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JK 108.
Jutöa, Freitag, den 11. Mai 1900.
27. Jahrgang.
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(Nachdrudyverboten.)
Man kann nicht recht begreifen, wie die verbündeten Regierungen gerade auf diesen Plan verfallen können, vorausgesetzt nämlich, daß die Meldung richtig ist. Der Reichstag tagt seit November vorigen Jahres, und er hat eifriger gearbeitet als in den meisten anderen Tagungen vorher. Die eigentlichen Arbeiter im Reichstage sind jetzt also schon ein volles halbes Jahr ihrem Berufe und ihrer Häuslichkeit entzogen, ohne dafür auch nur die geringste Entschädigung zu erhalten. Ist das nicht genug? Sicherlich. Das ist ohne Zweifel schon ein sehr großes Opfer, das die Mitglieder des Reichstags ihrer Pflicht als Reichsbürger bringen, und die verbündeten Negierungen sollten sich doch sehr hüten davor, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Es könnte sonst die Zeit kommen, in der der Reichstag überhaupt nicht mehr in beschlußfähiger Anzahl seiner Mitglieder versammelt sein würde, und dann würde die ganze Reichsmaschine durch diesen Uebelstand | zeitweise ins Stocken gebracht werden.
i Die Vertreter der verbündeten Regierungen sollten niemals vergessen, daß die Vertreter des Volkes im Reichstage nicht in der angenehmen Lage sind wie sie selbst, nämlich mit ftinb und Kegel in glänzend und behaglich ausgestatteten Amtswohnungen in Berlin selbst zu Hausen, und sie sollten die gebührende Rücksicht darauf nehmen. Dies» Rücksicht würde aber nicht genommen sein, wenn es wirklich so wäre, wie jene Meldung besagt, daß die Reichsregierung darauf dränge, vor dem Feste Christi Himmklfahrt eine längere Pfingstpause eintreten und die Berathungen nach Pfingsten noch einmal von frischem beginnen zu lassen.
Nach einer mäßig langen Debatte wurde der Antrag der Unterkommisston unverändert angenommen. Er lautet: „Führt der Kommissionär an demselben Tage eilte Einkaufskommission und eine Verkaufskommission über Werthpapiere derselben Gattung als Selbstkontrahent aus, so ist für jedes der beiden Geschäfte, insoweit sie sich ausgleichen, neben der tarifmäßigen Abgabe eine weitere Abgabe in der Höhe der Hälfte des Tarifsatzes zu entrichten, es sei denn, daß der Kommissionär zur Deckung einer der onden Aufträge ein abgabepflichtiges Geschäft mit einem Dritten abgeschlossen hat. Die Bestimmungen über die Erhebung der weiteren Abgabe und über die zur Sicherung dieser Erhebung erforderlichen Maßregeln, insbesondere über die Art der Buchführung werden vom BundeSrathe getroffen."
Außerdem wurde ein Antrag des national-! liberalen Abgeordneten Dr. Paasche angenommen, den Stempel für Verkaufs-Geschäfte mit 3/10 vom Tausend festzusetzen, statt der vom Abg. Müller-Fulda beantragten */io; und endlich drittens ein anderer Antrag des freiton« seroativen Abgeordneten Grafen Arnim, wonach § 10 des Reichs - Stewpelgesetzes im Eingänge folgende Faffung erhalten soll: „Der zur Entrichtung der Abgabe zunächst Verpflichtete hat über das abgabepflichtige Geschäft an demselben Tage eine Schlußnote auszustellen."
Die vom Abg. Gröber (Centr.) nach den bisherigen Verhandlungen neu abgefaßten §§ 6 und 7 (Beschaffung der Mittel und Schlußbestimmung) wurden unverändert angenommen. (Der Wortlaut wurde bereits gestern mitgetheilt. Red.)
Angenommen wurde ferner mit 12 gegen 10 Stimmen, nämlich gegen die Stimmen der Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten, ein letzter Artikel 8 des vom Abg. Müller-Fulda beantragten Gesetzentwurfes, wonach etwa sich ergebende Ueberschüsse aus den
I Reichs - Stempelabgaben für das Rechnungsjahr 1900 zur Verstärkung der Betriebsmittel der Reichskasse zurückzuhalten sind.
Mit großer Mehrheit endlich wurde angenommen eine ebenfalls vom Abg. Müller- Fulda beantragte Resolution (die ihrem Inhalte nach bereits gestern gekennzeichnet wurde. Red.); dieselbe lautet: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß vom Rechnungsjahre 1901 ab im Etat für die Verwaltung der Kaiserl. Marine die vollen Kosten für Armirungen (statt bisher zwei Drittel) und von den Schiffsbaukosten 6 (statt bisher 5) Prozent des Werthes der Flotte auf den ordentlichen Etat übernommen werden."
Die zweiteLesung derFlotteuvorlagewird am Dienstag den 15. Mai in der Kommission beginnen. Für diese zweite Lesung sind bereits im voraus mehrere Abänderungs-Anträge angekündigt, so beispielsweise von den Abgg. Müller-Fulda und Frese (freis.Ver.) zur Konosse- ment-Steuer. Also auch diese zweite Lesung kann i unter Umständen noch mehrere Tage in Anspruch nehmen.
I vor oder nicht. Es scheint indeffen, als habe Herr von Hertzberg die Absicht aufgegeben, besagte Interpellation an die preußische Staatsregierung zu richten; wenigstens ist sie beim Bureau des Herrenhauses nicht eingeliefert worden. Interessant ist unter den einzelnen Umständen des Mordes die Thatsache, daß der rechte Arm des Getödteten drei Tage nach dem Morde auf dem Friedhöfe gefunden worden ist. Dies beruht auf einem alten Aberglauben : der rechte Arm auf geweihter Erde ruhend und dort vermodernd, soll sich nicht gegen den Mörder erheben, um gegen ihn zu zeuge«. Mindestens hat man es in dem bisher unbekannten Mörder mit einem abergläubischen Menschen zu thun. Nach einer Lesart unterbleibt die Interpellation deswegen, well die Regierung nicht über eine schwebende Angelegenheit Auskunft er* theilen kann. Nach einer anderen Lesart hat Herr von Hertzberg für feine Interpellation nicht die erforderlichen zwanzig Unterschriften gefunden. ES ist anzunehmen, daß die zweite Lesart zutrifst. Nichtsdestoweniger könnte gleichzeitig auch die erste ftimmen.
Warum haben denn die verbündeten Regierungen ihre Gesetzentwürfe erst so spät an den Reichstag gelangen lassen, daß ihre Verabschiedung nicht mehr möglich ist ohne ein Arbeiten des Reichstages bis tief in den Hochsommer hinein? Wenn der Reichsregierung beispielsweise an der Verabschiedung der Seemannsordnung so sehr viel gelegen wäre, dann hätte sie selbst hurtiger mit ihrer Arbeit sein und diesen Gesetzentwurf viel früher an den Reichstag gelangen lassen müssen.
Wenn der Reichstag statt bis zum Feste Christi Himmelfahrt bis zum Donnerstag vor Pfingsten beisammen bleiben würde, dann würden ihm noch volle drei Wochen Arbeitszeit bevorstehen; und innerhalb einer solchen Zeit läßt sich, wenn man ernstlich will, sehr viel erledigen, namentlich wenn ab und zu Abendsitzungen zu Hilfe genommen werden. Es würde sicherlich auch sehr zur Beschleunigung der Arbeiten beitragen, wenn schon jetzt ein bestimmter Beschluß in diesem Sinne gefaßt würde.
© Die Flottenvorlage in der Budgetkommissiou des Reichstages.
VIII.
Die Budgetkommisfion des Reichstages hat am heutigen Donnerstag die erste Lesung der Flottenvorlage und der damit in Verbindung stehenden Anträge zur Deckung der Kosten beendet.
Zunächst war der Antrag der Unterkornrnisfion über die Besteuerung der Kompensationsgeschäfte zu erledigen, und bei dieser Gelegenheit mußte nun auch der Abg. EugenRichter zugeben, daß das Börsengesetz Mißstände hervor- geruftn hat, indem dadurch das Großkapital be» günstigt und dis kleineren Bankiers geschädigt wurden. Auch Geheimerath von Glasenapp als Vertreter der Reichsbank und der in Finanz- dingen als Autorität angesehene nationalliberale Ab«. Dr. Heiligenstadt stellten fest, daß die Mißstände, die aus dem gegenwärtigen Stempelsteuergesetz hervorgingen, dringend der Abhilfe bedürfen.
Martin Straffer lachte, daß er sich beide Seiten hielt:
„Die Nürnberger hängen Keinen, bevor — sie ihn haben!"
„Seid nicht zu sicher."
„Was wollt Ihr denn, Ihr Grün—rock wollt' ich sag'« ?" fuhr nun der Bauer grob auf, indem er seine breite Gestalt vor den schmächtigen Oberförster schob.
„O, verstellt Euch nit, Rosenbauer, Euch kenn' ich und den Schall Eures Stutzens auf meilenweite Entfernung. Hütet Euch!"
„Hütet Euch selbst, Ihr Narr!"
Damit trennten sie sich, der Bauer aber grollte:
„Der Stutzen muß fort! Er kennt den Knall? Narr! Und doch! — Ich würd' ihn ja auch kennen! Also morgen in die Stadt und einen andern Stutzen geholt."
Er ging wieder zu den ©einigen und meinte gegen Sepp:
„Schieß'st Du mit? — Ich geh' jetzt halt."
Der Rosenbauer galt für den besten Schützen weit und breit, und man zischelte sich leise, ganz leise in'8 Ohr, daß er ein passionirter Wilderer fei, unbezähmbar und kühn wie der Satan; die Grünröcks wüßten das wohl, aber sie gingen ihm aus dem Wege, denn er fei desperat und unberechenbar. — Als sie an den Schießstand traten, machten Alle ehrerbietig Platz, denn den reichen Bauern mochte Niemand zum Feinde haben. Der Protokollführer aber meinte:
„Es sind noch 15 Schützen vor Dir eingeschrieben, Du hast noch eine halbe Stunde Zeit, Rofenbauer." (F. f.)
Deutsches Deich.
Berlin, den 10. Mai.
h Kiue gemeinsame VorKellung der europäische« Mächte soll, wie schon gestern telegraphisch in der ,Fuld. Ztg/ gemeldet, an- geblich bei der Republik Transvaal erhoben worden fein: die Mächte sollen angeblich darin warnen davor, die Bergwerke von Jo- hannisburg zu zerstören. An maßgebenden Berliner Stellen ist davon nichts bekannt, Deutschland ist an derlei auf keinen Fall beseitigt. Die falsche Nachricht stammt aus Londoner Blättern.
+ Das Ikeischöeschaugesetz ist heute innerhalb der nationalliberalen Reichstagsfraktion besprochen worden. Nach Übereinstimmenden Nachrichten ist die Überwiegende Mehrheit der Nationalliberalen geneigt, sich auf den Boden des Kompromisses zu stellen.
Kaum sieht aber Sepp, was paffirt — das Thier ist gesenkten Kopses nur noch drei Schritte von Toni entfernt — so springt er hinzu, packt das wüthende Thier bei den Hörnern und fängt mit ihm zu balgen an. Som schreit laut auf, worauf der Bauer erscheint, Toni durch die nächste Tdür ins Haus schiebt und dann Sepp, der bereits ans mehreren Wunden blutet, zu Hilfe springt. Fast ha* Sepp das wüthende Thier allein gebändigt, mit des Bauern Hilfe geschieht es ganz, und dann w»rd es an die schwere eiserne Kette gelegt.
„Daß Dich der Tausend!" pustet der Bauer, I „bist Du stark verwundet, Sepp?"
„Ein paar Schrammen, sonst nichts, Bauer!" „Wie soll ichs Dir vergelten, Sepp! Fast scheints, als sollten wir Dir alle das Leben ver- danken. Meinen herzigen Toni, meinen Hoferben, hast Du heut norm sichern Tode bewahrt. Das, Sepp, werde ich Dir nie vergessen. Fordere alles von mir, ich geb Dies!"
Da brannte es Sepp im Herzen; scbon hatte er es auf der Zunge: „Gebt mir dir Loni, ich neb sie mehr als mein Leben!" — da fiel es ihm ein, daß es unedel wäre; er schwieg und ging. Er wußte es, die Gelegenheit kam wohl nicht wieder.
Sepp behielt eine bevorzugte Stellung im Hause des Bauern, aber weiter kams nicht.
© Der Reichstag,
so wünscht angeblich die Reichsregierung, soll sich vor Christi Himmelfahrt vertagen und nach Pfingsten noch einmal zusammenkommen, um dann noch alles Mögliche zu erledigen, unter anderem auch die außerordentlich umfangreiche Seemannsordnung, die erst ganz kürzlich dem Reichstage zugegangen ist.
; „Na, Martin," rief dieser, der sich in letzterer Zeit viel, ja auffallend viel im Rosenhofe zu schaffen gemacht hatte, „hast Dir den Schwiegersohn gleich mitgebracht?"
„Was meinst Du mit Deinen Sticheleien?"
„Ich? — Ich red nur, was der ganze Ort sagt: Sepp wi-d Dein Schwiegersohn."
„Hoho!" meinte darauf der Rofenbauer, „da müßten wir auch dabei fein!"
„Also nicht? Desto besser für Dich."
„Um meine Tochter braucht sich Keiner zu sorgen," fiel hierauf der Rofenbauer grob ein, „die bekommt mit ihrem Batzen schon einen Mann ganz ohne Euer Geträtsch."
Er drehte sich um und ging. Dabei sah er gerade auf feie Gruppe gegenüber, auf Fran Elisabeth, Loni, Toni und Sepp, wie sie vergnügt I mit einander sprachen, und er brummte einen I Fluch in den Bart.
„Er hat Dir und Deinem Sohn das Leben | gerettet," dachte er, „es scheint wohl undankbar, aber er muß fort vom Hofe und vom Hause."
Und fein finsteres Gesicht erhellte sich nicht mehr.
Auch die Herren Grünröcke der ganzen Umgegend waren heute zahlreich vertreten, denn sie glaubten, an der Scheibe den Bauern gegenüber das Privilegium zu haben. Jakob Pfilzer, der Oberjäger, kannte Martin Straffer sehr wohl. Jetzt näherte er sich ihm und meinte leise:
„Letzthin halt' ich Euch doch gestellt; gebt Acht, das nächste Mal gebt Ihr den Stutzen ab, oder Ihr habt ein halb Loch Blei aus meinem Rohr im Leib."
Mit Nächstem ging das Vieh wieder auf die Alm und die Arbeit wehrte sich. Sepp war nun weniger daheim, und nur sein gutes Mütterchen konnte ihn noch trösten.
III.
Die milden Mailüfte waren erwacht und ganz Schwengau war bis auf wenige Kranke und Greise hinausgezogen ins Schwengauer Gehege, wo das Maifest gefeiert ward, dessen Glanzpunkt im Scheibenschießen blühte. Da waren unter i den mächtigen Buchen und Eichen Zelte errichtet, in denen man schäumendes Bier und Wein genug verschenkte, wo man kochte, schmorte und briet, daß es eine 8-t hatte. In jener Richtung war die Schießbahn angelegt, an deren Ende die schwarze Scheibe mit dem weißen Pappdeckel stand, auf den heute alle rechneten. Heute hatte Bauer und Bursche am Hut den Federstutz vom | | Spielhahn ober Adler, den nie fehlenden Stutzen I auf dem Rücken und die Frohlust im Herz und Auxen.
Auch der Rosenbauer war mit Frau Elisabeth, Loni, Toni und in Begleitung von Sepp erschienen. Sie traten in ein Zeit, setzten sich und tdaien sich ebenfalls gütlich; dann machte der Rofenbauer einen Rundgang.
„Wie ft« den Sepp immer mit sich schleppen, Herr und Knecht zusammen; er soll gewiß die Loni heirathen."
So zischelten einige alte Jungfern, denen nur wohl war, wenn sie ihren lieben Nächsten ordentlich durchhicheln konnten. Gegenüber aber saß । der Stadelbauer und seine Familie. !
$>er WosenHof.
Eine Erzählung aus den Bergen von Carl Cassau.
X Der Mord i« Könitz sollte den Gegen- stand einer Interpellation bilden, die Herr von Hertzberg, Mitglied de8 preußischen Herrenhauses, in diesem einbringen wollte, angeblich sogar schon eingebracht hatte. Der Wortlaut der Interpellation und ihrer Begründung hat bereits vor mehreren Tagen die Runde durch die Preffe gemacht; danach wollte der Interpellant die Maßregeln kennen lernen, die die Staatsregierung ergriffen habe zur Aufklärung und Beruhigung der Bevölkerung in der Gegend der Mordstätte. I Thatsache ist jedenfalls, daß diese Bevölkerung außerordentlich aufgeregt ist oder doch war, und daß arge Ausschreitungen vorkamen, so daß die j Behörden außerordentliche Maßnahmen trafen gegen die steigende Volksbewegung. Thatsache ist ferner, daß der jüdische Schächter ans Könitz entfloh, unmittelbar ehe er von dem Unter« suchungsrtchter vernommen werden sollte, und Thatsache ist endlich, daß bis heute noch das dichteste Geheimniß diese ganze entsetzliche und viehisch rohe Mordthat umgibt. Eine Besprechung im Herrenhause kann man deswegen ganz und gar nicht als vollkommen überflüssig und zweck- los ansehen, ganz gleichgültig, ob man den Verdacht hegt, eS liege ein sogenannter Ritualmord
Airs dem Reichstage.
V 190. Sitzung vom 10. Mai 1900, 1 Uhr.
Die erste Lesung des neu eingegangenen Gesetzentwurfes über die militärische Strafrechtspflege in Kiautschou wird rasch erledigt. Danach sollen für die nach Mautschou kommandirten Milttär- personen die Vorschriften für Mannschaften „an Bord" gelten. Der natl. Abg. Basser mann regt au, daS Gesetz zunächst nur für eine kurze Dauer zu erlassen, eine Anregung, die von den Abgg. Hirsch (Centr.), I Eickhoff (freis. Bolksp.) und Rickert (freis. Berg.) unterstützt wird. — Die zweite Lesung des Entwurfes soll ohne voraufgehende Kommissionsberathung im Plenum vorgenommen werden.
Alsdann wird die zweite BerathuNg des Gewerbe^ Unfallversicherungsgesetzes fortgesetzt. Die Paragraphen 79 a, 79 b und 80 werden ohne wesentliche DiSkusston nach den Anträgen der Kommission angenommen. Eine kurze Debatte entsteht über
§ 81, der vorschreibt, daß die Polizeibehörde den Betriebsleitern Kenntniß zu geben hat von den erlassenen Unfallverhütungsvorschriften. — Ein sozialdemokratischer Antrag will gleichzeitig die Bestimmung einfügen, daß die Polizeibehörde auch Geldstrafen btS zu 150 Mk. verhängen kann für die Nichtbefolgung der Vorschriften; der Antrag wird indessen abgelehnt, nachdem Abg. Prof. Hitze (Centr.) und ein Re- gierungSvertreter dagegen gesprochen haben.
Bon neuem begann darauf wieder das ermüdende Spiel der Sozialdemokraten, aussichtslose Anträge zu | stellen und lange Reden zu halten. In nachdrücklichen Worten kennzeichnete dieses höchst unkluge Verfahren Abg. Prof. Hitze vom Centrum: dieser stellte fest, daß die Verschleppungstaktik der Sozialdemokraten daS ganze Zustandekommen dieser Gesetze im Laufe der gegenwärtigen Tagung gefährdet, obwohl Staatssekretär Graf Posadowsky ausdrücklich die Erklärung in der Kommission abgegeben hat, daß die Gesetze in absehbarer Zeit gar nicht wtederkommen werden, wenn fi? jetzt wieder nicht zur Verabschiedung gelangen sollten.
Abg. Hoch suchte diesen Borwurf von der Sozialdemokratie abzuschütteln; aber der allgemeine Eindruck, den seine schwächliche Leistung bei dem Hause hinter^ ließ, war der, daß er daS nicht konnte. Es war auch, als hätten die Worte des Cmtrumsredners ihre Wirkung nicht verfehlt; wenigstens wurde nachher der Rest der Vorlage ohne wesentliche Debatte rasch hinter einander erledigt.
Am Freitag beginnt die zweite Lesung deS Unfall- vnsicherungSgesetzes für Land- und Forstwirthschaft. Rach der Erledigung dieser Unfallverstcherungsgesetze in zweiter Beraihung soll die lox Heintze an die Reihe kommen.