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M 101.
Jutöa, Donnerstag, den 3. Mai 1900.
27. Jahrgang.
4* Zur Flottensrage.
Somit stehen wir, wenn nicht alle Zeichen trügen, unmittelbar vor der Lösung der Frage der Kostendeckung, und damit auch vor der Lösung der ganzen Flottenfrage, wenn nicht im allerletzten Augenblicke noch uvvermuthete Eingriffe von außen her störend einwirken sollten.
Die Entscheidung der Flottenfrage ist um einen weiteren Schritt näher gerückt. Um dies richtig zu erkennen, muß man folgende Thatsachen berücksichtigen :
Schatzfekretär Freiherr v. Thielmann hat am Dienstag in der Budget-Kommission des Reichstages erklärt, daß die verbündeten Regierungen Fühlung haben mit dem Steueranttage des Abg. Müller-Fulda; dieser sei zur Be- rathung vollkommen geeignet. Daraus ist zu schließen, daß die verbünderen Regierungen ein« verstanden sind mit der Art der Kostendeckung nach dem Vorschläge des C-nttums. Dasselbe trifft für dieKonservativen undNational- liberalen zu. Der konservative Abg. @ra Stolberg hat erklärt, er fei bereit, seinen ursprünglichen Antrag auf Verdoppelung des Lotteriestempels in den Antrag Müller hineinzupaffen. Der nationalliberale Abg. Dr. Paasche aber hat in der Budget-Kommission ebenfalls seine Ansicht über den vom Abg. Müller-Fulda beantragten Steuer«Gesetzentwurf dahin ausgesprochen, daß dieser die Grundsätze enthalte, über die man sich schlüssig machen könne. Gleichzeitig ist der nationalliberale Äbg. Bassermann in Fühlung mit dem Centrum mit seinem Anträge zum Zolltarif hervorgetreten; so werden darin zur Deckung des Mehrbedarfes verlangt eine weitere Abgabe auf Schaumwein und höhere Zollsätze für ausländische Schaumweine, Liqueure, Cigarren und Cigarretten.
Wo die verschiedenen gesetzgeberischen Faktoren in dieser Weise zusammenwirken, steht die befriedigende Erledigung sehr bald zu erwarten.
Run könnte man noch die Frage aufwerfen, ob denn die von den Abgg. Müller-Fulda, Graf Stolberg und Baffermann vorgeschlagenen Steuern, Abgaben und Zölle auch für die Deckung der Flotten kosten als genügend erachtet werden. Ehedem zweifelte man daran, und namentlich die Centrumsabgeordneten Gröber und Müller-Fulda sprachen in voriger Woche in der Budgetkommission den Wunsch ars, es möge außer diesen Steuern und Abgaben noch eine Ergänzungssteuer in Aussicht genommen werden, die nur dann zur Erhebung gelangen sollte, wenn es an Mitteln zur Kostendeckung für die Ausführung der Flottenverstärkung fehlen sollte. Die inzwischen angestellten Berechnungen und Verhandlungen haben indessen ergeben, daß die Ausführung der Anträge Müller-Fulda und Bassermann zur Deckung der Kosten ausreicht; und in diesem Sinne konnte deswegen Abg. Gröber am Dienstag in der Budgetkommission erklären, es herrsche Uebereinstimmung darüber zwischen den verbündeten Regierungen und der Mehrheit der Budgetkommission, daß das Bedürfniß aus dem Flottengesetze gedeckt werde und man eine Er- "gänzungssteuer nicht mehr brauche.
Der Kobel'mann.
Mn Bild aus dem Volksleben von August Butscher.
3 ------ (Nachdruck verboten.)
Nur selten noch saß sie mit ihrem alten Gebetbuche an der alten Hobelbank, die zugleich als Tisch bienen mußte, und klagte dem Ewigen ihr Lerd.^ Das Lotterieloos diente ihr als Merkzeichen und sie suchte es zuweilen zu entziffern, hatte aber keinen rechten Begriff von seiner Bedeutung. Es war eine einfache alte Frau mit engem Gesichts- »eise, aber mit warmem Mutterherzen. Ihre Weisheit gipfelte in dem goldenen Spruche: „Bete und arbeite, Gott gibt allezeit."
Ec aber schüttelte dazu mürrisch den Kopf. Arbeit halte er keine und aufs Beten hielt er wcht viel. Bald hatte er wieder etwas zu machen aus leichtem Holze, aber mit schwerem, iodtwun- oem Herzen.
Eines Morgens war die Mutter aus ihrer kngen Kammer nicht herausgekommen, und als er ncch ihr sah, lag sie tobt unb kalt in bent ounnen Bette und ihre Augen hatten keinen lebens- und liebevollen Blick süi den Sohn mehr; aber ?? schickte die Liebe gewiß wieder herab aus dem überreichen Himmel, der einzig reiche Pfründen 9Qt lür die Armen und Gedrückten.
Die gute alte Frau, die Mutter Hobelmann's, ^ar zwar unerwartet schnell, aber nicht unvor- ^reuet in die ewige Heimath gegangen; denn ^ gleichsam einer inneren Stimme folgend — 2/!te sie am Morgen vor ihrem Todestage mit 'tzter Andacht gebeichtet und kommunizirt. Und
£ Kaiser Franz Joseph von Oesterreich in Deutschland.
Berlin schmückt sich zum Empfange des ersten und des treuesten Bundesgenoffen des Reiches, des Herrschers des stammverwandten Oesterreich. Verschrobene Querköpfe wollten es in der Versammlung der Berliner Stadtverordneten dahin bringen, daß die Summe abgelehnt würde, die der Magistrat für eine würdige Ausschmückung der Stadt fordert. Kaiser Franz Joseph sei der persönliche Gast des deutschen Kaisers; dieser möge darum auch Sorge tragen für festliche Veranstaltungen, wenn er solche für vöthig halte. Aber diese Querköpfe, die sich gewöhnlich Sozialdemokraten nennen, sind mit ihrer Verschrobenheit in der Versammlung der Berliner städtischen Vertreter allein geblieben; die Abfertigung, die ihnen von denjenigen zu thei! wurde, auf deren Mitverschrobenheit sie fälschlicherweise gerechnet hatten, war voll und kräfttg und bewies, daß der Bund zwischen Deutschland und Oesterreich nicht nur auf Akten geschrieben in den Schreinen der diplomatischen Archive ruht, sondern in den Herzen der Deutschen aller Stände und aller Parteien getreulich eingeschrieben ist. Mit Stolz und mit herzlicher Freundschaft empfängt Deutschland den Kaiser von Oesterreich als seinen Gast, als den Gast des ganzen deutschen Volkes!
Gerade jetzt ist der Besuch des Kaisers Franz Joseph, gerade in diesem Augenblicke ist der außerordentlich herzliche und besonders festliche Empfang, der dem befreundeten Monarchen bereitet wird, von doppelt hervorragender Bedeutung. Denn in Oesterreich selbst und auch in anderen Ländern begannen Feinde Deutschlands daran zu arbeiten, .die festen Bande, .die beide Länder mit einander zusammenhält, zu lockern. Dies geschah, indem man gegenseitiges Mißtrauen an der Aufrichtigkeit des Bündniffes und Zweifel daran zu erwecken suchte, daß dieser Bund auf die Dauer für beide Verbündeten gleichmäßig von Vortheil fein würde. Unkenrufe werden manchmal bereitwilliger aufgenommen als Engelsstimmen; und eine Zeit lang entstanden wirklich Besorgnisse in Wien und leider auch in Berlin, daß trübe Wolken ausziehen könnten an dem bisher strahlenden Bundes- Himmel. Aber die künstlich erzeugten Dünste der Zweifelsucht konnten nicht lange Stand halten vor der machtvollen Sonne der Wahrheit; und nun müssen auch die letzten Zweifel verstummen vor )er aufrichtigen, vollkommen ungekünstelten Herzlichkeit des Empfanges, der dem österreichischen Herrscher von dem deutschen Kaiser und von dem Volke bereitet wird.
Man kann Gepränge entfalten, wenn man will; man kann Feste feiern, Soldaten auf« marschiren, Fahnen flattern und Trompeten chmettern laffen zu jeder Zeit; aber die Volks
biefer Umstand gewährte dem Sohne, obwohl er ein Grübler war, doch Trost in s-inec Betrübmß.
Das Beste, was er hatte an Holz und Ge- chick, wandte Hobelmann an den Sarg der Mutier; er arbeitete einsam an ihrem letzten Hause, das chöner wurde als es die arme Hütte für die Lebende gewesen war. Auf der Hobelbank lag noch der „Himmelsscdlüssel" geöffnet und er trug das alte vergriffene Buch mit tiefer Rührung zu dem wackeligen Wandschrank, wo er es einschloß.
Von dem Begräbnißtage der Mutter an lebte er einsam und menschenscheu; er war sein eigener Koch, und es galt ihm nunmehr als eine Art von Trost, daß Niemand den vollen Umfang seiner Armulh ahnte.
Das Bett der Mutter hatte er verkauft und chlies auf ein Paar alten Säcken in der Ecke. Es war ein trübes, trauriges Dasein, und nur Ilse warf noch Strahlen in die Wolken seines Lebens mit ihren süßen Worten, die sie ihm zuweilen heimlich zuflüstern konnte.
Sie gab ihm den Rath, einmal ernstlich und entschieden mit der Mutter zu reden, denn des Vaters sei sie sicher, sagte sie.
Mit einer Art verzweiflungsvollen Muthes wagte er es, als er Ilsens Mutter allein in ihrem Garten sah, und mit der ganzen Kraft seiner Be- redtsamkeit und tiefen Empfindung warb er nut' das Mädchen.
Sie hörte ihm mit steinernem Gesichte zu, dann maß sie ihn langsam mit ihren, strengen, kalten Augen von oben bis unten und erwiderte nachdrücklich :
„Das laß' ein für allemal fahren, daraus wird nun und nimmer etwas. Mein Mann hat
regungen kann man nicht auf Kommando antreten laffen. Und wenn nun diesmal wieder die höfischen Berichte nach altbewährter Vorschrift zu erzählen wissen von der „außerordentlich herzlichen Begrüßung der beiden Herrscher", und davon, daß sie „wiederholt sich umarmten und küßten und begeisterte Hochrufe der zahlreich versammelten Menge den fremden Monarchen empfingen", so ist zwischen Hofbericht und Hofbericht ein starker Unterschied zu machen. Sonst pflegt der Bericht Schablone zu fein, ohne Rücksicht daraus, ob die Thatsachen in die herkömmliche Schablone hiurinpaffen. Diesmal aber wird die Schablone zur Wahrheit, und Kaiser Franz Joseph ist eines Empfanges und einer Aufnahme sicher, wie sie aufrichtiger und herzlicher nicht gedacht werden kann. Sogar der kritisch-kühle Berliner Bürger erwärmt sich bei dem Gedanken an diesen Besuch und Herrscher und Volk vereinigen sich, um den österreichischen Kaiser, den treuen Freund und Verbündeten, würdig unb festlich zu empfangen.
Ein glänzender Kreis von Fürstlichkeiten unb fürstlichen Abgesandten erwartet den Kaiser Franz Joseph. Aber auch die Herzen des ganzen deutschen Volkes schlagen ihm entgegen und das bedeutet mehr für die Festigkeit des Bündnisses beider Länder. Kaiser Franz Joseph von Oesterreich sei herzlich willkommen und hochgeehrt als Gast Deutschlands!
Deutsches Deich.
Berlin, den 2. Mai.
x Die lex Keiutze, so wollen viele Zeitungen durchaus noch immer behaupten, soll im Reichstage innerhalb dieser Tagung nicht mehr auf die Tagesordnung gesetzt werden; auch das Centrum habe sich "damit einverstanden erklärt. Wiederholt sei allen diesen Nachrichten gegenüber daraus hingewiesen, daß davon noch niemals die Rede war. Die lex Heintze wird sicherlich von neuem ausgenommen werden, dafür sorgt das Centrum. — In der badischen zweiten Kammer ist am heutigen Mittwoch ein Antrag mit 28 gegen 18 Stimmen des Centtums angenommen worden, wonach die Regierung die badischen Vertreter im Bundes- rathe anweisen soll, gegen die Paragraphen 184 a und 184 b zu stimmen, wenn das Gesetz im Reichstage angenommen werden sollte. Staatsminister Nokk erklärte, die badische Regierung habe nach wie vor schwere Bedenken gegen diese Paragraphen: aber er könne nichts Bestimmtes über die Stellung der Regierung er« klären, weil das Gesetz im Reichstage noch nicht endgiltig erledigt sei.
X Das IlkeifHSefchau-Liompromiß ist durch die voraufgegangenen Meldungen richtig gekennzeichnet worden: Rückenfleisch und Würste sollen nicht mehr aus dem Auslände eingeführt werden, frisches Fleisch nur in ganzen Thierkörpern, zubereitetes Fleisch nur bann, wenn nach >er Art feiner Gewinnung und Zubereitung Gefahren für bie menschliche Gesundheit erfahrungsgemäß ausgeschlossen sind oder die Unschädlichkeit sich feststellen läßt. Pökelfleisch darf nur in Stücken von mindestens vier Kilogramm Gewicht
mir letzthin damit kommen wollen, aber ich habe ihm den einfältigen Kopf gewaschen. Mein Mädchen heirathet einen reichen Mann oder gar keinen, also laß' die Flausen und bleibe beim Zollstab!" Damit wandte sie ihm den Rücken und ließ ihn in einer Stimmung stehen, die nicht zu childern ist. Er sagte später, es habe wie mit -undert Messern in sein Herz geschnitten, und es wird wohl auch so gewesen sein.
Am gleichen Abend, als er stumpf und mit 'tarren Augen in seiner Werkstatt stand, kam — ein Ereigniß, das einzig war — Ilse mit verweinten Augen in fein armes, kahles Stübchen und sagte tiefgebeugt:
„Hobelmann, eben ist der Vater gestorben, abgelöscht wie ein Licht. Du mußt ihm den Sarg machen, das Schönste, was es gibt. Er hat es oft gesagt und ich habe es bei der Mutter durchgesetzt."
Er starrte sie sonderbar an, als'Hob er nichts iegreife, aber nicht verwundert, denn er wunderte ich in seinem jetzigen Zustande über nichts.
Ilse aber sah trotz ihrer Thränen endlich einmal diese Armulh unb ihr weiches Herz krampfte ich in Bitterkeit zusammen.
Mechanisch nahm er den Zollstab und ging in Dornfrieds Haus. Er schaute nicht rechts und nicht links. Ohne Wort und ohne Thräne nahm er das Maß von der Leiche und ging ohne Gruß von bannen.
Daheim suchte er bie letzten Bretter zusammen, die er finden konnte, unb begann bie Arbeit. Die halbe Nacht knirschte sein Hobel bei dem Scheine eines Talglichtes und so den nächsten Tag unb bie nächste Nacht.
eingeführt werden. Schwach gepökeltes Fleisch, bas leicht wieder entpökelt werden kann, unterliegt derselben Behandlung rote frisches Fleisch. Für die Zeit nach dem 31. Dezember 1903 müssen die Bedingungen für die Einfuhr von Fleisch von neuem gesetzlich geregelt werden. Sollte eine solche Regelung nicht zu Stande kommen, so bleiben die jetzt vereinbarten Bestimmungen einstweilen in Geltung. So weit die Vereinbarung. Der zweifelhafte Punkt dabei ist der, wie denn zu bestimmen ist, was man als frisches und was als zubereitetes Fleisch ansehrn unb danach behandeln soll. Die entsprechenden Bestimmungen müßten dem Bundesrathe Überlassen bleiben. Die »Deutsche Tageszeitung', führendes Organ des Bundes der Landwirthe, meint dazu, sie „könne zu den Regierungen nicht das Vertrauen hegen, daß sie diese Bestimmungen mit der durchaus nothwendigen Schärfe und Festigkeit handhaben werden". Unbedingt richtig ist die andere Bemerkung des genannten Blattes, baß man „durch keine Untersuchung Nachweisen kann, ob Pökelfleisch von einem verendeten Thiere herrührt ober nicht". Nach der Sage der Dinge ist aber anzunehmen, daß die Vereinbarung der Dinge eine Mehrheit im Reichstage finden werde, und verschiedene mit einander Übereinstimmende Meldungen wollen wissen, daß die Mehrheit dafür auch schon im Bundesrathe gesichert fei.
fr De« Wertragsöruch der kandkiche« Arbeiter behandelt ein von den konservativen Abgg. von Mendel-Steinfels und Frhr. von Wangenheim im preußischen Abgeordnetenhause eingebrachter Antrag. Derselbe geht dahin, bie Staatsregierung aufzufordern, noch in dieser Tagung entsprechend den Beschlüssen deS Abgeordnetenhauses vom 1. Mai 1899 unb der Ankündigung des Herrn Landwirthschastsministers am 25. Januar b. I. einen Gesetzentwurf gegen den Kontraktbruch der länblichen Arbeiter, sowie gegen die Verleitung zu demselben einzubringen. — Dies der Wortlaut des Antrages. Namentlich die Verleitung dazu würde Bestrafung verdienen, wie dies auch bereits im Herzogthum Anhalt eingeführt ist. In Braunschweig hat ein entsprechender Entwurf wenig Aussicht auf Verwirklichung.
+ Die Dorkage über die afrika«ifche« Vostdampfer ist heute (Mittwoch) unverändert nach dem Vorschläge der Regierung angenommen norden. Gleichzeitig gelangten zwei Resolutionen zur Annahme. Die erste derselben ersucht die Regierung darum, baldmöglichst für die erhöhte Fahrgeschwindigkeit der Postdampfer nach Afrika zu sorgen. Nach der zweiten, vom kons. Abg. Abg. Dr. Derlei beantragten Resolution soll der Reichskanzler die Befugniß erhalten, landwirthschaftliche Erzeugnisse, die mit denen der heimischen Landroirthschaft konkurriren, von der Einfuhr durch die deutschen fubventio- nirten Dampfer auszuschließen. Ausgenommen sollen davon sein Tabak, Bienenwachs, Häute, Fette und Wolle.
0 Die nächste Sitzung des AerrenHanses ist nunmehr auf den 9. Mai anberaumt. Es find dann noch 2 oder 3 Sitzungen in Aussicht genommen.
Die Goldleisten und alles Zubehör ließ er — das erste Mal — auf Borg kommen unb wunderte sich nicht einmal, daß er alles ohne Widerrede bekam.
Die Hobelspäne bildeten kleine Hügel auf der alten Werkbank unb er schob sie mechanisch gegen die Rinne, bie an ber Hinterseite dcrselhen hin- litf- Dabei murmelten seine Lippen allerlei sinnlose Worte, nur die arbeitsgeübten Augen thaten in dem trüben Zwielichte wie mechanisch ihren Dienst.
Auf einmal richtete er sich auf. Sein grüblerischer Geist hatte ihn zurückgeführt in bie Vergangenheit, wo er bie großen Städte unb ihre Herrlichkeit geschaut. An bie Stelle ber Hängelampe trat ein flammendes Meer von Lichtern unb er sah lebensvolle Bilder über bie Bretter gehen, welche die Welt bedeuten.
Das damals aufgetauchte Theaterstück „Verschwender" von Raimund kam ihm in den Sinn und er kam sich vor wie der arme Valentin, ber in derben Versen seine Weisheit ausläßt. Auch Hobelmann murmelte vor sich hin, während ein schwer melancholisches Lächeln sein mageres unb übernächtiges Gesicht durchirrte:
„Da streiten sich die Leut' herum
Wohl um den Werth des Glücks, Der eine heißt den andern dumm, Am End' weiß keiner nix.
Ost ist der allerärmste Mann
Dem andern viel zu reich —
Das Schicksal legt den Hobel an
Und hobelt alles gleich!" —
Der Sarg war fettig und daS Lied klang fast wie ein Motto auf denselben. Es war ei« Bild -um Malen, der bleiche Schwermüthige mit