FuldaerM-Zeitung
M 103.
JuNa, Samstag, den 5. Mai 1900.
27. Jahrgang.
Kronprinz Iriedrich Wilhelm
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(Nachdruck verboten.)
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Jahr lang Militärdienste thun und dann die Universität beziehen."
Unser Bild stellt den Prinzen an der Spitze des 1. Zuges der Leibkompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß dar, in dem alle Prinzen unseres Kaiserhauses eine Zeit lang Dienst zu thun pflegen.
Gleich einem Steinbilde stand Hobelmann da. Es war ihm unfaßbar, wo das Loos geblieben sein könnte, und er war jetzt der festen Ueber- zeugung, daß er wirklich der Spielball einer finstern Macht sei.
Untersuchungshaft sitzenden Hodelmann war unerschütterlich.
Das Gericht hatte, obwohl e§ den Aussagen des schwer Beschuldigten wenig Glauben schenkte, in den Zeitungen den „langen Barbarossa" und den „kleinen Kauz" aufgefordert, sich zur Vernehmung zu melden, aber ohne Erfolg.
Wie die Stromer eigentlich hießen, hatte der Jnhastirte nicht gewußt, und sie lasen vielleicht keine Zeitungen oder — was wahrscheinlicher war — sie trauten der Geschichte nicht und blieben wahlweise hinter den Kouliffen.
Ein Herbstnachmittag, an dem die Sonne einmal Siegerin geworden, lag in voller Schönheit über Dorf und Fluß mit jener feierlicher Stille, die man nur auf dem Lande findet und die für ruhige Gemüther so tief tröstlich ist und so ganz geeignet zur Einkehr in fich selbst, die man so oft vergißt.
Die Mutter hatte sich mit dem Strickstrumpfe, der schönen Maske des geschäftigen Müßigganges, zu einer gleichgesinnten Bekannten begeben, während die Tochter daheim saß in wehmüthigen Gedanken und das Spinnrad drehte. Zum Fenster lugten blaue Tauben in die freundliche Stube hinein und auf dem Fensterbrette pfiff ein munteres Rothkehlchen.
Z«sr«ttr:Dieei» spalt. Garmond-- zelle ober deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petit- jetle 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechen». Rabatt gewährt.
Abg. Müller-Fulda entgegnete, diese Be" stimmung würde nur dem russischen Getreide und dem englischen Handel zugute kommen und die Steuererträge um zwei Drittheile verringern.
Nur die Abgg. Richter (freis. Berg.) und Bebel (sozd.) bemängelten diese Steuer grundsätzlich.
Der Abänderungsantrag Frese wurde ab gelehnt, die Bestimmung nach dem ursprünglichen Vorschläge des Abg. Müller au- genommen.
Abgelehnt wurde dagegen mit 11 gegen 11 Stimmen die Besteuerung der Schiffsfahrkarten
ES soll schriftlicher Bericht über die Kommisfionsverhandlungen an das Plenum erstattet werden. Für das Flottengesetz wurde Abg. Müller-Fulda, für das Steuergesetz Abg. Dr. Paa sche (ntl.) als Berichterstatter gewählt.
Die Beratungen werden am Dienstag 8. Mai fortgesetzt werden.
o,. Ausnahme der Sonn- und Feier- tage. Bierteljährl. Hk,»,.prrt» ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Aulda und auS- «SrtSlM.bOPf.
Dieser blätterte vor und zurück, ohne etwas finden.
Der Koöeünann.
Ein Bild auS dem Volksleben von August Butfcher.
© Die Flottenvorlage in der Budgetkommission des Reichstages.
VI.
Die Budgetkommission des Reichstages setzte beute die Einzelberathung des vom Abg. Müller-Fulda (Ctr.) beantragten Steuergesetzentwurfes bei der Abgabe für Lotterieloose fort: 20 v. H. für inländische, 25 v H. für ausländische Lotterieloose.
Dazu liegt ein Abänderungsantrag des CentrumSabg. Gröber und Gen. (Ctr.) vor. Zu § 22 wird folgender Zusatz beantragt: „Inwieweit Ausspielungen, bei welchen keine Spielausweise angegeben werden, zur Steuer beranzu- ziehen find, ist vom Bundesrathe zu bestimmen und öffentlich bekannt zu machen."
Ferner wird folgender neue ß 22 » beantragt: „Den Spieleinlagen stehen gleich die Wetteinsätze bei öffentlich veranstalteten Pferde- re n n e n und ähnlichen öffentlichen Veranstaltungen. Wer im Jnlande solche Wetteinsätze entgegennimmt, ist verpflichtet, versteuerte Ausweise hierüber auszustellen."
§ 24 soll einen Zusatz enthalten über die Besteuerung von Spieleinlagen bei ausländischen Wettunternehmungen.
§ 29 soll dahin abgeändert werden, daß Ver- loosungen aller Art, die bis zum 1. Juli 1900 gestattet werden, der bisherigen Reichsstempelabgabe unterliegen sollen.
Abg. Gröber regte außerdem an, auch Loose für gemeinnützige (nicht mildthätige) Zwecke steuerfrei zu lassen. Und Abg. Prinz Aren- berg (Ctr.) fragt an, ob es nicht möglich sei, nur die Gewinne zu besteuern, nicht die Loose durchweg. Unterstaatssekretär Aschenborn erwidert, die Gewinne würden von deu Einzelstaaten schon hoch besteuert, von Preußen z. B. mit 15 v. H,
Nach kurzer weiterer Debatte wurden die Sätze für Lotterieloose, sowie die von Gröber u. Gen. beantragten neuen Zusätze und Paragraphen angenommen. Das Wort „Pferderennen" wird ersetzt durch „Rennen".
Die Besteuerung der Schiffsfrachtur- kunden < Konnossemente) verursachte eine längere Debatte. Beantragt ist eine Abgabe dafür a) im Jnlande angestellte */» v. H. — b) im Auslande ausgestellte, sofern sie im Jnlande aus- gehändigt werden 1) über ganze Schiffsladungen 10 Mk. — 2) Über Theilladungen oder Stück- gürer 20 Pfg.
Abg. Frese (freis. Berg.) erklärte von neuem, daß die Kaufmannschaft in Hamburg und Bremen bereit ist, diese Steuern zu tragen. Doch dürfe dadurch Handel und Schifffahrt nicht erschwert werden. Redner stellte den Antrag, die Sendungen auf der Nordsee und Ostsee von der Steuer frei zu lassen.
Deutsches Deich.
Berlin, den 4. Mai.
Kaiser Ira«z Joseph vs« HeKerreiq
Der Schultheiß sagte mit vernichtender Kälte •
"Da ist kein Loos! Es ist unterschlagen und der Miffethäter ist zweimal strafbar!"
Alle bleiben stumm, nur die alte Bilse schrie: „Er hat eä versteckt, der Duckmäuser, aber es soll ihm nichts helfen!"
„Bah, man Hot eine Bekanntschaft mit ihr", bemerkte der Schultheis mit Achselzucken. „Das gilt nicht«. Sind keine Leute dabei gewesen?"
„Ah doch" — rief plötzlich erleichtert der Angeschuldigte. „Zwei HandwerkSburschen haben es gesehen und gehört; der lange Barbarossa und der kleine Kauz."
„Das wäre nicht dumm, wenn et wahr wäre" meinte sehr strappirt der Schultheis, „obwohl HandwerkSburschen eigentlich keine Leute sind. Das muß genau festgesteltt werden und bis dorthin bleibst Du ,ebenfalls in Hast. Wo ist das Loos? Es muß in die Hände der Gerechtigkeit abge- lrcsert werden!" a
liegt in dem Gebetbuche meiner Mutter" war die kurze Antwort. " '
»Wird verhaftet", sagte aufstehend der Würdige und setzte sich mit der ganzen Wolke in Bewegung nach dem Hause des Beklagten, der zwischen den Hütern der Ordnung wie in einem Schraubstocke ging E« war eine unheimliche Ruhe über ihn gekommen und grüblerisch, wie er war, glaubte er an ein finsteres Verhängniß, bas jedes Glück von seiner Thüre weise. Er holte, in dem armen Stübchen angekommen, das Buch aus dem Wandschranke und gab es in die Hände des Schultheißen
Graue Nebel spannten sich über den Fluß, der unweit des Dorfes vorüberrauscht, in dem unsere Geschichte sich auf- und abwickelt, und legten sich auch düster auf die wie versinkenden Häuser und drückend auf so manches Herz.
„ Die holde Ilse und die schwarze Bilse lebten
trübe bei einander in dem hellen Hause; die Tochter stille mit umschleierter Seele, die Mutter immer grollend wie ein nahes Gewitter. Es ging rasch abwärts mit ihrem Heimwesen, denn st einmal ein Loch gerissen, so erweitert es sich immer mehr, wenn nicht sofort tüchtig verstopft wird. Es war Herbst geworden in dem als
I „Woher hast Du das Loos?"
i „Mein Pathe Dornftied hat es mir geschenkt."
„Geschenkt? Das ist sehr verdächtig. Der i ■ verstorbene hat nie etwas verschenkt."
„Es ist so, ich kann einen Eid darauf ablegen." '
„Da« ist gar keine Kunst", meinte der Schul- lyeis und setzte bei: „Die Wittwe Dorufried be- hauptet und hat Zeugen, daß ihr Mann das Loos üekauft und eingeschoben habe; er hätte e« ganz Setüifc nicht gutwillig geschehen lassen." ' 5 - Et Ruhe erwiderte Hobelmami: „Ich sage QUU?\ba^Ornfrieb bQ< Lo°S gekauft habe; SufLfpatekr ?ßt.rer " mir g-schenkt. Er war mein W , unb bajft cs wohl erklärlich, daß er mir €tn kleines Geschenk gemacht hat."
6ef't?sQ! °uch wieder richtig", meinte etwa« SÄ- klug- Richter. „Aber das sind eben
b U"b Sohlen bleibt gestohlen, sei es zu- stegangen, wie es will." 5
»nann^ "'cht", sagte verächtlich Hobel- Getb Ä uicht nöthig, wenn Dir das viele B^i^-bensollte', meinte der Dorfschulze. „Aber 8C S -ben dafür sein, daß das Loos 8 fit, sonst geht c« schief für Dich." ,bQr^ !>ln sicher", sagte energisch der Verhörte, f«qe^Jöen^ en< ^kse die Wahrheit meiner an«: ' ge glauben wird."
kert oot, die für die Erholung zu bestimmende Zeit in richtigen Einklang zu bringen mit den nicht geringen Anforderungen des Unterrichtes. Denn in verhältnißmäßig kurzer Zeit mußte der Anschluß an die übliche Vorbildung zur Universität erreicht werden, die für den Kronprinzen fich nicht einfacher, sondern eher noch anspruchsvoller gestaltete als für andere Bbiturien- ten. Der Kaiser, der wie von jeher auch während der ganzen Plöner Ausbildungszeit des Kron- Prinzen den einschlägigen Erziehungsfragen die ernsteste Aufmerksamkeit zuwendete, bewahrte den einmal von ihm gewählten Erziehern und Lehrern fortgesetzt sein Vertrauen und nahm an der ungestörten Durchführung des Unterrichtes ein In- teresse, dem die nach sachverständigem Urtheil sehr günstig ausgefallenen Schulergebnisse in erster Linie zu verdanken find. Gesundheit gn Leib und Seele, verspricht der Kronprinz auch tu seiner ferneren Entwickelung umsomehr den Erw«tunaen derer, denen sein Wohl am Herzen liegt, insbesondere seiner kaiserlichen Eltern, seiner Verwandten und aller, die sich beruft- und pflichtmäßig mit der Unterstützung seines Studieneifers befassen, gerecht zu werden, als er in seinem Wesen schon jetzt etwas Reifes, in sich Gefestigtes erfennen läßt, etwas von dem „An sich halten können" der Hohenzollern, das namentlich bei feinem kaiserlichen Urgroßvater so überaus charakteristisch in die Erscheinnng trat. Wie jeder sunge Deutsche wird der Kronprinz zunächst ein
ist, heute Vormittag 10 Uhr hier eingetroffen. Kaiser Wilhelm, die kaiserlichen Prinzen, die Generalität und viele sonstige hohe Persönlichkeiten hatten sich zum Empfange auf dem Potsdamer Bahnhöfe eingefunden. Kaiser Wilhelm, der österreichische Generals-Uniform trug, begrüßte bei der Ankunft auf dem Bahnhofe die dort anwesenden Fürstlichkeiten und die Generalität und schritt hierauf die Ehren - Kompagnie ab. Als der Zug einfuhr, erwartete Kaiser Wilhelm den erlauchten Gast und salutirte in militärischer Haltung, die RegimrntSmusik intonirte den Präsenürmarsch, und dir Fahnen senkten sich zum Gruß. Die gegenseitige Begrüßung der Monarchen trug einen außerordentlich herzlichen Charakter. Nach der Vorstellmrg der beiderseitigen Gefolge begrüßte Kais« Franz Joseph die Generalität. Unter den Klängen der österreichischen Volk-Hymne wurde hierauf von den
Seine starre düstere Ruhe verstärkte noch beii Verdacht, der sich rasch in alle Herzen gefressen hatte, gleich dem Bohrwurm. Man durchsuchte das ganze Haus — vergebens.
„Abgeführt in die Ämfstadt!" kommandirte der Schultheiß und machte einen Kleck«, der feinen Namen bedeuten sollte, hinter sein Geschreibsel.
Als so der Gefangene wortlos zwischen den beiden Wächtern dahinschritt und an Dornfrieds Haus vorüberging, stürzte Ilse herauf und rief weinend: „Du hast's nicht gethan, ich weiß es und vertraue auf Gott, daß die Wahrheit an den Tag kommt!"
Er aber sah sie tieftraurig an und murmelte im Weiterschreiten : „Scherben, alles in Scherben!"
4. Erwerben.
„unmenschlich reich" gepriesenen Dornfriedschen Gute, und viele sagten schon laut, daß der schwarzen Bilse bald nichts mehr eigen sein werde», als das Helle Haus und die düster gewordene Ilse.
Sie hätte wohl einen Ausweg gewußt aus der Sackgasse, in d,e sie gerothen war: — eine reiche Heirath der Tochter; und sie schaufelte auch unermüdlich an d-esem Wege, aber ohnf Erfolg. Des Mädchens Neigung zu dem in
>’£“■ mit Nnlerhallungs-Meikage „Mllllrirte Sonntags-Aeitung" ""
Morgen, Sonntag, den 6. Mai, vollendet der Kronprinz des deutschen Reiches und von Preußen fein 18. Lebensjahr und wird damit nach dem Hohen- zollernschen Hausgesetze groß- jährig. Die Großjährigkeits- erklärung erfolgt unter großer Feierlichkeit in Anwesenheit vieler deutscher Fürsten, des Kaisers von Oesterreich und besonderer Vertretungen der auswärtigen Mächte. Das deutsche Volk und die preußischen Unterthanen insbesondere schauen mit froher Hoffnung auf den kräftig Heranwachsenden jungen Katsersohn, dem die g'ttliche Vorsehung nach menschlichem Ermessen die Kaiserwürde des deutschen Reiches und die Königskrone Preußens zu- gedacht hat, und bringen ihm von Herzen ihre besten Glückwünsche dar. Möge alles Gute, was dem Kronprinzen von allen Seiten gewünscht wird, voll und ganz in Erfüllung gehen, möge er eine lange Reihe von Jahrzehnten des friedlichen Glückes unseres Vaterlandes schauen!
Der Kronprinz wurde am 6, Mai 1882 geboren; die Taufe fand am 11. Juni 1882 in Potsdam statt, lieber das Wesen
bin Berliner Mitarbeiter der .Münchener Allg. Ztgck auf Grund von Aus- . encne. glaubwürdiger wie wohlunternch- reter Personen": „Sein Auftreten ist frei von jeder Betonung des Bewußtseins seiner zukünfti- gen Stellung. Er kehrt weder im Verhältniß 3u feinen Brüdern noch im Umgang mit irgend welchen minder bevorzugten Sterblichen den zu- künftigen Herrscher hervor. Den Grundzug seines 22 .d'Aet eine ungezwungene vornehme EnSwürdigkeit, und die Art seines Auftretens berührt durchweg sympathisch. Von den un der geistigen Ausbildung des Prinzen be- thelligten Persönlichkeiten wird ihm überein- stimmend eine gute Auffassungsgabe, Selbst- npnT $Usn9 Zurechtfinden in
Wbene Verhältnisse nachgerühmt. Die Kenntnisse des Prinzen gehen über das DmchschnittS- wissenschaftlichen Vorbildung gleich- altenger Gyunasialabiturienten erheblich hinaus, «s braucht nicht verschwiegen zu werden, daß es jS’JL ÜUf Einfluß des Kaisers selbst ffS tfls?rein»9eH,efen W' wenn der Rath der Erzieher deS Kronprinzen zur Anerkennung ge- langte, die wissenschaftliche Vorbildung, die ihm und semeu ihm im Alter am nächsten stehenden Brüdern zu Theil werden sollte, nicht in Pots- Ä refpeftwe Berlin ihrem Abschlüsse entgeaen- zuführen, wo das Maß der zuträglichen Zer- streuungen schwer zu kontrolliren gewesen wäre jondern in Plön, wo sich viel eher die Möglich-
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