und Konzessionen für rund 150000 Frs. an andere Unternehmen und — behauptete dann, daß er alles nur für seine Leistungen als Architekt erhalten habe. Man sieht, der Schwindelgeist von „Panama" ist auf der Weltausstellung auch nicht unvertreten.
Stand der Arbeiten.
Im übrigen ist die Ausstellung noch lange nicht soweit vorgeschritten, daß man sie als annähernd fertig bezeichnen könnte. An manchen Stellen zwar sind die Arbeiten soweit gediehen, daß sich dem Ange des Besuchers schon ein mehr oder weniger zusammenhängendes Bild bietet, aber die unausgesetzten Arbeiten rund herum haben viele der pünktlichen Aussteller veranlaßt, ihre Gegenstände fein säuberlich zuzudecken, sodaß man für feinen Franc Eintrittsgeld neben Kisten und Kästen vielfach nur grüne, blaue, braune, graue, schwarze und wer weiß, was sonst noch für Tücher zu sehen bekommt. In deutschen Kreisen hat man die Ausstellung scherzhaft schon die „Kisten"-Aus- stellung genannt. Auch die Zahl der Besucher ist trotz des schönen Wetters noch immer nicht größer geworden. Ein- bis zweihunderttausend Gäste bedeuten für Paris, wo man auf 50 bis 60 Mill, zählt, recht wenig. Auch die großen Wasserfälle mit ihren elektrischen Lichteffekten und andere Zugstücke sind noch nicht fertig. Selbst der dem Vergnügen und der Unterhaltung gewidmete Theil, das, was man in den verschiedenen Berliner Ausstellungen die „nasse Ecke" nannte, sonst auch als „Vogel-Wiese" oder „Jux-Platz" bezeichnet, bietet noch nicht viel. Wenn der Abend herankommt, muß alles nach Hause, nur die Arbeiter bleiben in der Ausstellung, und auch diese nur in geringer Zahl, da das Fehlen jeglicher Beleuchtung in den Räumen die Nachtarbeit für die meisten Aussteller unmöglich macht. Jmmerhln sind die Arbeiten soweit vorgeschritten, daß der Fachmann auf vielen Gebieten schon sich ein Urtheil bilden kann. Vergleiche der jetzigen mit früheren Ausstellungen, sowie Vergleiche der Leistungen der Hauptländer sind schon jetzt in weitem Umfange möglich. Vor allem tntereffirt uns natürlich unser Vaterland. Deutschlands industrielle Entwicklung.
Philadelphia.
Das Urtheil der schon zahlreich hier anwesenden Fachmänner aller Nationen, wie immer es auch durch patriotische Empfindungen zurückgehalten werden mag, es enthält allgemein die Anerkennung, daß Deutschland auf der
- i. . : - roßartig abschneiden
Es u. Zeit gegeben, und sie liegt noch Ich viele Jahrzehnte hinter uns, in der Deutsch- ' oudStellung m der industriellen Entwicklung t hinten war, und in der das u elsn Unternehmungen in Deutsch-
•str ' .atme ergriff und das Kapital auf» bracha W-r kennt'sir nicht, die englischen ■ > . taften, die fremden Straß enbahn-
.no.en u. bergl. Erst vor wenigen
.7 ußte sich ja noch die Stadt Köln mit jpfern von einer belgischen Gesellschaft di? . nbahnkonzefsion zurückkaufen. Langsam .cher setzte die Entwicklung ein, zunächst wo schon von Alters her reger Gewerbe- die Vorbedingungen geschaffen hatte. Um den Schleifkotten des Wupperthales erblühte eine legt Textilindustrie, „dort wo der Märker Essen reckt", entstand einer der großartigsten Eifen- industriebszirke der Welt. Sachsen und Thüringen, die schlesischen Weberdistrikte und andere nahmen Theil an der Entwickelung, Die Hauptstätte der deutschen Staaten, die Orte mit günstigen Verkehrs-, Bezugs- und Absatzbedingungen, die Gegenden der Kohle, des Eisens und anderer Bodenschätze schlossen sich an. Unternehmungsgeist, Thatkraft und Selbstvertrauen wuchsen, die Anlehnung an die fremden Nationen ließ nach, und dw junge Industrie der deutschen Länder stand auf eigenen Füßen. Da kam der große Krach der siebziger Jahre, man hatte die erprobten Wege verlassen, Fabrik auf Fabrik war gegründet worden ohne Rücksicht auf das Bedürsniß. Ruhige, stetige Entwicklung, auf- gebaut auf deutscher Zähigkeit und Gründlichkeit, galten nicht mehr viel, man wollte durchaus schnell reich werden. Kein Unternehmen war so unsolide, daß es nicht Unterstützung gefunden hätte und das Bewußtsein, daß der dauernde Erfolg nur auf gute Leistungen sich gründen könne, war geschwunden. Die Strafe war bitter; manch sauer ersparter Groschen ging verloren, und eine Weltausstellung fällte das Endurtheil: in Philadelphia war es, wo ein deutscher Sachverständiger, Professor Reuleaux, der deutschen Industrie das niederschmetternde Zeugniß ausstellen mußte: „Billig und schlecht!"
Lange dauerte es, bis die deutsche Industrie sich wieder erholte. Aber sie erholte sich und zwar kräftig. Manche deutsche Firma hatte ihren Ruf stets gewahrt; auch ganze Industrien, besonders die chemische, hatten es verstanden, den deutschen Namen in Ehren zu halten. Einer Firma nach der anderen gelang es, im Auslande durch gute Leistungen festen Fuß zu fassen und ihren Kundenkreis zu erweitern. Man hatte gelernt, aus dem scharfen Tadel Nutzen zu ziehen. In der Elektrotechnik, deren Aufschwung mit der Wiedergeburt der deutschen Industrie zusammenfällt, zeitigte Deutschland eine große Zahl bedeutender Männer und Firmen und spielte von Anfang an eine hervorragende Rolle. Die Früchte der ernsten Arbeit blieben nicht aus, der gute Ruf kehrte mehr und mehr zurück. Von der Pariser Weltausstellung von 1889, welche unmittelbar aus den Boulangerrummel folgte, hielt Deutschland sich aus politischen Gründen fern, aber zahlreich waren noch die Stimmen, welche in der Furcht vor einer neuerlichen Blosstellung feiner Industrie das Motiv dieser Zurückhaltung zu finden glaubten. Aber es war längst anders geworden und die Einsichtigen aller Länder hatten erkannt, daß in der deutschen Industrie ein gewichtiger Nebenbuhler ihnen erstanden war, wenn auch die großen Mafien im Auslande immer noch an dem Reuleaux'schen Worte festhielten. Selbst große Regierungen, welchen doch alle Mittel der Informationen zu Gebote stehen, täuschten sich über die solide Entwickelung, welche die deutsche Industrie inzwischen genommen hatte. Ein sprechendes Beispiel ist das „made in Germany" — Gesetz Englands. Gemacht, um dem Volke zu zeigen, daß die billige aber minderwerthige Maare deutschen Ursprunges sei, hatte es genau den umgekehrten Erfolg. Es zeigte, daß der Deutsche gelernt hatte, billig und gut zu arbeiten und wurde zu einer mächtigen Reklame für die deutsche Industrie.
Chicago 1893. Paris 1900. Frankreich und Deutschland.
Was so in ruhiger, gründlicher Arbeit erreicht worden war, was dem Kundigen, wo immer in der Welt er seinen Wohnsitz hatte, längst kein Ge- heimniß mehr sein konnte, auf der Weltausstellung in Chicago 1893 wurde es der ganzen Welt offenbar. Deutschlands Industrie stand bereits im Kampfe um den ersten Preis, um die Meisterschaft, wie die Sportsleute sagen, und zwar mit gutem Erfolge. Wer hätte es vorher wagen dürfen, dem Yankee zu sagen, daß andere Länder ihm im allgemeinen Maschinenbau, in der Elektrotechnik 2c. ebenbürtig seien! Auf den Gebieten der
Kunst gesteht er neidlos dem alten Europa „the old country“ die Ueberlegenheit zu. Von ihr hält der Durchschnittsamerikaner nicht viel. Das Wort von den „brodlosen Künsten" trifft ganz die amerikanischeAuffassung. Der ausschließlich praktische Sinn des Yankee weiß aus idealen Werthen keine Dollars zu prägen, und darum überläßt et die Kunst gern dem Europäer. Ja, wenn Malerei und Bildhauerkunst mit Maschinen betrieben würden, bann sollte die Welt ihn kennen lernen! Denn wo die Maschine in Frage kommt, da fühlt er sich als Meister. 'Und nun mußte er in Chicago sehen, wie alle Welt statt der amerikanischen die deutschen Maschinen bewunderte; wie im Maschinenbau, wie in der Elektrotechnik die deutschen Anlagen sich auszeichneten durch ernste Ausnutzung der wissenschaftlichen Grundlagen, durch die Gründlichkeit ber technischen Durcharbeitung, durch Sauberkeit in der Ausführung und durch tadelloses Funktiouiren. Die deutsche Industrie wird Paris mit dem gleichen Erfolge verlassen, den sie in Chicago errungen, vielleicht wird der Erfolg diesmal noch größer fein.
Aber der Franzose ist kein Amerikaner. Dieser fühlt sich als ein starkes Volk; eine erlittene Schlappe macht ihn nicht muthlos und nicht neidisch, sie ist ihm nur ein Antrieb, die Anstrengungen zu verdoppln. Anders der Franzose. Er hat das natürliche Bedürsniß, der erste zu sein. Ist er das nicht, so fühlt er sich nicht mehr sicher. Deshalb fürchtet er heute das Ausland. Er sagt es freilich nicht; aber wer hier Monate lang unter Franzosen lebt, mit gebildeten und sachkundigen Kreisen Verkehr hält, der fühlt es heraus, Tag für Tag. Schon lange hat Frankreich aufgehört, die politische Vormacht Europas zu fein. Die Bevölkerung steht still, und das Land, welches im Anfänge des neunzehnten Jahrhunderts das stärkstbevölkerte Europas war, nimmt politisch jetzt am Ende desselben Jahrhunderts nur noch die fünfte Stelle unter den sechs Großmächten ein. Ganz ähnlich ergeht es seiner Industrie. Die industriellen Fortschritte Frankreichs sind, trotz vieler glänzenden Namen, geringer als die anderer Länder. Das ist relativ genommen ein Rückschritt. Besonders schmerzt den Franzosen der Aufschwung Deutschlands. Er fürchtet Deutschland wirthschafilich ebenso, wie er es als militärischer Gegner fürchtet. Die Jahrhundertausstellung, int Herzen des eigenen Landes aufgebaut, wird den Franzosen manch' bittere Wahrheit sagen. Wir Deutsche werden zweifellos mehr Grund haben, mit ihr zufrieden zu fein.
Das Mareorarna.
Kaum je ist eine Veranstaltung so reich an Panoramen gewesen, wie die diesjährige Weltausstellung. Fast in jeder Ecke der Abschnitte auf dem Trokadero und dem Marsfelde befindet sich ein solches. Da ist das Panorama der Krönung Alexanders III., das madagassische Panorama, Bago Panorama, Panorama der transsibirischen Eisenbahn, Reise um die Welt, belebte Reisebilder (d h. Reisepanoramen, welchen durch Vorstellungen im Nationalkostüm Leben verliehen werden soll) u. s. w. Etwas Neues in diesem Genre bietet das Mareorarna, in dem die Kunst ihr Möglichstes gethan hat um in dem Zuschauer den Eindruck zu erwecken, als mache er eine Seereise. Er tritt auf das Verdeck eines Schiffes. Die Kamine rauchen, die Mannschaft arbeitet, die Offiziere geben Kommandos. Vor sich hat er ein Panorama des Hafens von Marseille; die Schiffspfeife ertönt, das Schiff fetzt sich in Bewegung. Die Bewegung wird dadurch hervorgerufen, daß das Schiff, welches in der Mitte auf einem zylinderförmigen Stützpunkt und vorn und hinten auf je 2 Metallstangen ruht, durch Bewegen dieser Stangen in ein Schaukeln wie ein Schiff auf See gebracht wird. Die Bewegung kann gesteigert werden, bis der Eindruck eines Sturmes, welcher das Schiff umherschleudert, hervorgerufen wird. Seefalzhaltige Lustströme erwecken den Eindruck frischer Seeluft. Geschickt hervorgebrachte Beleuchtungseffekte vollenden die Illusion. Indessen entrollt sich am Steuerbord und Backbord das große Panorama, eine Reise von Marseille über Villasranka, Neapel, Venedig nach Konstantinopel darstellend. Die Bewegungen des Schiffes und die Luftströme sind geschickt mit den Panoramas kombinirt. Küsten, Morgendämmerung, Abenddämmerung, Begegnungen mit anderen Schiffen, frische Brisen, Anlagen in Häfen, bei dem Kahnführer das Deck erklettern und neapolitanische Tänze aufführen, werden zur Darstellung gebracht. Die übrigens recht ge- lungenen Gemälde in dem Mareorarna rühren von Hudo d' Alosi her und bedecken eine Fläche von 1000 Meter Länge und 15 Meter Höhe. Kurz und gut, alles, was sonst eine langwierige und kostspielige Seefahrt bietet, kann man hier für wenige Pfennige und in wenigen Minuten durchmachen, selbst die bewegendsten Momente einer täuschend natürlichen Seekrankheit.