Bei der fortgesetzten zweiten Lesung desGewerbe- Unfallversicherungs-Gesetzes kam mit dem Paragraphen 57 die wichtige Frage von der Fest- setzung der Entschädigungen zur Sprache. Nach der Regierungsvorlage soll der Entschädigungsberechtigte nur Kenntniß von dem Material erhalten, wonach seine Entschädigung festgesetzt wird. Nach dem Vorschläge der Kommission soll er zu Protokoll vernommen werden. Staatssekretär Graf ^osadowsky sprach die Befürchtung aus, daß dieses andere Verfahren den unteren Verwaltungsbehörden eine viel zu große Last auserlegen würde. Nach sehr lanaer Debatte, an der u. a. die Abgg. Prof. Kitze, Aösttke-Defsau (lib.), Irhr. von Stumm lheilnahmen, wurde auf den Antrag des letztgenannten Abgeordneten die Regierungsvorlage wieder hergestellt.
99 Zeugen. Die Verhandlungen dürften eine Woche dauern.
* Itto de Janeiro, 8. Mai. In der Botschaft, mit der gestern der Präsident der Republik den Kongreß eröffnet hat, hieß es: Dir auswärtigen Beziehungen Brasiliens sind vorzüglich. Der Bestand des Heeres ist im letzten Jahre vermindert, die Marine jedoch bedeutend verstärkt worden; das Land ist auf alle etwaigen Vorkommnisse vorbereitet. Die Centraleisenbahn hat im letzten Jahre einen Ueberschuß von mehr als 4900 Conlos gegeben. Die Lage bessert sich und die Regierung hofft zuversichtlich, die auswärtigen Zahlungen voll in baarem Gelds zu dem im Vertrage betreffend die sundirte Anleihe festgesetzten Zeitpunkte wieder aufzunehmen, ohne zu Kreditoperationen oder neuen Steuern zu schreiten. Die Regierung hat im letzten Jahre 71000 Contos Papiergeld ringelö st und wird in diesem Jahre einen noch größeren Betrag ein« lösen. Schatz!cheine im Betrage von 11000 Contos wurden im letzten Jahre bezahlt. Dadurch, daß die Bank der Republik ihre Schuld an den Staatsschatz bezahlte, war die Regierung in der Lage, äußere Bonds im Betrage von 700000 Pfund Sterling zu erwerben und aus dem Verkehr zu ziehen. Die Bundeseinnahmen im letzten Jahre betrugen 19417 Contos Gold und 302693 Contos Papier, die letzteren würden sich nach Eingang aller Beträge um 12000 erhöhen. Rach Leistung aller Zahlungen und nach Bereitstellung der zum Rückkauf von 71000 Contos Papier- g lb erforderlichen Summe bleibt ein Ueberschuß von mehr als 16000 Contos Papier und 5325 Contos Gold.
-th- Aom, 8. Mai. Heute Mittag 12 Uhr' fand eine großartige Audienz beim hl. Vater sür 12 000 deutsche, polnische und italienische Pilger statt. Vor dem Erscheinen des Papstes, erschollen abwechselnd Gesänge in verschiedenen Sprachen. Bei dem Erscheinen des hl. Vaters, der auf seinem Thronskffrl hereingebracht wurde, ergriff begeisterter Jubel die Menge. N'.ch dem Absingen der Lauretanischen Litanei und dem Segen des Papstes erfolgte am Schluß der Fußkuß hochstehender italienischer und polnischer Persönlichkeiten. Vertreter des deutschen und des bayerischen Pilgerzuges wurden um lO1/^ Uhr in Privataudienz empfangen. D.e Audienz der Pilger bildete den Glanzpunkt der deutschen Jubiläumswallfahrt. Der Papst sah merkwürdig, frisch und gesund aus.
Morgens war Sepp schon wieder früh auf und in seinen Civilkleidern. Wie dem prächtigen Burschen die grauen Kniehosen und die bunten Zwickelstrümpfe neben der Lodenjoppe so schön standen!
. »B'hüt Gott, o Mutter," sagte er wehmüthig, «ich geh auf den Nosenhof."
„Geh mit Gott, mein Junge."
Im Rosenhofe war schon alles auf den Beinen. Der Doktor hatte den Arm eingeschient und gesagt, der Bruch habe weiter nichts zu bedeuten und würde vorzüglich heilen; man solle die Nacht über aus Mangel an «iS mit kaltem Waffer kühlen. So war denn Loni die ganze Nacht aufgeblieben, hatte von dem Felsenborn vor dem Hofe das eiskalte Waffer geschöpft und des Vaters Arm gekühlt. Jetzt schlummerte der Kranke ein wenig.
Die Mutter hatte ihr den Vorfall kurz erzählt und mit einem gewissen Stolze hatte sie vernommen, daß Sepp, ihr Sepp, dem Vater das Leben gerettet habe.
De jmize, mit dem sich ihre Gedanken noch eben betchäitigten, trat ein. Freudig, jedoch leise, damit der Vater nicht erwache, begrüßte sie Sepp, und Beide drückten sich innig die Hände. Ein gegenseitiger Blick überzeugte ft», daß ihr Ver- hältrnß trotz der langen Trennung doch dasselbe geblieben sei.
Da hier nicht der Ott zu langen Auseinander- fttzungen war, w flüsterte Lom nach dem Austausch einiger Warr?:
„Wir sehrn uns heute noch wieder, Sepp,
Aus dem Nachbargebiet.
# Neirenöerg, 8. Mai. Heule Morgen kurz nach 4 Uhr gingen vier starke Männer von gesetzter Statur, jeder mit einer nicht sehr großen, aber wie es schien schweren Kiste durch Neuen- berg nach Fulda hin. Etwa Vn Stunde später standen dieselben bei der langen Brücke und gegen 5 Uhr gingen sie quer über den Domplatz. Sollten diese Männer wohl mit der im Nonnenröde Forst gesehenen „Diebesbande" identisch sein
Der Krieg in Südafrika.
Der allgemeine Vormarsch der Armee des Lord Roberts von Bloemfontein hat auch bis heute noch keinen Widerstand gefunden. Die Heeresmaffen sind auf dem Vormarsch in folgender Weise vertheilt: Das Centrum bildet die 11. Division unter Pole-Carew, welche sich hart an der nach Norden führenden Eisenbahn hält. Die rechte Flanke bildet die 7. Division unter Tacker und die linke die berittene Infanterie mit der Artillerie unter Hut ton. Im Uebrigen lassen die Meldungen, welche wir in folgendem wiedergeben, keine große Veränderung der Lage der feindlichen Heere erkennen.
Aoado«, 8. Mai. Eine Depesche Roberts vom 7. Mai aus Smaldeel meldet: Die schottische Brigade hält Winburg besetzt. Die Bahn- trecke zwischen Brandfort und Smaldeel ist ttark beschädigt. Die Brücke über den Vetfluß ist unbrauchbar gemacht worden.
* Smokdeek, 7. Mai. General Hutton ist vorgerückt und hat Abends ein Lager bei Welgelegen aufgeschlagen. Nach den ein« gelaufenen Berichten beabsichtigen die Buren, beim Zandfluffe energischen Widerstand zu leisten. Doch hält es schwer, die Bürger zu sammeln. Roberts besuchte heute Hamilton.
Ferner liegt noch eine Meldung aus Mafe« king vom 28. April vor, die besagt:
Die Buren begannen am 25. April ein starkes Bombardement, das dazu bestimmt ist, einen Sturm auf die Vertheidigungswerke der Stadt zu decken. Die Offiziere der Buren versuchten vergebens (!!), die Mannschaften mit sich fortzureißen. Diese weigerten sich, unserem Feuer Stand zu halten. Seitdem haben die Buren offenbar ihre Geschütze bis auf zwei Fünfpfünder for geschafft. Die Typhusepidemie nimmt ab.
Lokales.
Fulda, 9. Mai.
ä Die Maurer «ud Mauaröctter von Fulda und Umgegend sind durch ein in Ber> lin gedrucktes Flugblatt auf heute Abend 8 Uhr' zu einer Versammlung in der Hinterburg eingeladen worden. Wir sind jederzeit für dasRecht- der Arbeiter, zur Hebung ihrer Verhältniffe sich zu vereinigen, eingetreten und wir haben uns gefreut, als hier in Fulda, um der sozialdemokca* tischen Agitation den Boden zu entziehen, eine- Organisation der Arbeiter auf christlicher Grund- lage in die Wege geleitet wurde. Um so mehr müssen wir es bedauern, daß jetzt in diesem Flugblatte ein Ton angeschlagen wird, wie er sonst nur in sozialistischen Blättern und Flugschriften üblich ist. Die maßlosen Ueber» treibungen des Flugblattes sind geeignet, der Arbeitersache die Sympathien ihrer wärmsten Freunde zu entziehen. Möge der verständige Theil der Arbeiterschaft sich durch solche rothen Flugblätter nicht zu unbesonnenen Schritten und Beschlüssen verleiten lassen.
-H- Der Buchhalter Meruhard Bruder aus Biberich am Rh., welcher bei Herrn Metzgermeister Richard Hambach hier seit Februar d. I. in Stellung war, hat sich Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen und ist spurlos verschwunden.
□ Das MohuHaus des Herrn D. Plaut (Mittelstraße 34) ging durch Vermittelung der Agenten I. Stern käuflich in den Besitz des Herrn Jnstrumentenschleifeis A. Kümpel über. Der Kaufpreis beträgt 14000 Mark.
* Am 12. und 13. Mai veranstaltet die „Allgemeine Radfahrer-Union, Deutscher Tourenklub" eine SraffettenfaHrt von Straßburg i. E. nach Berlin, dir kurch Thüringen geht. Bei derselben soll kriegsmäßig gefahren werden, d. h. die zu befördernde Depesche wird von 3 : Fahrern befördert, die sich an ihrem Ziele in einem vorher bestimmten Hause zu melden und dort die Depesche zur Weiterbeförderung abzu- geben haben. An dieser Stoff-ttenfahrt beiheiligt sich auch der Radfahrerktub Fulda, der die Depesche von Gelnhausen bis Hönebach befördert.
Gestern wurde zum ersten Male Wurst aur- Pferdefleisch vertheilt.
In Pretoria war gestern Vormittag der formelle Schluß der Session von 1899 des Volksraad. Von den 60 Mitgliedern des Volksraad waren mehr als 50 zugegen. Die Sitze Jouberts und de Kocks waren mit Lorbeerkranzen geschmückt. Es herrschte eindrucksvoller Schweigen, als der Präsident Krüger den Saal, betrat. Ein Geistlicher richtete ein Gebet zum Himmel, in welchem er Jouberts gedachte. Die neue Session von 1900 wurde darauf Nachmittags eröffnet. Die fremden Konsuln und Militärattaches einschließlich des russischen Oberst Gurko waren bei der Eröffnung zugegen. Präsident Krüger zollte in seiner Rede dem verstorbenen Joubert hohe Anerkennung, hob seine menschenfreundliche und muthige Haltung rühmend hervor, lobte die Loyalität und die Beharrlichkeit des Oranjefreistaates, der seinen Ver> pflichtungen gegenüber Transvaal gerecht geworden sei. Die Beziehungen Transvaals zu den auswärtigen Mächtenseiengut mit Ausnahme derjenigen zu England. Durch die Gesetzgebung und ihr Verhalten gegenüber England im abge- laufenen Jahre habe die Republik ihren Wunsch bewiesen, den Frieden zu erhalten und fie werde auch jetzt alles thun, um den Frieden wieder herzustellen. DerPräsidentmachtesodann Mittheilung von der Entsendung der Friedeusgesandtschast nach Europa. Er drückte seine Freude darüber aus, die Sympathien der ganzen Welt auf Seite der Buren zu sehen und erwähnte den Protest, den Transvaal gegen die Verletzung: der Genfer Uebereintunft durch die Engländer an die Mächte richtete. Mit Genugthuung stellte )er Präsident fest, daß die Finanzen Transvaals n der Sage seien, die Anspannung durch den Krieg zu ertragen.
tionalisten auch in Algerien namhafte Erfolge erzielt zu haben. Zunächst muß man aber noch die Stichwahlen am nächsten Sonntag abwarten, ehe man ein abschließendes Urtheil über den Ausfall dieser Wahlen fällen kann, und die Zahl der nothwendigen Stichwahlen ist sehr beträchtlich. Dann aber ist dieser „Neu-Boulangismus" an sich keine Erscheinung, die etwas gefährliches für die Republik an sich hat. Wo so verschiedenartige Elemente wie überzeugte Monarchisten, Bonapartisten, Antisemiten und Republikaner sich zusammenthun, kann es sich unmöglich um eine Waffenbrüderschaft für die Dauer' handeln.
* Saris, 8. Mai. Auf der Weltausstellung ist feit einigen Tagen ein katholisches In- formationsbureau mit Genehmigung des Kardinal Erzbischofs Richard von Paris eröffnet worden. Dasselbe hat 7 Rue Coöllogon in Paris seinen Sitz. Wir glauben unsere verehrten Leser, welche die Piriser Weltausstellung besuchen, auf dieses Bnrean aufmerksam machen zu müssen, weil dort während der Dauer der Ausstellung über das katholische Leben in Paris, die katholischen Stiftungen und Wohlfahrtseinrichtungen, über die Gottesdienstordnung in Paris und Umgegend und andere Dinge, welche für einen katholischen Besucher ein Interesse beanspruchen können, bereitwilligst Auskunft ertheilt werden wird.
* Madrid, 8. Mai. Nach Meldungen aus Barcelona errichteten die Studenten dort bei den gestrigen Kundgebungen Barrikaden und sangen die katalonische Hymne. Es wurden einige Verhaftungen vorgenommen, ein Student wurde verwundet. Auch in Mauresa kam es zu Ruhestörungen. Die Madrider Blätter tadeln die Behörden von Barcelona, weil sie nicht energisch genug vorgezangen seien.
* Setersvurg, 8. Mai. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit begann gestern vor dem hiesigen Bezirksgericht ein Prozeß gegen 49 Landleute des Pettrsvürger Kreises, die aügeklagt sind, zur v e r- botenen Sekte der Skopzy zu gehören und sich selbst verstümmelt zu haben. Vorgeladen sind
Aus Vern Reichstage.
•O 188. Sitzung vom 8. Mai 1900, 1 Uhr.
Zunächst steht auf der Tagesordnung folgende Interpellation des kons. Abg. Hraf Schwerin Kowltz:
»Ist der Herr Reichskanzler in der Lage, Auskunft darüber zu erthetlcn, weshalb der Bundesrath zu den wiederholten Beschlüssen des Reichstages betr. die Aushebung der gemischten Privattransitlager und Mühlenfabrikate sowie besonders zu der letzten am 10. März 1897 mit großer Mehrheit vom Reichstage angenommenen Resolution betr. die Einschränkung der bei der Einfuhr von Getreide zinsfrei gewährten Zollkredite weder in zustimmendem noch in ablehnendem Sinne Stellung genommen hat?"
Schatzsekretär Frhr. von Thielmann suchte die Interpellation in's Unrecht zu setzen und machte allerhand Versprechungen für die Zukunft, namentlich auch dre, daß die preußische Regierung geneigt sei, die Zollkredite abzuschaffen. Man möge sich doch gedulden bis zur Einführung des neuen Zollrarifs, über den dem Reichstage im Laufe der nächsten Tagung eine Vorlage zugehen werde. Aber die Mehrheit des Reichstages ließ sich mit solchen Vertröstungen nicht abspeisen.
daß ihre Aufhebung nicht länger aufgeschoben werden dürfe. Es könne auch gar keinem Zweifel unterliegen, daß durch die Zinskreditirung eine künstliche Herabdrückung des Zolls herbeigeführt werde. Reichstag und Bundesrath seien darüber einig, daß der Zoll für die landwirthschafllichen Produkte jetzt zu niedrig sei, und seitens deS Bundesralhs sei die bestimmte Zusage gemacht, daß der Zoll erhöht werden solle. Da man die Erhöhung nun nicht schon jetzt eintreten lassen könne, dürfe man den Zoll zum mindesten nicht noch künstlich herabsetzen. Wenn der Betrag auch nicht bedeutend sei, habe die Gewährung des Zollkredits doch noch die Nebenwirkung, daß das Kapital mehr ausgenutzt werden könne. Diese Wirkung dürfe nicht übersehen werden. Weiter komme auch der soziale Uebelstand ganz erheblich in Betracht, daß die Vergünstigung der Zollkreditirung nur wenige große Häfen genießen. Die Zahl sei herabgemindert worden, die Höhe des Kredits sei indessen bei den einzelnen Personen größer geworden. Das ganze Bestreben gehe dahin, die mittleren und kleinen Häfen nicht durch die Bevorzugung der größeren in ihrer Leistungsfähigkeit zu schwächen, sondern ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Es könne auch keinem Zweifel unterliegen, daß es abgesehen von dem sozialen Standpunkte auch gerade für die Landwirthschast von allergrößter Bedeutung sei, daß die Mühlen über das ganze Land verbreitet und nicht an einzelnen Punkten konzentrirt feien, weil dann auch der Absatz des inländischen Getreides nach jenen Punkten verlegt werde. Naturgemäß werde man dadurch mehr auf das ausländische Getreide hingewiesen, während das ganze Bestreben doch dahin gehen solle, den Absatz des inländischen Getreides zu erleichtern. Dies sei ein ganz erhebliches Moment, das den Reichstag dazu veranlassen müffe, dahin zu wirken, daß möglichst schnell in der von der Interpellation angedeuteten Richtung Abhilfe geschaffen werde. Der Zollkredit bei landwirthschastlichen Produkten kann mit dem bei anderen Gegenständen nicht in Vergleich gebracht werden, da es sich hier um keine Konkurrenz des Auslandes handle. Aus demselben Grunde sei auch der Hinweis auf das Gewohnheitsrecht verfehlt. Bei sämmtlichen Getreidesorten liegt dieses nichk vor. — Aber das Eine habe er doch aus den Ausführungen des Staatssekretärs entnommen, daß nämlich der Bundesrath den jetzigen Zustand für unhaltbar halte, Man möge doch die Konsequenzen daraus ziehen und nicht wieder lange überlegen, sondern schnell handeln. Die Frage sei hinreichend geprüft und vollständig spruchreif Man möge deshalb die Landwirthschast nicht auf eine spätere Vorlage vertrösten, sondern auf dem Wege Abhilfe schaffen, der in der Interpellation vorgezeichnet werde. Je eher geholfen werde, desto kräftiger sei die Hilfe. ^Lebhafter Beifall im Zentrum und rechts,)
In demselben Sinne sprachen sich die Abgg. Hamp (freikons.) und Hraf KkinckowstrSm (kons.) aus, und fände nach den Interpellationen eine Beschlußfaffung statt, dann würde ohne Frage ein Beschluß im Sinne der Interpellation mit großer Mehrheit angenommen worden sein.
Ausland.
+ Saris, 8. Mai. Die französischen Gemeinderathswahlen finden stets durch da8 ganze Land an einem und demselben Tage statt und werden fast ausschließlich nach politischen Gesichttpaukten vorgenommen. Die Parteipolitik spült habet eine viel größere Rolle als bei uns in Deutschland die Wahlen zu den Gemeindevertretungen. Diesmal war sür die Neuwahlen zu den Gemeinderäthen eine besondere lebhafte Agitation entfaltet worden, namentlich von den Nationalisten, und cs ist nicht zu leugnen, daß diese auch bei den Neuwahlen am letzten Sonntag einige Erfolge errungen haben Das ist besonders in Paris selbst der Fall; dort hat der „Neu Boulangismus" ebenso fein Hauptquartier aufgeschlagen, wie ehedem der Boulangismus. Aber man darf nicht vergessen bei der Beurtheilung der Wahlergebnisse, daß die Or- leaniften und Banapartisten und auch vielfach die gemäßigten Republikaner von der Farbe des ehemaligen Ministerpräsidenten Meline mit den Nationalisten gemeinsame Sache machen, um dem Ministerium desHerrnWaldeck-RousseauSchwierig' teilen zu bereiten. Außerdem scheinen die Na»
bleib Da bei ihm, bis er erwacht, ich will mich jetzt auch ein wenig hinlegen; hernach kommt wohl das Mütterle und löst Dich ab, wenn Du den Vater auf dem Felde vertreten mußt, denn es gibt halt viel zu thun."
„Du bleibst alleweil doch mein Sieb", flüsterte er darauf dem Mädchen zu, „wie's auch kommt. Wie bleich Du heut bist! Gleich gehst Da schlafen!"
Sie nickte ihm noch einmal freundlich zu und verschwand. Er aber setzte sich nachdenklich am Lager des Kranken nieder. Da fiel ihm sein eigenes Krankenlager wieder ein, wie er im Wundfieber gelegen und sich in einem Eispalaste gewähnt hatte, in dem Loni als Königin mit einem goldenen Diadem auf dem Haupte prangte. Und dann war er erwacht und hatte den freundlichen Doktor wir die barmherzige Schwester ge» sehen, hatte getrunken und war dann wieder entschlummert. So ging es wohl vierzehn Tage lang, bis endlich die Wunde anfing zu heilen und das Bewußtsein nicht mehr schwand. Aber mchl rühren haue er sich dürfen; die Unthätigkeit hatte ihn zuerst gtqrnlt, und daß er Loni nicht schreiben durfte. Auch an den Prinzen dachte er und daß die Dankbarkeit säst so selten fei, wie die Feen und Eisen der Kindheit im Mannes- alter. Ja, so ein Krankenlager war für einer gesunden Menschen doch etwas ganz Schreckliches! Na, ungeduldig genug würde der Bauer auch wohl sein. — Jetzt regte er sich. ,
(Fortsetzung folgt.)
Abg. Ktrokd-Iukda (Ctr.) begrüßt dieErklärung des Staatssekretärs, daß die preußische Regierung die Berechtigung der Forderung auf Abschaffung der Zoll- kredite für landwirthschastliche Produkts anerkenne. Man wolle das Anerkenntntß der Berechtigung dieser Forderung der Landwirthschast nur so bekunden, daß man im neuen Zolltarifgesetz, das in der nächsten Session an den Reichstag kommen werde, die betreffenden Zollkredite fallen lasse. Gehe man auf diesem Wege »or, dann erreiche man aber keineswegs die sofortige Aufhebung der Zollkredite, sondern diele hörten erst beim Ablauf der Handelsverträge auf. Demgegenüber halte er daran fest, daß die Regelung dieser Materie dem Zollgesctz vorweg genommen werde. Wenn der Bundesrath die Berechtigung des Verlangens der Land- wirthschaft anerkenne, müsse er diese Erkenntnih möglichst schnell zu Tage treten raffen. Der Staatssekretär habe die Statistik der Interpellanten bemängelt, — aber wenn man auch die Zahlen deS Staatssekretärs accepnre, aus denen hervorgehe, daß 47—48 pCt. des ursprünglichen eingeführten Getreides nur ausgeführt werden, dann habe man schon den Beweis dafür, daß dre Wirkungen der gemischten Transitläger solche seien.
Bedenken gegen die in mehreren Anträgen vor- geschlagene Aufbringung der Kosten aus öffentlichen Mitteln. Schließlich wurde folgender tz 36» angenommen: „Die Kosten der Ermittelung der Krankheit, sowie der Beobachtung der einzelnen Fälle und auf Antrag der behördlich angeord- nelen Desinfektion, sowie der Anordnung besonderer Vorsichtsmaßregeln für die Aufbewahrung, Einsargung, Beförderung und Bestattung der Leichen sind aus öffentlichen Mitteln zu bestreiten. Diese Leistungen gelten nicht als Armennnter- stützungen." Die übrigen Paragraphen des Gesetzes erfuhren keine wesentlichen Abänderungen. Zur Redaktion der Beschlüße erster Lesung wurde eine Unterkommission eingesetzt, bestehend aus den Abgg. Gamp, Dr. Endemann, Rernbold.
(*) Koöleuz, 8. Mai. Der Oberbürgermeister unserer Residenzstadt Koblenz, Herr Emil Schüller, ist heute früh in Folge eines Schlaganfalls plötzlich gestorben. Herr Schüller, geboren zu Elberfeld am 11. Januar 1843, war in den 80er Jahren erster Beigeordneter der Stadl Krefeld und bei der dortigen Oberbürgermeisterwahl der Kandidat der katholischen Minderheit der Stadtverordnetenversammlung. Die nationalliberale Mehrheit aber gab einem protestantischen Bürgermeister aus Schlesien den Vorzug, Bald nachher wurde Schüller erster Beigeordneter der Stadl Koblenz und im Jahre 1891 zum Oberbürgermeister von Koblenz gewählt und dann auch als Vertreter dieser Stadl in das Herrenhaus berufen.
* Kürzel, 8. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin sind mit den jüngsten Kaiserlichen Kindern heute Vormittag 10 Uhr 15 Min. hier eingetroffen und vom tommanbirenben General ©rafen Häseler, dem Bczirkspräsidenten Freiherr .von Hammerslein, dem Bürgermeister und der evangelischen und katholischen Ortsgeistlichkeit empfangen roorbert. Am Bahnhofe hallen der Kriegerverein, die Feuerwehr, Schulkinder und "llk große Volksmenge Aufstellung genommen, welche das Kaiserpaar durch lebhafte Zurufe be=. grüßten. Nach einer Merteistanbe erfolgte unter strömendem Regen die Weilerfahrl nach Urville.